Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Klärung des Begriffs „Literacy“ 5
2. Wie Kinder vor der Schule lesen lernen? 6
3. Wie kann Sprachentwicklungsförderung als Grundlage für
Lesekompetenz im Kindergarten umgesetzt werden? 9
3.1 Rollenspiele 11
4. Darstellung der Bildungspläne der einzelnen Bundesländer 12
4.1 Saarland 13
4.2 Bremen 13
4.3 Hamburg 14
4.4 Rheinland-Pfalz 15
4.5 Sachsen 16
4.6 Baden-Württemberg 18
4.7 Bayern 21
5. Kritischer Vergleich der dargestellten Bildungspläne 24
6. Weiterführende und eigene Perspektive 27
Literaturverzeichnis 28
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Einleitung
„Die Grenzen meiner Sprache, sind die Grenzen meiner Welt“ (Ludwig Wittgenstein).
Abbildung: Logo der UN-Weltdekade für Alphabetisierung
Der von der UNESCO ins Leben gerufene Welttag der Alphabetisierung am 8. September erinnert jedes Jahr daran, dass es in vielen Ländern immer noch ein Privileg ist, lesen und schreiben zu können. Etwa 77 Millionen Kinder wachsen ohne Schulbildung auf. Etwa 780 Millionen Erwachsene sind Analphabeten, vorwiegend in den Entwicklungsländern. Zwei Drittel von ihnen sind Frauen. Die frühe Kindheit ist die lernintensivste Zeit. In dieser sensiblen Zeit Versäumtes lässt sich nur schwer wieder nachholen. Man muss diese frühkindliche Zeit nutzen, um dem Bildungsanspruch eines jeden Kindes gerecht zu werden. Schule und Kindergarten haben die gemeinsame Aufgabe, die Schulfähigkeit der Kinder zu erarbeiten. Dazu ist eine kindergartenspezifische Schulvorbereitung notwendig, die ihre nahtlose Fortsetzung in der Schule findet.
Da alle Kinder in Deutschland das Privileg haben eine Schule besuchen zu dürfen, und seit der Einführung der Schulpflicht sogar müssen, sollte man diese Chance nutzen und schon im elementarpädagogischen Bereich mit der Förderung der Sprach- Lese- und Schreibkompetenz beginnen, so dass am Ende alle Kinder die gleichen Startchancen haben in die Schule und ihre Bildungskarriere zu finden. Der Kindergarten ist nicht mehr nur ein Ort, wo Kinder gut betreut und aufbewahrt werden. Viel mehr ist er die erste institutionalisierte Bildungsstätte im Leben eines Kindes, in der dem Kind die Grundlagen für seinen weiteren Bildungsweg beigebracht werden sollten. Bezieht man sich dabei auf einen bestimmten pädagogischen Ansatz, zum Beispiel auf den lebensbezogenen Ansatz, sieht man, dass der Kindergarten didaktisch sein muss.
Diese Institution im Bildungssystem ist für Kinder von 3 bis 6 Jahre gedacht.
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Allgemein kann man sagen, dass Kinder im Kindergarten gut versorgt und betreut werden und im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten an den Bildungsangeboten teilnehmen (vgl. S.14, Huppertz, 1992).
Das Personal im Kindergarten besteht aus meist weiblichen Erzieherinnen, die ihre Aufgaben pflichtbewusst und engagiert wahrnehmen. Sie haben ihre Ausbildung an einer Fachhochschule für Pädagogik, an einer Fachhochschule für Sozialwesen oder an einer wissenschaftlichen Hochschule abgeschlossen. Ohne Ausbildung kann man heute im Normalfall nicht mehr im Kindergartenbereich arbeiten, da dem Kindergarten als Bildungsstätte ein immer größer werdender Bildungsauftrag zugeschoben wird.
Um diesem Bildungsauftrag gerecht zu werden, benötigen die Erzieherinnen und Erzieher pädagogische Leitlinien und Ziele.
Die Erfahrungen und die Lernprozesse der Kinder schon von Geburt an, sind maßgeblich und wichtig für ihre gesamte Entwicklung. Daher ist es ein grundlegendes Ziel, Kinder früher, nachhaltiger, individueller und intensiver zu fördern und ihnen somit optimale Entwicklungschancen zu ermöglichen.
Einzelne Bundesländer haben Schriften verfasst, in denen erzieherische und pädagogische Werte und Ziele aufgeschrieben wurden, um den Erzieherinnen und Erziehern für die Praxis Orientierung zu bieten. Die Schriften bzw. Bildungspläne decken einen gossen Bereich der pädagogischen Praxis im Kindergartenalltag ab. Sie beschäftigen sich unter anderem mit Methoden, Ziele, Werte, einzelne Bildungsbereiche, Qualitätssicherung, Anforderungen an das Fachpersonal und Kooperation mit Eltern und Träger.
Ich möchte in meiner Arbeit herausarbeiten in wie weit die Bildungspläne der Bundesländer auf das Thema „frühes Lesen“, in der Fachsprache oft „Literacy“ genannt, eingehen. Dabei soll geklärt werden, ob, und wenn ja, worin die Bildungspläne sich in der Umsetzung des Themas frühe Schreib- und Leseerfahrungen unterscheiden. Die Aufmerksamkeit soll vor allem dem frühen Lesen gewidmet werden.
Als theoretische Grundlage ziehe ich den lebensbezogenen Ansatz heran, eine Pädagogik, die ihren Ausgangspunkt im Leben eines jeden Kindes sieht. Einleitend kläre ich den Begriff „Literacy“, erläutere, ab wann und wie Kinder im Alltag sich für Schrift und Lesen interessieren und fasse zusammen, wie man nach dem
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lebensbezogenen Ansatz das Thema Sprachförderung und „frühes Lesen“ im Kindergarten realisieren kann. Mit diesem Hintergrund werde ich dann die Bildungspläne der Bundesländer Saarland, Bremen, Hamburg, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Baden-Württemberg und Bayern nach dem Thema Literacy, Literalität oder Erfahrungen mit Schrift durcharbeiten.
1. Klärung des Begriffs „Literacy“
Spricht man in der Fachliteraturliteratur von frühen Lese- und Schreiberfahrungen, so wird sehr oft das Wort „Literacy“ gebraucht. Es kommt aus dem Englischen. Traditionell übersetzt meint der Begriff, die Fähigkeit Lesen und Schreiben zu können und die Fähigkeit die eigene Sprache zum Lesen, Schreiben, Hören und Sprechen verwenden zu können.
In der deutschen Sprache gibt es keinen entsprechenden Begriff, der die gleichen Bedeutungsebenen umfasst. In Fachkreisen wird es manchmal mit Literalität übersetzt. Die Übersetzung von Lese- und Schreibkompetenz greift zu kurz, da das Text- und Sinnverständnis, das Interesse an Schrift, das Symbolverständnis, das Sprachgefühl, der Umgang mit Büchern und die Lesefreude nicht mit einbezogen werden.
Die UNESCO hat folgende Definition abgefasst: "Literacy is the ability to identify, understand, interpret, create, communicate and compute using printed and written materials associated with varying contexts. Literacy involves a continuum of learning to enable an individual to achieve his or her goals, to develop his or her knowledge and potential, and to participate fully in the wider society" (vgl.http://portal.unesco.org/education/en/ev.php-URL_ID=5000&URL_DO=DO_TOPIC&URL_SECTION=201.html;Stand:30.11.2007).
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2. Wie Kinder vor der Schule lesen lernen?
Viele Eltern fragen sich, in welchem Alter sie mit dem Lesefördern beginnen sollen. „Nach Abschluss des zweiten Lebensjahres wird das Lesen mit jedem Jahr schwerer. Mit fünf lernt ihr Kind leichter als mit sechs, mit vier leichter als mit fünf und so fort. Das Alter vor zwei Jahren ist für den Anfang am besten geeignet“(S.31, Lückert, 1966).
Nach Hans Brügelmann sind Kinder Sinn-Sucher (S.41, Brügelmann, 1993). Sie versuchen sich die Welt, in der sie leben, zu erklären. Sie wollen immer genau wissen, warum etwas so ist, wie es ist. Sie sprühen vor Neugierde und wollen daher auch herausfinden, wie die Funktion und der Aufbau unseres Schriftsystems sind. Ihre Vorstellungen von Schrift, wie sie funktioniert und wozu man sie braucht, sind eingebettet in ihre persönlichen Alltagserfahrungen. Ihre Erklärungsmodelle, wie Schrift funktioniert, haben immer etwas mit ihrem ganz persönlichen Erfahrungshintergrund zu tun. So kommen viele von ihnen zu Hypothesen wie zum Beispiel, dass sie hinter einem langen Wort mit vielen Buchstaben einen großen Gegenstand vermuten. Die kindliche Vorstellung von Schrift ähnelt dabei häufig den frühen Bildschriften, wie zum Beispiel die Hieroglyphen der Ägypter.
Abbildung:S.46, Brügelmann/Brinkmann
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Die Ähnlichkeit zwischen der Kinder-„Schrift“ und den Hieroglyphen ist dabei verblüffend (vgl. S.46, Brügelmann/Brinkmann, 1998).
Bestimmte Einsichten sollten Kinder jedoch in den Aufbau unserer Schrift gewinnen, um kompetente RechtschreiberInnen werden zu können: Sie müssen verstehen,
- dass man etwas aufschreibt, um etwas inhaltlich festzuhalten, als Erinnerungsstütze oder für einen zukünftigen Leser;
- dass man zum Schreiben ganz bestimmte verabredete Zeichen, nämlich die Buchstaben, benutzt;
- dass diese Zeichen etwas mit der gesprochenen Sprache zu tun haben und es eine gewisse Parallelität zwischen der Lautfolge und der Buchstabenfolge gibt;
- dass es neben diesem alphabetischen Prinzip aber auch noch ganz bestimmte Verabredungen für die Schreibweise von Wörtern gibt, die sich aus dem genauen Abhorchen der Lautfolge allein nicht erschließen (vgl.S.52, Brügelmann/Brinkmann, 1998).
Um den vierten Schritt verstehen und nachvollziehen zu können muss ein Kind in seiner Schreib- und Leseentwicklung schon fortgeschrittener sein.
Kinder bemerken zunächst Schrift in Büchern, auf Plakaten, auf Verkehrsschildern, bei Markenlogos oder sie sehen wie die Mutter einen Einkaufszettel schreibt. Durch Beobachten erschließen sie sich nach und nach Merkmale des komplizierten Systems. Die meisten Kinder finden aus Neugierde einen Zugang zur Schrift. Wichtig dabei ist das alltägliche Familienleben und wie dort mit Lesen und Schrift umgegangen wird. Die Neugierde der Kinder lässt sie sogar selbst Texte erschließen. Sie fragen dabei nach und bitten um Hilfe. Den Eltern kann man daher raten, den Kindern schon vor der Schule Möglichkeiten anzubieten, auf Besonderheiten der Schrift aufmerksam zu machen. Dabei gewinnen die Kinder zentrale Einsichten, auf denen später aufgebaut werden kann. Zu Beginn greifen die Kinder bei der Deutung von Schrift auf den Kontext zurück. Sie lesen Plakate oder ähnliches sinngemäß. Später werden sie dann auf die einzelnen Buchstaben selbst aufmerksam, zum Beispiel wenn sie lernen, ihren eigenen Namen zu schreiben. Sie ordnen nun bestimmten Buchstabenfolgen eine Bedeutung zu, zum Beispiel „Esso“ oder „Coca-Cola“. Es ändert sich ihr ganzes Verständnis. Sie beachten nun die ganze Buchstabenfolge und nicht mehr nur den Anfangsbuchstaben oder bestimmte Symbole. Schrift ist zwar immer noch Ettiket,
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Arbeit zitieren:
Stefanie Petschkuhn, 2007, Lesen lernen vor der Schule, München, GRIN Verlag GmbH
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