Institut für Erziehungswissenschaften, Universität Innsbruck
WS 2005/06
August Aichhorn
Psychoanalyse und Verwahrlosung
Verfasserin: Sigrid Lang
Vorgelegt im Rahmen der Lehrveranstaltung
,,Psychoanalyse in der psychosozialen Arbeit"
Terlan, 09.02.2006
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Inhaltsverzeichnis
1 Biographie
2 Zu seiner Person
3 Die Psychoanalyse in der Fürsorgeerziehung
4 Einige psychoanalytische Begriffe
5 Mögliche Ursachen der Verwahrlosung
6 Der Erzieher - was er wissen sollte und wie er sich verhalten sollte
7 Diskussion
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1 Biographie
August Aichhorn wurde im Juli 1878 in Wien geboren. Seine Vorfahren waren einfache
Bauern in Bayern. Im 12. Jahrhundert wurden sie von österreichischen Raubrittern entführt
um sie auf ihren eigenen Gütern anzusiedeln. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts blieben die
Nachkommen dieser Familie Bauern auf dem gleichen Stück Land, dann zog ein Mitglied der
Familie Aichhorn nach Wien. August Aichhorn war ein Urenkel dieses Familienmitgliedes.
Mit 20 Jahren wurde er Volksschullehrer in Wien. Im gleichen Jahr starb sein
Zwillingsbruder. Als 1907 militärische Erziehungsheime für Knaben in Wien eingeführt
wurden, verschrieb er sich dem Kampf dagegen. (vgl. Eissler 1951, S. 201 f.)
Er kämpfte erfolgreich ,,gegen die Strenge und Härte in [diesen] militärischen
Erziehungsheimen an." (Slacik) 1908 wurde er Vorstand eines Ausschusses, der
Erziehungsheime für Knaben organisieren sollte. Dadurch konnte er verhindern, dass sich das
Erziehungswesen auf militärischer Basis durchsetzen konnte. (vgl. Eissler 1951, S. 202)
,,Nach dem ersten Weltkrieg, von 1918-1922 leitete er die Anstalten Ober-Hollabrunn und St.
Andrä und praktizierte dort seine Vorstellung von moderner Pädagogik." (Slacik) ,,Er stellte
dort unter Beweis, dass Zwangserziehung in ´Besserungsanstalten´ keine positiven Erfolge
brachte." (Wikipedia) ,,In den Baracken eines ehemaligen Kriegsgefangenenlagers wurde in
aller Stille inmitten der Wirren des Kriegsendes und des gesellschaftlichen Umbruches [...]
eines der wichtigsten und erfolgreichsten Experimente in der Behandlung und Erziehung
delinquenter und verwahrloster Jugendlicher vorgenommen." (www.freud-institut.com) Über
viele seiner Beobachtungen aus dieser Zeit schrieb er in seinem Buch ,,Verwahrloste Jugend".
(vgl. Eissler 1951, S. 202)
Nach diesem Experiment leitete er Erziehungsstellen für die Wiener Stadtverwaltung, dann
wurde er Vorstand der Erziehungsberatungsstelle der Wiener Psychoanalytischen
Gesellschaft. Wie durch ein Wunder überlebten er und seine Familie den Nationalsozialismus.
Nach dieser Zeit wurde er zum Präsidenten der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, was
er bis zu seinem Tod 1949 auch blieb. (vgl. Eissler 1951, S. 203) 1922 war er dort
ordentliches Mitglied geworden. (vgl. www.freud-institut.com)
,,1947 wurde er Honorary Member der International Psycho-Analytical Association und auch
der Chicago Psychoanalytic Society, 1948 wurde ihm der Titel "Professor" [...] verliehen.
[...] Inmitten der Vorbereitungen zur Errichtung eines Institutes für Verwahrlostenforschung
in Wien starb August Aichhorn am 13.10.1949." (ebd.)
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2 Zu seiner Person
August Aichhorn gilt heute als einer der Gründer der psychoanalytischen Pädagogik. (vgl.
Wikipedia) Er verknüpfte erfolgreich die Annahmen der Psychoanalyse mit Pädagogik. Oder
besser gesagt, er entwickelte eine Pädagogik, die er dann durch die Psychoanalyse theoretisch
untermauerte.
Er war ,,Grenzgänger zwischen Psychoanalyse und Pädagogik, Pionier, herausragende
Persönlichkeit und vor allem ´Mensch´ [...]. Sein Buch ´Verwahrloste Jugend´ ist ein
Klassiker der Sozialpädagogik und gilt heute noch als richtungsweisend." (Slacik)
Aichhorn sah sich selbst als Student und Schüler, nicht als Lehrer. (vgl. Eissler 1951, S. 203)
,,Er war ein hervorragender Lehrer, er handelte als ein Diener seiner Schüler. Seine Intuition
war beeindruckend, er war voller Interesse für die Menschen und liebte es, sie zu
beobachten." (Butzmann 1999)
Außerdem besaß er die Fähigkeit sich mit seinen Patienten zu identifizieren, sie und ihre
Bedürfnisse zu verstehen. Als leidenschaftlicher Psychologe, der er war, gelang es ihm, das
Problem der Verwahrlosung und des Verbrechens von religiösen, ethischen und moralischen
Vorurteilen zu befreien und viele Menschen zu heilen, die alle anderen aufgegeben hatten.
(vgl. Eissler 1951, S. 204 f.)
,,Seine Fähigkeit Gespräche zu führen, war überragend, eine einzige Unterredung konnte
jahrelang positiv in einer Familie nachwirken, ihm gelang sogar die Heilung eines
Schizophrenen durch Gespräche. Er verbrachte täglich 16-17 Stunden mit seinen Klienten und
sagte dabei, daß ihm das Gefühl der Arbeit fremd sei. Er hatte Verständnis für die
Abenteuerlichkeit des Verbrechens, die Räuberromantik. Er war harmonisch, beherrscht und
ein lebensfroher Genießer." (Butzmann 1999)
Durch seine Pädagogik, seine Art, mit Menschen umzugehen, wurde er als Pädagoge und als
Psychoanalytiker unsterblich. Bis heute gilt er als führender Vertreter der psychoanalytischen
Pädagogik, der wertvolle Aussagen über die Psyche des Menschen machte.
3 Die Psychoanalyse in der Fürsorgeerziehung
In seinem 1925 erschienen Buch ,,Verwahrloste Jugend" beschreibt August Aichhorn, wie er
versucht die Grundannahmen der Psychoanalyse in der Fürsorgeerziehung anzuwenden.
Durch die psychoanalytische Theorie will er die Ursachen für Verwahrlosungserscheinungen
finden und die Verwahrlosung möglichst heilen. Seiner Meinung nach liefert die
Psychoanalyse nämlich wertvolle Aussagen für die Erziehungsberatung und auch für die
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