Inhaltsverzeichnis
Tabellen -/Abbildungsverzeichnis. III
Abk ürzungsverzeichnis. IV
1. Einleitung. 1
2. Theoretische Fundierung von Präferenzabkommen. 2
2.1 Die verschiedenen Formen von Präferenzabkommen. 3
2.2 Die traditionellen, statischen Theorien der wirtschaftlichen Integration 4
2.3 Dynamische Effekte von Präferenzabkommen. 6
2.4 Führen Präferenzabkommen zu multilateralem Freihandel? 7
2.4.1 Die „Dynamic Time-Path Analysis“ 8
2.4.2 Sind Präferenzabkommen „Building Blocks“ oder „Stumbling Blocks“? 9
3. Die NAFTA als Freihandelsabkommen. 11
3.1 Chronologie der Gründung der NAFTA und die Erwartungen ihrer Mitglieder. 12
3.2 Grundzüge des Abkommens. 14
3.3 Die Herkunftsregeln der NAFTA und deren Effekte. 19
3.4 Die „Side Agreements“ 22
3.5 Die NAFTA als Form des „neuen Regionalismus“ 24
4. Innere Entwicklung seit Gründung der NAFTA. 27
4.1 War die NAFTA förderlich für das Wachstum des BIP in den Mitgliedstaaten? 27
4.1.1 Der Handel innerhalb der NAFTA. 31
4.1.2 Die Entwicklungen der ausländischen Direktinvestitionen 33
4.2 Vergleichende Studien über die Auswirkungen der NAFTA auf die Handelsströme -
Handelsschaffende oder Handelsumlenkende Effekte der NAFTA? 38
I
4.3 Beurteilung der inneren Entwicklungen Mexikos 43
5. NAFTA und das Verhältnis gegenüber Nichtmitgliedern - „Building Block“ oder
„Stumbling Block“ 45
6. Schlussfolgerungen. 50
Anhang. 55
Literaturverzeichnis. 64
II
Tabellen-/Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: „Dynamic Time Path“ Analyse.........................................................................55
Abbildung 2: Bilaterale und regionale Freihandelsabkommen der drei NAFTA-Länder
außerhalb der NAFTA.......................................................................................56
Abbildung 3: Der „spaghetti bowl“-Regionalismus auf dem amerikanischen
Kontinent...........................................................................................................57
Tabelle 8: Ausländische Direktinvestitionen in Mexiko von 1994-2001
(in Milliarden US).............................................................................................63
III
Abkürzungsverzeichnis
BIP Bruttoinlandsprodukt CBO Congressional Budget Office CEA Council of Economic Advisors CEC North American Commission on Environmental Cooperation CUSFTA Canada-US Free Trade Agreement EU Europäische Union FTAA Free Trade Area of the Americas GATT General Agreement on Tariffs and Trade LKW Lastkraftwagen MFN Most Favored Nation NAAEC North American Agreement on Environmental Cooperation NAALC North American Agreement on Labor Cooperation NAFTA North American Free Trade Agreement RIA Regionales Integrationsabkommen RoO Rules of Origin TPA Trade Promotion Authority WTO World Trade Organization WZO Weltzollorganisation
IV
1. Einleitung
Im nächsten Jahr feiert das „North American Free Trade Agreements“ (NAFTA) zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada und Mexiko den 15. Jahrestag seines Bestehens. Zur Zeit seiner Gründung handelte es sich bei der NAFTA um das erste Freihandelsabkommen zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern. Die NAFTA gilt daher als Anschauungsobjekt für die Auswirkungen von Nord-Süd Freihandelsabkommen und als Modell für zukünftige Abkommen dieser Art. 1
Ziel dieser Arbeit ist es, den wirtschaftlichen Einfluss der NAFTA auf seine Mitglieder zu analysieren und die globalen Auswirkungen dieses Abkommens auf das multilaterale Handelssystem der „World Trade Organization“ (WTO) kritisch zu hinterfragen. Mit Blick auf die Vorbildfunktion der NAFTA für zukünftige Abkommen zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern, kommt der Entwicklung Mexikos unter der NAFTA große Bedeutung zu. Von besonderer Relevanz sind dabei die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und Mexiko, die als Schlüssel für den Erfolg dieses Abkommens angesehen werden. 2 Aus diesem Grund sollen im Rahmen dieser Arbeit die Beziehungen zwischen diesen zwei Ländern im Vordergrund stehen.
Im zweiten Kapitel der Arbeit soll unter Zuhilfenahme der Theorien der Präferenzabkommen, die Grundlage für ein umfassenderes Verständnis der Funktionsweisen von Freihandelszonen geschaffen werden. Hierfür wird zunächst die traditionelle statische Wohlfahrtsanalyse erörtert, welche die Effekte von Präferenzabkommen in handelsumlenkende und handelsschaffende Wohlfahrtseffekte aufteilt. Danach werden die dynamischen Effekte von Präferenzabkommen vorgestellt. In diesem Zusammenhang wird die Frage thematisiert, ob Präferenzabkommen förderlich oder hinderlich für die multiliberale Liberalisierung des Welthandels im Rahmen der WTO sind. Im anschließenden Kapitel werden die Grundzüge der NAFTA und der damit einhergehende Liberalisierungsprozesses dargestellt. Im Rahmen dieser Charakterisierung sollen mögliche nichttarifäre Handelshemmnisse unter der NAFTA ebenso, wie der „neue Regionalismus“, dem die NAFTA zugeschrieben wird, betrachtet werden. Im vierten Kapitel wird zuerst die Entwicklung des Handels und der Investitionen der drei NAFTA-Mitglieder aufgezeigt. In einem nächsten Schritt folgt eine Vorstellung der Ergebnisse vergleichender Studien über die Auswirkungen der NAFTA auf die
1 Vgl. UNCTAD: Trade and Development Report, 2007, New York u.a. 2007, S. 65.
2 Vgl. Preuße, Heinz, Gert: The New American Regionalism, Cheltenham, UK 2004, S. 79.
1
Handelsströme im Abkommensgebiet sowie die Beantwortung der Frage nach den statischen Wohlfahrtseffekten der NAFTA. Abgerundet wird dieses Kapitel mit einer kritischen Bewertung der inneren Entwicklung Mexikos.
Kapitel 5 der Arbeit bezieht sich auf die Darstellung und Analyse des Verhältnisses der NAFTA-Staaten zu Nichtmitgliedern. In diesem Zusammenhang soll auch die im Theorieteil aufgeworfene Frage, ob die NAFTA die multiliberale Liberalisierung des Handels im Rahmen der WTO unterstützt oder untergräbt, beantwortet werden. Zum Abschluss findet eine Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse der Analysen dieser Arbeit statt, indem nochmals auf die wesentlichen Einflussfaktoren des Erfolgs bzw. Misserfolgs der NAFTA eingegangen wird.
2. Theoretische Fundierung von Präferenzabkommen
In diesem Kapitel wird zunächst die Theorie der traditionellen, statischen Wohlfahrtsanalyse ausführlich dargestellt, um im Anschluss daran die dynamischen Effekte von Präferenzabkommen genauer zu beleuchten. Besonderes Augenmerk soll hier, auf die unter Ökonomen besonders umstrittenen Frage, der Auswirkungen von Präferenzabkommen auf das multilaterale Handelssystem gelegt werden. 3 Stellen Präferenzabkommen einen Schritt in Richtung des Ideals des multilateralen Freihandels dar oder sind sie vielmehr als hinderlich auf dem Weg dorthin einzustufen? Die aus dieser Analyse gewonnenen, theoretischen Erkenntnisse sollen dann in den nachfolgenden Kapiteln als Grundlage für die Bewertung der statischen Effekte der NAFTA, sowie für die Bewertung des Einflusses dieser Freihandelszone auf den dynamischen Prozesses der Multilateralen Liberalisierung, herangezogen werden.
3 Vgl. u.a. Bhagwati, Jagdish: Departures from Mulitlateralism. Regionalism and Agressive Unilateralism, in:
The Economic Journal, Vol. 100 (1990), S. 1305ff.; Bhagwati, Jagdish: Regionalism versus Multilateralism, in:
The World Economy, Vol. 15 (1992), S. 542ff.; Baldwin, Richard, E.: Stepping Stones or Building Blocks?
Regional and Multilateral Integration, in: Paper prepared for G-20 Workshop on “Regional Economic
Integration in a Global Framework” in Beijing (2004), S. 2ff.; Summers, Lawrence, H.: Regionalism and the
World Trading System, in: Journal Proceedings provided by Federal Reserve Bank of Kansas City (1991), S.
300f.
2
2.1 Die verschiedenen Formen von Präferenzabkommen
In der internationalen Handelspolitik existiert die Wahlmöglichkeit zwischen zwei verschiedenen Arten der reziproken Handelsliberalisierung: Auf der einen Seite die multilaterale Liberalisierung im Zuge mehrjähriger Welthandelsrunden und auf der anderen Seite die Liberalisierung in Form von präferentiellen Handelsabkommen. 4 Die Bedeutung Letzterer spiegelt sich unter anderem in der Tatsache wieder, dass einerseits deren Anzahl einen rasanten Zuwachs verzeichnen konnte und andererseits inzwischen nahezu jedes Land der Welt, Mitglied in mindestens einem Präferenzabkommen ist. 5 Der oberste Grundsatz der WTO ist das Meistbegünstigungs-Prinzip in Art. 1 des „General Agreement on Tariffs and Trade“ (GATT). 6 Demnach müssen Handelsvergünstigungen, die ein WTO Mitgliedsland einem anderen Land einräumt, auch allen anderen Mitgliedern der WTO gewährt werden. Präferenzabkommen verstoßen im Gegensatz zur multilateralen Liberalisierung gegen diese Politik der Nicht-Diskriminierung. Präferenzabkommen sind aber dennoch nach Artikel 24 des GATT unter der Vorraussetzung erlaubt, dass bei der Errichtung von Freihandelszonen und Zollunionen die Erhebung von Zöllen beim Handel unter den Mitgliedsstaaten gänzlich beseitigt wird. 7
Die Begriffe Freihandelszone und Zollunion als Formen von Präferenzabkommen tauchen im Rahmen der Theorie vermehrt auf und bedürfen daher einer Klärung. 8 Bei der Errichtung einer Freihandelszone, verständigen sich zwei oder mehr Vertragsparteien darauf, die Zölle auf gegenseitige Importe gänzlich zu reduzieren. Jedes Mitgliedsland der Freihandelszone bestimmt aber seine Zollpolitik gegenüber Drittstaaten weiterhin autonom. 9
4 Vgl. Heiduk, Günter, S.: Außenwirtschaft. Theorie, Empirie und Politik der interpendenten Weltwirtschaft,
Heidelberg 2005, S. 297.
5 Waren zwischen 1948 und 1994 noch 124 Präferenzabkommen unter dem GATT registriert, so hat sich deren
Anzahl seit 1995, dem Jahr der Gründung der WTO, mit 214 aktiven Abkommen nahezu verdoppelt. Vgl.
Fiorentino, Roberto, V., Verdeja, Luis, Toqueboeuf, Christelle: The Changing Landscape of Regional Trade
Agreements. 2006 Update, WTO , Discussion Paper No. 12 (2006), S. 3.
6 Das Multilaterale Handelsabkommen GATT wurde 1995 wurde als Ergebnis der Uruguay Runde in die neu
geschaffene Welthandelsorganisation WTO eingebunden.
7 Vgl. Baldwin, Richard, Wyplosz, Charles: The Economics of European Integration, 2. Ed., London u.a. 2006, S.
129f.
8 Eine weitere Form von Präferenzabkommen stellt der Gemeinsame Markt da. Auf diesen kann im Rahmen
dieser Arbeit jedoch nicht eingegangen werden. Siehe Hoekman, Bernard, M., Kostecki, Michel, M.: The
Political Economy of the World Trading System. The WTO and Beyond, 2. Ed., Oxford u.a. 2001, S. 347.
9 Vgl. Krugman, Paul, R., Obstfeld, Maurice: International Economics. Theory and Policy, 7.ed., Boston u.a.
2006, S. 232f.
3
Im Fall einer Zollunion wird zusätzlich zur vollständigen Abschaffung der internen Zollbarrieren zwischen den Mitgliedern, eine gemeinsame Zollpolitik gegenüber Drittländern betrieben. 10
2.2 Die traditionellen, statischen Theorien der wirtschaftlichen Integration
Es war Jacob Viner, der im Jahre 1950 mit seinem Werk „The Custom Union Issue“, einen wichtigen Beitrag zur traditionellen Theorie der regionalen Integration leistete. 11 Viner war der Erste, der die bis dahin allgemeingültige Annahme widerlegte, präferentielle
Liberalisierung, obwohl scheinbar ein Schritt in Richtung Ideal des Freihandels, sei zwangsläufig mit einer Wohlfahrtserhöhung verbunden. Anhand des Beispiels einer Zollunion, zeigte Viner, dass bei der Beurteilung der Vorteilhaftigkeit von Präferenzabkommen im Rahmen der traditionellen Theorie, zwei gegensätzliche Effekte gegeneinander abgewogen werden müssen. Während handelsschaffende Effekte mit einer Wohlfahrtssteigerung verbunden sind, führen handelsumlenkende Effekte zu Wohlfahrtsverlusten. 12 Die aus der Vinerschen Analyse einer Zollunion gewonnen Erkenntnisse, behalten ihre Gültigkeit jedoch auch für Freihandelszonen. 13
Von handelsschaffenden Effekten einer Zollunion wird gesprochen, wenn aufgrund der Abschaffung von Zöllen innerhalb der Präferenzzone, ineffiziente inländische Produktion eines bestimmten Gutes durch effizientere Importe aus Mitgliedsländern ersetzt werden. Dementsprechend kommt es zu einer Expansion des Handels unter den Partnerländern. 14 Dies führt nicht nur auf der Angebotsseite, sondern auch auf der Nachfrageseite zu einer Erhöhung der Wohlfahrt. Zum einen profitieren die inländischen Konsumenten 15 von der Verfügbarkeit günstigerer Importprodukte und können daher eine höhere Konsumentenrente erzielen. Zum
10 Vgl. Rivera-Batiz, Luis, A., Oliva, Maria, A.: International Trade. Theory, Strategies and Evidence, Oxford
2003, S. 534.
11 Der Begriff der regionalen Integration wird im Allgemeinen als Synonym für präferenzielle Integration
benutzt. Genau genommen handelt es sich hierbei jedoch um Präferenzabkommen innerhalb einer bestimmten
geographischen Region. Vgl. Bhagwati, Jagdish: The Economics of Preferential Trade Agreements, Washington,
DC u.a. 1996, S. 4.
12 Vgl. Viner, Jacob: The Custom Union Issue, New York 1950, S. 42ff.
13 Vgl. Krueger, Anne, O.: Free Trade Agreements As Protectionist Devices. Rules Of Origin, in: NBER
Working Paper No. 4352 (1993), S. 5.
14 Vgl. Venables, Anthony, J.: Regional Integration Agreements. A Force for Convergence or Divergence?, in:
World Bank Policy Research, Working Paper No. 2260 (1999), S. 3f.
15 Viner betrachtet bei seiner Analyse im Rahmen „The Custom Union Issue“ hauptsächlich die Effekte auf der
Angebotsseite. Meade, James, E.: The Theory of Custom Unions, Amsterdam 1955, S. 34ff. und Lipsey, Richard,
G.: The Theory of Custom Unions. Trade Diversion and Welfare, in: Economia, Vol. 24 (1957), S. 40 ff.
erweitern das Modell von Viner um Konsumeffekte.
4
anderen werden durch die Verdrängung ineffizienter, inländischer Produktion, Produktionsfaktoren freigesetzt, die dann in produktiveren Sektoren der Volkswirtschaft eingesetzt werden können. 16
Bei der Gründung einer Zollunion werden die Zölle gegenüber Mitgliedsländern eliminiert. Ersetzt ein Mitgliedsland, Importe die es vor der Bildung der Zollunion vom effizientesten Anbieter bezogen hat, aufgrund dieses Zollvorteils durch ineffizientere Importe aus einem Mitgliedsland, spricht man von handelsumlenkenden Effekten. 17 Es kommt zwar zu einem Ansteigen der Konsumentenrente, da die inländischen Konsumenten, das entsprechende Gut wegen der Zollreduktion günstiger einkaufen können, dem entgegen steht jedoch eine Erhöhung der volkswirtschaftlichen Kosten. Es müssen mehr Devisen aufgewendet werden, um die ohne Zollvorteil eigentlich teureren Importe aus Mitgliedsländern zu bezahlen, und es kommt es zu einer Verringerung der Zolleinnahmen des Staates aus dem Handel mit Drittländern. Sind die Wohlfahrtsgewinne auf Konsumentenseite größer als die Verluste auf Seiten des Staates, so resultiert daraus ein Nettowohlfahrtsgewinn des Inlands, im entgegengesetzten Fall eine Wohlfahrtsreduktion im Inland. 18 Sind die aus der Gründung der Präferenzzone resultierenden handelsschaffenden Effekte größer als die handelsumlenkenden Effekte, dann folgt daraus eine
Gesamtwohlfahrtssteigerung für die Welt. 19 Es gilt allerdings zu beachten, dass trotz einer Wohlfahrtssteigerung für die Welt, sich einzelne Mitglieder des Abkommens dennoch schlechter stellen können, da es infolge veränderter Zolleinahmen zu einer Einkommensumverteilung zwischen den Mitgliedsstaaten kommt. Der Grund hierfür liegt in der Veränderung der Terms of Trade der Mitglieder des Präferenzabkommen. 20 Die wichtige Erkenntnis für die Bewertung von Präferenzabkommen, dass Multilaterale Liberalisierung der Präferentiellen Liberalisierung generell überlegen sei, konnten Cooper und Massell im Jahre 1965 gewinnen. Sie veranschaulichten, dass eine mögliche Wohlfahrtserhöhung für die Welt durch handelsschaffende Wirkungen eines Präferenzabkommens, jeder Zeit mit Hilfe multilateraler Liberalisierung erreicht werden kann.
16 Vgl. Perkins, Dwight, H. et al.: Economics of Development, 5. Ed., New York 2001, S.729.
17 Vgl. Gandolfo, Giancarlo: Elements of International Economics, Berlin u.a. 2004, S. 260.
18 Vgl. Krueger, Anne, O.: Are Preferential Trading Agreements Trade-Liberalizing or Protectionist?, in: Journal
of Economic Perspective, Volume 13 (1999a), S. 114f.
19 Vgl. Siebert, Horst, Lorz, Oliver: Außenwirtschaft, 8., überarb. Auflage, Stuttgart 2006, S. 167.
20 Vgl. Bhagwati, Jagdish: The Economics of Preferential Trade Agreements..., S. 7.
5
Die multilaterale Liberalisierung verursacht im Gegensatz zur präferentiellen Liberalisierung jedoch keine handelsumlenkende Effekte. 21
2.3 Dynamische Effekte von Präferenzabkommen
Viele Befürworter von Regionalen Integrationsabkommen argumentieren, dass nicht die statischen, sondern die dynamischen Effekte, die größten Gewinne für die beteiligten Länder mit sich bringen. 22 Dani Rodrik schreibt zu den Vorteilen einer Öffnung zum Weltmarkt: „Openness to the world economy can be a source of many economic benefits. The
importation of investment and intermediate goods that may not be available
domestically at comparable costs, the transfer of ideas and technology...” 23
Daher sollen an dieser Stelle die dynamischen Gewinne, die sich aus der Bildung von Präferenzzonen ergeben können, einer genaueren Betrachtung unterzogen werden. Ein Präferenzabkommen verschafft den Firmen der Mitgliedsstaaten Zugang zu neuen Märkten, wodurch komparative Vorteile besser genützt und somit Ressourcen der einzelnen Volkswirtschaften effizienter eingesetzt werden können. Ferner kann auf dem größeren Markt ein höherer Grad an Spezialisierung der Produktion erreicht werden, als auf nationaler Ebene. Dies hat zur Folge, dass die Produktivität und das Realeinkommen steigen. Zusätzlich zu diesem einmaligen Einkommenseffekt, können nachfolgende Faktoren einen langfristigen Wachstumsprozess in Gang setzen. 24
Die Firmen erkennen die sich ihnen bietenden Chancen und dehnen ihre Aktivitäten auf die neuen Märkte aus. Durch die vergrößerte Ausbringungsmenge, lassen sich Skalenvorteile realisieren und zu geringeren Durchschnittskosten produzieren. 25 Mit dem Abschaffen der Handelsbarrieren innerhalb der Präferenzzone kommt es zu intensiverem Wettbewerb und die Firmen geraten unter erhöhten Anpassungsdruck. Um diesem standzuhalten, erhöhen die Unternehmen ihre Forschungs-und Entwicklungsausgaben und versuchen
Spezialisierungsvorteile stärker zu nutzen. Folglich werden neue Technologien entwickelt, der Entwicklungszyklus für neue Produkte wird kürzer und es kommt zu einer größeren
21 Vgl. Cooper, C., A., Massell, B., F.: A New Look at Custom Union Theory, in: The Economic Journal, Vol.
75 (1965), S. 745f.
22 Vgl. Schiff, Maurice, Winters, Alan, L. Dynamics and Politics in Regional Integration Agreements. An
Introduction, in: World Bank Economic Review, Vol. 12 (1998), S. 178.
23 Rodrik, Dani: The New Global Economy and Developing Countries. Making Openess Work, Washington, DC
1999, S. 1.
24 Vgl. Grimwade, Nigel: International Trade: New Patterns of Trade, Production & Investment, London 2001, S.
344f.
25 Vgl. Balassa, Bela: The Theory of Economic Integration, 2., impr. Edition, London 1965, S. 120ff.
6
Produktdifferenzierung. Durch dieses Zusammenspiel von Innovationen und einer verstärkten Produktdifferenzierung werden neue Märkte geschaffen und der Wettbewerb weiter erhöht. Wird zusätzlich zur Reduktion der Zollsätze noch der Kapitalverkehr zwischen den Mitgliedern liberalisiert, kommt es zu einer verbesserten Kapitalallokation. Der größere Markt der Präferenzzone wirkt außerdem attraktiver auf Investoren aus Drittstaaten und es fliesst neues Kapital in Form von ausländischen Direktinvestitionen in die Mitgliedsländer. Zusammen mit dem Kapital kommen neue Technologien, und spezielle Fähigkeiten ins Land, was besonders für den Aufholprozess von Entwicklungsländern von besonderer Bedeutung ist. 26 In Entwicklungsländern ist Kapital generell ein knapper Faktor und technologisches Wissen ist unterentwickelt. 27 Durch dieses Zusammenwirken von verschärften Wettbewerb und verstärkten Investitionstätigkeiten kann ein langfristiger Wachstumsprozess ausgelöst werden und es beginnt infolgedessen ein dynamischer Kreislauf von sich verändernden komparativen Vorteilen, sich veränderter relativer Faktorausstattung und technologischen Fortschritt. 28
2.4 Führen Präferenzabkommen zu multilateralem Freihandel?
Im Folgenden soll mit Hilfe des von Bhagwati entwickelten „Dynamic Time-Path“ Konzepts analysiert werden, ob regionale Integrationsabkommen hilfreich oder nachteilig für den Prozess der multilateralen Handelsliberalisierung sind. Um es mit den Schlagworten von Bhagwati auszudrücken, sind Präferenzabkommen „Building Blocks“ oder „Stumbling Blocks“ auf dem Weg zu nichtdiskriminierendem, globalem Freihandel? 29
26 Durch ausländische Direktinvestitionen kommt zusätzlich zum physischen Kapital ein ganzes Bündel an
wichtigen Faktoren ins Land wie zum Beispiel Produktinnovationen, Herstellungstechnologien,
Managementfähigkeiten und Marketingmethoden. Vgl. Perkins, Dwight, H. et al.: Economics of Development...,
S.529.
27 Vgl. Radelet, Steven: Regional Integration and Cooperation in Sub-Saharan Africa. Are Formal Trade
Agreements the Right Strategy?, Harvard Institute for International Development, Development Discussion
Paper No. 592 (1997), S. 8f.
28 Vgl. Blomström, Magnus, Kokko, Ari: Regional Integration and Foreign Direct Investment, in: NBER
Working Paper No. 6019 (1997), S. 7ff.
29 Vgl. Bhagwati, Jagdish: Free Trade Today, Princeton, NJ u.a. 2002, S. 118.
7
2.4.1 Die „Dynamic Time-Path Analysis“
Um die „Dynamic Time-Path Analysis“ durchzuführen, wurden zwei verschiedene, analytische Fragestellungen formuliert. Bei der ersten Frage wurde unterstellt, dass die „Time-Paths“ von den zwei unterschiedlichen Vorgehensweisen der Handelsliberalisierung völlig unabhängig voneinander sind, also folglich multilaterale Verhandlungen und präferentiellen Handelsabkommen weder hinderlich noch förderlich füreinander sind. Es ist daher zu untersuchen, ob der „Time-Path“ der Präferenzabkommen von einem stagnierenden Verlauf der Mitgliederzahl geprägt ist, oder aber von einer starken Erweiterung der Zahl der Mitgliedsländer, und somit das angestrebte Ziel des weltweiten Freihandels zwischen allen Ländern erreicht werden kann. Durch einen Vergleich der „Time-Paths“ kann eingeordnet werden, wie effektiv die beiden Arten der reziproken Handelsliberalisierung jeweils sind, den Idealzustand eines nicht diskriminierenden Freihandels zu erreichen. 30 In Frage 2 wird davon ausgegangen, dass sich die „Time-Paths“ der multilateralen Handelsliberalisierung und der Präferenzabkommen gegenseitig beeinflussen und daher nicht unabhängig voneinander sind. Unter dieser Annahme wird zu untersuchen sein, ob Präferenzabkommen für den weiteren Verlauf der multilateralen Liberalisierung förderlich oder hinderlich sind. 31
Frage 1 wird anhand von Abbildung 1 32 veranschaulicht. Während auf der Abszisse die Zeit abgetragen wurde, kann auf der Ordinate die Wohlfahrt der gesamten Welt abgelesen werden. In dieser Grafik sind fünf unterschiedliche „time-paths“ eingezeichnet, wobei vier den Verlauf der „Time-Paths“ der Präferenzabkommen wiedergeben. Eine Aufwärtsbewegung im Verlauf dieser vier Kurven signalisiert eine wachsende Anzahl von Mitgliedern der Präferenzabkommen. Eine Aufwärtsbewegung der „Process-Multilateralism“-Kurve resultiert aus einer Reduzierung der Handelsbarrieren unter Beachtung des Meistbegünstigungsprinzips in Artikel 1 des GATT im Rahmen von Welthandelsrunden. Das Wohlfahrtsniveau U*, das es nach einem bestimmten Zeitverlauf zu erreichen gilt, repräsentiert globalen Freihandel. In diesem Punkt wird die Gesamtwohlfahrt der Welt gerade maximiert. Anhand der verschiedenen Verläufe der „Time-Paths“ I-IV lässt sich verdeutlichen, dass die Präferenzabkommen die Wohlfahrt gleich zu Beginn vom Ausgangsniveau U 0 auf U p 2 zu
erhöhen vermögen, sofern die handelsschaffenden größer als die handelsumlenkenden Effekte
30 Vgl. Bhagwati, Jagdish: The Economics of Preferential Trade Agreements..., S. 43.
31 Vgl. Panagariya, Arvind: Preferential Trade Liberalization. The Traditional Theory and New Developments, in:
Journal of Economic Literature, Vol. 38 (2000), S. 317f.
32 Siehe Anhang, Abbildung 1, S. 55.
8
sind, oder im umgekehrten Fall die Wohlfahrt der Welt sofort von U 0 auf U p 1 zu reduzieren vermögen.
Unabhängig von diesem statischen Wohlfahrtseffekt zu Beginn, besteht die Möglichkeit der Stagnation von Präferenzabkommen, wie zu sehen im Verlauf der „Time-Paths“ II und III. Es kommt dann zu keiner Erweiterung der Mitgliedsstaaten in dem betreffenden Präferenzabkommen und kann die Aufteilung der Weltwirtschaft in Handelsblöcke zur Folge haben. Es kann allerdings auch, wie im Verlauf der „Time-Paths“ I und IV zu erkennen, das angestrebte Wohlfahrtsniveau U* erreicht werden. Dieses gelingt, falls die Mitgliederzahl eines Präferenzabkommens kontinuierlich wächst, bis alle Länder beigetreten sind und auf diese Weise globaler Freihandel erreicht wird. 33
Wie aus Abbildung 1 ersichtlich, besteht die Möglichkeit, dass globaler Freihandel mittels multilateraler Verhandlungen aufgrund von Trittbrettfahrerverhalten nicht erreicht werden kann. Wird das Trittbrettfahrerproblem nicht überwunden, kann die „Process-Multilateralism“-Kurve durch multilaterale Verhandlungen statt des angestrebten Punktes U* lediglich den Punkt U m erreichen. 34 Beim Trittbrettfahrerproblem, besteht für ein einzelnes Land der Anreiz, aufgrund des für alle Mitgliedsländer der WTO geltenden Meistbegünstigungsprinzips, zwar von den Ergebnissen der multilateralen Verhandlungen anderer Mitgliedsländer zu profitieren, selbst aber keine oder nur sehr geringe Zugeständnisse anzubieten. 35
2.4.2 Sind Präferenzabkommen „Building Blocks“ oder „Stumbling Blocks“?
Mit Hilfe informeller Argumente 36 soll in einem nächsten Schritt, die unter Ökonomen heftig umstrittene Frage, ob Präferenzabkommen „Building Blocks“ oder „Stumbling Blocks“ auf dem Weg zu globalem Freihandel sind, erörtert werden. Es handelt sich hierbei um die zweite von Bhagwati aufgestellte „Dynamic Time-Path Question“, bei der die realitätsnahe Annahme
33 Vgl. Bhagwati, Jagdish, Greenaway, David, Panagariya, Arwind: Trading Preferentially. Theory and Policy, in:
The Economic Journal, Vol. 108 (1998), S. 1142.
34 Vgl. Bhagwati, Jagdish, Panagariya, Arvind: The Theory of Preferential Trade Agreements. Historical
Evolution and Current Trends, in: The American Economic Review, Vol. 86 (1996), S. 84f.
35 Vgl. Grimwade, Nigel: International Trade..., S. 350f.
36 Es gibt informelle Argumente, sowie formale Modelle die sich mit der Beantwortung der zweiten „Dynamic
Time-Path Question“ beschäftigen. Folgende Autoren haben sich mit Hilfe formaler Modelle mit dem Problem
beschäftigt und sollen deshalb nicht unerwähnt bleiben. Siehe u.a. Levy, Philip, I.: A Political-Economic
Analysis of Free-Trade Agreements, in: The American Economic Review, Vol. 87 (1997), S. 509ff.; Krishna,
Pravin: Regionalism and Multilateralism. A Political Economy Approach, in: The Quarterly Journal of
Economics, Vol. 113 (1998), S 230ff.; Krugman, Paul: Is Bilateralism Bad?, in: NBER Working Paper No. 2972
(1989), S. 8ff.
9
getroffen wurde, dass die präferentielle Liberalisierung bzw. multilaterale Liberalisierung gleichzeitig erfolgen und dementsprechend miteinander interagieren. Zugunsten der „Building Block“-These lässt sich anführen, dass es bei multilateralen Verhandlungen zwischen wenigen großen Verhandlungsblöcken schneller zu einen Konsens kommt, als im Falle vieler, jeweils einzeln verhandelnder Länder. 37 Im multilateralen Forum der WTO gestalten sich die Verhandlungen aufgrund der Vielzahl der Mitglieder, sowie des im letzten Unterkapitel erläuterten Trittbrettfahrerproblems schwierig und schreiten nur langsam voran. Schliessen sich die Länder der Welt zu wenigen großen Handelsblöcken zusammen, werden multilaterale Verhandlungen einfacher und überschaubarer. Da diese Handelsblöcke bei erfolgreichen Liberalisierungsverhandlungen größere Gewinne realisieren können, als die vielen, jeweils einzeln verhandelnden Länder, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für eine Einigung. 38
Für die „Building-Block“-These spricht des Weiteren, dass Präferenzabkommen als Druckmittel eingesetzt werden können, um ins Stocken geratene, multilaterale Verhandlungen in der WTO zu beschleunigen. 39 Die Drohung der USA, im Falle des Scheiterns der Uruguay Runde, ein Freihandelsabkommen mit einigen asiatischen Staaten zu begründen, soll die Europäische Union (EU) zu einem Einlenken in den Verhandlungen bewegt haben. Das gleiche Argument lässt sich jedoch auch zugunsten der „Stumbling Block“-Position auslegen. Dieser Fall tritt ein, wenn ein Land infolge der Mitgliedschaft in einer Vielzahl von Präferenzabkommen, nur einen sehr geringen Anreiz verspürt, multilaterale Verhandlungen zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. 40
Unter der Annahme, dass Präferenzabkommen zu handelsumlenkenden Effekten führen, steigt der Druck auf Nichtmitglieder einem Integrationsabkommen beizutreten, da sie sonst unter den negativen Auswirkungen der handelsumlenkenden Effekten zu leiden hätten. Dieser Druck für Nichtmitglieder wird umso größer, je größer ein Handelsblock wird. Ist ein Handelsblock offen für neue Mitglieder, so werden alle Länder, die Vorteile aus einer Mitgliedschaft haben, diesem beitreten. Andernfalls haben ausgeschlossene Mitglieder einen Anreiz eigene Präferenzabkommen zu unterzeichnen. Es wird somit ein Domino-Effekt ausgelöst, der im Idealfall zu globalem Freihandel als Endzustand führt. 41 Es lässt sich jedoch zugunsten der „Stumbling Block“-These argumentieren, dass der Domino-Effekt letzten
37 Vgl. Ethier, Wilfred, J.: The New Regionalism, in: The Economic Journal, Vol. 108 (1998), S. 1153.
38
Vgl. Summers, Lawrence, H.: Regionalism and the World Trading System..., S. 300f.
39
Vgl. Fernández, Raquel, Portes, Jonathan: Returns to Regionalism. An Analysis of Nontraditional Gains from
Regional Trade Agreements, in: The World Bank Economic Review, Vol 12 (1998), S. 211f.
40 Vgl. Krueger, Anne: Are Preferential Trading Arrangements Trade-Liberalizing..., S. 118.
41
Vgl. Baldwin, Richard, E.: The Causes of Regionalism, in: The World Economy, Vol. 20 (1997), S. 877ff.
10
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Mirko Wutzler, 2008, Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) - Eine kritische Analyse, München, GRIN Verlag GmbH
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