Sonderwirtschaftszonen als Instrument für wirtschaftliche Entwicklung 2
Zusammenfassung:
Sonderwirtschaftszonen sind räumlich abgegrenzte Gebiete innerhalb einer Volkswirtschaft, in denen zur Förderung der Wirtschaft bestimmte Anreize geschaffen werden, die in den übrigen Landesteilen nicht gelten. Sie können als Instrument regionaler Entwicklungspolitik verstanden werden. Gerade für Entwicklungsländer bietet sich die Möglichkeit über solche Zonen wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. In dieser Arbeit wird der Begriff allgemein erklärt und untersucht, anhand welcher Theorien die Wirkungsweise beschrieben werden kann. In diesem Zusammenhang werden einige Fallstudien näher betrachtet. Zum Ende soll deutlich werden, warum Sonderwirtschaftszonen als Instrument für wirtschaftliche Entwicklung verstanden werden können.
Studienprogramm: Bachelor, International Business Studies
Sonderwirtschaftszonen als Instrument für wirtschaftliche Entwicklung 3
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 4
1.1 Stilisierte Fakten 4
II. Modelle als theoretische Grundlagen für Sonderwirtschaftszonen 10
2.1 Ein Überblick über verschiedene Theorieansätze 10
2.2 Die „Neue Wachstumstheorie“ 14
2.2.1 Das AK-Modell 14
2.2.2 Das Romer-Modell 16
2.3 Die „New Economic Geography“ 19
III. Empirische Forschungen 22
3.1 Die Sonderwirtschaftszonen Chinas 23
3.2. Sonderwirtschaftszonen am Beispiel Großbritanniens 31
IV. Zusammenfassung 34
V. Literaturverzeichnis 36
Sonderwirtschaftszonen als Instrument für wirtschaftliche Entwicklung 4
I. Einleitung
Betrachtet man die Entwicklung des Welthandels, erkennt man, dass immer mehr Länder daran beteiligt sind. Dies lässt sicht auf die Globalisierung zurückführen. Volkswirtschaften der ganzen Welt werden durch Handel und Finanzströme integriert. Durch die zunehmende Spezialisierung bezogen auf Wettbewerb und Arbeitsteilung 1 werden einheimische Märkte insgesamt effizienter und Marktkräfte über nationale Grenzen hinaus ausgeweitet.
Entwicklungsländer haben somit eine Chance sich mit Hilfe von einer nach außen gerichteten Politik erfolgreich am Welthandel zu beteiligen und somit ihr Wirtschaftswachstum zu erhöhen (Kraus, 2002, S. 10). Durch ihre exportorientierte Ausrichtung bieten vor allem Sonderwirtschaftszonen dafür eine gute Möglichkeit. Durch das Schaffen besonderer Bedingungen innerhalb dieser Zonen wird versucht, ausländische Kapitalgeber zur Investition in das eigene Land zu bewegen (Röhl, 2004, S. 4). Ziel ist es, auf diese Weise regionales Wachstum anzustoßen.
In dieser Arbeit soll untersucht werden, in wieweit Sonderwirtschaftszonen als Instrument wirtschaftlicher Entwicklung zu verstehen sind.
1.1 Stilisierte Fakten
Ein Blick in die Daten zur Entwicklung der Zuflüsse an Auslandsdirektinvestitionen (Inward FDI), lässt erkennen, dass ein zunehmend größerer Teil in Entwicklungsländer investiert wird. Auch wenn 2002 gut 65% der gesamten Auslandsinvestitionen (7,1 Billionen US$) in entwickelte Länder geflossen sind, haben Entwicklungsländer im Vergleich zu 1990 beachtlich aufgeholt. Erhöhte sich die Quote der USA bzw. Deutschland innerhalb von 12 Jahren um das 3,4- bzw. 3,7-fache, waren die Werte einiger Entwicklungsländer fast doppelt so hoch (Mexiko: 7-fache Steigerung im Vergleich zu 1990, Brasilien: 6,4-fache Erhöhung). China stellt mit einer 17,9-fachen Erhöhung der Auslandsdirektinvestitionen den absoluten Höchstwert dar. 2
1 Siehe Ricardo- Modell und Heckscher-Ohlin-Theorem
2 UNCTAD, World Investment Report 2003
Sonderwirtschaftszonen als Instrument für wirtschaftliche Entwicklung 5
Demzufolge kann man feststellen, dass über die besonderen Bedingungen innerhalb der Zonen verstärkt ausländisches Kapital angelockt werden kann.
Weiterhin ist zu erkennen, dass Länder, welche zum Anstoß wirtschaftlicher Entwicklung das wirtschaftspolitische Instrument der Sonderwirtschaftszone angewandt haben, ein höheres Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aufweisen, als Länder ohne solche Zonen. Wuchs das amerikanische Bruttoinlandsprodukt 2005 um 4%, war das indische Wirtschaftswachstum mit 9% mehr als doppelt so hoch.
Dieses geht aus folgender Abbildung zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts hervor:
Abb. 1: Jährliches Wachstum des Bruttoinlandsprodukts ausgewählter Staaten (2000-2005)
Quelle: Worldbank
Vergleicht man die Entwicklung der jährlichen Veränderung der „Terms of Trade of Goods“ zwischen den G7-Staaten (-0,2%) und den ASEAN-4 Staaten 3 (0,5%) im Jahre 2007, erkennt man ebenfalls, dass das Wachstum der „Terms of Trade of Goods“ der geringer entwickelten Länder über dem der führenden Industriestaaten liegt 4 . Dies deutet daraufhin, dass der Außenhandel in den ASEAN-4 Staaten stärker gewachsen ist.
3 Malaysia, Philippinen, Indonesien, Thailand
4 IMF, World Economic Outlook Database, September 2006
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Definition des Begriffs „Sonderwirtschaftszone“ und Ausprägungsarten
Busch beschreibt Sonderwirtschaftszonen als „räumlich oder sachlich abgegrenzte Bereiche innerhalb einer Volkswirtschaft, in denen für die Produktion von Gütern oder die Herstellung von Leistungen andere Regeln gelten als in den übrigen Landesteilen“ und deren „wirtschaftliche Aktivitäten in einem begrenzten Bereich besonders gefördert werden sollen“ (Busch, 1992, S. 8).
Sonderwirtschaftszonen sollen einen bestimmten Raum begünstigen und können somit als Instrument regionaler Entwicklungspolitik betrachtet werden (Röhl, 2004, S. 6).
Prinzipiell lassen sich dabei zwei verschiedene Grundtypen unterscheiden, die in der Realität aber oftmals miteinander verknüpft auftreten (Röhl, 2004, S.7):
• Mit Hilfe von finanziellen Anreizen wie Steuererleichterungen, Befreiung von Einfuhrbeschränkungen, günstiger Bereitstellung guter Infrastrukturausstattung sowie Immobilien und Krediten soll versucht werden, Unternehmen zur Geschäftsaufnahme in den Sonderwirtschaftszonen zu veranlassen.
• Des Weiteren gibt es die Möglichkeit der Deregulierung wirtschaftlicher Aktivität, indem Ausnahmen vom nationalen Rechtsrahmen eingeräumt werden, um auf diese Weise mehr Freiräume für unternehmerische Entscheidungen zu schaffen und bürokratische Hemmnisse abzubauen. Dies kann beispielsweise in Form von Erleichterungen für Zulassungen und Genehmigungsverfahren erfolgen.
Die Träger einer Sonderwirtschaftszone sind demzufolge darum bemüht, die Attraktivität der betreffenden Zone durch besondere zusätzliche Maßnahmen zu erhöhen.
Die inhaltlich-organisatorische Ausgestaltung von Sonderwirtschaftszonen kann in sehr vielfältiger Art und Weise geschehen. Mehr als 20 verschiedene Umschreibungen existieren, welche in etwa alle den gleichen Sachverhalt wiedergeben (Kraus, 2002, S. 3).
Sonderwirtschaftszonen als Instrument für wirtschaftliche Entwicklung 7
Spricht man von Zollfreigebieten, meint man „räumlich abgegrenzte Enklaven innerhalb eines Landes, in die Importe zoll- und verbrauchssteuerfrei sowie ohne mengenmäßige Beschränkungen eingeführt werden können“ (Busch, 1992, Seite 5).
Zonen freier Exportaktivität sollen der Integration des Landes in die internationale Arbeitsteilung dienen und den Technologietransfer, der Triebfeder wirtschaftlicher Entwicklung, erleichtern. Gleichzeitig soll über Exporte eine positive Handelsbilanz erzielt werden, um die Deviseneinnahmen zu erhöhen (Schatz/Spianger, 1984, S. 4)
Beide Zonen haben das Ziel, außenhandelsorientierte wirtschaftliche Aktivitäten zu fördern.
Im Gegensatz dazu soll in Zonen freier Wirtschaftsaktivität über Fertigung und Absatz sowie Forschung und Entwicklung die Entwicklung innerhalb der Zone vorangetrieben werden. Dies kann beispielsweise durch Lockerung bürokratischer Vorschriften geschehen. Hier geht es darum, vielfältige wirtschaftliche Aktivitäten zu fördern (Schatz/Spinanger, 1984, Seite 4).
Die folgende Abbildung soll einen Überblick über mögliche Ausprägungen der Sonderwirtschaftszonen geben:
Abb. 2: Typologie der Sonderwirtschaftszonen; Quelle: Röhl, 2004, S. 9
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Je nach Art der Ausprägung sind die Aufgaben und Ziele der Sonderwirtschaftszonen sehr vielseitig. Zum einen soll das Devisenaufkommen verbessert sowie lokale Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen werden. Zum anderen ist man bestrebt, dass Ausbildungsniveau zu erhöhen. Auslandsdirektinvestitionen bieten auf diese Weise die Möglichkeit, Technologie sowie Know-how und moderne Management-Methoden in diese Zonen zu transferieren. Außerdem haben sich diese Zonen als brauchbares Instrument zur Transformation zentraler Lenkungssysteme in dezentrale, durch Preismechanismus
gesteuerte Wirtschaftsordnungen erwiesen. Sonderwirtschaftszonen bieten sich vor allem auch zum Testen an, da dort im Vergleich zu weiträumigen Volkswirtschaften ein Systemwechsel schneller, intensiver und umfassender vorbereitet und vollzogen werden kann. Somit kann überprüft werden, inwiefern das neue System von der Bevölkerung akzeptiert wird und inwieweit die administrative Infrastruktur funktioniert.
Neben der exportorientierten Ausrichtung können aber auch wirtschaftliche Belange einer Region im Vordergrund stehen. Dies ist der Fall, wenn eine Region von plötzlichen Strukturumbrüchen betroffen ist und Hilfe von außen benötigt wird (Kraus, 2002, S. 3f.).
Versucht man festzulegen, seit wann Sonderwirtschaftszonen existieren, muss man bis ins 18.Jahrhundert zurückgehen. In Form von Freihandelszonen siedelten sich diese entlang der internationalen Handelsrouten an und berücksichtigten Absprachen bezüglich der Wiederausfuhr von Gütern sowie deren Lagerung (Oborne, 1986, S. 76).
Mit dem Ende der Importsubstitutionsindustrialisierung 5 Mitte der 60er Jahre wurde der Aufbau von Exportverarbeitungszonen vorangetrieben. Ziel war es mittels einer exportorientierten Industrialisierungsstrategie finanzielle Mittel für die lokale Industrialisierung zu erwirtschaften. Später wurden kapital- und technologieintensive Sonderzonen-Programme fokussiert, um so gezielt den Technologietransfer zu verstärken und die Industriestruktur zu diversifizieren (Müller-Hofstede, 1983, Seite 29ff.).
Seit den 80er Jahren wird zunehmend die Einrichtung von Forschungsparks in Form von „Research Parks“ und Technologie- und Gründerzentren unter Einbeziehung von
5 Dritte Weltländer bauten eigene Industriesektoren auf, um die ökonomische Abhängigkeit von Konsumgüterimporten aus den Industrieländern zu reduzieren
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Bachelor Martin Koenig, 2007, Sonderwirtschaftszonen als Instrument für wirtschaftliche Entwicklung , Munich, GRIN Publishing GmbH
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