Danksagung
An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Personen bedanken, die mich bei der Bearbeitung meiner Diplomarbeit unterstützt haben. Mein Dank gilt insbesondere Herrn Prof. Dr. Diller, dem Zweitgutachter Herrn Prof. Dr. Liefner sowie Herrn Dr. Dehler vom Stadtplanungsamt Hanau und Herrn Dr. Freundt von der IHK Hanau für Ihre intensive Betreuung. Des Weiteren bedanke ich mich bei den verschiedenen Interviewpartnern für ihre Hilfsbereitschaft. Abschließend geht ein besonderer Dank an meine Familie und Freunde für ihre Unterstützung während meines Studiums und im Verlaufe dieser Diplomarbeit.
Zusammenfassung
In dieser Diplomarbeit wird die Thematik der Konversion am Beispiel der Pioneer Kaserne in Hanau erläutert. Die Kaserne wird voraussichtlich im Sommer 2008 von den amerikanischen Streitkräften geräumt und soll einer geeigneten Nachfolgenutzung zugeführt werden.
Zunächst stellt diese Ausarbeitung drei verschiedene Szenarien möglicher Nachfolgenutzungen für dieses Gebiet dar. Denkbar sind die Errichtung eines neuen Logistik- und Dienstleistungszentrums, die Ansiedlung einer Hochschule mit Gewerbe und Industrie oder die Entwicklung eines neuen Wohngebiets. Im Anschluss wird eine Nutzwertanalyse durchgeführt und berechnet, welche der vorgestellten Nutzungen sich am besten für diese Planfläche eignen. Die Nutzwertanalyse ergibt, dass die Errichtung eines Logistik- und Dienstleistungszentrums die beste Nachfolgenutzung für dieses Areal ist.
Abschließend werden der Stadt Hanau Handlungsempfehlungen für ihr weiteres Vorgehen gegeben. Wichtig ist eine zügige Planungsrealisierung. Leerstände sollten verhindert und eine Zwischennutzung der Gebäude in Betracht gezogen werden. Die nachhaltige Projektentwicklung sollte dabei immer im Vordergrund stehen.
Abstract
In this degree dissertation the subject matter conversion is being discussed with the help of the example of the Pioneer Barracks in Hanau. The Barracks are supposed to be vacated by the US Army in the summer of 2008. An adequate subsequent use has to be initiated for the Pioneer Barracks.
At first this paper shows three different scenarios of possible future utilisations for this area. Thinkable are the installation of a new centre for logistics and invisibles, the settling of an university together with industry as well as the development of a new housing area. Afterwards a benefit analysis is made to find out which of the three possibilities qualifies the best for this plan area. The analysis shows that the development of a new centre for logistics and invisibles is the best future use for the Pioneer Barracks.
Concluding proposals for the further proceeding are being made to the city of Hanau. A quick implementation of the planning is of much importance. Vacancies should be avoided and an interim utilisation of the buildings should be considered. Here a sustained development of projects should always have priority.
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
1.1 Einordnung des Themas in die Geographie und Zielsetzung der Diplomarbeit 1
1.2 Methodik und Aufbau der Arbeit 2
2 Nachhaltige Stadtentwicklung durch Konversion 4
2.1 Definition des Begriffs Konversion 4
2.2 Begriffsbestimmung Liegenschaftskonversion 5
2.3 Die Kaserne als Typ militärischer Liegenschaften 6
2.4 Raumwirksamkeit der militärischen Standorte 7
2.4.1 Ökonomische Auswirkungen des Militärs. 7
2.4.2 Siedlungsstrukturelle Auswirkungen 7
2.4.3 Soziale Auswirkungen. 8
2.4.4 Ökologische Auswirkungen. 8
2.5 Historischer Hintergrund der Konversion 8
2.6 Umsetzungsstrategien ausgewählter Städte in Hessen. 11
2.7 Planerische Phasen des Konversionsablaufs. 14
2.8 Beteiligte Akteure am Konversionsprozess. 15
2.9 Verwertungsmodelle 16
2.10 Zusammenfassung 17
3 Rechtliche Aspekte des Konversionsprozesses 19
3.1 Planungshoheit der Gemeinde 19
3.2 Status der Militärflächen in der Flächenplanung 19
3.3 Bauplanungsrechtliche Charakteristika von Konversionsflächen. 19
3.3.1 Unbeplante Konversionsflächen in zusammenhängend bebauten Ortsteilen 20
3.3.2 Bebauung im Außenbereich 21
3.4 Freigabeverfahren alliierter Liegenschaften. 21
3.5 Zwischennutzungen. 22
3.6 Wertermittlung und Preisfindung 23
3.7 Altlasten 24
3.8 Denkmalschutz. 24
3.9 Zusammenfassung 25
4 Instrumente städtischen Flächenmanagements 27
4.1 Formelle Planungsinstrumentarien. 28
4.1.1 (Regionaler) Flächennutzungsplan. 28
i
Inhaltsverzeichnis
4.1.2 Bebauungsplan. 28
4.1.3 Der städtebauliche Vertrag 29
4.1.4 Städtebauliche Entwicklungsmaßnahmen 30
4.1.5 Städtebauliche Sanierungsmaßnahmen 30
4.2 Informelle Planungsinstrumentarien 31
4.2.1 Städtebaulicher Rahmen- und Entwicklungsplan. 31
4.2.2 Flächeninformationssysteme 31
4.2.3 Städtebauliche Ideenwettbewerbe. 32
4.3 Zusammenfassung 32
5 Hanau als Wirtschaftsraum im Rhein-Main-Gebiet 34
5.1 Zusammenfassung 39
6 Leitbilder der Stadtentwicklung Hanaus 41
6.1 Zusammenarbeit mit dem Umland 41
6.2 Wirtschaftlichkeit 42
6.3 Bevölkerungsstruktur und -entwicklung 42
6.4 Wohnen in der Stadt Hanau 43
6.5 Der Einzelhandel Hanaus 43
6.6 Städtebauliche Qualität. 44
6.7 Landschaftsraum 44
6.8 Leben in der Stadt 45
6.9 Zusammenfassung 46
7 Mögliche Konkurrenzflächen für das Plangebiet Pioneer Kaserne 48
7.1 Konversionsflächen und ihre Nutzungsoptionen in der Stadt Hanau. 49
7.2 Betrachtung der Gewerbe- und Industrieflächen der Stadt Hanau 54
7.3 Wohnbauflächen der Stadt Hanau. 55
7.4 Lage bereits vorhandener Hochschulen in der Region 55
7.5 Zusammenfassung 56
8 Bestandsaufnahme der Pioneer Kaserne in Hanau 58
8.1 Lage und Verkehrsanbindung der Pioneer Kaserne 58
8.2 Fläche, Bebauung und Nutzung. 61
8.3 Denkmalschutz. 62
8.4 Altlasten 62
8.5 Regionaler Flächennutzungsplan 63
8.6 Seveso-II-Problematik. 65
ii
Inhaltsverzeichnis
8.7 SWOT- Analyse zum Plangebiet der Pioneer Kaserne 66
8.8 Werteermittlung und Nutzungen der angrenzenden Grundstücke 68
8.9 Zusammenfassung 69
9 Szenarienentwicklung. 71
9.1 Methodendarstellung 71
9.2 Vor- und Nachteile bei der Anwendung von Szenarien. 73
9.3 Anwendung der Szenario-Technik zur Entwicklung von verschiedenen Szenarien
f ür das Plangebiet 74
9.3.1 Szenario 1: Hanau - neues Zentrum für Logistik und Dienstleistungen. 76
9.3.2 Szenario 2: Naturnahes Hochschulzentrum sowie Gewerbe und Industrie für
kleine und mittlere Unternehmen. 82
9.3.3 Szenario 3: Wohnkonzept „Pioneer-Living“ 86
9.4 Zusammenfassung 91
10 Die Nutzwertanalyse 92
10.1 Theorie der Nutzwertanalyse. 92
10.2 Vorgehensweise bei der Nutzwertanalyse der ersten Generation. 94
10.3 Kritik an der Nutzwertanalyse. 95
10.4 Anwendung der Nutzwertanalyse im Rahmen der Szenarienentwicklung 96
10.5 Zusammenfassung 107
11 Handlungsempfehlungen für die Stadt Hanau. 108
11.1 Zusammenfassung 111
12 Fazit 112
12.1 Summary. 114
Quellenverzeichnis 116
iii
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 2-1: Schema zur Entwicklung des Flächenanspruchs des Militärs in Deutschland im
20. Jahrhundert.
Abbildung 2-2: Phasen der Konversion.
Abbildung 2-3: Verwertungsmodelle.
Abbildung 5-1: Altstadt Steinheim.
Abbildung 5-2: Einkaufsstraße Großauheim.
Abbildung 5-3: Klein-Auheim
Abbildung 5-4: Schloss Philippsruhe in Kesselstadt
Abbildung 5-5: Amerikanische Anlagen im Stadtteil Wolfgang
Abbildung 5-6: Einfamilienhaus-Bebauung im Stadtteil Wolfgang
Abbildung 5-7: Lage Hanaus in der Region Frankfurt/ Rhein-Main
Abbildung 7-1: Übersicht der vorhandenen Universitäten und Fachhochschulen in der Region
Frankfurt / Rhein-Main.
Abbildung 8-1: Aerial view of Pioneer Kaserne, May 1950
Abbildung 8-2: Verkehrsanbindung des Plangebiets Pioneer Kaserne
Abbildung 8-3: Gleisanschluss der Pioneer Kaserne.
Abbildung 8-4: Gebäude Pioneer Kaserne, Aschaffenburger Straße
Abbildung 8-5: Normbaracken der Pioneer Kaserne.
Abbildung 8-6: Versiegelung der Pioneer Kaserne.
Abbildung 8-7: Entwurf Reginaler Flächennutzungsplan Ausschnitt Hanau.
Abbildung 8-8: Bodenrichtwerte benachbarter Grundstücke der Pioneer Kaserne.
Abbildung 9-1: Vorherrschende Szenario-Arten und ihre Komponenten
Abbildung 9-2: Schema der Alternativszenarien für die Pioneer Kaserne.
Abbildung 9-3: Szenario 1 - Zentrum für Logistik und Dienstleistungen.
Abbildung 9-4: Szenario 2 - Hochschulzentrum, Gewerbe und Industrie.
Abbildung 9-5: Szenario 3 - Wohnkonzept „Pioneer-Living“
Abbildung 10-1: Arbeitsschritte der Nutzwertanalyse der ersten Generation.
Abbildung 11-1: Ablauf des Konversionsprozesses in der Stadt Hanau.
Abbildung A-1: Gebäudesubstanzen der Pioneer Kaserne
Abbildung A-2: Versiegelungsflächen der Pioneer Kaserne
Abbildung A-3: Versiegelungsflächen der Pioneer Kaserne
iv
Inhaltsverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Tabelle 6-1: Stadtgebietsflächen und Nutzungsarten 45
Tabelle 7-1: Gesamtüberblick über die jeweilige Größe der einzelnen Kasernen in Hanau 50
Tabelle 8-1: SWOT-Analyse Pioneer Kaserne 67
Tabelle 10-1: Nutzwertanalyse zu Szenario 1 104
Tabelle 10-2: Nutzwertanalyse zu Szenario 2 105
Tabelle 10-3: Nutzwertanalyse zu Szenario 3 106
Tabelle A-1: Industrie- und Gewerbeflächen der Stadt Hanau 127
Tabelle A-2: Wohnbaugrundstücke der Stadt Hanau. 130
Tabelle A-3: Gebäudenutzungen der Pioneer-Kaserne 132
v
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis
BauGB Baugesetzbuch
BauNVO Baunutzungsverordnung
BbodSchG Bundesbodenschutzgesetz
BfLR Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung
BGF Bruttogeschossfläche
BHO Bundeshaushaltsordnung
BIMA Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
B -Plan Bebauungsplan
EZB Europäische Zentralbank
FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung
FEH Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft Hessen mbH
FFH - Gebiet Fauna-Flora-Habitat- Gebiet
FR Frankfurter Rundschau
GNZ Gelnhäuser Neue Zeitung
HDSchG Hessisches Denkmalschutzgesetz
HTS Hessen Touristik Service e.V.
FNP Flächennutzungsplan
GFZ Geschossflächenzahl
GRZ Grundflächenzahl
IBH Investitionsbank Hessen AG
IHK Industrie- und Handelskammer
MIV Motorisierter Individualverkehr
NATO Nordatlantikvertrag-Organisation
(North Atlantic Treaty Organisation)
NWA Nutzwertanalyse
ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr
RegFNP Regionaler Flächennutzungsplan
RP Regierungspräsidium
TGZ Technologie- und Gründerzentrum
TSH TechnologieStiftung Hessen GmbH
VwVfG Verwaltungsverfahrensgesetz
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Inhaltsverzeichnis
WertV Wertermittlungsverordnung
WGT Westgruppe der Truppen der Sowjetarmee
vii
Einleitung
1 Einleitung
Mit der Wiedervereinigung der Bundesrepublik Deutschland Anfang der 1990er Jahre und der Beilegung des Ost-West-Konflikts haben die US-Streitkräfte mit dem Abzug ihrer Truppen aus der Bundesrepublik Deutschland begonnen. Im Rahmen dieser Abzüge, die in den nächsten Jahren abgeschlossen sind, werden innerhalb von wenigen Jahren große militärische Flächen frei, die der zivilen Nutzung zugeführt werden sollen und das Thema Konversion so aktuell machen wie nie zuvor.
Die betroffenen Kommunen werden vor neue Herausforderungen gestellt. Die derzeit schlechte Haushaltssituation vieler Kommunen und auch die Problematik des demographischen Wandels erschweren den Konversionsprozess. Trotz der schwierigen äußeren Bedingungen müssen die Kommunen dennoch versuchen, Folgenutzungen für die ehemaligen militärischen Einrichtungen zu finden und den Zerfall der Gebäude bzw. das Brachliegen der Flächen zu verhindern, damit das städtische Gesamtbild nicht negativ beeinflusst wird.
Die Gemeinden dürfen aber nicht nur die Risiken einer solchen städtischen Veränderung durch Konversion betrachten, sondern müssen auch die sich daraus ergebenden Chancen erkennen. Durch ein durchdachtes Flächenmanagement und eine interkommunale Zusammenarbeit können Konversionsprojekte erfolgreich realisiert werden und ein Aufschwung für die ganze Region bedeuten.
1.1 Einordnung des Themas in die Geographie und Zielsetzung der Diplomarbeit
Die Thematik der Konversion, mit der sich diese Diplomarbeit beschäftigt, wird in der Geographie im Bereich der Anthropographie angesiedelt und gehört dort zum Teilbereich der Raum- und Stadtplanung.
Ziel dieser Arbeit ist es, für die ab Sommer 2008 nicht mehr genutzte militärische Fläche der Pioneer Kaserne in Hanau eine geeignete Folgenutzung zu finden. Für diesen Zweck werden zunächst die Rahmenbedingungen der Kaserne untersucht und mögliche Konkurrenzflächen der Kaserne näher betrachtet. Im Anschluss werden drei unterschiedliche Szenarien entwickelt, die für dieses Kasernenareal in Frage kommen könnten (siehe Kapitel 9). Die beste Lösung einer Nachfolgenutzung wird dann durch die Anwendung einer Nutzwertanalyse (siehe Kapitel 10) herausgearbeitet.
1
Einleitung
Die Methodik der Szenarienentwicklung und die Anwendung einer Nutzwertanalyse sollen erste Ideen für eine Weiterentwicklung dieses Areals geben. Somit kann die spätere Nutzungsfindung unterstützt und erleichtert werden. Diese Methoden bieten beste Möglichkeiten zur anschaulichen Darstellung und sind dadurch für Dritte leichter nachzuvollziehen.
Diese Ausarbeitung beschäftigt sich ausschließlich mit der Konversion am Beispiel der Pioneer Kaserne in Hanau. Obwohl in der Stadt noch eine Vielzahl weiterer Konversionsflächen existieren, weist die Pioneer Kaserne im Stadtteil Wolfgang die größte Bandbreite an Alternativen auf und stellt für das Stadtplanungsamt eine große Herausforderung im gesamtstädtischen Planungsprozess dar. Nach Ansicht von Experten sind die Probleme mit der Pioneer Kaserne mindestens so groß wie die sämtlicher Konversionsflächen in Hanau zusammen.
Für die Lösung dieser Problemstellung orientiert sich die Arbeit an folgenden Leitfragen: 1. Welche Flächen konkurrieren mit dem Plangebiet der Pioneer Kaserne? 2. Welche Nachfolgenutzungsarten können für das Plangebiet in Frage kommen? 3. Welche einzelnen Kriterien tragen zur Entscheidung der Nachfolgenutzung bei? 4. Welche Nutzung ist für die Fläche am besten geeignet? 5. Wie sollte die Stadt im weiteren Konversionsprozess vorgehen?
1.2 Methodik und Aufbau der Arbeit
Zunächst werden unter dem Thema „Nachhaltige Stadtentwicklung durch Konversion“ verschiedene Aspekte beleuchtet (siehe Kapitel 2). Hier werden die Begriffe Konversion und Liegenschaftskonversion bestimmt und die geschichtlichen Aspekte der Konversion, ihre Raumwirksamkeit, die verschiedenen planerischen Phasen des Konversionsablaufs und die daran beteiligten Akteure sowie verschiedene Verwertungsmodelle erläutert. Des Weiteren werden Umsetzungsstrategien ausgewählter hessischer Städte vorgestellt. Daraufhin wird auf die im Konversionsprozess wichtigen rechtlichen Aspekte eingegangen (siehe Kapitel 3). Anschließend werden verschiedene formelle und informelle Instrumente des städtischen Flächenmanagements genannt und beschrieben (siehe Kapitel 4), bevor im fünften Kapitel der Wirtschaftsraum Hanau, in dem das Plangebiet Pioneer Kaserne der Diplomarbeit liegt, genauer betrachtet wird. Im Folgenden werden die Leitbilder, die der zukünftigen gesamtstädtischen Rahmenplanung dienen sollen, genannt (siehe Kapitel 6). Im anschließenden siebten Kapitel werden mögliche Konkurrenzflächen für die jeweils beschriebenen Szenarien für das Areal der Pioneer Kaserne betrachtet. Zudem werden weitere Konversionsflächen und deren eventuellen Nutzungsoptionen in der Stadt Hanau beschrieben. Des Weiteren wird auf die ausgewie-
2
Einleitung
senen Industrie- und Gewerbeflächen sowie auf Wohnbauflächen eingegangen und die Lage bereits vorhandener Hochschulen in der Umgebung Hanaus betrachtet. Anschließend erfolgt eine Bestandsaufnahme des Plangebiets der Pioneer Kaserne, in der u. a. Fragen wie die Lage, ihre Verkehrsanbindung, die jetzige Gebäudesubstanz und -nutzung, Denkmalschutz, Altlastenverdachtsflächen und die Werteermittlung geklärt werden (siehe Kapitel 8). Im neunten Kapitel werden nach der Methodendarstellung drei verschiedene Szenarien für eine Nachfolgenutzung des Kasernenareals beschrieben und jeweils ein Rahmenplan entwickelt. Im darauf folgenden Kapitel wird eine Nutzwertanalyse auf der Grundlage der vorher entwickelten Szenarien durchgeführt und der beste Gesamtnutzwert einer Nachfolgenutzung für die Kaserne berechnet (siehe Kapitel 10). Im elften Kapitel werden Handlungsempfehlungen für die Stadt Hanau gegeben, bevor abschließend die wichtigsten Aspekte der Arbeit in einem Fazit zusammengefasst werden. Im Anhang finden sich aktuelle Zeitungsartikel zum derzeitigen Konversionsprozess in Hanau bzw. im Land Hessen sowie einige wichtige Gesetzesauszüge.
Durch präzise ausgewählte Gespräche konnten wichtige Erkenntnisse gewonnen und für die Arbeit sinnvoll genutzt werden. Dazu wurden Interviews mit Mitarbeitern und Amtsleitern verschiedener Stadtplanungsämter sowie mit Industrie- und Handelskammern, Logistik- und Speditionsunternehmern und zusätzlich mit einer Wohnbaugesellschaft geführt. Die entsprechenden Ergebnisprotokolle sind im Anhang zu finden.
Da bei der Ortsbegehung der Pioneer Kaserne aus Sicherheitsgründen keine Fotos gemacht werden durften, musste bei der Bestandsaufnahme in Kapitel acht auf Luftbilder und Karten aus dem Internet zurückgegriffen werden.
3
Nachhaltige Stadtentwicklung durch Konversion
2 Nachhaltige Stadtentwicklung durch Konversion
Dieses Kapitel fokussiert zunächst den Begriff der Konversion und definiert die Begriffe Liegenschaftskonversion und die Kaserne als Typ militärischer Liegenschaften. Bevor sich der Blick auf die historischen Aspekte der Konversion richtet, werden die verschiedenen Auswirkungen militärischer Standorte auf ihre Umgebung dargestellt. Im Anschluss werden Strategien und Vorgehensweisen im Konversionsprozess ausgewählter Städte in Hessen beleuchtet, die Phasen eines Konversionsablaufs dargelegt sowie die beteiligten Akteure dieses Prozesses und verschiedene Verwertungsmodelle beschrieben.
2.1 Definition des Begriffs Konversion
Aus etymologischer Sicht leitet sich der Begriff Konversion vom lateinischen Wort „convertere“ = umwenden/umkehren ab und steht somit allgemein für eine Umwandlung, einen Wechsel, eine Dynamik oder eine Änderung (vgl. Sachs, 2004, S. 74).
In der Literatur werden verschiedene Definitionen für den Begriff der Konversion gegeben:
• Witzmann: „Wenn bei dem Begriff der Konversion gelegentlich von den vier ‚U’s gesprochen wird, nämlich von Umwandlung, Umformung, Umkehr und Umdeutung, so wird […] unter Flächenkonversion die Umwandlung des Gebrauchs oder der Nutzung einer Fläche verstanden“ (Witzmann, 1994, S. 279).
• Gettmann: „Militärische Konversion wird im allgemeinen Sprachgebrauch als Umwidmung ehemals militärischer Ressourcen für zivile Zwecke verstanden. In der Konversionspraxis ist damit in der Regel die Umnutzung und Überplanung ehemals militärischer Liegenschaften gemeint“ (Gettmann, 1992, S. 3).
• Zarth: „Konversion meint in einer weitgefassten Definition den Vorgang der Umstellung militärisch genutzter Anlagen und Produktionsmittel auf eine zivile Nutzung und die Produktion ziviler Güter“ (Zarth, 1992, S. 11).
• Moseler: „Unter Konversion versteht man also in der derzeitigen wissenschaftlichen und politischen Diskussion die Umnutzung bzw. Umwidmung militärischer Anlagen, Einrichtungen, Arbeitsplätze und Produktionsmittel in eine zivile Nutzung als Folge des weltweiten Abrüstungsprozesses zwischen den ehemaligen Kontrahenten im Ost-West-Konflikt“ (Moseler, 1997, S. 20).
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Nachhaltige Stadtentwicklung durch Konversion
Für diese Arbeit ist es sinnvoll, den Begriff der Konversion einzugrenzen. Im Vordergrund stehen in erster Linie die städtebaulichen Möglichkeiten, die sich bei der Wiedernutzung militärischer Liegenschaften ergeben (vgl. Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, 1993, S. 1).
Wenn von nachhaltiger Stadtentwicklung durch Konversion gesprochen wird, sollte zunächst geklärt werden, was darunter zu verstehen ist. Seit der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro im Jahr 1992 richtet sich die Stadtentwicklung 1 mehr und mehr nach dem Grundsatz der Nachhaltigkeit. Nach einem städtebaulichen Bericht der Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung bedeutet nachhaltige Stadtentwicklung „gleichzeitig die Lebensqualität vor Ort zu verbessern und die Bedürfnisse der heute und in Zukunft lebenden Bevölkerung zu befriedigen, ohne dabei die Bedürfnisse der Personen in anderen Regionen einzuschränken” (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung, 1996, S. 2).
„Eine nachhaltige Entwicklung ist demnach die Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“ (Sahner, 1998, S. 1).
Die wichtigsten Ziele der nachhaltigen Stadtentwicklung sind die Vermeidung eines hohen Flächenverbrauchs und die starke Zersiedlung. Flächen sollen recycelt und verstärkt innerhalb der Stadt entwickelt werden, was einen weiteren Anstieg des Verkehrs vermeidet. Des Weiteren sollen sich benachbarte Städte und Gemeinden untereinander austauschen und das Überangebot an Flächen verhindern. Ein weiteres Ziel beschreibt den Grundsatz der kurzen Wege. Dieser bedeutet eine Minimierung des Verkehrsaufkommens und die Schonung der Umwelt durch die Mischung und Verflechtung der Funktionen Arbeiten, Wohnen und Freizeit (vgl. Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung, 1996).
2.2 Begriffsbestimmung Liegenschaftskonversion
Den Begriff Konversion kann man in verschiedene Typen einteilen. Jedoch werden in der Literatur verschiedene Begriffe synonym gebraucht und es erweist sich als schwierig, eine klare Abgrenzung zu treffen. Für die Diplomarbeit ist vor allem der Begriff Liegenschaftskonversion von Bedeutung, der synonym mit dem Begriff städtebauliche Konversion verwendet und als Un-
1 DefinitionStadtentwicklung: „Stadtentwicklung ist der soziale, ökonomische und ökologische Veränderungsprozess zur Sicherung und Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Lebensumstände der Bürger einer Stadt, legitimiert durch die kommunale Planungshoheit“ (Mathe, 23.08.2007, Hanau).
5
Nachhaltige Stadtentwicklung durch Konversion
terbegriff der Standortkonversion angesehen wird. Weitere Konversionsbegriffe sind: Regionale Konversion, Beschäftigungskonversion und Rüstungskonversion.
Nach Gettmann umschreibt der Begriff Liegenschaftskonversion „alle Aktivitäten, die auf die Freigabe und zivile Folgenutzung des militärisch beanspruchten Geländes gerichtet sind.“ (Gettmann, 1993, S. 27). Allgemein beschreibt die Liegenschaftskonversion daher die Um-wandlung einer einzelnen militärischen Liegenschaft in die zivile Nachnutzung. Jacob unterscheidet dabei zwei Arten von Liegenschaftskonversion, erstens die zivile bei Industriestand-orten und Bahnflächen und zweitens die militärische Liegenschaftskonversion. Für diese beiden Arten nennt er gemeinsame Charakteristika. Nach dem Abzug der militärischen Truppen kommt es in den meisten Fällen zu einer längeren Unter- oder sogar Nichtnutzung, wodurch Flächen und Gebäude verwahrlosen. Die Bausubstanz weist oft einen speziellen Gebäudetypen auf, ist teilweise kulturelles und geschichtliches Erbe und steht unter Denkmalschutz. Oft sind diese Flächen stark mit Altlasten behaftet, die bei der Umnutzung der freiwerdenden Flächen große Probleme und Kosten mit sich bringen können (vgl. Jacob, 2006).
2.3 Die Kaserne als Typ militärischer Liegenschaften
Die Nachfolgenutzung einer militärischen Anlage oder Einrichtung wird von der siedlungsstrukturellen Lage, der militärischen Vornutzung und der Flächengröße beeinflusst (vgl. Winkler, 1992, S. 377). Daher werden im Folgenden die verschiedenen Typen militärischer Nutzung genannt und explizit auf den Typ Kaserne eingegangen, der für den weiteren Verlauf der Diplomarbeit von Bedeutung ist. In einer Publikation der Schriftenreihe „Forschung“ des Bundesministeriums für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau werden folgende Typen unterschieden: Truppenübungsplätze, Standortübungsplätze, Flugplätze, Militärische Depots, Kasernen, militärische Werkstätten, Infrastruktureinrichtungen, Militärverwaltung und Wohnanlagen. Umgangssprachlich wird meist allgemein von Kasernen gesprochen und darunter alle militärischen Liegenschaften unabhängig von ihrer Nutzung verstanden (vgl. Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, 1992, S. 8f). Nach der Typisierung in der oben genannten Veröffentlichung liegt eine Kaserne meist im Innenbereich einer Stadt und stellt dadurch ein besonderes Potential in der Konversionsfrage dar. Daher wird bei diesen Flächen auch gerne von „Filetstücken für die Bauleitplanung“ (Moseler, 1997, S. 32) gesprochen. Der Typ Kaserne besteht aus einer Mischung unterschiedlichster Gebäudetypen, beispielsweise Unterkunftsgebäude, Gemeinschaftseinrichtungen wie Sportplätze oder Casinos, Lager, Garagen, Exerzierplätze, Lehrsäle, ABC-Übungsräume, Tankstellen oder Werkstätten.
6
Nachhaltige Stadtentwicklung durch Konversion
2.4 Raumwirksamkeit der militärischen Standorte
Die Präsenz von militärischen Truppen und ihre Nutzung von Flächen sowie die bevorstehenden Abzüge haben unterschiedlichste allgemeine Auswirkungen auf eine Stadt bzw. auf eine Region (vgl. Moseler, 1997, S. 33ff). Diese können sowohl positiv als auch negativ sein und werden im Folgenden erläutert.
2.4.1 Ökonomische Auswirkungen des Militärs
Die Ansiedlung von Militär in einer Stadt schafft neue Arbeitsplätze, einerseits durch die direkte Zivilbeschäftigung, aber auch durch die Vergabe von Aufträgen an regionale Firmen. Besonders die Baubranche, aber auch die Automobilbranche, Lebensmittelanbieter - wie Bäcker und Metzger - und das Gaststättengewerbe profitieren von den militärischen Truppen und werden nach Abzug der alliierten Streitkräfte Finanzeinbußen verzeichnen. Beim Abzug des Militärs verlieren die dort angestellten Zivilbeschäftigten ihre Arbeit. Die Integration in den regionalen Arbeitsmarkt könnte für diese Beschäftigten schwierig werden, da die Berufsangebote beim Militär meist nur aus einfacheren Tätigkeiten wie Reinigung, Liegenschaftsunterhaltung oder Küchenarbeiten bestehen und die Beschäftigten daher nur eine niedrige Qualifizierung vorweisen können (vgl. Simon, 2007, S. 21).
Jedoch bringt die Ansiedlung des Militärs in einer Stadt auch ökonomische Nachteile mit sich. Die alliierten Streitkräfte sind einerseits von den Gewerbe- und Grundsteuern befreit, andererseits muss die Stadt öffentliche Einrichtungen schaffen, die Infrastruktur ausbauen und Verkehrswege bereitstellen sowie die Struktur ihrer Verwaltung entsprechend anpassen.
2.4.2 Siedlungsstrukturelle Auswirkungen
Durch die Ansiedlung der militärischen Streitkräfte werden neue Kasernen bzw. entsprechende Bauten errichtet. Diese sorgen für eine tiefgreifende Änderung des Landschafts- und Ortsbildes und für große Stadterweiterungen, wobei vor allem die gewaltigen Wohnsiedlungen der Alliierten viel Fläche in Anspruch nehmen, wodurch landwirtschaftliche Nutzflächen verloren gegangen sind.
„Die Einrichtungen sind hinsichtlich ihrer infrastrukturellen Versorgung autonom und meist waren bzw. sind sie allgemein nicht zugänglich“ (Moseler, 1997, S. 35). Einerseits befinden sich innerhalb des Geländes eigene Schulen, Kindergärten, Einkaufszentren, Universitäten, Kirchen, Kinos, Sportplätze und weitere öffentliche Einrichtungen. Andererseits aber wird die
7
Nachhaltige Stadtentwicklung durch Konversion
Infrastruktur, z. B. Straßen und Eisenbahnlinien, weiter ausgebaut, was besonders in peripheren Räumen Vorteile mit sich bringt.
2.4.3 Soziale Auswirkungen
Die ausländischen Streitkräfte schotten sich größtenteils von der deutschen Umgebung ab. Dies liegt hauptsächlich am Vorhandensein sämtlicher Einrichtungen wie Schulen oder Kindergärten innerhalb des militärischen Geländes, was eine starke Abgrenzung zur örtlichen Gemeinde zur Folge hat und die Integration hemmt. Sprachliche Barrieren verstärken diesen Effekt noch. Viele Städte versuchen daher durch Gründungen von Clubs, den Kontakt zwischen den Soldaten und der Ortsbevölkerung zu verbessern (vgl. Moseler, 1997, S. 37). Nur einige Soldaten, die in Privathäusern wohnen, haben mehr Kontakt zu den Bürgern. Des Weiteren kommt es durch die Stationierung von ausländischen Streitkräften auch oft zu höherer Kriminalität und Prostitution (vgl. Moseler, 1997, S. 37).
2.4.4 Ökologische Auswirkungen
Militärische Nutzungen haben starke ökologische Auswirkungen. Durch das Fahren von Panzern und schweren Transportern kommt es auf dem Militärgelände zu starken Bodenverdichtungen und zu Wuchsschädigungen der Pflanzen. Auch Straßen und Waldwege werden bei Übungsfahrten von den Kettenfahrzeugen stark beschädigt. Schießlärm, Fluglärm und der militärische Fahrbetrieb belasteten die Anwohner in der näheren Umgebung der militärischen Gelände und beeinträchtigten die Naherholung. Des Weiteren wird der Boden durch Benzin oder Öl verunreinigt oder sogar vergiftet. An vielen Stellen sind noch heute Munitions- und Metallreste zu finden. Diese Altlasten verursachen neben den ökologischen Schäden auch hohe Sanierungskosten und können zu Zeitverzögerungen bei der Entwicklung einer Nachfolgenutzung führen. Außerdem können bestehende Altlasten die Vermarktung erschweren und den Liegenschaftswert deutlich verringern (vgl. Simon, 2007, S. 22).
Demgegenüber haben sich, laut Moseler, auf einigen militärisch genutzten Flächen interessante Biotoptypen, u. a. mit seltenen Orchideenarten, entwickelt. Ferner haben Panzer und das Fahren schwerer Geräte die Entstehung von Laichbiotopen in Fahrspuren und Mulden begünstigt (vgl. Moseler, 1997, S. 38).
2.5 Historischer Hintergrund der Konversion
Die Konversion von Militärflächen ist keine neue Entwicklung. Im Laufe der Geschichte gab es einige militärische Anlagen, die mit der Zeit ihre Funktion verloren und oft später zivil weiter genutzt wurden und teilweise heute noch vorhanden sind. Ein Beispiel hierfür ist der römi-
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Nachhaltige Stadtentwicklung durch Konversion
sche Limes in Deutschland, der in der Antike die Grenze zwischen dem Römischen Reich und den Germanen bildete. Heute dienen noch existierende Wachtürme oder Kastelle als Anziehungspunkt für Touristen. Des Weiteren ist die Porta Nigra in der Stadt Trier zu erwähnen. Sie hatte zunächst die Funktion eines Stadttors im Römischen Reich, anschließend eine religiöse Funktion als Kirche und dient heute ebenfalls dem Tourismus als Sehenswürdigkeit (vgl. Moseler, 1997, S. 18).
Die Thematik Konversion bekam erst zu Beginn der 1990er Jahre zunehmend Aufmerksamkeit, rückte mit immer weiter fortschreitenden Truppenabzügen aus Deutschland mehr und mehr ins Licht der Stadtplanung und gehört heute zu deren Planungsaufgaben.
Witzmann teilt die Entwicklungen der Konversion im 20. Jahrhundert in drei Rüstungszyklen ein: Der erste Zyklus beschreibt den Zeitraum von 1900 bis 1933 mit der Hochrüstung im Ersten Weltkrieg, der zweite den Zeitraum von 1933 bis nach dem Zweiten Weltkrieg und der dritte Zyklus den zwischen 1955 und 1991 mit der Kulmination (Hochrüstung) im Kalten Krieg (vgl. Witzmann, 1994, S. 280).
„Ein Rüstungszyklus hat […] vier Phasen: Aufrüstung, Hochrüstung, Abrüstung und Tiefstand“ (Witzmann, 1994, S. 280). Zunächst werden in den Aufrüstungsphasen die Truppen verstärkt und militärische Einrichtungen und Anlagen vergrößert,
was zu einem höheren militärischen Flächenbedarf führt. Es kommt zu einer Umwandlung ziviler Fläche in militärisch genutzte. In der Phase der Hochrüstung ist der Flächenbedarf weitgehend gedeckt. Es besteht daher kein Anlass zur Konversion. In der anschließenden Abrüstungsphase sinkt der Bedarf nach militärischen Flächen und es sind mehr militärische Flächen vorhanden als benötigt werden. Diese Flächen werden wieder einer zivilen Nutzung zugeführt. In der Phase des Tiefstands ist der Flächenbedarf gedeckt und es erfolgt keine Konversion. Es wird weder neue militärische Fläche benötigt, noch werden militärische Flächen für die zivile Nutzung freigegeben (vgl. Witzmann, 1994, S. 280).
Die amerikanischen und weiteren alliierten Truppen besetzten als Siegermächte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs (zweiter Rüstungszyklus) Deutschland (vgl. Kinder/Hilgemann,
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Nachhaltige Stadtentwicklung durch Konversion
1991, S. 493). Im Zeitraum des Kalten Krieges blieben die amerikanischen Streitkräfte auf-grund der politischen Lage weiterhin in Deutschland stationiert. Erst im Rahmen des Golfkriegs zog ein Großteil der amerikanischen Einheiten im Jahr 1991 von Deutschland ab (vgl. Meyers Lexikon Online, 2007). Die noch in Deutschland verbliebenen amerikanischen Truppen werden das Land in den nächsten Jahren verlassen. Nur geringe Truppenteile bleiben, wegen der bestehenden NATO-Verträge, weiter stationiert.
Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts und der Wiedervereinigung Deutschlands am 03. Oktober 1990 veränderten sich die militärischen Bedingungen völlig. Auf der Basis des „2+4-Vertrags“ 2 wurde die Truppenstärke der deutschen Streitkräfte von 700.000 Soldaten auf 370.000 Mann bis Ende 1994 (Bundesfinanzministerium, 2006) reduziert. Ferner wurde die Viermächte-Konstellation beendet, was den Truppenabbau französischer, britischer, sowjetischer und amerikanischer Streitkräfte auslöste. Die damalig militärisch genutzten Flächen der sowjetischen Truppen entsprachen der Größe des heutigen Saarlandes. Ihre Streitkräfte wurden bis 1994 komplett vom Gebiet der ehemaligen DDR abgezogen (vgl. Witzmann, 1994, S. 282). Der „2+4-Vertrag“ legte ebenfalls fest, dass in den neuen Bundesländern und in Berlin keine ausländischen Streitkräfte mehr stationiert sein dürfen. Die Zahl der übrigen ausländischen Streitkräfte in den alten Bundesländern lag 1994 noch bei ca. 410.000 Soldaten (Bundesfinanzministerium, 2006). Diese Zahl sank bis 2005 auf rund 100.000 Soldaten (Bundesfinanzministerium, 2006). Weitere Truppenabzüge der Alliierten aus Deutschland sind geplant.
Die amerikanische Armee stationierte im März 2004 noch 75.603 Soldaten (aktives Militärpersonal der US-Streitkräfte) (vgl. Nassauer, 2004) in Deutschland. Nach Aussagen des Präsidenten George W. Bush werden seit Beginn des Jahres 2006 bis zu 45.000 amerikanische Soldaten aus Deutschland abgezogen (vgl. Piper, 2004). Die Liegenschaften der ausländischen Streitkräfte belaufen sich auf eine Gesamtgröße von ca. 84.025 ha, Stand 01.01.2007 (Bundesfinanzministerium, 2006). Mit der Reduzierung der Streitkräfte setzt auch die Freigabe dieser militärischen Anlagen und Flächen ein. Derzeit werden zahlreiche Militärflächen frei, die wieder einer zivilen Nutzung zugeführt werden sollen. Konversion in solch einem Umfang ist noch nie zuvor aufgetreten und stellt Städte und Kommunen vor neue Herausforderungen.
Die Zeit nach dem Ende des Kalten Krieges kann in zwei Konversionsperioden aufgeteilt werden: In der ersten Periode zu Beginn der 1990er Jahre waren überwiegend Mittel- und Oberzentren betroffen. Viele innerstädtische Flächen wurden freigegeben. Durch die Wiedervereinigung und die damit verbundenen starken Ost-West-Wanderungen herrschte überwie-
2 2+4Vertrag: Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland. Durch den „2+4 Vertrag“ erhielt Deutschland die volle Souveränität zurück und verzichtete dafür endgültig auf die Gebiete jenseits der Oder-Neiße-Linie, auf ABC-Waffen und die Führung eines Angriffskriegs (lexexakt.de, 2007).
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gend eine Gewerbe- und Wohnflächennachfrage, besonders in den Verdichtungsräumen (vgl. Franke, 2006, S. 11). Das Freiwerden militärischer Flächen war vor allem für Ballungsräume und Oberzentren positiv zu werten. In strukturschwachen oder ländlichen Regionen waren die frei gewordenen Flächen, aufgrund kaum vorhandener Flächennachfrage, eher eine Belastung für die Stadt bzw. Kommune.
In der derzeitigen Konversionsperiode sind nun auch viele Klein- und Unterzentren betroffen und die freiwerdenden Flächen liegen oft am Stadtrand oder sogar im Außenbereich. Die Nachfrage aus den 1990er Jahren ist gedeckt und in vielen Kommunen besteht ein Überangebot an Gewerbeflächen. Ebenso ist der Wohnungsmarkt weitgehend ausgeglichen und in den nächsten Jahren wird es auch dort zu einem Überangebot an vorhandenen Flächen kommen, da die Bevölkerungszahl rückläufig ist (vgl. Franke, 2006, S. 12). Vor allem in strukturschwachen oder ländlichen Räumen bestehen große Befürchtungen, dass die Wirtschaft vor Ort durch den Abzug des Militärs, dem damit verbundenen Wegfall von Arbeitsplätzen sowie dem Verlust von Kaufkraft weiter geschwächt wird (vgl. Sachs, 2004 S. 75).
2.6 Umsetzungsstrategien ausgewählter Städte in Hessen
Seit Beginn der neunziger Jahre sind in der Bundesrepublik Deutschland zahlreiche militärische Flächen geräumt und eine bis dahin nicht für möglich geglaubte Anzahl von Soldaten und Zivilbeschäftigten abgezogen bzw. freigesetzt worden. Die Frage der zivilen Nutzung dieser ehemaligen Militärflächen stand plötzlich im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses und wurde zu einem umfassenden Problem politischer Praxis. Städte und Regionen machten dabei unterschiedliche Erfahrungen: Manche Konzepte scheiterten, andernorts werden die ehemaligen Militärflächen, beispielsweise durch Gewerbe oder Wohnansiedlungen, effektiv genutzt. Nur wenn für die Flächen von Anfang an ein gut durchdachtes Konzept erarbeitet wird, eröffnen sich Chancen, den Konversionsprozess positiv umzusetzen.
Die Stadt Wetzlar beispielsweise hat positive Erfahrungen bei der Umwandlung ehemaliger militärischer Flächen gemacht.
Nach Freigabe der Sixt-von-Armin- und der Spilburg-Kaserne sowie zwei weiterer Übungsplätze der Bundeswehr ließ die Stadt Wetzlar im ersten Schritt Rahmenpläne erstellen. Auf dieser Grundlage wurden später Bebauungspläne entwickelt. Zusätzlich bildete die Stadt einen Arbeitskreis Konversion und gründete eine Stadtentwicklungsgesellschaft mbH Wetzlar. Im Gegensatz zu den anfänglichen Erwartungen der Stadt ließen sich die bestehenden Infrastrukturen der Kasernen nicht auf private Nutzungen übertragen. Daraufhin wurde eine Neuerschließung geplant.
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Mittlerweile sind fast alle diese Grundstücke bis auf eine Wohnsiedlung, bestehend aus 72 Wohnungen, vermarktet. Derzeitige Verkaufsverhandlungen zwischen der Stadt und der BIMA stocken (vgl. Wetzlarer Neue Zeitung, 30.08.2007, S.17).
Die Stadt Gießen ist ebenfalls vom Abzug des Militärs und dadurch freiwerdenden Liegenschaften, die jetzt einer Nachfolgenutzung zugeführt werden sollen, betroffen. Gießen war schon in der ersten Konversionsperiode zu Beginn der 1990er Jahre betroffen. Auf der Grundlage eines Gutachtens des Unternehmens „prognos“ aus dem Jahre 1986 wurden 1990 erste Planungsvorhaben der Stadt in den Vorentwurf des Flächennutzungsplans eingebracht. Des Weiteren hatte das Land ein Gutachten an die HLT (Hessische Landestreuhandgesellschaft), heute die Hessen Agentur, in Auftrag gegeben, in dem Flächeneignungen, wie Wohnbauflächen oder Gewerbeflächen, für die einzelnen Flächen festgelegt wurden. Auch in der jetzigen Konversionsperiode wurde so vorgegangen. Die Stadt Gießen hat im Jahre 2003 selbst Steckbriefe für jede einzelne Fläche angefertigt. Darauf aufbauend wurde 2004 ein „Nachfolgenutzungskonzept der bestehenden militärischen Flächen in der Stadt Gießen“ erstellt. Im Rahmen dieses Konzeptes wurde auch eine Risikoanalyse gemacht und aufgezeigt, was passieren könnte, wenn die Kommune keine Nachfolgenutzungen planen würde. Beispielsweise könnte nur ein Filetstück einer großen Fläche verkauft werden und der Rest bleibt brach liegen und wird nicht mehr vermarktet. Des Weiteren könnte eine einzelne vorhandene Nutzung andere Nutzungen verhindern (Bsp.: Die Errichtung eines Kraftwerkes verhindert die Wohnnutzung). Daraus ergab sich für die Kommune die Aufgabe, Bebauungspläne für jede Fläche einzuleiten. Damit besteht die Möglichkeit, eine Veränderungssperre nach § 14 BauGB und ein Zurückstellen von Baugesuchen nach § 15 BauGB vorzunehmen, um Planungssicherheit zu finden.
Bisher hat die Stadt positive Erfahrungen im Konversionsprozess gesammelt, allerdings kann es auch immer wieder zu Komplikationen kommen. Es können größere Zeitverzüge in der Planung entstehen, da die Daten der amerikanischen Liegenschaftsverwaltung an die BIMA gegeben werden und es lange dauern kann, bis die Kommune sie erhält. Des Weiteren ist es oft schwer, auf die amerikanischen Flächen zu gelangen, was ebenfalls zum Zeitverzug in der Planung führen kann, so Herr Dr. Hölscher abschließend.
Ein weiteres Interview wurde mit dem stellvertretenden Leiter des Geschäftsbereiches Stand-ortpolitik der IHK Gießen-Friedberg, Herrn Erhard Krug geführt. Zunächst erläutert Herr Krug die ersten Vorgehensschritte vor Ort. Im Jahre 2003 wurde ein erstes Treffen organisiert, bei dem die Regierungspräsidenten von Gießen und Darmstadt, die Abteilung Standortpolitik der IHK Gießen-Friedberg und der Präsident der IHK teilgenommen haben, um den
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dortigen Stand und die Vorgehensweisen der einzelnen Städte Gießen, Bad Nauheim, Friedberg und Butzbach zu besprechen. Die Städte Butzbach und Friedberg haben zu diesem Zeitpunkt bereits schon Konversionsausschüsse gegründet. Des Weiteren wurde festgelegt, dass es bei der Konversion besonders auf die interkommunale Zusammenarbeit ankommt und ein frühzeitiger Beginn wichtig ist. Außerdem wurde vereinbart, dass sich erneut getroffen werden sollte, diesmal in größerem Rahmen, mit der Einladung aller Bürgermeister der betroffenen Kommunen, um das Vorgehen schon etwas detaillierter zu besprechen. Die IHK sieht sich bei diesen Treffen in der Rolle des Mediators und versucht alle wichtigen beteiligten Akteure an einen Tisch zu bekommen.
Herr Carl Flore, Abteilungsleiter des Bereichs Stadterneuerung, Stadtplanung und Bauaufsicht der Stadt Kassel, schildert in einem Interview die Vorgehensweise der Stadt Kassel, wo der Konversionsprozess bereits im Jahre 1992 begonnen hat. Zunächst stellte die Stadt einen Masterplan auf, der u. a. ein städtebauliches Konzept enthielt, aber auch schon die Bürgerbeteiligung und Nutzungskoordinierung regelte. Besonders die Nutzungskoordinierung wurde in Kassel von Beginn an aktiv betrieben. Bereits in der Planungsphase wurde geschaut, ob es mögliche Investoren gibt. Des Weiteren wurde der Kostenaspekt einbezogen und eine Kalkulation für das anstehende Projekt durchgeführt. Ferner wurde die zeitliche Realisierbarkeit des Projektes berücksichtigt und ebenfalls mit in den Masterplan aufgenommen.
Auf der Basis dieses Masterplans hat die Stadt Kassel weitere Planungsschritte durch einen städtebaulichen Vertrag geregelt. Dort wurden alle wichtigen Aspekte zwischen den beteiligten Vertragspartnern (Stadt, Bund und die für den Konversionsprozess gegründete Arbeitsgemeinschaft) detailliert geregelt. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ist für den Verkauf der einzelnen Grundstücke zuständig, wofür das Einvernehmen der Stadt erforderlich ist. Die Stadt hat als Erschließungsträger die Aufgabe, entsprechende Infrastruktur zu schaffen und die gegründete Arbeitsgemeinschaft übernimmt die Projektsteuerung und regelt beispielsweise die Kontoführung oder die Bauaufsicht. Von dem Verkaufserlös der Grundstücke, so Herr Flore weiter, gehen etwa 70% auf ein Treuhandkonto der Stadt Kassel. Diese Gelder werden dann von der Stadt für Infrastrukturmaßnahmen verwendet. Die Stadt Kassel hat alle vier Konversionsprojekte durch städtebauliche Verträge geregelt und überträgt heute dieses Prinzip auf weitere Bauprojekte mit anderen Vertragspartnern.
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2.7 Planerische Phasen des Konversionsablaufs
Danielzyk et al. beschreiben in ihrem Forschungsprojekt des Instituts für Regionalforschung (IfR), Göttingen, und des Forschungsinstituts Region und Umwelt an der Universität Oldenburg (FORUM), den Ablauf der Konversion in drei aufeinander folgenden Phasen: Die Orientierungsphase, die Konzeptionierungsphase und die Realisierungsphase. Hierbei muss aber berücksichtigt werden, dass in der Realität die Phasen nicht so klar und kategorisch abzugrenzen sind wie im Folgenden dargestellt. Oft überschneiden sich die einzelnen Phasen zeitlich. Außerdem muss beachten werden, dass die Phasen, abhängig vom Standort, unterschiedlich lange dauern können (vgl. Danielzyk et al., 1996, S. 110ff)
Truppenreduzierung bzw. den ersten Gerüchten, dass die Truppen abziehen wollen und endet mit der Akzeptanz des Truppenabbaus. Erste Überlegungen über weitere Vorgehensweisen und die Bewältigung der bevorstehenden Aufgaben werden gemacht. In dieser Phase entsteht eine starke öffentliche Diskussion, an der wichtige lokale Politiker, Politiker des Landes und des Bundes, die Verwaltung, Vertreter des örtlichen Militärs sowie Träger öffentlicher Belange wie beispielsweise Wirtschaftsförderer, Kammern und Verbände beteiligt sind. Es werden u. a. öffentliche Veranstaltungen organisiert oder Diskussionen an Runden Tischen durchgeführt und dabei erste Ideen und denkbare Nachfolgenutzungen besprochen. Die Presse berichtet in dieser Phase oft und ausführlich über die Thematik und neu gewonnene Erkenntnisse.
In der darauf folgenden Phase, der Konzeptionierungsphase, wird das Thema der Konversion überwiegend verwaltungsintern behandelt. Die Stadtplanung und Wirtschaftsförderung bereiten
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die Projektsteuerung vor. Im Vordergrund stehen die Einarbeitung in planungsrechtliche Fragen, Entwicklungen von Planungsideen, die Heranziehung von Beratern sowie die Organisation der Ämter, die mit der Aufgabe betreut sind. Am Ende dieser Phase sind ein Konzept für die Nachfolgenutzung entworfen sowie Planungsleitlinien entwickelt worden. Diese Phase kann sehr lange dauern, da es durch etliche Verhandlungen oder bürokratische Prozesse zu Verzögerungen kommen kann.
In der anschließenden Realisierungsphase wird das entwickelte Konversionskonzept umgesetzt und die entwickelte Nachfolgenutzung konkretisiert. Es werden Kaufverhandlungen geführt, Investoren gesucht, die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen sowie die Vermarktung organisiert. In dieser Phase sind eine große Anzahl von Akteuren sowie die Öffentlichkeit beteiligt.
Der Prozess der Umwandlung von militärischen in zivile Flächen kann bis zu zehn Jahren dauern, so berichteten zwei Mitarbeiter der „Nassauischen Heimstätte“ beim zweiten Treffen des Arbeitskreises Konversion in Gelnhausen (vgl. Gelnhäuser Tagesblatt, 03.11.2007). Die Unternehmensgruppe hat u. a. schon bei den Konversionsprozessen in Gießen, Eschborn und Frankfurt mitgearbeitet und betreut derzeit ein Konversionsprojekt in der Stadt Butzbach, wo etwa mit acht bis zehn Jahren für die komplette Umwandlung der Gebäude in eine zivile Nutzung zu rechnen ist.
2.8 Beteiligte Akteure am Konversionsprozess
Im Konversionsprozess werden Ideen benötigt. Um die unterschiedlichsten Instanzen wirkungsvoll zu nutzen, sollte die Konversionsaufgabe am besten im Zusammenspiel aller Akteure bewältigt werden. Die Hauptakteure sind dabei der Bund, das jeweilige Land und die Kommune.
Der Bund, vertreten durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA), ist Eigentümer der Liegenschaft. Seine Interessen liegen in erster Linie in der schnellen attraktiven Verwertung und Vermarktung der Fläche.
Ein weiterer Hauptakteur ist das Land, welches die Aufgaben der Beratung und Information der Kommunen sowie die Finanzierung und Förderung von notwendigen Untersuchungen und Konzepten hat (vgl. Industrie- und Handelskammer Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern, 2007, S. 22).
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Die Wirtschaftsförderung des Landes Hessen, Hessen Agentur GmbH 3 , unterstützt im Auftrag des Landes die aktuell von Konversion betroffenen hessischen Kommunen, u. a. Hanau, Friedberg, Butzbach, Bad Nauheim, Gießen und Wetzlar, bei der Erarbeitung von Konzepten und Strategien für eine ausgewogene Entwicklung und eine nachhaltige Qualität der Projekte. Dabei bildet sie die Schnittstelle zwischen dem Bund, regionalen Institutionen, Investoren und den Kommunen (vgl. Hessen Agentur GmbH, 2007).
Die Kommune als weiterer Hauptakteur formuliert und gestaltet im Rahmen ihrer Planungshoheit nach Art. 28 Abs. 2 GG Ziele der Stadtentwicklung mit Hilfe von verschiedenen Planungsinstrumenten, die in Kapitel 4 genauer beschrieben werden.
Weitere beteiligte Akteure sind das Regierungspräsidium, Gutachter, diverse Planungsbüros, Investoren, die Banken, die Industrie- und Handelskammer sowie ausführende Firmen.
2.9 Verwertungsmodelle
3 Hessen Agentur GmbH: wurde Anfang 2005 gegründet und ging aus vier Gesellschaften hervor: Der Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft Hessen mbH (FEH), der TechnologieStiftung Hessen GmbH (TSH),
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Bei der Vermarktung und Entwicklung von Konversionsflächen können verschiedene Modelle angewendet werden. Der Bund kann weiterhin Eigentümer der Fläche bleiben und vermarktet sie gemeinsam mit der Kommune. Dieses Modell wird in vielen Fällen über städtebauliche Verträge oder sonstige vertragliche Vereinbarungen geregelt. Aufgrund aufwendiger Vereinbarungen zwischen den Vertragspartnern kommt es aber selten zur Verwirklichung dieses Modells (vgl. Nassauische Heimstätten, 2007).
Ein anderes Modell stellt den Erwerb der Fläche und die Übernahme der Entwicklungsverpflichtungen durch Private dar. Private übernehmen dabei die Vermarktung und das wirtschaftliche Entwicklungsrisiko, die Kommune kann beispielsweise durch den Abschluss eines städtebaulichen Vertrags Einfluss auf die Entwicklung nehmen. Dies Modell wird als „Public-Private-Partnership“ (PPP), also eine öffentlich-private Partnerschaft, bezeichnet und besitzt hohe Effektivität. Voraussetzung für dessen Anwendung ist jedoch, dass Kaufinteresse eines Investors überhaupt vorliegt (vgl. Jacob, 2006, S. 17ff).
Ein drittes Modell beschreibt den Erwerb und die Vermarktung der Fläche durch die Kommune selbst. Dieses Modell ist bei Flächen mittlerer Größe und guter Entwicklungsmöglichkeit möglich, wenn die Kommune wagt, das Entwicklungsrisiko zu übernehmen und die Grundstückspreise für sie vertretbar sind (vgl. Nassauische Heimstätten, 2007).
Ein weiteres Modell ist das Beteiligungsmodell des Bundes, welches auf Grundsätzen des Bundesministeriums der Finanzen zur Anwendung eines seit 1997 eingeführten Haushaltsvermerks basiert. Dieses Modell ermöglicht einen schnellen Verkauf der Flächen an die Kommune, die jedoch nur eine Anzahlung des Kaufpreises tätigt und den restlichen Betrag erst bei der Weiterveräußerung an den Bund zahlt. Dieses Modell kommt aber selten zur Anwendung (vgl. Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, Fachkommission Städtebau der ARGEBAU, 2002, S. 20).
2.10 Zusammenfassung
Die Militärische Konversion wird in der Stadtentwicklung als Umwidmung ehemals militärischer Ressourcen für zivile Zwecke verstanden. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf Nachhaltigkeit gelegt: Die Lebensqualität vor Ort soll verbessert werden und zur Bedürfnisbefriedigung der Bevölkerung beitragen, ohne dabei die Bedürfnisse der Personen in anderen Regionen einzuschränken.
dem Hessen Touristik Service e.V. (HTS) und den Beratungsdiensten der InvestitionsBank Hessen AG (IBH) (vgl. Hessen Agentur GmbH, 2007)
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Militärische Liegenschaften werden in verschiedene Typen eingeteilt, darunter der Typ der Kaserne. Sie besteht aus unterschiedlichsten Gebäudetypen wie z. B. Unterkunftsgebäuden, Gemeinschaftsräumen, Werkstätten, Lager oder Tankstellen.
Eine Kaserne bzw. die Ansiedlung militärischer Truppen kann für die betroffene Region unterschiedliche Auswirkungen haben und beeinflusst die Umgebung in sozialen, wirtschaftlichen, ökologischen und siedlungsstrukturellen Gebieten.
Das 20. Jahrhundert wird in drei Rüstungszyklen eingeteilt. Der erste Zyklus beschreibt den Zeitraum von 1900 bis 1933 mit der Hochrüstung im Ersten Weltkrieg, der zweite den Zeitraum von 1933 bis nach dem Zweiten Weltkrieg und der dritte Zyklus zwischen 1955 und 1991 mit der Kulmination im Kalten Krieg. Jeder Rüstungszyklus hat dabei vier Phasen: Aufrüstung, Hochrüstung (Kulmination), Abrüstung und Tiefstand.
Die Konversion von Militärflächen ist keine neue Entwicklung, jedoch besaß sie noch nie zu-vor solche Bedeutung und nahm solche Ausmaße an wie derzeit.
Viele hessische Städte wie Wetzlar, Gießen, Butzbach, Friedberg, Kassel oder Hanau sind von der Konversion betroffen und haben unterschiedlichste Erfahrungen gemacht und Umsetzungsstrategien angewendet, die von der Erarbeitung eines Rahmenplans bis hin zur Regelung des gesamten Konversionsprozesses über städtebauliche Verträge gehen.
Der Konversionsablauf wird dabei in drei Phasen unterteilt:
• Orientierungsphase (Truppenabzug am Standort, erste öffentliche Diskussion)
• Konzeptionierungsphase (verwaltungsinterne Behandlung des Projekts)
• Realisierungsphase (Umsetzung, Vermarktung)
Innerhalb der Konzeptionierungsphase kommt es auch zur Auswahl eines der folgenden Verwertungsmodelle:
• Bund bleibt Eigentümer und entwickelt und vermarktet mit Kommune
• Private übernehmen Fläche und übernehmen Entwicklung (PPP)
• Kommune erwirbt Fläche und vermarktet
• Beteiligungsmodell des Bundes
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Diplom-Geographin Nicole Prediger, 2007, Konversion im Spiegel städtischen Flächenmanagements am Beispiel der Pioneer Kaserne in Hanau, München, GRIN Verlag GmbH
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