Inhaltsverzeichnis:
1. EINLEITUNG 1
2. DIE THEORIE RICHARD FLORIDAS 2
2.1 DIE NOTWENDIGKEIT UND ARTEN DER KREATIVITÄT 2
2.2 DIE KREATIVE KLASSE UND IHRE UNTERKLASSEN 4
2.3 GRUNDLEGENDE FORSCHUNGSERGEBNISSE FLORIDAS ZU DIESER THEMATIK 5
3. THEORIEANSÄTZE ZUR VERTEILUNG DER KREATIVEN KLASSE 7
3.1 VORBEMERKUNGEN 7
3.2 TOLERANZ UND OFFENHEIT 8
3.3 URBAN AMENITIES 10
3.4 UNIVERSITÄTEN 12
4. DIE KREATIVE KLASSE IN DEUTSCHLAND 14
4.1 VORBEMERKUNGEN 14
4.2 STUDIE: DIE GEOGRAPHIE DER KREATIVEN KLASSE IN DEUTSCHLAND 14
4.2.1 Herangehensweise und Fragestellungen 14
4.2.2 Ergebnisse 15
4.3 STUDIE: TALENTE TECHNOLOGIE UND TOLERANZ 16
4.3.1 Herangehensweise und Fragestellungen 16
4.3.2 Ergebnisse 17
5. AUSSAGEN ZUM STANDORT JENA 19
5.1 ERLÄUTERUNGEN 19
5.2 TECHNOLOGIE 20
5.3 TALENT 20
5.4 TOLERANZ 21
5.5 AUSBLICK 22
6. SCHLUSSBEMERKUNGEN 23
LITERATURVERZEICHNIS: III
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1. Einleitung
„It´s time for the Creative Class to grow up and take responsibility. But first, we must under- stand who we are.” (Florida 2004: XXX) Mit diesem Satz beendet Richard Florida seine Einleitung zur Paperback Ausgabe „The Rise of the Creative Class“. Es waren Floridas The- sen zur kreativen Klasse, welche die bisherigen Ansätze über Wirtschaftswachstum revolutio- nierte oder zumindest zum Nachdenken ermunterten. Durch ihn wurden verschiedene Unter- suchungen angeregt, die die Interdependenz von kreativen Menschen auf das Wirtschafts- wachstum erforschen. Florida postuliert, dass kreative Menschen überwiegend in Großstädten leben. Genau in diesen Städten liegt der Ursprung von Entrepreneurship, sozialer und techni- scher Innovationen und damit wirtschaftlichen Wachstums. Für ihn stellen kreative Städte sozusagen Brutkästen für künftiges Wachstum dar (vgl. Fritsch/Stützer 2007: 15). Durchdenkt man Floridas These, so werfen sich einem verschiedene Fragen auf: Wer sind die kreativen in einem Land? Wie sind diese räumlich angesiedelt? Durch welche Faktoren wird die geogra- phische Verteilung beeinflusst? Diese Fragen werden in Verlauf der hier vorliegenden Haus- arbeit geklärt und beantwortet. Ziel der Arbeit ist es, Floridas Theorie über die Kreative Klas- se zu erläutern, deren Verteilung in Deutschland aufzuzeigen und zu versuchen aus den vor- liegenden Theorien und empirischen Untersuchungen Rückschlüsse auf die Innovationsregion Jena zu schließen. Hierzu wird im ersten Teil der Arbeit Floridas Theorie erklärt, um an- schließend die drei, in der Fachliteratur maßgeblichen Faktoren zu erläutern, die einen Ein- fluss auf die Verteilung der kreativen Klasse haben. Nachdem Richard Florida die räumliche Verteilung dieser Klasse für die Vereinigten Staaten untersucht hat, werden dem Leser Stu- dien vorgestellt, die sich mit der kreativen Klasse und deren geografischen Aufteilung in Deutschland beschäftigten. Nach diesem Überblick über die theoretischen Grundlagen und die Situation in Deutschland wird versucht, Schlüsse für die derzeit noch wachsende Techno- logieregion Jena zu ziehen. Hierbei soll erklärt werden, wie sich die aktuelle Situation der kreativen Klasse in Jena darstellt, wie sich die genannten Faktoren in Jena auswirken und auswirken könnten. Den Abschluss der Arbeit bildet ein persönliches Fazit, in dem der Ansatz Floridas kritisch gewürdigt und versucht wird, einen Ausblick in die kreativabhängige Zu- kunft der Region Jena zu geben.
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2. Die Theorie Richard Floridas
2.1 Die Notwendigkeit und Arten der Kreativität
„If one wanted to select the best novelist, artist, entrepreneur, or even chief executive officer, one would most likely want someone who is creative.” (Sternberg/Lubart 1999: 3) Durch die- ses Zitat wird zum Ausdruck gebracht, dass Kreativität in unserer Wissensgesellschaft nicht nur mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, sondern ein Faktor ist, mit dem kalkuliert wird. Kreativität wird als eine Fähigkeit verstanden, neues Wissen zu erzeugen und vorhandenes Wissen erfolgreich umzusetzen um z.B. Probleme, also neue unbekannte Aufgaben ohne be- kannten Lösungsweg, erfolgreich zu bearbeiten (vgl. Stützer/Fritsch 2007: 15). In welchem Zusammenhang steht Kreativität mit regionalem, wirtschaftlichem Wachstum? Hierzu schreibt Florida (vgl. 2003: 39ff), dass es genau dieser Faktor ist, der das Unternehmertum, oder auch Entrepreneurship, positiv beeinflusst. Seine Theorie basiert dabei auf der These, dass regionales, wirtschaftliches Wachstum auf drei Grundsäulen fußt, den „drei T´s“. Hierbei handelt es sich um Technologie, Talente und Toleranz, diese Faktoren stehen in einem wech- selseitigen Bezug zueinander und betten die kreative Klasse sozusagen in sich ein (vgl. Flori- da 2003: 45). Florida (vgl. 2003: 39f) erklärt, dass die Unternehmer- bzw. Gründerkultur in den Vereinigten Staaten im Grunde genommen ein sozialer Prozess ist, der aus einem breiten Spektrum sozialer und kultureller Zusammenhänge herrührt. Die Einbettung des unternehme- rischen Impulses in einen sozialen Ethos – z.B. durch den Ausspruch „the way of life“ - hat sich hier seit den sechziger Jahren entwickelt. Er erklärt weiter, dass die Wissens- oder Infor- mationsgesellschaft, in der sie leben, nicht durch Wissen oder Informationen angetrieben werden, sondern durch deren Interpretation und Anwendung. Der wichtige Faktor ist dem- nach die Kreativität der Menschen, die in ihr leben. Dabei handelt es sich um Unternehmer im schumpeterschen Sinne, die sich dadurch auszeichnen, dass sie neue Produktionswege imp- lementieren, eine Erfindung am Markt platzieren können oder einen neuen Markt erschließen (vgl. Schumpeter 1942: 132). Auch für Schumpeter (Vgl. 1947: 150f) selbst gehört zu einem erfolgreichen Unternehmer, dass er kreativ ist.
Im Weiteren unterscheidet Florida (vgl. 2003: 40, 2004: 33f) drei Arten von Kreativität, die aber in gegenseitiger Abhängigkeit und Interdependenz zueinander stehen: (1.) technologi- sche Kreativität z.B. durch Erfindungen repräsentiert, (2.) ökonomische Kreativität oder auch Unternehmertum beispielsweise durch Innovationen widergespiegelt und (3.) kulturelle oder artistische Kreativität. Er stellt die Annahme auf, dass sich diese drei Kreativitätsarten sich nicht nur gegenseitig beeinflussen, sondern auch verstärken und im Enddefekt die wirtschaft-
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liche Entwicklung einer Region vorantreiben. Es sind demnach nicht nur die Kreativen von Interesse, die unternehmerisch tätig sind, sondern auch andere kreative Mitmenschen, da man sich von der Kreativität förmlich angezogen fühlt und sich gern mit ihnen an einem Ort auf- hält. Die Kernthese Floridas kristallisiert sich hier heraus. Er erklärt, dass sich die Wohnort- wahl der Kreativen nicht maßgeblich an der Ergiebigkeit des Arbeitsmarktes orientiert. Eben- so wichtig werden auch andere Faktoren erachtet. Die Vielfalt des kulturellen Angebotes, die Toleranz und Offenheit Anderem gegenüber, gleich ob es sich um die ethnische Herkunft, die sexuelle Orientierung, den Kleidungsstil oder neue Ideen handelt. Ein weiterer Aspekt Flori- das ist, dass sich Kreative auch an einem interessanten Nachtleben und einer abwechslungs- reichen Musikszene orientieren (vgl. Florida 2004: 259). Toleranz und Offenheit stellt für ihn eine besondere Rolle dar, denn diese Faktoren erleichtern es den Menschen, sich besser und schneller in einer neuen Umgebung zu integrieren (vgl. Florida 2004: 218, 249f). Weiterhin können neue und andere Eindrücke aufgenommen werden, welche wieder als Impuls für Kre- ativität und Innovation dienen. Um Toleranz, Offenheit, und kulturelle Vielfalt messbar zu machen, bedient sich Florida verschiedener Indikatoren (vgl. 2003: 46ff). Der „Melting Pot Index“ gibt den Anteil der im Ausland geborenen Bevölkerung an und der Bohemien Index gilt als eine Maßzahl für den Anteil der Menschen, in einer Region, die in künstlerischen Be- rufen tätig sind. Weiterhin nutzt er die Forschungsarbeit von Gary Gates, indem er den „Gay Index“ aufgreift, um festzustellen, ob in einer Region überdurchschnittlich viele homosexuel- le Paare leben. Eine Zusammenfassung dieser drei Indikatoren bildet der „Composite Diversi- ty Index“ (CDI), was man mit „zusammengefasstem Vielfältigkeitsindex“ übersetzen kann. Durch diesen Index werden die drei genannten Faktoren gemeinsam betrachtet, um die ver- schiedenen Facetten der Kreativität zusammengefasst zu betrachten. Um das volle Ausmaß des Zusammenhangs zwischen Kreativität und Entrepreneurship zu erfassen, bedient sich Flo- rida noch eines weiteren Hilfsmittels, dem „Creativity Index“. Dieser Index bildet eine Kom- bination verschiedener anderer Kennzahlen ab, welche die Offenheit, Toleranz und Innovati- onsfähigkeit einer Region widerspiegeln. Die Kennzahlen, die hier einfließen, sind der „High- Tech Entrepreneurship Index“, der „Innovation Index“, der „Gay Index“ und der Index über die kreative Klasse.
Nach Florida (vgl. 2004: 220) sind die Kreativen auf einige wenige Standorte konzentriert und bilden dadurch auch den Grund dafür, dass die wirtschaftlichen Aktivitäten in diesen Re- gionen forciert sind. Besonders in innovativen und kreativen Wirtschaftszweigen, wie Berei- chen der Forschung und Entwicklung, Werbung, Softwareprogrammierung oder Design, wird dies erkennbar. Denn in diesen Sparten existiert ein hoher Bedarf an gut ausgebildeten und
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vor allem kreativen Mitarbeitern. Florida postuliert hierbei, dass sich das Bild des Arbeits- marktes gedreht hat. Es gilt für viele Bereiche nicht mehr „people follow jobs“, sondern „jobs follow people“, insbesondere in den Bereichen, in denen kreative Mitarbeiter die Träger des Unternehmens sind (vgl. Fritsch/Stützer 2007: 16). Florida verbindet durch seine These des regionalen Wachstums mit den Vorlieben der kreativen Klasse zwei wissenschaftliche Theo- rien aus unterschiedlichen Disziplinen. Zum einen die Vorstellungen von Jane Jacobs (vgl. 1963) über das funktionieren von Städten und deren Beitrag zum Wirtschaftswachstum und die Ideen der Wachstumstheorie (vgl. Lucas 1988; Romer 1986, 1993). Weiterhin erläutert Desrochers (vgl. 2001) in Anlehnung an Jacobs, dass die Vielfalt der Städte und die Kreativi- tät optimale Bedingungen für Innovationen und Unternehmertum darstellen, da durch die an- sässige Vielfalt Wissen neu kombiniert werden kann und so Innovationen und Neugründun- gen nach sich zieht. Gemäß Florida (vgl. 2003: 56) muss sich hierdurch auch die Entwick- lungsstrategie für viele Regionen vom Industriezeitalter zum Kreativzeitalter wandeln, um Wachstum zu generieren. Nach Florida (vgl. 2003: 57) sollte das Hauptaugenmerk von regio- naler Entwicklungspolitik darauf liegen, dass man den Standort als Lebensraum attraktiv ges- taltet, damit sich Menschen wohl fühlen und sich ihre Kreativität und Unternehmerkultur ent- falten kann.
2.2 Die kreative Klasse und ihre Unterklassen
Nachdem im letzten Kapitel Floridas These aufgezeigt wurde, wird hier erläutert, wie sich für ihn die kreative Klasse aufgliedert und welche Indikatoren zur Datenerhebung genutzt wur- den. Richard Florida (vgl. 2004: 327) schreibt selbst, dass es nicht einfach ist, eine solche Unterteilung vorzunehmen. Die existierenden Kategorien nach Berufszweigen sind nicht im- mer stringent und können sich national unterscheiden. Allgemein gesehen sind Kreative für ihn (vgl. 2004: 8) Menschen, die komplexe Probleme erfassen und lösen können. Dies setzt einen Großteil unabhängiger Urteilsfähigkeit und ein hohes Bildungsmaß voraus. Menschen aus der kreativen Klasse werden in erster Linie beschäftigt, um Neues zu erschaffen und be- sitzen hierzu ein hohes Maß an Autonomie. Florida (vgl. 2004: 8, 328f) unterteilt die kreative Klasse in zwei große Unterklassen, wobei den Bohemians in der Klasse der Hochkreativen (Core-Creatives) eine Sonderrolle zukommt. Den Kern der Kreativen bildet die schon ange- sprochene Klasse der Hochkreativen. Sie erzeugen Wissen, sind innovativ tätig und treiben die technische und ökonomische Entwicklung voran. Zu dieser Gruppe gehören im Speziellen Ingenieure, Naturwissenschaftler, Ärzte, Lehrer, Bohemians, Wirtschafts-, Sozial- und Geis-
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teswissenschaftler. Eine weitere Unterklasse sind die „kreativen Professionals“, die meist in wissensintensiven Berufsfeldern tätig sind. Sie unterstützen die ökonomische Entwicklung, indem sie Wissen in immer neuen Zusammenhängen und in Interaktion mit anderen Men- schen anwenden. Zu dieser Klasse gehören unter anderem Anwälte, Manager, Techniker oder medizinische Angestellte. Die schon erwähnte Gruppe der Bohemians nimmt in Floridas Un- terteilung eine besondere Rolle ein. Sie stellen den künstlerisch aktiven Teil der kreativen Klasse dar. Sie leisten zwar keinen direkten Beitrag zum Lösen wirtschaftlicher Probleme oder melden Patente an, aber ihre Präsenz gilt als Indikator für die schon angesprochene Of- fenheit und Toleranz und strahlt so eine Anziehungskraft auf den Rest der kreativen Klasse aus. Zu den Bohemiens gehören Musiker, Publizisten, Designer und Artisten, eben genau die Personen, die teilweise auch für das abwechslungsreiche Nacht- und Musikleben verantwort- lich sind.
2.3 Grundlegende Forschungsergebnisse Floridas zu dieser Thematik
Richard Florida kommt aufgrund seiner Erhebung (vgl. 2003: 48-55) der verschiedenen, teil- weise in Kapitel 2.1 vorgestellten Kennzahlen zu einem empirischen Bild über unterschiedli- che Zusammenhänge in 49 Regionen der Vereinigten Staaten. Er zeigt Beziehungen zwischen dem „High-Tech Index“, welcher für Entrepreneurship und Innovationsfähigkeit steht und folgenden Faktoren auf: der kreativen Klasse, dem „Bohemian Index“, dem „Melting Pot In- dex“, dem „Gay Index“, dem „CDI“ und dem „Creativity Index“. Seine Ergebnisse stellen sich wie folgt dar.
High-Tech/Innovation und die kreative Klasse (vgl. Florida 2003: 48)
Durch die Kennzahlen wird ersichtlich, dass beide Faktoren, Innovationsfähigkeit und die High-Tech Industrie, stark mit dem Lebensmittelpunkt der kreativen Klasse und generell mit dem Faktor Talent verknüpft sind. Als Beispiel wird angeführt, dass vier der Top fünf High- tech Regionen auch unter den Top fünf der kreativen Klasse, und drei der Top fünf Hightech Regionen unter den Top fünf Talentregionen platziert sind. Wobei die Korrelation zwischen der kreativen Klasse und dem Hightech-Index positiv signifikant ist (0,38).
Hightech Entrepreneurship und kulturelle Kreativität (vgl. Florida 2003: 49f)
Zur Messung der kulturellen Kreativität nutzt Florida den schon vorgestellten „Bohemian Indexes“. Er stellt fest, dass dieser in einer starken Beziehung mit dem Hightech Entrepre-
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neurship steht. Es zeigt sich, dass fünf der Top Ten und zwölf der Top Twenty des „Bohemi- an Index“ unter den zwanzig besten Hightech Regionen rangieren. Weiterhin sind elf der Top Twenty Bohemian Regionen unter den zwanzig innovativsten Regionen. Dieser Index stellt für Florida somit einen Indikator für die regionale Beschäftigung und Bevölkerungswachstum dar. Die Korrelationen des „Bohemian Indexes“, einerseits mit dem „Hightech Index“ (0,64) und andererseits mit dem „Innovations-Index“ (0,60) sind statistisch signifikant. Dies lässt die Vermutung zu, dass Regionen mit einer breiten Kreativitätsausstattung das Unternehmertum anregt und bestätigt die Annahme, dass sich die - in Abschnitt 2.1 genannten - Kreativitäts- klassen gegenseitig beeinflussen und verstärken können.
Kreativität und kulturelle Vielfalt in einer Region (vgl. Florida 2003: 50f)
Die kulturelle Vielfalt einer Region versucht Florida mit Hilfe des „Melting Pot Index“ zu erschließen. Als wissenschaftliche Annahme liegt hier zugrunde, dass Menschen, die den Ent- schluss fassen, ihr Land zu verlassen eher dazu tendieren, ihr Schicksal selber in die Hand zu nehmen und eigene Unternehmen gründen. Hierbei stellte Florida fest, dass vier der Top Ten Regionen im „Melting-Pot Index“ auch unter den Top Ten der Hightech Regionen platziert sind. Weiterhin sind sieben der Top Ten im „Melting Pot Index“ sind unter den ersten 25 Hightech Regionen vertreten. Die Korrelation zwischen diesen beiden Kennzahlen ist als sig- nifikant anzusehen (0,26).
Regionale Toleranz und Offenheit (vgl. Florida 2003: 52f)
Toleranz und Offenheit gegenüber Neuem senken die Barrieren für die Zuwanderung von Humankapital, welches neue innovative Impulse mit sich bringt und den Wissensaustausch fördert. Hierdurch wird wiederum die Innovations- und Entrepreneurfähigkeit einer Region gefördert. Um diesen Aspekt messbar zu machen, nutzt Florida den Gay Index. Schwule ge- hören zu einer der Gesellschaftgruppen, die am meisten diskriminiert werden. Die Annahme besteht darin, dass Regionen, in denen sich überdurchschnittlich viele Schwule angesiedelt haben, als tolerant und offen gegenüber Neuem gelten und somit dementsprechend geringe Hindernisse für neues Humankapital besitzen. Die Erhebung Floridas zeigt, dass der Gay In- dex einen hohen Einfluss auf die Hightech Industrie in einer Region hat. So sind fünf der Top Ten Hightech Regionen auch unter den Top Ten des Gay Index. Die Signifikanz der Korrela- tion (0,48) liegt dabei auf dem Niveau von 0,001. Weiterhin ist der Gay Index positiv mit dem Innovationsindex korreliert (0,69). Florida sieht somit seine These bestätigt, dass tolerante
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Arbeit zitieren:
Steffen Deckert, 2008, Die kreative Klasse, München, GRIN Verlag GmbH
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