Hausarbeit zum Thema
„Kommunikation im und durch den Goldenen Spiegel
von C.M. Wieland“
Im WiSe 1999/ 2000
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
2 Analyse der Gespräche 6
2.1 Voraussetzungen und Ziele 6
2.1.1 Die Ziele Danischmends 6
2.1.2 Die Ziele des Sultans 7
2.2 Über das Verhältnis zwischen Danischmend und Schach Gebal 8
2.2.1 Die Auswirkungen auf die Erzählung 9
2.2.2 Zusammenfassung 10
2.3 Charakterisierungen Danischmends und Schach Gebals 10
2.3.1 Schach Gebal 11
2.3.2 Danischmend 12
2.4 Der Erfolg der Erzählung 14
3 Zur Ebenengestaltung der Erzählung 15
3.1 Über den intendierten Wahrheitsgehalt 16
3.1.1 Zum Aufbau 16
3.1.2 Zum Inhalt 17
3.1.3 Schlussfolgerungen 18
3.2 Das Ziel der Erzählung auf einer Metaebene 18
4 Abschließende Bemerkungen 21
5 Literaturverzeichnis 23
3
1 Einleitung
Wer sich mit der Literatur Christoph Martin Wielands beschäftigt, kann eine höchst merkwürdige Entdeckung machen: Der Fülle und dem Umfang seiner Werke steht ein extrem geringes Spektrum an Sekundärliteratur gegenüber. Die wenigen Werke, die sich überhaupt mit Wieland und seinen Schriften beschäftigen, stellen im wesentlichen Rezeptionsdokumente seiner Zeit dar 1 . Darüber hinaus aber findet sich wenig 2 .
Dabei wird Wieland in fast allen Literaturhandbüchern genannt und die Leistungen, die er (nicht nur als Schriftsteller) vollbrachte, werden dort auch gewürdigt. So heißt es z.B. in Barbara Baumanns Werk „Deutsche Literatur in Epochen” über Wielands Zeitschrift Teutscher Merkur: „Diese erste bedeutende Literaturzeitschrift Deutschlands erschien monatlich und genoss großes Ansehen. Sie beschäftigte sich mit literarischen, politischen, philosophischen und theologischen Fragen der Zeit und gab dem Bürgertum auf diese Weise Gelegenheit zur Meinungsbildung.” 3 Doch Wielands Wirkungskreis erschöpfte sich hier keineswegs, denn es heißt weiter: „Wieland trug außerdem durch die Übersetzung von 22 Shakespeare- Dramen zur wachsenden Beliebtheit der englischen Literatur in Deutschland bei” 4 . Ein drittes Betätigungsfeld – neben der Herausgabe von Zeitschriften und Übersetzungen – war schließlich das Verfassen umfangreicher eigener Werke, die ihrerseits wichtige Meilensteine der deutschen Literaturgeschichte waren . So wird über Wielands Roman Agathon bemerkt: „Mit diesem Roman, den Wieland mehrmals umarbeitete (1773; 1794) begann die Tradition des deutschen Bildungsromans” 5 .
Aufgrund der eben dargestellten Tatsachen stellt sich fast automatisch die Frage warum Wieland zwar einerseits in Literaturhandbüchern so stark gewürdigt wird, die Interpretation seiner Werke andererseits aber so wenig attraktiv zu sein scheint. Ein möglicher Grund ist, dass die Hochschätzung der Literatur Wielands von vielen Literaturwissenschaftlern nicht geteilt wird. Ein Vertreter dieser Ansicht ist z.B. Herman Meyer, nach dessen Meinung man zur Literatur Wielands gelangt, „wenn wir jene Gipfelhöhen der Dichtung verlassen und die Regionen von mittlerer Höhenlage aufsuchen” 6 .
1
vgl.: Mayr, 735 ff..
2 Vgl.: Bibliographie Wielands In: Mayr, 715 ff..
3 Baumann, 76.
4 Ebd..
5 Ebd., 85.
6 Meyer, 129.
4
Letztendlich lässt sich die Diskrepanz zwischen literauturhistorischer Würdigung und literaturwissenschaftlicher Vernachlässigung Wielands nicht ohne Weiteres aufklären und dies kann auch nicht das Ziel einer Hausarbeit sein, die sich vornehmlich mit einer Erzählung Wielands beschäftigt. Es gilt gleichwohl, auf diesen Zustand hinzuweisen und vielleicht durch die folgenden Gedanken den Gewinn, den eine Beschäftigung mit der Literatur Wielands bringen kann, anzudeuten. Interessanterweise wird sich im Verlaufe dieser Arbeit herausstellen, dass eben dieser Gewinn gleichzeitig Ursache der Geringschätzung sein könnte, die Wielands Werken oftmals zuteil wird.
Die Erzählung Der Goldene Spiegel oder Die Könige von Scheschian bietet eine Vielzahl an Interpretationsansätzen: Fürstenerziehung, Staatsphilosophien und das höfische Leben - all dies sind Themengebiete, die innerhalb des Werkes mehr oder weniger ausführlich behandelt werden und interessante Denkanstöße beinhalten. Dabei ist die erzählerische Komposition der Geschichte für die Darstellung der einzelnen Themen von besonderer Bedeutung, denn der Erzählvorgang verläuft in Dialogform. Aus diesem Grunde werden Ereignisse, Personen und Zusammenhänge nicht einfach vorgestellt, sondern ihr Bild ergibt sich erst aus den Dialogen, die die Personen innerhalb der Geschichte führen. Diese Dialoge sollen in der vorliegenden Hausarbeit näher beleuchtet werden. Dabei wird es zunächst einmal um die Gestaltung der Redesituation gehen. Hierbei wird auf die (hierarchische) Stellung der Personen zueinander ebenso einzugehen sein, wie auf die für die Gespräche relevanten Charaktereigenschaften der Protagonisten.
Über allem jedoch steht die Frage nach den Zielen, denn Dialoge werden immer mit einer bestimmten Absicht geführt. Der Bestimmung der Absichten sei deshalb der Hauptteil dieser Arbeit gewidmet. Es wird dabei in einem ersten Schritt um diejenigen Absichten gehen, die die Personen im Text verfolgen und die somit für den Inhalt und Verlauf der Erzählung von besonderer Bedeutung sind. Dem Leser 7 stellt sich die Frage nach den verfolgten Absichten allerdings auch auf einer Ebene, die den rein textlichen Rahmen verlässt. Deshalb wird es in einem zweiten Schritt um die Beantwortung der Frage gehen, welche Ziele Christoph Martin Wieland als (politischer) Autor durch die Erzählung erreicht hat bzw. immer noch erreichen könnte. Der Betrachtung der Form seiner Erzählung kommt dabei besondere Bedeutung zu, denn es zeichnet den Autoren Wieland (vor allem auf der Grundlage dieses Werkes) aus,
7 Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden in dieser Hausarbeit nur männliche Formen verwendet. Gemeint
sind selbstverständlich beide Geschlechter.
5
„dass er die Frage der Form als ein theoretisches Problem begriff” 8 . Wieland verdeutlicht durch die Art und Weise, wie er die Figuren innerhalb seines Werkes mit den Begriffen Wahrheit und Vernunft umgehen lässt, welches Verhalten er vom Leser diesbezüglich erwartet. Er erreicht dies, indem er Grenzen aufhebt und es dem Leser ermöglicht, die Erzählung nicht nur als Spiegel des Sultans Schach- Gebal, sondern gleichzeitig auch als Spiegelbild seines eigenen Verhaltens zu lesen. Schon aus diesem Grund kann die Erzählung nicht als realhistorischer Bericht angelegt sein. Im Gegenteil: Fundierte Überlegungen Wielands haben dazu geführt, dass sie an vielen Stellen phantastische Elemente beinhaltet 9 ; dass hinter dem fiktiven Charakter dann wieder Wahrheiten hervortreten macht den besonderen Reiz der Erzählung aus und wird durch die vorliegende Hausarbeit zu beweisen sein.
2 Analyse der Gespräche
Wie in der Einleitung dargestellt, ist die Erzählung Der Goldene Spiegel in Dialogform geschrieben. Schon dadurch gewinnt sie einen ganz besonderen Charakter, denn Dialoge stellen eine spezielle Kommunikationsform dar: Sie haben Ursachen, gehen von bestimmten Voraussetzungen aus, verlaufen nach festen Regeln und sind zumeist auf ein festgesetztes Ziel hin angelegt. All diese Eigenschaften haben für den Goldenen Spiegel eine Bedeutung.
2.1 Voraussetzungen und Ziele
Beide an den Gesprächen hauptsächlich beteiligten Personen, Danischmend und der Sultan, verbinden mit der Erzählung ganz bestimmte Erwartungen und Ziele. Diese Ziele werden im Verlauf des Textes immer wieder deutlich und ihre Unterschiedlichkeit kann für die Spannung verantwortlich gemacht werden, die von Anfang an zwischen Danischmend und dem Sultan besteht.
2.1.1 Die Ziele Danischmends
Ähnlich wie der Sinesische Übersetzer, dessen Gedanken der Erzählung vorgeschoben sind, geht Danischmend von dem Gedanken (oder Wunsch) aus, dass es Schach Gebals „lebhaftestes Verlangen ist...(seine)Völker glücklich zu sehen” 10 . Um dieses Ziel
8 Reemtsma, XIV.
9 Um dem Leser die Möglichkeit zu geben, sich mit den Figuren der Erzählung zu identifizieren, wären reale Personen ausgesprochen ungünstig gewesen. Aus diesem Grund scheint Wielands Wahl geeignet, auch wenn sich unter seinen Lesern mit Sicherheit wesentlich mehr „Philosophen als Sultane“ befunden haben. Doch auch der Sultan - als fiktive Figur- bietet Möglichkeiten des Selbsterkennens und der Selbstidentifikation. 10 Der Goldene Spiegel, S. 8; Im folgenden werden aus Gründen der Einfachheit diejenigen Literaturangaben, die sich auf den „Goldenen Spiegel” beziehen, nicht mehr als Fußnoten auftauchen, sondern in Klammern hinter dem Zitat zu lesen sein.
6
Quote paper:
Hanno Frey, 1999, Kommunikation im und durch den "Goldenen Spiegel" von C.M. Wieland, Munich, GRIN Publishing GmbH
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