Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 1
II. Der theoretische Rahmen 5
III. OPEC im Niedergang 8
III 1 Interne Faktoren: Heterogene Interessen als Ursache für Regimeversagen 8
III 2 Externe Faktoren: Herausforderungen für die OPEC 11
IV. Fazit 16
V. Literatur 18
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I. Einleitung
Der Ölpreis klettert dieser Tage in nie da gewesene Höhen, bis zu 100 US Dollar pro Barrel schienen manchen Experten noch vor kurzem für die nahe Zukunft im Bereich des Möglichen zu liegen. Die Angst vor Lieferengpässen aufgrund der militärischen Eskalation im Nahen Osten sowie die Krise in der iranischen Atomfrage trieben den Rohölpreis nach oben. Letztere Krise ließ den Ölpreis Anfang 2006 innerhalb zweier Monate um knapp 30% ansteigen. 1 Laut dem Statut der „Organisation Erdöl exportierender Länder“ (OPEC) verpflichten sich diese Länder, „schädliche Fluktuationen“ 2 des Ölpreises zu verhindern. Die gegenwärtige Situation auf den Ölmärkten wirft jedoch die Frage auf, welchen Einfluss die OPEC überhaupt noch auf die Ölmärkte und die Rohölpreise hat, wie relevant sie als Akteur 3 noch ist. Da die Weltenergiemärkte in erster Linie noch immer Ölmärkte sind und somit vom Ölpreis bestimmt sind, 4 ist diese Fragestellung für die Energiesicherheit von großer Bedeutung. Die in den 1970er Jahren viel beschworene und vom Westen gefürchtete Macht der OPEC über die Weltölmärkte scheint dieser Tage endgültig im Schwinden begriffen zu sein.
„Opec is unable to control and influence the global crude markets any further, the International Energy Agency (IEA), the OECD energy watchdog and Opec now concur.” Dieses Eingeständnis demonstriert den offenbaren Einflussverlust der OPEC und wirft zugleich die Frage auf, welche Faktoren zu dem Kontrollverlust geführt haben, der die OPEC zu einem machtlosen Akteur auf dem Weltölmarkt werden ließ. Betrachtet man die weltweit nachgewiesenen Rohölreserven, dann scheint obiges Zitat völlig an der Realität vorbeizugehen: Nach den Daten von 2004 lagen die größten Reserven mit knapp 777 Mrd. Barrel von weltweit nachgewiesenen 1144 Mrd. Barrel im Gebiet der OPEC-Mitgliedsländer des Nahen Ostens. 6 Insgesamt liegen 78,4% der weltweit nachgewiesenen Rohölreserven im Territorium der OPEC-Mitglieder. Hinzu kommt, dass die Förderkosten in diesen Ländern deutlich geringer ausfallen als in anderen Regionen. 7 Warum also hat die OPEC keinerlei
1 Vgl.: PFEIFFER, Hermanus: Öl für die Welt; in: Blätter für deutsche und internationale Politik, 06/2006, S.755-757, S.755 2 OPEC: OPEC Statute; Wien 2001, S.1 3 Nach der theoretischen Grundlage dieser Arbeit, der Regimetheorie, hat ein Regime keine Akteursqualität auf der internationalen Bühne. Die hier angesprochene Akteursrolle der OPEC soll deswegen rein output orientiert verstanden werden, d.h. die Akteursqualität der OPEC soll daran gemessen werden, wie erfolgreich die OPEC-Staaten aufgrund ihrer Kooperation in der OPEC auf den Weltmarkt Einfluss nehmen können. 4 Vgl.: HÄCKEL, Erwin: Internationale Energiepolitik; in: WOYKE, Wichard (Hg.): Handwörterbuch Internationale Politik; Bonn 2000, S.155-163, S.157 5 Husain, Syed Rashid: Opec unable to influence crude markets any further;
http://www.dawn.com/2006/07/30/ebr5.htm 6 Vgl.: OPEC: Annual Statistical Bulletin 2004; Wien 2005, S.20 7 Vgl.: IEA: World Energy Outlook 2004; a.a.O. 2004, S.105
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Einfluss auf den Weltölmarkt? Spielt dieses „Relikt aus einer völlig anderen Zeit“ 8 überhaupt noch eine Rolle? Dieser Relevanzfrage soll hier anhand aktueller Daten zu Fördermengen, globaler Nachfrage, Anteilen am Weltölmarkt und nachgewiesenen Ölreserven nachgegangen werden. Die Organisation OPEC wird dabei als ein Regime verstanden, über das eine Kooperation der Erdöl fördernden Länder ermöglicht werden soll, um eine bestmögliche Verfolgung deren Interessen zu gewährleisten. Unter regimetheoretischen Gesichtspunkten soll eine Erklärung des kollektiven Handelns der OPEC erfolgen, um die Ziele und Handlungsweisen dieser Organisation zu erklären. Darüber hinaus soll das Verhalten der einzelnen OPEC-Mitglieder und die Resultate dieser Verhaltensweisen beleuchtet werden, um das zu beobachtende Ausscheren aus getroffenen Absprachen zu illustrieren.
Einleitend wird auf regimetheoretische Grundlagen, um den theoretischen Rahmen dieser Arbeit abzustecken. Dazu sollen die Grundlagen und Kernaussagen der Regimetheorie erläutert werden, anhand derer die OPEC als Regime definiert werden kann. Auf die Einordnung dieser Theorierichtung in den Kontext der Großtheorien internationaler Politik sowie auf Kritik an diesem Ansatz soll hier verzichtet werden. 9 Im Hauptteil richtet sich der Blick auf die Akteure und Entwicklungen auf dem Weltölmarkt. Anhand aktueller Statistiken und Analysen sollen die Handlungen der Akteure auf dem Weltmarkt aufgezeigt, sowie deren Auswirkungen auf die Relevanz der OPEC untersucht werden. Im Fokus sollen dabei nicht nur Förderquoten, Exportmengen und Anteile am Weltölmarkt der Erdölproduzenten stehen, sondern auch Nachfrage und Entwicklungen auf den Energiemärkten skizziert werden. Die Untersuchung interner Faktoren beschreibt die individuellen und kollektiven Verhaltensweisen der OPEC-Staaten, das Spannungsfeld zwischen dem kollektiven Handeln dieser Länder und den individuellen Interessen der einzelnen Mitglieder. Dabei soll untersucht werden, warum von getroffenen Vereinbarungen abweichende Verhaltensweisen zu beobachten sind und inwiefern sich diese auf die Relevanz der OPEC als Akteur auf dem Weltölmarkt auswirken. Da ein Regime nicht in einem leeren Raum agiert, sondern auch durch das Handeln anderer Akteure und Entwicklungen beeinflusst wird, müssen auch externe Faktoren für den Einflussverlust der OPEC in Betracht gezogen werden. Unter externen Faktoren sollen hier Handlungen und Entwicklungen verstanden werden, die nicht direkt von OPEC-Mitgliedern ausgehen, aber dennoch
8 CHALABI, Fadhil J.: OPEC. An Obituary; in: Foreign Policy, Nr.109, 1997/1998, S.126-140, S.127 (eigene Übersetzung) 9 Für eine Übersicht über die Theorieentwicklung siehe: HASENCLEVER, Andreas; MAYER, Peter, RITTBERGER, Volker: Theories of International Regimes; Cambridge 1997. Für eine Kritik an der Anwendung regimetheoretischer Überlegungen im Fall der OPEC siehe: BECK, Martin: Die Erdöl-Rentier-Staaten des Nahen und Mittleren Ostens; Münster/Hamburg 1993, S.89ff.
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Auswirkung auf das Handeln der OPEC haben. Abschließend werden in einem Fazit die
Kernargumente der Arbeit zusammengefasst, um die Gründe für den Niedergang der OPEC
zu illustrieren.
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II. Der theoretische Rahmen
Als theoretische Grundlage dienen dieser Arbeit regimetheoretische Annahmen, die, wie auch die realistische Schule, den Staat als den zentralen Akteur der Weltpolitik betrachten, der in einem anarchischen Umfeld seine eigennützig definierten Interessen rational verfolgt. 10 Darüber hinaus werden internationale Institutionen als hilfreich angesehen, um „(…)die aus komplexen Interdependenzbeziehungen gemeinsamen Interesse zu lösen.“ 11 Die Grundfragen der Regimetheorie sind, unter welchen Umständen Regime entstehen, was charakteristische Elemente von Regimes sind und wie sich Regime auf das Verhalten von Staaten und auf die internationale Ebene auswirken. 12 Ein Regime kann aus einer Interessenkongruenz verschiedener Staaten entstehen und ihnen dabei helfen, diese Interessen zu verwirklichen. Dabei besitzt das Regime selbst keine Akteursqualität, sondern schreibt lediglich Verfahrensregeln und Handlungsprinzipien fest, die von den ratifizierenden Staaten als gültig akzeptiert werden 13 und nach denen die Mitgliedsländer ihr Handeln auf dem jeweiligen Kooperationssektor ausrichten. Die Institutionalisierung von Kooperation durch internationale Regime hilft die mit internationaler Kooperation verbundenen Transaktionskosten zu reduzieren, da sie einen Verhandlungsrahmen und sach- sowie akteursbezogene Informationen für die spezifischen Kooperationsziele bereitstellt. Darüber hinaus erhöhen reduzierte Transaktionskosten die Erwartungssicherheit bezüglich des Verhaltens anderer, da durch eine Reduzierung von Kooperationskosten die Chance steigt, dass sich die Kooperationspartner an getroffene Vereinbarungen halten. Je mehr Staaten jedoch an einem Regime beteiligt sind, desto schwieriger wird es, Regelverstöße zu identifizieren und die Kooperationstreue wirksam zu kontrollieren. Die Kosten für eine Einrichtung und Unterhaltung von Kontrollmechanismen steigen mit der Mitgliederzahl, ebenso steigt die Chance, dass die einzelnen Staaten versuchen, Kosten auf andere Kooperationspartner abzuwälzen. Die Gefahr, dass Trittbrettfahrer dem Regime beitreten, um die Vorteile der kollektiven Güterbereitstellung zu genießen, ohne dabei einen Teil der Regimekosten zu übernehmen, steigt ebenfalls, wenn das
10 Vgl.: ZANGL, Bernhard: Regimetheorie; in: SCHIEDER, Siegfried; SPINDLER, Manuela (Hrsg.): Theorien der Internationalen Beziehungen; Opladen 2003, S.117-140, S.117 11 ZANGL, Bernhard: Regimetheorie; in: SCHIEDER, Siegfried; SPINDLER, Manuela (Hrsg.): Theorien der Internationalen Beziehungen; Opladen 2003, S.117-140, S.118 12 Vgl.: LITTLE, Richard: International Regimes; in: BAYLIS, John; SMITH, Steve (Hrsg.): The Globalization of World Politics. An Introduction to International Relations; Oxford 1999, S.231-247, S.231 13 Vgl.: ZANGL, Bernhard: Regimetheorie; in: SCHIEDER, Siegfried; SPINDLER, Manuela (Hrsg.): Theorien der Internationalen Beziehungen; Opladen 2003, S.117-140, S.117
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Regime sich erfolgreich erweist und dadurch an Mitgliedern gewinnt. 14 Die gemeinsamen Interessen sind jedoch nicht die einzige Bedingung, die zu einer Regimebildung führen kann. Vielmehr ist die Kosten-Nutzen-Relation für die einzelnen Staaten von entscheidender Bedeutung für diesen Vorgang: Je geringer die Kosten einer Zusammenarbeit und deren Institutionalisierung und je größer der erhoffte Nutzen aus einer solchen Kooperation, desto wahrscheinlicher ist die Regimebildung. Der Begriff „Regime“ bezeichnet also ein System von Prinzipien, Normen, Regeln und Entscheidungsverfahren, die für ein jeweils spezifisches Kooperationsfeld gültig sind und die eine institutionalisierte Zusammenarbeit aufgrund konvergierender Interessen der beteiligten Staaten ermöglicht. 15 Prinzipien werden dabei als allgemeine Verhaltensstandards definiert, Normen dagegen sind konkretere Verhaltensvorschriften, welche die Rechte und Pflichten der teilnehmenden Staaten festlegen. Unter Regeln werden überprüfbare Verhaltensvorschriften verstanden, die ein bestimmtes Verhalten verlangen bzw. verbieten. Entscheidungsverfahren spezifizieren bestimmte Vorschriften, wie zum Beispiel den Wahlmodus, und geben den prozeduralen Rahmen für die Entscheidungsfindung vor. 16 Regime ermöglichen eine Senkung von Transaktionskosten, bieten ein Kommunikationsforum für die Kooperationspartner und schaffen somit Erwartungssicherheit für die beteiligten Staaten.
Vor diesem theoretischen Hintergrund lässt sich die OPEC als ein „intergouvernementales Integrationsgebilde“ 17 beschreiben, das die Ölpolitik der Mitgliedstaaten koordinieren und vereinheitlichen soll. Dabei sollen gleichzeitig die individuellen und kollektiven Interessen der Mitglieder gesichert werden. Darüber hinaus setzt sich die OPEC in ihrem Statut das Ziel, den Ölpreis auf den internationalen Märkten zu stabilisieren und starke Preisschwankungen zu verhindern. Die konstante Versorgung der Abnehmerländer soll ebenso garantiert werden, wie ein gesichertes Einkommen der Förderländer, sowie ein fairer Kapitalrückfluss für Investitionen in die Ölwirtschaft. 18 Diese Ziele sollen durch Absprachen über Fördermengen und Vereinheitlichung der Ölpolitiken erreicht werden. Dazu treffen sich die Ölminister der Mitgliedsstaaten zweimal
14 Vgl.: BECK, Martin: Die Erdöl-Rentier-Staaten des Nahen und Mittleren Ostens; Münster/Hamburg 1993, S.317 15 Vgl.: MEYERS, Reinhard: Theorien internationaler Kooperation und Verflechtung; in: WOYKE, Wichard (Hg.): Handwörterbuch Internationale Politik; Bonn 2000, S.448-489, S.454 16 Vgl.: ZANGL, Bernhard: Regimetheorie; in: SCHIEDER, Siegfried; SPINDLER, Manuela (Hrsg.): Theorien der Internationalen Beziehungen; Opladen 2003, S.117-140, S.119; siehe auch: LITTLE, Richard: International Regimes; in: BAYLIS, John; SMITH, Steve (Hrsg.): The Globalization of World Politics. An Introduction to International Relations; Oxford 1999, S.231-247, S.235 17 LIXFELD, Simon: OPEC; in: GIELER, Wolfgang (Hg.): Internationale Wirtschaftsorganisationen; Münster 2005, S.221-238, S.228 18 Vgl.: OPEC: OPEC Statute; Artikel 2, Wien 2001 (eigene Übersetzung)
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jährlich, um die Ziele und die Politik der OPEC zu formulieren. Dieses Treffen, die Konferenz der Ölminister, ist zugleich das höchste Organ der OPEC. 19 Die Einhaltung der Absprachen wird mit dem Hinweis angemahnt, dass „(…)no other Member shall accept any offer of a beneficial treatment, whether in the form of an increase in oil exports or in an improvement in prices(…)” Bei einer Nichteinhaltung der auf der Konferenz der Erdölminister getroffenen Absprachen drohen Sanktionen, wobei deren Art und Umfang, sowie der Modus deren Verhängung in den Statuten nicht genauer spezifiziert werden. 21 Ein kodifizierter Sanktionenkatalog sowie ein funktionierender Apparat zur Überwachung der Einhaltung von Regimeabsprachen existieren nicht. Wie noch zu zeigen sein wird sind somit schon in den Statuten der OPEC Ursachen für deren Irrelevanz verankert.
19 Auf eine genaue Beschreibung der einzelnen Gremien und Organe der OPEC, sowie deren Funktion, soll an dieser Stelle verzichtet werden, da dies dem Autor für die vorliegende Untersuchung irrelevant erscheint. Für einen kursorischen Überblick siehe: LIXFELD, Simon: OPEC; in: GIELER, Wolfgang (Hg.): Internationale Wirtschaftsorganisationen; Münster 2005, S.221-238 20 OPEC: OPEC Statute; Wien 2001, S.2 21 Vgl.: OPEC: OPEC Statute; Wien 2001, S.2
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III. OPEC im Niedergang?
III.1 Interne Faktoren: Heterogene Interessen als Ursache für Regimeversagen
Die Handlungsfähigkeit und Effektivität der OPEC hängt sehr eng mit denjenigen Faktoren zusammen, welche ein Interesse der Mitglieder an einer Kooperation begründen. AL’SUBAY bezeichnet diese Faktoren als „Bedürfnisintensität“, welche besonders von zwei Kriterien beeinflusst wird: Die sozioökonomischen Strukturen eines Landes und das Verhältnis zwischen Produktion und nachgewiesenen Reserven. 22 Betrachtet man die Interessenkonstellationen und die Politiken der OPEC-Mitgliedsländer, so wird ein Interessenkonflikt zwischen Förderländern mit großen Reserven und Ländern mit kleinen Reserven offenbar. Große Förderer mit großen Reserven, wie etwa Saudi-Arabien, haben aufgrund hoher Fördermengen auch bei geringen Ölpreisen ein gesichertes Einkommen aus dem Erdölexport, wohingegen kleinere Förderer mit geringerer Fördermenge und geringeren Reserven Interessenskonflikt teilt die OPEC grob in zwei Parteien 23 : Auf der einen Seite diejenigen Länder, die aufgrund großer Reserven eher an moderaten Preisen und einer langfristigen Strategie zur Stabilisierung der Preise interessiert sind. 24 Auf der anderen Seite kleinere Förderländer, denen eher an kurzfristigem Gewinn durch hohe Ölpreise gelegen ist, da eine langfristige Strategie, die auf moderate Ölpreise zielt, insgesamt weniger Einahmen bringen würde. Zwar sind auch große Förderer wie Saudi-Arabien und Iran nicht abgeneigt, von kurzfristigen hohen Ölpreisen zu profitieren, haben jedoch ein größeres Interesse an langfristig auf einem moderaten Niveau stabilen Preisen. Dieser Interessenskonflikt zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der OPEC 25 , da die Verfolgung individueller Interessen durchaus als rational zu betrachten ist. Die Zerrissenheit zwischen kurzfristigen Gewinnen durch hohe Ölpreise und langfristigen Zielvorstellungen ist das Grunddilemma, welches die OPEC überwinden muss, wenn sie ihren Fortbestand und ihre Einflussmöglichkeiten auf den Weltölmarkt garantieren will.
22 Vgl.: AL’SUBAY, Muhammad: Das kollektive Handeln der OPEC-Staaten; Münster 2004, S.105 23 Diese Einteilung ist vereinfacht. Für eine differenziertere Auseinadersetzung mit und Kritik an dieser Theorie siehe: BECK, Martin: Die Erdöl-Rentier-Staaten des Nahen und Mittleren Ostens; Münster/Hamburg 1993, S.255ff 24 LEE, Julian: Die OPEC und die Ölpreise. Was die Verbraucher wissen sollten; in: Internationale Politik 01/2001, S.24-28, S.28 25 Vgl.: Martin: Die Erdöl-Rentier-Staaten des Nahen und Mittleren Ostens; Münster/Hamburg 1993, S.253
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Das Ignorieren von gefassten Beschlüssen bezüglich Fördermengen verhindert ein einheitliches Handeln der OPEC, wodurch getroffene Entscheidungen praktisch bedeutungslos werden.
Die divergierenden Interessen hinsichtlich des Ölpreisniveaus und der Fördermengen sind maßgebliche Faktoren für das individuelle Verhalten der OPEC-Staaten. Diese gründen auf unterschiedliche sozioökonomische, politische und kulturelle Strukturen in den einzelnen Ländern und sind ausschlaggebend für die Konzeption und Formulierung nationaler Interessen. 26 Aufgrund der finanziellen Abhängigkeit der meisten OPEC-Länder vom Erdölexport haben diese Faktoren großen Einfluss auf die Ölpolitik der jeweiligen Länder und somit auf die Formulierung dieser Interessen bei den Ministertreffen der OPEC. Für fast alle OPEC-Länder ist der Erdölexport die einzige nennenswerte Devisenquelle, was sie außenwirtschaftlich äußerst verwundbar macht. 27 In welchem Maße die OPEC-Staaten vom Ölexport abhängig sind, zeigt sich an dem Anteil, den die Ölexporte am gesamten Exportvolumen einnehmen. 2004 betrug der durchschnittliche Anteil 70,6% an den gesamten Exporteinnahmen aller OPEC-Länder. 28 Zieht man zudem in Betracht, dass das Einkommen aus dem Erdölexport über 90% des gesamten Staatseinkommens vieler OPEC-Staaten ausmacht 29 , so wird ersichtlich, wie stark die einzelnen Länder finanziell vom Ölexport abhängig sind. Nicht nur die individuellen Interessen der Mitgliedsländer sind entscheidend für die Handlungsfähigkeit und Effektivität der OPEC, sondern auch die „(…) Bereitschaft der Mitglieder […], zur kollektiven Politik des Kartells beizutragen, d.h. zum Beispiel in Überangebotszeiten die Produktion zu drosseln.“ 30 Diese Bereitschaft hängt eng mit den sozioökonomischen Strukturen der einzelnen Länder und somit mit deren Interessen zusammen, wie anhand der finanziellen Abhängigkeit der OPEC-Staaten vom Erdölexport gezeigt werden kann.
Aus der konsequenten Umsetzung der individuellen Interessenlage ergibt sich die Hauptursache für das Regimeversagen der OPEC: Die beständigen Nichteinhaltung von vereinbarten Förderquoten. Besonders Venezuela tat sich hierbei in der Vergangenheit hervor und förderte rund 800.000 Barrel pro Tag (b/d) über die vereinbarte Produktionsmenge hinaus. Auch Algerien, Iran, Libyen und Nigeria gehören zu den OPEC-Staaten, die sich nicht
26 Für einen Überblick über die politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Länder des Nahen Ostens siehe: PERTHES, Volker: Geheime Gärten. Die neue arabische Welt; Bonn 2005, besonders die Länderstudien im zweiten Teil des Buches.
27 Vgl.: HÄCKEL, Erwin: Internationale Energiepolitik; in: WOYKE, Wichard (Hg.): Handwörterbuch Internationale Politik; Bonn 2000, S.155-163, S.158 28 Vgl.: OPEC: Annual Report 2004; Wien 2005, S.15 29 Vgl.: LEE, Julian: Die OPEC und die Ölpreise. Was die Verbraucher wissen sollten; in: Internationale Politik 01/2001, S.24-28, S.28 30 AL’SUBAY, Muhammad: Das kollektive Handeln der OPEC-Staaten; Münster 2004, S.116
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besonders um die Förderquoten scheren. 31 Das Interesse an kurzfristigen Einnahmen begünstigt durch hohe Ölpreise bestimmt scheinbar das Verhalten vieler OPEC-Staaten. Dabei scheinen die Ölminister zu vergessen, dass global gesehen „(…)the economic stimulus provided by higher oil-export earnings in OPEC and other exporting countries would be more than outweighed by the depressive effect of higher prices on economic activity in the importing countries.“ 32 Anhaltend hohe Ölpreise führen also zu einer Stagnation des Weltwirtschaftswachstums, zu Inflation in den Importländern und kurz- und mittelfristig zu einer geringeren Nachfrage nach Öl, hervorgerufen durch die stagnierende Wirtschaft. 33 Ein anhaltend hoher Ölpreis kann demnach per se nicht im Interesse der Ölexportländer liegen.
Die Quotenregelung, eigentlich dazu intendiert, den Ölmarkt ausreichend zu versorgen und dabei auf eine gerechte Verteilung der Förderanteile unter den OPEC-Staaten zu sorgen, ist durch die beständige Nichteinhaltung der vereinbarten Fördermengen obsolet geworden. Der im März 2000 eingeführte so genannte „automatische Preisbandmechanismus“, der die OPEC-Produktion automatisch um 500 000 Barrel steigern würde, sollte der Rohölpreis an zwanzig aufeinander folgenden Handelstagen über 28 US $ liegen, erwies sich ebenfalls als nicht effektiv. Mit der Absetzung dieses Instruments auf dem OPEC-Treffen im November 2000 wurde dieser Versuch als gescheitert aufgegeben. 34 Ein weiteres regimeinternes Problem dürfte mit dem Wiederbeginn der Förderung im Irak einhergehen. Sobald es die Sicherheitslage erlaubt und das Land stabilisiert ist, will der Irak seine Förderkapazitäten auf über 6 Mio. b/d ausbauen. 35 Die OPEC muss sich dann intern mit einem weiteren großen Förderer über Quoten auseinandersetzen. 2004 konnte der Irak seine tägliche Produktion gegenüber dem Vorjahr bereits um 52,9% steigern und förderte 2,1 Mio. b/d. 36 Ein weiterhin signifikanter Anstieg der Produktion des Landes mit den zweitgrößten nachgewiesenen Reserven dürfte die OPEC-interne Koordinierung der Fördermengen stark erschweren. Gerade in Zeiten dauerhaft hoher Ölpreise und gleichzeitiger Produktion an der Kapazitätsgrenze vieler OPEC-Staaten 37 scheint es unwahrscheinlich, dass andere OPEC-Staaten ihre Produktion drosseln, um die hinzukommende irakische Ölproduktion auf dem Weltmarkt abzufedern, sobald die Preise wieder etwas nachlassen.
31 Vgl.: CHALABI, Fadhil J.: OPEC. An Obituary; in: Foreign Policy, Nr.109, 1997/1998, S.126-140, S.136 32 IEA: Analysis of the Impact of High Oil Prices on the Global Economy; a.a.O. 2004, S.3 33 Vgl.: IEA: Analysis of the Impact of High Oil Prices on the Global Economy; a.a.O. 2004, S.5 34 Vgl.: LEE, Julian: Die OPEC und die Ölpreise. Was die Verbraucher wissen sollten; in: Internationale Politik 01/2001, S.24-28, S.26f 35 Vgl.: EIA: World Energy Outlook 2006; Washington 2006, S.30 36 Vgl.: OPEC: Annual Statistical Bulletin 2004; Wien 2005, S.54 37 Vgl.: ALKAZAZ, Aziz: OPEC 2004; in: Nahost-Jahrbuch 2004; Wiesbaden 2006, S.199-200, S.199
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Wie gezeigt werden konnte, sieht sich die OPEC mit einigen gravierenden internen Problemen konfrontiert, die sie an einem effektiven Ausüben ihres potenziellen Einflusses auf den Weltölmarkt behindern. Die internen Probleme gerade der Nahost-Förderländer beeinflussen deren Kooperationsvereinbarungen durch das Verfolgen individueller Einzelinteressen nicht eingehalten werden. Eine effektive Beeinflussung des Weltölmarktes durch das Kollektiv wird dadurch erschwert. Hinzu kommt, dass die internen und internationalen Probleme der OAPEC (Organisation Arabischer Erdölfördernder Länder) wie z.B. die aktuelle Atomkrise mit dem Iran nicht sehr vertrauensfördernd auf importabhängige Länder wirken und somit ebenfalls destabilisierend auf das Preisniveau auf dem Weltölmarkt einwirken. Darüber hinaus wirken sich die internen Schwierigkeiten der Förderländer negativ auf das Investitionsverhalten ausländischer Kapitalgeber aus. Dabei benötigten die OPEC-Staaten dringend neue Investitionen im Ölsektor, um ihre Kapazitäten aufzustocken, da die meisten OPEC-Länder an der Grenze ihrer Kapazitäten fördern. 2004 hatte einzig Saudi-Arabien „spare capacities“ von knapp 1,5 Mio. b/d, was nicht ausreicht, um angemessen auf Marktschwankungen zu reagieren. 38
III.2 Externe Faktoren: Herausforderungen für die OPEC
Neben den skizzierten internen Faktoren für das Regimeversagen der OPEC gibt es auch eine Reihe externer Faktoren, die Einfluss auf die OPEC als ganzes sowie auf das Verhalten einzelner Mitglieder nehmen. Diese Faktoren sieht die OPEC selbst in „(…)uncertainties surrounding future demand for OPEC oil, stemming from, inter alia, future world economic growth, consuming countries’ policies, and technology development, as well as from future non-OPEC production levels.” 39 Die Untersuchung dieser Faktoren basiert hier im Folgenden auf aktuellen Daten zu Akteuren auf dem Weltmarkt und beobachtbaren Entwicklungen. Dabei soll zunächst auf die Faktoren eingegangen werden, deren Beurteilung weniger spekulativ ausfällt als beispielsweise die Betrachtung des künftigen Weltwirtschaftswachstums.
Die Ölpreisschocks der 1970er Jahre waren die Initialzündung für die importabhängigen Industriestaaten, ihre Energieversorgung zu diversifizieren. Neben der Erforschung und Entwicklung alternativer Energieträger und Energie einsparender
38 Vgl.: ALKAZAZ, Aziz: OPEC 2004; in: Nahost-Jahrbuch 2004; Wiesbaden 2005, S.199-200, S.199f
39 OPEC: OPEC Long-Term Strategy; Wien 2006, S.3
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Technologien lag der Schwerpunkt der Anstrengungen auch in der Diversifizierung der Bezugsquellen von Öl. In Zeiten hoher Ölpreise kann die Erschließung und Förderung vormals unrentabler Ölvorkommen doch wirtschaftlich sinnvoll werden. Schon eine relativ geringe Verknappung der weltweiten Fördermenge kann das Ölpreisniveau stark anheben, wodurch die Rentabilität alternativer Energieträger beeinflusst wird. 40 Seit 1971 hat der Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergieaufkommen jährlich um 2,3% zugenommen. Neben dem mit 34,4% noch immer weitaus größten Anteil am Primäraufkommen die aus Öl gewonnen, stammten 2003 13,3% des Primäraufkommens aus regenerativen Energieträgern. 41 Dies belegt den Versuch der Öl importierenden Länder, ihre Energieversorgung von dem Energieträger Erdöl zu entkoppeln.
Neben der Entwicklung und Nutzung alternativer Energieträger wurde die Suche nach „krisensicheren“ Ölversorgern nach den Erfahrungen der Ölkrisen in den 1970er Jahren intensiviert. In diesem Zuge wurden auch Anstrengungen unternommen, vormals unrentable Ölvorkommen in Alaska oder der Nordsee zu erschließen. 42 Begünstigt wurde dies durch die Nationalisierung der Ölindustrien in den OPEC-Ländern, so dass die großen Ölkonzerne verstärkt in Ländern wie Norwegen und Großbritannien, sowie in vormals als eher unrentabel erachteten Gebieten investierten. Kombiniert mit der Neuerschließung von Nicht-OPEC Ölfeldern, der Entwicklung neuer Technologien und der verstärkten Förderung unkonventioneller Ressourcen spricht diese Entwicklung für einen weiteren Anstieg der Nicht-OPEC Produktion. 43 Begünstigt werden diese Faktoren zusätzlich durch den gegenwärtig hohen Ölpreis. Die Ölfunde vor der Küste Westafrikas belaufen sich nach Schätzungen auf zwischen 40 und 100 Mrd. Barrel, deren Förderung zu einer weiteren Schwächung der OPEC beitragen kann, vor allem, da die Transportwege kürzer sind, als die des OPEC-Öls aus dem Nahen Osten und besser kontrolliert werden können. 44 Nach den Daten von 2004 verfügt die OPEC über knapp 80% der weltweit nachgewiesenen Ölreserven und einem Marktanteil von 41,9%. 45 Dies zeigt, dass die Produktion aus Nicht-OPEC Ländern immer noch einen Großteil des Rohöls auf dem Weltölmarkt ausmacht. Auf der Nachfrageseite lässt sich konstatieren, dass zwischen 1990
40 Vgl.: HÄCKEL, Erwin: Internationale Energiepolitik; in: WOYKE, Wichard (Hg.): Handwörterbuch Internationale Politik; Bonn 2000, S.155-163, S.157 41 Vgl.: IEA: IEA Fact Sheet: Renewables in Global Energy Supply; a.a.O. 2006, S.2 42 Vgl.: HOHENSEE, Jens: Der erste Ölpreisschock 1973/74; Stuttgart 1996, S.193 43 Vgl.: EIA: World Energy Outlook 2006; Washington 2006, S.29 44 Vgl.: WAGNER, Jürgen: Afrika im Fadenkreuz. Vom vergessenen Kontinent zum Objekt der Begierde; in: Blätter für deutsche und internationale Politik, 06/2004, S.703-711, S.704 45 Vgl.: OPEC: Annual Statistical Bulletin 2004; S.22
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und 2004 die Nachfrage nach Rohöl weltweit um 2,9 Mio. b/d angestiegen ist. 46 Der Anstieg im Jahr 2005 betrug knapp 1,2 Mio. b/d, wovon 1,1 Mio. b/d auf die Nicht-OECD Länder entfiel. 47 Westeuropa jedoch ist bemüht, seine Bezugsquellen zu diversifizieren wie die prozentualen Anteile an den OPEC-Exporten in diese Region belegen. Diese gingen von ihrem Höchststand mit 55,9% im Jahr 1970 kontinuierlich auf 21,4% im Jahr 2004 zurück. 48 Der reale Anstieg des europäischen Bedarfs an Rohöl ist in den letzten Jahren nur sehr gering ausgefallen und bewegte sich von 2004 (0,24 Mio. b/d) auf 0,03 Mio. b/d im Jahr 2006. 49 Ein großer Teil des Bedarfs kann durch Öl aus der Nordsee gedeckt werden, die USA stützen sich vermehrt auf Lieferungen aus Mexiko und Venezuela und versuchen, durch eine Aufstockung der Importe aus Afrika von derzeit 16% der gesamten Ölimporte auf 25% im Jahr 2015 die Abhängigkeit von der OPEC weiter zu verringern. 50 Norwegen, Kanada, Dänemark, Mexiko und Großbritannien gehörten 2004 sogar zu den Netto-Exporteuren von Rohöl 51 , konnten also ihre Abhängigkeit von der OPEC drastisch verringern. Der Einfluss Russlands als großer Energie- und Ölexporteur auf dem Weltmarkt ist gegenwärtig auch im Steigen begriffen. Mit einer Produktionsmenge von 9,23 Mio. b/d im Jahr 2004 ist Russland noch vor Saudi-Arabien der größte Produzent von Rohöl. 52 Gigantische, noch unerschlossene Ölvorkommen am Kaspischen Meer werden das Gewicht Russlands als Akteur noch vergrößern und vor allem den Anteil des Nicht-OPEC Öls auf dem Weltmarkt mittelfristig weiter ausbauen und den Einfluss der OPEC dadurch weiter beschränken.
Ein weiterer großer Faktor für den Rückgang des Einflusses der OPEC war die Finanzkrise in Asien 1997, die den aufstrebenden „Tigerstaaten“ die finanziellen Mittel entzog, weiterhin in gleichem Umfang Öl von der OPEC zu beziehen und somit ein großer Faktor für die sinkende Nachfrage darstellte. 53 Vor allem Chinas großer Energiehunger wird gegenwärtig gerne im Kontext steigender Öl- und Energiepreise als Erklärung herangezogen. Chinas Ölimporte wuchsen tatsächlich seit 2002 um knapp 30% 54 , von den 6,52 Mio. b/d Nachfrage im Jahr 2004 wurden 3,48 Mio. b/d aus OPEC-fremden Quellen bezogen. Auffällig ist, dass trotz konstant hohem Wachstum im Jahr 2005 Chinas Ölimporte nur um
46 Vgl.: IEA: Oil Market Report. Annual Statistical Supplement 2004; a.a.O. 2005, S.5 47 Vgl.: EIA: World Energy Outlook 2006; Washington 2006, S.25 48 Vgl.: OPEC: Annual Statistical Bulletin 2004; Wien 2005, S.33 49 Vgl.: IEA: Monthly Oil Market Report May 2006; a.a.O. 2006, S.4 50 Vgl.: WAGNER, Jürgen: Afrika im Fadenkreuz. Vom vergessenen Kontinent zum Objekt der Begierde; in: Blätter für deutsche und internationale Politik, 06/2004, S.703-711, S.704 51 Vgl.: IEA: Analysis of the Impact of High Oil Prices on the Global Economy; a.a.O. 2004, S.6 52 Vgl.: IEA: Oil Market Report. Annual Statistical Supplement 2004; a.a.O. 2005, S.19 53 Vgl.: ALKADIRI, Raad; MOHAMEDI, Fareed: Die Weltölmärkte und die Okkupation des Irak; in: Blätter für deutsche und internationale Politik, 09/2003, S.1070-1080, S.1071 54 Vgl.: ALKAZAZ, Aziz: OPEC 2004; in: Nahost-Jahrbuch 2004; Wiesbaden 2005, S.199-200, S.199
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0,35 Mio. b/d angestiegen sind. 55 Neben der relativ geringen Steigerung der Ölimporte nutzt China jedoch verstärkt heimische Steinkohle zur Befriedigung des gewaltigen Energiebedarfs. Dieser wird gegenwärtig zum größten Teil bereits durch Kohle abgedeckt 56 , was sich anhand des größeren Anstiegs der Kohle am Primärenergieaufkommen im Vergleich zu dem Anstieg des Anteils des Erdöls konstatieren lässt. Zwischen 1990 und 2003 stieg der Anteil des Erdöls am Primärenergieaufkommen von 110 Mio. Tonnen auf 270 Mio. Tonnen, der Anteil der Kohle von 542 Mio. Tonnen auf 850 Mio. Tonnen. 57 Ebenso wird der Energiebedarf der restlichen asiatischen Nicht-OECD Länder verstärkt mit Kohle gedeckt. Insgesamt konzentrieren sich die asiatischen Staaten und auch China also verstärkt auf eigene Energieträger wie Kohle, da diese reichlich und vor allem billiger verfügbar ist als Erdöl, was eine geringere Abhängigkeit von importiertem Öl zur Folge hat, und somit die Nachfrage auf dem Weltölmarkt nicht analog zum Wirtschaftswachstum mit ansteigt.
Wie das eingangs angeführte Zitat belegt, ist die OPEC derzeit nicht in der Lage, gegen die hohen Ölpreise vorzugehen. Der Markt sei ausreichend versorgt, es gebe keine Lieferschwierigkeiten.
„Geopolitical developments, over which OPEC has no influence, have been behind this sudden rise in volatility, and these have come at a time when the market was already out
Demnach hat die OPEC gegenwärtig nach eigener Aussage keinen Einfluss auf den Markt, psychologische Elemente wie die Angst vor Versorgungsengpässen aufgrund aktueller Krisen in Förderländern bestimmten momentan den Preis.
Diese Furcht vor Versorgungsengpässen durch Krisen und andere geopolitische Befürchtungen lassen den Ölpreis schnell in die Höhe steigen, was die Einflussmöglichkeiten der OPEC weiter reduziert, da viele OPEC-Mitglieder von den hohen Ölpreisen profitieren wollen und sich ein kollektives Vorgehen zur Stabilisierung der Ölpreise auf einem moderaten Niveau sehr schwierig gestaltet. Darüber hinaus führen diese ungünstigen geopolitischen Faktoren zu einem Rückgang der Investitionstätigkeit in den klassischen Förderländern der OPEC, was den benötigten Ausbau der Kapazitäten weiter verzögert. Durch die Phase niedriger Ölpreise in den 1990er Jahren herrscht bereits ein Mangel an Fachpersonal und modernen Anlagen. 59 Dass freie Kapazitäten ein wichtiges Instrument sind,
55 Vgl.: EIA: World Energy Outlook 2006; Washington 2006, S.26; sowie: IEA: Oil Market Report 2006; a.a.O. 2006, S.4 56 Vgl.: McKIBBEN, Bill: Die China-Story; in: Blätter für deutsche und internationale Politik, 08/2006, S.943958, S.953 57 Vgl.: IEA: Oil Market Report. Annual Statistical Supplement 2004; a.a.O. 2005, S.18 58 OPEC: Monthly Oil Market Report July 2006; Wien 2006, S.5 59 Vgl.: ALKAZAZ, Aziz: OPEC 2004;in: Nahost-Jahrbuch 2004; Wiesbaden 2005, S.199-200, S.199
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um Marktschwankungen zu begegnen, wurde schon weiter oben gezeigt. Wie anhand der aktuellen hohen Ölpreise belegt werden kann, reichen Instrumentarien wie der „automatische Preisbandmechanismus“ oder eine flexible Förderquotenregelung unter den momentan vorhandenen „spare capacities“ nicht aus, um effektiv Einfluss auf die Weltölmärkte zu nehmen. In diesem Punkt laufen die internen Probleme der OPEC mit den externen Faktoren zusammen und ergeben einen für die OPEC kurz- und mittelfristig kaum zu bewältigenden Problemkomplex.
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IV. Fazit
Ursprünglich gegründet als offensives Instrument der Interessenskoordination gegen die Macht der großen Ölkonzerne, ist die OPEC zu einer rein defensiven, reagierenden Körperschaft geworden, deren Mitglieder sich größtenteils nicht an die vereinbarten Förderquoten halten. Durch diese Nichteinhaltung wird die Erwartungssicherheit innerhalb des Kooperationsrahmens unterlaufen, die angestrebte Preisstabilität kann nicht erreicht werden. Die beständige Überschreitung festgelegter Produktionsmengen lässt das Quotensystem der OPEC, das eigentlich dazu intendiert war, durch die (flexible) Regulierung des Angebots eine Preisstabilität zu garantieren, als ineffektives Instrument erscheinen. Die Verbindlichkeit der Normen und Regeln des Regimes wird durch die individuelle Nutzenmaximierung vieler OPEC-Mitglieder unterlaufen, die Wirkungsmacht der OPEC dadurch beschnitten. Ein Sanktionsmechanismus, der abweichendes Verhalten bestraft, existiert nicht. Einzig Saudi-Arabien kann aufgrund seiner großen Reserven durch die zeitweise Erhöhung bzw. Drosselung der eigenen Fördermenge ein Auseinanderbrechen der OPEC bislang noch verhindern. 60 Doch nicht nur das individuelle Fehlverhalten der OPEC-Staaten ist verantwortlich für die gegenwärtige Irrelevanz der OPEC, neben den OPECinternen Faktoren beeinflussen auch externe Faktoren die Einflussmöglichkeiten der OPEC. So tragen die Diversifizierung der Energieversorgung der Öl importierenden Länder und die Erschließung vormals unrentabler Ölfelder zur gegenwärtigen Machtlosigkeit der OPEC bei. Auch konnte gezeigt werden, dass der viel beschworene Boom der asiatischen Volkswirtschaften nicht zu einer übermäßig stark anwachsenden Nachfrage nach Erdöl geführt hat. Auch der derzeit stark von der Angst vor Lieferengpässen geprägte Ölmarkt erweist sich als resistent gegen die Einflussnahmebemühungen der OPEC. Darüber hinaus fördert der Fund neuer OPEC-unabhängiger Ölfelder die strategische Unabhängigkeit von der OPEC.
Kurz- und mittelfristig muss die OPEC ihre internen Interessenskonflikte überwinden und die Einhaltung der Förderquoten ihrer Mitglieder sicherstellen, um wieder als einheitlich auftretender Akteur auf dem Weltmarkt agieren zu können. Inwiefern sie jedoch an Einfluss auf den Weltölmarkt zurückgewinnen kann, ist angesichts externer Faktoren wie steigender Fördermengen gerade aus Russland und der Entwicklung Energie einsparender Technologien
60 Vgl.: PARRA, Francisco: Oil Politics. A Modern History of Petroleum; New York 2004, S.341; siehe auch:
CHALABI, Fadhil J.: OPEC. An Obituary; in: Foreign Policy, Nr.109, 1997/1998, S.126-140, S.136
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in den Industriestaaten jedoch fraglich. Die OPEC wird weiterhin auf Entwicklungen auf dem Weltölmarkt reagieren, statt diesen zu lenken.
Schon vor längerer Zeit hat die staatliche venezolanische Ölfirma PDVSA vorgeschlagen, das System der festen Fördermengen aufzugeben und eine marktbeherrschende Stellung der OPEC durch die Erhöhung des Weltmarktanteils zu erzielen. 61 Dies könnte angesichts der relativen Kostenvorteile in der Förderung der Reserven ein gangbarer Weg sein. Auf lange Sicht hin wird die OPEC wahrscheinlich auf die maßgeblichen Produzenten, Saudi-Arabien, Iran, Irak, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Venezuela schrumpfen, da deren Interessen aufgrund der hohen Reserven am kompatibelsten sind.
61 Vgl.: CHALABI, Fadhil J.: OPEC. An Obituary; in: Foreign Policy, Nr.109, 1997/1998, S.126-140, S.136
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V. Literatur ALKADIRI, Raad; MOHAMEDI, Fareed: Die Weltölmärkte und die Okkupation des Irak; in: Blätter für deutsche und internationale Politik, 09/2003, S.1070-1080 ALKAZAZ, Aziz: OPEC 2004;
in: Nahost-Jahrbuch 2004; Wiesbaden 2005, S.199-200 AL’SUBAY, Muhammad: Das kollektive Handeln der OPEC-Staaten; Münster 2004 BECK, Martin: Die Erdöl-Rentier-Staaten des Nahen und Mittleren Ostens; Münster/Hamburg 1993 CHALABI, Fadhil J.: OPEC. An Obituary;
in: Foreign Policy, Nr.109, 1997/1998, S.126-140 EIA: World Energy Outlook 2006; Washington 2006 HÄCKEL, Erwin: Internationale Energiepolitik;
in: WOYKE, Wichard (Hg.): Handwörterbuch Internationale Politik; Bonn 2000, S.155-163 HASENCLEVER, Andreas; MAYER, Peter, RITTBERGER, Volker: Theories of International Regimes; Cambridge 1997 HOHENSEE, Jens: Der erste Ölpreisschock 1973/74; Stuttgart 1996 HUSAIN, Syed Rashid: Opec unable to influence crude markets any further; http://www.dawn.com/2006/07/30/ebr5.htm; Zugriff am 01.08.2006 IEA: Analysis of the Impact of High Oil Prices on the Global Economy; a.a.O. 2004 http://www.iea.org/textbase/papers/2004/high_oil_prices.pdf; Zugriff am 17.06. 2006 IEA: Monthly Oil Market Report May 2006; a.a.O. 2006 IEA: Oil Market Report. Annual Statistical Supplement 2004; a.a.O. 2005 IEA: World Energy Outlook 2004; a.a.O. 2004 IEA: IEA Fact Sheet: Renewables in Global Energy Supply; a.a.O.2006 http://www.iea.org/textbase/papers/2006/renewable_factsheet.pdf; Zugriff am: 15.06. 2006
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LEE, Julian: Die OPEC und die Ölpreise. Was die Verbraucher wissen sollten; in: Internationale Politik 01/2001, S.24-28 LITTLE, Richard: International Regimes;
in: BAYLIS, John; SMITH, Steve (Hrsg.): The Globalization of World Politics. An Introduction to International Relations; Oxford 1999, S.231-247 LIXFELD, Simon: OPEC;
in: GIELER, Wolfgang (Hg.): Internationale Wirtschaftsorganisationen; Münster 2005, S.221-238 McKIBBEN, Bill: Die China-Story;
in: Blätter für deutsche und internationale Politik, 08/2006, S.943-958 MEYERS, Reinhard: Theorien internationaler Kooperation und Verflechtung; in: WOYKE, Wichard (Hg.): Handwörterbuch Internationale Politik; Bonn 2000, S.448-489 OPEC: Annual Report 2004; Wien 2005 OPEC: Annual Statistical Bulletin 2004; Wien 2005 OPEC: OPEC Long-Term Strategy; Wien 2006 OPEC: Monthly Oil Market Report July 2006; Wien 2006 OPEC: OPEC Statute; Wien 2001 PARRA, Francisco: Oil Politics. A Modern History of Petroleum; New York 2004 PERTHES, Volker: Geheime Gärten. Die neue arabische Welt; Bonn 2005 PFEIFFER, Hermanus: Öl für die Welt;
in: Blätter für deutsche und internationale Politik, 06/2006, S.755-757 WAGNER, Jürgen: Afrika im Fadenkreuz. Vom vergessenen Kontinent zum Objekt der Begierde; in: Blätter für deutsche und internationale Politik, 06/2004, S.703-711 ZANGL, Bernhard: Regimetheorie;
in: SCHIEDER, Siegfried; SPINDLER, Manuela (Hrsg.): Theorien der Internationalen Beziehungen; Opladen 2003, S.117-140
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Marius Sauter, 2006, Die OPEC im Niedergang?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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