1. Homo Bisexuell sein was kann das heißen 3
2. Ein Leben im Zwiespalt 5
2.1 Der Paradiesgarten 7
2.2. Die kleine Meerjungfrau 9
2.4 Die Schneekönigin 10
3. Wenn Sehnsüchte zu Erzählungen werden 11
4. Queer Studies eine neue Welt 14
5. Muss man Andersens Leben kennen um zu verstehen 16
Literaturverzeichnis 18
Internetverzeichnis: 18
2
1. Homo/Bisexuell sein, was kann das heißen?
Homosexualität respektive Bisexualität wird wie folgt definiert:
bisexuell [lat.] zweigeschlechtlich; bisexuelle Potenz ist die Fähigkeit der Zellen, sich in
männlicher als auch weiblicher Richtung entwickeln zu können. 1 Homosexualität [grsch.-lat.], Homophilie, sexuelle Inversion, z.T. auch Homoerotik, die
von der Heterosexualität abweichende, auf gleichgeschlechtliche Partner ausgerichtete
Sexualität; […]. 2 Diese Form des Sexuallebens fand bereits bei den Griechen großen Anklang. Lustknaben
wurden von denen gehalten, die den nötigen Stand und Reichtum innehatten. Bi- oder
Homosexualität war in dieser Zeit ein Luxus, und wurde nicht nur geduldet sondern auch
gefördert.
„Von einem griechischen Mann wurde nicht nur erwartet, daß er heiratete und Kinder hatte, sondern auch daß er Jungen liebte, nicht im Gegensatz zur Ehe, sondern als deren
sinnvolle Ergänzung. Sein Weg durch den Garten der Liebe, der in seiner Jugend begonnen
hatte, als viele Männer um ihn warben und er einen von ihnen als seinen Liebhaber
auswählte, würde ihn also später, als Erwachsenen, seinerseits um einen Jugendlichen
werben lassen, und schließlich würde er heiraten und selbst Kinder haben. 3 Eine solche Beziehung kam nicht nur dem älteren Liebhaber zu Gute sondern auch seinem
jugendlichen Geliebten, der durch ihn eine Erziehung erhielt, vieles gelehrt, und in die
Gesellschaft eingeführt wurde. Auf einer ähnlichen Basis wurde die Ausbildung eines
Samurai in Japan gehandhabt. Auch sie ging Hand in Hand mit der Liebe zwischen
Lehrling und Meister. Anders als in Griechenland der ältere Mann, war es in Japan der
Jüngere, welcher sich um einen Geliebten und Lehrer bemühte.
“Ein junger Mann sollte einen älteren Mann für mindestens fünf Jahre auf die Probe stellen, und wenn er von dessen Absichten Gewißheit hat, dann soll er um die Beziehung
bitten... Wenn der junge Mann sich hinzugeben vermag und für fünf oder sechs Jahre in
dieser Lage bleibt, dann ist es nicht unpassend.” 4
1 dtv Lexikon, Band 2, 281, 1995.
2 Ebd., Band 8, 170.
3 http://www.androphile.org/DE/Culture/Griechenland/greeceDE.htm
4 http://www.androphile.org/DE/Culture/Japan/
3
In der späteren Gesellschaft überlebte die Bisexualität und Homosexualität ab dem Mittelalter nur noch im Untergrund.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts war trotz der romantischen Beziehungen, besonders zwischen Männern, die gleichgeschlechtliche Sexualität ein schweres Verbrechen und wurde sogar mit Landesverweis bestraft.
Obwohl Dänemark im 20. Jahrhundert als erstes Land die Ehe gleichgeschlechtlicher Partner ermöglichte, war es in der Mitte des 19. Jahrhunderts gegenüber dieser Lebensweise und Neigung keineswegs positiv eingestellt.
1894 veröffentlichte Karl Ulrichs, ein deutscher Anwalt, die Abhandlung „Rätsel der mann- männlichen Liebe“. Er vertrat die These, dass Homosexualität für manche Männer normal sei. Sie bilden ein „drittes Geschlecht“. Da der Begriff „Homosexualität“ noch nicht existierte, gab er diesen Männern die Bezeichnung „Urninge“. Eine gegensätzliche These wurde durch Richard Freiherr von Krafft-Ebbing vertreten. In seiner 1886 veröffentlichten
Arbeit sieht er Homosexualität nicht als Wesenszug sondern als angeborene Krankheit. 5
In diese Zeit wurde Hans Christian Andersen geboren, mit Neigungen, welche heute oder im alten Griechenland mehr Verständnis und Möglichkeiten gefunden hätten. Bereits anders als alle Kinder und später anders als die meisten Erwachsenen, führte er ein Leben als Außenseiter, mit seinen Romanen und Erzählungen als teilweise einziges Ventil seiner Wünsche und Sehnsüchte.
Doch wie verband er seine Sehnsüchte mit seinen Erzählungen?
Die Lebenswege in seinen Erzählungen gleichen meist Andersens Eigenem oder sind sinnbildlich für seine eigenen Vorlieben. Aber wie tief muss man in Andersens Leben vorgedrungen sein, um dies zu erkennen? Ist die Kenntnis seiner Biographie notwendig für das Verstehen seiner Erzählungen, oder haben sie ohne diese Kenntnis eine ganz eigene Botschaft?
In dieser Arbeit wird versucht werden, diese Fragen anhand der Erzählungen: „Der Paradiesgarten“, „Die kleine Meerjungfrau“ und „Die Schneekönigin“ zu erörtern, sowie durch Theorien aus dem Bereich der Queer Studies herauszufinden, in welcher Verbindung Kunst und Sex bei Andersen zueinander standen.
5 Vgl. http://www.community-muenchen.de/drescher.htm
4
2. Ein Leben im Zwiespalt
Bereits in der frühesten Jugend war Andersen nicht so, wie es ein Kind seiner Familie
vielleicht hätte sein sollen. Man könnte meinen, sein Name sei eine Beschreibung von ihm
selbst, denn Hans-Christian war einfach anders. Geboren 1805 als Sohn eines
Schuhmachergesellen wuchs er ärmlich, aber nicht ohne geistige Anregung auf. Sein Vater,
ein Freidenker, galt als Sonderling und bemühte sich seinem Sohn die Freuden und
Anregungen zu geben, die er in dem ärmlichen Umfeld seiner Familie sonst nicht
bekommen konnte. Er bastelte ihm beispielsweise ein Theater, mit dem der
phantasiebegabte Junge die Geschichten ausleben konnte, die er von den Alten und
Verrückten im Ort erzählt bekam, oder im Theater gesehen hatte. Selbst Shakespeare
inszenierte er mit seinem Puppentheater.
„Mir wurden Geschichten erzählt und Lieder vorgesungen, kurz: Kluge wie Irre taten, was
in ihren Kräften stand, um meinem Wesen etwas Romantisches zu verleihen. Oft lag ich vor
den Häusern, in denen die Tobsüchtigen wohnten, und hörte mir ihre Reden, ihre Lieder
und ihre entsetzlichen Verwünschungen an.“ 6 Zu hause lebte die Familie in einem Raum von 18 qm², und so erlebte Andersen früh was
Sexualität zwischen Mann und Frau bedeutet, was in ihm als Kind möglicherweise eine
gewisse Abscheu aufkommen ließ. Das „Anders-Sein“ erlebte er auch in der Schule. Den
Lehrern war er näher als den Kindern, und versuchte er den anderen Kindern etwas von
seinen Fantasien mitzuteilen, erklärten sie ihn für verrückt. Nur in der Gesellschaft eines
kleinen jüdischen Mädchens fühlte er sich wohl, wohingegen die älteren Mädchen in ihm
Angst und Abscheu erweckten. 7 Sein „Anders-Sein“, sein singen, tanzen und Theater spielen, wusste er früh zu nutzen, da
er bemerkte, dass er dadurch die Aufmerksamkeit seiner Umwelt und vor allem die der
gebildeten Menschen in seiner Umgebung bekam.
Diese Begabungen ließen ihn bereits im Alter von elf Jahren erkennen, dass er kein
Handwerk erlernen wollte. Die rohe Art der Menschen um ihn herum war ihm peinlich und
unangenehm.
6 Zit. nach Hans Christian Andersen, Lebensbuch, 16.
7 Vgl. Perlet, 2005, 13.
5
Arbeit zitieren:
Claudia Gottschalk, 2005, Hans Christian Andersen, München, GRIN Verlag GmbH
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