Stefan Huber
Abendmahl und heidnischer Kult in 1Kor 10,14-22
S. 2/14
Inhalt
1 Einleitung und Kontext. 3
1.1 Geschichtlich-kultureller Hintergrund. 3
1.2 Die Gemeinde von Korinth. 4
1.3 Inhaltliche Einbettung und Gliederungsvorschlag 5
2 1Kor 10,14-22. 6
2.1 1. Teil: Aufbau und Inhalt von 1Kor 10,14-18a 6
2.2 Rückbezug auf 1Kor 10,1-4: Manna- und Felstypologie 8
2.3 Rückbezug auf 1Kor 10,5-13: Paulinischer tu, poj-Gedanken 9
2.4 2. Teil: Aufbau und Inhalt von 1Kor 10,18b-22. 10
3 Theologischer Ertrag 12
3.1 Gemeinschaft und Teilhabe 12
3.2 Unvereinbarkeit mit Götzendienst. 12
4 Literatur 14
1 Einleitung und Kontext
In dieser Arbeit soll es um das Verhältnis von Abendmahl und heidnischem Kult gehen, wie es Paulus im 10. Kapitel des 1. Korintherbriefes in den Versen 14-22 darstellt. Wie aus der Schriftstelle ersichtlich, wendet sich Paulus mit seinen Ausführungen über die Unvereinbarkeit von Götzendienst und dem Herrenmahl an die Mitglieder der Gemeinde von Korinth. Hier geht es deshalb zunächst (Punkt 2) darum, überblicksartig den geschichtlichen Hintergrund zu erörtern, sowie die thematische Einbettung in den größeren Kontext des Briefes herauszuarbeiten. Im 3. Punkt soll die Schriftstelle selbst untersucht werden. Dabei ist es an einer bestimmten Textstelle (V18a) sinnvoll, sich auf zwei Textabschnitte am Anfang des 10. Kapitels rückzubeziehen (1Kor 10,1-4; 1Kor 10,5-13). In Punkt 4 erlaube ich mir dann noch eine zusammenfassende theologische Ausdeutung.
1.1 Geschichtlich-kultureller Hintergrund
Paulus hat die konkrete Situation in der Hafenstadt Korinth vor Augen, die seit 27 v. Chr. Hauptstadt und Sitz des Statthalters von der Provinz Achaia war, einer römischen Provinz, die Mittelgriechenland und die Peloponnes umfasste. Korinth eilte der Ruf der Lasterhaftigkeit voraus. Strabon, der ca. bis 20 n. Chr. gelebt hat, berichtet, dass der Aphroditetempel früher tausend sakrale Prostituierte gehabt haben soll. Trotz mancher Übertreibungen dürfte auch zur Zeit des Paulus der Kult um die Liebesgöttin Aphrodite bezeichnend gewesen sein. Die Bevölkerung zu seiner Zeit war sehr gemischt, was eine Vielzahl von Kulten mit sich brachte, unter anderem auch solche, bei denen Kultmähler einen hohen Stellenwert hatten. 1 Hans-Josef Klauck zählt in seiner Arbeit „Herrenmahl und hellenistische Kunst. Eine religionsgeschichtliche Untersuchung zum ersten Korintherbrief“ eine Vielzahl religiöser Richtungen auf, die mit solchen Kultmählern verbunden sind. Die griechisch-römische Kultur kannte das Mahl im Kontext des öffentlichen Opferkultes, im Vereinswesen und im Kult um die Toten. 2 Darüber hinaus spielte das Mahl in den meisten Mysterienkulten eine zentrale Rolle. 3 Auch die Gnosis kannte das Mysterienmahl 4 und
1 Vgl.: Wolff, 1f.
2 Vgl.: Klauck, 41ff.
3 Vgl.: Klauck, 91ff.
sogar im hellenistisch beeinflussten Judentum war es oft Teil des Kultes 5 . So ist es nicht verwunderlich, dass die Ähnlichkeiten im religösen Vollzug, die sich aufgrund des weit verbreiteten Mahlcharakters ritueller Handlungen ergaben, eine christliche Standortbestimmung verlangten. Es ging um die Vergewisserung des Stellenwertes des Herrenmahls.
1.2 Die Gemeinde von Korinth
Die unterschiedlichen religiösen Strömungen, die im hellenistischen Einflussbereich im Allgemeinen und in der Hafenstadt Korinth im besonderen vorherrschten, wirkten sich auf die Zusammensetzung der christlichen Gemeinde aus. Lt. Hans-Josef Klauck hat sich der größere Teil „unmittelbar vom Heidentum, von der Verehrung ,stummer Götzen’ (1Kor 12,2) zum Glauben bekehrt. Auffällig ist der hohe Anteil an lateinischen Namen. Das judenchristliche Ehepaar Aquila und Priscilla wurde durch Edikt des Claudius aus Rom vertrieben. Aufsehen erregte der Übertritt des Synagogenvorstehers Krispus (1Kor 1,14; Apg 18,8). Auch unter den Sympathisanten des Judentums hatte die Mission Erfolg, wie der Fall des Titius Justus zeigt (Apg 18,7).“ 6 Christian Wolff erklärt, dass in Korinth eine jüdische Gemeinde mit beträchtlicher Größe vorhanden war. 7 Die Einflussbereiche, die sich daraus für die junge Gemeinde ergeben, nämlich römisch-hellenistisches Heidentum undmehr oder weniger hellenistisch geprägtes - Judentum, entsprechen den geistigen Einflüssen, denen auch der Apostel selbst ausgesetzt war. Klauck zählt sie auf: 1. der heidnisch-hellenistische Einfluss (Mysterien, Gnosis und Stoa), 2. der hellenistischjüdische (LXX und Philo) und 3. der palästinensisch-jüdische (Apokalyptik, Rabbinismus). 8 Aus der konkreten Situation der christlichen Gemeinde von Korinth heraus, die in ihrem Alltag und unmittelbaren Umfeld ganz stark mit diesen Einflüssen konfrontiert war, stellt sich für Paulus die Frage nach dem Verhältnis von Abendmahl und heidnischem Kult.
4 Vgl.: Klauck, 205ff.
5 Vgl.: Klauck, 166ff.
6 Klauck, 236.
7 Vgl.: Wolff, 1f.
8 Vgl.: Klauck, 236.
1.3 Inhaltliche Einbettung und Gliederungsvorschlag
1Kor 10,14-22 steht im größeren Kontext von 1Kor 8,1-11,1, einer für sich stehende Einheit 9 , die sich mit dem Verhalten des Christen in Bezug auf jene Vollzüge auseinandersetzt, die sich rund um das Götzenopfer gruppieren. Diese Einheit von 1Kor 8,1-11,1 bezieht sich neben anderen Verhaltensvorschriften sehr breit auf das Essen von Götzenopferfleisch, so in 1Kor 8 und am Ende von 1Kor 10. Darin eingebettet ist unsere Thematik von der Teilnahme an Kultmählern und am Herrenmahl. Gliederung 10 : 8,1-13 Christliche Erkenntnis und eingeschränkte Berechtigung zum Essen von GÖTZENOPFERFLEISCH
10,1-11,1
1Kor 10,14-22 stellt den Mittelteil von Kapitel 10 dar und ist so noch einmal in ein Unterthema eingebettet, das ganz stark vor der Teilnahme am Götzenkult warnt und die christlichen Vollzüge davon abhebt. In diesem Kontext wird der Bezug zum Herrenmahl hergestellt. Vor den Versen 14-22 gibt Paulus einen vergleichenden Rückblick auf das Geschick der Exodusgeneration. Auch dies soll einen Einblick in sein Verständnis von Herrenmahl und Götzenopfermahl geben. Ich werde deshalb zunächst einmal mit der Auslegung von V 14-22 beginnen. An einer Stelle von 1Kor 10,14-22, nämlich beim V 18, werde ich die Auslegung unterbrechen, weil mir dort der Rückbezug auf 10,1-4 bzw. 10,5-13 am meisten geeignet erscheint.
9 Vgl.: Kremer, 257; Wolff, 2000.
10 nach: Kremer, 169-223. 1Kor 10,1-13 stellen bei Kremer eine Einheit dar, die ich - aufgrund der zwei
Rückbezüge auf diese Textstelle in meiner Arbeit - schon zweigeteilt habe.
Arbeit zitieren:
Dr.theol. Stefan Huber, 2004, Abendmahl und heidnischer Kult in 1 Kor 10,14-22 mit Rückbezug auf 1 Kor 10,1-4 und 1 Kor 10,5-13, München, GRIN Verlag GmbH
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