Ich möchte in meiner Arbeit herausarbeiten in wie weit die Bildungspläne der
Bundesländer auf das Thema „frühes Lesen“, in der Fachsprache oft „Literacy“
genannt, eingehen. Dabei soll geklärt werden, ob, und wenn ja, worin die
Bildungspläne sich in der Umsetzung des Themas frühe Schreib- und
Leseerfahrungen unterscheiden. Die Aufmerksamkeit soll vor allem dem frühen
Lesen gewidmet werden.
Als theoretische Grundlage ziehe ich den lebensbezogenen Ansatz heran, eine
Pädagogik, die ihren Ausgangspunkt im Leben eines jeden Kindes sieht.
Einleitend kläre ich den Begriff „Literacy“, erläutere, ab wann und wie Kinder im Alltag
sich für Schrift und Lesen interessieren und fasse zusammen, wie man nach dem lebensbezogenen Ansatz das Thema Sprachförderung und „frühes Lesen“ im
Kindergarten realisieren kann. Mit diesem Hintergrund werde ich dann die
Bildungspläne der Bundesländer Saarland, Bremen, Hamburg, Rheinland-Pfalz,
Sachsen, Baden-Württemberg und Bayern nach dem Thema Literacy, Literalität oder
Erfahrungen mit Schrift durcharbeiten.
[...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Klärung des Begriffs „Literacy“
2. Wie Kinder vor der Schule lesen lernen?
3. Wie kann Sprachentwicklungsförderung als Grundlage für Lesekompetenz im Kindergarten umgesetzt werden?
3.1 Rollenspiele
4. Darstellung der Bildungspläne der einzelnen Bundesländer
4.1 Saarland
4.2 Bremen
4.3 Hamburg
4.4 Rheinland-Pfalz
4.5 Sachsen
4.6 Baden-Württemberg
4.7 Bayern
5. Kritischer Vergleich der dargestellten Bildungspläne
6. Weiterführende und eigene Perspektive
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie das Konzept der Literacy-Erziehung in den elementarpädagogischen Bildungsplänen verschiedener deutscher Bundesländer verankert und umgesetzt wird, um eine fundierte Basis für den Schriftspracherwerb im Kindesalter zu legen.
- Theoretische Fundierung des Begriffs „Literacy“ und dessen Bedeutung für die frühe Kindheit.
- Analyse der Leseentwicklung von Kindern vor Schuleintritt und deren spielerische Förderung.
- Vergleichende Untersuchung der Bildungspläne ausgewählter Bundesländer hinsichtlich ihrer Literacy-Ansätze.
- Reflexion des lebensbezogenen Ansatzes als pädagogisches Modell für Sprachbildung.
- Diskussion der strukturellen und inhaltlichen Unterschiede in den länderbezogenen Bildungsrichtlinien.
Auszug aus dem Buch
2. Wie Kinder vor der Schule lesen lernen?
Viele Eltern fragen sich, in welchem Alter sie mit dem Lesefördern beginnen sollen. „Nach Abschluss des zweiten Lebensjahres wird das Lesen mit jedem Jahr schwerer. Mit fünf lernt ihr Kind leichter als mit sechs, mit vier leichter als mit fünf und so fort. Das Alter vor zwei Jahren ist für den Anfang am besten geeignet“(S.31, Lückert, 1966).
Nach Hans Brügelmann sind Kinder Sinn-Sucher (S.41, Brügelmann, 1993). Sie versuchen sich die Welt, in der sie leben, zu erklären. Sie wollen immer genau wissen, warum etwas so ist, wie es ist. Sie sprühen vor Neugierde und wollen daher auch herausfinden, wie die Funktion und der Aufbau unseres Schriftsystems sind. Ihre Vorstellungen von Schrift, wie sie funktioniert und wozu man sie braucht, sind eingebettet in ihre persönlichen Alltagserfahrungen. Ihre Erklärungsmodelle, wie Schrift funktioniert, haben immer etwas mit ihrem ganz persönlichen Erfahrungshintergrund zu tun. So kommen viele von ihnen zu Hypothesen wie zum Beispiel, dass sie hinter einem langen Wort mit vielen Buchstaben einen großen Gegenstand vermuten. Die kindliche Vorstellung von Schrift ähnelt dabei häufig den frühen Bildschriften, wie zum Beispiel die Hieroglyphen der Ägypter.
Die Ähnlichkeit zwischen der Kinder-„Schrift“ und den Hieroglyphen ist dabei verblüffend (vgl. S.46, Brügelmann/Brinkmann, 1998).
Bestimmte Einsichten sollten Kinder jedoch in den Aufbau unserer Schrift gewinnen, um kompetente RechtschreiberInnen werden zu können: Sie müssen verstehen, dass man etwas aufschreibt, um etwas inhaltlich festzuhalten, als Erinnerungsstütze oder für einen zukünftigen Leser; dass man zum Schreiben ganz bestimmte verabredete Zeichen, nämlich die Buchstaben, benutzt; dass diese Zeichen etwas mit der gesprochenen Sprache zu tun haben und es eine gewisse Parallelität zwischen der Lautfolge und der Buchstabenfolge gibt; dass es neben diesem alphabetischen Prinzip aber auch noch ganz bestimmte Verabredungen für die Schreibweise von Wörtern gibt, die sich aus dem genauen Abhorchen der Lautfolge allein nicht erschließen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Bedeutung der Literacy-Erziehung vor Schuleintritt und begründet die Notwendigkeit von Fördermaßnahmen im elementarpädagogischen Bereich.
1. Klärung des Begriffs „Literacy“: Es erfolgt eine Definition des Begriffs „Literacy“ als Fähigkeit, Schrift und Sprache in verschiedenen Kontexten zu verstehen und zu nutzen, wobei auf den Mangel eines äquivalenten deutschen Begriffs hingewiesen wird.
2. Wie Kinder vor der Schule lesen lernen?: Dieses Kapitel beschreibt den Schriftspracherwerb bei Kindern als aktiven Sinn-Suche-Prozess und erläutert, wie Kinder durch Alltagserfahrungen Hypothesen über Schrift entwickeln.
3. Wie kann Sprachentwicklungsförderung als Grundlage für Lesekompetenz im Kindergarten umgesetzt werden?: Der lebensbezogene Ansatz wird als didaktisches Konzept vorgestellt, das kindorientiert alle Entwicklungsbereiche fördert.
3.1 Rollenspiele: Es wird dargelegt, wie intentional begleitetes Rollenspiel maßgeblich die Sprachbildung und Kommunikation von Kindern unterstützt.
4. Darstellung der Bildungspläne der einzelnen Bundesländer: Eine Übersicht über die Bildungspläne von Saarland, Bremen, Hamburg, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Baden-Württemberg und Bayern hinsichtlich ihrer Literacy-Integration.
4.1 Saarland: Der Bildungsplan betont die Bedeutung von Sprache und Schrift als gesellschaftliche Kommunikationsmedien.
4.2 Bremen: Der Rahmenplan definiert Bildung als aktiven, sozialen Prozess und thematisiert Sprachförderung im Kontext der Kommunikation.
4.3 Hamburg: Die Empfehlungen setzen auf eine kompetenzorientierte Bildung und thematisieren Literacy explizit unter Schriftkultur und Medien.
4.4 Rheinland-Pfalz: Das Augenmerk liegt auf der gezielten Förderung sprachlicher Kompetenzen als Basis für den Schuleintritt.
4.5 Sachsen: Der Bildungsplan bietet einen ausführlichen Leitfaden zur Förderung von Schrift- und Medienkompetenz und gibt konkrete Orientierungshilfen.
4.6 Baden-Württemberg: Der Orientierungsplan stellt die sprachanregende Umgebung in den Mittelpunkt und verzichtet auf starre Vorgaben.
4.7 Bayern: Der Bildungsplan fungiert als Vorreiter mit detaillierten Handlungskonzepten und Praxisbeispielen für Literacy.
5. Kritischer Vergleich der dargestellten Bildungspläne: Eine kritische Auseinandersetzung mit der unterschiedlichen Verbindlichkeit und Qualität der pädagogischen Konzepte in den Bundesländern.
6. Weiterführende und eigene Perspektive: Das Fazit fordert bessere Rahmenbedingungen und eine stärkere Professionalisierung, um den Bildungsauftrag der Kindergärten erfolgreich zu erfüllen.
Schlüsselwörter
Literacy, Elementarpädagogik, Bildungsplan, Sprachförderung, Schriftspracherwerb, Kindergarten, Schulfähigkeit, Bildungsauftrag, lebensbezogener Ansatz, Literalität, Sprachkompetenz, pädagogische Fachkraft, Leseförderung, Kooperation, Frühkindliche Bildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, welchen Stellenwert die sogenannte „Literacy-Erziehung“ (frühe Lese- und Schrifterfahrungen) in den offiziellen Bildungsplänen von sieben deutschen Bundesländern einnimmt.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Schriftsprachförderung, die pädagogische Rolle der Erzieher, die Relevanz des lebensbezogenen Ansatzes sowie der Vergleich der verschiedenen landesspezifischen Vorgaben.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob und wie Bildungspläne Literacy integrieren und inwiefern sich die Ansätze der Bundesländer bei der Förderung früher Lese- und Schreibkompetenzen unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Autorin führt eine vergleichende Analyse der bestehenden Bildungspläne durch und reflektiert diese auf Basis fachwissenschaftlicher Theorien, wie dem lebensbezogenen Ansatz nach Huppertz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur kindlichen Leseentwicklung und eine systematische Darstellung der Bildungspläne von Saarland, Bremen, Hamburg, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Baden-Württemberg und Bayern.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Literacy, Elementarpädagogik, Bildungspläne, Sprachförderung, Schriftspracherwerb und Schulfähigkeit.
Warum wird Bayern im Vergleich als Vorreiter bezeichnet?
Bayern wird deshalb hervorgehoben, weil der Bildungsplan sehr detaillierte Handlungskonzepte, konkrete Praxisbeispiele und strukturierte Anregungen zur Literacy-Förderung bietet, während andere Pläne teilweise vage bleiben.
Welche Kritik äußert die Autorin am Begriff „Selbstbildung“?
Die Autorin argumentiert, dass der Begriff „Selbstbildung“ die Rolle des Pädagogen abwertet, da er die Bedeutung der professionellen Unterstützung und Begleitung des Lernprozesses durch Fachkräfte in den Hintergrund drängt.
Welches Fazit zieht die Arbeit hinsichtlich der Rahmenbedingungen?
Das Fazit betont, dass für die Umsetzung moderner Bildungspläne mehr Ressourcen wie Zeit, Geld und Fachpersonal benötigt werden und die Ausbildung der pädagogischen Fachkräfte stärker auf den Bildungsauftrag ausgerichtet werden muss.
- Arbeit zitieren
- Stefanie Petschkuhn (Autor:in), 2007, Lesen lernen vor der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120127