Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Poldermodell 3
2.1 Definition 3
2.2 Korporatistische Interessenvertretungen 4
2.3 Abkommen von Wassenaar 5
2.4 Kernpunkte der Regierungen ab 1982 7
2.5 Ergebnisse 9
3. Kritische Betrachtung 13
Literatur 14
Internetlinks 14
Handout 16
1
1. Einleitung Anfang der 1980er Jahre machten die Niederlande noch wegen ihrer dramati-
schen wirtschafts- und sozialpolitischen Situation als „kranker Mann Europas“ 1 weltweit Schlagzeilen. Und besonders gut sah es auch nicht aus: Die Zahl der
Arbeitslosen stieg monatlich um 10.000 Personen an und erreichte 1984 ihren Rekord mit 800.000 Arbeitslosen, was 14% Prozent bzw. nach OECD Berech-
nungen 2 27% der Erwerbsbevölkerung ausmachte. Infolge der hohen Arbeits- losigkeit und verschiedener Möglichkeiten früher aus dem Erwerbsleben aus-
zuscheiden, erhöhte sich die Zahl der Leistungsempfänger des sozialen Si- cherungssystems drastisch; weshalb auch die Staatsschuld beträchtlich an-
wuchs. 3 Umso erstaunlicher ist die Entwicklung, die die Niederlande seit Mitte der
1990er Jahren machte. Quasi über Nacht wandelte sich die besorgniserre- gende Situation der Niederlande zum allgemeinen beschäftigungspolitischen
Vorbild. Niemand sprach mehr vom „kranken Mann“, sondern nur noch von dem niederländischen Poldermodell, das diesen beschäftigungspolitischen Er-
folg erst möglich machte.
Nach Kleinhenz gibt es eine Gemeinsamkeit im öffentlichen Interesse an der
Erfüllung des beschäftigungs- und arbeitsmarktpolitischen Wohlfahrtsziels: „[Ziel ist es] für alle potentiell Erwerbsfähigen die Fähigkeit zu eigener Exis-
tenzsicherung durch Arbeit […] zu stärken und Beschäftigung unter den best-
möglichen Bedingungen zu gewährleisten, und zwar zum Wohle des einzel-
nen wie des Gemeinwesens.“ 4
In dieser Arbeit wird der Versuch unternommen dem Mysterium des Polder- modells auf die Spur zu kommen, indem der Frage nachgegangen wird: War
das Poldermodell Mitte der 1990er Jahre wirklich beschäftigungspolitisch er- folgreich?
Um diese Frage zu beantworten soll zunächst das Poldermodell definiert wer- den, um im Anschluss die zwei wesentlichen korporatistischen Interessenver-
tretungen kurz vorzustellen. Ein weiterer Punkt stellt das Abkommen von
1 Ex- Minister Präsident Lubbers 1990, in: Schettkat, 1997, S. 807.
2 In die Arbeitslosenquote der OECD werden auch noch die Personen mit einrechnet, die zwar regist- riert waren aber dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung standen, die Frührentner und Sozialhilfeemp- fänger sowie die Beschäftigten in staatlich geförderten Maßnahmen und staatlich subventionierten Arbeitsverhältnissen.
3 Vgl.: Visser/ Hemerijck, 1998, S. 27ff.
4 Kleinhenz, 1998, S. 260.
2
Wassenaar dar, sowie die daraus resultierenden Kernpunkte der Regierung. Eine Darstellung der Ergebnisse des Poldermodells beschließt diesen Ab-
schnitt. Im letzten Punkt soll mit einer kritischen Betrachtung der Ergebnisse auf die Fragestellung geantwortet werden.
2. Poldermodell
2.1 Definition Wenn das Poldermodell untersucht werden soll, muss zunächst eine begriffli-
che Bestimmung vorgenommen werden. Das Poldermodell lässt sich in die Teile „Polder“ und „Modell“ aufteilen.
Die Polder sind „das in gemeinsamer Arbeit dem Meer abgerungene Land.“ 5 Es handelt sich hierbei um eine Deichlandschaft, die zum Schutz gegen das
vordringende Meer angelegt wurde. 6 Unter einem Modell lässt sich ein Vorbild bzw. ein Muster verstehen.
Ähnlich wie bei der Landgewinnung, war es in der dramatischen Arbeitsmarkt- lage der Niederlande in den 1980er Jahren notwendig, gemeinsam mit allen
Verantwortlichen, zu einer Verbesserung der Situation zu kommen.
Demnach ist unter dem Poldermodell 7 die vorbildhafte, enge Zusammenarbeit von Regierung, Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften, in Bezug auf die
dramatische Arbeitsmarktsituation der Niederlande, zu verstehen. 8 Diese Zusammenarbeit wurde und wird durch korporatistische Interessenver- tretungen unterstützt, die im Folgenden näher erläutert werden.
5 Schneider, 2004, S. 38.
6 Vgl.: Schulten/ Mühlhaupt, 2003, S. 45.
7 Anzumerken ist, dass die zum Poldermodell viel zitierten Autoren Jelle Visser und Anton Hemerijck nie von einem Modell geschrieben haben und die Auffassung vertreten, dass es zu keiner Zeit ein Modell oder Art Plan gegeben hat. Vgl. dazu: Visser/ Hemerijck, 1998, S. 247.
8 Vgl.: www.niederlandeweb.de/de/content/community/Wirtschaft/Unternehmerplattform/beziehungen/ FAQ /1149877007#1149877007, Zugriff am 21.12.07.
3
2.2 Korporatistische Interessenvertretungen Unter Korporatismus ist die „institutionalisierte und gleichberechtigte Beteili-
gung von gesellschaftlichen Verbänden an der Formulierung und Ausführung
staatlicher Politik“ 9 zu verstehen.
Es können zwei Arten von Korporatismus unterschieden werden. Zum einem
gibt es den sozialdemokratischen Korporatismus, dieser wird durch starke so-
zialdemokratische Parteien sowie starke Gewerkschaften bestimmt. Zum an-
deren gibt es den liberalen Korporatismus, der sich durch schwache und ge-
spaltene Gewerkschaften und eine im Gegensatz dazu stärkere Position der
Wirtschaft auszeichnet. 10 In den Niederlanden herrscht letzterer vor. Die wichtigsten Institutionen korporatistischer Interessenvertretungen in den
Niederlanden sind zum einen die Stiftung für Arbeit (STAR) und zum anderen
der Sozial-ökonomische Rat (SER). 11 Für die Lohnpolitik ist die STAR, die bereits 1945 auf Initiative der Sozialpart-
ner gegründet wurde, das wichtigste Gremium. Zweimal im Jahr finden in die-
sem Rahmen tripartistische Beratungen zwischen der Regierung und den So-
zialpartnern, die sog. Frühjahrs- und Herbstberatungen 12 , statt. 13 Der SER wurde im Jahr 1950 gegründet und galt als oberstes wirtschafts- und
sozialpolitisches Beratungsorgan der Regierung. Ab den 1970er Jahren ge-
lang es dem SER nicht mehr internen Konsens zu erzielen, wodurch er immer
weniger Einfluss auf die Regierungspolitik nahm. In den letzten Jahren hat der
SER durch die Stiftung der Arbeit zunehmend an Bedeutung verloren und
1995 wurde ihm schlussendlich sein Vorrecht zur Beratung der Regierung ent-
zogen. 14
9 Czada, 1998, S. 218.
10 Vgl.: Visser/ Hemerijck, 1998, S. 27.
11 Vgl.: Visser/ Hemerijck, 1998, S. 125.
12 In den Frühjahrsberatungen wird das Budget für das folgende Geschäftsjahr vorbereitet und im Herbst werden Lohnverhandlungen geführt.
13 Vgl.: Visser/ Hemerijck, 1998, S. 125f.
14 Vgl.: Visser/ Hemerijck, 1998, S. 126.
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Nina Eger, 2008, Poldermodell, München, GRIN Verlag GmbH
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