Hamburger Fern-Hochschule
Postgradualer Studiengang Wirtschaft
Studienzentrum Nürnberg
Studienschwerpunkt Unternehmensführung
Hausarbeit zum Thema
Der Mittelstand im Prozess der Globalisierung
Eine Bestandsaufnahme im Sommer 2008
vorgelegt im
Herbstsemester 2008
von
Dipl.-Ing. (FH) Matthias Götz
24. Oktober 2008
Matthias Götz, 1085675
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Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis ... 3
1
Einleitung ... 4
2
Definition des industriellen Mittelstands... 5
2.1
Quantitative Definition ... 5
2.2
Qualitative Definition ... 6
2.3
Zusammenspiel quantitativer und qualitativer Mittelstandskriterien ... 6
2.4
Kritische Betrachtung ... 7
3
Externe Herausforderungen der Globalisierung ... 8
3.1
Wirtschaftspolitisches Umfeld ... 8
3.1.1 Deutsche Mittelstandspolitik ... 8
3.1.2 Politische Entwicklungen ... 9
3.2
Konjunkturelle Situation im Kontext gesamtwirtschaftlicher
Rahmenbedingungen ... 11
3.2.1 Konjunktur zur Jahresmitte ... 11
3.2.3 Konjunkturelle Erwartungen ... 12
3.3
Ökologisches Umfeld ... 14
3.3.1 Rohstoffverknappung ... 14
3.3.2 Klimawandel... 16
4
Interne Herausforderungen an die Unternehmensführung ... 18
4.1
Personalpolitik im demografischen Wandel... 18
4.1.1 Folgen für den Mittelstand ... 18
4.1.2 Personalpolitische Maßnahmen... 19
4.2
Globale Wachstumsstrategien in internationalen Märkten... 21
5
Fazit ... 23
Literaturverzeichnis ... 25
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Abkürzungsverzeichnis
BDI
Bundesverband der deutschen Industrie
BIP
Bruttoinlandsprodukt
BMU
Bundesumweltministerium für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit
BMWi
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
CEO
Chief Executive Officer
DIHK
Deutsche Industrie- und Handelskammer
DZ Bank
Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank
EU
Europäische Union
FMW
Forschungsstelle Mittelständische Wirtschaft
GmbH
Gesellschaft mit beschränkter Haftung
GuV
Gewinn und Verlust
IfM
Institut für Mittelstandsforschung
Ifo
Institut für Wirtschaftsforschung
IfW
Institut für Weltwirtschaft
IG
Industriegewerkschaft
IMK
Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung
IW
Institut der deutschen Wirtschaft
IWH
Institut für Wirtschaftsforschung Halle
KfW
Kreditanstalt für Wiederaufbau
KMU
kleine und mittlere Unternehmen
RWI
Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung
UPS
United Parcel Service
ZDH
Zentralverband des Deutschen Handwerks
ZEW
Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung
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1
Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse der spezifischen
Herausforderungen des deutschen Mittelstands im Wirkungsgefüge aktueller
nationaler und globaler Märkte. Das Ergebnis der Arbeit ist eine Bestands-
aufnahme des Mittelstands im Prozess der Globalisierung im Sommer 2008.
Zunächst werden in Kapitel zwei die Unterschiede der kleinen und mittleren
Unternehmen zur Gruppe der Familienunternehmen genannt. Die definitorische
Abgrenzung wird sodann einer arbeitsfähigen Operationalisierung unterzogen.
Das Kapitel drei befasst sich mit der Analyse der externen Herausforderungen und
deren Auswirkungen auf das Makroumfeld des Mittelstands. Im Blickpunkt steht
das wirtschaftspolitische Umfeld, mit der Frage nach der Notwendigkeit einer
Mittelstandspolitik und die Bedeutung gegenwärtiger politischer Entwicklungen.
Die konjunkturelle Situation wird im Kontext gesamtwirtschaftlicher
Rahmenbedingungen betrachtet. Daneben werden die Wirtschaftsaussichten auf
das kommende Jahr dargestellt. Aus ökologischer Sicht werden mit der
Rohstoffverknappung sowie dem Klimawandel die zurzeit wichtigsten externen
Einflussfaktoren auf die Gewinnlage des Mittelstands diskutiert.
Das Kapitel vier stellt dagegen die internen Herausforderungen und deren
Auswirkungen auf die Unternehmensführung in den Mittelpunkt der Betrachtung.
Die Personalpolitik steht dabei im Rahmen des demografischen Wandels. Nach
der Darstellung der Folgen für den Mittelstand erfolgt die Betrachtung
personalpolitischer Maßnahmen, mit denen dem drohenden Fach- und
Führungskräftemangel sowie des notwendigen Wissenstransfers zwischen den
Generationen entgegengewirkt werden kann. Ferner wird gezeigt mit welcher
globalen
Wachstumsstrategie
auch
mittelständische
Unternehmen
in
internationalen Märkten wachsen können.
Kapitel fünf schließlich fasst die Erkenntnisse der einzelnen Einflussfaktoren zu
einem Gesamtergebnis zusammen.
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2
Definition des industriellen Mittelstands
Der industrielle Mittelstand als solcher ist eine abstrakte und je nach Art und
Spannbreite der Definition eine sehr heterogene und vielfältige Größe. Obwohl
die Begriffe kleine und mittlere Unternehmen (KMU), mittelständische
Unternehmen und Familienunternehmen in der Praxis häufig synonym verwendet
werden, besteht für den Wirtschaftsbereich des Mittelstands keine einheitliche
Definition (vgl. I
F
M
M
ANNHEIM
2008). Der Mittelstand hat aber eine sowohl
quantitative als auch qualitative Ausprägung, welche zu zwei verschiedenen
Definitionsansätzen in der Literatur führt (vgl. W
OLTER
/H
AUSER
2001).
2.1
Quantitative Definition
Der quantitative Ansatz setzt sich mit der Gruppe der KMU pragmatisch, d. h. auf
der Grundlage statistischer Kennzahlen, auseinander. Typischerweise wird die
Mitarbeiteranzahl, der Jahresumsatz oder die Bilanzsumme als quantitatives
Merkmal herangezogen.
In Deutschland bekennt man sich zu einer flexiblen Auslegung des
Mittelstandsbegriffs (vgl. BDI
2008a). Gleichzeitig orientiert man sich aber an der
Definition des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM Bonn), bei der sich
die Gesamtheit des Mittelstands aus allen KMU mit weniger als
500 Beschäftigten respektive 50 Millionen Euro Jahresumsatz zusammen setzt.
Dabei zählen Unternehmen mit bis zu neun Beschäftigten respektive weniger als
1 Million Euro Jahresumsatz zu den kleinen und solche mit zehn bis
499 Beschäftigten bzw. einem Jahresumsatz von 1 Million Euro bis unter
50 Millionen Euro zu den mittleren Unternehmen (vgl. I
F
M
B
ONN
2008a).
Dagegen benutzt die Europäische Union (EU) weniger den Begriff Mittelstand,
sie spricht vielmehr von KMU und unterteilt diese noch mal in Kleinst-, Klein-
und Mittelunternehmen. Ein Unternehmen wird dann als KMU betrachtet, wenn
es nicht mehr als 250 Beschäftigte hat und entweder nicht mehr als 50 Millionen
Euro Jahresumsatz erwirtschaftet oder eine Bilanzsumme von weniger als
43 Millionen Euro aufweist (vgl. EU-K
OMMISSION
2003a).
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2.2
Qualitative Definition
Den meisten qualitativen Definitionen ist gemeinsam, dass sie auf die enge
Verbindung zwischen dem Unternehmen und dem Eigentümer abstellen, d. h. sie
ziehen als weiteres erklärendes Merkmal die Eigentümerstruktur bzw.
Konzernunabhängigkeit mit hinzu. Demnach zählen auch Unternehmen, bei denen
Eigentums- und Leitungsrechte in der Person des Unternehmers vereint sind, zum
Mittelstand. Die Eigentümerführung wird nach den Operationalisierungskriterien
des IfM Bonn als gegeben angesehen, wenn bis zu zwei natürliche Personen oder
ihre Familienangehörigen mindestens 50 Prozent der Anteile eines Unternehmens
halten und diese natürlichen Personen der Geschäftsführung angehören (vgl. I
F
M
B
ONN
2008b). Die in diesem Zusammenhang auch als Familienunternehmen
bezeichneten Unternehmen zählen wie die KMU zum Mittelstand, unterliegen
jedoch keinen Größengrenzen und sind ausschließlich qualitativ definiert
(vgl. ausführlich W
ALLAU
/K
AYSER
2001, S. 43 f.).
Dieses Unabhängigkeitskriterium spiegelt sich auch in der Definition der EU
wieder, die neben den o. g. quantitativen Kriterien auch die weitgehende
Unabhängigkeit der Unternehmen verlangt (vgl. EU-K
OMMISSION
2003a).
So dürfen sich KMU nicht zu mehr als 25 Prozent im Besitz eines größeren
Unternehmens befinden, welches selbst die Definition der KMU nicht erfüllt.
Auch nach der Definition des IfM Bonn müssen die Unternehmen
konzernunabhängig sein (vgl. I
F
M
B
ONN
2008a).
2.3
Zusammenspiel quantitativer und qualitativer Mittelstandskriterien
Beim Verständnis des Mittelstands reichen quantitative Kriterien allein nicht aus
(vgl. H
AUSER
/W
OLTER
2007, S. 7 f). Vielmehr wird der Mittelstand durch den
personengeprägten Zuschnitt der Unternehmen charakterisiert (vgl. W
ALLAU
2006, S. 13). Dies macht die Erweiterung des quantitativen Rasters durch
strukturelle Merkmale erforderlich. Zentrales Merkmal stellt hierbei die Einheit
von Unternehmensleitung und Eigentum dar.
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Dies hat zur Folge, dass der Mittelstand je nach Art der Eigentumsverhältnisse oft
auch in drei Gruppen untergliedert wird. Die erste Gruppe stellt die klassischen
mittelständischen Unternehmen dar, in denen der Manager auch der Inhaber oder
ein Mitglied der Eigentümerfamilie ist. Ein weiterer Teil der KMU wird von
angestellten Managern geleitet, ist aber nicht konzerngebunden. Mit der Gruppe
drei verbleiben schließlich noch die konzerngebundenen KMU. Diese
unterscheiden sich jedoch i. d. R. deutlich von den beiden anderen. Strategische
Entscheidungen werden von einer möglicherweise räumlich getrennt sitzenden
Konzernleitung im Interesse der Gruppe entschieden, die nicht unbedingt mit den
Interessen des Unternehmens übereinstimmen. Im Gegenzug haben abhängige
Unternehmen Zugang zu den Betriebsmitteln der Unternehmensgruppe und sind
hinsichtlich der Investitionen in einer besseren Position als konzernunabhängige
KMU. Allen drei Unternehmensgruppen ist gemeinsam, dass sie maximal
500 Beschäftigte haben dürfen (vgl. BMW
I
2007, S. 10 f.).
2.4
Kritische Betrachtung
Legt man die Definition des IfM Bonn zu Grunde, so zählen 99,7 Prozent der
Unternehmen in Deutschland zu den KMU (vgl. I
F
M
B
ONN
2008c). Darf bei einer
solchen Größendimension aber wirklich von einer real existierenden Gruppe
mittelständischer Unternehmen gesprochen werden oder handelt es sich nur um
eine wählerwirksame Begriffsbildung aus der Politik und den Medien? So
gesehen wäre dann jegliche Wirtschaftspolitik automatisch Mittelstandspolitik,
eine Mittelstandsforschung würde sich als eine Unternehmensforschung
entpuppen und ein Mittelstandsbeauftragter als Unternehmensbeauftragter
fungieren (vgl. ZEW 2008). Vielmehr scheint es sinnvoll die branchen-
spezifischen Unterschiede mit in die Betrachtung einzubeziehen und eine
Segmentierung eher nach konkreten Fragestellungen vorzunehmen.
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3
Externe Herausforderungen der Globalisierung
Turbulente und tief greifende nationale und internationale Veränderungen stellen
den industriellen Mittelstand täglich neu vor massive unternehmerische
Herausforderungen. Einige dieser Trends und Prozesse wie beispielsweise die
Globalisierung haben ihren Ursprung bereits in den neunziger Jahren und setzen
sich kontinuierlich weiter fort. Umso dynamischer werden die Folgen der
Globalisierung, wie etwa die Rohstoffverkappung oder auch der Klimawandel,
das Umfeld des Mittelstands in den nächsten Jahren verändern.
3.1
Wirtschaftspolitisches Umfeld
3.1.1 Deutsche Mittelstandspolitik
Mittelständische Unternehmen haben in jeder Marktwirtschaft eine zentrale
volkswirtschaftliche Bedeutung. Vor allem die deutsche Volkswirtschaft ist kaum
wie eine andere durch KMU geprägt. Auf sie entfallen 38,3 Prozent aller Umsätze
und 65,8 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Ihr Anteil an
den Auszubildenden beläuft sich auf 82,7 Prozent. An der Nettowertschöpfung
der Unternehmen halten sie einen Anteil von 47,2 Prozent (vgl. I
F
M
B
ONN
2008c). Aus diesem Grund wird in der Wirtschaftspolitik der Begriff Mittelstand
gerne und häufig gebraucht. Egal ob vom ,,Motor für Beschäftigung und
Wachstum" die Rede ist oder als ,,Rückgrat der sozialen Marktwirtschaft"
bezeichnet, ist er Ziel vielfältiger Förderaktivitäten und gilt als Hoffnungsträger
von Beschäftigungspolitik, aber auch Wachstums- und Innovationspolitik
(vgl. BDI
2006a, EU-K
OMMISSION
2003b).
Der Konsens darüber, dass ein ökonomisch gesunder Mittelstand eine tragende
Säule der sozialen Marktwirtschaft darstellt, sollte sich konsequenter Weise in
geeigneten wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen widerspiegeln. Mit Blick
auf die sich verschärfenden nationalen und internationalen Herausforderungen
durch die Globalisierung stellt sich jedoch die Frage, ob die Wirtschaftspolitik in
Deutschland dem herausragenden Stellenwert mittelständischer Unternehmen
auch wirklich gerecht wird.
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