In Hobbes’ politischer Theorie treten Sie als Untertan in einem untereinander abgeschlossenen Gesellschaftsvertrag all Ihre Rechte an einen Souverän ab, der dadurch berechtigt ist, über alle nach außen wirkenden Handlungen zu entscheiden. Mit diesem Vertrag haben Sie den eigenen Willen und das eigene Urteil seinem Willen und Urteil unterworfen.1 Einzig das Recht zur Selbstverteidigung bleibt Ihnen erhalten2. Nun ergibt es sich beispielsweise, dass der Souverän Sie wegen Ungehorsams zum Tode verurteilt. Sie selbst sehen sich als Opfer eines Missverständnisses. Sie waren mit der Anordnung, Ihre Arbeitskraft in den Dienst der Armee zu stellen nicht einverstanden da Sie bereits im letzten Krieg so schwer verwundet waren, dass Sie von Ihrem damaligen Vorgesetzten auf Lebenszeit vom Armeedienst befreit
worden sind. Sie bestehen auf Ihr Recht zur Selbstverteidigung, denn schließlich ist Ihr Leben in diesem Fall bedroht. Doch gibt es nach Hobbes auch ein Widerstandsrecht gegen den Souverän?
Inhaltsverzeichnis
1. Der Gesellschaftsvertrag und die Souveränität
2. Voraussetzungen des Vertragsabschlusses
3. Das Recht zur Selbstverteidigung
4. Grenzen des Gehorsams und rechtliche Spielräume
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Frage, ob und unter welchen Bedingungen innerhalb der politischen Theorie von Thomas Hobbes ein Widerstandsrecht des Untertans gegenüber dem Souverän besteht, insbesondere wenn das eigene Leben bedroht ist.
- Der Gesellschaftsvertrag und die Unterwerfung unter den Souverän
- Das angeborene Recht auf Selbsterhaltung
- Die Rolle von Gesetzen und richterlichen Prozessen
- Freiräume für individuelles Handeln innerhalb der absoluten Herrschaft
Auszug aus dem Buch
Thomas Hobbes: Widerstand- nein Danke?
Nein! Hobbes’ Theorie besagt eindeutig, dass niemand, auch Sie nicht, sein Recht darauf, sich vor Tod, Verletzung oder Gefangenschaft zu bewahren auf jemanden übertragen kann. Davon ausgehend können Sie sich demnach auch durch Einsatz von Gewalt widersetzen. „Denn der Mensch wählt von Natur aus lieber das kleinere Übel, nämlich die Todesgefahr, wenn er Widerstand leistet, als das größere, den sicheren und sofortigen Tod ohne Widerstand.“ Denn nur wenn der Staat, und der Souverän ist der Staat, das Leben des Einzelnen selbst bedroht, ist der Einzelne berechtigt, in den ihm angeborenen wölfischen, kriegerischen Naturzustand zurückzufallen und sein Dasein zu verteidigen.
Doch bedenken Sie, dass Ihre vorherige Unwissenheit über das Unmögliche Sie nicht vor Strafe schützt, denn so besagt es das Gesetz, auf das sich der Souverän stützt. Ihr vorheriger Ungehorsam und der angestrebte Widerstand sind ein Verbrechen. Ohne Bruch des Friedens können Sie durch eine Klage Ihr Recht bekommen. Nach Hobbes werden die Grade des Verbrechens nach verschiedenen Maßstäben gemessen: Anlass oder Motiv, Verführungskraft des Beispiels, bewirkter Schaden und den örtlichen, zeitlichen und persönlichen Umständen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Gesellschaftsvertrag und die Souveränität: Einführung in die Ausgangssituation, in der Individuen durch den Gesellschaftsvertrag ihre Rechte an einen Souverän abtreten und sich dessen Willen unterwerfen.
2. Voraussetzungen des Vertragsabschlusses: Erläuterung der Natur des Menschen sowie der Notwendigkeit, Verträge als überlegte Willensakte mit Blick auf die Zukunft zu betrachten.
3. Das Recht zur Selbstverteidigung: Analyse der Ausnahmesituation, in der das unveräußerliche Recht auf Selbsterhaltung gegenüber der Souveränitätsmacht geltend gemacht werden kann.
4. Grenzen des Gehorsams und rechtliche Spielräume: Untersuchung der rechtlichen Möglichkeiten für Untertanen, innerhalb eines bestehenden Herrschaftssystems gegen drohendes Unrecht vorzugehen.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Gesellschaftsvertrag, Souverän, Widerstandsrecht, Selbsterhaltung, Untertan, Naturzustand, Politische Theorie, Rechtsweg, Gehorsam, absolute Herrschaft, Gesetz, Freiheit, Staat, Ungehorsam
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die politische Philosophie von Thomas Hobbes unter der speziellen Fragestellung, ob ein Untertan ein Recht auf Widerstand gegenüber dem Souverän hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen den Gesellschaftsvertrag, die absolute Souveränität, das Recht auf Selbsterhaltung sowie die rechtlichen Grenzen des Gehorsams.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Klärung, ob und wie ein Individuum in der hobbeschen Staatsordnung das eigene Überleben rechtlich sichern kann, wenn es sich vom Souverän bedroht fühlt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse und Interpretation klassischer politikwissenschaftlicher Primärtexte, insbesondere des "Leviathan" von Thomas Hobbes.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Spannung zwischen der absoluten Unterwerfung unter den Souverän und dem unveräußerlichen Naturrecht auf den Schutz des eigenen Lebens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Souveränität, Gesellschaftsvertrag, Selbsterhaltung, Widerstandsrecht und Naturzustand.
Darf ein Untertan laut Hobbes bei Todesgefahr widerstehen?
Ja, Hobbes räumt ein, dass das Recht auf Selbsterhaltung nicht vollständig übertragen werden kann, weshalb Widerstand zur Verteidigung des eigenen Lebens berechtigt sein kann.
Welchen Rat gibt die Autorin für den Umgang mit dem Gesetz?
Die Autorin empfiehlt, den rechtlichen Weg zu nutzen und sein Recht vor den eingesetzten Richtern einzuklagen, anstatt den direkten gewaltsamen Bruch des Friedens zu riskieren.
- Quote paper
- Bettina Freude-Schlumbohm (Author), 2008, Thomas Hobbes: Widerstand - nein Danke?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117415