Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung 2
2. Allgemeiner Teil 3
2.1 Definition Wochenbett 3
2.2 Psychische Veränderungen im Wochenbett 3
2.3 Definition Depression 4
2.4 Definition Wochenbettdepression 6
2.4.1 Postpartumblues 6
2.4.2 Postpartale Depression (PPD) 7
2.4.3 Postpartale Psychose 7
3. Diagnostik der Postpartalen Depression 9
3.1 Die Aufgabe der Hebamme bei der Früherkennung einer PPD 9
3.2 Edinburgh Postnatal Depression Scale (EPDS) 10
3.3 Diagnose durch den Psychiater oder Psychologen 13
4. Ätiologie und Therapie der Postpartalen Depression 15
4.1 Welchen Einfluss hat das gesellschaftliche Bild der Mutterrolle 15
auf die Entstehung einer Postpartalen Depression?
4.2 Psychische Faktoren und psychiatrische/psychotherapeutische Betreuung 20
4.3 Physische Faktoren und medikamentöse Behandlung 25
4.4 Prädisposition 33
5. Die Aufgaben der Hebamme in der Betreuung einer Wöchnerin mit PPD 35
5.1 Das vertrauensvolle Gespräch 35
5.2 Die Integration des Partners/ der Familie 37
5.3 Der sachkundige Rat 39
5.4 Hilfe zur Selbsthilfe 40
5.5 Förderung des Bondings 41
6. Präventive Maßnahmen 42
6.1 Die Aufklärung im Geburtsvorbereitungskurs 42
6.2 Die sorgfältige Erhebung der Anamnese 44
7. Fazit 44
8. Ausblick und kritische Reflexion 46
9. Literaturverzeichnis 48
10 Anhang 49
I. Adressen zur postpartalen Problematik
II. Literaturempfehlungen und Internetadressen
III. Infobroschüre
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1. Einleitung
Mit der vorliegenden Arbeit möchte ich in sachlicher und informativer Weise über die Ursachen, Diagnostik und Therapie der postpartalen Depression berichten. Meine Ausarbeitung soll in erster Linie Hebammen, aber auch anderen Berufsgruppen, die mit Wöchnerinnen in Kontakt kommen, zur Information und Orientierung dienen. Früher oder später wird für jede Hebamme das Thema „postpartale Depression“ aktuell, auch wenn ihm häufig zu wenig Aufmerksamkeit beigemessen wird.
Der Begriff postpartale Depression ist gleichbedeutend mit dem Wort Wochenbettdepression. Im Verlauf der Arbeit werde ich von postpartalen Anpassungsstörungen sprechen und meine damit auch den Postpartumblues und die postpartale Psychose, deren Differenzierung ich im folgenden Kapitel erklären werde.
Es gibt zahlreiche Ursachen, die zu einer Wochenbettdepression führen können. Wichtig ist, die Faktoren nicht isoliert zu sehen, sondern sich um eine multikfaktorielle Betrachtung zu bemühen.
Mein Anliegen ist es, die Zusammenhänge der Thematik klar und übersichtlich darzustellen, um die Wachsamkeit der Hebammen zu schärfen und ihnen Handwerkszeug, wie beispielsweise die Edinburgh Postnatal Depression Scale vorzustellen und damit nutzbar zu machen.
Darüber hinaus bin ich der Ansicht, dass es in den Aufgabenbereich der Hebamme gehört, über postpartale Anpassungsstörungen aufzuklären, damit werdende Mütter ein Bewusstsein für die Verstimmungen und Depressionen bekommen und sie im Falle einer Erkrankung wissen, dass ihr Zustand einen Namen trägt. Im Rahmen der Erstellung dieser Arbeit habe ich ein Interview mit einer 29jährigen Mutter geführt, die nach der Geburt ihrer Tochter vor vier Jahren an einer Wochenbettdepression gelitten hat. Ich werde einige Auszüge aus diesem Gespräch an verschiedenen Stellen einflechten, um die theoretischen Ausführungen mit einer Stimme zu ergänzen.
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2. Allgemeiner Teil
In diesem Kapitel werde ich die grundlegenden Begriffe erläutern, die zum sachlichen Verstehen der Thematik der Krise nach der Geburt beitragen.
2.1 Definition Wochenbett
Das Wochenbett (lat. Puerperium) umfasst die Zeitspanne von Geburt der Plazenta an bis acht Wochen post partum. Es ist ein körperlicher und seelischer Umwandlungsprozess, der die Rückbildung der schwangerschafts- und geburtsbedingten Veränderungen, aber auch eine neue Lebenssituation der Frau mit sich bringt (vgl. Mändle et al., 2003, S. 301). Das alte Hebammenwissen besagt, dass die Rückbildung, d.h. die vollständige Regeneration der in der Schwangerschaft in Größe und Lage veränderten Organe der Frau und die Abheilung der durch die Geburt verursachten Verletzungen, genauso lange dauert wie die Schwangerschaft selbst: neun Monate.
2.2 Psychische Veränderungen im Wochenbett
Die psychologische Einteilung der Zeit nach der Geburt erfolgt in drei Phasen: 1. Die sensible Anpassungsphase. Es sind die ersten Minuten und Stunden nach der Geburt, in denen beide, die Mutter und ihr Neugeborenes, sehr empfänglich für Körperkontakt sind. Sie nehmen in diesen wichtigen Momenten ihre Mutter-Kind-Beziehung auf. Wenn möglich erfolgt bereits hier der Anfang der Stillbeziehung, indem der Säugling angelegt wird und den stark ausgeprägten Saugreiz entwickelt. 2. Die Wochenbettperiode. Die Wöchnerin arbeitet an der Identifizierung und Auseinandersetzung mit ihrer neuen Rolle. Außerdem übt sie die Übernahme der Verantwortung für ihr Kind.
3. Die Reintegrationsphase. Diese Phase betrifft die Neuorientierung nach außen. Die Frau löst sich allmählich aus der Einengung der auf Geburt und Neugeborenes ausgerichteten Lebenssituation und kehrt soweit wie möglich wieder zur früheren Lebensweise und alten Kontakten zurück. Unter Umständen erfährt die Beziehung
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zum Partner eine Veränderung und muss neu aufgebaut werden (vgl. Mändle et al., 2003, S.307f.).
Unschwer lässt sich eine große Anpassungsleistung erkennen, die in jeder der drei Phasen von der Mutter erbracht werden muss. Ein Neugeborenes bedeutet eine gravierende Veränderung im Leben der Eltern und geht immer mit dem Gedanken der Endgültigkeit einher. Deshalb ist das Auftreten einer Störung im Laufe des oben beschriebenen Prozesses keine Ausnahme, wobei diese unterschiedliche Ausmaße annehmen kann.
2.3 Definition Depression
Um die postpartale Depression als Sonderform in das Krankheitsbild der Depression einzubetten bzw. davon abzugrenzen, gebe ich einen allgemeinen Überblick der verschiedenen Depressionsformen.
Zunächst einmal ist im Gegensatz zur Geisteskrankheit die Depression eine Gemütskrankheit und grundsätzlich vorübergehend. Die unterschiedliche Schwere hängt mit den Ursachen und ihrer Behebung zusammen. Der Bergriff „Depression“ kommt vom Lateinischen „deprimere“ und bedeutet herunterdrücken, unterdrücken. Es „bezeichnet ein Syndrom, bei dem es neben der Minderung und Beeinträchtigung psychischer Funktionen auch zu einer Beeinträchtigung der geistigen und körperlichen Funktionen kommt“ (Sauer, 1993, S. 10).
Die meisten Mediziner teilen die Depressionen nach Ursachen ein: 1. Somatogene Ursachen (körperlich begründbar), 2. Endogene Ursachen (biologisch begründbar), 3. Psychogene Ursachen (seelisch begründbar). Manche Fachleute fassen die Erkrankungen in zwei Gruppen zusammen: endogene Depressionen und reaktive Depressionen.
Unter den endogenen Depressionen versteht man alle Fälle, die keine erkennbare Ursache haben oder durch psychische bzw. körperliche Erkrankungen ausgelöst werden. Die Folgen von Operationen oder die Nebenwirkungen mancher Medikamente und Hormone werden auch zu dieser Gruppe gezählt.
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Zu den endogenen Depressionen gehört auch die als manisch-depressiv bezeichnete Form. Sie verläuft phasenhaft - zwischen den depressiven Schüben verkehren sich die Symptome ins Gegenteil: Der Betroffene wird gereizt und überaktiv, wirkt unermüdlich und übertrieben gut gelaunt. In die zweite Gruppe der häufiger vorkommenden reaktiven Depressionen gehören Depressionen nach schweren oder bei anhaltenden seelischen Belastungen (Erschöpfungsdepression) und Depressionen mit neurotischen Zügen. Solche Depressionen dauern relativ lange und kehren häufig wieder zurück. Auslöser einer neurotischen Depression sind meist Ereignisse, die einen ungelösten früheren seelischen Konflikt wieder beleben. Neurotisch depressive Menschen leiden häufig nicht nur an anhaltender Melancholie, sondern auch an Angstzuständen, Zwangsvorstellungen und psychosomatischen Beschwerden. Sie wenden ihre natürliche Aggressivität meist gegen sich selbst, deshalb schweben sie oft in Selbstmordgefahr. Die Behandlung durch einen Psychiater wird unerlässlich. Die Krankheit dauert meist sehr lange an und geht im Alter zurück (vgl. Sauer, 1993, S.14 f.).
Eine reaktive Depression tritt nach Ereignissen ein, die auch von anderen als durchaus schwerwiegend eingestuft werden. Sie findet sich vor allem zwischen Pubertät und mittleren Lebensjahren, bei Frauen außerdem noch vor dem Klimakterium, beim Mann gegen Ende des Berufslebens. Bei jüngeren Menschen dauert eine reaktive Depression meist Tage bis mehrere Wochen, bei älteren Menschen kann sie länger andauern. Die Beschwerden sind in der Regel nicht so stark wie bei der endogenen Depression. Wenn Tagesschwankungen überhaupt vorhanden sind, so liegt die depressive Zeit eher am Abend. Psychosomatische Beschwerden sind häufig. Eine psychologisch fundierte Therapie ist hier besonders wichtig, Medikamente dienen dabei meist zur Unterstützung der psychotherapeutischen Arbeit (vgl. Friebel et al., 1997).
„Letztendlich muss man davon ausgehen, dass die Übergänge zwischen den einzelnen Kategorien fließend sind und zahlreiche Mischformen existieren. Aus diesem Grund wurde von Faust / Hole (1983) zusätzlich die Kategorie der mehrschichtigen Depression eingeführt“ (Sauer, 1993, S. 15).
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Da eine Wöchnerin mit Symptomen einer nachgeburtlichen psychischen Krise nicht immer eindeutig in eine der genannten Kategorien einzuordnen ist, wird die letztgenannte „der Komplexität in Bezug auf äußere Belastung, psychodynamische Verarbeitung und endogene Reaktionsbereitschaft gerecht und kommt auch der sich heute immer mehr durchsetzenden multifaktoriellen Betrachtung der Depression entgegen“ (ebd., S.15-16).
2.4 Definition Wochenbettdepression
Ich werde die in der Literatur übliche Einteilung in drei Kategorien verwenden, die einerseits unterschiedliche Schweregrade der Erkrankung darstellen: Postpartumblues
• Postpartale Depression
• Postpartale Psychose
•
Allerdings muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass die leichteren Formen der Wochenbettdepression schleichend in schwerwiegendere Formen übergehen können (vgl. Mändle et al., 2003, S. 308).
2.4.1 Postpartumblues
Dieser physiologische Zustand wird auch als „Babyblues“ oder „Heultage“ bezeichnet. Er beschreibt die leichte depressive Verstimmung zwischen dem 2. und
10. Tag post partum, die oftmals von Tränen, Traurigkeit und Erschöpfung gekennzeichnet ist. Betroffen sind hiervon 50 bis 80% aller Mütter, besonders diejenigen, die im Krankenhaus entbunden haben. Bei ambulanten Geburten oder Hausgeburten kommt das Stimmungstief seltener vor.
Die Ursache liegt in der Umstellung der Hormone, auf die ich im Folgenden unter Punkt 4.3 näher eingehen werde. Wie bereits erwähnt ist der Postpartumblues vorübergehend und demnach keine Erkrankung im eigentlichen Sinn (vgl. Goerke et al., 1998, S. 306). Die Symptome im Überblick:
• Traurigkeit, Schwermütigkeit, häufiges Weinen
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• rapider Stimmungswechsel von hemmungslosem Weinen zu herzlichem Lachen
• Ruhe- und Schlaflosigkeit
• Ängstlichkeit, Reizbarkeit, Pessimismus
• Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten u. a. (Vgl. Mändle et al, 2003, S.309.)
2.4.2 Postpartale Depression (PPD)
Wenn der Postpartumblues länger als zwei Wochen anhält, kann sich daraus eine postpartale Depression (Wochenbettdepression) entwickeln. Der Zeitpunkt des Auftretens fällt in die ersten drei Monate nach der Geburt. Betroffen sind etwa 10 bis 20% aller Wöchnerinnen. „Allerdings umfassen diese Zahlen nur Frauen, die sich in Behandlung begeben haben, so dass man davon ausgehen kann, dass die Dunkelziffer wahrscheinlich sehr viel höher liegt“ (Nispel, 1993, S. 45). Die PPD kann verschiedene Verlaufsformen annehmen und deshalb unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Symptome:
• Niedergeschlagene Grundstimmung, Traurigkeit, häufiges Weinen
• Konzentrationsschwäche, ständige Müdigkeit
• Desinteresse an allgemeinen Dingen
• Erschöpfung, Schlafstörung
• Angst, Sorge um das Kind, Schuldgefühle
• Körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Antriebsmangel, Kreislaufbeschwerden, das Gefühl des „Krankwerdens“ (vgl. Mändle et al, 2003, S. 309)
2.4.3 Postpartale Psychose
Diese schwerste Form der psychischen Erkrankungen im Wochenbett tritt mit einer Häufigkeit von 0,1 bis 0,2% aller Mütter auf (vgl. Sauer, 1993, S.84 f.). Unterschiedliche Angaben gibt es in der Literatur zum Zeitpunkt des Auftretens. Sauer geht in ihrer Abhandlung vom Tag der Geburt bis maximal vier Wochen post
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partum aus, während Mändle et al von den ersten sechs bis acht Wochen nach der Geburt sprechen. Einig sind sich die Autorinnen jedoch in dem Zeitpunkt des häufigsten Erscheinens der Krankheit, nämlich zwischen dem 10. und 20. Tag nach der Entbindung.
Relativ typisch für die Wochenbettpsychose sind Mischformen der genannten Zustandsbilder. Die schizo-depressiven gelten als die gefährlichsten, da sie mit einem erhöhten Suizidrisiko korreliert sind. Häufiger treten jedoch die schizomanischen Mischbilder in Erscheinung: Euphorie und Antriebssteigerung paaren sich mit der Überzeugung, verfolgt zu werden, oder mit anderen Wahninhalten (vgl. www.schatten-und-licht.de).
Die Symptome sind je nach Form der Psychose, manisch, depressiv oder schizophren, wie bei den oben erläuterten Krankheitsbildern vielfältig, jedoch deutlich als massive Störung erkennbar:
• starke Verwirrtheit, mangelnde Orientierung (zeitlich, räumlich, persönlich), starke innere und äußere Unruhe, Antriebssteigerung, geringes Schlafbedürfnis, Größenwahn (manische Form)
• extreme Angstzustände, Teilnahmslosigkeit, Antriebs- und Bewegungslosigkeit, schwere Schlafstörungen, ausdrucksloses Gesicht (depressive Form)
• Wahnvorstellungen, sich selbst oder dem Kind etwas anzutun (bzw. antun zu müssen), Halluzinationen (schizophrene Form)
Da diese Symptome erst nach Entlassung der Wöchnerin aus der Klinik auftreten, fällt es in die Kompetenz der Hebamme, darauf aufmerksam zu werden und weitere Schritte einzuleiten. An dieser Stelle sei auf die Kapitel 4 und 5 verwiesen. Eine postpartale Psychose sollte immer stationär in einer Nervenklinik behandelt werden (vgl. Mändle et al., S. 309). Im optimalen Fall wird die Mutter zusammen mit dem Kind aufgenommen, da eine Trennung der beiden in dieser Zeit negative Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Beziehung mit sich bringen kann. Leider ist dies in Deutschland nicht überall Standard, allerdings in England und den USA vielerorts möglich (vgl. Sauer, 1993, S.84).
Im Anhang sind die infrage kommenden regionalen Kliniken aufgeführt.
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3. Diagnostik der Postpartalen Depression
Im folgenden Kapitel werde ich die Instrumente der Diagnostik aufzeigen, die sowohl die Hebamme als auch der Facharzt zu Hilfe nehmen können, um den Verdacht auf eine postpartale Anpassungsstörung zu bestätigen und um letztlich zu einer sicheren Diagnose und Einschätzung des Schweregrades der Erkrankung zu kommen.
3.1 Die Aufgabe der Hebamme bei der Früherkennung einer PPD
Der Hebamme obliegt in dieser Angelegenheit eine große Verantwortung, weil sie die Wöchnerin in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt betreut. Sie ist in der Lage Veränderungen der Frau wahrzunehmen und einzuordnen. In manchen Fällen kennen sich Hebamme und Wöchnerin bereits aus dem Vorbereitungskurs, von Vorsorgen oder der Geburt. Da die Hebamme das nötige Hintergrundwissen für die Erkrankungen im Wochenbett hat, spielt sie bei der Früherkennung eine wichtige Rolle. Denn erst wenn die Wochenbettdepression als solche erkannt wird, kann der betroffenen Frau in angemessener Form geholfen werden. Je früher Ansätze der Erkrankung beobachtet werden, desto besser kann die Hebamme mit ihrem Rat und Beistand unterstützend wirken.
Natürlich hat die Kompetenz der Hebamme in diesem Bereich auch ihre Grenzen. Sie ist nicht in der Rolle des Therapeuten, der in der Lage ist die psychischen Probleme der Frau aufzudecken und die Folgen oder Reaktionen aufzufangen. Die Aufgabe der Hebamme ist vielmehr, aufmerksam, emphatisch und beratend tätig zu sein. Sie kann der Frau Denkanstöße geben oder Handlungsmöglichkeiten aufzeigen, die ihr Entlastung verschaffen. Sie kann Verdachtsdiagnosen stellen und diese einem/r darauf spezialisierten Arzt/Ärztin mitteilen. Der Handlungsspielraum der Hebamme ist also ein Feld, das sie ausschöpfen, aber nicht zu Lasten der Frau überschreiten sollte.
Nicht vergessen darf man allerdings die Frage, inwieweit Früherkennung möglich ist, wenn vielfach Symptome erst nach Abschluss der Hebammenbetreuung auftreten. Häufig stellen betroffene Frauen die Forderung nach pränataler Aufklärung und
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verbesserter postpartaler Nachsorge auf, die vor allem Gemüt, Stimmung und Gefühle einer Mutter in den Vordergrund rücken.
Die Bereitstellung adäquater Hilfe für an postpartaler Depression oder Psychose leidende Frauen ist hierzulande im Vergleich zu den anglo-amerikanischen Ländern, die mit speziellen Nachsorgeuntersuchungen, Forschungsgruppen, Ausbildungsprogrammen, Anlaufstellen, Vereinen und Selbsthilfegruppen, wie auch Mutter-Kind-Einrichtungen in der Psychiatrie breit gestreut aufwarten können, als noch unzureichend einzustufen (vgl. www.schatten-und-licht.de).
3.2 Edinburgh Postnatal Depression Scale (EPDS)
Die EPDS ist ein Fragebogen, der 1987 von dem englischen Arzt John Cox entwickelt wurde. Dieser Test ist speziell auf die Erkennung der Postpartalen Depression ausgerichtet und wird bereits seit einigen Jahren von Ärzten und Hebammen in englischsprachigen Ländern erfolgreich angewendet. Der Vorteil dieses Tests liegt in seiner einfachen Handhabung und klaren Auswertbarkeit. Er beinhaltet 10 Fragen zum Gemütszustand der Wöchnerin, wobei jede Frage vier Antwortmöglichkeiten hat. Wenn die Summe der Punkte bei der Auswertung 12 oder mehr beträgt, besteht der Verdacht auf eine Wochenbettdepression, wobei die Schwere der Erkrankung an diesem Punkt noch eingehend zu klären ist. Mit dem bearbeiteten Test als Grundlage kann man als betreuende Person weitere Schritte einleiten und ein Gespräch mit der Betroffenen über ihre Gefühlslage und Probleme führen.
„In einer Untersuchung zum EPDS kam Prof. Dr. med. Bergant von der Universitätsfrauenklinik in Innsbruck zu dem Ergebnis, dass es sich um ein sehr anwenderfreundliches und geeignetes Instrument zur Erfassung depressiver Symptomatik im frühen Wochenbett handelt“ (Nispel, 2001, S.191). Nispel ist der Auffassung, dass der Fragebogen nicht nur bei Verdacht auf eine Wochenbettdepression eingesetzt, sondern von jeder Frau, die gerade ein Kind geboren hat, ausgefüllt werden sollte. Auf diese Weise könne sichergestellt werden, dass keine Frau durch das „Netz der sozialen Kontrolle“ fiele. Leider erfreut sich der Fragebogen in Deutschland noch nicht allzu großer Bekanntheit. Diesen Zustand zu verändern, liegt in der Hand von Hebammen und Ärzten.
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Deutschsprachige Version der „Edinburgh Postnatal Depression Scale" Name: Adresse: Alter des jüngsten Kindes:
Da Sie vor kurzem ein Kind geboren haben, würden wir gerne wissen, wie Sie sich in den letzten sieben Tagen (oder bei Verwendung in den ersten Tagen nach der Geburt: seit der Geburt gefühlt haben. Bitte markieren Sie die Ant-worten durch Ankreuzen der Antwort, welche für Sie am ehesten zutrifft. Beispiel: Ich habe mich glücklich gefühlt O Ja, die ganze Zeit O Ja, die meiste Zeit O Nein, nicht so oft O Nein, überhaupt nicht In den letzten sieben Tagen: oder In den Tagen seit der Geburt:
1) konnte ich lachen und das Leben von der sonnigen Seite sehen O so, wie ich es immer konnte O nicht ganz so wie sonst immer O deutlich weniger als früher O überhaupt nicht
2) konnte ich mich so richtig auf etwas freuen O so wie immer O etwas weniger als sonst O deutlich weniger als früher O kaum
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3) fühlte ich mich unnötigerweise schuldig, wenn etwas schief lief O ja, meistens O ja, manchmal O nein, nicht so oft O nein, niemals
4) war ich ängstlich und besorgt aus nichtigen Gründen O nein, überhaupt nicht O selten O ja, manchmal O ja, häufig
5) erschrak ich leicht bzw. reagierte panisch aus unerfindlichen Gründen 0 ja, oft O ja, manchmal O nein, nicht oft O nein, überhaupt nicht 6) überforderten mich verschiedene Umstände
O ja, die meiste Zeit war ich nicht in der Lage, damit fertig zu werden O ja, manchmal konnte ich damit nicht fertig werden O nein, die meiste Zeit konnte ich gut damit fertig werden O nein, ich wurde so gut wie immer damit fertig 7) war ich so unglücklich, dass ich nicht schlafen konnte O ja, die meiste Zeit O ja, manchmal O nein, nicht sehr oft O nein, überhaupt nicht 8) habe ich mich traurig und schlecht gefühlt O ja, die meiste Zeit O ja, manchmal
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O selten O nein, überhaupt nicht 9) war ich so unglücklich, dass ich geweint habe O ja, die ganze Zeit O ja, manchmal O nur gelegentlich O nein, niemals
10) überkam mich der Gedanke, mir selbst Schaden zuzufügen O ja, ziemlich oft O manchmal O kaum O niemals
Die Antworten werden je nach Symptomschwere mit 0, 1, 2 und 3 Punkten bewertet. Die Fragen 3, 5, 6, 7, 8, 9 und 10 sind spiegelbildlich konstruiert (Bewertung mit 3,2, 1 und 0). Die Addition der einzelnen Punktzahlen ergibt die Gesamtsumme.
Quelle: Bergant, A., Tran, T.: Postpartale Depression: Frühdiagnostik mit Hilfe der Edinburgh
Postnatal Depression Scale (EPDS), in: Hebamme 3/00, S.165-168)
(aus: Nispel, 2001, S.192-193)
3.3 Diagnose durch den Psychiater oder Psychologen
In diesem Kapitel möchte ich darstellen, wie ein Psychiater (Facharzt für Geistes-und Gemütskrankheiten) oder Psychologe (Wissenschaftler auf dem Gebiet der Psychologie) zu der Diagnose „Wochenbettdepression“ oder „Postpartale Psychose“ kommt, d.h. welche Instrumente oder Mittel zur Feststellung der Erkrankung angewendet werden.
Wenn die körperlichen und seelischen Beschwerden der Wöchnerin nach ca. zwei Wochen keine Besserung zeigen, starke Schlafprobleme, Ess- und Appetitstörungen nicht weniger werden oder wenn sich die Betroffene nicht in der Lage fühlt, sich und ihr Kind zu versorgen, ist es angezeigt professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
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Der Weg führt meist über den Hausarzt oder den betreuenden Gynäkologen, der eine Überweisung zum Spezialisten ausstellen kann.
Nicht jeder Psychiater ist auf dem Gebiet der postpartalen Reaktionsstörungen ein Experte, deshalb lohnt es sich, Informationen über die spezielle Ausbildung des Facharztes einzuholen.
In akuten Fällen, wie z.B. bei einer Wochenbettpsychose, die mit manischen und psychotischen Symptomen (s. Kapitel 2.4) einhergeht und unter Umständen für die Mutter oder das Kind lebensgefährlich werden kann (Selbstmordabsichten oder Infantizidgedanken), ist zügiges Handeln angebracht. Die Wöchnerin sollte umgehend in eine psychiatrische Klinik eingeliefert werden. Optimal ist die gemeinsame stationäre Aufnahme von Mutter und Kind, damit „die notwendige Bindung von Anfang an, wenn auch durch die Erkrankung eingeschränkt, wachsen und sich entwickeln kann“ (zit. nach Dr. Bolk-Weischedel, OÄ der Psychiatrischen Klinik der FU Berlin, in: Nispel, 2001, S. 171).
Die wichtigste Untersuchungs- und zugleich eine Heilmethode für Depressionen ist das Gespräch mit dem Arzt. Er hört sich die Krankengeschichte aufmerksam an und lernt so seine Patientin kennen. Durch das Stellen von Fragen, kann er sich ein Bild über die individuelle Situation der Patientin machen. Er erkundigt sich auch nach familiären Krankheiten, um eine erbliche Vorbelastung in seine Erwägungen mit einzubeziehen (vgl. Friebel, 1997, S. 48).
Fragebögen werden als so genannte Selbstbeurteilungsverfahren angewendet. Der in diesem Fall geeignete Fragebogen ist sicherlich die Edinburgh Postnatal Depression Scale, die ich oben vorgestellt habe. Auf der Grundlage der Ergebnisse der Befragung kann der Facharzt in weiterführenden Gesprächen herausfinden, ob die Betroffene eine leichte, gemäßigte oder schwere Form der Postpartalen Depression hat. Die Einordnung nimmt der geschulte Psychiater auch anhand der von der Patientin beschriebenen Symptome vor. Damit die anschließende Behandlung möglichst effektiv ist, muss die Frage nach der Ursache geklärt werden. Wodurch sind die Symptome verursacht worden?
Mögliche Antworten kann der Arzt auch durch eine Blutuntersuchung finden. Ein Differentialblutbild informiert über die Zusammensetzung der verschiedenen Blutbestandteile, die Blutzuckerbestimmung kann viel über Enzyme und Hormone aussagen (vgl. ebd., S. 50). Bei der Wöchnerin geht es speziell um das Hormon Progesteron (hierzu mehr in Kapitel 4.3).
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4. Ätiologie und Therapie der Postpartalen Depression
4.1 Welchen Einfluss hat das gesellschaftliche Bild der Mutterrolle auf die Entstehung einer Postpartalen Depression?
„Noch nie war eine Kultur so „kindzentriert“ wie die unsere“ (Schenk, 1999, S.174). Mutterliebe - was ist das, und woher kommt sie? Ist sie allen weiblichen Geschöpfen in die Wiege gelegt und kommt immer zum Einsatz, wenn sie selbst Mutter werden? Wer hat festgelegt, wie Mutterliebe aussehen soll, wie stark ausgeprägt sie sein soll? Wie lange dauert die Mutterliebe an? Welche Verantwortung resultiert aus der Mutterliebe? Wer leitet aus der Stärke der nach außen sichtbaren Mutterliebe die moralische Güte einer Mutter ab? Wenn man über die Begriffe Mutter und Mutterliebe nachdenkt und sie mit Inhalt zu füllen versucht, kommt jeder zu einem Ergebnis, das sicherlich von ganz persönlichen Erfahrungen geprägt ist, aber vermutlich auch eine geradezu mythische Idealvorstellung transportiert. Die überhöhte Form der Mutterliebe, die wir heute für selbstverständlich halten, ist ein „verhältnismäßig spätes Produkt unserer Kulturentwicklung“ (ebd.).
Unbestritten haben sich die meisten Mütter zu allen Zeiten und in allen Kulturen irgendwie um die Mehrzahl ihrer Kinder gekümmert. Doch die Arbeitskraft der Frau wurde und wird in vielen Ländern als zu wertvoll betrachtet, als sie nur zum Zwecke der Kindererziehung zu nutzen.
Ich möchte an dieser Stelle einen sozialhistorischen Exkurs in die Geschichte der Mutterschaft auf der Grundlage der Betrachtungen von Herrad Schenk in ihrem Buch „Wieviel Mutter braucht der Mensch?“ unternehmen. Er soll der Leserin zum besseren Verständnis des in der heutigen westlichen Gesellschaft herrschenden Mutterbildes dienen. Denn nur wenn man die Entwicklung des Gestern betrachtet, kann man das Heute verstehen und reflektieren, neue Gedanken entwickeln und das eigene Bild von morgen gestalten.
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In der frühen Menschheitsgeschichte bedeutete Mutterschaft vor allem Fruchtbarkeit, Schwangerschaft und Gebären. Aus der Zeit etwa 30000 v. Chr. stammt die Statue „Venus von Willendorf“, die als Kultobjekt verehrt wurde. Sie symbolisiert die Frau als Trägerin neuen Lebens mit hochschwangerem Bauch, schweren Brüsten, kleinem Kopf und dicken Oberschenkeln. Die Menschen verehrten damals die Fruchtbarkeit der Frau, also das Leben an sich und nicht die Mutterfigur. Sie setzten die Frau in ihrem Kult nicht in Beziehung zum Säugling. In der Zeit vor der Industrialisierung bestand die Bevölkerung in Europa überwiegend aus Bauern. Die Frauen waren zwar gesellschaftlich niedrig gestellt, doch durch ihre Fruchtbarkeit erfuhren sie Wertschätzung. Ihre Gebärfähigkeit war Anlass zu großen Festen, die die Gemeinschaft der Frauen für die Wöchnerin ausrichtete. Die soziale Stellung einer Ehefrau hing von der Zahl ihrer Kinder, insbesondere ihrer Söhne ab.
Im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit vollzog sich eine Spaltung des archaischen Bildes der Großen Mutter in eine „gute“ und eine „böse“ Mutter. Gesellschaftlich sichtbar wurde diese Entwicklung am Marienkult und am Hexenwahn. Zwei gegensätzliche Frauenfiguren symbolisieren jeweils ein Extrem: die Jungfrau Maria ist selbstlos und aufopfernd. Ihr Kind, das entsprechend der patriarchalischen Werteordnung ein Sohn ist, wird zum Mittelpunkt ihres Lebens. Auf der anderen Seite stellt die Hexe das Bild der bösen Mutter dar, die bedrohliche und zerstörerische Charaktereigenschaften hat. Sie fügt den Kindern Schaden zu und hält sie gefangen. Im extremen Fall beabsichtigt sie, den Nachwuchs aufzufressen, was in Volksmärchen wie „Hänsel und Gretel“ beschrieben wird. Doch die Verehrung der Jungfrau Maria im Hoch- und Spätmittelalter bewirkte zunächst keine Veränderung bezüglich der Mutterrolle.
Erst mit der Entstehung der bürgerlichen Familie im 18. Jahrhundert erlebte die Mutter eine deutliche Aufwertung. Die Hauptaufgabe einer verheirateten Frau lag in der Führung des Haushaltes. Anders als die Bäuerin brauchte sie keine produktiven Tätigkeiten ausführen, sondern überwachte in der Regel die Arbeit der ihr zur Verfügung stehenden Dienstboten. So blieb ihr Zeit zur Gestaltung des Familienlebens, das für den Ehemann ein angenehmer Ausgleich zum Berufsleben sein sollte. So entstand der Privatbereich der bürgerlichen Familie und schuf die Voraussetzung für die Mutterschaft als Beruf. Denn im Kampf um die Machtansprüche gegenüber dem Adel prägte das aufstrebende Bürgertum einen
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neuen Leistungsethos, der nicht nur die Männer in ihrer beruflichen Welt betraf, sondern auch den Frauen verbot, jemals als müßig zu erscheinen. So machten sie die Gestaltung des Familienlebens, die unermüdliche Sorge um das psychische Wohlergehen von Mann und Kindern, zu ihrer Arbeit. Hinzu kam, dass im 18. Jahrhundert viele pädagogische Werke veröffentlicht wurden, in denen die Frauen lesen konnten, wie wichtig es sei, dass die eigene Mutter sich von Anfang an um ihre Kinder kümmerte. Wer es sich leisten konnte, gab nämlich damals seine Kinder zu einer Amme, bei der sie in der Regel zwei bis vier Jahre blieben und gab dann die Erziehung in die Hände von Gouvernanten und Hauslehrern. Der Kontakt zwischen Eltern und Kindern konnte auf diese Weise nicht eng werden und blieb daher eher förmlich. Noch vor der Pubertät verließen die Kinder das Elternhaus, um in die Schule zu gehen.
In den Bauernfamilien wuchsen die Kinder zwar zu Hause auf, doch die Mutter hatte meist von früh bis spät körperlich schwere Arbeit zu erledigen, so dass ebenfalls keine engen Beziehung aufgebaut werden konnte. Auch die Bauernkinder gingen spätestens als Jugendliche von zu Hause fort, um zu arbeiten. Diese Praxis der Kindererziehung änderte sich also im Verlauf des 18. Jahrhunderts. Die Mütter begannen, selber zu stillen und widmeten sich ihren Kindern intensiv durch Pflege und Erziehung. Dadurch wurden sie einerseits selbst als Erzieherinnen aufgewertet, andererseits ihre Kinder zunehmend als Individuen aufgefasst. Zugrunde lag auch ein Wandel der Orientierung, denn die Frauen nahmen nicht mehr nur die Autorität der männlichen Familienmitglieder an, sondern setzten verstärkt Ratschläge externer Experten (z. B. Pädagogen) um. Diese Haltung stärkte wiederum ihre Position innerhalb der Familie. Zudem ist dieser Entwicklung in Zusammenhang mit verbesserten hygienischen Bedingungen eine sinkende Rate der perinatalen Mortalität zuzuschreiben (vgl. Badinter, 1981, S. 110). Im Kontext der neu definierten Mutterrolle konnte zu Beginn des 29. Jahrhunderts ein Geburtenrückgang verzeichnet werden. Je intensiver die Mütter sich um ihre Kinder kümmerten, desto weniger bekamen sie. Dies war allerdings nur in den bürgerlichen Schichten der Fall, während die Familien der Grundschicht bis weit ins 20. Jahrhundert zahlreiche Kinder gebaren.
Für die bürgerlichen Frauen war es ein leichtes, dem idealisierten Mutterbild gerecht zu werden, denn sie hatten die Möglichkeiten und die Zeit dazu. Außerdem wurden sie für ihre Mühen mit gesellschaftlichem Ansehen und Statusaufwertung belohnt.
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Anders und vor allem zeitlich versetzt drang die ideell überhöhte Mütterlichkeit in das Kleinbürgertum und die Arbeiterschicht. Trotz der vielen Arbeit opfert sich die Mutter für ihre Kinder auf und bietet ihnen mit ihrer sanften und stets geduldigen Art einen Gegensatz zum strengen Vater. So wird es in vielen Biographien aus dem 19. Jahrhundert beschrieben (vgl. Schenk, 1999, S.182). Auch zu dieser Zeit spiegelt sich die Wertschätzung der Mutter in Politik und Dichtung wider. Das zugrunde liegende Bild von der „guten Mutter“ im 19. Und frühen 20. Jahrhundert skizziert Herrad Schenk folgendermaßen:
Eine Frau ist primär dazu bestimmt, Mutter zu sein und damit ihren von der Natur verliehenen Instinkt der Mutterliebe zu leben. Da diese vorherrschenden Eigenschaften der Frau so dominant sind, bleibt kein Platz für andere wesentliche Lebensinhalte als der ihrer Kinder (vgl. ebd., S. 183f.). Dann kam die Zeit, in der die ideelle Überhöhung des Mutterbildes eine bestimmte Funktion erfüllen sollte: der Nationalsozialismus. Die Mutterschaft wurde als Lebensaufgabe der Frau propagiert. Dabei spielte die Anzahl der Kinder eine wichtige Rolle. Je mehr Kinder, vor allem Söhne, die Frau zur Welt brachte, desto wertvoller war das ihr verliehene Mutterkreuz, das zum Ausdruck des Mutterkultes wurde. Das Ziel bestand im Gebären möglichst vieler Kinder, die Hitler später für seinen Krieg einsetzen konnte. Nicht so viel Wert wurde jedoch auf die Qualität der Mütterlichkeit gelegt. Die Kinder sollten gesund großgezogen werden und Gemeinschaftssinn lernen. Für das spätere Lebensglück ihrer Kinder wurde die Mutter nicht verantwortlich gemacht.
Einiges hat sich inzwischen verändert, vor allem ist das Ziel, mehr als drei oder vier Kinder zu bekommen in vielen Teilen der Erde nicht mehr erstrebenswert. Vielmehr hat sich die Last der Verantwortung vergrößert, die eine Mutter gegenüber ihrem Kind hat. Im 20. Jahrhundert setzte sich die Überzeugung durch, dass die frühe Mutter-Kind-Beziehung einen entscheidenden Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes hat. „ ...garantiere die unbedingte Liebe der Mutter zu ihrem Kind, die Sicherheit und Geborgenheit, die sie ihm in den ersten Lebensjahren vermittele, dem erwachsenen Menschen ein Leben lang emotionale Sicherheit und Stabilität“ (aus: ebd., S. 185).
Diese Überzeugung, die der Mutter auf den ersten Blick eine hohe Ehre zukommen lässt, wurde durch die Psychoanalyse auf den Weg gebracht und machte gleichsam die Mutter zur Hauptverantwortlichen für das Glück ihres Kindes. „ Von der
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Verantwortung zur Schuld war es nur ein kleiner Schritt, und dieser Schritt wurde rasch getan, sobald nur die geringste Schwierigkeit mit den Kindern auftauchte. Jetzt wurde es üblich, von der Mutter Rechenschaft zu verlangen...“ (Badinter, 1981, S. 190). Einige Frauen nehmen diese Aufgabe gerne an, andere fühlen sich in eine streng festgelegte Rolle gedrängt, die ihnen den Kampf mit Schuldgefühlen beschert, wenn sie sich den Erwartungen nicht gewachsen fühlen. „ ...ein nagendes Gefühl permanenten Ungenügens, unter dem die Frauen unserer Zeit weitaus stärker leiden als die Frauen früherer Jahrhunderte“ (Schenk, 1999, S.186).
Auch in dem Interview mit einer Mutter, die nach der Geburt ihrer Tochter an einer Wochenbettdepression litt, finde ich die oben beschriebenen Ansätze bestätigt. Hierzu ein Ausschnitt des Gesprächs: Welche Gedanken hattest du, als es dir so schlecht ging? Ich hatte das Gefühl, meiner Tochter nicht genug Liebe geben zu können. Das ist ja eine enorme Verantwortung, die man als Mutter dann hat. Das glaubt man gar nicht, wenn man noch keine Kinder hat. Das mit dem Kinderkriegen ist nicht alles nur Zuckerschlecken! Die amerikanische Psychologin Shari Thurer ist der Auffassung, dass am Ende der wechselnden Mutterbilder „das Mutterideal des 20. Jahrhunderts steht, das in einer bis dahin noch nie gekannten Weise die Mutter mit unrealistischen und sentimental verklärten Ansprüchen überschüttet, denen sie sich kaum zu entziehen vermag. Noch nie gab es eine derartige Fülle von Handbüchern über Kindererziehung, die zudem auf eine Frage verschiedene Antworten parat haben. Letztendlich haben sie eines gemeinsam: die Unterordnung der Mutter unter die Bedürfnisse des Kindes und ihre Selbstverwirklichung in der Kindererziehung“ (Nispel, 2001, S. 27). Wer lädt werdende Mütter zur Reflexion ihrer Vorstellungen und Ideale ein, damit sie sich nicht selbst überfordern? Wie können junge Mütter zu einer kritischkonstruktiven Haltung gegenüber Massenmedien gelangen, die fast ausschließlich die folgende Idee transportieren: die stets perfekte „Supermama“, allseits präsent, aufopfernd, ohne eigene Bedürfnisse und negative Gefühle. Diese von der
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Säuglingsnahrungs- und Windelindustrie geschaffenen Werbewesen werden unreflektiert als Abbild der Wirklichkeit bewertet und die jungen Frauen kommen zu der Einschätzung, dass sie keine gute Mutter sein können, wenn sie nicht genauso glücklich und perfekt ihr Kind pflegen und erziehen. Der Vergleich mit dem Selbstbild löst starke Selbstzweifel und Schuldgefühle aus, da die Wirklichkeit nicht mit der Werbung übereinstimmt.
Obwohl Kinder unbestritten eine Bereicherung im Leben der Eltern darstellen und viel Freude mit sich bringen, sind die mit ihnen eintretenden Veränderungen gravierend. Es geht darum, Frauen heute auf realistische und optimistische Weise auf ihre Mutterschaft vorzubereiten. Hebammen können in Geburtsvorbereitungskursen ihren Beitrag als Fachfrauen und Begleiterinnen leisten, dass Frauen mit den postpartalen Problemen besser zurecht kommen.
4.2 Psychische Faktoren und psychiatrische/psychotherapeutische Betreuung
Die psychischen Faktoren bilden eine der großen Gruppen der möglichen Ursachen von postpartalen Anpassungsstörungen. Die sich anschließenden Abschnitte geben Erläuterungen zu einigen wichtigen psychischen Faktoren, wie den normalen psychischen Veränderungen, der Erfüllung der Mutterrolle, dem ersten Kind, später Mutterschaft und der Bedeutung belastender Kindheitserfahrungen. Im Anschluss werde ich eine Palette von Therapien aufzeigen.
1. Die mit der Geburt des Kindes eintretenden Anforderungen an die Erfüllung der Mutterrolle bedeuten für die junge Mutter eine enorme, aber normale psychische Veränderung. Ab einem bestimmten Zeitpunkt für ein Neugeborenes zu sorgen und zunächst primär dessen Bedürfnisse zu befriedigen, wirft Fragen an das alte Selbstbild auf. Die Freizeitgestaltung und die Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit wird ganz entscheidend durch das Kind beeinflusst. Die partnerschaftliche Beziehung gewinnt eine neue Dimension, denn Mann und Frau, Geliebte oder Ehepartner, werden zu Vater und Mutter, die beide Verantwortung für ihr Kind tragen. Kurzum - alle wesentlichen Bereiche werden von dem neuen Kind beeinflusst und das Leben der Eltern wird sich in einer Tragweite verändern, die manchen vorher nicht bewusst ist.
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„Als ich Jule dann im Arm hatte, habe ich sie angeguckt und sie hat mich angeguckt und ich habe darauf gewartet, dass es Klick macht. So hatte ich das vorher gelesen, dass das zwischen Mutter und Kind so passiert und da irgendwie ein Hebel umgelegt wird. Aber es passierte nichts. Außerdem war sie so ruhig und hat kaum geschrien. Ich dachte immer, dass Babys nach der Geburt viel schreien. Und die Hebamme und mein Mann haben beide nichts dazu gesagt. Ich hätte mir gewünscht, dass jemand sagt, dass alles in Ordnung ist.“ (Auszug aus meinem Interview.)
Es gibt Frauen, die erwarten, dass sie eine Art Mutterinstinkt haben und aufgrund dieser angenommenen Tatsache ihre Mutterrolle von Anfang an perfekt auszufüllen vermögen. „Das Problem besteht oft darin, dass viele Frauen ihre Erwartungen viel zu hoch ansiedeln und letztlich wütend auf sich selbst sind, wenn sie sie nicht erfüllen können“ (Dunnwold et al., 1996, S. 80). Dabei vergessen sie, dass das Muttersein eben auch ein Prozess des Mutterwerdens beinhaltet. Ähnlich wie ihr Kind, braucht auch seine Mutter eine Zeit der Entwicklung und der Reifung. Das erfordert viel Zeit und Geduld, von den Müttern selbst und von den ihr nahe stehenden Menschen. Doch einige Frauen glauben nicht, sie auf ihrem Weg zum Muttersein in Anspruch nehmen zu dürfen.
2. Gerade das erste Kind bringt entscheidende Einschnitte im Leben seiner Eltern mit sich. Deshalb ist „die Wahrscheinlichkeit, mit psychischen Störungen konfrontiert zu werden, größer als beim zweiten oder dritten Kind“ (ebd., S. 81; vgl. dazu auch Sauer, Birgit, 1993, S. 96). Die vor und während der Schwangerschaft geprägten Vorstellungen vom Muttersein, sicherlich auch beeinflusst von den Massenmedien, sind vielfach unrealistisch und romantisiert. Die reale Erfahrung mit dem Kind kann durchaus ernüchternd sein, vor allem „während der ersten sechs Monate“ (Dunnwold et al., 1996, S.82). Da können hochgeschraubte Erwartungen und unreflektierte Selbstkritik Wegbereiter zu tief greifender Enttäuschung und psychischen Störungen sein.
3. Wenn Frauen sich relativ spät für ein Kind entscheiden, haben sie meist schon einige berufliche Erfolge hinter sich und sind in ihrer Lebensweise eher gefestigt. Diese Tendenz ist heute zunehmend. Die neuen Mütter erwarten viel von sich und wollen „alles unter einen Hut bringen“. Sie möchten gut für ihr Baby sorgen, aber gleichzeitig ihr gewohntes Leben nicht aufgeben. Ein Kind bedeutet immer Abschied
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von Altem und Gewohntem und zugleich der Neubeginn eines Lebensabschnittes, der viel Unerwartetes, sowohl positiv als auch negativ, birgt. Die bejahende Art der Einstellung zu diesem „neuen Leben“ und die Gelassenheit, sich auf Ungewohntes einzustellen, trägt viel zum Gelingen des Familienlebens bei.
Wenn die Mütter den Mut haben, sich Fehler und Unzulänglichkeiten zuzugestehen, wird schon vielen Schwierigkeiten vorgebeugt.
4. Welche Rolle spielen Kindheitserfahrungen? „Kinder, die Opfer körperlichen oder sexuellen Missbrauchs wurden, sind im späteren Leben besonders anfällig für psychische postnatale Störungen“ (ebd., S. 85 f.). Die Auswirkungen auf die Psyche des Kindes, auf sein Selbstbild und sein Selbstwertgefühl können verheerend sein. Wie oben beschrieben, stellt die Geburt eines Kindes eine Herausforderung für das Selbstbewusstsein der Mutter dar. Bei bestehenden Schwierigkeiten kann die Verantwortung für ein Neugeborenes ein zusätzlich belastender Faktor sein.
Therapie
Der einzuschlagende Weg aus der nachgeburtlichen Krise richtet sich nach ihrem Verlauf: In leichteren Fällen mag es genügen, sich auf Selbsthilfe zu beschränken.
Bei mittelschweren Depressionen kann Selbsthilfe begleitend eingesetzt werden, reicht aber oftmals nicht aus, so dass die Hinzuziehung von Fachleuten angeraten ist. Der Therapeut entscheidet dann gemeinsam mit der Patientin, ob die Sitzungen ambulant abgehalten werden. Bei einer schweren postpartalen Depression oder gar Psychose ist eine sofortige professionelle Hilfe absolut notwendig. In einigen Fällen ist auch ein Klinikaufenthalt angezeigt, um das Leben von Mutter und Kind zu schützen. Wie bereits in Kapitel 2.4.3 erwähnt, ist die gemeinsame Aufnahme von Mutter und Kind wünschenswert, denn „diese Trennung von Mutter und Kleinkind erweist sich in vielen Fällen für eine Genesung der Betroffenen als kontraproduktiv“ (www.schatten-und-licht.de).
In anderen Ländern existieren bereits seit längerem spezielle Abteilungen an psychiatrischen Krankenhäusern zur Aufnahme von postpartal psychisch erkrankten Müttern mit ihren Kindern (z.B. Großbritannien, Australien, Kanada, Neuseeland, Niederlande, Frankreich). In Deutschland beginnt das Konzept der Mutter-Säugling-
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Therapie allmählich Fuß zu fassen. In einigen psychiatrischen Einrichtungen besteht bereits ein entsprechendes Angebot (s. Anhang I.).
Im Folgenden möchte ich die verschiedenen Richtungen der Psychotherapie vorstellen, die auch mit einer medikamentösen Therapie (s. folgendes Kapitel) kombiniert zum Einsatz kommen können.
Psychotherapien werden gemeinhin von Diplom-Psychologen durchgeführt und über den Psychiater verschrieben. Es gibt neben der Psychoanalyse eine Vielzahl von Psychotherapien.
Analytische Psychotherapie:
•
Es erfolgt keine vollständige Analyse der Persönlichkeit, sondern die Betrachtung einiger Lebensereignisse, um die Herkunft von Symptom auslösenden Konflikten zu erklären und neue Verhaltensweisen einzuüben. Der Therapeut ist relativ passiv. Der Patient erinnert sich, erzählt, und entwickelt mittels Phantasie Zukunftsperspektiven.
Tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie:
•
Das wichtigstes Thema sind aktuelle Konflikte und Probleme, dazu werden Erinnerungen aus Kindheit und Jugend wieder belebt. Es besteht eine stärkere therapeutische Beziehung. Die Therapeuten beteiligen sich aktiver am Gespräch, fragen nach und teilen Beobachtungen mit. Dann erfolgt die Entwicklung neuer Strategien und Verhaltensformen und deren Umsetzung im Alltag.
Verhaltenstherapie:
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Verhalten wird erlernt, ist aber auch zu verlernen, indem gesünderes Verhalten eingeübt wird. Konkrete Ziele der Therapie werden besprochen und auf drei Ebenen Analysiert: in der Kognition, im Verhalten, in Körpersymptomen. Danach werden zusammen mit dem Patienten ein Behandlungsplan und Methoden zur Einübung neuer Denk-, Verhaltens- und Kommunikationsformen erarbeitet.
Gesprächstherapie:
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Der Behandelte ist nicht ein Patient, sondern ein Klient. Die Gespräche zwischen Therapeut und Klient sind durch Offenheit, Anteilnahme, nichturteilendem Verstehen und Echtheit gekennzeichnet. Aktuelle Erlebnisse, Erfahrungen und Gefühle stehen
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im Mittelpunkt, werden akzeptiert und positiv angegangen. Selbstachtung, Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein werden gestärkt.
Gestalttherapie:
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Die Gegenwart ist wichtig, die Vergangenheit ist vorbei. Momentane Gefühle zählen, nach dem Warum muss nicht geforscht werden. Erfahrung ist wichtiger als Erklärung. Wahre Bedürfnisse müssen erkannt und frei gelebt werden können. Die Ziele sind: Gefühle erleben, Umwelt und Mitmenschen wahrnehmen, bewusste Auseinandersetzung, Selbstunterstützung durch inneren Dialog, selbstverantwortliches Handeln. Alle Personen und Gefühle bekommen eine eigene Stimme, die alle vom Klienten selbst dargestellt werden. Der Therapeut ist nur unterstützend und anregend tätig.
Transaktionsanalyse:
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Die Persönlichkeit eines Menschen unterteilt sich in drei Ich-Zustände, die alle drei in Balance gebracht werden müssen, um ein psychisch gesundes Leben zu führen: Das Kind-Ich, das geprägt ist von kindlichen Erfahrungen und spontan sein sollte, das Erwachsenen-Ich, das auf das Hier und Jetzt sachlich, nachdenklich und einfühlsam reagieren sollte, und das Eltern-Ich, das von Eltern, Autoritäten, gesellschaftlichen Normen geprägt wurde und konstruktiv vorsorgend sein sollte. Werden Transaktionen zwischen Menschen immer wieder aus den gleichen Ich-Zuständen heraus vollzogen, weil ein Ich-Zustand zu stark gelebt wird, entstehen "Spiele", die die Menschen in scheinbar unveränderlichen, schadenden Verhaltensweisen festhalten. Bedürfnisse nach Zuwendung müssen lebenslang gestillt werden, um nicht seelisch zu verkümmern und um Selbstbewusstsein und Selbstverantwortung zu entwickeln. Daher ist das Therapeuten-Klienten-Verhältnis liebevoll und voller Zuwendung.
Familientherapie / Systemtherapie:
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Nicht individuelle Störungen, sondern gestörte Familienbeziehungen machen krank. Subtile Kampfmethoden sind die Folge. Die Beobachtung des Beziehungsgefüges ist daher wichtig. Die gewohnte Kommunikation der Familie wird in Frage gestellt, neue Kommunikationsformen und Beziehungsmuster erprobt.
Psychodrama:
•
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Es wird meist als Gruppentherapie angeboten. Vergangene, gegenwärtige oder Traum-Szenen werden nachgespielt, wobei der Hauptakteur seine Rolle selber spielen kann und die anderen Gruppenmitglieder als Akteure für seine Szene einsetzt. Im Spiel werden Konflikte und Probleme modellhaft durchgespielt und verschiedene Lösungen erprobt. Danach erfolgt ein Feedback (www.schatten-undlicht.de).
4.3 Körperliche Faktoren und medikamentöse Therapie Die körperlichen Faktoren stellen ebenso wie die psychischen Faktoren eine wichtige Gruppe des Ursachenspektrums der postpartalen Reaktionen dar. In diesem Abschnitt werde ich zunächst auf die körperlichen und hormonellen Umwandlungen in der Schwangerschaft zu sprechen kommen, um die Ausmaße der postpartalen Anpassung und die damit verbundenen Risiken einer Störung zu verdeutlichen. Weiterhin werde ich auf das Wiederholungsrisiko einer PPD eingehen und die Faktoren Schilddrüse und prämenstruelles Syndrom beleuchten. Anschließend werde ich in diesem Kapitel die medikamentösen und alternativen Behandlungsverfahren vorstellen.
Nach der Geburt eines Kindes erfährt die Frau gravierende körperliche Veränderungen, die häufig unterschätzt werden. Deutlich wird diese Tatsache, indem man sich die Veränderungen in der Schwangerschaft vor Augen führt. Es ist ein langer und von vielen tief greifenden Umwandlungen begleiteter Prozess, den die Frau vom Zustand des Nicht-Schwangerseins bis zur vollständig abgeschlossenen Involution durchläuft. Um nur einige zu nennen: Der Uterus wächst und hat am Ende der Schwangerschaft das 40-fache seiner ursprünglichen Größe erreicht, Fruchtwasser wird gebildet, ein neues Organ entsteht: die Plazenta. Einige Organe verändern ihre Lage, vor allem der Darm wird vom wachsenden Uterus immer stärker verdrängt. Auch das Herz wird etwas nach oben gedrückt und steigert sein Auswurfvolumen, weil es zusätzlich den Feten mit frischem Blut versorgen muss. Ebenso weitet sich der Brustkorb, um für die erhöht beanspruchte Lunge genug Platz zu bieten. Nieren und Harnleiter müssen mehr leisten und werden größer. Eine folgenreiche Veränderung ist die Hormonumstellung in der Schwangerschaft, die von Hypothalamus, Plazenta und fötaler Nebennierenrinde gesteuert wird. Die
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Werte der Eierstockhormone Östrogen und Progesteron steigen wenige Stunden nach der Konzeption an. Hinzu kommen neue Hormone wie das humane Choriongonadotropin (HCG), das die Bildung der Plazenta unterstützt und für den Nachweis einer Schwangerschaft verwendet wird. Den höchsten Wert erreicht dieses Hormon in der neunten Schwangerschaftswoche, danach fällt es wieder ab. Die Plazenta versorgt den Fötus nicht nur über die Nabelschnur mit Nährstoffen, sondern produziert auch, teilweise unter der Kontrolle der Nebennierenrinden des Fötus, große Mengen von Progesteron und Östrogen. Die Progesteronwerte steigen auf das 50-fache des Wertes am 21. Zyklustag einer nichtschwangeren Frau an. Zum Zeitpunkt der 16. Schwangerschaftswoche hat die Plazenta die gesamte Progesteronproduktion übernommen, während die Eierstöcke für den Rest der Schwangerschaft fast funktionslos geworden sind.
Weiterhin wird von der Hypophyse das Laktationshormon Prolaktin ausgeschüttet. Es bewirkt die Vergrößerung und eine bessere Durchblutung der Brüste, einige Frauen können bereits in der sechsten bis achten Schwangerschaftswoche ein wenig Flüssigkeit aus den Brustwarzen drücken.
Eine erhöhte Bildung von Hormonen der Nebennieren führt in der Schwangerschaft zu einer Verdoppelung der Kortikosteroide im Körper der Frau (vgl. Dalton, 2003, S.29 f.).
Die Gesamtheit der physischen und hormonellen Prozesse sorgen dafür, dass eine Schwangerschaft zustande kommt und erhalten wird. Nach der Geburt ist vor allem die Hormonumstellung ein relevanter Faktor für das Auftreten von Symptomen einer PPD. Nach Abschluss der Plazentaperiode kommt es zu einem plötzlichen Abfall von Progesteron und Östrogen. „Innerhalb einer Woche nach der Entbindung sinkt der Progesteronspiegel auf null, und der Östrogengehalt im Körper sinkt auf ein Zweihundertstel der während der Schwangerschaft vorhandenen Menge“ (Dunnwold et al., 1996, S.71). Hinzu kommt, dass das oben erwähnte Prolaktin die körpereigene Östrogen- und Progesteronproduktion hemmt, besonders bei stillenden Müttern. Auch bei nicht stillenden Frauen kann es bis zu zwei Monaten dauern, bis sich die Ausschüttung der beiden Hormone wieder normalisiert hat. Um diese Vorgänge zu umgehen, gibt es die hormonelle Behandlung. Die britische Ärztin Dr. Katharina Dalton setzt diese Therapieform seit vielen Jahren erfolgreich prophylaktisch oder kurativ bei Wochenbettdepressionen ein. Durch die Gabe von hoch dosiertem Progesteron kann der rasche Abfall des Hormons post partum
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abgemildert werden und die damit einhergehenden Beschwerden lassen sich vermeiden. Deshalb vertritt Dr. Dalton die Auffassung, dass „Progesteron früh angewendet werden muss, ehe sich die Symptome zeigen“ (Dalton, 2003, S.168). Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass das verwendete Progesteron aus der Yamswurzel gewonnen wird und somit ein natürliches Hormon ist, das sich in seiner Wirkung von dem synthetischen Progesteron unterscheidet (vgl. Nispel, 2001, S.166).
Vorteile dieser Behandlung sind folgende: „Die Progesteronbehandlung ist in jeder Hinsicht verbraucherinnenfreundlich. Vor allem gibt es keine unerwünschten Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, sodass sie ohne Bedenken z.B. gleichzeitig mit Antikonvulsiva, Betablocker oder Inhalationsmitteln gegen Asthma angewendet werden kann. Außerdem ist eine Überdosierung fast nicht möglich (Dalton, 2003, S168). „Sie beeinträchtigt vor allem nicht das Stillen, es treten keine gravierenden Nebenwirkungen auf…“ (Nispel, 2001, S.167). Deshalb sollte die Überprüfung des Hormonstatus bei postpartal Erkrankten grundsätzlich zur ärztlichen Routine gehören. Betroffene Frauen sollten sich in dieser Frage an einen Endokrinologen wenden, dessen Hormon-Test sich meist über einen ganzen Tag erstreckt, um auch die Hormonschwankungen feststellen zu können. Die Verabreichung synthetischer Hormone, wie auch der Antibabypille, führt häufig zu einer Verstärkung der Depression oder wird sogar erst ihr Auslöser (vgl. www.schatten-und-licht.de).
Als alternative Methode eignet sich das Diosgenin-Öl, das die körpereigene Produktion von Progesteron anregt. Die natürlichste Art, als altes Hebammenwissen bekannt, ist die dosierte Einnahme der eigenen, getrockneten und pulverisierten Plazenta. Zu diesen Methoden sind beim Verein Schatten und Licht e. V. Informationen erhältlich.
Die Tatsache, dass eine Frau bereits bei einer früheren Geburt an einer Wochenbettdepression gelitten hat, erhöht ihr Risiko erneut zu erkranken. Dr. Dalton ermittelte eine Rückfallquote von 68%, während andere Wissenschaftler auf ein Ergebnis von 30 bis 50% kamen (vgl. Nispel 2001, S.76). Für die Wochenbettpsychose schätzen Dr. A. Rhode und Prof. Dr. A. Marneros aus Deutschland nach sechsundzwanzigjähriger Forschung das Rezidivrisiko auf 25
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Prozent, d.h. jede vierte Frau würde wiederholt eine postpartale Psychose durchmachen (vgl. ebd.).
Zu der Frage, inwieweit Erbfaktoren bei der Entstehung einer PPD entscheidend sind, verweise ich auf das nachfolgende Kapitel Prädisposition. Auf die plötzliche hormonelle Umstellung nach der Geburt kann auch ein Mangel des chemischen Botenstoffes Thyreotropin (TSH) folgen. Dadurch schüttet die Schilddrüse zu wenig Thyroxin aus, was wiederum eine Verlangsamung des Stoffwechsels zur Folge hat. Symptome sind Müdigkeit, Frösteln, Lethargie und langsamer Puls. Diese klinischen Zeichen können leicht zu einer Erschöpfungsdepression im Wochenbett führen (vgl. Dunnwold et al., 1996, S.77). Um festzustellen, ob eine Hypothyreose vorliegt, werden die TSH- und Thyroxinwerte im Blut durch Laboranalyse bestimmt. Falls ein Mangel vorliegt, wird mit Thyroxinpräparaten behandelt (vgl. Dalton, 2003, S. 75 f.). Wenn hingegen eine Hyperthyreose vorliegt, d.h. zu viele Schilddrüsenhormone ausgeschüttet werden, kann das vegetative Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen werden. Als Folge leidet die Betroffene unter hoher Nervosität, Überängstlichkeit, innerer Unruhe und Ein- und Durchschlafproblemen - allesamt Symptome, die das Auswachsen einer Wochenbettdepression begünstigen. Zurzeit sind die Ursachen dieses Zusammenhangs noch weitgehend ungeklärt, doch einige Ärzte, unter ihnen Dr. Dalton, zählen das Prämenstruelle Syndrom zu den körperlichen Faktoren der PPD. Dr. Dalton definiert als „Vorreiterin der Forschung auf dem Gebiet der prämenstruellen Beschwerden und der postnatalen Störungen“ (Dunnwold et al., S. 76) den Begriff wie folgt: „Das prämenstruelle Syndrom (PMS) ist ein Zusammentreffen schwerer, vor jeder Menstruation wiederkehrender, nach der Menstruation vollständig wieder abklingender Symptome“ (Dalton, 2003, S.152).
Gekennzeichnet ist dieses Syndrom durch eine Vielzahl von Symptomen, die jedes für sich uncharakteristisch sind. Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Gefühl des Aufgedunsenseins, starke Stimmungsschwankungen, Heuschnupfen, Epilepsieallesamt Beschwerden, die in der prämentruellen Phase auftreten und dann laut Dr. Dalton als PMS gewertet werden können.
Zurückzuführen ist das PMS auf die Schwankungen des Progesteron-, des Östrogen- oder eines anderen Sexualhormonspiegels. „Typischerweise klagen
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betroffene Frauen in den Tagen unmittelbar vor Einsetzen der Periode und in den ersten Tagen der Menstruation am häufigsten über PMS - dann nämlich, wenn die Spiegel dieser Hormone am niedrigsten sind (Dunnwold, S.76). Für Frauen mit PMS stellt die hormonelle Veränderung nach der Geburt durchaus eine Risikosituation dar und kann psychische Störungen begünstigen. Medikamentöse Therapie
Bei schweren Depressionen und Psychosen kann die Gabe von Medikamenten unerlässlich sein, um die Symptome zu mildern und im Idealfall die Ursachen zu bekämpfen. Psychopharmaka werden eingesetzt, um das biochemische Gleichgewicht positiv zu beeinflussen und den Hormonhaushalt auszugleichen. Die meisten Präparate aus dieser Medikamentengruppe sind nicht mit dem Stillen vereinbar. Es gibt aber heute auch Medikamente, die das Stillen nicht beeinträchtigen. Das bedeutet für betroffene Mütter mit dem Wunsch weiter zu stillen, dass sie sich zusammen mit dem behandelnden Facharzt (PsychiaterIn, NeurologIn) für eines dieser Präparate entscheiden sollten. Denn plötzliches Abstillen als erneute hormonelle Veränderung und die Beendigung der Stillbeziehung können weitere Faktoren sein, die die Situation und emotionale Lage der Frau verschlechtern.
Im Folgenden möchte ich die unterschiedlichen Arten von Psychopharmaka, die bei psychischen Erkrankungen eingesetzt werden können, vorstellen (siehe dazu auch www.schatten-und-licht.de).
Antidepressiva:
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Antidepressiva lassen sich in drei Kategorien unterteilen: 1. in die trizyklischen oder tetrazyklischen Antidepressiva, 2. in die reinen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, 3. in die MAO-Hemmer (Monoaminoxydasehemmer).
Antidepressiva haben die Funktion, das Gleichgewicht der so genannten Neurotransmitter im Gehirn wiederherzustellen.
Neurotransmitter sind Botenstoffe im Gehirn, die bei der Informationsübertragung zwischen den Nervenzellen eine tragende Rolle spielen. Insbesondere scheinen die
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Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin für Depressionen verantwortlich zu sein.
Bei der Einnahme von Antidepressiva ist folgendes zu beachten:
Entscheidend ist, dass das Medikament regelmäßig nach der ärztlichen Anweisung eingenommen wird. Die Wirkung setzt im Allgemeinen erst nach 10 bis 20 Tagen ein.
Jeder Mensch reagiert anders und unterschiedlich stark auf ein bestimmtes Medikament. Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Übelkeit, Verstopfung, Schwitzen oder beschleunigter Puls sind möglich. Die lästigen Begleiterscheinungen verschwinden oftmals schon nach einer Woche.
Der Zeitraum, über den das Medikament eingenommen werden muss, ist individuell verschieden. Auf keinen Fall darf ein Präparat eigenmächtig abgesetzt werden! Antidepressiva machen im Gegensatz zu Beruhigungs- und Schlafmitteln nicht abhängig. Sobald das biochemische Gleichgewicht im Körper wiederhergestellt ist, werden die Medikamente nicht mehr benötigt.
Angstlösende Medikamente (Tranquilizer):
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Angstlösende Medikamente sind auch unter den Bezeichnungen Tranquilizer oder Benzodiazepine bekannt. Die Benzodiazepine sind die am weitesten verbreitete Gruppe der Tranquilizer (engl., "Beruhiger"). Sie finden Anwendung in der Behandlung von Angst- und Unruhezuständen, motorischer Spannung, Gereiztheit und Übererregbarkeit. Sie machen in höherer Dosierung müde und schläfern ein. Ansonsten gelten sie im Allgemeinen als relativ gut verträglich. Tranquilizer sollten grundsätzlich nur über einen kurzen Zeitraum eingenommen werden, da sie bei längerem Gebrauch abhängig machen können.
Antimanische Medikamente:
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Wenn eine Frau nach der Geburt ihres Babys unter einer Manie leidet, so äußert sich dies in den folgenden Symptomen: ein geringes Schlafbedürfnis, ein sehr schnelles Sprechtempo, rasende Gedanken, leichte Ablenkbarkeit, stark gesteigerte Aktivität und ein mangelndes oder gestörtes Urteilsvermögen. Manien werden vorrangig mit Lithium, Neuroleptika und Carbamazepin behandelt. Während der Lithiumbehandlung muss der Lithiumspiegel im Blut der betroffenen Frau sorgfältig
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überwacht werden, denn die erforderliche Dosierung des Lithiumpräparats liegt ziemlich nah an der Grenze zur Toxizität. Lithium ist ein metallisches Element, das in der Natur nur als Salz in Mineralien, Mineralwasser, Pflanzen- und Tiergeweben und in sehr geringer Konzentration auch in menschlichen Geweben vorkommt.
Lithium weist zum Teil erhebliche Nebenwirkungen auf, die allerdings durch die Gabe kleinerer Dosen über den Tag vermieden werden können und teilweise nach einer gewissen Zeit verschwinden. Lithium macht nicht abhängig und gilt als gefahrlose Behandlungsmethode, wenn die Therapie genau kontrolliert wird. Ebenso wie bei Lithium sollte auch der Carbamazepinspiegel im Blut regelmäßig überwacht werden. Carbamazepin ist ein antiepileptisch wirkendes Medikament, das zur vorbeugenden Behandlung bei Affektiven Psychosen zur Anwendung kommt. In der Regel wird es eingesetzt, wenn Lithium nicht geholfen hat, wenn es nicht vertragen wurde oder wenn andere Gründe gegen eine Lithiumbehandlung sprechen. Auch hier sind Nebenwirkungen zu erwarten.
Antipsychotische Medikamente (Neuroleptika):
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Wenn eine Mutter unter Symptomen einer Psychose leidet, kommen antipsychotischer Medikamente, so genannte Neuroleptika, zum Einsatz. Diese Arzneimittel stellen das biochemische Gleichgewicht im Gehirn wieder her und bewirken eine Abschwächung der Halluzinationen, der Wahnvorstellungen und der Verwirrungszustände. Die z.T. erheblichen Nebenwirkungen reichen von Schläfrigkeit, Mundtrockenheit, Verstopfung und Schwindelgefühlen bis hin zu Muskelschmerzen, starkem Zittern, Muskelkrämpfen und verlangsamten Bewegungsabläufen. Oft werden zusätzliche Medikamente verabreicht, die diese Nebenwirkungen einschränken sollen. Der Arzt muss eine entsprechende Dosierung finden, bei der die psychotischen Symptome verschwinden und sich gleichzeitig die Nebenwirkungen in Grenzen halten.
Schlafmittel (Hypnotika):
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Schlafprobleme stellen für viele postpartal erkrankte Frauen ein Problem dar. Jedes Medikament, das Schlaf erzeugt, kann als Schlafmittel oder Hypnotikum bezeichnet werden. Somit handelt es sich bei den Hypnotika nicht um eine scharf abgrenzbare Arzneimittelgruppe. Angstlösende Medikamente durchbrechen manchmal den Angstkreislauf, der für die Schlaflosigkeit bei Müttern verantwortlich ist. Auch Antidepressiva sind zuweilen Schlaf fördernd. So können Angst lösende
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Medikamente, wie die oben erwähnten Benzodiazepine, eine hilfreiche Methode zur Unterbrechung des Teufelskreises der Schlaflosigkeit darstellen. Es ist darauf hinzuweisen, dass bei allen Hypnotika das Risiko einer Abhängigkeitsentwicklung besteht.
Neben der konventionellen Medikamententherapie mit Antidepressiva und der Hormontherapie mit Progesteron stehen natürlich auch alternative Heilmethoden zur Verfügung. In der Anwendung von Akupunktur, Bach-Blütentherapie oder Homöopathie sind viele Hebammen ausgebildet und können auf diese Weise die betroffenen Frauen unterstützen. Gerade beim Baby-Blues können diese Methoden zum Einsatz kommen.
Bach-Blüten-Therapie: Für Edward Bach war Krankheit das Ergebnis eines Konfliktes zwischen höherem Selbst und Persönlichkeit. Jeder Charakterzug kann als Stärke oder Schwäche gelebt werden. Die Bach-Blüten sollen helfen, die Stärken zu leben. Mustard ist hilfreich bei Depressionen unklarer Herkunft, aber auch bei der Wochenbettdepression, wenn man „eigentlich glücklich sein sollte“. Doch stattdessen kommen Niedergeschlagenheit und Freudlosigkeit auf, wobei der Grund nicht erkennbar ist. Bei „Depressionen“ ist die Frage wichtig, was unterdrückt wird. Wenn Mustard wirkt, kommt oft Traurigkeit oder Wut zum Ausdruck. Deshalb sollte eine Bach-Blüten-Behandlung hier nur eine ergänzende Behandlung neben einer Psychotherapie sein, falls eine Depression ärztlicherseits bestätigt wurde (Adamaszek et al, 2002, S.64f.).
Homöopathie: Samuel Hahnemann erkannte, dass man zur Heilung eine Arznei wählen müsse, die ein ähnliches Leiden erregen kann, wie jenes, das sie heilen soll. Also z. B ein Mittel, das leichtes Fieber erzeugt, kann dieses senken, wenn es in starker Verdünnung gegeben wird. Eine Erstverschlimmerung zeigt die Richtigkeit der Wahl.
Arzneien nach der Entbindung- bei Wochenbettdepression: Anacardium C 30 Cimicifuga C 30 , Pulsatilla C30 , Veratrum album C 30.
Phytho-Therapie: Heilpflanzen werden intuitiv auch von Tieren richtig eingesetzt und sind wohl eines der ältesten, unumstrittensten und natürlichsten Heilmittel der Menschen.
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Vitamin-, Mineralien-, Spurenelemente-Therapien: Vor allem Vitamin B, Calcium, Magnesium und Zink werden unterstützend immer wieder gegeben. Akupunktur: bei psychischen Störungen im Wochenbett. Eine Wochenbettpsychose sollte ausgeschlossen sein, wenn man die Akupunkturtherapie als Hilfsmittel einsetzt.
Akupunkturpunkte: Du 20, Pe 6, Me 7 = psychisch wirksames Schema; ggf. Me 3, Ex-P Sishencong, Ma 36, MP 6.
Die Nadeln sollten einmal täglich für 20 Minuten tonisierend gesetzt werden. Bei Therapieerfolg wird die Behandlung ausgeschlichen (Adamaszek et al, 2002, S.17).
4.4 Prädisposition
Prädisposition bedeutet, dass eine Person in einem Zustand ist, der eine Krankheit begünstigt (vgl. Psychrembel, 1994).
Die Frage, der ich in diesem Kapitel nachgehen möchte, versucht die Gründe für eine Prädisposition ausfindig zu machen. Sie gehören ebenfalls zu den körperlichen Faktoren einer PPD.
„Als ich die Wochenbettdepression hatte, habe ich auch mit meinen Eltern darüber gesprochen und da habe ich von meiner Mutter erfahren, dass sie das auch hatte.“ Hat dir das geholfen?
„Na ja, einerseits war ich enttäuscht, das erst so spät zu erfahren. Aber so weiß ich, dass das bei uns ein bisschen in der Familie liegt.“ (Auszug aus meinem Interview.) Über die Frage, ob eine postpartale Anpassungsstörung erblich ist, sind sich die Experten einig. „Es wird davon ausgegangen, dass zumindest bei schweren Depressionen und Psychosen wahrscheinlich eine genetische Veranlagung vorliegt“ (Nispel, 2001, S.75). In welchem Maße die Weitergabe der Merkmale eine Rolle spielt, kann auch von Fachleuten nicht eindeutig beantwortet werden. Entscheidend bei der Wochenbettdepression ist die erbliche Vorbelastung unter den weiblichen Familienmitgliedern. Die Autorinnen Ann Dunnwold und Diane G.
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Sanford setzen in ihrem Buch „Ich würde mich so gerne freuen!“ den Erbfaktor in Zusammenhang mit den psychischen Beschwerden der Betroffenen. Folgende vier Fragen sollen von der Erkrankten beantwortet werden. Je öfter positiv geantwortet wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Erbfaktor eine Rolle spielt, so die Autorinnen.
1. Hatten Ihre Mutter, Ihre Großmutter, Ihre Schwestern oder andere enge weibliche Verwandte mit postnataler Störung zu tun?
2. Kommen oder kamen in Ihrer Familie (bei Eltern, Geschwistern, Großeltern oder anderen engen Familienangehörigen beiderlei Geschlechts) Fälle von manischdepressiver Störung vor?
3. Leidet in Ihrer Familie (Eltern, Geschwister, Großeltern oder andere enge Familienangehörige beiderlei Geschlechts) jemand unter Depressionen oder Angstzuständen?
4. Gibt es in Ihrer Verwandtschaft Frauen, die unter Hormonstörungen, einschließlich des Prämenstruellen Syndroms und Beschwerden während der Wechseljahre, zu tun haben? (Dunnwold et al., 1996, S.72 f.). Zu beachten sei ebenfalls die Persönlichkeitsstruktur bei der Entwicklung einer Wochenbettdepression. Es scheint bestimmte Persönlichkeitsmerkmale zu geben, die eine Frau „besonders anfällig für psychische Störungen nach der Geburt“ machen (ebd., S. 83). Nach Dunnwold und Sanford sind es Folgende: Das Bedürfnis, alles unter Kontrolle haben zu müssen
•
Perfektionismus, gepaart mit einer hohen Erwartungshaltung
•
Eine Neigung zu negativem Denken und überdurchschnittlicher Besorgnis
•
Durch das Kontrollbedürfnis fällt die Umstellung nach der Geburt schwer, wenn das Neugeborene den Tages- und Nachtrhythmus bestimmt. Viele der mütterlichen Handlungen werden durch das Baby veranlasst, weil die Mutter die Bedürfnisse ihres Kindes befriedigen muss, ohne großen Einfluss darauf zu haben. Dieser Zustand kann für sie unerträglich werden.
In diesem Kontext taucht oft Perfektionismus auf. Zu hohe Erwartungen, nämlich alles hundertprozentig richtig und gut zu machen, müssen zwangsläufig scheitern, denn keine Mutter ist perfekt. Dieses als Scheitern empfundene Gefühl, kann das
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Selbstwertgefühl der Frau stark angreifen und macht sie „anfälliger für seelische Probleme“ (ebd., S. 84).
Die Dinge negativ zu sehen bedeutet auch, negative Erwartungen zu haben und sich deshalb Sorgen zu machen. Damit kommen wiederum negative Gedanken, und so bildet sich eine Spirale des negativen Denkens, die Angst produziert. Ein gewisses Maß an Sorge um das Neugeborene ist für jede Mutter normal. Wenn die negativen Gedanken und Gefühle viel Energie beanspruchen und die Grundstimmung trübe färben, „ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass es zu emotionalen Problemen kommt“ (ebd., S.84).
5.Die Aufgaben der Hebamme in der Betreuung einer Wöchnerin mit PPD Ich möchte in diesem Kapitel an das Kapitel 3.1, das sich mit der Aufgabe der Hebamme bei der Früherkennung einer PPD beschäftigt hat, anknüpfen. Denn wie bereits betont, liegt ein Teil der Verantwortung bei der Hebamme. Jedoch ist es nicht ihre Aufgabe, die an einer Wochenbettdepression erkrankte Frau zu heilen. Vielmehr fungiert die Hebamme als Schaltstelle zwischen den am Genesungsprozess der Frau beteiligten Gruppen, wie etwa Gynäkologe, Beratungsstelle oder Facharzt.
Der Hebamme kommt insofern eine besondere Rolle zu, als sie die Familie durch ihre häusliche Betreuung ein Stück weit von Innen kennen lernt, während beispielsweise der Psychiater eine reine „Aussensicht“ auf die Wöchnerin und ihr sozialen Umfeld hat.
5.1 Das vertrauensvolle Gespräch
Zunächst einmal ist es wichtig, mit der Wöchnerin über das erst kurz zurückliegende Geburtserlebnis zu sprechen, denn „unbefriedigende Geburtserlebnisse erhöhen die Depressionsneigung“ (Gier, 2003, S. 4). Die Hebamme sollte der Frau Raum geben, um ihren Gefühlen und Empfindungen bezüglich der Geburt Ausdruck zu verleihen. Vor allem bei schwierigem Geburtsverlauf ist die betreuende Hebamme die richtige Person, um die Mutter darin zu bestätigen, dass dieser nicht durch sie verschuldet wurde. Das Schuldgefühl spielt bei der postpartalen Anpassungsstörung vielfach
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eine zentrale Rolle und wird von den Betroffenen als sehr belastend empfunden. Deshalb gilt es, Gefühlen in diese Richtung und der damit einhergehenden eigenen moralischen Verurteilung entgegen zu wirken. Dies kann eine wichtige Entlastung für die Frau darstellen (vgl. Dunnwold et al., 1996, S. 17f.). Außerdem kann die Hebamme über das Phänomen Baby-Blues aufklären und der Frau mitteilen, dass es sich um ein vorübergehendes Stimmungstief handelt, wenn es sich im Rahmen des Normalen abspielt.
Falls die Symptome allerdings auf eine schwere Störung hindeuten, sollte schon zu diesem Zeitpunkt ein Psychiater hinzugezogen werden, um einen dramatischen Verlauf zu verhindern (vgl. Gier, 2003, S.4).
Wichtig ist auch, mit der Frau über die normalen Belastungen nach der Geburt zu sprechen. Es ist natürlich, dass die Frau sich erschöpft fühlt. Ein kleines Kind beansprucht etwa 6-8 Stunden für Ernährung und Pflege. Zusätzlich fallen noch andere Arbeiten im Haushalt an.
Es sollte nicht nur über die großen körperlichen Umstellungen (siehe Kapitel 4.2) und die Veränderungen im sozialen Leben gesprochen, sondern auch die neue Lebenssituation der Frau beleuchtet und kritische Punkte aufgedeckt werden. Ich möchte an dieser Stelle auf den von Jutta Gier erstellten „Gesprächsleitfaden bei Verdacht auf Postpartale Depression“ hinweisen. Dieser befindet sich in dem Ratgeber für Hebammen (s. Literaturverzeichnis) und soll eine Hilfe für ein erstes Gespräch zwischen Hebamme und Wöchnerin sein.
Es geht darum, gemeinsam mit der Wöchnerin Möglichkeiten der Entlastung zu finden. Daher ist es hilfreich, die Frau zu fragen, was sie sich in dieser Situation wünscht. Die Hilfe durch Partner, Familienmitglieder und Freunde kann durchaus eine große Erleichterung sein. Wie diese Hilfe aussehen kann, ist im nachfolgenden Kapitel zu lesen.
Falls der Hebamme gegenüber Andeutungen auf Selbsttötung gemacht werden, sollten diese sehr ernst genommen werden. Eine Selbstmorddrohung ist immer ein Hilfeschrei. Die meisten Menschen, die sich das Leben nahmen, haben dies vorher in irgendeiner Weise angedeutet. Auch wenn nicht direkt Selbstmordgedanken geäußert werden, können kleinere oder größere Anzeichen auf entsprechende Absichten hinweisen. Außerdem besteht die Gefahr, dass das Kind, für das sich die Mutter verantwortlich fühlt, "mitgenommen" wird. Ärztliche und therapeutische Hilfe
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ist in diesen Fällen zwingend notwendig. Manchmal ist auch eine stationäre Behandlung unumgänglich, um das Leben von Mutter und Kind zu schützen. Dazu sollte offen mit der depressiven Frau gesprochen werden. Bei Psychosen ist dies leider in den meisten Fällen nicht mehr möglich, da die betroffene Frau kaum entscheidungsfähig ist. Sie sollte dennoch vorher informiert werden, da man nicht einschätzen kann, was sie noch aufzunehmen vermag (vgl. www.schatten-undlicht.de).
5.2 Die Integration der Familie/des Partners
Unerlässlich ist es für die Hebamme, die Familie des Betroffenen mit einzubeziehen. Alle nahe stehenden Personen, besonders der Partner, sollten über die Erkrankung sachlich aufgeklärt werden. Es können Vorschläge von der Hebamme kommen, die den Umgang für alle Beteiligten erleichtern und die zur Genesung der Frau beitragen.
Die Hilfe und Betreuung der depressiven Mutter sollte auf möglichst viele Schultern verteilt werden: Familie, Freunde, Nachbarn. Auch kleine Beiträge, wie Wäsche waschen, mit dem Kind oder den Kindern spazieren gehen, sind bereits sehr hilfreich. Es besteht die Möglichkeit, eine ärztlich verordnete Haushaltshilfe, Familien- oder Mütterpflegerin in Anspruch zu nehmen (mehr Information ebenfalls im Ratgeber für Hebammen von Jutta Gier). Auch Hebammenbesuche über den 10. Tag nach der Entbindung hinaus sind möglich.
Die betroffene Mutter braucht vor allem Zuwendung: Menschen, die da sind, die zuhören und die versuchen zu verstehen. Alle negativen Äußerungen und Gefühle sollten ernst genommen und nicht bagatellisiert oder bewertet werden.
Die meisten Frauen weinen oft und lange während ihrer Erkrankung. Sie sollten nicht dazu aufgefordert werden, ihre Selbstbeherrschung zu bewahren, sondern eher dazu ermuntert werden, den Tränen freien Lauf zu lassen, denn auch das schafft Erleichterung.
Die depressive Mutter steht unter einem zum Teil enormen Leidensdruck, auch wenn es für die Angehörigen keinen Grund dafür zu geben scheint. Ihre Antriebs-und Hoffnungslosigkeit sind Symptome der Krankheit. Auch Appelle an das
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Verantwortungsgefühl der Frau oder Ermahnungen, sich zusammenzureißen, verstärken das Leid, weil dadurch zusätzliche Schuldgefühle entstehen und das ohnehin schwer angeschlagene Selbstwertgefühl weiter geschwächt wird. Daher sind vor allem Lob und Bestärkung brauchbar.
Die betroffene Mutter sollte von möglichst vielen Alltagsaufgaben entlastet werden. Sie braucht vor allem Ruhe, Erholung und viel Schlaf. Dennoch ist es wichtig, sie immer wieder liebevoll zu motivieren, kleinere Aufgaben zu verfolgen. Es geht darum, dem Tag eine gewisse Struktur zu geben, Punkte zu setzen, an denen sie sich "entlang hangeln" kann. Denn jeder Tag mit einer Depression ist qualvoll lang (vgl. www.schatten-und-licht.de).
Die Erkrankte sollte verwöhnt werden: ein warmes Bad, ihre Lieblingsmusik, Massage, ein schönes Buch, Spaziergänge, Kinobesuche, Schwimmen gehen, Essen gehen. Auch sollte immer wieder darauf hingewiesen werden, dass es eine Besserung und vor allem auch Heilung gibt.
Es ist wichtig, dass die Frau ihre Bedürfnisse und Interessen wahrnimmt. In dieser Zeit sollte das Kind gut versorgt sein, damit die Betroffene nicht das Gefühl bekommt, eine Rabenmutter zu sein. Denn indem sie nicht nur ihr Baby, sondern auch sich selbst pflegt, übernimmt sie Eigenverantwortung und Initiative.
Auch wenn die Erkrankte unter Appetitlosigkeit leidet, ist eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit dem Angebot von Zwischenmahlzeiten und Getränken ratsam. Keinesfalls sollte eine Diät angestrebt werden, um die "alte Figur" wieder zu erhalten. Eine frische und vollwertige Kost wirkt der Erschöpfung entgegen, die für viele Frauen nach der Entbindung ein Grundproblem darstellt. Dabei sind viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt wichtig, um den Blutzuckerhaushalt konstant zu halten. Schwankungen im Blutzuckerspiegel können Reizbarkeit hervorrufen. Empfehlenswert sind kaliumreiche Nahrungsmittel wie Bananen, Tomaten und Orangen.
Zeitweilig ist es erforderlich, der Frau wichtige Entscheidungen abzunehmen und eine ruhige und sichere Führung zu übernehmen: z.B. Arzt- oder Selbsthilfegruppen-Besuche zu organisieren und sie dorthin zu begleiten, wenn sie sich dazu nicht mehr in der Lage fühlt.
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Gegebenenfalls sollte einer der im Haushalt lebenden Personen die Medikamenteneinnahme überwachen. Wichtig ist, dass die Medikamente regelmäßig und in der vom Arzt vorgeschriebenen Dosierung eingenommen werden, selbst wenn schon eine Besserung eingetreten ist.
Auf jeden Fall sollte die Medikation mindestens bis zur völligen Gesundung fortgesetzt werden, besser darüber hinaus, um spätere Rückfälle zu vermeiden.
Das Auf und Ab gehört zum Heilungsprozess und erfordert Geduld. Selbst wenn die Mutter auf eine Behandlung gut anspricht und ihr Befinden sich schon deutlich gebessert hat, wird sie immer wieder Tiefpunkte durchlaufen, wodurch man sich nicht entmutigen lassen darf. Auch Angehörige einer depressiven Mutter sollten das Gespräch mit anderen suchen, um ihre Sorgen, Ängste, ihren Frust auszudrücken. Hilfreich ist sicherlich der Austausch mit Angehörigen anderer Betroffener. Kontakte und Adressen finden sich im Anhang, Informationen hierzu im Kapitel 5.4.
5.3 Der sachkundige Rat
Im Falle einer Wochenbettdepression kann es nicht die Aufgabe der Hebamme sein, die Erkrankte zu heilen, denn das überschreitet ihre Kompetenzen. In erster Linie ist sie eine Vermittlerin zwischen der Patientin und den verschiedenen am Genesungsprozess beteiligten Gruppen.
Die betreuende Hebamme ist dazu da, die Symptome der Krankheit zu erkennen und nach ihrem Schweregrad einzuordnen. Dementsprechend kann sie der Wöchnerin Hilfen und Angebote aufzeigen. Sie kann ihr sachkundigen Rat erteilen, wenn sie erkennt, dass eine postpartale Anpassungsstörung vorliegt. Sie hört der Frau zu, ist für sie da und gibt ihr somit ein Gefühl der Anteilnahme und des Verständnisses. Sie klärt auf über die Erkrankung und ihre Ursachen und schafft zunächst bei der betroffenen Mutter ein Bewusstsein für ihren Zustand. Denn indem sie ihn benennt, entsteht für die Frau mehr Klarheit. Zahlreiche Frauen, die im Wochenbett eine Depression erleiden, haben noch nie etwas von dieser speziellen Krankheit gehört und wissen deshalb ihre Traurigkeit und Schuldgefühle nicht einzuordnen. Die Hebamme vermittelt adäquate Hilfsangebote, Kontaktadressen, Literaturempfehlungen (s. Anhang) und Möglichkeiten der Entlastung (s. Kapitel 5.1/2).
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5.4 Hilfe zur Selbsthilfe
Vieles kann die betroffene Mutter selbst unternehmen, um sich Erleichterung zu verschaffen. Sie sollte das entlastende Gespräche mit verständnisvollen Menschen suchen und offen über ihre negativen Empfindungen und Ängste reden. Das Gefühl, selbst etwas in die Hand zu nehmen, kann für die Betroffene sehr heilsam sein, denn durch die depressive Stimmung wird ihr Selbstbild von Versagensängsten und Selbstzweifeln dominiert. Außerdem sollte sie sich professionelle Unterstützung suchen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, die durchaus kombiniert werden können.
Auch wenn es schwer fällt, sich aufzuraffen: Körperliche Bewegung ist äußerst wichtig. Denn viel Bewegung hilft nicht nur einem erschöpften Organismus wieder auf die Beine, sondern dient gleichzeitig dazu, den Zustand der inneren Erstarrung, den eine Depression häufig widerspiegelt, zu lockern (vgl. www.schatten-undlicht.de). Sport wirkt sich positiv auf den Hormonhaushalt aus, die Neurotransmitter werden aktiviert und das biochemische Gleichgewicht wird somit schneller wieder ausbalanciert. Spazieren oder schwimmen gehen, Radfahren, Gymnastik oder auch Sauna kann als wohltuend empfunden werden.
Wertvoll sind auch diverse Formen von Entspannungsübungen, wie z.B. Yoga und Qi Gong.
Perfektionismus oder zu hohe Erwartungen sollten abgebaut werden. Es sollten nur vernünftige, erreichbare Ziele und teilweise die Beschränkung auf das Notwendige angestrebt werden- ob es sich um die Ordnung im Haushalt, den Umgang mit dem Baby, den eigenen Körper oder andere in Zusammenhang stehende Dinge handelt.
Wie oben bereits erwähnt, tut es der Mutter sicherlich gut, etwas ohne das Baby zu unternehmen. Ein grober Plan hilft bei der Strukturierung des Tages und bedeutet für die Mutter, dass sie sich auf bestimmte Situationen einstellen oder bereits Vorfreude auf ein kommendes Ereignis entwickeln kann.
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Einschneidende Veränderungen wie Umzug, Renovierungen, Hausbau, Berufswechsel oder Trennung vom Partner sollten in den ersten Monaten nach der Entbindung vermieden werden. Es ist nicht der Zeitpunkt für umwälzende Veränderungen. Körper und Seele brauchen Erholung und müssen sich erst auf die neue Situation mit einem Neugeborenen einstellen.
Wichtig ist zu lernen, Hilfe jeglicher Art anzunehmen. Viele Menschen legen es als persönliches Versagen aus, um Hilfe zu bitten. Meist kommt der Hilfeschrei daher erst mit dem Zusammenbruch und somit zu spät. Es ist aber ganz im Gegenteil ein Zeichen von Stärke, die eigene Situation zu überdenken, sich zu ihr zu bekennen und Hilfe in Anspruch zu nehmen (vgl.www.schatten-und-licht.de).
Eine Art der organisierten Selbsthilfe sind die so genannten Selbsthilfegruppen, die sich seit einigen Jahren auch zur postpartalen Problematik gebildet haben. „Der hohe Wert dieser Selbsthilfegruppen liegt darin begründet, dass hier Frauen mit einem ähnlichen Erfahrungshintergrund zusammenkommen, so dass ein offeneres, vertrauensvolleres Gespräch möglich ist. Die SHG hilft, durch die Solidarität und das Verständnis der Frauen, das eigene Selbstbewusstsein zu stärken und individuelle Lösungsmöglichkeiten aus der Krise zu suchen“ (www.schatten-und-licht.de). Die betroffenen Frauen können hier ihre Erfahrungen austauschen und sich nützliche Informationen bezüglich Literatur, Fachleuten und Therapien einholen. Das unausgesprochene Verstehen einer vergleichbar schwierigen Krankheits-Lebenssituation macht diese Selbsthilfegruppen zu einem tragenden Stützpfeiler auf dem Heilungsweg. Die Eigeninitiative hebt dabei das Selbstwertgefühl, was maßgeblich zur Heilung beiträgt. Für Frauen, die eine Selbsthilfegruppe nicht erreichen können, gibt es das Gesprächsangebot anderer betroffener Mütter oder auch anderer Angehöriger über zwei Kontaktlisten, die auf dem Postweg über den Verein „Schatten und Licht - Krise nach der Geburt e. V.“ zu beziehen sind. Zum offenen Erfahrungsaustausch ist außerdem ein Gesprächsforum im Internet eingerichtet.
5.5 Förderung des Bondings
Die Mutter- Kind- Beziehung ist häufig beeinträchtigt durch die Erkrankung der Mutter. Einerseits kann die Betroffene eine „übersteigerte Sorge um die Gesundheit
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des Babys“ (Gier, 2003, S.7) entwickeln, andererseits kann die Mutter bei schwerer Wochenbettpsychose in der Lage sein, dem Kind Schaden zuzufügen. In jedem Fall ist die Bindung der beiden eine wichtige Angelegenheit; sowohl für den Genesungsprozess als auch für die spätere Erziehung.
Viele Frauen haben bei der Geburt ihres Kindes die Erwartung, dass sich die Bindung zum Kind ohne Verzögerung einstellt, so wie bei der „Liebe auf den ersten Blick“. Die Hebamme kann der Frau vermitteln, dass sie sich Zeit geben kann, um das Neugeborene als ihr Kind kennen zu lernen und sein Ankommen erstmal zu begreifen. Sie sollte einen geduldigen Umgang mit ihrem Baby üben und sich selbst bei der Pflege nicht überfordern oder gleich zu Anfang Perfektion verlangen.
Ängste gegenüber dem Kind sollten abgebaut werden, denn sie schaffen eine nicht konstruktive Distanz zwischen Eltern und Kind. Ein gesunder Abstand von Zeit zu Zeit ist für die Mutter oft entlastend. In welchem Maße bestimmen immer beide.
Zum Stillen sollte eine realistische Haltung gewonnen und kein Stress damit verbunden werden. Das Beste für das Kind ist immer das, was Eltern aus Liebe und Überzeugung geben - unabhängig davon, ob die Milch aus der Flasche oder aus der Brust kommt. Falls zum Abstillen angesetzt wird, ist es äußerst wichtig, dass dies aufgrund hormoneller Veränderungen sehr langsam geschieht.
Wie bereits im Kapitel über Postpartale Psychose (2.5.3) erläutert, ist die gemeinsame Unterbringung von Mutter und Kind bei notwendiger stationärer Aufnahme sehr wichtig für die Weiterentwicklung des Bondings. „Auf einer speziellen Station können Mutter und Kind einander näher gebracht werden, und der Bindungsprozess lässt sich behutsam unterstützen“ (Dalton, 2003, S.188).
6. Prävention der PPD
Grundsätzlich ist ein wichtiger und richtiger Ansatz beim Betrachten einer Krankheit noch vor ihrer Entstehung schritte einzuleiten, die diese verhindern können. Zwei der möglichen Maßnahmen möchte ich zum Ende dieser Arbeit vorstellen.
6.1 Die Aufklärung im Geburtsvorbereitungskurs
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„Was ich richtig schlimm fand war, dass mir keiner vorher erzählt hat, dass es so was wie Wochenbettdepression gibt. Ich wusste überhaupt nichts davon!“ (Auszug aus meinem Interview.)
Zur Aufklärung über die Wochenbettdepression dürfen sich nicht nur Hebammen aufgefordert fühlen. Es ist wichtig, dass auch GynäkologInnen diesen Punkt in der Vorsorge aufgreifen, denn die Mehrzahl der Frauen geht zur Schwangerenvorsorge ausschließlich in die gynäkologische Praxis und nicht jede werdende Mutter nimmt an einem Geburtsvorbereitungskurs teil.
Grundsätzlich gilt es, überall dort die erforderliche Aufklärung zu leisten, wo schwangere Frauen oder Mütter auch andere Informationen über Schwangerschaft und Wochenbett beziehen, wie Zeitschriften oder Ratgeberliteratur. Der Hinweis auf die Existenz von postpartalen Störungen würde bereits eine stärkere Bewusstheit schaffen. Die teilweise herrschende Tabuisierung von Themen, die psychische Auffälligkeiten betreffen, blockiert das öffentliche Bewusstsein und verdrängt Wahrheiten.
„Es ist wichtig, dass diese Krankheiten mehr in das Bewusstsein, auch von Hebammen, gelangen. Je häufiger die Krankheit erkannt wird und Betroffene an andere Einrichtungen weitergeleitet werden, desto eher besteht die Chance, dass sich die Verhältnisse bessern: dass Gynäkologen danach suchen, wenn sie die Frauen sechs Wochen nach der Geburt sehen, dass es Beratungs- und Hilfsangebote gibt und dass in psychiatrischen Kliniken der besonderen Situation von Mutter und Kind Rechnung getragen wird, indem zum Beispiel die gemeinsame Aufnahme von Mutter und Kind selbstverständlich ist. Vielleicht können Hebammen hierzu einen wichtigen Beitrag leisten.“ (Zitiert nach Salis, Bettina in: Nispel, 2001, S. 195 f.)
Bei der Aufklärung im Geburtsvorbereitungskurs kann es neben Informationen über die Krankheit auch um Prävention gehen. Hebammen können Ratschläge geben, wie die erste Zeit mit dem Kind weitgehend stressfrei gestaltet werden kann. Sie können aufmerksam machen auf häufig auftretende Probleme und deren Bewältigung, damit es für die Eltern möglich ist, ihre Erwartungshaltung an realistischen Vorstellungen zu orientieren. Die Hebamme kann auch den Verein Schatten & Licht - Krise nach der Geburt e. V. vorstellen und das bei der
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Organisation zu beziehende Informationsmaterial aushändigen, so dass die Frauen darauf zurück greifen können, wenn sie Hilfe brauchen.
Ziel ist es nicht, den Frauen Angst zu machen oder sie mit einem schwammigen Bild von „irgendwelchem Psychokram“ aus der Kursstunde zu entlassen, sondern ein kurz und prägnant umrissenes Krankheitsbild mit Symptomen zu geben, die Unterscheidung zwischen normalen psychischen Umstellungen und einer behandlungsbedürftigen Störung klarzustellen und knapp die Therapiemöglichkeiten aufzuzeigen. Mit dieser Aufklärung sollen die Frauen ein Mindestmaß an Vorbereitung haben, damit sie die Symptome wenigstens grob einordnen können.
Die Hebamme sollte immer Gesprächsbereitschaft signalisieren und betonen, dass sie im Falle von psychischen Problemen erste Ansprechpartnerin sein kann.
6.2 Die sorgfältige Erhebung der Anamnese
Bereits bei der Erhebung der Anamnese muss die Hebamme ein erhöhtes Augenmerk auf psychische Vorerkrankungen legen und mit der Frau ihr persönliches Risiko im Rahmen der Schwangerenvorsorge besprechen (siehe auch Kapitel 4.4). In diesem Zusammenhang ist es auch günstig, das Wochenbett zu planen und wichtige organisatorische Punkte im Vorfeld abzuklären. Besondere Hinweise auf mögliche begünstigende Faktoren für die Entstehung einer PPD erhält die Hebamme auch aus der psychosozialen Anamnese. Die Familiensituation gibt Aufschluss über das soziale Netz der Frau und mit welcher Form der Unterstützung sie nach der Geburt rechnen kann. Im Gespräch selbst gewinnt die Hebamme einen ersten Eindruck von der Frau und kann sich ein Bild über wichtige Persönlichkeitsmerkmale machen, die zu einer PPD beitragen können (s. Kapitel 4.4).
7. Fazit
In diesem letzten inhaltlichen Kapitel werde ich die wesentlichen Aussagen der vorliegenden Arbeit zusammenfassen.
Zu Beginn erkläre ich im allgemeinen Teil grundlegende Begriffe wie Wochenbett und Depression, um das Verständnis der sich anschließenden Definitionen der drei
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verschiedenen Störungsbilder, die die unterschiedlichen Schweregrade des seelischen Ungleichgewichts nach der Geburt ausdrücken, zu vertiefen. Es folgt ein Kapitel zur Diagnostik der PPD an, in dem ich zunächst auf die Rolle der Hebamme bei der Früherkennung eingehe. Darauf lege ich besonderen Wert, weil die Behandlungs- und Heilungschancen der Betroffenen optimiert werden, je früher die Erkrankung erkannt und diagnostiziert wird. Ein für die Hebamme zugängliches und leicht anwendbares Instrument zur Früherkennung ist die Edinburgh Postnatal Depression Scale, die in anderen Ländern bereits erfolgreich von Hebammen und Ätzten angewendet wird.
Weiterhin stelle ich kurz die Instrumente der Diagnostik des Facharztes vor, damit die Hebamme als Leserin über die Arbeitsweise anderer Berufsgruppen informiert ist.
Anschließend gehe ich auf die unterschiedlichen Einflussfaktoren der PPD ein, wobei ich zunächst das gesellschaftlich geprägte Bild der Mutterrolle mitsamt seiner sozialgeschichtlichen Entstehung und heute wirksamen Einflüssen betrachte. Darüber hinaus stelle ich die beiden großen Gruppen der psychischen und physischen Faktoren vor, wobei ich eine Auswahl der Faktoren getroffen habe, die mir besonders relevant erscheinen. Im psychischen Bereich sind es die normalen psychischen Veränderungen, die Erfüllung der Mutterrolle, das erste Kind, späte Mutterschaft und die Bedeutung belastender Kindheitserfahrungen. Zu den physischen Faktoren zählen die körperlichen und hormonellen Umstellungen nach der Geburt, die Schilddrüse, das prämenstruelle Syndrom und das Wiederholungsrisiko einer PPD. Es schließt sich jeweils eine Palette von möglichen und teilweise kombinierbaren Therapien an. Zusätzlich unterteile ich noch die prädisponierenden Faktoren wie Vererbung und Persönlichkeitsstruktur. Das sich anschließende Kapitel stellt in sich einen kleinen Ratgeber für die Hebamme bei der Betreuung einer Wöchnerin mit PPD dar. Die jeweiligen Gliederungspunkte geben Tipps und Hinweise zur Gesprächsgestaltung als Grundlage der professionellen Beziehung zwischen Hebamme und Wöchnerin. Weiterhin zeige ich Möglichkeiten der Integration der Familie auf und erläutere, wie wichtig jede Unterstützung für die Betroffene ist.
Da ich in dieser Arbeit deutlich machen möchte, dass es nicht die Aufgabe der Hebamme ist, die Frau zu heilen, sie aber genug Handlungsspielraum für Hilfestellungen hat, zeige ich die Vermittlerinnenrolle der Hebamme auf. Ich liefere
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Ideen zur Selbsthilfe für die Betroffene, damit die Hebamme viele Vorschläge in ihrem Koffer hat und die für die jeweilige Frau brauchbaren in ihrer Beratungsfunktion hervorholen kann.
Abschließend gehe ich in diesem Kapitel auf die Möglichkeiten der Förderung des Bondings ein, damit die Beziehung zwischen Mutter und Kind trotz der Erkrankung nicht zu großen Schaden nimmt.
Zuletzt weise ich auf die Verantwortung der Hebammen und Gynäkologen bezüglich der Aufklärung über die PPD hin, da die Erkrankung zurzeit noch nicht im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit ist und viele Frauen deshalb keine Orientierung im Hinblick auf Hilfestellung haben.
8. Ausblick und kritische Reflexion
Durch die Beschäftigung mit dem Thema Wochenbettdepression ist mir aufgefallen, wie zahlreich und unterschiedlich die Ursachen sein können. Ich musste mich auf die Darstellung einiger wichtiger Faktoren beschränken, ohne dabei Relevantes außer Acht zu lassen. Gerne hätte ich mich in dieser Arbeit eingehender mit der Frage beschäftigt, ob es einen relevanten Zusammenhang zwischen traumatischen Geburtserlebnissen und dem Auftreten einer PPD gibt. Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, habe ich mich dafür entschieden, die für das Thema relevanteren Faktoren zu bearbeiten
Ausführlich behandelt habe ich die sozialhistorische Entstehung der Mutterrolle, aus der das gesellschaftliche Bild der heutigen Mutter entstanden ist. Es scheint mir einen entscheidenden Einfluss auf das Auftreten von psychischen Problemen nach der Geburt zu nehmen. Ich bin mir bewusst, dass das Kapitel einen relativ großen Umfang hat und habe mir die Frage gestellt, ob die Länge im Verhältnis zu seiner Bedeutsamkeit für das bearbeitete Thema ausgewogen ist. Letztlich komme ich zu dem Schluss, dass diese, als Exkurs gekennzeichneten Ausführungen in meiner Arbeit ihre Berechtigung haben und zur multifaktoriellen Betrachtung der postpartalen Problematik beitragen.
Es gibt noch weitere Fragen, die interessante Aspekte des Themas anschneiden, aber an dieser Stelle über die Rahmenbedingungen der Arbeit hinausgehen.
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• Wie sieht das Interesse und der Forschungsstand hier und in anderen Ländern aus?
• Auf welchem Stand ist die Selbsthilfebewegung in der BRD?
• Warum finden die psychischen Anpassungsstörungen in der Ratgeberliteratur für Schwangere und Eltern kaum Erwähnung?
• Welche Nachteile und Folgen ergeben sich für das Kind einer an PPD erkrankten Mutter?
Dies sind nur einige Fragestellungen von vielen möglichen, die zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema oder zum Nachdenken anregen können. Wie eingangs erwähnt, habe ich ein Interview mit einer 29jährigen Mutter geführt, die vor vier Jahren an einer Wochenbettdepression erkrankt war. Das für mich sehr interessante Gespräch hat viele der Erkenntnisse, die ich vorher durch Literaturrecherche kennen gelernt hatte, bestätigt und lebendig gemacht. Ich hätte gern weitere Interviews geführt, doch fehlte Zeit und Gelegenheit, denn es bedarf der Bereitschaft betroffener Frauen zum Gespräch und einiger Vor- und Nachbereitung, wie Terminabsprache und anschließende inhaltliche Auswertung. Abschließend möchte ich sagen, dass mir die intensive Beschäftigung mit dem Thema Postpartale Depression Freude gemacht hat und ich für die Problematik eine Sensibilisierung erfahren habe, von der ich in meiner zukünftigen beruflichen Tätigkeit als Hebamme sicherlich profitieren werde. Und hoffentlich auch diejenigen, um die es geht: Mütter mit ihren neugeborenen Kindern.
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9. Literaturverzeichnis
Adamaszek, Kristin et al.: Naturheilverfahren in der Hebammenarbeit, Stuttgart, Hippokrates Verlag, 2002.
Badinter, Elisabeth: Die Mutterliebe. Geschichte eines Gefühls vom 17. Jahrhundert bis heute. München, Deutscher Taschenbuch Verlag, 1984.
Dunnwold, Ann und Sanford, Diane G.: „Ich würde mich so gerne freuen!“, Stuttgart, Georg Thieme Verlag, 1996.
Gier, Jutta: Baby-Blues, Wochenbettdepression, Wochenbettpsychose. Ein Ratgeber für Hebammen: Der Umgang mit psychischen Auffälligkeiten im Wochenbett. 3. überarbeitete Auflage, Berlin, Herausgeber: Geburtshaus für eine selbstbestimmte Geburt- Beratung und Koordination e. V., 2003. Goerke, Kay, Bazlen, Ulrike (Herausgeber): Pflege konkret: Gynäkologie und Geburtshilfe. Stuttgart, Gustav Fischer Verlag, 1998. http:// www.schatten-und-licht.de/ursachen.html. Stand: 14.11.2003 http:// www.schatten-und-licht.de/aufklaerung.html. Stand: 14.11.2003 http:// www.schatten-und-licht.de/hilfsmassnahmen.html. Stand: 14.11.2003 Mändle, Christine, Opitz-Kreuter, Sonja, Wehling, Andrea: Das Hebammenbuch. Lehrbuch der praktischen Geburtshilfe. 4. Auflage, Stuttgart, Schattauer Verlag, 2003.
Nispel, Petra: Mutterglück und Tränen. Das seelische Tief nach der Geburt überwinden. Überarbeitete Neuausgabe, Freiburg im Breisgau, Herder Verlag, 2001.
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Psychrembel. Klinisches Wörterbuch. 257. Auflage, Berlin, de Gruyter, 1994 Sauer, Birgit: Postpartale Depression. Die Geburt eines Kindes als kritisches Lebensereignis bei Frauen. Münster, Lit Verlag, 1993. Schenk, Herrad: Wieviel Mutter braucht der Mensch? Der Mythos von der guten Mutter. Hamburg, Rowohlt, 1998.
10. Anhang
I. Adressen zur postpartalen Problematik Schatten & Licht - Krise nach der Geburt e. V. Geschäftsstelle/ 1. Vorsitzende: Sabine Surholt Obere Weinbergstr.3 86465 Welden
Telefon: 08293/ 96 58 64 Telefax: 08293/ 96 58 68 http://www.schatten-und-licht.de
Selbsthilfegruppe im Raum Osnabrück Kontakt: Stephanie Funke- Waldmann Am Pingelstrang 96 49134 Wallenhorst Telefon: 05407/ 39 750
Beratungsstelle Pro Familia Sieglinde Schoor (Hebamme) Arndtstr 14 49078 Osnabrück Telefon/ Telefax: 0541/ 45 32 7
Klinikfachleute in psychiatrischen Mutter-Kind-Einrichtungen im Raum Osnabrück/ Münster (bundesweite Adressen im Internet unter www.schatten-und-licht.de)
Dr. med. Peter Subkowski Paracelsus- Wittekindklinik Empterweg 5 49152 Bad Essen Telefon: 05472/ 93 51 53 Telefax: 05472/ 93 52 33
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Prof. Dr. med. Volker Arolt und Dr. med. Anette Kersting Psychiatrische Universitätsklinik Albert- Schweitzer- Str. 11 48149 Münster Telefon: 0251/ 83 56 601 Telefax: 0251/ 83 56 12
Arbeitskreis „Psychische Störungen in der Schwangerschaft und nach der Geburt“ Jutta Gier Seelingstr.4 14059 Berlin Telefon: 030/ 32 17 345 Telefax: 030/ 32 10 25 46 e-mail: gier.koepf@snafu.de
Oder:
Geburtshaus für eine selbstbestimmte Geburt -Beratung und Koordination e. V. Lucia Gacinski Gardes-du-Corps-Str.4 14059 Berlin Telefon: 030/ 322 30 71 Telefax: 030/ 325 51 99 e-mail: gebhaus.koordination@snafu.de
Unter dieser Adresse ist auch der „Ratgeber für Hebammen - der Umgang mit psychischen Auffälligkeiten im Wochenbett“ von Jutta Gier erhältlich.
II. Literaturempfehlungen und Internetadressen Beck-Gernsheim, Elisabeth
Mutterwerden - der Sprung in ein anderes Leben Frankfurt/M. 1989
Borelius, Maria
So geht's mir gut nach der Geburt -Was junge Mütter für ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden tun können München 1996
Cowan, C.P. / Cowan, P.A.
Wenn Paare Eltern werden. Der große Umbruch im Leben eines Paares München 1994
Dalton, Katharina
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Mütter nach der Geburt. Wege aus der Depression Frankfurt/M. 1992
Dix, Carol
Eigentlich sollte ich glücklich sein -Hilfe und Selbsthilfe bei postnataler Depression und Erschöpfung Zürich 1998
Dunnewold, A. I D.G. Sanford Ich würde mich so gerne freuen Stuttgart 1996
Figes, Kate Babyblues Frankfurt 2001
Geisel, Elisabeth
Tränen nach der Geburt -Wie depressive Stimmungen nach der Geburt bewältigt werden können München 1997
Gmür, Pascale
MutterSeelenAllein. Erschöpfung und Depression bei Müttern von Kleinkindern Zürich 1995
Gödtel, Reiner Seelische Störungen im Wochenbett Stuttgart 1979 Kitzinger; Sheila
Das Jahr nach der Geburt. Ein Oberlebenshandbuch für Mütter München 1995
Klier CM, Demal U., Katschnig H (Hrsg.)
Mutterglück und Mutterleid -Diagnose und Therapie der postpartalen Depression Wien 2001
Minker, Margaret
Hormone und Psyche. Im Wechselbad der Gefühle München 1990
Nispel, Petra
Mutterglück und Tränen. Das seelische Tief nach der Geburt überwinden Freiburg 2001
Reim, Doris Frauen berichten vom Kinderkriegen München 1990
Sachse, Lilla
„Ich bin ganz und richtig". Therapeutische Begleitung durch Psychose und Mutterschaft
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Neumünster 2000
Salis, Bettina
Warum schreit mein Baby so? Hilfen für Schreibabys und ihre Eltern Reinbek 2000
Salis, Bettina Freudentränen und Babyblues Reinbek 2003
Sauer, Birgit
Postpartale Depressionen. Die Geburt eines Kindes als kritisches Lebensereignis bei Frauen Münster/Hamburg 1993
Schneider, Regine
Oh, Baby... Das hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Erfahrungen von Frauen beim ersten Kind München 1991
Schöpf, Josef Postpartum-Psychosen Berlin 1994
Shaw, Fiona
Zeit der Dunkelheit -Weg aus einer Depression München 1998
Spielmann, H. und R. Steinhoff
Taschenbuch der Arzneimittelverordnung in Schwangerschaft und Stillperiode Stuttgart 1998
www.schatten-und-Iicht.de www.schreibaby .de www.depression.ch www.clickfish.com www.psychiater.at www.9monate.qualimedic.de www.babyzimmer.net www.getwellness.ch www.gaimh.de www.mcmedicine.ch www.trostreich.de www.stillen.de www.mediservice.ch www.kompetenznetz-depression.de
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Arbeit zitieren:
Meike Kuhlmann-Breul, 2004, Postpartale Depression, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
Postpartale Depressionen und ihre Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Bez...
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Diplomarbeit, 106 Seiten
Postpartale psychische Störungen
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Diplomarbeit, 90 Seiten
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Diplomarbeit, 123 Seiten
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Seminararbeit, 45 Seiten
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Hausarbeit (Hauptseminar), 41 Seiten
Was ist mit Bob? Filmwissenschaftliche Analyse (Einführungskurs)
Seminararbeit, 13 Seiten
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