Digitale Fotografie und das Vertrauen in den Bildjournalismus
Hausarbeit zur Erlangung
des Grades Magistra der
Philosophischen Fakultät der
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
von
Tina Stork
März 2003
Gliederung
Einleitung ... 1
1. Vertrauen ... 2
1.1 Vorbemerkung ... 2
1.2 Definitionen von Vertrauen ... 3
1.3 Vertrauenselemente ... 4
2. Vertrauen in der modernen Gesellschaft ... 8
2.1 Vorbemerkung ... 8
2.2 "Entbettung" in der Moderne ... 8
2.2.1 Vorbemerkung ... 8
2.2.2 Expertensysteme ... 10
2.2.2.1 Vorbemerkung ... 10
2.2.2.2 Systembegriff bei Giddens ... 10
2.2.2.3 Experten in der Moderne ... 12
2.3 Bedeutung "abstrakter Systeme" ... 14
2.4 Reflexivität der Moderne ... 15
2.5 Vertrauen nach Giddens ... 17
2.5.1 Vertrauensbegriff nach Giddens ... 17
2.5.2 Vertrauen in "abstrakte Systeme" ... 19
2.6 Wechselseitigkeit, "aktives" Vertrauen und Kooperation ... 21
2.6.1 Wechselseitigkeit und "aktives" Vertrauen zwischen "abstrakten Systemen" und Nicht-Experten ... 21
2.6.1.1 Vorbemerkung ... 21
2.6.1.2 Die Rolle der Experten bei "aktivem" Vertrauen ... 22
2.6.1.3 Zugangspunkte ... 23
2.6.2 Kooperation ... 24
2.7 Risiko und Vertrauen ... 27
2.8 Überleitung ... 29
3. Vertrauen in Bildjournalismus ... 31
3.1 Vorbemerkung ... 31
3.2 Sonderrolle des Journalismus ... 31
3.3 Vertrauen in die Generierung journalistischer Informationen ... 34
3.4 Vertrauen in Journalismus nach Matthias Kohring ... 35
3.4.1 Vorbemerkung ... 35
3.4.2 Gesellschafts- und vertrauenstheoretischer Rahmen bei Kohring ... 35
3.4.3 Vier Faktoren für "Vertrauen in Journalismus" ... 38
3.5 Bedeutung von Bildjournalismus ... 41
3.5.1 Vorbemerkung ... 41
3.5.2 Literaturüberblick ... 42
3.5.3 Forschungen zur Wirkung von Pressebildern ... 45
3.5.3.1 Vorbemerkung ... 45
3.5.3.2 Beachtung von Pressefotos und Pressetexten ... 45
3.5.3.3 Wirkungsunterschiede von Fotografien und Texten ... 46
3.5.3.4 Wirkungsanteile in Bild-Text-Kombinationen ... 47
3.5.4 Journalistische Funktion von Pressefotos ... 48
3.5.5 Zusammenfassung: Bedeutung der Bildberichterstattung ... 50
3.6 Digitale Fotografie ... 51
3.7 Digitalisierung im Bildjournalismus - Die Glaubwürdigkeitsfrage ... 52
3.8 Vier Faktoren von Vertrauen in bildjournalistische Informationen ... 56
4. Ausblick ... 60
Literaturverzeichnis ... 64
Einleitung
Im Zuge der Einführung der digitalen Technik in den bildjournalistischen Bereich und den damit verbundenen Möglichkeiten einer schnellen, mannigfaltigen Bildbearbeitung, ist eine intensive Diskussion um manipulative Bildverfälschung im Bildjournalismus und einen möglichen Glaubwürdigkeitsverlust bildjournalistischer Darstellungen entstanden. Ein großer Anteil der Fotografien, die heute in Magazinen und Zeitungen abgebildet werden, wird mit Hilfe entsprechender Computerprogramme nachbearbeitet. Dabei werden häufig Details wie Helligkeit, Farbanpassung etc. korrigiert. Manchmal werden hierbei jedoch, wie hin und wieder aufkommende Skandale bestätigen, neuartige Bildaussagen geschaffen, die dem Betrachter eine bestimmte Realität suggerieren (sollen). Innerhalb der Diskussion um die neuen Möglichkeiten der bildjournalistischen Technik und einen eventuellen Glaubwürdigkeitsverlust gibt es zahlreiche Kontroversen. Diese beziehen sich vor allem auf die Aspekte, dass erstens eine Grenze zwischen der manipulativen Bildverfälschung und einer moralisch zulässigen Bildoptimierung objektiv nicht zu bestimmen sei und dass zweitens Fotografien schon immer, unabhängig von ihrem technischen Entstehungsprozess, eine bestimmte Realität suggerieren konnten, indem z.B. bestimmte Motive, Ausschnitte, Lichtverhältnisse etc. vom Fotografen ausgewählt worden seien.
Ausgehend von der oben kurz skizzierten Diskussion soll innerhalb dieser Arbeit zunächst die besondere gesellschaftliche Bedeutung von Vertrauen in Journalismus bzw. Bildjournalismus, vor allem unter den besonderen sozialen Bedingungen moderner Gesellschaften, dargestellt werden. Außerdem soll analysiert werden, aus welchen Faktoren ein Vertrauen in Bildjournalismus, genauer ein Vertrauen in die Generierung bildjournalistischer Informationen, besteht und inwiefern dieses Vertrauen durch die neuen technischen Möglichkeiten beeinträchtigt werden kann.
Im ersten Teil der Arbeit soll zunächst der wissenschaftliche Vertrauensbegriff erläutert werden, anschließend die Besonderheiten von Vertrauen unter den bestimmten sozialen Bedingungen moderner Gesellschaften herausgearbeitet sowie die Bedeutung und die wichtigsten Aspekte von Vertrauen in Expertentum erläutert werden. Im zweiten Teil der Arbeit, von Abschnitt 3.1 bis 3.4, wird zunächst die besondere Rolle des Vertrauens in Journalismus herausgearbeitet und eine Konzeption von Vertrauen in Journalismus vorgestellt. Sodann wird in Abschnitt 3.5 anhand eines Literaturüberblicks über die Besonderheiten von Fotografien, eines Forschungsüberblicks zur Wirkung von Pressebildern sowie anhand der journalistischen Funktionen von Pressefotos die besondere Bedeutung von Vertrauen in Bildjournalismus erläutert. Nachdem in Abschnitt 3.6 die wesentlichen, in diesem Zusammenhang relevanten Veränderungen der digitalen im Vergleich zur analogen Fotografie dargestellt werden, wird in Abschnitt 3.7 die Diskussion um die Glaubwürdigkeit bildjournalistischer Darstellungen auf Grund der neuen technischen Möglichkeiten thematisiert und analysiert. In Abschnitt 3.8 wird ein Vorschlag zur Konzeption von Vertrauen in die Generierung bildjournalistischer Informationen unterbreitet. Im letzten Teil der Arbeit wird ein möglicher Vertrauensverlust in Bildjournalismus diskutiert und die besondere Verantwortung der in dieser Vertrauensbeziehung beteiligten Akteure erläutert. Die Verfasserin hofft so, einen zumindest kleinen Beitrag zu einer adäquaten Diskussion über ein Thema leisten zu können, das nicht nur die deutsche Gesellschaft in den nächsten Jahren zunehmend beschäftigen wird
1. Vertrauen
1.1 Vorbemerkung
Vertrauen stellt einen wesentlichen Aspekt innerhalb verschiedenster sozialer Beziehungen und des sozialen Handelns dar. Im alltagssprachlichen Gebrauch vertraut der Mann seiner Frau, der Patient seinem Arzt, ein Gangster vertraut seinem Komplizen, das Opfer vertraut bei Festnahme des Gangsters der Justiz.
Innerhalb der soziologischen Betrachtung ist Vertrauen zunächst von Bedeutung, weil es sich um ein grundlegendes Merkmal sozialer Beziehungen handelt. So wird Vertrauen als Grundlage von sozialen Beziehungen zwischen zwei individuellen Akteuren, zwischen und innerhalb von Wirtschaftsunternehmen, Organisationen, politischen Parteien etc. oder sogar als eine Art Kraft, die eine ganze Gesellschaft zusammenhält, betrachtet. Vor allem vor dem Hintergrund einer modernen, komplexen Gesellschaft wird die Bedeutung von Vertrauen als Basis für den Zusammenhalt analysiert. Dabei kann es um Vertrauen in alltäglichen Begegnungen und Interdependenzen mit Fremden bis hin zu Vertrauen in Institutionen im Rahmen so genannter modernen Risikoumwelten gehen. Innerhalb des aktuellen theoretischen Diskurses über Vertrauen in der Soziologie bilden vor allem die Studien von Niklas Luhmann (1968; 2001), aus der Perspektive eines Rational-Choice-Ansatzes die Theorie von James Coleman (1990) und aus strukturationstheoretischer Perspektive der Beitrag von Anthony Giddens (1990) die Referenzpunkte. Abgesehen von übereinstimmenden Grundelementen innerhalb der verschiedenen Vertrauenskonzepte beleuchten einzelne Vertrauensbegriffe in der Literatur sehr unterschiedliche Aspekte des Vertrauens. Dies führt dazu, dass Vertrauensphänomene auf ganz unterschiedlichen Ebenen konzeptualisiert werden. Hinter den verschiedenen Zugangsweisen zum Phänomen Vertrauen stehen unterschiedliche paradigmatische Grundannahmen, die die entsprechende Ausrichtung bestimmen. Man könnte aber auch vermuten, dass es sich bei "Vertrauen" um einen heterogenen und komplexen Gegenstand handelt und in den einzelnen Arbeiten somit unterschiedliche Facetten, möglicherweise sogar unterschiedliche soziale Phänomene unter einem Begriff subsumiert werden (vgl. Nuissl 2002: 88).
1.2 Definitionen von Vertrauen
Soziale Beziehungen verschiedenster Art zeigen häufig zwei Besonderheiten, die Vertrauen notwendig machen. Ein Austausch von Leistungen oder die Erfüllung von Erwartungen kann in sozialen Beziehungen meist nur in zeitlicher Verzögerung stattfinden. Aus dieser zeitlichen Verzögerung ergibt sich eine Unsicherheit, ob sich die Interaktionspartner an die impliziten oder expliziten Erwartungen halten. Insofern lässt sich nach Preisendörfer (vgl. Preisendörfer 1995: 264) Vertrauen zunächst als Mechanismus definieren, der das Zeitproblem und die Unsicherheit (Informationsproblem) überbrückt und somit Handlungen möglich macht.
[...]
Quote paper:
Tina Stork, 2003, Digitale Fotografie und das Vertrauen in den Bildjournalismus, Munich, GRIN Publishing GmbH
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