Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 3
2. Was ist eigentlich ein Kreuzzug? Seite 4
2.1 Darstellung des Kreuzzuggedankens in den Quellen Seite 4
2.1.1 Fulcher von Chartres Überlieferung Seite 4
2.1.2 Robert von Reims Darstellung Seite 6
2.1.3 Balderich von Dols Schilderung Seite 8
2.1.4 Guibert von Nogents Überlieferung Seite 9
2.2 Definition der Kreuzzüge nach Hans Eberhard Mayer Seite 11
2.3 Ernst-Dieter Hehls Kritik an Mayers Definition Seite 12
2.4 Neue Erkenntnisse zur Kreuzzugsfrage Seite 13
3. Zusammenfassung Seite 16
4. Quellen- und Literaturverzeichnis Seite 17
2
1. Einleitung
Die Kreuzzüge waren und sind immer noch ein viel diskutiertes Thema. Vor allem in der heutigen Gesellschaft, die von Konflikten und Kriegen zwischen Menschen unterschiedlicher religiöser Überzeugung geprägt ist, scheint die Bezeichnung Kreuzzug vor dem Hintergrund eines Glaubenskrieges nicht unangebracht zu sein. Religiöser Fanatismus führt auf der ganzen Welt, angefangen von Nordirland über Israel bis zum Irak, immer wieder aufs Neue zu Spannungen und blutigen Auseinandersetzungen. Wie vor 900 Jahren bei der Befreiung Jerusalems, legitimiert auch heute noch der Glaube die Unterdrückung der vermeintlich Ungläubigen. Es stellt sich nun die Frage, wie damals schon Glaube und Gewalt miteinander verbunden werden konnten und wie demzufolge ein Kreuzzug definiert ist. Die vorliegende Arbeit wird sich damit beschäftigen, wobei auf den Verlauf der Kreuzzüge nicht näher eingegangen wird.
Was versteht man unter dem Begriff Kreuzzug und hat eventuell ein Bedeutungs-wandel stattgefunden? Um diese Fragen zu klären, werden zunächst die vier wichtigsten Quellen zum Kreuzzugsaufruf Urbans II. 1095 in Clermont eingehend betrachtet. Was verstehen Fulcher von Chartres, Robert von Reims, Balderich von Dol und Guibert von Nogent unter Kreuzzug, bzw. wie äußert sich der Papst dazu in ihren Schriften? Im Anschluss wird Hans Eberhard Mayers Definition der Kreuzzüge dargestellt, die den Darstellungen in den Quellen sehr ähnelt. Ernst-Dieter Hehls Kritik an Mayers Definition bildet den folgenden Abschnitt und zuletzt werden neue Erkenntnisse bezüglich des Kreuzzuggedankens näher beleuchtet werden.
Neben den vier lateinischen Quellen zum Kreuzzugsaufruf stützt sich diese Arbeit im Wesentlichen auf Hans Eberhard Mayers „Geschichte der Kreuzzüge“ 1 und Ernst-Dieter Hehls Aufsatz „Was ist eigentlich ein Kreuzzug?“. 2 Darüber hinaus werden weitere wichtige Monographien und Aufsätze verwendet, die im Literaturverzeichnis aufgeführt sind.
1 Hans Eberhard Mayer, Geschichte der Kreuzzüge, Stuttgart; Berlin; Köln, 2000.
2 Ernst-Dieter Hehl, Was ist eigentlich ein Kreuzzug?, in: Historische Zeitschrift 259/1994, S.297-
335.
3
2. Was ist eigentlich ein Kreuzzug?
2.1 Darstellung des Kreuzzugsgedankens in den Quellen
Um dort zu beginnen, wo die Kreuzzüge ihren Ausgangspunkt nahmen, werden in den folgenden Abschnitten die vier wichtigsten Quellen zum Kreuzzugsaufruf Urbans II. näher betrachtet werden. Urban verbrachte das Jahr vom August 1095 bis September 1096 in seiner Heimat Frankreich, um die Kirchenreform zu überwachen aber auch um den Kreuzzug zu predigen. 3 Am 27. November 1095 rief er in Clermont zum Kreuzzug auf, danach zog er weiter durch Frankreich um diese Botschaft weiter zu verbreiten. Mit seinem Kreuzzugsaufruf reagierte er auf eine Bitte der Griechen acht Monate zuvor, ihnen Hilfe zu bringen gegen die Invasion der Türken. Ein weiterer Grund für den Kreuzzugsaufruf mögen die Fehden der Christen untereinander gewesen sein, was in den folgenden Abschnitten zur Sprache kommen wird. 4
Fulcher von Chartres, Balderich von Dol, Guibert von Nogent und Robert von Reims haben über das Konzil von Clermont geschrieben, sie scheinen auch vor Ort gewesen zu sein und die Worte des Papstes mit eigenen Ohren gehört zu haben. Zwar gibt es bei den vier Fassungen der Rede beträchtliche Unterschiede im Wortlaut, die Argumentationsweise des Papstes ist jedoch aus allen gleichermaßen deutlich herauszulesen. 5
2.1.1 Fulcher von Chartres Überlieferung
Der vielleicht glaubwürdigste Verfasser der Kreuzzugsrede ist Fulcher von Chartres, der selbst am ersten Kreuzzug teilnahm und bis zu seinem Tod 1127 Kanoniker der Grabeskirche in Jerusalem war. 6 Aufgrund seiner Nähe zum Königshaus und der langjährigen Verbundenheit zum Heiligen Land, wird er von der Forschung für eine zuverlässige Quelle gehalten. In seiner „Historia Hiero-
3 Vgl.Jonathan Riley-Smith, The first crusade and the idea of crusading, London 1986, S.13.
4 Vgl. Carl Erdmann, Die Entstehung des Kreuzzuggedankens, Darmstadt 1980, S.312.
5 Vgl. Nikolas Jaspert, Die Kreuzzüge, Darmstadt 2003, S.34.
6 Vgl. Lexikon des Mittelalters IV, hg. von Robert-Henri Bautier, Robert Auty, München und
Zürich 1989, S.1015.
4
solymitana“ schildert er den Beginn und Verlauf des ersten Kreuzzuges, sowie die ersten 28 Jahre des Bestehens des Königreichs Jerusalem. 7 Für uns ist jedoch nur die Stelle der Kreuzzugsrede von Clermont von Bedeutung, das dritte Kapitel des ersten Buches. 8
Darin überliefert Fulcher die Aufforderung des Papstes an die Versammelten, selbst tätig zu werden und ihren Brüdern im Orient Hilfe zu bringen: „Necesse est enim, quatinus confratribus vestris in Orientali plaga conversantibus, auxilio vestro iam saepe acclamato indigiis, accelerato itinere succuratis.“ 9 Den Grund für die Notwendigkeit der Hilfeleistung äußert Urban II. im folgenden Satz. Die Türken sind schon bis zum Mittelmeer vorgedrungen und haben viele Christen getötet, gefangen genommen, Kirchen zerstört und das Reich Gottes verwüstet. Mit den Worten „Quos quidem si sic aliquandiu in quiete siveritis, multo latius fideles Dei supergredientur“ 10 macht der Papst deutlich, dass die Expansion der Türken nicht schweigend hingenommen werden darf. Im Anschluss stellt er klar, dass nicht er, sondern der Herr die Versammelten auffordert, unabhängig von ihren Besitzverhältnissen, dieses nichtsnutzige Geschlecht zur rechten Zeit zu vertreiben, und zwar „de regionibus nostrorum“. 11 Damit sind die Länder Kleinasiens gemeint, die schon seit langer Zeit von Christen bewohnt sind und jetzt von den Türken unterdrückt werden. 12 Der Papst sieht sie als Eigentum der Christen, die die Vertreibung der Türken rechtfertigen. Hierauf kommt Urban II. auf die Belohnung zu sprechen. Alle, die am Kreuzzug teilnehmen und dabei ihr Leben verlieren, erhalten die „remissio peccatorum“, 13 also die Vergebung der Sünden. Hagenmeyer bemerkt dazu, dass diese Aussicht allein für viele Leute ausschlaggebend war, am Kreuzzug teilzunehmen. 14 Am Ende seiner Rede fordert der Papst seine Zeitgenossen auf in den Kampf gegen die Ungläubigen zu ziehen. Sein Appell richtet sich an diejenigen, die bisher untereinander Krieg geführt haben. Den Wandel des Kriegszweckes offenbart Urban II. deutlich in folgenden
7 Vgl. Heinrich Hagenmeyer, Fulcheri Carnotensis. Historia Hierosolymitana, Heidelberg 1913,
S.1.
8 Im Folgenden beziehe ich mich auf: Recueil des Historiens des croisades. Historiens
occidentaux III, Paris 1879, S.323 f.
9 HDC III, S.323.
10 HDC III, S.324.
11 HDC III, S.324.
12 Vgl. Hagenmeyer, Fulcheri Carnotensis, S.135.
13 HDC III, S.324.
14 Vgl. Hagenmeyer, Fulcheri Carnotensis, S.135.
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Arbeit zitieren:
Markus Friedrich, 2003, Neue Erkenntnisse in der Forschung zur Frage: Was ist eigentlich ein Kreuzzug?, München, GRIN Verlag GmbH
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