2
Inhaltsverzeichnis
0. Hobbes und Locke. 3
1. Thomas Hobbes - Leviathan 3
1.1 Vom Menschenbild zum Naturzustand 3
1.2 Vom Naturzustand zum Leviathan 5
1.3 Recht, Gesetz und Staat 6
2. John Locke - Two Treatises of Government 7
2.1 Filmer und der Streit gegen das Patriarchat 7
2.2 Der Naturzustand bei Locke 7
2.3 Eigentum und legitime Staatsgewalt. 8
3. Hobbes und Locke im Vergleich 10
3
0. Hobbes und Locke
Thomas Hobbes und John Locke gehören zu den bedeutendsten Rechts- und Staatstheoretikern und gelten häufig als Gründungsväter der modernen Politikwissenschaft. Im Rahmen der folgenden Arbeit sollen ihre jeweiligen staatsphilosophischen Hauptwerke, der „Leviathan“ und die „Two Treatises of Government“ (insbesondere der 2. Aufsatz), behandelt werden. Dabei soll es vorrangig darum gehen, die grundsätzlichen Ideen und Begriffe zu identifizieren und deren Entwicklung darzustellen. Insbesondere die Rolle und der Charakter von Recht und Staat sollen herausgearbeitet und verglichen werden.
1. Thomas Hobbes - Leviathan
1.1 Vom Menschenbild zum Naturzustand
Kernthema der politischen Philosophie von Thomas Hobbes (1588-1679) ist die Möglichkeit gesellschaftlichen Friedens und staatlicher Stabilität. Geprägt von der Erfahrung der britischen Bürgerkriege und zeitlebens in (intellektueller) Gegnerschaft zum einflussreichen Klerus und zur zeitgenössischen scholastischen Philosophie fanden seine Folgerungen nur wenige Anhänger, auch wenn seine Methodik als innovativ galt. In der Tradition der Padua-Schule näherte er sich der Problematik auf die gleiche Weise, wie er auch eine geometrische Fragestellung angegangen wäre. 1 Ausgangspunkt seiner Theorie sind Basisannahmen über menschliche Charakteristika: Individuen sind analog zu Tieren zunächst mit einem starken Trieb zur Selbsterhaltung und eminenter Todesfurcht ausgestattet. Sie sind außerdem vernunftbegabt und in der Lage, rationale Urteile darüber zu fällen, was ihrem persönlichen Wohl zuträglich ist. Diese Urteile müssen nicht immer korrekt sein, die menschliche Erkenntnisfähigkeit ist sehr eingeschränkt und unsere Urteilskraft durch Affekte beeinträchtigt. Kein Individuum ist einem anderen derart überlegen, dass es keinen Anlass zur
1 Vgl. Minogue 1973:v ff., Lloyd 2006, Williams 2006. Hobbes war vehementer Verfechter einer Wissenschaftspraxis, die großen Wert auf klare Begriffsbestimmungen und deren exakte Verwendung legte. Vgl. etwa Hobbes 1973:17.
4
Furcht vor diesem hätte. Auch körperlich erheblich unterlegenen Menschen stehen die Mittel der List und Kooperation zur Verfügung, um ggf. jemand anderem zu schaden und ihn um die Früchte seiner Arbeit zu bringen. 2 Aufgrund der potenziellen Knappheit der verfügbaren Ressourcen geraten sie früher oder später in Konflikt, und diese Konflikte eskalieren in Abwesenheit einer regulierenden Autorität zu einem permanenten „Krieg Aller gegen Alle“. Damit ist nicht ausschließlich die tatsächliche gegenseitige Aggression gemeint, sondern die allgemeine Bereitschaft dazu und die (empfundene) Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Präventivschlages zu werden. Ständige Furcht ist das zentrale Merkmal dieses Naturzustandes, und in einer Atmosphäre der Furcht können sich zivilisatorische Errungenschaften wie arbeitsteilige Industrie, Kunst, Kultur und Literatur und viele andere Dinge, die uns das Leben angenehm machen, nicht entwickeln. So beschreibt Hobbes die natürliche Kondition des Menschen. 3 Es drängt sich die Frage auf, welches zugeschriebene Element der menschlichen Natur zu solch asozialem Verhalten führt. Hobbes Text bietet neben einzelnen Eigenschaften wie „Ruhmsucht“ und „Konkurrenzdenken“ verschiedene Interpretationen: Entweder können langfristige Folgen des eigenen Verhaltens nur unzureichend kalkuliert werden (eingeschränkte Information, vergleichbar dem Rawls´schen „Veil of Ignorance“) 4 , oder die konkreten Umstände einer Handlung sind derart gestaltet, dass die individuell rationale Entscheidung der kollektiven Rationalität zuwider läuft (permanentes Gefangenen-Dilemma), oder die Leidenschaften der Menschen sind schlicht so stark, dass sie sich gegen vernünftige Überlegungen durchsetzen und handlungsleitend werden. 5 Was immer die Ursache, das menschliche Leben im Naturzustand ist „solitary, poore, nasty, brutish, and short“. 6
2 Vgl. Minogue 1973:v ff., Williams 2006, Hobbes 1973:63 f.
3 Vgl. Lloyd 2006, Hobbes 1973:63 ff.
4 Vgl. etwa D´Agostino 2003a & b.
5 Vgl. Lloyd 2006.
6 Hobbes 1973:65.
5
1.2 Vom Naturzustand zum Leviathan
Die Abwesenheit einer zentralen Autorität bedeutet nach Hobbes auch, dass im Naturzustand nicht sinnvoll von „rechtmäßigem Handeln“ oder „Gerechtigkeit“ gesprochen werden kann. Die einzig existenten Gesetze sind die der Natur, die dieser per Generierung durch Gott immanent sind und die gleichermaßen für alle Kreaturen gelten (auch wenn sie nur durch Mittel der Vernunft identifiziert werden können). Danach hat jedermann ein natürliches „Recht“ (oder die Freiheit) zur Selbsterhaltung und ein „Recht“ auf alle Dinge, die zur Selbsterhaltung sinnvoll erscheinen. 7 Die im Naturzustand befindlichen Menschen erkennen nach Hobbes kraft ihrer Vernunft, dass ein permanenter Kriegzustand im Kontrast zu ihren Interessen steht. Die aktuelle Situation wird als suboptimal begriffen und der Zustand der Unsicherheit als Ursache identifiziert. Folglich wird ein gewisses Maß an Frieden für erstrebenswert angesehen, da nur ein Mindestmaß an Sicherheit eine Planung der individuellen Lebensgestaltung erlaubt. Ohne äußeren Anreiz seien Menschen jedoch nicht zur längerfristigen friedlichen Kooperation in der Lage. 8 Nur die gemeinsame Furcht vor einer übermächtigen Gewalt zwingt sie unter das Joch der Gesellschaft, das jedoch nicht so schwer wiegt wie die konstante Angst vor einem unerwarteten Angriff durch die eigenen Mitmenschen. Sie schließen zu diesem Zweck einen (hypothetischen) Vertrag und übertragen in diesem ihr „Recht auf alle Dinge“ auf eine dritte Partei, die außerhalb des Vertragsschlusses steht. Die Bedingung, unter der jeder Einzelne seine Rechte abtritt, besteht in der allgemeinen Verbindlichkeit des Vertrages: nur wenn alle Anderen ebenfalls vollständig auf ihre Rechte verzichten, ist auch der Einzelne zum Verzicht bereit. 9
7 Vgl. Lloyd 2006, Hobbes 1973:66.
8 Vgl. Hobbes 1973:87ff., Cudd 2007.
9 Vgl. Cudd 2007, Hobbes 1973:66ff.
Arbeit zitieren:
Stefan Franke, 2008, Recht und Staat bei Hobbes und Locke, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Naturzustandsfiktion bei Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau u...
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Seminararbeit, 18 Seiten
Thomas Hobbes und John Locke: Väter zweier unterschiedlicher Staatskon...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 16 Seiten
Thomas Hobbes und John Locke: Naturzustand - Menschenbild und Staatsth...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 25 Seiten
Psychologische Folgen von Migrationserfahrungen bei Kindern und Jugend...
Psychologie - Sozialpsychologie
Examensarbeit, 85 Seiten
Ein Vergleich der Theorien von Thomas Hobbes und John Locke
Zwei gegensätzliche Theoretike...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 18 Seiten
Verkehrserziehung in der Sekundarstufe I
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
Die Idee des Schönen und der Eros. Zu Platons Ästhetik
Philosophie - Philosophie der Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Der Begriff 'Kultur' bei Norbert Elias - Die Soziogenese der B...
Soziologie - Kultur, Technik und Völker
Hausarbeit (Hauptseminar), 12 Seiten
Vom Zweifel über das Denken zur Gewißheit des Seins. René Descartes un...
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Symbolischer Interaktionismus (G. H. Mead): ein kurzer Überblick
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Referat (Ausarbeitung), 13 Seiten
Die "Idee einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absich...
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Hausarbeit, 19 Seiten
Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus - ...
Hausarbeit, 18 Seiten
Die Vertragstheorien von Thomas Hobbes und John Locke im Vergleich
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 15 Seiten
Die Tibetpolitik der Volksrepublik China - ein Völkermord?
Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Sozialisationstheorie des Symbolischen Interaktionismus
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 13 Seiten
Stefan Franke's Text Recht und Staat bei Hobbes und Locke ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Stefan Franke hat den Text Recht und Staat bei Hobbes und Locke veröffentlicht
Stefan Franke hat einen neuen Text hochgeladen
Rechts- und Staatsphilosophie des Relativismus
Pluralismus, Demokratie und Re...
Walter Pauly
The Social Contract Theorists: Critical Essays on Hobbes, Locke, and R...
Christopher Morris, John Charvet, Joshua Cohen
0 Kommentare