Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Urban Legends 3
1. Iss Popcorn Trink Cola 3
2.1 Urban Legends und Folklore unserer Zeit 5
2.2 Die Funktion moderner Sagen 7
III. Traditionelle Sage und Märchen 8
1. Die Merkmale traditioneller Sagen und Märchen 8
2. Die Funktion traditioneller Sagen und Märchen 11
IV. Traditionelle und moderne Sage 12
1. Die Nähe zwischen Vergangenheit und Gegenwart 12
2. Die Funktion traditioneller und moderner Sage im Vergleich 13
V. Ausblick 15
Literaturverzeichnis 16
Primärliteratur 16
Sekundärliteratur 16
2
I. Einleitung
Urban Legends, ‚Moderne Sagen‘, hört man überall, in jeder Sprache und in allen sozialen Schichten. Jeder kennt mindestens eine, aber nur wenige sind sich dessen wirklich bewusst. Täglich finden sie in unterschiedlichsten Varianten an den verschiedendsten Orten der Welt statt. Trotzdem ist jede einzelne angeblich mit absoluter Sicherheit wahr und einzigartig und oft einem Freund eines Freundes selbst vor kurzem passiert.
In seinem 1981 erschienenen Buch „The Vanishing Hitchhiker: American Legends and their Meanings“ stellt der Folklorist Jan Harold Brunvand fest, dass Sagen, Legenden, Mythen und Folklore nicht nur bei sogenannten „primitiven“ oder traditionellen Gesellschaften vorkommen und man durch die Untersuchung solcher Sagen viel über urbane und moderne Kultur lernen kann.1
In dieser Arbeit soll untersucht werden, was die moderne Sage über unsere Kultur preisgeben kann, und der These nachgegangen werden, die besagt, dass sie die gleiche Funktion aufweist wie die traditionelle Sage, in der Elfen, Zwerge und Riesen zu Hause sind und die wie keine andere Volkserzählung menschliche Angst thematisiert. Als Beispiel einer modernen Sage stelle ich die „Iss-Popcorn-trink-Cola-Studie“ vor. Obwohl dieses Ereignis und die Berichterstattung darüber genau genommen in dem großen Feld zwischen Gerücht, Verschwörungstheorie und moderner Sage anzusiedeln ist, zeigt sich hier besonders gut, wie es die Inhalte der Populärkultur beeinflusst, die wiederum die Motive der modernen Folklore bestimmt. So kann eine mögliche Entstehungsweise einer modernen Sage nachvollzogen werden.
II. Urban Legends
1. Iss Popcorn! Trink Cola!
Im September 1957 berichtete die US-amerikanische Presse über die subliminalen2 Botschaften, die James Vicary3 nach eigener Darstellung alle fünf Sekunden mit Hilfe eines Tachistoskopes4 für Sekundenbruchteile in Kinofilme untergebracht hatte. Sie forderten die Kinobesucher auf, Popcorn zu essen und Coca Cola zu trinken („Eat Popcorn and Drink Coke“), womit Vicary über
1 Brunvand, 1981, 11-26.
2 subliminal bedeutet in der Psychologie unterschwellig, also jenseits der Wahrnehmungsschwelle. Dennoch sollen sie nach dem Glauben vieler Menschen auf das Unterbewusstsein einwirken und sie so „steuern“.
3 James McDonald Vicary, Werbefachmann und Publizist, geb. 1915 in Detroit.
4 ein Experimentalgerät aus der Wahrnehmungspsychologie, das sehr kurze (bis unter eine Millisekunde) Darbietungen von visuellen Reizen, z.B. Bildern oder Symbolen, ermöglicht.
3
die Dauer von sechs Wochen den Umsatz von Cola um 18% und den Umsatz von Popcorn um 58% gesteigert haben wollte. Diese Aufdeckung brachte einen Sturm der Entrüstung in der Bevölkerung hervor, die Menschen fragten sich beängstigt, welche subliminalen Botschaften man mit dieser Methode sonst noch in ihr Unterbewusstsein transportieren könnte - oder bereits transportiert hatte! Ein US-amerikanischer Bundesausschuss und der Verband der Rundfunksender verbot daraufhin diese vermeintliche Werbemethode. Andere Länder zogen nach.
Die Begebenheit fand große Beachtung in der Populärkultur. Meist wird die Methode als extreme Form der Gehirnwäsche dargestellt, die sogar auch nur auf einzelne, vorher ausgewählte Personen wirken kann. Sie taucht in einem breiten Genre- und Zielgruppenspektrum auf, so zum Beispiel in der US-amerikanischen Zeichentrickserie „The Simpsons“, im Hollywood-Film „Fight Club“5, in der Science-Fiction-Fernsehserie „Sliders“6 oder in der Comic-Buchreihe „Lustiges Taschenbuch“. Im Jahr 1990 wurde die Rockgruppe „Judas Priest“ angeklagt, weil angeblich einer ihrer Songs subliminale Botschaften satanischen Inhalts enthielt, die zwei junge Männer in den Selbstmord getrieben hätten.
Unter der Leitung von Walter Weir wiederholte eine Gruppe unabhängiger Forscher 1984 Vicarys Experiment unter kontrollierten und nachvollziehbaren Bedingungen.7 Es konnte keine Veränderungen im Kaufverhalten von derart beworbenen Produkten festgestellt werden. In einem Interview, das Vicary 1962 der Zeitschrift „Advertising Age“ gab, offenbarte er, dass es die sogenannte „Iss-Popcorn-trink-Cola-Studie“ nie gegeben habe. Einziger Zweck der Zeitungsente sei gewesen, für ein umsatzschwaches Marketing-Unternehmen neue Kunden zu gewinnen, was auch mit gutem Erfolg funktioniert hatte. Die Forscher Anthony Pratkanis und T.E. Moore kommen in ihrem Artikel „An Update on Sublime Influence“ aus dem Jahr 2000 zu dem Schluß, dass auch die neueren wissenschaftlichen Belege „nur unsere ursprüngliche Einschätzung belegen, dass Handlungen, Motive und Glaube nicht empfänglich sind für eine Manipulation durch den Gebrauch von kurz präsentierten Nachrichten oder Aufforderungen“. Die moderne Angst, undurchsichtigen politischen oder wirtschaftlichen Mächten ausgeliefert zu sein, hat zahlreiche moderne Sagen entstehen lassen. Häufig beschreiben sie angebliche
5 Es wird gezeigt, wie einzelne Bilder eines menschlichen Penis in einen Kinderfilm eingefügt werden, was zur Folge hat, dass die Kinder im Kinosaal anfangen zu weinen - und auch im Film selbst sind subliminale Bilder mit eingeschnitten.
6 In der Folge „Fröhliche Weihnachten“ werden die Menschen in einer vom zentralen Gedanken des ausufernden Konsums geprägten Gesellschaft von unterschwelligen Werbebotschaften traktiert, die sie zum Kauf von immer weiteren Waren und Dienstleistungen (notfalls per Kredit) bewegen.
7 Walter Weir: Another Look at Subliminal ’Facts‘. In: Advertising Age, Oktober 1984.
4
Manipulationen des Militärs oder großer Konzerne aus den Vereinigten Staaten und sind eng verwandt mit Verschwörungstheorien und Gerüchten. Rolf Wilhelm Brednich stellte 1990 bereits fest, dass „moderne Sagen [...] manchmal nichts anderes als erzählerisch ausgestaltete Gerüchte“ sind.8 Im Laufe der Zeit kann eine Geschichte so durch kontinuierliches Weitererzählen einen dramaturgischen Handlungsstrang mit Pointe bekommen und es kann nicht mehr nachvollzogen werden, woher die einzelnen Elemente der Erzählung stammen. Der Mythos der subliminalen Beeinflussung ist noch immer lebendig, da die Medien lediglich über die sensationelle ursprüngliche Geschichte, nicht aber der Dementierung berichteten.
2.1 Urban Legends und Folklore unserer Zeit
Der Begriff ‚Moderne Sage‘ wurde vor allem von Rolf Wilhelm Brednich als Bezeichnung für ein Phänomen eingeführt, das zunächst im englischsprachigen Raum unter dem Begriff ‚Urban Legend‘ von Linda Dégh und Jan Harold Brunvand im Rahmen volkskundlicher Erzählforschung untersucht worden war. Es handelt sich dabei um apokryphe, zeitgenössische Geschichten, die meist als wahr erzählt werden und oft einem Freund eines Freundes zugeschrieben werden. Sie betreffen Themen wie Verbrechen, neue Technologien, aktuelle Ereignisse, Mann und Frau, Berufe, oder Regierungen und wie die täglichen Nachrichtensendungen neigen sie dazu, über Todesfälle, Verletzungen, Kidnappings, Tragödien, und Skandale zu berichten. Das Attribut ‚urban‘ verweist auf den wichtigsten Schauplatz der modernen Sage: die Großstadt. Es geht um den Mythos des Städtischen, um rätselhafte Ereignisse, wie sie typischerweise in Großstädten vorkommen, wobei der konkrete Ort der Handlung austauschbar ist.
Legenden können in unserer Kultur als narrative Volkskunde überleben, wenn sie drei wesentliche Elemente enthalten: eine starke grundlegende Anziehungskraft der Geschichte, ein Fundament im wirklichen Glauben und eine bedeutungsvolle Aussage oder "Moral".9
Moderne Sagen bestehen meist nur aus einer einzigen Episode und werden in der regionalen Mundart wiedergegeben. Sie besitzen fast immer einen Handlungsstrang mit Fragmentcharakter, oft muss der Zuhörer die eigentlich relevanten Teile, den sogenannten „real plot“ selbst ausfindig machen. Ihr Stil ist dramatisch, flüssig und packend, und auch die stimmlichen und mimischen
8 Brednich, 1990, 24.
9 Brunvand, 1981, 22.
5
Arbeit zitieren:
Moritz Steiauf, 2007, Urban Legends, München, GRIN Verlag GmbH
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Friederike Wulf
Hallo Moritz!
Ich hoffe Du bekommst meine Nachricht so, ich hab nämlich scheinbar keine gültige Adresse mehr von Dir, weder Post noch E-Mail! Meld Dich doch bitte sobald Du das hier bekommst! Meine alte Mailadresse gibt's noch und Du findest mich auch bei Facebook, allerdings unter Friderike Wulf (!).
Ganz liebe Grüße, Friede!!!
am Wednesday, April 28, 2010-
Friederike Wulf
Da hab ich mich vor Aufregung doch glatt selbst falsch geschrieben ;)
am Wednesday, April 28, 2010-