Der Deutsche Herbst 1977:
Die Entführung der "Landshut"
und die Befreiung der Geiseln durch die GSG 9
DAS INHALTSVERZEICHNIS :
1. Die Einleitung 1
2. Die Vorgeschichte Seiten 2
3. Die Hauptakteure Seiten 3
4. Die Chronologie der Ereignisse Seiten 5
5. Die Auswirkungen Seiten 17
6. Die Literatur 18
2
1. Die Einleitung:
Der "Deutsche Herbst" war der Höhepunkt einer langen Auseinandersetzung zwischen der Rote Armee Fraktion und der deutschen Bundesregierung. Als eines der zentralen Ereignisse jener 44 Tage im September und Oktober 1977 stellte sich die Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" dar, die von arabischen Terroristen durchgeführt wurde mit dem Ziel, die Freilassung von inhaftierten RAF-Mitglieder zu erreichen.
Ziel dieser Arbeit ist es, einerseits den Ablauf der Entführung in der "Landshut", andererseits aber auch die Bemühungen der Bonner Politiker zur Konfliktlösung darzustellen. Zu diesem Zwecke wird vorab im zweiten Kapitel eine kurze Vorgeschichte des „Deutschen Herbst“ gegeben. Hierbei stehen die Aktivitäten der Rote Armee Fraktion seit der Zeit ihres ersten Auftretens 1970 im Mittelpunkt. Der dritte Abschnitt stellt die Hauptakteure der „Landshut“-Entführung und -Befreiung vor, an dieser Stelle werden sowohl die Anführer der Terroristen wie auch die Entscheidungsträger in der Bonner Regierung kurz portraitiert. Das darauffolgende vierte Kapitel bildet den Hauptteil der vorliegenden Arbeit, hier wird der Ablauf der Flugzeugentführung bis hin zur Befreiung und Rückkehr der Geiseln ausführlich dargestellt. Die chronologische Ausarbeitung fußt auf Berichten und Originalquellen, die Stefan Aust (Der Baader-Meinhof-Komplex, Hamburg 1998), Kai Hermann und Peter Koch (Entscheidung in Mogadischu, Hamburg 1977) sowie Heinrich Breloer (Todesspiel, Köln 1997) in ihren Arbeiten zusammengetragen und bewertet haben. Abschließend wird im fünften Kapitel auf die unmittelbaren Auswirkungen der "Landshut"-Erstürmung hingewiesen.
1
2. Die Vorgeschichte:
Die Befreiung von Andreas Baader aus der Haft am 14. Mai 1970, die er wegen des Kaufhausbrandes von 1968 in Frankfurt verbüßte, wird als die Geburtsstunde der Rote Armee Fraktion angesehen 1 . Die "Baader-Meinhof-Gruppe" vollzog damit den Schritt in die Illegalität, entwickelte sich in den darauffolgenden Jahren zum "Staatsfeind Nr.1". Die RAF verübte Anschläge auf staatliche und wirtschaftliche Institutionen und Personen, tötete dabei zahlreiche Menschen. Die Polizei reagierte mit Großfahndungen, zunächst ohne Erfolg. Erst Mitte 1972 konnten die Anführer der ersten Terroristen-Generation verhaftet werden. Getrennt voneinander und vom normalen Anstaltsbetrieb isoliert verbrachten sie die ersten Jahre in den Gefängnissen. Am 21. Mai 1975 begann die Gerichtsverhandlung gegen die RAF-Terroristen in einem extra hierfür erbauten Prozeßgebäude in Stuttgart-Stammheim. Der von der "Bewegung 2. Juni" Ende Februar 1975 entführte CDU-Politiker Peter Lorenz wurde im Austausch gegen fünf inhaftierte Terroristen freigelassen. Zum ersten Mal hatte sich eine deutsche Regierung von Terroristen erpressen lassen. Die freigekommenen Verbrecher verübten in der Folgezeit erneut Anschläge und töteten insgesamt fünfzehn Menschen. Daraufhin zog Bundeskanzler Schmidt einen Schlußstrich: Kein weiteres Mal würde man auf Forderungen von Terroristen eingehen 2 . Knapp zwei Monate später beim Überfall auf die deutsche Botschaft in Stockholm blieb die Regierung hart. In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1976 beging Ulrike Meinhof in Stuttgart-Stammheim Selbstmord. Sie erhängte sich.
Nach der Haftentlassung von Brigitte Mohnhaupt formierte sich die zweite Generation der RAF. Mohnhaupt war an allen folgenden Aktionen maßgeblich beteiligt. Anfang April 1977 wurde Generalbundesanwalt Siegfried Buback während einer Dienstfahrt erschossen.
Am 28. April 1977 erging das Urteil im Stammheimer Prozeß: Lebenslänglich für Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe. Kontaktsperregesetz und Isolation erzeugten vor allem bei Sympathisanten den Eindruck von unmenschlichen Haftbedingungen. Die folgenden Aktionen der RAF hatten weniger eine politische Umwälzung als Motiv, sondern die Freipressung der drei Gefangenen 3 .
1 vgl.: Aust, Stefan: Der Baader-Meinhof-Komplex. Hamburg 1998. Seite 26. (künftig zitiert: Aust, S.)
2 vgl.: Carr, Jonathan: Helmut Schmidt. Düsseldorf/Wien 1985. S. 146. (künftig zitiert: Carr, J.)
3 vgl.: Aust, S.: S. 258.
2
Etwa drei Wochen nach dem Urteil ermordeten RAF-Terroristen im hessischen Oberursel den Dresdner Bank-Chef Jürgen Ponto bei einem mißglückten Entführungsversuch. Zum Höhepunkt der blutigen Gewalt kam es im Herbst 1977. Am 5. September 1977 entführte das RAF-Kommando "Siegfried Hausner" in Köln den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer und erschoß dabei vier seiner Begleiter. Die Entführer forderten die sofortige Freilassung von elf inhaftierten RAF-Genossen. Die deutsche Regierung lehnte dies jedoch strikt ab. Ein Austausch kam für sie nicht in Frage. Schleyer war inzwischen von seinen Entführern nach Brüssel verschleppt worden. Die Polizei hatte seine Spur verloren.
3. Die Hauptakteure:
Für die Boeing 737 der Lufthansa war am Donnerstag, den 13. Oktober 1977 eine Tagestour vorgesehen. Um 8.55 Uhr von Frankfurt/Main nach Palma de Mallorca, gegen 13.00 Uhr sollte Flugkapitän Jürgen Schumann die Maschine in die Mainmetropole zurückfliegen. Der 37-jährige, ehemalige Starfighterpilot Schumann hatte zusammen mit der Stewardess Gabriele Dillmann das Abitur auf dem Max-Planck-Gymnasium in Groß-Umstadt gemacht 4 . Sein ursprünglich vorgesehener Copilot konnte an diesem Morgen nicht rechtzeitig zum Abflug erscheinen.
Als Ersatzmann flog Jürgen Vietor an Schumanns Seite. Der Frankfurter war kurzfristig eingesprungen. Vietor, gelernter Elektromechaniker, war seit 1973 in Diensten der Deutschen Lufthansa. Er arbeitete zum ersten Mal mit Jürgen Schumann. Neben den beiden Piloten waren als Stewardessen an diesem Tage mit an Bord: Hannelore Piegler aus Österreich, die Norwegerin Anna Maria Staringer und die schon angesprochene 23-jährige Deutsche Gaby Dillmann 5 .
Die palästinensischen Terroristen betraten in Zweierpärchen die "Landshut". Ihre gefälschten Pässe wiesen sie als iranische Staatsbürger aus.
4 vgl.: Hermann, Kai / Koch, Peter: Entscheidung in Mogadischu. Hamburg 1977. S. 98. (künftig zitiert: Hermann, K.)
5 vgl.: Aust, S.: S. 593.
3
Ihr Anführer war der am 15. Juli 1954 im libanesischen Flüchtlingslager Burj el-Brajneh geborene Zohair Youssif Akache 6 . Seine Eltern waren 1948 vor den Israelis geflohen. Mit 18 Jahren schloß er sich der radikalen Palästinenser-Organisation PFLP (Volksfront für die Befreiung Palästinas) an.
1973 begann Akache ein Studium am Londoner Chelsea College of Aeronautical and Automobil Engineering und erhielt zwei Jahre später sein Diplom. Nach mehreren tätlichen Angriffen auf Polizeibeamte verurteilte man ihn Anfang 1976 zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe, nach einem Hungerstreik wurde er aber vorzeitig nach Beirut abgeschoben. Im März 1977 kehrte Akache nach England zurück. Bei einem Attentat erschoß er den ehemaligen Ministerpräsidenten Süd-Jemens Ahmed al-Hajiri und zwei seiner Begleiter vor der Botschaft des Landes in London. Noch am selben Tag konnte er unbehelligt Großbritannien verlassen. Seitdem fahndete Scotland Yard nach ihm. Neben ihm in der Economy Class nahm die 24-jährige Souheila Andrawes Platz. Die Libanesin hatte eine französische Mädchenschule in Beirut besucht und anschließend in Bagdad englische Sprache und Literatur studiert. Ende 1976 bekam sie Kontakt mit der PFLP und wurde Mitglied. Die Geiseln in der "Landshut" gaben ihr die Bezeichnung "Die Dicke". Weiter vorne in der Ersten Klasse saßen Nabil (Wabil) Harb und Nadia Hind Alameh. Der 23-jährige Nabil war Sohn einer wohlhabenden libanesischen Familie. Im Bürgerkrieg hatte er als fanatischer Kämpfer auf Seiten der Linken und Muslims gekämpft. Bei den Passagieren hieß er wegen seines guten Aussehens "Der Hübsche".
Die 22-jährige Libanesin Nadia hatte seit einiger Zeit eine Liebesbeziehung mit Akache. In der "Landshut" nannte man sie "Die Kleine". Beide, Nabil und Nadia, waren ebenfalls Mitglieder der PFLP.
Kennengelernt hatten sich die vier Palästinenser in einem Trainingscamp der Organisation bei Bagdad. Als Punktbeste im Kurs "Hijacking" des Kinderarztes George Habach wurden sie für die "Landshut"-Entführung auserwählt.
Das Kommando gab sich den Namen "Martyr Halimeh". Im Juli 1976 war ein Flugzeug der Air France mit 257 Insassen von Palästinensern unter der Führung der Deutschen Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann entführt worden. In Entebbe (Uganda) befreite eine israelische Einsatztruppe die Geiseln und erschoß die Terroristen. Das Kommando der "Landshut"-Entführer sollte an Brigitte "Halimeh" Kuhlmann erinnern. Den arabischen Namen Wilfried
6 vgl.: Hermann, K.: S. 95 f. (ebenso die folgenden Kurzportraits)
4
Arbeit zitieren:
Karsten Kramer, 1999, Der >Deutsche Herbst< 1977: Die Entführung der Landshut und die Befreiung der Geiseln durch die GSG 9, München, GRIN Verlag GmbH
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