Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung 3
2.0 Galtungs Strukturelle Gewalt und Foucaults Begriff der Macht 4
2 1 Galtungs Strukturelle Gewalt im Wandel der Zeit 4
2 2 Foucaults Puzzle der Macht 6
2 3 Galtung und Foucault eine Synthese 7
3.0 Strukturelle Gewalt Kritik eines Begriffs 9
4.0 Fazit 14
5.0 Literaturverzeichnis 17
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1.0 Einleitung
Der Begriff der Strukturellen Gewalt wurde maßgeblich durch den Friedensforscher Johan Galtung (* 1930) geprägt und im Zusammenhang mit der Imperialismus-Theorie gebraucht. Galtung erweitert damit den traditionellen Gewaltbegriff, der eine direkte Verbindung zwischen einem identifizierbaren Täter und seinem Opfer zieht, um eine Dimension, in der es keinen eindeutigen Täter und keine klare Verbindung zum Opfer in Form direkter Gewalt gibt. Der Begriff der Strukturellen Gewalt wurde in der Folge massiv kritisiert. Dem ungeachtet gab und gibt es auf der anderen Seite inflationäre Definitionen des Selben zur Legitimierung eigener (Gegen)gewalt. Diese Ambivalenz deutet auf ein Spannungsfeld hin, welches dem Begriff selbst innewohnt. Ziel dieser Arbeit ist es genau dieses Für und Wieder zu erarbeiten.
Beginnend wird der Begriff der Strukturellen Gewalt nach Johan Galtung erläutert. Da dieser seine Darstellung eng mit der Imperialismustheorie verknüpft, wird an dieser Stelle ebenfalls der Begriff der Macht Michel Foucaults (* 1926, † 1984) dargestellt, um die wesentlichen Elemente Struktureller Gewalt in einem mehr unabhängigen Kontext aufzuzeigen. Im Anschluss daran soll sich mit der Kritik, sowohl der positiven, als auch der negativen, auseinander gesetzt werden, um abschließend im Fazit Möglichkeiten eines sinnvollen Umgangs mit dem Begriff der Strukturellen Gewalt aufzuzeigen.
Zur Annäherung an den Begriff der Strukturellen Gewalt wird Galtungs Aufsatz ‚Eine strukturelle Theorie des Imperialismus’ und seine Definition des Begriffs aus dem ‚Lexikon der Internationalen Politik’ verwendet. Foucaults Begriff der Macht wird mit Hilfe des Buchs Carsten Kavens ‚Sozialer Wandel und Macht’ dargestellt. Die kritische Auseinandersetzung orientiert sich an Veröffentlichungen von Albert Fuchs und Wolf Dieter Narr. Während Furchs’ Aufsatz ‚Wider die Entwertung des Gewaltbegriffs’ Anfang der 90er Jahre entstand, ist Narrs Arbeit ‚Das nicht so neue Tandem: Gewalt und Globalisierung’ nach dem 11. September 2001 entstanden und beleuchtet dementsprechend den Begriff der Strukturellen Gewalt unter dem heute noch gültigen Gesichtspunkt des Internationalen Terrors. Somit hofft diese Arbeit einen auch diskursanalytischen aktuellen Bezug herzustellen, der eine geeignete Einhegung des Begriffs der Strukturellen Gewalt ermöglicht.
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2.0 Galtungs Strukturelle Gewalt und Foucaults Begriff der Macht
2.1 Galtungs Strukturelle Gewalt im Wandel der Zeit
Galtung definierte 1971 in seinem Aufsatz ‚Gewalt, Frieden und Friedensforschung’ Strukturelle Gewalt als „vermeidbare Beeinträchtigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse oder, allgemeiner ausgedrückt, des Lebens, die den realen Grad der Bedürfnisbefriedigung unter das herabsetzt, was potentiell möglich ist“ (Galtung, 1971: 55). Dieser erweiterte Gewaltbegriff beinhaltet demnach nicht nur direkte Gewalt, wie Körperverletzung oder Mord. Vielmehr werden darunter alle Missstände subsumiert, die den Menschen daran hindern seine vollen Möglichkeiten zu entfalten. Arbeitslosigkeit, Naturkatastrophen, Schutzzölle, Umweltverschmutzung, Behinderungen oder antiemanzipatorische Bedingungen etc. sind mit dieser Definition als Gewalt zu verstehen. Diese erste sehr weite Definition grenzte Galtung 1972 in seinem Aufsatz ‚Eine strukturelle Theorie des Imperialismus’ ein. Hier bezieht er den Begriff auf die Nord-Süd-Beziehungen bzw. das Nord-Süd-Gefälle und erklärt die Strukturelle Gewalt mittels des Zentrum-Peripherie-Models, welches an dieser Stelle zum besseren Verständnis in seinen Ansätzen dargestellt wird (vgl. Galtung, 1972: Eine strukturelle Theorie des Imperialismus).
Innerhalb des Zentrum-Peripherie-Models wird unterschieden zwischen Nationen im Zentrum und Nationen in der Peripherie. Jede Nation hat wiederum ein eigenes Zentrum und eine eigene Peripherie. Der Unterschied zwischen Zentrum und Peripherie findet sich in verschiedenen Ebenen wieder, wie z.B. Politik, Militär, Kultur, Technologie, Wissenschaft usw. Es besteht eine Dysbalance sowohl zwischen den Nationen als auch innerhalb derselben, die sich in unterschiedlicher Macht, Dominanz und Teilhabe ausdrückt (vgl. Galtung, 1972: 44). Eine Zentrums-Nation läge beispielsweise in Europa, während sich eine Peripher-Nation unter den Entwicklungsländer finden würde. Das nationen-interne Zentrum ist in den politischen, militärischen, kulturellen etc. Eliten angesiedelt, während die nationen-interne Peripherie die nicht oder weniger elitär Beteiligten repräsentiert. Die Beziehungen innerhalb dieses
(Die Struktur des Imperialismus,
Tropenhölzer, Erdöl), der Hauptgewinn verbleibt jedoch in
aus: Galtung, 1972: 36)
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der Zentrums-Nation. Durch Redistribution und Umverteilung werden sowohl die Peripherie der Zentrums-Nation als auch das Zentrum der Peripher-Nation am erwirtschafteten Gewinn beteiligt. Es besteht demnach eine Interessensharmonie zwischen den beiden Zentren der jeweiligen Nationen, da trotz ungleicher Verteilung eine Art Win-Win-Situation vorliegt, die sich hauptsächlich in der Machtkonsolidierung begründet (vgl. Galtung, 1972: 35ff). Im Weiteren erkennt Galtung (2.) einen Interessenskonflikt zwischen Zentrum und Peripherie in den jeweiligen Nationen. Durch Umverteilungseffekte und Gewinnbeteiligung ist dieser in der Zentrums-Nation kleiner, als in der Peripher-Nation. In der Zentrums-Nation sind beispielsweise steigender Lebensstandart, besser schulische Bildung und Gesundheitsversorgung das Resultat imperialistisch geprägter Beziehungen, während in der Peripher-Nation Stagnation und Ausbeutung vorherrschen (vgl. Galtung, 1972: 35ff). Zwischen den beiden Peripherien besteht (3.) ein zusätzlicher Konflikt, der sich in unterschiedlichen Interessen bezüglich des inter-nationalen Austauschs widerspiegelt. Während diese in der Peripherie der Zentrums-Nation in der Erhöhung des Lebensstandards, in sicheren Arbeitsplätzen und sozialer Sicherheit angesiedelt sind, drehen sie sich in der Peripher-Nation um Machtbeteiligung und oftmals auch um eine schlichte Überlebensgarantie (vgl. Galtung, 1972: 36ff).
Galtung erklärte die Strukturelle Gewalt im Kontext zum Imperialismus, der bei ihm in fünf Typen – ökonomischer, politischer, militärischer, Kommunikations- und kultureller Imperialismus – unterteilt ist (vgl. Galtung, 1972: Fünf Typen von Imperialismus). Bei voller Ausprägung und Abstimmung der unterschiedlichen Typen handelt es sich um allgemeinen Imperialismus. Dieser ist Bedingung und gleichzeitig Instrument der Strukturellen Gewalt. In diesem Zusammenspiel kommt es zur kulturellen Assimilation der Peripher-Nation an die Zentrums-Nation (vgl. Galtung, 1972: 60). Diese Anpassung dient der Festigung der eigenen Machtstellung – peripher innerhalb der Nation, und in der Zentrumsnation vorwiegend im internationalen Zusammenhang durch die Schaffung neuer Bündnispartner. Es wird deutlich, dass der Begriff der Strukturellen Gewalt mit zunehmender Dekolonisation, spätestens aber mit dem Zusammenbruch des Ostblocks, dem Ende des Kalten Krieges und der Ausbildung einer multiplen Weltgesellschaft in Frage zu stellen ist. Folglich präsentierte Galtung, 1997, im ‚Lexikon der Internationalen Politik’ von Ulrich und Volger eine Definition, die sich weniger an imperialistischen Strukturen orientiert. Demnach agieren Menschen mit- und beziehen sich aufeinander. Dies gilt auch für Geschlechter, Rassen, Klassen Nationen, Völker und mentale Prägungen unterschiedlicher Bewusstseinsgrade. „Wenn solche Austauschvorgänge immer in gleicher Weise vorrangig gegenüber den anderen erfolgen, […] dann können wir von einem Interaktionsmuster oder einer Struktur sprechen“ (Galtung, 1997: 475). Diese strukturellen Interaktionsmuster erkennt Galtung auf der Intra-Personen-, Inter-Personen-, Inter-Gruppen- und Über-Gruppen-Ebene. Diese
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Arbeit zitieren:
Jens Engel, 2008, Strukturelle Gewalt, München, GRIN Verlag GmbH
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