Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Alte und Neue Kriege. 4
2.1 Von der Symmetrie zur Asymmetrie. 4
2.2 Neue Kriege. 7
3 Krieg aus systemtheoretischer Perspektive 10
3.1 Kriegssysteme 10
3.2 Der amorphe Krieg. 13
4 Zusammenfassung 15
5 Literaturverzeichnis. 16
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1 Einleitung
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Krieges hat seit dem Ende des Ost-West Konflikts eine Vielzahl von Einschätzungen zur Entwicklung gewaltsamer Konflikte, Krisen und Kriege zum Ende des 20. Jahrhunderts hervorgebracht. Zugleich wurde häufig versucht anhand dieser Beobachtungen Prognosen für die zukünftige Analyse und Betrachtung gewaltsamer Konflikte abzuleiten. Dabei spielt neben eher klassischen politikwissenschaftlichen Kriegstheorien auch die soziologische Perspektive der Entwicklung von Kriegen, ihren Ursachen sowie ihrer sozialen Funktion, sofern vorhanden, eine wichtige Rolle.
Doch wo liegen die Unterschiede zwischen klassischen Konflikten und den „neuen Kriegen“, wie Münkler sie bezeichnet? Und wie lassen sich diese theoretisch fassen? Die vorliegende Arbeit möchte versuchen auf diese Fragen zu antworten, indem Sie zunächst die wesentlichen Unterschiede zwischen den klassischen zwischenstaatlichen Konflikten unter den symmetrischen Bedingungen der Vergangenheit und den so genannten „Neuen Kriegen“, die in einem Umfeld von Asymmetrien vorwiegend am Rande der Wohlstandszonen und in Ländern der dritten Welt von zahlreichen staatlichen und parastaatlichen Akteuren geführt werden, kurz skizziert, um anschließend mit dem theoretischen Rahmen der Systemtheorie die Erscheinungsweisen moderner gewaltsamer Auseinandersetzungen zu untersuchen.
In diesem Zusammenhang soll in die wesentlichen Eigenschaften und Definitionskriterien der Kriegssysteme eingeführt werden um anschließend die besondere Form des von Matuszek formulierten amorphen Krieges zu beleuchten.
In der abschließenden Zusammenfassung sollen dann die zentralen Ergebnisse der Arbeit zusammengeführt und auf ihrer Basis ein Ausblick in die Zukunft gewaltsamer Konflikte versucht werden.
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2 Alte und Neue Kriege
In diesem Teil der Arbeit soll kurz auf die wesentlichen Unterschiede zwischen den klassischen und den neuen Kriegen eingegangen werden. Ausgehend von einer kurzen Einführung in die Merkmale der Symmetrie und Asymmetrie von Konflikten sollen im Anschluss die wesentlichen Charakteristika der „Neuen Kriege“ herausgearbeitet werden.
2.1 Von der Symmetrie zur Asymmetrie
Die europäische Geschichte hat in ihrem Verlauf eine Vielzahl an Konflikten produziert, die in ihrer Ausgestaltung einen hohen Grad an Verrechtlichungen erreicht und in Form des klassischen Staatenkrieges zu einer einzigartigen Ausdifferenzierung der Kriegsführung geführt hat. Die Haager Landkriegsordnung, das Völkerrecht, die Genfer Konvention oder das Gewaltmonopol souveräner Staaten haben dazu geführt, dass der klassische Staatenkrieg Europas seit dem Westfälischen Frieden bis zum Ende des Ost-West-Konflikts zunehmend reglementiert und somit in seinen Auswirkungen begrenzt wurde.
Wichtigstes Merkmal und Vorraussetzung für die Stabilität dieser klassischen Kriege ist laut Münkler die Symmetrie, also eine Gleichartigkeit der zur Verfügung stehenden Mittel der beiden Kriegsparteien. „Symmetrie bedeutet demnach, dass beide Seiten das zum Kampf aufgebotene Personal in gleicher Weise rekrutieren, in gleicher Weise bewaffnen und schließlich noch in gleicher Weise ausbilden.“ (Münkler 2006, S. 60-61) Einfaches Beispiel hierfür ist das klassische Duell zweier Jagdflieger. Wichtig ist dabei vor allem die Gleichartigkeit der zur Verfügung stehenden Mittel, und nicht wie häufig angenommen die zahlenmäßige Parität. Als Konsequenz war das Ziel europäischer Staaten die Aufrechterhaltung der Symmetrie im Vergleich zu etwaigen Konkurrenten. Hierzu bedarf es allerdings starker Anreizsysteme, die dafür sorgen, dass die Vorteile einer Asymmetrie nicht in den Vordergrund rücken. So wäre eine kräftemäßig schwächere oder technologisch unterlegene Konfliktpartei in einer asymmetrischen Konstellationen in der Lage die internalisierten Regeln zu brechen, unkonventionelle Strategien zu nutzen oder gar neue Formen der Kriegsführung zu entwickeln, um diesen Nachteil der Asymmetrie auszugleichen. Die wichtigsten Faktoren zur Verhinderung einer Asymmetrierung bilden dabei die Bindung des Politischen an die Territorialität und somit die gleiche Verwundbarkeit der jeweiligen Staaten als „Garant politischer Rationalität“. (ebd., S. 64) Staaten als Akteure in einem solchen auf Symmetrie fokussierten System erreichen eine Resymmetrierung der Kräfteverhältnisse einerseits durch die Aufrechterhaltung der gleichartigen technischen Ausstattung, was im Verlauf der Geschichte zu zahlreichen Wettrüsten führte. Anderseits erfordert das westfälische System die Überwachung und
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Beobachtung durch Dritte sowie die Annahme der ausreichenden Regelinternalisierung seitens der möglichen Konfliktparteien. Zentrale Richtlinien bilden in diesem Zusammenhang die bereits genanten Regime wie das Kriegsvölkerrecht oder später auch die Charta der Vereinten Nationen. Das staatliche Gewaltmonopol sowie die gegenseitige Anerkennung als souveräne Einheiten sind ebenfalls notwendige Vorrausetzungen für die Stabilität des westfälischen Systems: „Wahrscheinlich sind nur solche Kriegskonstellationen klar zu verrechtlichen, die ein gewisses Maß an Symmetrie aufweisen: Die Konfliktparteien müssen sich als gleiche wahrnehmen, um sich gegenseitig anzuerkennen.“ (ebd. S. 63) Das Gleichgewichtsprinzip westfälischer Prägung gewann seine Stabilität somit einerseits aus dem Symmetriebestrebungen der einzelnen Staaten, der Anerkennung des Kriegsvölkerrechts sowie durch die Möglichkeit eventuelle Kräfteungleichgewichte mit Hilfe von Bündnissen zu kompensieren, was wiederum Schwächere davon abhielt ihr Heil in einer Asymmetrierung zu suchen. Ein gutes Beispiel für diese Bedingungen im europäischen politischen System wäre Bismarcks Bündnispolitik vor dem Ersten Weltkrieg. „Die Geschichte des klassischen Krieges in Europa vom Westfälischen Frieden bis zum Ersten Weltkrieg, in mancher Sicht sogar bis zum Ende des Ost-West-Konflikts, ist eine unausgesetzte Abfolge der Wiederherstellung symmetrischer Konstellationen, nachdem diese sich durch politische oder technologische Innovationen aufgelöst hatten.“ Der klassische Staatenkrieg ist dabei Ausdruck dieser Resymmetrierung. (ebd. S. 61-62)
Demgegenüber steht der Begriff der Asymmetrie, der gerade im Kontext moderner Konflikte eine wichtige Rolle spielt. So hat die ständige Resymmetrierung der europäischen Staaten langfristig zu einer Asymmetrie, zunächst zwischen Europäern und ihren Kolonien und später zwischen den USA und dem Rest der Welt, geführt. Während also Europa und später die USA mit einer andauernden Resymmetrierung der Verhältnisse beschäftigt war, ergab sich eine deutliche Asymmetrie der Mittel im Vergleich zum Rest der Welt (ebd. S. 63) Diese Asymmetrie ist heutzutage eines der prägenden Elemente der so genannten neuen Kriege, die sich in ihrer Form fundamental von den klassischen zwischenstaatlichen Kriegen unterscheiden. So entstehen Asymmetrien laut Münkler dadurch, „dass eine Seite durch permanente militärorganisatorische und waffentechnische Innovationen gegenüber ihren Kontrahenten einen Vorsprung gewinnt, den diese innerhalb eines politisch relevanten Zeitraums nicht mehr wettmachen kann.“ (ebd., S. 65) Und weiter heißt es: „Solche Asymmetrien beruhen in der Regel darauf, dass die technologisch überlegene Seite den Kampf über Distanzen führen kann, bei denen die unterlegene Seite in eine Position tendenzieller Wehrlosigkeit gedrängt wird.“ (ebd., S. 65) Ein nahe liegendes Beispiel für eine
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Arbeit zitieren:
Florian Meyer, 2008, Die Neuen Kriege, München, GRIN Verlag GmbH
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