Inhaltsverzeichnis:
Einleitung : 3
1. Der Schönheitsbegriff im Mittelalter 4
1.1 Das Schönheitsideal 4
2. "êre" und Prestigegewinn im Zusammenhang mit Schönheit 7
2.1 "êre" Gewinn und Verlust 7
2.2 Prestigegewinn 9
3. Die Schönste dem Besten 11
3.1 Schönheit und Tapferkeit 11
3.2 Schönheit als Kraftspender 12
Schluss : 14
Literatur - und Quellenverzeichnis 15
2
Einleitung:
(...) man saget daz nie kint gewan einen lîp sô gar dem wunsche gelîch: und waere si gewesen rîch, sô engebraeste nihit ir lîbe ze lobelîchem wîbe. ir lîp schein durch ir salwe wât alsam diu lilje, dâ si stât under swarzen dornen wîz. ich waene got sînen vlîz an si hâte geleit von schoene und von saelekeit.(...) 1
Diese Textstelle, die am Anfang des Romans steht, beschreibt Enites unübertreffliche Schönheit. Hartmann beschreibt ihren Körper schwanenweiß und einer Lilie gleich. Doch setzt er im Gegensatz dazu ihre schäbige Kleidung, welche der Schönheit jedoch nicht im Geringsten einen Abbruch tut. Dass die Schönheit einer Dame auch zugleich moralische Vollkommenheit bedeutete, wird im Erec Roman sehr bald deutlich. Die Dame soll eine wichtige gesellschaftliche Funktion erfüllen, indem sie die Werte, die sie repräsentiert an den Mann weiter vermittelt.
Durch Enite scheint Erec auch wirklich sogleich eine Entwicklung anzustreben, die den Handlungsverlauf vorwärts treibt. Sowohl gute, als auch schlechte Entwicklungen begleiten von nun an das Paar. Erec gewinnt zunächst seine "êre" wieder um sie aber bald darauf erneut zu verlieren. Enite spielt dabei die größte Rolle und vor allem ihre Schönheit scheint im Zentrum dieses Vorgangs zu stehen. Die Aufgabe der Seminararbeit soll es sein die Wirkungen Enites Schönheit auf den Handlungsverlauf zu untersuchen, um als Ergebnis die positiven und negativen Auswirkungen abwägen zu können.
Die beiden Grafenepisoden und der Sperberkampf eignen sich besonders gut um die Wirkung ihres Aussehens herauszuarbeiten, doch werden auch einzelne andere Stellen, wie zum Beispiel das Treiben am Artushof, wichtige Ergebnisse liefern.
1 zit. nach Hartmann von Aue: Erec, Mittelhochdeutscher Text und Übertragung, hrsg. von Thomas, Cramer, 26. Auflage, Frankfurt am Main 2005 V.331- 341
3
Einzige Quelle und wichtigste Literatur, für diese Seminararbeit, ist natürlich der Roman selbst. Doch auch die Werke von Joachim Bumke, wie Höfische Kultur 2 2 und Der Erec Hartmanns von Aue. Eine Einführung werden für die Arbeit wichtig sein, um zum Beispiel das Schönheitsideal des Mittelalters zu definieren.
1. Der Schönheitsbegriff im Mittelalter
1.1 Das Schönheitsideal
Bevor man sich mit dem Thema "Schönheit im Mittelalter" befasst muss man sich klar sein, dass der Schönheitsbegriff im Mittelalter sich sehr stark von unserem heutigen Verständnis unterscheidet. Wir sprechen hier von einem neuen Bild der Schönheit, welches die höfischen Dichter entgegen der fest verankerten Vorstellungen von der Minderwertigkeit und Schlechtigkeit des weiblichen Geschlechts setzten. Die Fiktivität des höfischen Frauenpreises stand im Gegensatz zur traditionellen Frauenfeindlichkeit, welche im Christentum wurzelte. Die Dichter folgten einem festen Kanon von Schönheitsprädikaten, angefangen bei der Beschreibung des Gesichts, der Haare und des Halses. Danach über die Hände und Füße bis hin zu einer ausführlichen Kleiderbeschreibung. Das Ideal bestand in weißer Haut, roten Lippen, weissen Zähnen und durchsichtiger Kehle. Doch war das nicht das Einzige was die Schönheit einer Frau ausmachte. Durch die äußere Schönheit offenbarte sich die innere Tugend der Frau. Diese Harmonie der äusseren und inneren Schönheit machte das höfische Frauenbild aus. Ohne die Güte einer Frau bedeutete auch die äussere Schönheit nichts, denn die Frau erfüllte dadurch eine wichtige Funktion am Hofe. Eine schöne Frau mit moralischer Vollkommenheit, gab ihre Werte an den Mann weiter, so dass sie gute Eigenschaften wie Güte und Tugend erfuhren. 3
Neben der Gestalt und Tugendhaftigkeit zählte auch die Herkunft zur Schönheit einer Frau. Die "schwanenweiße" Haut stand für adelige Abstammung, da der Adel sich vor Sonne schützte und nicht wie die Bauern auf den Feldern in der Sonne arbeitete.
2 Bumke, Joachim: Höfische Kultur. Literatur und Kultur im hohen Mittelalter II, 4.Auflage, dtv, Nördlingen 1987
3 ebd. S. 451-454
4
In der mittelalterlichen Dichtung kommen fast ausschließlich Adelige vor. Ihnen wurden alle rühmenswerten Eigenschaften zugeschrieben. Adel schloss Schönheit immer mit ein, da sie neben Ruhm, Reichtum, Tugendhaftigkeit und Stolz Bestandteil einer vorbildlichen, adeligen Person war.
Doch auch die Kleidung einer Frau hatte einen wichtigen Stellenwert im Bezug auf Schönheit, auch wenn sie nicht die Bedeutung von Tugendhaftigkeit und Herkunft hatte. "Für die höfische Gesellschaft waren die prächtigen Kleider Ausdruck ihres Selbstbewusstseins und eines gesellschaftlichen Hochgefühls" 4
Im Folgenden soll nun untersucht werden ob dieser hier erwähnte Zusammenhang von körperlicher Schönheit, höfischer Kleidung, adeliger Abstammung und Tugendhaftigkeit als Kriterium für Schönheit im höfischen Roman eine Entsprechung in Enite findet.
Enite wird ab ihrer ersten Erwähnung in Vers 308 als überwältigend schön beschrieben.
"Diu was ein diu schoeniste maget Von der uns ie wart gesaget" 5
"Ez was vrouwe Ênite Diu aller schoeniste maget Diu ie, sô man saget, in des küneges hof kam" 6
Dies sind nur wenige Beispiele für Lobeshymnen auf Enites Schönheit. Zuerst soll hier die Herkunft Enites geklärt werden. Als Erec auf Koralus und seine Tochter trifft, wirken sie zwar ärmlich, aber Erec erkennt sofort ihre adelige Abstammung.
"sîn gebaerde was vil hêrlîch, einem edeln manne gelîch." 7
4 Bumke, Joachim: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter, 2 Bde. (4. Auflage) München 1987, S.187
5 zit. nach Hartmann von Aue: Erec, Mittelhochdeutscher Text und Übertragung, hrsg. von Thomas, Cramer, 26. Auflage, Frankfurt am Main 2005 V 310f.
6 ebd. V 1607- 1610
7 ebd. V 288f.
5
Arbeit zitieren:
Veronika Prägert, 2006, Enites Schönheit und ihre Wirkung im Erec Hartmanns von Aue, München, GRIN Verlag GmbH
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