Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme
Kemp, Peter Heinrich, Auf den Weg nach Europa.
Lektorat: August Heim, Les Boz, 01560 ST-Nizier Bochoux, France
2. verbesserte Aufl.- München, Ravensburg: GRIN-Verlag, 2009/11
Das Symbol auf der Titelseite ist ein Han-chinesisches Schriftzeichen für »Auf den Weg«. Es kann nach dem Dào* im Prinzip nach Bewegung und All umfassendes Prinzip des Kosmos umschrieben werden. Das Zeichen symbolisiert Grundsätze der Wandlungen im menschlichen Wesen (Worte im Buch mit * gekennzeichnet, werden im Glossar erklärt).
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Auf den Weg nach Europa. Eine Rückschau auf Kalmücken/Kschatriya Asiens im Zweiten Weltkrieg. Eine Gruppe Tibetaner in SS-Uniformen haben in einem Berliner Keller angeblich rituellen Selbstmord begangen. Sicher wäre das nicht verwunderlich, denn für Heinrich Himmler, gelten gewaltbereite bön-tibetanische Buddhisten, Kshatriya-Kämpfer als kriegstüchtig. Er schickte 1939 eine Expedition in den Himalaya, die nach Wurzeln der Kämpfer suchen sollte. Es stellt sich die berechtigte Frage, ob diese Erkenntnisse es lohnenswert machen, ein neues Buch zum NS-Mythos zu kaufen. Ja, Millionen Soldaten aus Afrika, Asien und Ozeanien haben im Zweiten Weltkrige gekämpft und rund 30 Millionen Tote gefordert. Sowohl die faschistische Achse als auch die Allierten rekrutierten Hilfstruppen und Zwangsarbeiter. Weite Teile der Welt dienten als Schlachtfelder und blieben nach Kriegsende verwüstet und ausgeblutet zurück: Als »Drittes Welt-Land«. Es sind Techné-Faszination und Mythen, die in Tibet für das NS-System einbezogen wurden. Im NS-System folgten Millionen Menschen »ihrem Führer« in den Vernichtungskrieg gegen den asiatischen Geier und Bolschewismus. Welche Gründe gab es, Hitler blind in die Sackgasse nachzufolgen? Waren es technische Heldentaten oder magische Bezüge wie Erdkräfte, die Deutschland durchziehen, Geldgeschäfte, Gewalt, die an Schwachen ausgeübt wurde? Wer trug in welcher Form an was Schuld/Mitschuld? Die Waffen-SS galt als größte Vielvölkerarmee der Welt, im Sinne der »Drei Farben, eine Fahne, ein Reich« (im Sinne Vichy-Frankreich: Trois couleurs, un drapeau, un empire). Wir können davon ausgehen, dass das NS-System ohne Eliten von Muslimen (Palästinenser, Araber), hinduistischen Indern und Tirailleur Sénegalais, christlich-orthodoxe Kosaken und bön-buddhistischen Kalmücken (Kshatriya-Kämpfer), nicht Bestehen gekonnt hätte. Für die zwei Millionen Freiwilligen gab es handfeste Gründe zusammen mit den europäischen Faschisten und japanischen Großmachtwahn zu kämpfen. Die Kalmücken hatten antikommunistische reformerische Ziele, Ukrainer und Kaukasier sowie baltische Völker, antikommunistische Unabhängigkeits-Bestreben, Inder/Araber/Schwarz-Afrikaner (People of Color) ihren Kampf gegen Kolonialmächte; Kroaten, Slowenen einen gegen die hegemoniale Nation. Der Zweite Weltkrieg begannen in der Dritten Welt, das Ende 1945 wird als Anfang des Angriffs der Dritten auf die Erste Welt betrachtet. Wir beobachten, wie sich die Neuen Mächte anschicken Europa und Nordamerika zu überholen. So berechtigt und notwendig alle Fragen nach Dissidenten, Minderheiten, Zensur, inhaftierten und exilierten Kritiker auch sind, so verständlich ist chinesischer Ärger über europäische Ignoranz und Überheblichkeit. Der Aufstieg der Asiaten ist ein Angriff auf den Wertekanon des Westens, der nicht mehr das Deutungs-und Erklärungsmonopol dieser Welt hat. Das asiatische Jahrhundert, der Aufstieg der BRICK-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Brückenland Kasachstan), hat begonnen.
Peter Heinrich Kemp, aus Meisenheim/Glan, Beruf Retuscheur, studierte chemische Verfahrenstechnik an der FH-Aachen-Jülich, Chemie-Physische-Anthropo-Geographie an der FU Berlin (Dr. rer. nat.), war im Zeitungswesen tätig, in Landes-/Bundesministerien in forensischer Toxikologie (LKA/BMU/BMI), Dozent im Umweltstrafrecht, im Konflikt-Transformations-Katastrophen-Schutz, der Nuklearen Nachsorge, erstellte Modelle zur Aufklärung der Bodenversalzung, arbeitete an Fragen zum Bhotiya-Schamanismus und Einsatz der Soldaten aus der Dritten Welt (Asien) im II.Weltkrieg (COPRET, CH); International Alert, IA (GB); Bucherveröffentlichungen: »The Changing Himalayan Landscape in West Nepal«; »Calcium- Carbonat-Gips-Bildungenin Sebkhas«; »Meisenheimer Jugend«, Eindrücke aus Saar-Lor-Lux; »Singende Sande«, Afrikanische Impressionen, Reisen im Maghreb, der Sahara, den Sudanländern; »Reise zum heiligen Berg Kailash in Tibet«, Widerständler, verbotene Zonen, unbekannte Religionen; »Auf den Weg« nach Europa (1. Aufl. 07/2009).
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On the Way to Europe: The Third Word in World War II. The extent to which confirmed that Tibetans in German uniforms of Red Army soldiers in a Berlin cellar have been found, the ritual had committed suicide? Certainly this would not be surprising, because for Heinrich Himmler, there are violent Bön Tibetan Buddhists and Kshatriya fighters. In a unique application the study of the role of esoteric and occult influence in politics of Nazi Third Reich, Peter H. Kemp explores the paradox inherent in the German fascist’s rejection and rationalism of the Enlightenment while fully embracing technology (Techné) between Dào in Asia and Europe (meaning a banquet Eranos which has met annually in Switzerland since 1933). He documents evidence of influents cultural tradition from »fascism-Buddhism« in the SS Schutzstaffel (the form of leadership, Kshatriya were warriors, Members of the caste were responsible defending Indian and Tibet-society and also in the Altai-Mountain in Russia - Oirate, called Kalmyken) he calls »reactionary modernism« found in the writings of German engineers and of the major intellectuals. The book shows how German nationalism and later National Socialism created what Joseph Goebbels, Hitler’s propaganda minister, called the »steel-fabric-auto-route like romanticism of the twentieth century’«. By associating technology with the German, rather than the Jews, with beautiful form rather than the formlessness of the market, and with a strong state rather than a predominance of economic values any institutions, these right-wing intellectuals reconciled Germany’s strength with its romantic soul and national identity after second War. Sur le chemin à l’Europe: Le Tiers-Monde pendant la Seconde Guerre Mondiale. Un groupe de Tibétains vêtus de l'uniforme SS se sont suicidés dans une cave à Berlin. Dans quelle mesure la rumeur de cette découverte faite par des membres de l'Armée Rouge se confirme-t-elle? Ce ne serait guère surprenant puisque pour Himmler, les bouddhistes bön tibétains et les guerriers Kshatriya sont prêts à toute forme de violence. En 1939, il a envoyé une expédition dans l'Himalaya pour chercher des »traces du passé«. Le livre pose la question suivante: pourquoi le système national-socialiste a-t-il réussi, malgré sa vision d'un monde pseudo-germanique, a attirer cette élite tibétaine? Etait-ce la fascination que le »Führer« exerçait sur son peuple? Pour quelles raisons accompagnèrent-ils aveuglément Hitler dans sa guerre de destruction? Qu'est ce qui les motivait? Etaient-ce les relations aux choses invisibles et magiques, l'argent ou la violence exercée sur les faibles? Des volontaires Kshatriya furent enrôlés dans la SS et la Wehrmacht. Etait-ce la fascination du mal qui guidait les Kalmuks bön-bouddhistes du général Wlassow et son »ordre noir«?
Malgré ses aspects destructeurs, la technique s'est emparée du monde. L'Occident, c'est-à-dire l'Union Européenne et l'Amérique du Nord, va perdre sa position dominante au profit des pays émergents.
Dans la dernière partie du livre, l'auteur aborde des points d'actualité tels que les conflits engendrés par les catastrophes climatiques. Les formes de gouvernement sont différentes aujourd'hui mais on retrouve des similitudes avec les années fascistes, entre autres le monumentalisme technique. Les réalisations suivantes exercent une fascination certaine: le mur de l'Atlantique et ses bunkers, les autoroutes, le projet Manhattan et le développement de la bombe atomique, le syndrome de la mer d'Aral, le »barrage- des -trois- gorges«. L'auteur parle aussi de l'histoire sociale et globale de l'humanité avec ses procès du progrès, ses risques pour la sécurité individuelle et collective liés à la raréfaction de »l'or bleu«.
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Inhalt
VORWORT 7
EINLEITUNG 9
ERSTER TEIL: MENTALITÄTEN 27
1 BÜRGERTUM, REICH DES GEISTES. 27
2 DEUTSCHE UND POLNISCHE LANDE 62
ZWEITER TEIL: NS-DEUTSCHLAND. 84
3 PARALLELE WELTEN. 84
4 ORIENTIERUNG 100
5 SCHWARZER ORDEN 141
DRITTER TEIL: SHAMBHALA-MYTHEN 171
6 KALMÜCKEN (OIRATE) 171
VÖLKERBRÜCKE BERLIN - ALTAI-GEBIRGE 171
RUSSISCHE BEFREIUNGSARMEE - ROA 173
7 DEUTSCHLAND TIBET 186
TIBETEXPEDITION 187
ERGEBNISSE AUS DEM SCHNEEHOCHLAND 192
VIERTER TEIL: MELANCHOLIE 219
8 TECHNIK. 219
MIND CONTROL 222
AUFR ÜSTUNGSPROGRAMME 235
BLITZKRIEGSPHASE. 236
RUSSLANDFELDZUG. 239
WIRTSCHAFTLICHE /TECHNISCHE ASPEKTE. 244
GRUNDLAGEN VORHABEN 250
9 KRISENHAFT ERFAHRENE LEBENSSITUATIONEN WERNER BEUMELBURGS 262
F ÜNFTER TEIL: WELTENHERRSCHER. 283
10 FEELING-GOOD-FÜHRER SYSTEM 283
ADOLF HITLER 283
VORFINANZIERUNG HITLERS 299
KORUPTION /KONTRIBUTION 318
RAUBMORD. 321
SPAREN UND VERTRAUEN 330
MOBILIT ÄT 334
NACH 1945. 336
11 DU IDIOT. NIEMAND WILL DIE WAHRHEIT WISSEN 345
SECHSTER TEIL: ANGST VOR EINEM NEUEN FLÄCHENBRAND. 371
12 UNABSEHBARE INTERNATIONALE KETTENREAKTIONEN 371
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VR CHINA UND REPUBLIK CHINA 372
KOEXISTENZ 377
KONFLIKTE 380
TIBETER IN INDIEN 399
KLEINTIBET (LADAKH) 407
NEPAL 407
AKSAI CHIN 408
ARUNACHAL PRADESH/ANDRA PRADESH(INDIEN) 408
BUNDESSTAAT ORISSA/INDIEN 410
SINKIANG 414
VIETNAM 415
SPRATLY (NANSHA) UND PARACEL (XISHA) 416
BHUTAN. 417
13 YOUTH BULGES OKZIDENTALISMUS 418
GLOSSAR 437
FILME 548
ZEITUNGEN - BELEGE - VERBINDUNGEN 549
LITERATUR 551
INDEX-/NAMENSVERZEICHNIS 587
Die Grenzlinie zwischen wissenschaftlich und nichtwissenschaftlich orientierter Literatur lässt sich hinsichtlich des Themas - Bön-Buddhismus in der Dritten Welt des Zweiten Weltkriegs, die im Dienst des Schwarzen Ordens kämpften - sehr viel weniger als gemeinhin bestimmen. Bei dem umfangreichen Thema kann ich nicht ausschließen, irrtümlich Wikipedia-Literaturstellen geklaut, verwendet, ohne sie ordentlich zitiert zu haben (das erwähne ich mehr aus Vorsorge; zu diesem Thema gab es wenig im Internet - bis jetzt). Ich hoffe den Autoren im Internet, in den Büchern und Zeitungen gerecht geworden zu sein und sie und ihre Gedanken als Literaturhinweis ausreichend kenntlich gemacht zu haben. Das Werk entwickelte sich als »Kulturwissenschaftlicher« Beitrag mit autobiographischen Zügen verschiedener Dekadenerzählt zum »gewaltbereiten Buddhismus«, im Sinne von »mediating structures«.
Der Autor dankt an dieser Stelle all jenen, die ihm an diesem Werk auf ihre Weise behilflich waren, besonders Kenchi, Physiker aus Harvard (Universität Cambridge, Massachusetts, USA) und Offizier einer letzten versprengten Einheit in der Dritten Welt, »National Volunteer Defensive Army Tibets«, die es offiziell nicht gibt. Dr. Jochen Lohmeier, Cape Town (Südafrika) begrüsst die Auseinandersetzung mit diesem verschwiegenen Thema: Für ihn ist es an der Zeit letzte Tabus in der Geschichtsschreibung der Dritten Welt und des Zweiten Weltkrieges zu überwinden und der europäischen Öffentlichkeit die koloniale Matrix der Geschichte darzustellen. Es ist nach ihm auch an der Zeit, Widerstandshelden und Nazi-Opfer mit Kollaborateuren zu vereinen. Dr. Friedrich Löper, IGC, Inter-Governmental Consultations on Asylum, Refugee and Migration Policies in Europe, North America and Australia, in Genf - danke ich für die Diskussion »Asien versus westliche Welt« und »Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg«. Für »Den erzwungenen Weg der Dritten Welt im Zweiten Weltkrieg« erhielt der Autor ferner Unterstützung durch den Historiker, Schriftsteller und Gründer von AfricAvenir, Prof. Kum’a Ndumbe III. (Uni Lyon, Frankreich und Uni Yaoundé, Duala, Kamerun). Nach seinen Worten offenbart das vorliegende Werk, »weiße europäische« Mächte, welche in bestehende Gesellschaften der »People of Color« in der sog. Dritten Welt eindrangen und diese erneut zu »Native Informants« degradierten. Den Mitstreitern unter Birgit Morgenrath, Karl Rössel (Rheinisches JournalistInnenbüro Köln) und Eric van Grassdorff (AfricAvenir), sowie Günter Saathoff, (Stiftung Öffentliches Recht, Berlin) danke ich für wichtige Infos, auch für Richtigstellungen in der Ausstellung Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg (Kind auf der Treppe im zerstörten Nanjing befand sich in Shanghai). Ulricke Wilmes-Schmitz, Meisenheim/Glan, jetzt China Companion Bonn danke ich für die Erörterung und Sinnfindung des Dào-Zeichens, »Auf den Weg« nach Europa (ist als Symbol in der gedruckten Buchversion abgebildet).
Herzlich danke ich Alice Cherki (Paris), Wegbegleiterin/Biographin Frantz Fanon, die zur Verschleierung der Matrix kolonialer Ausbeutungsverhältnisse sprach und mir nach ihrem Vortrag in Berlin »Die Bedeutung des Zweiten Weltkrieges und »heutige Ereignisse« für Fanons Werk« zur erratischen Gewalt, Gedanken für dieses Buch beisteuerte (Cherki: Das harte Vorgehen der Polizei gegen Teilnehmer einer Anti-Nazi-Demo in Leipzig! Der Autor fügt ein Ereignis: Neue Bilder von Gewalt gegen Teilnehmer einer Anti-Nazi-Demonstration vom 9. Okt. 2009 hinzu; Quelle: Youtube im Tagesspiegel vom 12. Okt. 09). Den Mitstreitern von Swami Vivekananda aus der Ramakrishna-Mission in Kalkutta (Kalkota), dem Aschram Sri Aurobindo (Aurobindo Ghose) danke ich für elementare Ansätze der »Integralen Theorie« in Pondichéry, Mitglieder der Theosophical Society Adyar Madras (Chennai), dem Sozial-Anthropologen, Fürer-Haimendorf (1909-1995; Cambridge in England/Uni Hyderabad, Indien), für unermüdliche Hilfestellung in eine mir unbekannte Weltsicht, über »Morgendland-Fahrer« im 20. Jh. In diesem Zusammenhang
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danke ich der Britischen/in Hongkong ordinierten, charismatischen Buddhistin Jetsunma Tenzin Palmo, die mir wertvolle Beiträge für diese Arbeit gab. In der Klosterbibliothek Tsarang (Königreich Lo/NW-Nepal) verbrachte ich mit Schriften der Sakyapa-Auslegungen und Kopien im »NGMPP« Nepalese-German Manuskripte Cataloguing Projecting Nationalarchiv. Ich danke den Lamas der Bibliothek und Pemba Gyalten sowie S.H, dem buddhistischen Oberhaupt. Der Staabi Berlin, Ostasien-Abteilung, danke ich für ihre unbürokratische Hilfsbereitschaft. Zahlreiche Bibliothekare in den Archiven Berlin, Koblenz, Kathmandu, Potsdam (Militärgeschichtliches Forschungsamt, MGFA) und Strasbourg unterstützten und halfen mir aufopfernd, auch falsch eingeordnete Dokumente zu finden. In den Archiven lagert viel Material zum Schicksal der Soldaten/Kollaborateure aus der Dritten Welt, das auf seine Aufarbeitung wartet!
Ich bin dankbar für Hinweise des Strafrechtlers Christiaan F. Rüter der Uni Amsterdam, der auch für die Ludwigsburger »Zentralstelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen« tätig ist. Prof. Volker Zotz, Landau, ehem. Lehrstuhlinhaber für Philosophie in Luxemburg, danke ich für unschätzbare Hinweise im Buddhismus der NS-Zeit. Rolf Beumelburg in Auckland (New Zealand) und Richard Ochs (Mittelmosel-Museum, Casinostraße, Traben-Trarbach) danke ich für Gespräche über das Leben Beumelburgs. Den »Alten Herren« der Europa-Burschenschaft Arminia Zürich zu Heidelberg (EBA) Herrn Gerd Zikeli, danke ich für die Infos über Geldgeschäfte im NS-Staat. Er wies mich u.a. zu dem in der Schweiz lebenden Recherchierjournalisten Shraga Elam aus Haifa, zum Bankhaus Genoud in Lausanne sowie zu Fraktionen verschiedener europäischer Dienste (Thule-Netzwerk in Deutschland; Nouvelle Droite in Frankreich).
Ich danke denjenigen, die nicht mehr unter uns sind: Werner Beumelburg (1899-1963) aus Traben-Trarbach/Mosel, der Alt-Islandwissenschaflerin, Ænne (1913-2007), dem Anthroposophen und Gründer des »Johannes-Kreises«, dem Physiker Bodo-Hamprecht, FU Berlin (1940-2005), dem bön-Buddhisten, Orientalisten unter Les Polaires, ehem. SS-Oberführer/Prof. Marquès-Rivière, Polgasduwa, Island Hermitage, Dodaduwa 80250 Sri Lanka (1963-2000), dem Physiker und Wasserstoffbomben-Bauer, Prof. Edward Teller (1908-2003).
Muriel (Village-Neuf, Mulhouse) und Hellene (Belfort) übersetzten die einführenden Worte in die französische Sprache, Peter Köhler, LKA Berlin (Wissenschaftlicher-Technischer Dienst), erstellte die Konkordanzdatei, Uwe Groebel, Hörgeräte-Akustikmeister in Ludwigsburg überprüfte die Frequenzen der »Singenden Sande« in den Dünen von Paryang (Tsangpo/Tibet), die Elektroenzephalogramm-(EEG)-Messungen/Auswertungen der »Zen-Brain-Reflections« unterstützten James H. Austin und seine Arbeitsgruppe, Uni Adelaide, Australien - allen sei gedankt.
Meiner Walking-Partnerin, der ich in zig-Runden um einen Berliner See von dem Stand in meinem Buchprojekt berichtete und in ihr eine geduldige Zuhörerin fand, danke ich fürs Zuhören. Mit großem Vergnügen danke ich meiner Hausgemeinschaft in Berlin-Steglitz. Sie ertrugen bei den Malzeiten meine »ewigen und immer wieder vorgetragenen« Zwischenberichte und versahen sie mit konstruktiven Kommentaren. In den drei Jahren verkrafteten sie mich nicht nur am PC, sondern gaben mir Ansporn zur Weiterarbeit an vorliegendem Opus. Das Werk wurde zunächst von den meisten Verlagen abgelehnt. So hoffe ich denn, dass das nun Vorliegende im GRIN-Verlag für eine Weile das bleibt, als was es bisher an Aufmerksamkeit und Anerkennung gefunden hat.
Vorliegende Arbeit überarbeitete der Autor bereits nach drei Monaten. Das Werk versteht sich als künstlerischer Beitrag, für »Künstler der Region« in seiner Heimat Meisenheim/Glan, im »Gürtel der Banane« ― Elsass-Saar-Lor-Lux (so kürzlich seine Erklärung in der rheinland-pfälzischen Landesvertretung »In den Ministergärten« Berlins).
Königreich Lo (Nepal), Bandiagara (Mali), Berlin und Meisenheim,
November 2009. P. H. Kemp
Unkenntnis und Missverständnisse prägen das wechselseitige Bild von China und dem Abendland. Auch als der Austausch von Ideen und Luxusartikeln spürbar zunahm, blieb das Wissen voneinander gering. Ich möchte daher Ihre Aufmerksamkeit »Auf den Weg« in diesen Teil der Welt lenken, der für unsere Art von Leben nahezu ideal ist: Nicht zu kalt oder zu warm, mit lichtdurchfluteten Augenblicken, mit herrlichen, heißen und kalten Quellen. Ein Stückchen Erde am Tsangpo, dem späteren Brahmaputra, in unmittelbarer Nähe zum kostbarsten Juwel, dem heiligen Kailash - als Zentrum dieses gemächlich rotierenden, grünblauen, goldenen Prachtstücks eines Planeten. Wir können das als die irdische Verkörperung des mythischen Berges Meru und damit Zentrum des kosmischen und irdischen Mandalas auffassen. Satellitenaufnahmen des Tarim-Beckens mit der Taklamakan-Wüste und Gobi zeigen Kälte-und Hitze-Zonen in unendlicher Ausdehnung, der die Hauptstadt Peking mit dem »Sandflow« beglückt. Kalkuttas Slums, Hunger und quälendes Elend wühlen uns auf. Wenn wir Vergleiche mit anderen Planeten anstellen, können wir feststellen, dass wirkliche und geistige Landschaften paradiesisch sindvergleiche mit einem anderen Planeten kennen wir nicht. Wir nehmen wohl an, dass es in den vielen Universen (Multiversen) auch lebensfreundliche Planeten gibt. 1 Sicher, dieser Fall ist nicht unwahrscheinlich, dass ein Raumschiff mit in Kälteschlaf versetzten Raumfahrern, durch Zufall einen lebensfreundlichen Planeten antreffen wird. Wir haben Hunderte von Millionen Jahre geschlafen, sind langsam aufgewacht und fangen an nach und nach unsere Welt zu begreifen - was uns erstaunen lässt. Wir haben die Möglichkeit, zu verstehen - zu sehen, bevor wir unsere Augen schließen.
Zusammen mit tibetanischen Soldaten der Freiheitsbewegung (Khampas, Kshatriya* genannt) und einem ihrer Offiziere 2 räkeln wir uns um die Glut des ausgehenden Yakfeuers, schlürfen salzigen Buttertee, quatschen über den Zweiten Weltkrieg in Asien. Bis 1945 leisteten Millionen Soldaten aus der Dritten Welt für die Achsenmächte freiwillig oder zwangsrekrutiert Militär- und Arbeitsdienste, die keine auch nur entfernten deutschen, italienischen oder japanischen Wurzeln besaßen. 3 Die Existenz und das Schicksal der bön-buddhistischen Reiternomaden der Kalmücken sind weitgehend ungeklärt. Kalmücken, Oirate und Skythen werden sie bezeichnet, die bereits im 1. Jahrtausend vor Chr. im eurasischen Steppengürtel nördl. des Schwarzen Meeres lebten, in Gebieten des Altai-Gebirges und heutigen Südrussland sowie in der Ukraine bis zum Dnepr ansässig waren. Über die Bereitschaft zum Kampf zusammen mit den Deutschen: »Ausländische
1 Edgar Mitschel, Apollo-Astronaut, ist einer der Menschen, der die Mondoberfläche betrat, sagte zur Schönheit der Universen, Schönheit der Erde in einem Interview mit Exopolitik-Koordinator R. Fleicher: »Natürlich ist es nicht richtig alles einfach so hinzunehmen, und in einem Punkt muss ich Euch wirklich recht geben, ich halte es nicht für unwahrascheinlich, dass außerirdisches Leben existiert denn in dem riesigen Universum in dem wir leben wird es bestimmt noch andere Planeten geben auf denen Leben möglich ist« ( 23. April 2008).
2 Offizier der »National Volunteer Defensive Army Tibet«, NVDA.
3 Neulen, An deutscher Seite. Intern. Freiwillige von Wehrmacht u Waffen-SS. München 1985; Gosztony, Hitlers Fremde Heere. Das Schicksal der nichtdeutschen Armeen im Ostfeldzug. Düsseldorf-Wien 1976; Littlejohn, The Patriots Traitors. A History of Collobaration in German Occupied Europe 1940-1945. London 1972.
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Truppen der Achse«,* spielten unterschiedliche Motive eine Rolle und es gab handfeste Gründe. 4 Die Kalmücken hatten antikommunistische reformerische Ziele, Ukrainer und Kaukasier sowie baltische Völker, antikommunistische Unabhängigkeitsbestreben. Inder, Araber 5 und Schwarzafrikaner 6 (ab 1942) führten einen Kampf gegen die Kolonialmächte; Kroaten, Slowenen einen Kampf gegen die hegemoniale Nation. Für eine große Anzahl gefangener Rotarmisten der Sowjetunion ging es vor allem darum, dem Alptraum deutscher Gefangenenlager zu entrinnen. Von 5,7 Millionen sowjetischen Gefangenen starben 3,3 Millionen. Während baltische Gruppen der Gefangenen »Patriotismus« und »Antikommunismus« als Motive angaben, in den Schwarzen Orden einzutreten, gaben 40% von freiwilligen Belgiern, Dänen, Holländer, Franzosenpolitische Überzeugung als Grund an, sich der Wehrmacht oder Waffen-SS anzuschließen, 24% Abenteuerlust, 12,5% Flucht vor Problemen, 11% Sympathie für die Deutschen und 6% Arbeitslosigkeit. 7
Mir liegt das Schicksal der bön-buddhistischen Kalmücken (ROA, Kalmücken-Kavallerie-Korps, Kalmücken-Legion und Kalmückenverbände = Kschatrija) am Herzen und ich versuche »divaitisch, shivaistische = zerstörerische Gewaltbereitschaft« im Buddhismus anzusprechen. Zum Zeitpunkt der Gründung der ROA hatte sie eine Truppenstärke von 50.000, am Ende des Zweiten Weltkriegs über 320.000 Mann. Dabei sind dem übergelaufenen sowjetischen General Wlassow (Vlasov), mehrere sowjetischen Generäle und dem deutschen Generalleutnant von Helmuth von Pankwitz mehrere nationale Formationen unterstellt gewesen. Die ROA-Bewegung war erfolgreich im Kampf, krankte aber an tragischer Schizophrenie, nämlich an der Unvereinbarkeit ihrer nicht-nazistischen Bestrebungen und der Tatsache der Kollaboration mit dem NS-System.
Seien sie ehrlich, nur wenigen von Ihnen sind diese Oiratische Truppenbewegungen im asiatischen Raum zusammen mit mongolischen Reiterscharen bis nach Westeuropa, des heutigen Österreich und Polen unbekannt. Der Skythen-Grabfund von Vettersfelde, etwa 100 Kilometer vor Berlin, Vorfahren der Kalmücken, weist auf die hochmobile Lebens- und Wirtschaftsweise und neuartige Kampfweise mit berittenen Bogenschützen sowie eigene Kunstform des früheisenzeitlichen Reiternomadentum hin (sagenhafter Tierstil in Gold geprägt symbolisiert übernatürliche Kraft, der die Kämpfer sich anvertrauten). Natürlich birgt jede Definition gemeinsamer Merkmale gewisse Gefahren, da es zwischen einzelnen Bewegungen nur eine entfernte Verwandtschaft gibt. Ihnen
4 Um das Weltgeschehen besser zu verstehen, sollten wir den Eurozentrismus überwinden, denn bereits vor dem europäischen Kriegsbeginn brannte in Afrika seit 1935 ein internationaler Krieg um Äthiopien, der vielleicht bereits zur Niederlage der italienischen Truppen 1941 beitrug. 1937 begann der japanische Angriff auf China, er kostete mehr Menschen das Leben, als auf dem Gebiet aller drei Achsenmächte Japan, Deutschland und Italien zusammen. Bei der Befreiung Manilas von den japanischen Besatzern starben mehr Zivilisten als vergleichsweise in Berlin und Dresden insgesamt. Natürlich können wir nicht sagen, hinter dreidimensionalem Stadium steckt Schöpfung, deren Bedeutung Interpretation erfordert, nichts anderes als hermeneutisches Verstehen das den Verhaltensweisen des prognostischen Wissens in unserem Umfeld gleicht und es voraussetzt.
5 Im Nahen Osten betstanden faschistische Organisationen, darunter die »Syrische Volkspartei« (1932), das »Junge Ägypten«(1933), die »Irakische (1935) und Palätinensische Futuwwa« (1936) sowie die »Libanesische Falange« (1936), Rössel, u.a. 186, 2009.
6 Einige der schwarzafrikanischen Gefangenen ließen die Deutschen 1941 frei. Schwarzafrikaner unter Führung der Waffen-SS hatten die Aufgabe in Nord-Afrika und der Levante, Syrien/Libanon, den Vichy-Franzosen zu helfen, Aufstände niederschlagen sowie an der Seite der Faschisten die Résistance in Frankreich und im Maghreb bekämpfen.
7 H. W. Neulen, An deutscher Seite. Internationale Freiwillige von Wehrmacht u. Waffen-SS, 148, 383, 1985.
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dürfte auch vermutlich nicht bekannt sein, dass bereits vor 1939 Faschismustheorien 8 sowie Antisemitismus 9 und Hitlers Parole vom Kampf gegen plutokratischen Bolschewismus und der dem »Hitlerismus« verwandte »Stalinismus«, in der Dritten Welt und Europa wenig Resonanz fand - sowohl bei überzeugten Antifaschisten wie Faschisten. Die deutsche Führung fand begrenzten Anschluss ihrer Ideen in England, Frankreich, Asien, der arabischen Welt und nichtrussischen Völkern der Sowjetunion. Wie in der Tagespresse zu lesen war, pflegte die SS mit mehreren politischen Führern nicht-russischer Völker des Kaukasus, der arabischen Welt Kontakte und setzte schließlich ebenso Tirailleurs Sénégalais in das Kampfgeschehen ein. 10 und 11
Von Kenchi erfuhr ich Einzelheiten des Kschatrija-Truppeneinsatzes. Lange vor ihrem Einsatz (1925) hatte der Reichsführer SS Heinrich Himmler den Einsatz von »Kshatriya«* mit den Worten gefordert: »Kshatriya, das müssen wir sein, das ist die Rettung«. 12 So hoffte Himmler im Himalaya Hilfe für das »Ahnenerbe« und den Schwarzen Orden zu finden, er war überzeugt, in den bön-Buddhistischen »Kshatriya« beste Soldaten vorzufinden und dass sie den Ursprung der »Arier«* (Arya) darstellten. 1939 schickte Himmler zunächst die Schäfer-Expedition nach Tibet. Die konservative tibetische Regierung war vorsichtig und lud die Gruppe der NS-Regierung ein, während des Neujahrfestes (den Losarfeierlichkeiten) Tibet zu besuchen. Sie sollten nach Erscheinungen und Vorstellungen suchen, die jenseits unserer Lebensbedingungen in dem anderen
8 Gedankengut, das faschistischen Ideologien u den sie tragenden nationalistischen, kollektivistischen korporativen Strömungen u Bewegungen zugrundelag, entwickelte sich wesentl. vor dem 1. Weltkrieg u begann danach politisch zu greifen. Seit den 20er Jahre wurden parallel zum Aufstieg des ital. Faschismus zahlreiche unterschiedliche Interpret. u Theorien zum Wesen u Ursachen (soziologische, sozioökonomische, sozialpsychol. Schwerpunkte entwickelt. Frühe Ansätze betrachteten Ideologie u Politik Mussolini als best. Merkmal, vor allem die NSDAP wurde als extreme Form verstanden. Während beide Richtungen nur in Italien und Deutschland zu staatlicher Macht gelangte, hat er in den Jahren zwischen 1920-1940 auch in vielen anderen europäischen Ländern gesellschaftlich und politisch einflussreiche Bewegungen und Parteien hervorgebracht.
9 Antwort Schnädelbach auf einen Beitrag im Pfälzischen Pfarrerblatt 7-8/2005 zum Antisemitismus: »Der Antisemitismus kommt in der 2. Hälfte des 19. Jh. auf. Der so entstandene Antisemitismus hätte natürlich auch die Araber und weitere Völker betreffen müssen, bezog sich aber nur auf die Juden. Daran wird deutlich, was da-hinter steckte: Der alte christl. Antijudaismus in neuem, d.h. säkularisiertem Gewande. Der war bis ins 18. Jh. ausschließlich religiös motiviert gewesen, wenn er auch in Wahrheit immer auch soziale u ökonomische Spannungen artikuliert hatte. Nach der Aufklärung aber, im modernen 19. Jh. war jene religiöse Motivation unglaubwürdig geworden, ja sie drohte ganz zu entfallen, nachdem die Ghettos offen waren u sich viele Juden taufen ließen. So suchte sich die traditionelle Judenfeindschaft neue Kanäle u Gründe, unter denen im Zeitalter der Biologie als Führungswissenschaft sich das Rassenkonzept fast von selbst anbot. Verstärkt wurde diese Wendung durch die Ideologie des Sozialdarwinismus, die auf einer unhaltbaren Übertragung der Darwinschen Evolutionstheorie auf die geschichtliche Welt beruhte. Damit sind wir schon bei Chamberlain etc. ― Hitler, und um diese Geschichte zu verstehen, braucht man heute den deutschen Idealismus überhaupt nicht, auch wenn er von den völkischen u rassistischen Fanatikern hin u wieder mal zitiert wurde«. Prof. Dr. Herbert Schnädelbach, Auf den Wöörden 27, 22359 Hamburg, 2009.
10 Nezavisna Država Hrvatska, NDH: Sie stellte die bosnisch-muslimische SS-Division »Handschar« auf, die sie vom Großmufti von Jerusalem Armin al-Hussein ― der in den Irak geflohen war und als Führer der pro-deutschen irakischen Regierung vorstand, segnen ließ. Faschistische Ustascha-Verbände mit der Eliteeinheit Crna Legija, dem Kroatischen Innenministerium unterstellt, handelten im Sinne eines abhängigen Staates Kroatien. 11 In Osteuropa, Mittelasien und der Normandie erfolgte die Unterstützung Hitler-Deutschland durch bönbuddhistische, mongolische Oirate sowie durch Hindu-Nationalisten, kroatische Einheiten wurden direkt dem deutschen militärischen Kommando unterstellt. Im Frühjahr 1940 stieß die Wehrmacht bis zur Kanalküste vor. Zehntausende Schwarzafrikaner fielen ihnen in die Hände: Trotz unmittelbarer Unterzeichnung des Waffenstillstands und trotz ihrer erhobenen Arme wurden die Tirailleurs Sénégalais von deutschen Soldaten erschossen, Rössel u.a. 97, 2009. Sicher ist, dass nur sehr wenige Schwarzafrikanische KZ-Häftlinge und afrodeutsche Zwangssterilisierte für ihre Leiden entschädigt wurden.
12 Heinrich Himmler, Bundesarchiv Koblenz, Himmler N/L 126/9, Nr. 235.
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Kulturkreis anzutreffen waren. Deutsche Wissenschaftler erhofften sich Techné-Impulse. Esoterik und Techné* hatte Einfluss auf die Mythologie des nationalsozialistischen Kampfes. In dem Zusammenhang ist es interessant, dass in der Schweiz die Tagung »Eranos« 13 - stattfand. Auf dieser Tagung wurde die Begegnung zwischen Esoterik, Techné Asiens und dem Westen gepflegt - auf der sich vermutlich auch okkult-esoterische Wurzeln des Dritten Reiches aufbauten, die nach außen gerichtet blieben. Entscheidungsträger versuchten Esoterisches, Mythologie und NS-Politik in dem sich entwickelnden dreidimensionalen Gefüge zusammenzubringen. Nach Kenchi Ausführungen trat aufgrund des japanisch-deutschen Anti-Komintern-Pakts Deutschland für einen Kontakt nach Tibet ein. Die Idee entsprang der praktischen Notwendigkeit Verbündete zu finden. Nach Kenchis Aussagen suchte die Tibet-Expedition die Unterstützung der Meister von Shambhala die »Hüter geheimer psychischer Mächte« für die Sache des NS-Systems zu gewinnen. Es sollen danach »Hunderte« von Tibetern nach Deutschland gekommen sein, allerdings als Totenschädel für die Forschung im »Ahnenerbe«, die an der Reichsuniversität Strasbourg untersucht wurden. 14
Für mich war es aufschlussreich, dass Kenchi die Situation 1985 in Tibet mit der von 1945 verglich, denn für ihn und seine Mitkämpfer stellte sich die unterlegene Situation ähnlich katastrophal dar wie einst für die Kalmücken. Er beschreibt mir die Chancenlosigkeit der bönbuddhistischen Soldaten gegenüber den zahlenmäßig weit überlegenen han-Chinesischen Verbänden. Kenchi ergänzte, dass Kshatriya auch mehr Spielführer als Figuren sind. Kenchi hatte die Vorstellung, lieber 1000 Truppen als einen Zollbreit Boden zu verlieren. Das scheint in seinem Herzen wie im tibetanischen und im chinesischen Volk tief eingewurzelt zu sein, wie mir ein chinesischer Grenzsoldat anvertraute, der von der Existenz Kenchi wusste. Seine extrem traditionalistische, kriegerische Haltung, die, wenn auch in politisch unterschiedlich akzentuierter und modifizierter Form dem Konzept der VR China bezüglich der Frage der Wiedervereinigung Chinas zu Grunde liegt. Seit den 70er und 80er Jahren befinden sich die Beziehungen über die Taiwan-Straße auf zwischenstaatlicher Win-Win*―Verhandlungs-Ebene […], das mag das Spannungspotential in den tibetanisch-chinesisch-chinesischen Beziehungen verdeutlichen. 15 Wenn Kenchi von dem »Verrat der CIA« in den 70er Jahren an Tibet und von der Hinwendung der USA nach Peking im »Shanghaier Kommuniqué«* spricht ― dieser Wettstreit um das 1950 im Hochplateau Chang-Tang entdeckte Uran und die »Seltenen Elemente« im Periodensystem, verdeutlichen den Machtpoker zwischen USA und China. Und das nimmt keine überraschende Wendung. 16
13 Eranos-Tagungen fanden seit 1933 in Ascona (Schweiz) am Berg Monte Verital und an den Ufern des Lago Maggiore statt. Die Eranos-Tagungen wurden von Olga Froebe-Kapteyn als Begegnung östlicher und westlicher Religion, Geistigkeit und Techné durchgeführt. Die Eranus-Tagungen wurden berühmt hinsichtlich ihrer Diversität und ihrer Themen in Techné und Philosophie - Asien/Westen.
14 Auch andere asiatische gefangene Soldaten der Sowjets und schwarzafrikanische Soldaten mussten im späteren Verlauf des Krieges entwürdigende Vermessungen der Kopfform über sich ergehen lassen.
15 China verweigert den Tibetern heute jegliche Autonomie, es heizt damit den Widerstand an. Das kann sich aus einer peripheren Region des Riesenreiches - aber im Zentrum der Welt heraus - zu einer militärischen Eskalation, u.U. mit unabsehbaren internationalen Folgen entladen.
16 Kemp, Reise zum Berg Kailash. Politische Widerständler, verboten Zonen, unbekannte Religionen, 93, 2006: Sie fragen sich vielleicht, wer Kenchi ist? Er stammt aus einem tibetanischen Weiler in der Provinz Amdo, Ost-Tibet, war CIA-Stipendiat, Harvard-Absolvent (Physik) und ist inzwischen hochrangiger Offizier der NVDA in einem Khampa-
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1986, reiste ich als Tourist wieder zu ihnen nach Mustang. Dort lernte ich über Kenchi weitere Kshatriya-Kämpfer kennen, mit denen ich über den Korela La nach Zhongba am Tsangpo in Süd-Tibet auf einem Amdo-Kyang-Pferdchen folgte und mit denen ich weiter bis zum heiligen Berg Kailash auf einem LKW fuhr. Ich reiste als Rucksacktourist. 17 Diese Reise war neben meiner Sahara-Erfahrung eine der extremsten Touren in meinem Leben: Sie bedeutete Brüche mit dem »grauen Alltag«, mit unserer europäischen Vorstellung, wie Zusammenleben funktioniert. Ich erfuhr Dinge über unser Leben und natürlich politisches zu Tibet-China-China (Republik China, Taiwan).
Was den bön-Buddhismus betrifft, wird aus Unwissenheit übersehen, dass bei aller »Farbigkeit und allem schönen Traditionalismus« die »sehr starken feudalen Elementen, die hinter dem freundlichen Lächeln des Dalai Lama« stecken - die wirkliche Geschichte verschwindet, denn die verlief keineswegs so friedfertig und einheitsselig, wie westliche Buddhisten-Freunde sich das in Berlin oder Paris vorstellen. Ganz im Gegenteil, die bön-Buddhistische und Kshatriya-Geschichte war und ist eine endlose Abfolge brutaler Auseinandersetzungen unter den Stämmen in der Dritten Welt des Fernen Ostens, von Grabenkämpfen zwischen Sekten, die einander buchstäblich bis aufs Messer verfeindet sind, von Palastrevolten und Thronintrigen, und sie ist vor allem die Geschichte ausgebeuteter und unterdrückter Völker. Bei allem Respekt den Tibetern gegenüber (nicht nur den Anhängern des Dalai Lama) - konnten Han-Chinesen diese Auseinandersetzungen auf Kosten »einer gewissen Modernität« in Maßen befrieden. Der Vorwurf des Dalai Lama, in Tibet gebe es einen »kulturellen Genozid« ist meiner Einsicht nach sachlich falsch: S.H. ist trotz außerordentlicher Seriosität, kein Diplomat »als Führer aller Tibeter«. Er sollte als Religionsführer in Tibet sein und mit einem Formelkompromiss »allen« tibetanischen Buddhisten gegenüber China dienen, also allen Linien auch denen die Dorje Shugden als Schutzgottheit (Dharmabeschützer) verehren.
Zu den indischen Einheiten, die für NS kämpften, bemerkte Kenchi folgendes: Vor der indischen Unabhängigkeit 1937-39 gründete der gefeierte Chandra Bose, eine nationalistische Partei und forderte die Einrichtung einer »Indien National Army« (INA). Die Indian National Army Soldiers wurden auf den charismatischen »Netaji« Subhas Chantra Bose (1897-1945), der auch »König von Bengalen« genannt wurde (ähnlich wie viele mythologische Helden, Rama oder Krishna) auf Adolf Hitler vereidigt. Bei der INA können wir festhalten, dass der historische Hintergrund der Hindutva im indischen Subkontinent aus der unteren Kaste der Hindus, einschließlich der Dalits kam und ins 18./19. Jh. zurückreicht. 18 Es waren Angehörige der Hindu-Kaste, die der Diskriminierung und den Einschränkungen entkommen wollten. So war es auch mit historischen und zeitgenössischen Umwandlungen in den Buddhismus und das Christentum. Dabei taten sich protestantische Christen, die etablierte syrisch-orthodoxe Kirche im südlichen Bundesstaat Kerala und der Islam hervor, der sich im Norden Indiens ausbreitete. Inzwischen haben sich die
Magar* Mustang/Nepal unweit der Hauptstadt Lo Manthang. Kenchi wurde nach seinem USA-Aufenthalt in der Republik China (Taiwan) von »National-Revolutionären«* ausgebildet.
17 Kemp, 123ff., 2006.
18 Der Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft vor allem unter Mahatma Jawaharlal Nehru und der INA, führte 1947 zur Unabhängigkeit. Der Subkontinent bildete zwei Staaten, den säkularen (Hindu-)Staat Indien und den kleinen muslimischen Staat Pakistan. Nach zwei vorangegangenen Kriegen mit Pakistan führte ein dritter Krieg 1971 zur Abspaltung Ostpakistans und zur Gründung des Staates Bangladesch.
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Aktivitäten der evangelischen Christen und Umwandlungen unter den Dalit-und Stammes-Gruppen, sowie die Fortsetzung der kleinen Rinnsal Dalit-Gruppen in den Islam, allerdings den Zorn weitstehend extremer Rechter Flügel (Hindu-Fundamentalisten) zugezogen. 19 Nicht nur seit den schweren Unruhen der Jahre 1992 (Ayodya) und 2002 (Gujarat) wird der militante Hindu-Fundamentalismus (Nationalismus) von Beobachtern seit 1945 mit dem Begriff »Faschismus« belegt. 20
Wie bereits gesagt berichtete Kemchi mir unbekannte Dinge aus dem bön-buddhistischen Raum; er macht mich auf die Situation in Asien aufmerksam und bringt mir Europa, als das andere Ufer und Nordamerika aus asiatischer Seite näher. Und ich berichte ihm, dass neben Heinrich Himmler verschiedene Persönlichkeiten wie Houston Steward Chamberlain und Julius Langbehn sich in der NS dem sogenannten »Blauen Faschismus« 21 anschlossen. Ihre Weltfluchten gestatteten ihnen auf Denkmuster zurückzugreifen, die seit Jahrhunderten in Mythen der Dritten Welt (Asiens) sowie im japanischen Großmachtwahn verbreitet waren. Himmler und Gehlen gingen davon aus, dass die Lamas aus dem »Reich der Mitte« um ihren schöpferischen Reichtum wussten und dass es sich um Persönlichkeiten handelte, die auch Buddha vertreten konnten. Im Vergleich mit heute kommt mir das so vor, wie die widersprüchlichen Veröffentlichungen der US-Geheimdienste über das iranische Atomwaffenprogramm. Sensationell deutlich grenzt man sich darin von der zentralen Behauptung der US-Amerikanischen Regierung ab. Jedwedes Schönreden des Berichtes von Seiten der Entscheidungsträger kann die »Blamage Amerikas« nicht verdecken. Der US-Dollar verliere seine Rolle als stärkste Währung der Welt, das heute erst zutrifft. 22 Die Verwerfungen der weltweiten Finanzkrise können die wirtschaftlichen Verschiebungen beschleunigen, vor allem verdecken. Das Problem ist, dass die US-Amerikaner ihr Wirtschafts-Wachstum über die Auslandsverschuldung finanzierten. US-Amerikaner aber auch Europäer werden wieder lernen müssen, nicht mehr über ihre Verhältnisse zu leben.
Ganz sicher bin ich mir mit Kenchi: Was sich in der Dritten Welt des Fernosten aufbaute, wird im Westen schlichtweg unterschätzt und kleingeredet. Sicher gab es Ausnahmen, wie etwa die
19 Die Unsicherheit bei der freiwilligen Umwandlung hat die Weitergabe von Anti-Rechts-Umstellung im südlichen Bundesstaat Tamil Nadu und in dem westlichen Bundesstaat Gujarat, auch bei den Hindus, die nicht konvertierten, hervorgehoben. Anti-Rechts-Umstellung sind seit 1945 letzte Phänomene in Indien. Vor 1945 gab es in mehreren fürstlichen Staaten solche Gesetze nicht, wie z.B. die Apostasie Sarguja, die staatliche Akte, Udaipur dem staatlichen Anti-Conversion-Gesetz (1946). Erst nach der Unabhängigkeit Indiens versah der »indische Kongress« die indischen Staaten mit ähnlichen nationalen Gesetzen, und behielt sich eine Voreingenommenheit gegenüber Muslimen und anderen Minderheiten.
20 Der indische Hindu-Nationalismus definiert sich über den abstrakten »Hindutva« = Hindutum, entstammt dem persischen Parsi, bezieht sich auf eine ethnische streng abgeschlossene Gruppe Menschen, die jenseits des Indus leben, die der Lehre des Zoroastrismus angehört, mit Sanskrit und Hindi als Sprache, Sikhs und Buddhisten sind mit einbezogen. Bezieht sich auf die Sakralität des indischen Sub-Kontinentes.
21 Der Blaue Faschismus schützt den emanzipatorischen Kern der Orgonomie (Reichianische Körpertherapie) vor Zersetzung und Missbrauch durch ultra-reaktionäre Doktrinen. Die wahrscheinlich absurdeste Paarung ist Orgonometrie und Buddhismus, obwohl es zu dieser Annäherung kam: Heinrich Himmler u.a. fühlten sich zur Bhagavad-Gita (Kshatriya-Kämpfer) hingezogen.
22 Im November 2008 kam der »National Intelligence Councel« (NIC) zu ähnlichen deutlichen Ergebnis: Die USA werden an politischer und wirtschaftlicher Macht verlieren. Dem fügt der Chemiker und Ökonom Meadows 22 hinzu, dass die Welt aus den Fugen gerät - und es noch schlimmer wird. 22 Im Jahr 2025 werde die Welt eine andere, eine multipolare sein, in der es mehr Konflikte geben werde. Im November 2008 kam der »National Intelligence Councel« (NIC) zu einem deutlichen Ergebnis: Die USA werden an politischer und wirtschaftlicher Macht verlieren.
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verschiedenen Tibetologen, Bernbaum, Grünwedel und Theosophen sowie der Anthropososoph Rudolf Steiner, der Anfang des 20. Jahrhunderts vor dem bön-tibetanischen Buddhismus warnten: Der völkische Rassist Guido von List sah 1908 in Steiner einen »jüdischen Propheten mit einer buddhistischen Sklavenlehre«, die den «Kampfgeist der arischen Rasse zerstöre«. Durch solche Beurteilung wurde Steiner in Misskredit gebracht. Albert Grünwedel, 23 der das Kalacakra-Tantra 1924 übersetzte und kommentierte, warnte vor dem abstrusen und grausamen Kult, der sich anschickte, in die Waffen-SS einzudringen und dort zur Grundlage der größten Barbarei wurde. 24 Menschen aus altem Adel, die beiden Ludendorffs, rechtskonservative Nationalrevolutionäre* zogen ebenfalls in den 20er Jahre gegen die Weltverschwörung, katholische Kirche, Judentum und tibetanischen Buddhismus zu Felde. Ihnen wurde mehr Beachtung geschenkt - aber schließlich doch nicht gefolgt.
Der Begriff Ariosophie bedeutet, die Arier betreffende Weisheit. Die Lehre entstand um die Jahrhundertwende des 19./20. Jh. als Verbindung des völkischen Nationalsozialismus und Rassismus mit okkulten Begriffen aus der Theosophie H. P. Blavatskys. Die Vereinnahmung des »arischen« Indiens und damit sowohl rassischer wie sprachlicher und kultureller Gemeinsamkeiten zur Selbsterkundung und Abgrenzung seitens deutscher Wissenschaftler, das bei Schopenhauer zu Tage tritt ― denn er hoffte, dass eine Zeit heranrückte, in der Europa von der jüdischen Mythologie gereinigt sei und es für den Buddhismus bereit sein werde. 25 Er vertrat ein religions- und kulturpolitisches Programm mit antisemitischer Zielrichtung. Bei Schopenhauer ist jedoch keine rassische, gegen das jüdische Volk gerichtete Ideologie zu finden - die Idee eines gemeinsamen arischen Erbes wurde erst von Nationalsozialisten, wie Houston Stewart Chamberlain und anderen Autoren umgeschrieben. 26 […] Schopenhauers Ansichten sind eine mit dem Christentum konkurrierende spekulative geprägte Strömung der Spätantike. Sie war eine gleichermaßen philosophische wie religiöse Weltanschauung. In ihrem Mittelpunkt stand die Erkenntnis, die […] nicht das Resultat diskursiven Denkens zu sein, sondern in der Geheimlehre, also vom Lehrer an Schüler übermittelte Realität, und nur wenigen Eingeweihten vorbehalten.
Gnostische Gedanken geben dem Nationalismus* Form, ich meine National-Evolutionäre* und National-Revolutionäre.* Es bauten sich verschiedenere Systeme zusammen mit Erlösern, Vertretern des Bösen und auch guten Perspektiven in der atmischen Ebene Shambhala. Ihnen war der dualistische Kern bedeutend. Das Reich der Finsternis und das Reich des Lichtes mit einem Lichtgott an der Spitze. In dieser gnostischen Kosmogonie griff das Reich der Finsternis das Reich des Lichtes an, so dass es zur Vermischung der »Fluid-Gnosis« kommt. Und wenn doch der Allmächtige allmächtig ist, warum lässt er schlechte Dinge sich ereignen, wie kommt es, dass er das Böse (Satan) auf der Erde zulässt? Warum stellt er das Böse nicht einfach ab, auch wenn er für die Schöpfung nicht direkt Verantwortung trägt?
23 Grünwedel, Wegweiser nach Shambhala, tib. Shambhala 'i lamyig.
24 In Vajrayana*-Texten wird das Töten von Feinden der buddhistischen Lehre, insbesondere Vajrayna befürwortet. Das Kalacakra-Tantra beschreibt einen endzeitlichen Krieg, in dem Bodhisattva von Shambhala die den Buddhismus bedrohenden Muslime endgültig besiegt/vernichtet.
25 Arthur Schopenhauer, SW, V, 269, 1986; Schopenhauer, Wagner und Nietzsche hatten den Buddhismus zum Thema in den Salons des literarisch und weltanschaulichen interessierten Bürgertums werden lassen. Zotz, 133.
26 Vgl., Zotz, Auf den glückseligen Inseln, Buddhismus in der deutschen Kultur, 81, 2000.
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Was wird unter dem Begriff der Fluid-Gnosis verstanden? Ich versuche das Prinzip der Fluid-Gnosis aus der Flüssigkeits-Mechanik abzuleiten, worin »Fluid-Gnosis«, sowohl für newtonsche Fluide und nicht-newtonsche gilt. Die Fluid-Gnosis nationaler Strömungen enthalten manichäische 27 Elemente, die zu den ariosophischen Wurzeln führen. Und zwar liegt es in der Frage der Freiheit als Möglichkeit, die natürlich Voraussetzungen der Möglichkeit für Fehlentscheidungen im Bösen beinhalten, in welcher Konzentration das Böse vorliegt. 28 In diesem Zusammenhang möchte ich auf irritierende Widersprüche aufmerksam machen, auf mythologische, religiöse und irrationale Wurzeln innerhalb des Nationalsozialismus: Wurzeln aus der Ariosophie, Theosophie, Heiliger Gral, Edda, Agartha, Armanen, Thule-Gesellschaft gelten als Belege. 29 Die bereits bei Himmler und Rosenberg vorhandenen Bezugspunkte zur östlichen Mystik Asiens (Indien, Tibet, Bhagavad Gita) wurden vom Schwarzen Orden als synkretische Verbindung zwischen den Religionen sowie den Gruppen der Atheisten, den sogenannten »Arischen Christen« gesehen, natürlich ein Widerspruch in sich.
Vielleicht denken Sie, es handelt sich um esoterisches NS-tum. Das trifft nur vordergründig zu. Dahinter verbergen sich Techné-Vorstellungen, die sich unbewusst in den Köpfen verankern konnten, weil via naturwissenschaftlichen Weg »ein gewisser Zugang« bei allen von uns steckt. Hinter diesen »Ur«-esoterischen Gedanken stecken Vorstellungen, die von den Feinden Deutschlands nicht erkannt werden durften, da sie Grundlagen für die Kriegsforschung darstellten. 30 Ein Beispiel, das Werner Beumelburg erzählte, mag das verdeutlichen: Bei der Verschlüsselung, verwendete das OKW schwer zu verstehende, okkulte Texte der Russin H. P. Blavatsky. Es ist darum als hohe Leistung anzuerkennen, dass es dem englischen Geheimdienst gelang die deutsche »Codiere-und Chiffriermaschine ENIGMA« aufzubrechen und den Code zu entschlüsseln (Vorläufer der digitalen Rechenmaschine).
Für mich ist es nahezu unmöglich, den »Komplex, paranormale Phänomene des Ahnenerbes« aus den Aktivitäten des »Schwarzen Ordens« richtig zu interpretieren, obwohl ich mich mit ihren Gedanken auseinander setzte. 31 Das Gebiet der Mythen, Metaphysik, Esoterik und Grenzwissenschaften ist so uneinheitlich, dass ich mich außerstande sehe, alles unter einen Hut zu bekommen. Mir fiel dabei wohl auf, dass das Ganze eine Reihe ganz unterschiedlicher Fragestellungen enthält: Denn es gibt empathische Erkenntnismöglichkeiten, die naturwissenschaftlichen »Gesetzen« folgen und trotzdem wissenschaftlichen Methoden nicht zugänglich sind, wie außersinnliche Wahrnehmungen - als typisches Beispiel erwähne ich das »Licht des Regenbogenkörpers, Ja-Lus«, das im tibetanischen Hochgebirge anzutreffen ist (Siehe
27 Der Gnostiker Mani, 214-ca. 274 n. Chr. wirkte in Babylon, das durch seine geogr. Lage mehr noch als Alexandrien zum Schnittpunkt von Ost und West werden konnte (siehe Kulturlandschaft Tethys-Meer, Kemp, 270, 2006), denn Mani waren bereits buddhistische Lehren vertraut, wozu nicht zuletzt seine Reise nach NW-Indien beitrug. Er betrachtete Gautama Siddharta (Buddha) Zarathus-tra und Jesus als seine Vorläufer u schuf eine Religion aus buddhistischen, persischen und christlichen Elementen, die in Indien u China ebenso Anhänger fand wie im Westen. Die manichäische Weltreligion ermöglichte durch ihr Verbreitungsgebiet die wechselseitige Beeinflussung Europas und Asiens.
28 Klages, Fragmente 118, 1940.
29 Lange, Otto Rahn und die Suche nach dem Gral, Biographie und Quellen, Engerda 1999.
30 Fohat härtet zerstreut die sieben Brüder. Aus, Dzyan von Blavatsky, das als Verschlüsselungs-Code im Funkverkehr zwischen OKW und Shangri-La diente (tib. dhyzan = Weisheit; Dzyan lernen).
31 Erforschung der Kaukasus-Völker, Tibet-Expedition, Teilchenbeschleunigung, Multiversen.
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Schäfer-Expedition in Tibet). Das Beispiel für die von Einstein entwickelte Formel E=mc 2 gilt natürlich auch dort als Inbegriff geistiger Potenz und exakter Wissenschaft. So wie Einstein gelang es keiner anderen Persönlichkeit im 20. Jahrhunderts, über den Tellerrand der Physik in das Bewusstsein der Öffentlichkeit einzudringen. In der Natur, der Einstein mit seiner Formel ein großes Geheimnis entlockte, war seit Newton strittig gewesen, ob Licht eine »Teilchenstrahlung« oder eine »Wellenbewegung« darstellt. Beide Vorstellungsweisen schlossen sich offensichtlich aus, bis dahin - so glaubten Wissenschaftler - könne nur eine von ihnen die »wahre« Antwort sein. Einstein zeigte phänomenal die Gesetzmäßigkeit auf, dass jedem der beiden Modellvorstellungen »seine je eigene Wahrheit zukommt« (das von dem Experiment abhängt) und figurierte damit den Anfang eines Paradigmenwechsels, das von dem Kernchemiker Niels Bohr mit den Worten umrissen wurde: »Gegensätze ergänzen einander«. Bis dahin hatte gegolten: Es gibt nur »wahr« oder »falsch« und es gibt »kein Drittes«! Im engen Zusammenhang mit diesen Fragen stehen: Ob es außersinnliche Erlebnisse und Erfahrungen oder Fähigkeiten gibt? Gibt es metaphysische Welten der Götter, Geister, Dämonen, Himmel und Äther? Und wie wirken diese metaphysischen Bereiche auf den Menschen ein? Welche Beweise gibt es?
Was ist metaphysisch richtig? Wie sollen wir leben und miteinander umgehen? Was soll unabhängig von der Berufung auf Religion, Götter und Geister ethisch und moralisch unter diesen oder jenen Bedingungen geboten, verboten oder erlaubt sein? Bei der Schäfer-Expedition gab es einige unerklärliche Phänomene wie das bereits erwähnte »Licht des Regenbogenkörpers«, deren Erforschung aus mehreren Gründen schwierig war nachzuvollziehen. Aber auch hier greift die Gleichung Einsteins. Zu allen Bereichen gibt es neben spekulativ-phantastischen Gedanken auch Ausarbeitungen, die sich an wissenschaftlichen »Standards« orientieren. Metaphysiker- und Esoteriker versuchen immer die Richtigkeit ihrer Lehren zu beweisen, indem sie aufzeigen, wie oft sie recht haben und richtig prognostizieren können. Mit dem Einlassen auf Rationalitäts- und Wissenschaftsprinzipien, haben sie dann aber meist auch schon verloren. Echte Metaphysik, Esoterik oder gar Mystik sollte m. E. nach auf die Anerkennung naturwissenschaftlichem Beweise verzichten und auf das Schauen persönlicher Erfahrungen vertrauen.
Grenzerfahrungen und metaphysisches Schauen, gibt es, aber es ist im eigentlichen Sinne nicht wissenschaftlich begründbares, sondern subjektives Erleben für einen subjektiven und persönlichen Glauben, der auch naturwissenschaftlich wichtig und wertvoll sein kann. Esoterik und Metaphysik werden immer dann »psychopathologisch« und »soziopathisch« mitunter gefährlich, wenn sie missionarisch werden, wenn wir an den Wahnsinn des NS-Systems und andere politisch motivierte Völkermorde denken.
Kenchi und ich sind verwundert, dass die große Mehrheit der Wissenschaftler im NS-System nicht gleichgeschaltet wurde, sondern sich aus freien Stücken für das NS-Regime engagierte. Antidemokratismus und Antisemitismus hatten im deutschen Geistesleben eine lange Tradition. Faszinierend finden wir, durch die Ablehnung der Relativitätstheorie Einsteins, »als jüdische Physik«, dass Naturwissenschaftler und Tibetologen im Faszinosum des tibetischen Buddhismus Denkansätze, sozusagen Ersatz für die »Relativitätstheorie« in der mongolischen und tibetischen Peta-Welt entdeckt haben wollen.
Diesem Faszinosum folgen sie in die »Parallel-Welten«, sowie der »Unsterblichkeit im Bardö«, mit »Raum und Zeit«, im Shangri-La (oder Shambhala, sham bha la) der atmischen Ebene der
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sogenannten Universen bzw. »Multiversen«! Der atheistische Ansatz hat neben den Erfolgen der NS-Wissenschaft dazu geführt, dass Wissenschaftler glaubten, auf die Annahme eines überirdischen Gottes verzichten zu können. Sie wählten einen Arischen Gott, denn Jesus, der Sohn einer Jüdin, das ging nach ihrer Vorstellung nicht. Sie wollten zeigen, dass die Welt in Tibet auf universell gültigen Gesetzmäßigkeiten aufbaut. Wo aber die Ursache für das Phantastische liegt und welchen Ursprung die für den Menschen typischen religiösen Fähigkeiten (wie Glauben, Hoffnung, Liebe) besitzen, konnten sie durch die naturwissenschaftliche Weltbetrachtung nicht erklären. Die historische Erfahrung lehrte veränderte Weltbilder mit der Zeit. Sie sind nur in ihrer Zeit verstehbar und glaubwürdig: Glaube konnte daher auch für sie als komplementäre Deutung in Einklang mit ihrer eigenen Auffassung überzeugend wirken. Teilhard de Chardin 32 und der indische Philosoph Aurobindo sowie der deutsche Buddhist Anagarika Govinda (Ernst Lothar Hoffmann, Indien 1939) wurden für sie Vorbilder, naturwissenschaftliche Erkenntnisse produktiv in ein christliches Weltbild einzubauen. Alle drei Persönlichkeiten sahen den gegenwärtigen Menschen als Übergangswesen zu einer höheren Entwicklungsstufe an, das von Nationalsozialisten als Idee mitgetragen wurde.
Diese Denkansätze sind heute mehr denn je Gegenstand der aktuellen Diskussion in den Naturwissenschaften, etwas das sich wie Metaphysik 33 anhört und Fragen aufwirft, die Physiker und Chemiker an den Max-Planck-Instituten, Einstein-Forum in Potsdam und im Kernforschungszentrum Cern in Genf umtreibt. 34 Der Physik-Nobelpreis zeichnete im Jahr 2008 Wissenschaftler aus den USA und Japan hinsichtlich ihrer Theorie über die Entstehungsgeschichte des Kosmos aus. Die Preisträger wiesen nach, dass das Auftreten von Asymmetrien bereits die Anfänge des »Universums« prägen, und entwickelten die Hypothese von drei weiteren »Quarks« (also 2009 existieren sechs Quarks) - jene Teilchen, aus denen sich die Protonen und Neutronen von Atomen zusammensetzten. S. H. der Dalai Lama stellte vor ein paar Jahren auf einem Initiationsritus-Jahrgang zum Tantra seinen Initianten eines der »möglichen Universen« vor, danach handelt es sich um das metaphysische Programm - das bereits auf Interesse des »SS-Ahnenerbes« in den Instituten des KWI und der Reichsuniversität Strasbourg stieß.
Ich versuche, der Metaphysik der NS-Zeit nachzuspüren, wie sie von der Thule-Gesellschaft repräsentiert wurde, die die Allegorie* Shambhala-Agartha benutzte, vielleicht, um den Kurswechsel in Hitlers Sowjetunion-Politik nachzuvollziehen. Dahinter stecken Phänomene, die alliierten Vernehmungsoffiziere nicht so wirklich verstanden haben. Mit voller Überzeugung konzediert der englische Historiker Nicholas Goodrick-Clarke in seiner Studie zu den Ariosophen, dass diese die NS-Ideologie vorweggenommen hat, »ingesamt ist sie aber eher ein Symptom als eine Beeinflussung des Nazismus«. 35 Thomas Hakl analysiert diesen Zusammenhang in der
32 Teilhard de Chardin, Le Phénomène Humain. Aus der Internierung in Peking 1939.
33 Metaphysik entstammt dem Griechischen und bedeutet „nach bzw. hinter dem Physischen“. Metaphysik begründet Teilgebiet der Philosophie und wird auch als »Erste Philosophie« bezeichnet. Metaphysik beschäftigt sich mit den letzten Fragen der Menschheit: Mit dem Rätsel des Daseins, mit Dingen, die jenseits menschlicher Erfahrungen und unserer Wahrnehmung liegen. Metaphysik behandelt die allgemeinsten Prinzipen des Seins. Vgl. Grodin, Jean, Introduction à la métaphysique. 2004.
34 Es betrifft das hypothetische, den ganzen Raum durchziehende Energiefeld, das Higgsfeld.
35 Goodrick-Clark, The Occult Roots of Nazism, »Ariosophy is a symptom rather than an influence in the way that it anticipated Nazism«, page 202, 1985.
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deutschen Ausgabe des Buches von Goodwin-Clarke »Die okkulten Wurzeln des NS« dahingehend: »Mag es auch sein, dass es keinen direkten kausalen Konnex von der Ariosophie zur realen Organisation des Dritten Reiches gegeben habe, so hat sie doch einen wichtigen mythenbildenden und wahrscheinlich bis jetzt unterschätzten Anteil an den politischen Phantasien, die sich unmittelbar in einem Wahn des Auserwähltseins sowie des Für-Wahr-Haltens von Verschwörungsvorstellungen und damit auch in daraus folgenden politischen Aktionen niederschlug«. 36
Abgesehen davon, dass das Vorhandensein von irrationalen Vorstellungen im Nationalsozialismus kein Beweis für okkulte Führung durch Dritte ist, müssen wir diese Aussage nicht einfach so stehen lassen. In letzter Instanz diente der Mythos als Charakteristik für deutsche Härte und Haltung »Wille zur Macht« sowie die Faszination am Beton (Westwall, Autobahn), der radikalste Zivilisationsbruch einer hoch entwickelten Gesellschaft, die auf völkisch-messianischem Irrwahn baute. Daraus entstanden technisierte Unmenschlichkeit, ethnisch religiöse und politische Unterdrückung, Vertreibung, Vernichtung und Genozid als integraler Bestandteil der europäischen »Modernisierung«. 37 Dass sich Heinrich Himmler zur Bhagavadgita-Gita hingezogen fühlte, geht aus der Orgie von Brutalität und der Barbarei der SS in den KZ hervor. Lehrinhalte aus der Bhagavadgita scheinen geradezu prädestiniert für das metaphysische Selbstverständnis des Schwarzen Ordens gewesen zu sein. Die Lehrinhalte stellen den »Krieg als Selbstzweck« dar, Krieg und Massenmord erscheinen als selbst gewählte Schuld.
Das Auffinden der Arischen Rasse im Kaukasus, Altai und Himalaya, das Auffinden des mächtigsten Herrschers der Welt, den Chakravartin (aus Shambhala, nennen Buddhisten Rigdenjyepo, den 25. Kalki-König, der laut Nicholas Roerich mit einer großen Armee, ausgestattet und mit Superwaffen, kommen soll), das hängt mit dem hochentwickelten Zhang Zhung-Königreich sowie dem »Silberpalast im Garuda-Tal« im West-Tibetischen Hochland zusammen. So war die Göttin Kali, eine Verkörperung der weiblichen Energie, auch für das NS-Regime von sehr entscheidender Funktion. 38 Vom Sutley-Tal aus, so vermuten Buddhisten bis heute, wird das »weltweite Goldene Zeitalter« eingeleitet werden.
Diese Machenschaften standen hinter dem Experiment des preußischen und Weimarer Republik, ebenso wie hinter dem späteren, nicht zuletzt mit vatikanischer Hilfe beendeten sozialinovativen, kommunistischen Experiment staatskapitalistischer Ausbeutung im abgeschotteten
Sowjetimperalismus. Der Soziologe Ralf Dahrendorf formulierte zutreffend, dass der Nationalsozialismus nicht 1918 begann, sondern als geistige Bewegung einer ganzen Reihe von idealisierenden Bestrebungen, Wünschen und Träumereien viel früher als »cold Projects« zusammenzufassen ist, 39 das Bronder 40 noch weiter ausbaute: Die den Nationalismus vorbereitenden Ideen kamen keinesfalls aus den Gehirnen Hitlers, Goebbels, Rosenberg, Dr. Feder und anderen
36 Goodrick-Clarke, dt., Marix Wiesbaden, 7, 2004.
37 Zittelmann, Modernisierungstheorie, 2004; Dahrendorf (1965) und Schildt (1994), erzwungene Moderne.
38 Ebenso wie das Matriarchat der birmanischen Bergvölker - Tibeter, Mosuo in Yunnan, China - denen über das Mutterrecht eine rassistische Wendung - und starke rassische Wurzeln - wie bei den nordischen finno-ugrischen Urvölkern zugeschrieben werden, die durch ihre »Blutseele« bestimmt worden seien.
39 Dahrendorf, 416, 2004.
40 Bronder, Bevor Hitler kam. Eine historische Studie,1975.
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Zeitgenossen, sondern entstammte einer Handvoll Historikern und Theosophen des 19./20. Jahrhunderts, 41 denn nationalsozialistische Entscheidungsträger haben ariosophische Gedanken abgeleitet, zusammengefasst und angewendet, was vorher gedacht und geschrieben wurde; und das war zum Teil tiefergreifend, als ihre Nachfolger es je vermochten umzusetzen. 42 Die vorbereitenden Ideen entwachsen vielfältigen und heute fast nicht oder nur mehr schwer auslotbaren kulturhistorischen Böden.
Das NS-System nahm Anleihen bei den großen deutschen Dichtern: Neben Goethe, Schiller und Hölderlin war es vor allem Kleist, auf den sie sich ihr vereinnahmendes Auge richtete. Ich betone Kenchi gegenüber »Kleist« und dass er zum Klassiker des nationalsozialistischen Deutschland wurde. Das NS-Regime machte aus der Varusschlacht »Hermannsschlacht« die in der Nähe von Detmold lokalisiert wurde, ein Symbol für die Deutschen mit wiedergewonnener Volksgemeinschaft. Germanische Stammesverbände unter Führung des Cheruskerfürsten Arminius lockten drei römische Legionen mitsamt dem Stadthalter für Germanien in einen Hinterhalt, wo in einem sich über mehrere Tage und Nächte hinziehenden Kampf sie vernichtet wurden. Das Schauspiel ist das Drama des Triumphes völkischer Gefühls-Sicherheit. In Kleist lebt und wirkt daraus eine naturhafte (waldhafte) »Deutschheit«, die einem Feind der Volksgemeinschaft ohne Sentimentalität entgegen steht. Das schuf verschrobene, okkultistische Vorstellungen und unglaublich verquaste Hirngespinste sowie mörderische Ideen. Welche Verbindungen es zur deutschen Macht gab, das waren auch für Kenchi bekannte Orientalisten, Sozialpädagogen und Tibetologen, Indologen, Sanskrit-Spezialisten. Über Verbindungen Karl Haushofers 43 zu Hitler, sowie über den Weg nach Shambhala ins Zentrum der Welt sind sich viele Fachleute nicht einig. Außerdem konnte ich wie viele andere - diesen Verbindungen nicht nachgehen, denn US-Amerikaner haben unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges Tagebücher und Aufzeichnungen von Karl und Albrecht Haushofer beschlagnahmt und bis jetzt nicht freigegeben. 44
»Wir wüssten weitaus mehr über die Schuldfrage, die politischen und okkulten Machenschaften der NS-Zeit, die so zentral für das Verständnis der größten Tragödie des 20. Jahrhunderts sind, hätte man Heß zum Sprechen ermuntert, statt ihn ohne Verbindung zur Außenwelt für über vierzig Jahren im Gefängnis von Spandau gefangen zuhalten«. 45 Sein Flug nach England um die Kapitulation für Deutschland zu erwirken scheiterte. Warum? Weil Rudolf Heß nach unbestätigten Berichten des Generalmajor Walter Schellenbergs (Hitlers letzter Geheimdienstchef) 46 zufolge ein stiller Förderer und Anhänger der Anthroposophie Steiners sowie diverser Astrologen und Hellseher wie Blavatsky gewesen sein soll? Ist es verwunderlich, dass er sich vom Hakenkreuz distanzierte, aber kurze Zeit später über die irdische Erscheinung des arischen Buddhas sprach (ebenso wie der Bund für buddhistisches Leben) 47 und einen rassistischen Artikel dazu
41 Zander, Anthroposophie in Deutschland Theosophische Weltansch. & gesellsch. Praxis 1888-1945. Bln 2007;
42 Jansen, Christian & Arno Weckbecker, Eine Miliz im Weltanschauungskrieg. Der Volksdeutsche Selbstschutz Der Zweite Weltkrieg - Analysen, Grundzüge, Forschungsbilanz. München, Zürich 1993.
43 Haushofer, 1869-1946.
44 Wegen der engl. Bezeichnung und Möglichkeit ihres Einsatzes, Aufzeichnungen, Obersalzberg, 12.5.1941.
45 Godwin, 62, 2007.
46 Schellenberg, Aufzeichnungen 1979.
47 Vasettho (Wolfgang Bohn), 913, 1910.
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verfasste? 48
Vielleicht sollte auch verhindert werden, die wahren Gründe hinter dem Lebensraum-Gedanken zu verstehen (F. Ratzel, Hans Grimm, Karl Haushofer) und den Bestrebungen nach außerordentlichen Kräften nachzuspüren. Als einer der wichtigsten Wegbereiter der Geopolitik orientierte sich Ratzel an der Evolutionstheorie Charles Darwins und dem Sozialdarwinismus. Für die Beschreibung der Entwicklung von Staatsgebilden lehnte er sich an biologische Bilder an. Wachstum und Schrumpfen von Staatsgebilden erklärte er wie seine Mitstreiter mit dem »Gesetz wachsender Räume«, sie galten als Impuls für den »Lebensraum« im Osten.
Gerade wegen seines naturwissenschaftlichen Hintergrunds ist das für Kenchi äußerst unverständlich und er formuliert sein Erstaunen mit einprägsamen Worten, die ich nicht wiedergebe. Ich erzähle Kenchi, dass deutsche Mythen die Geschichtsinterprätation prägten und letztlich die Politik bis heute beeinflussen. 49 Und Lévi-Strauss provozierte die Europäer vor Kriegsende mit der Vorstellung, der Mensch sei eine Maschine mit Milliarden Nervenzellen unter dem Termitenhügel des Schädels.
Wie ich annehmen, war US-Amerika gegen eine Verkürzung des Krieges, denn es war imstandedank des Zweiten Weltkrieges - die negativen Auswirkungen der Wirtschaftskrise der 30er Jahre endgültig zu überwinden. Eine vorzeitige Rückkehr der GIs hätte den erholten US-Arbeitsmarkt möglichweise destabilisiert. 50 und 51
Die US-Wirtschaft produzierte zwischen 1941-1945 Mehr als die Hälfte des Welt-BIP (Bruttoinlandsprodukt). Dazu ermöglicht die in Breton-Woods festgelegte Funktion des US-Dollar als Reservewährung, eine privilegierte währungspolitische Vormachtstellung. Die im Ersten Weltkrieg erreichte Position als weltgrößter Gläubiger ist durch den Zweiten Weltkrieg (Land-Lease-Act 50 Mrd. Dollar-Gesetz vom US-Kongress 1941) gestärkt und abgelschlossen worden (US- Amerika konnte die Finanzkrise von 1929 endgültig überwinden). Die überlegene ökonomische und strategische Position des US-Kapitalmarkts ermöglichte ihm eine Sammlung
48 Vasettho (Wolfgang Bohn), 217, 219, 1920.
49 Lévi-Strauss, Elementare Strukturen der Verwandtschaft, 1949; Derrs., Mythologiques Mytheme, Paris 1975.
50 Wyman, Das unerwünschte Volk. Amerika und die Vernichtung der europäischen Juden; Higham, Trading with the Enemy. An Exposé of the Nazi-American Money-Plot 1933-1949, 157, 1983; Bergman, Nazi collaborator, or hero? in: Ha’aretz, 28.4.2000; der Artikel u meine pers. Infos basieren auf den Recherchen des Journalisten Shraga Elam, Israel. 51 Im Vorwort von Marquès-Rivière »A L’hombre des monastères thibétains« von Maurice Magre wurde bemerkt: »In Shambhala, so wird gesagt, besitzen die Weisen die Kraft, die Dauer des menschlichen Lebens zu verlängern. Sie sind die Wächter des verloren gegangenen, antiken Wissens und verfügen in ihren Archiven über die Geschichte von Atlantis und Lemuren als auch über die zukünftige Geschichte der Menschheit. Danach sollen in Palästina, im Altai, der Wüste Gobi, Mongolei oder Tibet sich Geheimnisse zu der sagenhaften Örtlichkeit befinden, die Stadt der Weisen [...]«. Hier sind möglicherweise die Gründe zu finden, aus denen der Alliierte Gerichtshof 1945/46 in Nürnberg Dokumente beiseite gelassen hatte, die auf Zionismus und esoterische Einflüsse aus der Wallstreet und andere okkulte Dinge hinwiesen. Tausende Akten über die Waffen-SS und Akten aus diesem Zeitraum lagern in amerikanischen Archiven und Berichte des Zentral-Komitees der KPdSU. 1990 wurden zum Hitler-Stalin Pakt von 1939 und zur Frage des Baltikums erstmals (teilweise) Dokumente veröffentlicht, die möglicherweise manipuliert wurden (vgl. dazu Voslensky, Das Geheimnis wird offenbar. Moskauer Archive erzählen 1917-1991; Valentin Falin, die zweite Front - Interessen Konflikte in der Anti-Hitler-Koalition). Protokolle der Unterredungen von Rudolf Heß mit britischen Offizieren (Flug nach England, 1941), sind mit einem Sperrvermerk bis im Jahr 2018 versehen.
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und Koordinierung vieler Staaten im »Kalten Krieg« zu erreichen und dabei seine privilegierte Position als unumstrittene Hegemonialmacht auszubauen.
Ich sagte Kenchi, dass bei den verschiedenen Vorstößen in Richtung Kapitulation vieles schief ging: Im Vorfeld waren völlig erfolglos Admiral Canaris und der ehemalige deutsche Botschafter Fritz von Papen eingebunden. Bis zum letzten kämpften Soldaten, aber auch die Dienstellen um die Vorherrschaft im untergehenden Dritten Reich. In den letzten Kriegstagen, als alles zu Spät war, wurde vereinzelten Kapitulationsangeboten von Seiten der Deutschen mit Recht die »Kapitulation« verweigert. Viele Tatsachen sprechen dafür, dass Adolf Hitler sich mit den unterschiedlichen Dienstellen überworfen hatte, und seine charismatische Herrschaft im Sinne Max Webers nicht mehr funktionierte. 52 Vom Beginn Hitlers öffentlichen Reden bis zu seinen letzten dokumentierten, verkündete er sein Politprogramm und Projekt im Namen eines religiösen Weltenherrschers: Letzte Rundfunkansprache Hitlers (30. Januar 1945). Danach ruft er zu fanatischem Widerstand gegen die vorrückenden alliierten Truppen auf und beschwört den »Endsieg«. Gleichzeitig zeigt er seine Verachtung für das deutsche Volk, das sich für die Durchsetzung seiner Ziele als »zu schwach« erwiesen habe. Hitler dachte auch noch am Ende des Krieges in vorgezeichneten Bahnen, denn es werden immer noch seine Ordnungsprinzipien sichtbar: »Die tiefe Eingebundenheit in der Katholischen Kultur konnte den Boden ausbreiten für eine Aufgeschlossenheit bezüglich der dualistisch-millenarischen Ideen der Ariosophie«. 53 Letzter Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht (9. Mai 1945): »Als vorgeschobenes Bollwerk fesselten unsere Armeen in Kurland (Podzun-Pallas) unter Generaloberst Hilpert monatelang überlegene Schützen- und Panzerverbände der Sowjetarmee. Sie haben jede vorzeitige Übergabe abgelehnt. In voller Ordnung wurden mit den nach Westen ausfliegenden Flugzeugen nur Versehrte und Väter kinderreicher Familien abtransportiert. Stäbe mit ihren Offizieren verblieben bei ihren Truppen. Um Mitternacht wurden von der deutschen Seite, entsprechend den unterzeichneten Bedingungen, der Kampf und jede Bewegung eingestellt []«. Der letzte Abschnitt des Berichtes lautete, »Die Wehrmacht gedenkt in dieser schweren Stunde ihrer vor dem Feind gebliebenen Kameraden. Die Toten verpflichten zu bedingungsloser Treue, zu Gehorsam und Disziplin gegenüber dem aus zahllosen Wunden blutenden Vaterland«! 54
Während des Einmarsches der Sowjetarmee nach Deutschland wurde Kopelew 1945 Zeuge zahlreicher Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung Ostpreußens, die ihn zutiefst erschütterten und ein starkes Gefühl der Scham in ihm auslösten. Mit seinen Versuchen, die unfaire Behandlung von Zivilisten durch Soldaten der Sowjettruppen sowie weitere Gräueltaten zu verhindern, erntete er nur Unverständnis und Feindseligkeit bei Kameraden und Vorgesetzten und wurde deshalb bei dem sowjetischen Militärnachrichtendienst: Wegen »Propagierung des bürgerlichen Humanismus, Mitleid mit dem Feind und Untergrabung der politisch-moralischen Haltung der Truppe« zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt. Kopelew gelang es aber zunächst, die Vorwürfe gegen ihn zu entkräften, sodass er nach der Untersuchungshaft noch einmal für wenige Monate in Freiheit lebte.
52 Hitlers Sonderstellung, »Führermythos« und das Gefüge des Dritten Reiches mit seinen rivalisierenden Machtzentren, soll ähnliche Strukturen wie in der tibetischen Theokratie besessen haben.
53 Goodrick-Clarke, 167, 1985.
54 Verfasser: Michael Wolter, Bericht im Internet ohne Ort und Jahr
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Nach Ablauf dieser Frist wurde er erneut verhaftet und ein weiteres Mal zu Lagerhaft verurteilt, dieses Mal wurde er in einem Arbeitslager des GULAG inhaftiert. 55 Die Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung durch Soldaten der deutschen Wehrmacht in der Sowjetunion und auch in Frankreich, wurden lange verschleiert; ebenso das Vergehen Sowjetischer Soldaten in Berlin. 56 Ich spreche nicht von mit veralteten Waffen ausgerüsteten Marokkaner und Schwarzafrikaner in Italien, die in den französischen Regimentern kämpften und nach der Kapitulation ihr Unwesen trieben.
Das Japanische Militär kapitulierte im März 1945. In diesem Monat sandte das japanische Oberkommando an die amerikanische Botschaft in Moskau, die russische Botschaft in Tokio und an das Pentagon in Washington die Mitteilung, dass die Kaiserliche Regierung die bedingungslose Kapitulation wünsche. Und - die Amerikaner ignorierten diese Kapitulations-Unterbreitung! Warum? Im Nachhinein wurde von den USA behauptet, dass die entsprechenden Schreiben nicht entschlüsselt werden konnten! Da frage ich, wie haben die USA-Funker dann vorher den militärischen und diplomatischen Code entschlüsselt? Meine These: Die japanischen Inseln waren noch nicht zerstört. Meine These geht davon aus, die B-29 hatten ihre Einsätze im Sinne des Kapitals weiter auszuführen. Der eigentliche Paradigmenwechsel erfolgte erst wegen der zweifelhaften Legalität des Abwurfs der A-Bomben über Hiroshima und Nagasaki. 57 Die Folgen: 25.000 Koreanische Todesopfer - direkte Beschäftigte in der japanischen Kriegsindustrie. Verstrahlte Menschen am Rande des Geschehens erliegen nach qualvollem Leiden ihren Verletzungen. Nicht nur bei den Überlebenden gab es dramatische Schäden: Durch die gewaltige Explosionen wurden große Mengen Staub und Rauch in die Atmosphäre gewirbelt, die für mehrere Wochen das Sonnenlicht wegnahmen und ein kaltes Klima erzeugten. Durch Druck und Klimaveränderung wurden selbst kapillare Kräfte unterbrochen, Kräfte die für Biologisches von Bedeutung sind. Es kommen weitere Umstände hinzu, denn die Menschen, die überlebt haben wurden geächtet. Längere Zeit, wollte niemand mit ihnen etwas zu tun haben. Sie wurden wie Aussätzige behandelt. Im Pazifikkrieg, in der Zeit des Zweiten Weltkrieges, wurden sowohl atomare, von den USA in Japan, als auch biologische und chemische Waffen, beide hauptsächlich von Japan in China eingesetzt. 58
Günter Saathoff von der Stiftung Öffentliches Recht wurde in den 90er Jahren nach Japan für eine Rede eingeladen. Er sollte darüber sprechen, wie Deutschland sein Unrecht aufgearbeitet hat und wie dazu im Vergleich Japan mit seiner Kriegsgeschichte umging. Dabei lernte er das Schicksal vieler Hunderttausend Zwangsarbeiter im pazifischen Raum kennen, die Japan deportiert und eingesetzt hatte. Er lernte dabei auch das besonders schwere Schicksal der sog. »Trostfrauen« 59 kennen, einen Begriff, der von den Opfern selbst schon als Kränkung empfunden werden musste.
55 Lew Sinowjewitsch Kopelev, Aufbewahren für alle Zeit. Seidl, Göttingen 2002.
56 Sander H., Johr B. (Ed.), Befreier und Befreite. München 1992.
57 Carsten Könneker, »Auflösung der Natur - Auflösung der Geschichte«. Moderner Roman und NS-Weltanschauung, im Zeichen der theoretischen Physik, 2001.
58 Kemp, Biological Weapons & Defense. Intern/NFD. FAQ Wiesbaden 1996.
59 Barbara Drinck/Chung-Noh Gross (Hrsg.), Erzwungene Prostitution in Kriegs-und Friedenszeiten. 2006.
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Eine ehrliche und zugleich würdevolle Erinnerung an das Unrecht und seine Opfer wurde kaschiert durch den gewaltigsten Wiederaufbau (Marshall-Plan 13 Mrd. Dollar), als Teil der Weltwirtschaft. Petersen 60 schreibt dazu: »In der Moderne besteht die Wahrheit der Welt in der reinen Möglichkeit. Wer die Moderne beschreiben will, muss es daher mit dem Denken aufnehmen, das sich von traditionellen Formen löste und den Gedanken der reinen Möglichkeit ins Zentrum rückt«.
Wenn wir gar bedenken, dass Guido von List »rassistische Elemente der Theosophie mit einer buddhistisch-völkischen Runenlehre« verband und somit alles Unrecht verdecken wollte. Die Lehre der Ariosophen besagte im Wesentlichen, dass der Mensch das Produkt seiner Handlungen ist, die er in vorangegangenen Leben erlebt hat (da nickte Kenchi). Aber eine solche Weltsicht ließ sich mit der NS-Haltung kombinieren, die in ihrer konsequent verneinenden Art und Weise behauptet, dass es unschuldige Opfer gibt. In Anlehnung an die bön-buddhistische Lehre H. J. Glowka 61 bedeutete es ein Sammelbecken arisch-rassistisch-okkulter Lehren, ein fruchtbarer Boden für Germanen-Orden (Armanenschaft, Reichs-Hammer-Bund, Geheimlogen um die jüdische Weltverschwörung mit ihren eigenen Mittel zu bekämpfen) und eben die Thule-Gesellschaft: Insbesondere die seit Ende des 19. Jahrhundert/Anfang des 20. Jahrhundert entstandene Thule-Gesellschaft leitet ihren Namen und Zielrichtung vom sagenumwobenen Thule ab, einer nordischen Entsprechung des untergegangenen Atlantis-Kontinent'. Dort soll ein Geschlecht von riesenhaften Übermenschen gelebt haben, das über magische Kräfte mit dem gesamten Kosmos in Verbindung steht. Es verfügte über psychische und technische Energien. Nach Kenchis Kenntnisstand haben sich Überlebende in den mongolischen und tibetischen Raum gerettet.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lebten Ariosophische Ideen in verschiedenen neugermanischen Gruppen wieder auf, so im 1976 gegründeten Armanen-Orden, in der Arbeitsgemeinschaft naturreligiöser Stammesverbände Europas (ANSE), im Bund der Goden, im Bund für Gotterkenntnis und in der »Arbeitsgemeinschaft Jürgen Rieger«. 62
Die Musik-Gruppe Gylfiliten erblickt in der Erhaltung und Reinhaltung der Germanischen Rasse eine göttliche Forderung. Hitler wird als Antichrist, als Inkarnation Odins verehrt. Jörg Lanz von Liebenfels wird mit Luzifer als spirituellen Führer verglichen. Auch andere, die zum Bund der Goden gehören, gruppierten sich aus sehr unterschiedlichem Milieu von Nord bis nach Süd - in Gesinnungs-Gemeinschaften der Neuen Front (GdNF), die Nachfolgeorganisationen der verbotenen Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten ANS/NA, Märkischer Heimatschutz (MHS) aus Brandenburg (die Berliner Sektion vom MHS bevor Rockgruppen Tor und Baso von der StA verboten wurden bis zur Kameradschaft Süd (vermutlich in Anlehnung an Polizeiregiment Süd der SS) in München, auch Schutzgruppe (SG) genannt, wie rechtsextreme Vereine, Parteien und Zeitschriften (Die Aula) in Österreich.
Im Verlauf des Internationalen Militärgerichtshofs in Nürnberg soll es unter dem Vorwand des Schutzes der Zivilisation, verschiedene Dokumente über Trance/Esoterik und der Ariosophen aus
60 Petersen im Deutschen Roman der Moderne, 21, 1991.
61 Glowka, Deutsche Okkult-Gruppen, 1875-1937, 1981.
62 Rainer Fromm, Rechtsradikalismus in der Esoterik, in Brennpunkt Esoterik, 169-183, Hamburg 2006.
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dem Gericht verbannt oder nicht zur Verhandlung zugelassen worden sein, das mit archaischem Ursprung und Gefahren begründet wurde: Es betraf aber »zufälligerweise« Vorgängerorganisation und Mind-Control-Projekte am Kaiser-Wilhelm-Institut* (KWI), deren Finanzierung durch die Rockefeller-Fundation für eugenische Forschungen in Deutschland im Zweiten Weltkrieg bis 1943 fortgesetzt wurde. Begründung: Der Krieg dürfe wissenschaftliche Arbeit und Forschung nicht verhindern. Die KWI-Wissenschaftler Rudin, Vershuer und Kallmann waren zugleich Mitbegründer der amerikanischen Gesellschaft für Humangenetik, auch im Bereich »Mind-Control«, die heute noch aktiv ist! Kallmann wurde nach 1945 zum Direktor gewählt und behielt diesen Posten bis 1965. Bei den Alliierten soll es nach unbestätigten Informationen jetzt noch ein Aufatmen geben, denn es ging nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges die Angst um, die »Wahrheit« hätte ans Licht kommen können und ihre vermeintliche Magie hätte den geistigen Kräften nicht gewachsen sein können?
Für die Jungen Menschen unter Ihnen ist es sicher schwer vorstellbar, dass das vergangene und jetzige Jahrhundert im Zeichen der Bodhisattva-Gelübde steht (sowie des Antichristen). Die vielen Trivial-Orientalismen okkulter Sekten und Kollektiv-Meditationen im Rahmen des Kalacakra-Tantras, sowie der Machart einer Alice Bailey oder gar der Findhorn Foundation, die nicht nur in der »Neuen Rechten« wirkt. Dort gibt es naturgemäß viele Wechselwirkungen zwischen religiösen und politischen Ansichten. Das bezieht sich auf jemanden, der eine hohe Erleuchtung erreicht, aber aus Mitleid mit anderen auf den Einzug in höhere Welten verzichtet, um anderen auf ihrem Weg zur Erlösung »aktiv« bei zustehen!
Wenn wir uns die verschiedenen Einzelphänomene des gewalttätigen 20. Jahrhunderts in Europa und in der Dritten Welt ansehen, da fällt die »Zentralität Asiens« auf, die es als gewaltigen geografischen Raum verlor, 63 der lange Zeit vor der Geschichte mit dem Mittelmeerraum auf diese Region hinführt: Die Reste des prähistorischen Weltmeeres (des Mittelmeeres) erstrecken sich bis zum Manasarovar See und Rakas Tal (die geomorphologische* Anordnung symbolisiert die Polaritäten), zu Füssen des Mt. Kailash. 64
Vom Paradies des fernen Europas reden sinngemäß Ostasiaten, denn ihnen wanderte die Heilskunde vom Westen her zu [...], 65 so skizziert Heinrich Frick 66 die religionsgeschichtliche Entwicklung. Lanczkowski nennt diese Beziehung Ost-West-Koexistenz-Spannung, wenn infolge des raschen Wirtschaftswachstum und Wasserverschmutzung 500 Millionen Asiaten das Trinkwasser ausgeht. Buddhisten sind der Meinung, wenn ein Eisenvogel erst einmal fliegt, zieht er gegen Westen! Nicht nur die Erdbeben in China (2008) bewirkte Chaos und beschwörte den Flügelschlag des Eisenvogels (oder des Schmetterlings), der auf unserer Seite des Globus als Finanzkrise zu spüren ist (China Investment Corporation, CIC). Der Finanz-Kollaps, die
63 Rabe, in China verehrt, in Deutschland vergessen; Pan Guang, The Revitalisation of the Jewish People, Shanghai / VR-China.
64 Kemp, 189, 2006; eine eindrucksvolle Karte belegt die Ansicht Mommsens u Hales nach Taylor (1906), 9: Es fällt an der Karte auf, dass Europa ein äußerstes Ufer von Asien darstellt. Die Heimatländer des Ariertums befinden sich nach Joscelyn Godwin im zentralasiatischen Raum (Saint-Yves d’Alveydre and the Agarthian Connectio, In: Hermetic Journal 32, 24-34; 33, 31-38, 1986.
65 Lanczkowski, 55, 1980.
66 Frick, 71, 1941.
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Erdbeben, Klimawandel erzeugen Chaos, das sich destabilisierend zum erfolgreichen Aufbau und dem sich entwickelnden modernen Leben steht.
Das Problem liegt vielleicht darin, dass national-revolutionären Staaten - derartig gestaltet sind, dass sie nur den nationalen Rahmen berücksichtigen - diese Versteinerung behindert und führte sie in die Isolation. Der Globalisierung entsprechen aber nicht mehr national-revolutionäre Handlungen, die globalen Kapitalströme über Schweizer Banken ablaufen ließen, des Handels und transnationaler Konzerne (so auch nationales Verbrechen) im globalen Rahmen, wie in der Klimaveränderung als Frage von Krieg und Frieden. In einer vom »Council on Foreign Relations« (CFR), Mitglieder und Harvard-Professoren herausgegebenen trilateralen Studie »Krise der Demokratien« heißt es: »Im Laufe der letzten Jahre hat das Funktionieren der Demokratie [...] das Versagen herkömmlicher Mittel zur gesellschaftlichen Kontrolle und somit eine Begrenzung der öffentlichen Macht nach sich gebracht«. 67
Mein Werk startet im Pazifikkrieg in Asien mit dem Ausbruch des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges, der von 1937 bis 1945 währte und rund 30 Millionen Tote forderte und in «Chindia« (China-Indien) mündete, bzw. den zukünftigen BRICK-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Brückenland Kasachstan), deren Aufstieg zugleich Abstieg der westlichen Welt bedeutet, wenn dort nicht entschieden schnell umgedacht und gehandelt wird.
67 Unbekannt. Fast ohne Ausnahme sind CFR-Mitglieder durch Blutsverwandtschaft, wirtschaftlichen Status/Bildungsstandards verbunden. Brzezinski (Jimmy Carters und Obamas Mentor) und David Rockefeller haben jede einzelne Person zur Teilnahme an der Gestaltung/Verwaltung der vorgschlagenen »Neuen Weltordnung« überprüft und ausgewählt.
Charles Péguy sagte einmal, Politik beginnt in der Mystik und Mystik endet in der Politik. Nirgendwo haben politische Mythen eine so große Rolle gespielt wie in Deutschland. Tacitus 68 attestierte den Germanen bereits Tapferkeit, Redlichkeit, Sitte, Treue und Aufrichtigkeit. Jedenfalls wurde nicht von Heimtücke oder Hinterlist von ihm gesprochen. So ist die Judenfrage keine Frage der Humanität, keine der Religion, sie ist eine der politischen Mythen. Littell berichtete im Anfang seines erfolgreichen Buches 69 ähnlich auch aus der Täterperspektive und vom menschlichen Verhalten beim organisierten Massenmord an den Juden in sowjetischen Dörfern und »tiefen Wäldern«, in denen die »Henker« wirkten. Littell berührt der »Holocaust nicht so sehr als Juden, sondern als Menschen«. Wir wissen, dass lange vor dem Nationalsozialismus, Antisemitismus, Mythen die Basis zivilisatorischer Gemeinsamkeiten der zerbrechenden europäischen Gesellschaften bildete. Die Weltanschauungs-Dämmerung wurde eingeleitet mit allseitiger Omnipräsenz jüdischer Mythen und der Physik Einsteins. Sie geht umher mit popularisierenden Darstellungen über das Judentum in unterschiedlichster Weise, immer negativ, in jedem Fall vulgarisierend und unwürdig - mit sich ausbreitenden pornographischen Zügen. Antisemitisches wurde in allen möglichen Zeitungen, Magazinen, Pamphleten verbreitet. Jeder, der las, wusste in den 20er und 30er Jahren etwas über das allgemeine Relativitäts-Gesetz. 70 Heute sind »Psychologisierung« und »pornographisierender« Alltag nicht zu übersehen, in der Weimarer Zeit war der gesellschaftliche Alltag mit Umschreibungen und mythischen Andeutungen über das angeblich negative jüdische Leben durchzogen. Die Äußerungen bekannter Persönlichkeiten (hier Alfred Döblin) wurden in NS-Organen instrumentalisiert und können als typisches Beispiel für die »abscheuliche Relativitätslehre« 71 herhalten.
Aus dem Umkreis meiner Familie spricht mich Werner Beumelburg an. Er war der Ansicht, jeder »aufrechte« Deutsche sei gefordert, nach dem »Vertrag von Locarno«, den Kampf gegen die Erfüllungspolitik aufzunehmen, insbesondere diejenigen, die als zukünftige Ingenieure und Unternehmer ― des einzig zur Führung befähigten Standes ― dazu in der Lage waren. Nach seinen Worten sind wir alle geradezu verpflichtet, den Kampf gegen die »rote Gefahr« und den »parlamentarischen Brei« aufzuwischen und auf den Müll zu werfen. Das sei wichtig, denn nach
68 Tacitus, Germania. Lat/dt., übersetzt und mit einem Nachwort von Manfred Fuhrmann, Stuttgart 1978.
69 Jonathan Littel, Die Wohlgesinnten, 23, 2008.
70 Voraussetzung war die von Newton vertretene Ann. der völligen Gleichheit u Träger der schweren Massen.
71 Döblin, in Berliner Tageblatt, Nr. 543, 5, 24. Nov. 1923.
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dem Dawesplan und Locarno sei die anstehende Volksabstimmung zur Fürstenenteignung nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zur endgültigen Bolschewisierung Deutschlands. »Die Alliierten haben Deutschland entwaffnet und versklavt. Jetzt geht es darum, diesen »deutschen Landen seine Seele und sein Wesen zu rauben«, um es in einen hilflosen Ameisenhaufen zu verwandeln, dessen Milch abgemolken wird«. 72
So gut die Geistesgeschichte des letzten Jahrhunderts erforscht ist, so wenig bekannt sind mentalitätsgeschichtliche Begebenheiten und Mythen der Deutschen, insbesondere was Gedanken und Motive jener Kreise betrifft, 73 und die nur zu oft zwischen Hingabe, Aufgabe und innerer Emigration sowie vereinzelt in Opposition schwanken. Es entstanden Publikationen mit sozialdarwinistischer Deutung, 74 welche die Wahrnehmung politisch-sozialer Entwicklungen auf vielfältige Weise ab dem Jahr 1901 beeinflussten. Die Bedeutung des Sozialdarwinismus lag in der Fähigkeit, die Komponenten des aufsteigenden Nationalismus in ein umfassendes, wissenschaftliches Weltbild zu integrieren und ihm auf diese Weise Plausibilität und Geltung zu verleihen. Die Kreise, die sich bilden - sind »parallele Gesellschaften« nicht nur in Hinterhöfen. Das neue Paradigma - es gibt nichts Absolutes mehr auf dem Planeten Erde - wurde auf sämtliche Bereiche menschlichen Lebens übertragen - insbesondere auf ethische und moralische. Religion und staatliche Autorität lieferten konservativen Vorbehalten neue Nahrung. Und die Menschen wollten sich nicht ihr Weltbild zerstören lassen, zumal nicht von allgegenwärtigen jüdischen Einrichtungen, die auch nach 1945 wieder installiert wurden.
Zwischen 1820-1919 entstanden aus politischen Randformationen stetig nationale Bewegungen. Dabei sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass einflussreiche Eliten, Förderer der Industrie und der Hochfinanz sich mit den machtpolitischen Zielen identifizierten. Nationale Geistesströme wurden durch Historiker, Sozialphilosophen und Literaten mit machtvollem Worte in den Logen erhoben - die Politiker verstummen ließen.
Der österreichische Industrielle und Hüttenwerks-Besitzer Karl Kellner, gründete den Ordo Templi Orientis, O.T.O. Dort pflegte man eine an den Westen angepasste Version des fernöstlichen Tantra-Kultes. Darin stießen die weiblichen Aspekte der obersten Gottheit in den Mittelpunkt. 75 Es handelte sich um zentrale Motive des Tantra-Kultes, des frühindischen Ritus, der während des Überganges von Matriarchat zum Patriarchat entstand. Auch in Berlin und Paris personifizierte das weibliche, irrationale, rauschhafte, kreatürliche Prinzip - das sich gegen das männliche, kontrollierte, vernünftige, ordnende Prinzip zur Wehr setzt. Die Verquickung fernöstlicher mit europäischer Lehre wurde ein Schlüsselthema im Buch »Reaktionärer Modernismus«, 76 Aspekte der nazistischen Ideologie, verbunden mit Techné. Nationalismus und Nationalsozialismus, wird später einmal von Goebbels als »Stahl-wie-Romantik« des zwanzigsten Jahrhunderts« bezeichnet.
72 Gesprächsnotiz mit Werner Beumelburg, April 1962.
73 »Techné-Gesellschaften in Berlin, Breslau, München und Wien.
74 Friedrich Ratzel, 1844-1904, Der Lebensraum (1901); Hans Grimm 1875-1959, Volk ohne Raum. Vgl. auch Heike Wolter, Volk ohne Raum. Lebensraumvorstellungen im geopolitischen, literarischen und politischen Diskurs der Weimarer Republik. Eine Untersuchung auf der Basis von Fallstudien zu Leben und Werk Karl Haushofers, Hans Grimms und Adolf Hitlers. Münster, Hamburg, London, LIT 2003.
75 Karl Kellner, 1895, ind. Namen wie Devi, Radha, Methamma, Kali oder Durga.
76 Herf, Jeffrey, Reactionary Modernism. Technology, culture & politics in Weimar and the Third Reich. 1984.
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Leben wird nicht nur mit der Judenfeindlichkeit verbunden, 77 sondern mit sozioökonomischen, kulturhistorischen Techné-Voraussetzungen. Der Judenhass entsprach dem »kulturellen Code« einer Weltanschauung oder »neuzeitlichen Metaphysik«.
Niemals haben Denker in den Logen und Burschenschaften eine derart dominante Rolle eingenommen. Es sei hier auf preußische Historiker (Griffen) Johann Gustav Droyssen, 78 Theodor Mommsen, 79 Heinrich von Sybel, 80 den jüngeren Heinrich von Treitschke, 81 Hans Rothfels 82 wie sie in ihren Logen auf die Mitglieder und auf die Öffentlichkeit in der Gesellschaft einwirkten eingegangen: Inwieweit sie als deutschnationale Historiker einer Politik das Wort redeten, die sich später nahtlos in die NS-Ideologie einfügte. Im Namen der neuen Volksgeschichte wird die Homogenität des deutschen Staatsvolkes gehoben, sowie die »Entpolung« und »Entjudung« osteuropäischer Siedlungsgebiete zugunsten der Ansiedlung von »Volksdeutschen« gefordert und mit dem Gütesiegel wissenschaftlicher Autorität versehen (auch von Hans Rothfels, jüdischer Herkunft). 83 Ebenso legten Theosophen, die Welt in ihrer Entwicklung Gottes neu aus und stellten sie in mystischer Schau ihren Kreisen vor. Die Theosophen Helena P. Blavatsky, 84 René Guénon, Nicolei Roehrich sowie Rudolf Steiner, schufen mit der »Anthroposophischen Gesellschaft« zwischen 1900-1925 die wichtigste esoterische Gemeinschaft der europäischen Geschichte. 85 Sie verbanden kulturhistorische Epochen aus dem Abendland mit dem Morgenland. Guénon, Roehrich sowie Steiner wirkten wie ein Mikrokosmos in der Zeit um 1900, ohne ihr Umfeld sind ihre Ausführungen nicht zu verstehen. Sie schufen eine gemeinsame Sache mit wechselseitiger Anzeige des relevanten Kontexts für und während ihrer Kommunikation. In der Quintessenz wurde von diesen Kreisen das deutsche Kaiserreich verdrängt: Historiker, Theosophen und »Morgenlandfahrer« 86 entdeckten die Welt und wirkten metaphysisch auf ihre Anhänger ein. Auf der anderen Seite entwickelten sich im bürgerlichen Gesellschaftsleben Zentren der Literatur, Kunst- und Musikbegeisterter in München - Breslau/Wrocław - Bayreuth - Berlin - Paris, London und New York. 87
In der »Morgenlandfahrt« wird die Sehnsucht und außerordentliche Bereitschaft für das Esoterische aufgezeigt. Das Land war voll mit »Propheten und Jünger«, es wurden »Grenzen
77 Burleigh, Wippermann, the Racial State. Germany 1933-1945, 1991.
78 Droyssen, 1808-1884.
79 Mommsen, 1817-1903.
80 Sybel, 1817-1895.
81 Treitschke, 1834-1896; nach ihm ist in Berlin-Steglitz eine Straße benannt, Treitschke machte den Judenhass in Deutschland salonfähig.
82 Rothfels, 1891-1976.
83 Ingo Haar, Revisionist. Hist.: Königsberger Beisp. In: Schöttler (Hrsg.): Gesch. als Legitimation, 88f.,1999.
84 Blavatsky, 1831-1891, eine gebürtige Hahn von Rottenstern, stammte aus deutsch-russischem Adel und gelangte nach dem Mythos im Alter von 24 Jahren über Kaschmir und Ladak nach Tibet, wo sie in buddhistischen Klöstern eine systematische Schulung erhielt. Guénon, 1886-1951, Roehrich, 1874-1947, sowie Rudolf Steiner, 1861-1925.
85 Johannes Kiersch, Wenn Anthroposophie von innen gesehen wird, aus Prozessen der Entwicklungen und Erneuerung heraus, wird sie aus der Imagination gewonnen, die Ebene der Intuition ist der Bereich, der zu letzten Wahrheiten führt. »Absolute Wahrheiten« müssen bei Steiner differenziert werden, aber sie sind erkenn- und überprüfbar. Steiner ist für Kiersch ein Mensch und als solcher nicht ohne Fehler und Irtümern, aber darüber hinaus mit der Fähigkeit zur Intuition, aus der das Schauen gewonnen wird; siehe Kiersch, Vom Land aufs Meer: Steiners Esoterik in verändertem Umfeld. 2008.
86 »Morgenlandfahrt« ist eine Erzählung Hermann Hesses von 1932.
87 Hamann, 111, 2003.
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durchbrochen und Vorstöße in das Reich einer kommenden Psychografie« und dem Reich der Seele Unterommen. Während der Bund als ganzer nach sehr hohen, der Zone der Geheimnisse zugehörigen Zielen strebte, hatten die Mitglieder der Logen auch ihre eigenen, privaten Beweggründe gehabt, diese waren eine der Anforderungen zur Aufnahme in den Bund. Die Menschen suchten nach dem Schatz des »Dào« und Schlange »Kundalini (Yoga)« und dem Strom der Seelen. Es war Hermann Hesses Wunsch gewesen, die »Prinzessin Fatma« zu sehen und um ihre Liebe in der »Heimat des Lichtes«, »in Fernost« (Indien/China) anzuhalten. Auf dem Weg wurden Blumenfeste gefeiert. Morgenlandfahrer trafen bisweilen auf Gestalten wie einen Riesen (Agramant) aber auch auf die Maler Paul Klee und Klingsor (interessant ist hier, dass der vieldeutige Name Klingsor (Zauberer/Magier) einbezogen wird, ein umformender Weg durch das Böse darstellt, nach Rudolf Steiner und Gegner des Gralskönigs, in von Eschenbachs mittelalterlichem Versroman Parzival aus dem 13. Jh.). In der Nähe des Schweizer Städtchens Urach stießen die Wanderer auf Hinterlassenschaften der Staufer, die den Bund für ihre Ziele, die Eroberung Siziliens zu instrumentalisieren versuchten. Auch hier wurden hin und wieder einzelne Brüder abtrünnig, wandten sich der »vermeintlich realen Welt« zu und vergaßen die Ziele des Bundes.
Thomas Mann schildert im »Zauberberg« einen Gegensatz zwischen Fernost und Europa, wie er für die Kultdebatten der Zeit typisch war: Asien scheint für ihn Chaos zu sein; er belehrte die Europäer damit, dass die Vernunft wieder einmal vom asiatischen Chaos »bedeckt« sei. Es ist erstaunlich, dass Thomas Mann die Arbeit des Indologen Karl Neuman schließlich unter die großen Übersetzungstaten 88 der Weltliteratur reihen und sie zur Grundlage berühmter literarischer Werke wie Hesses Siddhartha werden ließ. Bedeutende Theoretiker und Philosophen von Max Weber bis Ernst Bloch konsultierten diese Übersetzungen, das damals zunächst nicht abzusehen war, wie die Tatsache, dass sie bald Unzähligen zur Orientierung diente. 89 Der Buddhismus, der die Welt überwinden will, keinen göttlichen Schöpfer anerkennt und die Veränderlichkeit des menschlichen Wesens hervorhebt, dessen Ziel das Erlöschen sein sollte, entsprach manchen Kriterien. Neumann leitete seinen Vergleich mit Eckhart ein und gewann so Einfluss auf prominente Wagnerianer, wie Houston Stewart Chamberlain. 90
Alle scharten sich um Winifred Wagners neuen Schwager, denn politische Visionäre berufen sich nicht nur mehr auf Fichte 91 oder gar auf den deutsch-jüdischen Emil Herz, 92 Franz Werfel, Johannes Lepsius. Zunehmend wird sich auch an diejenigen von rechts wie Friedrich Griese, Eberhard Möller, Kurst Ziesel und Werner Beumelburg orientiert, wobei sie wohlweislich unterschlagen, dass die Denkrichtungen trotz ihrer tiefgründig vorgetragenen Ideologie über
88 Karl Eugen Neumann skizzierte 1911 »Den Weg« des Buddhismus nach Europa. III, 824, Zürich/Wien, 1957.
89 Karl Eugen neumann, Übertragungen aus dem Pali-Kanon. Gesamtausgabe in drei Bänden. Zürich/Wien 1957.
90 Der Engländer Chamberlain war Bewunderer der Bühnenwerke und Anhänger der Weltanschauung Wagners. 1905 heiratete er dessen Tochter Eva und übersiedelt von Wien nach Bayreuth. Er galt als führender Wagnerianer, den besonders der Antisemitismus des Komponisten begeisterte. Chamberlain betrachtete die Deutschen als schöpferischste Vertreter der arischen Rasse, was er in Büchern über Wagner, Kant und Goethe dokumentierte. Er war von der überlegenen Bedeutung der aus dem Norden Europas stammenden Menschenart überzeugt, wobei er dem Deutschtum die Würde und Verantwortlichkeit des germanischen Rassegedankens zukommen ließ.
91 Fichte,1808, Rede an die deutsche Nation.
92 Emil Herz, 1951, Denk ich an Deutschland in der Nacht. Titel ist der ersten Zeile Heinrich Heines entnommen: »Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht«.
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angeblich deutsches und deutsch-jüdisches Wesen, die Nation als ein Durchgangsstadium mit -Auf den Weg - nahm zur freiheitlichen Zukunft im Geist der Menschlichkeit: Deutschland, der von Napoleon auf seine überstaatlichen Gemeinsamkeiten gehobene Bund (Die Gliederung des südlichen Ufer des Bodensees-Untersees geht auf Napoleon zurück und wird Côte Napoleon bezeichnet), 93 sollte als Kultur- und Bildungsmacht Vorreiter eines globalen Aufbruchs sein, an dessen Ende für diese Denker nichts geringeres stand als der Bund in einer »heilen Welt«.
Zahlreiche, sich widersprechende, zum Teil außergewöhnlich vielschichtige Denkrichtungen und Geistes Strömungen bestimmten den Zeitgeist, in dem sich zunehmend antisemitische Klänge untermischten. Die Gnosis-Bewegung »Alldeutschen Publizisten und Agitatoren wie Wilhelm Marr, Theodor Fritsch und Adolf Stöcker« griffen Treitschkes Worte auf, das Martin Luther in den Mund gelegt wird: »Die Juden sind unser Unglück«. Einige Publizisten geißelten fortschrittliche Ideen und die Moderne als Folge und Zeichen einer jüdischen Welt-Verschwörung (z.B. wurde die erste, schnelle Zugverbindung mit 28 Km/h zwischen Nürnberg und Fürth vom namhaften Mediziner als verheerend für die Gesundheit des Menschen angeprangert). Es kursierten die erfundenen »Protokolle der Weisen von Zion«. Den Alldeutschen folgten Christian Baur, Lipsius, Hilgenfeld, Adolf von Harnack, 1904 Richard Reitzenstein und 1910 Dietrichs (Dokumente der Gnosis). Es entstand eine eigentümliche Verbindung aus Wandervogel-Romantik und sozialer Enttäuschung, besonders solcher Menschen, die vom sozialen Abstieg bedroht waren, so das Kleinbürgertum, zumeist handwerklicher Ausrichtung, das sich von der Gewerbefreiheit bedroht sah.
Der Franzose Gobineau bürgerte die Vorstellung vom »Rassenkampf« ein, 94 er glaubte an die Überlegenheit der »arischen Ur-Rasse«. Die Vermischung mit »minderwertigen Rassen« führe unweigerlich zur Degeneration und damit zum Untergang eines Volkes und Staates. Chamberlain bewunderte Deutschland und verkündete in seinem Versuch, Weltgeschichte einseitig und ausschließlich zugunsten der arischen Rasse positiv auszulegen: »Körperlich und geistig ragen die Arier unter allen Menschen hervor, deshalb sind sie zu Herrschern der Welt berufen. Sie haben in Indien eine zentrale Religion geschaffen, der Welt die unvergängliche Schönheit von Hellas, den Rechtstaat des römischen Imperiums gegeben, schließlich den drohenden Kulturzerfall durch die Jugendkraft der Germanen abgewendet«. 95 Toland sagte, »Deutschland hat in den Stunden seiner höchsten Not sich einen Führer geboren, das bezeugt sein Lebendig sein«. 96 Toland weist auf das in geistiger Tradition verbundene rechtslastige Nordamerika hin. Grant wird von den Nationalsozialisten als einer ihrer geistigen Wegbereiter gefeiert; Stoddard gilt als Erfinder des Begriffs vom »Untermenschen«. Solche Gedanken waren verbreitet nicht nur bei wenigen Deutschen, sondern auch bei ariosophischen Verfechtern in Frankreich (Action Française),
93 Die Bonapartes waren nicht nur politisch Trendsetter des 19. Jahrhunderts. Die Sonderausstellung »Einfach kaiserlich! Die Gärten der Familie Bonaparte« im Napoleonmuseum auf Schloss Arenenberg am Bodensee zeigt vom 20. April bis 18. Oktober 2009 erstmals die Leidenschaft der Bonapartes für den Gartenbau. Der original restaurierte und im letzten Sommer eröffnete Arenenberger Landschaftspark am Schweizer-Deutschen Boden-Seeufer in direkter Nachbarschaft von Konstanz spielt dabei eine unverzichtbare Rolle.
94 Gobineau, Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen, Paris 1853.
95 Chamberlaine, Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts. , 237/238, München 1922
96 Toland, 213, 1977.
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England, Holland, Schweiz und Ungarn. 97
Oswald Spengler, Rudolf Steiner und Ludwig Klages entsprachen dem Zeitgeist differenziert. Sie wurden, so unterschiedlich sie in ihren Aussagen auch waren, von weiten Kreisen ― rechten wie linken Esoterikern - geradezu als Propheten gefeiert. Sie werden heute, so habe ich den Eindruck, zum Teil bewusst diffamiert, weil sie in ihrem holistischen Ansatz vom Menschen nicht verstanden werden. Eine Bewertung oder Umwertung der Werte gelingt nicht absolut - wie Nietzsche eindrücklich aufzeigte. Für Nietzsche ist das Zerstören alter Werte lediglich ein Durchgangsstadium, um Raum für neues zu schaffen, für die neue Wertesetzung.
Dieses Theorem zur Innovationsdynamik erhielt eine populäre soziologische Fassung durch Martinsen. 98 Natürlich können wir darüber streiten, ob es ähnlich katastrophale Zustände in der Weltwirtschaft gab, wie uns heute eingeredet wird. Der praktizierte Historismus entsprang hochdramatischen Transformationen in der Deutung, für die damalige Weltdeutung.
Die Anthroposophie entwickelte sich paradigmatisch für antihistorisch-deutbare Reaktionenvom theoretischen Kommunismus (Dreigliederung) über anstehende nationalistische Fragen bis zum New Age als eine praktizierte Esoterik. »Anthropische Wege«* zeigen auf, dass zwischen dem Zustand der Planeten und der Existenz der Menschen eine Korrelation besteht. Rudolf Steiner hält den Bringer des Guten, den Maitreya-Buddha, sehr hoch. Maitreya ist der Antichrist. Es ist eine verschlüsselte und kritische Äußerung zum aufkommenden Nationalsozialismus sowie zum Widerstand. Diese Channelbotschaften (konnten nur Eingeweihte verstehen - wie sonst!) sind vermutlich auch für Eingeweihte schwer nach zu vollziehen. 99 In einer Vorlesung mit dem Titel Maitreya - Christ oder Antichrist umriss Steiner, was auch immer von den Lippen eines Maitreya durch die Kraft Christi kommt. Steiner nach zufolge ist Christus der Prophet, der das Land von Shambhala mit seinem zweiten Kommen offenbart und sein Erscheinen ankündigt. Shambhala ist das Land, das vor langer Zeit verschwand, mit Sitz des Herrschers. 100 Für Steiner aber ist dort der Sitz des Antichristen! Steiner arbeitete an diesem Thema den Konflikt zwischen Gutem und Bösem heraus und personifiziert Luzifer und Ahriman. Steiner betitelt in der Zeitschrift LUCIFER: »Kinder des Luzifer (Lichtbringer, Anm. d. Verf.) sind alle, die nach Erkenntnis und Weisheit streben«. 101
Helena P. Blavatsky hatte Luzifer bereits von dem Bösen (Satan) differenziert. Nach ihrer Auffassung in der »Geheimwissenschaft« ist Luzifer der Licht(bringer), das Astrallicht im Geist jedes Menschen, das sowohl den Versucher als den Befreier vom Animalischen darstellt. Es dient sowohl dem Schaffen als auch dem Zerstören und manifestiert sich in Leidenschaft der Seelen, denn trotz der Tatsache, dass Luzifer die Menschheit auf eine höhere Ebene erhob haben Scholastiker in ihm das Böse gesehen, das überwunden werden muss. Helena P. Blavatsky schrieb
97 Lange, 59, 1993.
98 Martinsen, 138/139, 1999.
99 Steiner, Das esoterische Christentum und die geistige Führung der Menschheit, in: Buddha und Christus. Dornach, 53, 1939.
100 Steiner, Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt, ist seiner Zeit weit voraus 131. Obwohl die Existenz des Äthers bis ins frühe 20. Jh. in wissenschaftlichen Kreisen unumstritten, bis das Michelson-Morley-Experiment 1887 allgemein als Beweise anerkannt wurde, dass eine solche verborgene Energiequelle nicht vorhanden sei.
101 Aus G. Wehr, Rudolf Steiner, Wirklichkeit, Erkenntnis und Kulturimpuls. Verlag Aurum, 189, 1982
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über den zoroastrischen Dualismus und über den Kampf zwischen Ahura Mazda und Ahriman, den Kräften des Lichtes und der Finsternis. Rudolf Steiner ging noch einen Schritt weiter als Blavatsky und verwandelte den Dualismus in einen Antagonismus zwischen Luzifer und Ahriman. In »Die Geheimwissenschaft im Umriss« charakterisiert Rudolf Steiner Luzifer als Lichtwesen, als Brücke zwischen Mensch und Gott, der dem Verstehenden Christus näher bringt. Danach sind die Kinder Luzifers also alle, die nach Wissen und Weisheit streben. Ahriman dagegen führt die Menschheit nach unten in die Tiefe, zu seiner niedrigeren, materiellen, fleischlichen, animalischen Natur. So verwundert nicht, dass sich Rudolf Steiner selbst einen Luziferianer nannte und, entsprechend seiner Logik, war Maitreya der Antichrist. Da die Menschen die eigentlichen Lehren des Christus verdorben hatten, würde Maitreya als Antichrist von Shambhala kommen und die Welt von ihren Fehlern reinigen und die Botschaft von Christus lehren.
Die britische Theosophin Alice Bailey 102 betrachtete sich, wie Helena P. Blavatsky als ein Medium. Beide Seherinnen behaupteten, okkulte Briefe eines tibetischen Meisters aus dem Raum zu »channeln«. In ihren Büchern »Initiation, Human and Solar«, 103 Letters on Occult Meditation, »A Treatise on Cosmic Fire« und »A Treatise on White Magic«, schrieb Alice A. Bailey ausführlich über Shambhala-Kraft. Wie schon der russisch-deutsche Theosoph Nikolas Roerich hält sie Shambhala für den Sitz des kosmischen Feuers, mit der Kraft der Reinigung. Statt sich diese Kraft, als ein gutwilliger Agni (= also als geistiges Reinigungsfeuer) vorzustellen, 104 assoziiert sie wie Steiner Agni mit Luzifer. So sprach Bailey von einer Quelle der destruktiven Kraft, die degenerierte Form der Lehren auszustoßen und ein Neues Zeitalter (New Age) hervorzubringen. Die Shambhala-Kraft erklärte Bailey als einen Zustand des Willens: Wird sie missbraucht, kann sie die Quelle des Bösen werden; wenn sie allerdings als göttlicher Wille angesehen wird, kann sie positiv von Eingeweihten genutzt werden. Die Hierarchie in Shambhala, benützt Techné und wird diejenigen, die reif dazu sind, zur rechten Zeit in die Mysterien der Zeitalter initiieren.
C.G. Jung ergänzt, indem er sagt, »dass wir eingebettet sind in einer Fülle von kosmischen Ereignissen. Alles, was geschieht, ist von wesentlicher Bedeutung in sich selbst und dem Ego als Empfänger, Zuschauer und Sender. Was so seltsam ist die Symbolisierung des Selbst als einer Maschine. Eine Maschine ist immer etwas erdachtes, bewusst Zusammengesetztes für einen bestimmten Zweck. Wer hat diese Maschine erfunden? (Vgl. das Symbol der »Welt Uhr«!). Tantristen sagen, dass Dinge, die Unterscheidbarkeit von Gottes Gedanken darstellen«. 105
Alice Bailey äußerte, dass die Shambhala-Kraft ihre Existenz in der Geschichte zweimal offenbarte: 1. während der lemurischen Zeit, um die Individualisierung der Menschheit anzukündigen, 2. während der atlantischen Zeit, der Zeit des Kampfes zwischen den Herren des Lichtes und den Herren der materiellen Form, den dunklen Mächten. Heutzutage, fuhr sie fortwobei sie sich auf die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bezog - manifestiert sie sich als die Kraft,
102 Bailey, 1880-1949.
103 Bailey, Initiation. Menschliche und Solare Einweihung von 1922; Briefe über Okkultistische Meditation, 1922; Abhandlung über das Kosmische Feuer, 1925; Abhandlung über Weiße Magie, 1934.
104 Agni ist das Sanskrit-Wort, für das heilige Reinigungsfeuer der Veden.
105 Collected Works, CW 11, 869, 871, 2009; Antwort auf Aniela Jaffé, Aus dem Leben und Werkstatt von C.G. Jung, Zürich 1938.
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die zerstört, was unerwünscht und hemmend in den gegenwärtigen, weltweiten Formen der Regierung, der Religion und der Gesellschaft ist. Aus Alice Baileys Lehren gehen mehrere okkulte Bewegungen hervor, die metaphysische Weltauffassungen verbinden.
Interessant dabei ist, dass Kalachakra-Texte das Christentum nicht oder nur marginal erwähnt. Die jüdisch-christliche Ethik wird als widernatürlich betrachtet. Buddhisten und andere aus Fernost empfinden es seltsam, dass ein »toter Mann am Kreuz« verehrt und angebetet wird. 106 Sie weisen darauf hin, dass es für Buddhisten und Hindus ebenfalls schreckliche Bilder gibt, die aber nicht personifiziert sind. Gemeinsame Bräuche und Lehren bestehen für sie, die es ihnen erlauben, zusammen eine, geistige Front zu bilden, um den Schrecken einer Hinrichtung, einer Invasion zu begegnen. Sie behaupten nicht, dass Shambhala der Ausgangspunkt einer Reform ist, die die Menschen zurück zu den wahren Lehren der Gründer der Religionen führen würde.
Hitler soll zum Christentum bemerkt haben: »Wir haben eben überhaupt das Unglück, eine falsche Religion zu besitzen«. 107
Während in der Wandervogelbewegung des Kaiserreichs Schlapphüte getragen, Klampfe und Flöte gespielt wurden, dominierten bei den Pfadfindern, der Bündischen Jugend in Berlin zunehmend Uniformen, Trommeln, Pfeifen und Fanfaren. Der Erste Weltkrieg hatte die Youth Bulges romantisiert und zugleich brutalisiert. An den Schulen wurde wie im Kaiserreich durch die Lehrer geprügelt, die vorherrschende politische Einstellung der Lehrer war nationalistisch und antidemokratisch. Sekundärtugenden wie Gehorsam und Disziplin waren angesagt. Männer wie Eberhard Koebel 108 versuchten Jungendgruppen autonom, zu machen (natürlich im Sinne kollektivistischer Vorstellungen). Tatsächlich war auch diese Bewegung von National-Revolutionären,* auf Befehl und Gehorsam setzenden Einstellung nicht weit entfernt. Was sie verband, war atemloser Aktionismus. Die Jugendlichen wurden, wie heute durch TV-Killerspiele und Harry-Potter Bücher, mit Abenteuern, allerdings grundsätzlich paramilitärischen Drill in Erwartungs-Haltung und Spannung versetzt. Die Jugend war wichtigstes Potential für das aufkommende NS-Regime. Der Faschismus setzte sich das Erziehungsziel der »Formung des Volksgenossen«. Und so wie im allgemeinen die Voraussetzung geistiger Leistungsfähigkeit in der rassischen Qualität des gegebenen Menschenmaterials liegt, so muss auch im einzelnen die Erziehung zuallererst die körperliche Gesundheit ins Auge fassen .(…) Der Staat hat seine Erziehungsarbeit so einzuteilen, dass die jungen Körper schon in ihrer frühen Kindheit zweckentsprechend behandelt werden und das notwendige Stählen für das spätere Leben
106 Für Buddhisten ist die Kreuzigung schwierig zu verstehen. Auch wenn Christen nach allgemein anerkannten Konfessionsregeln u Ansichten hin erzogenen wurden, so ist ihnen ihre Abhängigkeit u mangelnde Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung meist nicht mehr gegenwärtig. Dieselben Menschen, die sich - zu recht - über die Darst. von Gräueltaten in Horrorfilme empören, gewöhnen dann ihre Kinder an grausig dargestellte Fälle oder an den Anblick eines gequälten Juden am Kreuz. Als Entschuldigung für die Duldung eines solchen Widerspruchs ist von kritischen Christen zu hören, dass sie so erzogen worden seien. Buddhisten wundert es darum nicht, dass auch durch Wirkung der frühkindlichen Indoktrinierung Politiker in Deutschland ihren Amtseid mit dem Zusatz »so wahr mir Gott helfe« ablegen und damit bekennen, dass sie nicht selbstverantwortlich ihre Entscheidungen treffen. Entscheidungsträger im NS-System hatten es da nach Ihrer Meinung einfacher.
107 A. Speer, 110, 1969.
108 Koebel wurde nach der Zeitung tusk genannt, deren Herausgeber er war.
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erhalten«. 109
Das NS-System investierte große Energie, Gelder und Kräfte, um die Jugend zu gewinnen; Lager und Fahrten, Uniformen und Flaggen, Kameradschaftsverhältnis; Mitgliedschaft für 10- bis 18Jährige Pflicht; acht Millionen Jugendliche in der HJ; junge Frauen im Bund deutscher Mädel (BDM); Sport, Freizeit und Bildungsangebote, Möglichkeit aus der Enge der Wohnung und Familie zu entkommen. Das Markenzeichen, das von tusk nach lappischem Vorbild konstruierte Zelt, die Kote, wird heute immer noch von Pfadfindern aufgeschlagen. Die von tusk entworfenen, dunkelblauen Jacken waren vom Jungvolk der Hitlerjugend wie später von Pfadfindergruppen übernommen worden.
Die bündische Jugend, in der Gesamtheit der Jugendvereine an Zahl nur gering, gab aber zunehmend den Ton im städtischen Umfeld an. Sie war nicht nur ihrem Selbstverständnis nach Elite, sie war es auch nach sozialer Herkunft (Söhne des Bildungs- und Besitz-Bürgertums). Die bündische Jugend gab sich »schöngeistig«. Dagegen standen in der Parteilinie der Hitlerjugend Alltagsfragen junger Menschen im Vordergrund. Vor allem wurde das Gefühl vermittelt auch einer Elite anzugehören. So boten sich in der Hitlerjugend für junge Menschen mit partiell gestörtem Selbstwertgefühl bessere Kompensations-Möglichkeiten, im Vergleich zur bündischen Jugend. Die jungen Menschen der Bündischen tauchten in den übersinnlichen, geheimnisvollen, rätselhaften nationalen Kampfbund, wie der »Stahlhelm« oder die SA, sowie der KPD-nahen roten »Frontkämpferbund« ein und beschritten Wege zur nationalen Selbstfindung im »Reichsbanner«* an den Lagerfeuer im Grunewald und an der Elbe mit Volksliedern, umgeänderten vermehrtem neuen Liedgut. Sie litten ebenso wie ihre Eltern, die Führungspositionen in Staat, Wirtschaft und Militär innehatten: Ihnen fehlte der soziale Unterbau. Die NS-Jugend hatte dagegen etwas, wonach sich auch die Bündischen sehnten: Einen Führer!
Koebel versuchte 1931/32 einen Weg für die Jugend zu finden und gründete eine der ersten Wohngemeinschaften Berlins: In der rotgrauen »Garnison«, einer Achtzimmerwohnung in Berlin-Kreuzberg, wurde auch die Redaktion der Zeitschrift tusk untergebracht, an der die WG-Mitglieder arbeiteten. Geld, Verpflegung und Hausarbeit: Alles wurde geteilt. Streitereien untereinander wurden durch die »Garnisonsversammlung« geschlichtet. Die Ausein-andersetzungen um Spülen und sonstige Belange des täglichen Lebens, wie ich sie in den 68er Jahren in Aachen kennen lernte, gab es offenkundig auch schon, wie Tagebuchauf-zeichnungen belegen.
Heterosexuelle Männer und Frauen wurden zu sexuellen Vergnügungen angespornt. Das hatte nichts mit Bevölkerungs-politischen Zwecken zu tun, der Gebärmütter-Anreiz (zum Kriegseinsatz) kam erst später. Ab 1934 durchdringen die NS-Propaganda rassistische, polemische Darstellungen. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges bestimmten weitgehend bürgerliche, spießige Enge und Prüderie das gesellschaftliche Geschehen. Ein Teil der Bevölkerung konnte jetzt unter dem erstarkenden antisemitischen System über Körperkultur und Gymnastik viel Freiheit schöpfen, was sich z.B. in der FKK-Bewegung zeigte. Dagmar Herzog 110 stellt bezüglich der
109 Hitler 1925/27 in Reble, A. Geschichte der Pädagogik, Dokumentationsband, 579 f., Stuttgart 1971.
110 Dagmar Herzog, Die Politisierung der Lust, 2005.
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Sexualität in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhundert die These auf, dass der Sexual-Konservatismus keine Fortführung auf das System Weimar ist, sondern Gegenreaktion auf die unterschwellige, sexuelle Zügellosigkeit des aufkommenden NS. Das NS-System hat die weibliche Jugend geradezu zu sexuellen Handlungen angespornt: BDM-Führerinnen bei den »Stieglitzer«-NS-Frauenorganisation (angeblich benannt nach dem US-Fotografen Alfred Stieglitzer, nichtjüdischer Herkunft), wurden angewiesen, die ihnen anvertrauten jungen Frauen und Mädchen zum vorehelichen Geschlechtsverkehr zu animieren. Zeitzeugen zufolge waren Kondome an Automaten erhältlich, von denen viele in den fünfziger Jahre abmontiert wurden. Ein konservativer Arzt stellte 1938 fest, dass nur noch rund fünf Prozent der Frauen bei ihrer Heirat noch Jungfrauen« seien. »Die Bevölkerung habe zwar den Nationalsozialismus in politischer Hinsicht weitgehend angenommen und auch den Antisemitismus […] angemessen umgesetzt, zeigt aber keinerlei Neigung ihre emanzipierten sexuellen Gewohnheiten wieder aufzugeben«. Victor Klemperer 111 schreibt 1935 in seinem Tagebuch aus Dresden: »Annemarie Köhler erzählt verzweifelt, die Krankenhäuser seien übervoll, nicht nur von schwangeren, sondern auch von tripperkranken 15jährigen Mädchen«.
Dem kam die Berliner »Waldsucht« im Grunewald entgegen, dem Wandern auf dem Hohen Meißner oder Burg Waldeck im Hunsrück mit Lagerfeuer, Zupfen auf der Klampfe, diese chemische Hochzeit mit der »urverwurzelten Volksseele«, die den Forderungen des französischen Reformdenkers Jean Jacques Rousseau (Zurück zur Natur) leidenschaftlich entsprach.
Der BDM wurde von jungen Frauen keineswegs nur als Disziplinierungsinstanz gesehen:»Ein bisschen was sehen und erleben, so formulierte es eine ehemalige BDM-Führerin«. 112 ― Die jungen Frauen sollten sich als Teil einer Gemeinschaft und somit ihres Volkes begreifen. Flankiert von weltanschaulichen Schulungskursen in Heim-Abenden mit Volks- und Rassenkunde, kultureller Erziehung in Volkstänzen, neuen Liedern und der Aneignung hauswirtschaftlicher Fähigkeiten arbeitete der BDM trotz vermeintlich emanzipatorischer Stärkung des weiblichen Körpers auf die zukünftige Rolle der Frau im Dienste des Staates hin. Gehorsam, Disziplin, Pflichterfüllung, Kampfgeist, Gesundheit, eine einfache, praktische Lebensführung und ein schlichtes Erscheinungsbild ohne Luxus und Schminke, mit flachen, zweckdienlichen Absätzen wurde in BDM-Schulungen vermittelt. 113
Verwunderlich ist dabei für den Asiaten Kenchi, dass in Deutschland und Europa die Esoterikwelle aus Asien hereinschwappte, die von einem elitären, gehobenen Bürgertum gierig aufgesaugt wurde. Das ging einher mit technischen und ökonomischen Entwicklungen. Diese Aufnahme lief illiberal. Moderne heißt im üblichen Sinn Weiterentwicklung von Wissenschaft,
111 Victor Klemperer, Ich will Zeugnis ablegen Tagebücher 1933-1945. 1995.
112 Ina Paul-Horn: Faszination Nationalsozialismus. Zu einer politischen Theorie des Geschlechtsverhältnisses.
113 Steinbacher »Voksgenossinnen«: Die »Moderne Situation« änderte sich vollends, als die Männer an die Front mussten und statt ihrer die Frauen an der »Heimatfront« benötigt wurden. 500.000 Frauen dienten als Wehrmachthelferinnen, 50.000―100.000 dienten als Flakhelferinnen und Reichsarbeits-Dienst, hunderttausende in der Rüstungsindustrie und im Luftschutz. Seit 1936 konnten Frauen theoretisch alles studieren (vieles ging ab 1942 kriegsbedingt nicht mehr; selbst nicht mehr an der »Abendschule«). Sie wurden z. B. Lehrerinnen, Regierungsrätinnen und Richterinnen. Hitler soll sogar in den letzten Kriegsmonaten die Bildung eines Frauen-Bataillons geplant haben, obwohl die NS-Propaganda stets gegen »bolschewistische Flintenweiber« in der Sowjetarmee gehetzt hatte. 2007.
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Technik und Ökonomie in der bürgerlichen Gesellschaft und ihre Spiegelung im realen Leben: Die Entwicklungen bizarrer Lebensformen, dekadentes Berliner Nachtleben, sowohl modern wie antimodern innerhalb »narzisstischer« Formen war dem entwickelnden Wohlstand zu verdanken. Da sirrten bewegte Schwingungen. Sexenergien durchbrechen Blockaden im Bauchbereich - was nicht nur Veränderungen im Sex-Bereich bedeutet, es bedeutet durchaus auch meditative Loslösung durch Versenkung und Tanzen, die nach heutigen Kenntnissen Neuronen im Hippocampus entstehen lassen. 114
Während die freiheitliche Stehkragenkultur sich verabschiedete und die Berliner Stadtteile Anziehungspunkt für Künstler, Wissenschaftler, Literaten du seine Feuilletonisten waren, nahm die politische Formierung starke Ausmaße an. Joseph Roth (Romane wie Radetzkymarsch und Hiob) sprach vom Zeitalter des intensiven Betriebs und spottete 1929: Die Zeitungen sind schneller als die Zeit (…) Atemlos rennt der Nachmittag dem Spätabendblatt nach und der Abend dem Morgenblatt (…). 115 Roth wusste sich abzusetzen und kritisierte fast alle Feuilletonisten, wie Benjamins »Ibizenkische« Folge »als unverständlichen geballter Dreck«, Friedrich Sieburgs (aus Paris) Charakter entspreche seinem Talent, Kracauer als »kluger ironischer Kopf ohne Phantasie (...), sympathisch naiv«.
Berlin durchlebte das Ende des Taumels der »Goldenen Zwanziger Jahre«, 116 es entwickelten sich »Parallele Welten«. Eine Analyse von Zeitungen zeigt erstaunliche Diskrepanzen in der allgemein als uniform geltenden Pressebericht-Erstattung in Bezug auf die Judenfrage. Das Hauptziel der NS-Propaganda, die Bevölkerung zu leidenschaftlichem Hass gegen die Juden an zu stacheln, schlug fehl. Von wenigen Phasen abgesehen, in denen die Judenfrage ganz im Vordergrund stand, ist die Masse der Berliner Bevölkerung an diesem Thema nicht interessiert gewesen. 117 Der Zwiespalt dieser Epoche, zwischen den Mühlsteinen der gesellschaftlichen Umbrüche und der politischen Ideologien spiegelte sich in der Musik-Band »Weintraubs Syncopators«, deren Ruf über alle Kontinente (auch den USA), bis hin nach Japan, China und Australien drang. Heute ist es seltsam und schockierend, dass - ganz im Gegensatz zu den »Comedian Harmonists« kaum noch jemand von den Breslauern/Wrocław »Stefan Weintraubs« weiß. Warum?
Im Künstlerviertel tanzen aufstrebende Menschen der neuen Zeit die Wandervogelbewegung die »alte Welt« in Grund und Boden. In dem Brüdervereinshaus in der Kurfürstenstraße 115/116 saß ein junger Mann aus Breslau am Klavier, glatt gescheitelt, weißes Hemd und - nein! Spielte nicht, sondern elektrisierte das E, verwirbelt bekannte Melodien, zerschneidet sie, tanzt mit den Klängen, lässt sie verschwinden und wie im Traum erscheinen. In »lasterhafter Manier« zaubert er das Kaninchen aus dem Hut. Kurz, er jazzt! Das war neu und natürlich »amerikanisch«, im Berlin 1924!
Die Villen-Kolonie* des Berliner Grunewalds entstand als Steuerparadies vor der Stadtgrenze
114 Singer, W., Matthieu, R., Hirnforschung und Meditation. 2008.
115 Zieht man nur die drei großen Tageszeitungen heran, »Berliner Börsen-Courir«, »Berliner Tageblatt«, »Vossische Zeitung«, ergänzt um, »Deutsche Allgemeine Zeitung«, »Vorwärts« und »Rote Fahne«, dazu Boulevardblätter »B.Z. am Mittag«, »Tempo«, das »8-Uhr-Abendblatt« sowie die »Literarische Welt«, »Weltbühne«, »Das Tagebuch« und »Querschnitt«, so ist das beängstigend für Journalisten und Schriftsteller hoffnungsvoll und erschreckend zugleich.
116 Der Spiegel 12, 19.März 2007.
117 Ian Kershaw, Antisemitismus und Volksmeinung, in Leo Baeck Inst. Year Book 26, 261,189, 1981.
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(auch Potsdam). Die Kolonie wurde als »Slum für Millionäre« verspottet, wurde um 1900 aber ein Zentrum des Berliner Geisteslebens. In für mich vorher noch nie gesehenen prächtigen Villen begegneten sich Geldadel wie Franz von Mendelssohn, Industrielle wie Walter Rathenau, 118 die Verleger Samuel Fischer und Leopold Ullstein, Großkritiker Alfred Kerr, Literaten wie Gerhart Hauptmann oder Vicki Baum.
Vicki Baums tägliches Leben war faszinierend als Zeitschriftenredakteurin im Ullstein-Verlag. Ich weiß gar nicht wann sie Ruhe fand. Unglaublich, dass sie in der Mittagspause mit Salat und Boxen verbrachte, mittags wieder in der Redaktion, abends schrieb sie an »Menschen im Hotel«, um Mitternacht ging sie Tanzen bei den Weintraubs in der Kurfürstenstraße. »Menschen im Hotel« (1929) hatte Karriere gemacht. Der Fortsetzungsroman in einer Berliner Illustrierte, das Buch im Ullstein-Verlag, als Theater inszeniert von Gustav Gründgens, die Verfilmung in Babelsberg mit Greta Garbo. Vicki Baums Buch entstand zur gleichen Zeit wie Alfred Döblins »Berlin Alexanderplatz« (1929) und gehört zu den ersten deutschen Romanen, die den Großstadtmenschen in den Mittelpunkt rückten. Ein Unterschied zu »Berlin Alexanderplatz« ist, die Protagonisten sind keinem Kulturschock ausgeliefert und müssen nicht erst definieren, um sich in der Großstadt Berlin zurechtzufinden. Vicki Baum verzichtet auf eine Beschreibung des Milieus. Das haben bereits die »Massenmedien« ohnehin längst entmystifiziert. Unter dieser Voraussetzung beschränkt Baum sich im Wesentlichen auf die Insel (den Lebensraum) des Adlon-Hotels. Mehr noch, sie macht dieses prächtige Haus zum Symbol »des modernen Lebens«: Man kommt an, man bleibt ein bisschen, dann reist man ab. Passanten, verstehnse. Zu kurzer Aufenthalt, wissense. […] Hundert Türen auf dem Gang, und keiner weiß was von dem Menschen, der nebenan wohnt. Wennse abreisen, kommt ein anderer an und legt sich in Ihr Bett, Schluss« 119 Dem Buchhalter Kringelein fehlt jeglicher bürgerlicher Habitus, um seine Rolle authentisch zu spielen. Die Großstadt kennt er nur aus den erwähnten Massenmedien, was eben doch nicht ganz ausreicht, um sich souverän in ihr zu bewegen. »Man lebt ja heutzutage auch in der Provinz nicht außerhalb der Welt. […] Aber in Wirklichkeit schaut es eben doch anders aus«. 120 Auch einem Kringelein bleibt Otternschlags pessimistischer Sarkasmus nicht verborgen. So nutzt er die Chance Otternschlags Verspätung, sich dem Baron Gaigern anzuschließen, der eine Menge vom Amüsement versteht. Gaigern, aus einem verarmten Adelsgeschlecht stammend, hält sich mit Diebstählen über Wasser. Dies jedoch stets seiner Herkunft angemessen: »Menschenfreundlichkeit und Wärme lagen so tief in seinem Wesen verankert, dass seine Opfer davon stets eine gehörige Menge zugeteilt empfingen«. 121 »Aber die Welt wollte so etwas nicht. Die Welt wollte ihre gemachten Konjunkturen, ihre lancierten Gerüchte, ihre arrangierten Haussen, hinter denen nichts stand als ein bisschen Windmacherei«. 122 Wie in Döblins »Berlin Alexanderplatz« ist auch hier das klassische Erzählschema, das noch im poetischen Realismus so präsent war, bereits aufgelöst. Es gibt keine stringente Abfolge mehr. Biographische Einblicke gewinnt der Leser bruchstückhaft.
118 Rathenow wurde im Juni 1922 von zwei Offizieren, die der rechtsextremen Organisation Consul angehörten, auf einer Kreuzung im Grunewald ermordet.
119 Vicki Baum, Menschen im Hotel, Klagenfurt, 50, 1972.
120 Vicki Baum, 46, 1972.
121 Vicki Baum, 195, 1972.
122 Vicki Baum, 170,175, 1972.
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Handlungsszenen werden dem Leser in Fragmenten nahe gebracht. Es entwickeln sich nur oberflächliche Beziehungen. Es gilt das Merkmal der modernen Großstadt, der Mensch ist nie allein und doch stets einsam und auf sich gestellt. Traditionelle Werte und Normen, an die man sich einst klammerte, sind merklich aufgebrochen. Vertreter des Adels finden sich in der Position eines Empfangschefs oder Hoteldiebes wieder. Die Wirtschaftswelt des Bürgertums ist abgewirtschaftet. Und der Angestellte hat nichts, womit er sich noch identifizieren kann. »Befristung« heißt auch damals das »Stichwort«, in einer auch damals bereits schnelllebigen Welt der Moderne. 1931 hatte Vicki Baum keine Chance mehr und ging nach Hollywood; ihre Bücher sollten nach der »Machtergreifung« verboten werden.
Im Rahmen einer »rassenhygienischen Gesetzgebung« veranlasst durch die Reichs-Zentrale zur Bekämpfung von Rauschgiftvergehen - spielte der Alkoholismus (und der Tabakmissbrauch, 1929-1933) eine starke Rolle. Dem Heroin und Cannabis schenkte man am Ende des Weimarer Staates/Anfang des NS wenig Aufmerksamkeit: Bei Tanzveranstaltungen und dergleichen wurde ungehemmt zugegriffen, aber keine Ausfälle bekannt. Das neu entdeckte und stark verwendete Pervitin (heute auch: Crystal, Speed) wurde ungleich viel stärker benutzt (später vor allem zur Leistungssteigerung in Rüstungsbetrieben, in späteren Nacht-Schichten und noch späteren »Flak-Schichten«). Im Bereich der zwangsweise untergebrachten Geisteskranken sind mir keine Anwendungen bekannt geworden. Bei der Ermordung von jüdischen Versuchs-Personen in den KZ ist davon auszugehen (mir sind keine Belege bekannt). Ähnlich wie heute wurde nach 1945 vor allem auf Betreiben der USA die Drogenkontrolle u.a. mit der Einrichtung einer Bundesopiumstelle (1951) rasch reorganisiert, wofür die im NS-System aktiven Personen wieder in ihre vorherigen Ämter mitsamt ihrer »Ideen« zurückkehren konnten. Timothy Leary 123 belegt das aus der Politik, der Justiz, Gerichtsmedizin, Kriminalpolizei. Erst nach dem Zweiten Krieg schien sich die nächste Katastrophe anzubahnen, sagen die alten Tänzer. Das eigentliche »Drogen-Problem« in Deutschland entwickelte sich erst ab 1970, um von dieser Zeit an stetig anzusteigen. 124
Die Überlebenden jubeln, tanzten, sie swingen in die »Neue Zeit«, in der, so glauben viele, alles gut wird. Das war nach dem Ersten Krieg allerdings viel ausgelassener als nach dem Zweiten. Nach dem Ersten engagierten das »Wintergarten«-Varieté, Dorotheen-Ecke Friedrichstraße, einen namenlosen Klavierspieler und seine Band. Der Schlagerkonmponist Friedrich Hollaender, 125 Musikdirektor in Max Reinhardts Theaterimperium, und der Theaterdirektor Rudolf Nelson, der Piano-König des Kurfürstendamms, hören die neue Wunderband an und nehmen sie ebenfalls unter Vertrag. Der »Kaufmann von Berlin« 1929 produzierte jedenfalls gleich einen erfolgreichen Theaterskandal. In mehr als 20 Tonfilmen spielen nun die «Weintraubs« bis 1933, darunter im Film »Das Kabinett des Dr. Caligari«, »Gruß und Kuss Veronika« und - »Der Blaue Engel«, sie wirkten auch musikalisch mit in der Verfilmung Heinrich Manns »Professor Unrat« (mit Marlene Dietrich und Emil Jannings in den Hauptrollen). Friedrich Hollaender schrieb die Chansons -
123 TimothyLeary, Über die Kriminalisierung des Natürlichen. Der Grüne Zweig.1993.
124 Kemp, A new drug trafficking route from Lo to W-China, Kazakhstan, Kyrgyzstan, Tajikistan, Uzbekistan. Nepalguni Medical College, Kathmandu 1982.
125 Der Gigant der leichten Muse, Friedrich Hollaender, bekam am 17. Juni 2009 im ehemaligem Wohnhaus an der Cicerostraße 14 eine Berliner Gedenktafel enthüllt (Zugang Hof Cicerostraße 16).
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»Die fesche Lola«, »Nimm dich in Acht vor blonden Frauen«, der 24jährige Pianist Frans Wachsmann (später in Hollywood schrieb er sich Waxmann) schuf einzigartige Jazz-Arrangements - die Weintraubs Unterhaltungs-Musik formte sich immer mehr zu einem musikalischen Feuerwerk, nämlich dem E (dem Jazz auf der E-Gitarre), was in der deutschen Geschichte der Unterhaltungsmusik als Laszivitäts-Show und Slapstick-Theater einmalig ist. Bevor die Musikband E‘ vor dem NS-Terror und Goebbels Säuberung der Medienwelt abgehen ins Exil, spielen sie noch mit Hans Alberts 1932 den UFA-Tonfilm »Heute kommt es darauf an«, mit dem Schlager »Ich bin Hans im Glück«. Triumphal ist schließlich ihr Abgang mit »Gruß und Kuss Veronika«, dabei erklingt ein höhnisches »Kikeriki«. Im Walzertakt parodieren sie noch zu guter Letzt am Ende ihres Auftritts im »Wintergarten« den neuen Morgenruf »Deutschland erwache« - Judas verrecke« (!) Dann die Flucht nach Australien! In Australien bei Kriegsausbruch als deutsche Spione inhaftiert, kommen nach 15 Monaten wieder frei (Die australische Gewerkschaft verstand ihr Geschäft mit unliebsamen Musikern, die sie als Aliens diffamieren konnte). Stefan Weintraub arbeitete als Automechaniker und wurde vergessen; auch Marlene Dietrich, an die er sich um Hilfe wandte, als sie in Australien gastierte, erinnerte sich nicht.
Auf der Straße wurde die Veränderung in den Aufmärschen des Reichsbanners,* immer deutlicher sichtbar, mit den Fahnen und Flaggen. Die Widersacher bezeichneten die Farben als »Schwarz-Rote-Scheiße«. Komisch dabei war, dass jene »SAler« in ihren schmucken Uniformen »durchfallfarbene« Blusen anhatten, die der »Scheiß-Farbe« der Reichsflagge ähnelte. Die Auseinandersetzungen auf den Straßen wurden zunehmend aggressiver und härter, sodass sich »das Reichsbanner« mit Arbeiter und Gewerkschaften verbunden hatte und die »Eiserne Front« 126 bildete. Durch zunehmende Militarisierung der Arbeitslosen wurde das »Reichsbanner« (Schwarz-Rot-Gold) radikalen Organisationen immer ähnlicher. Das Reichsbanner, Bund deutscher Kriegsteilnehmer und Republikaner, war ein überparteiliches, in der Praxis von Sozialdemokraten dominiertes Bündnis in der Endphase der Weimarer Republik zum Schutz der gegen ihre Feinde an den politischen Rändern. Rechte und nationale Kampfbünde, wie der »Stahlhelm« oder die SA, sowie der KPD-nahe Rote Frontkämpferbund hatten ihren politischen Kampf immer weiter radikalisiert. In Saalschlachten verloren 47 junge Reichsbanner-Männer ihr Leben. Schließlich war auch der Reichsbanner zum Scheitern verurteilt. Obwohl es noch die anlässlich des Reichstagsbrands erlassene Verordnung zur Abwehr kommunistischer staatsgefährdender Gewaltakte begründete und durchsetzte (das barbarische Urteil wurde Anfang 2008 von der Bundesanwaltschaft in einem Bundesgesetz über NS-Unrecht des Anarchie-Kommunisten, Marinus van der Lubbe, der 1934 unter dem Fallbeil starb aufgehoben). Trotz des weitgehend aus dem Untergrund geführten Wahlkampfs behauptete sich die KPD am 5. März 1933 als drittstärkste Kraft, die SPD Zweitstärkste. Die NSDAP verfehlte mit 43,9 Prozent ihr Ziel der absoluten Mehrheit. Mit der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot erreichte sie eine parlamentarische Mehrheit. Doch das Ergebnis dieser letzten Reichstagswahl hatte nur noch symbolischen Wert. Im Spiegel 127 wird die Frage aufgeworfen, warum in dieser Phase nicht die Millionen Kommunisten, SPDler
126 Die »Eiserne Front« war ein Zusammenschluss des Reichsbanners, des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts-bundes, der SPD und des Arbeiter Turn- und Sportbundes im Widerstand gegen das NS-System (1931).
127 Der Historiker Andreas Wirsching, in Der Spiegel, 46ff.,Nr. 3/2008.
Arbeit zitieren:
Dr.- Ing. Peter Heinrich Kemp, 2009, Auf den Weg nach Europa, München, GRIN Verlag GmbH
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