2
Gliederung:
Einleitung
1. Die chronologische Darstellung
der Usurpationen des Peisistratos
1.1. Die erste Usurpation
1.1.1. Die Stasissituation 561/560 in Athen
1.1.2. Der Weg zur ersten Machtübernahme
1.1.3. Besetzung der Akropolis
1.2. Die zweite Usurpation
1.2.1. Das Bündnis des Megakles und Peisistratos
1.2.2. Vertreibung aus Athen
1.3. Die dritte Usurpation
1.3.1. Exil in Eretria
1.3.2. Die Rückkehr zur Macht
1.3.3. Sicherung der Tyrannis
1.3.4. Quellenvergleich
2. Die Mechanik des Stasisgeschehens
2.1. Gruppenkonstellationen
2.2. Gegenstände und Zielorientierungen
2.3. Ebenen der Auseinandersetzung
2.4. Rolle von Verbannung und Verbannten
2.5. Rolle der auswärtigen Hilfe
2.6. mögliche Auflösung der Konfliktsituation
Schlussbetrachtungen
Quellenverzeichnis
3
Einleitung
„ Peisistratos ausgreifendes Streben war weit erhaben über kleinliche Eigensucht und entfernt von allem Übermut (vgl. Aristot. Ath. Pol. 16,8) ; es diente derjenigen Idee, welche dem Griechen als die höchste galt, der Vaterstadt.“ 1
Zu diesem Urteil kam Fritz Schachermeyr über Peisistratos, der Mann, der nach zwei mißlungenen Usurpationen seine Vaterstadt Athen gewaltsam als Tyrann einnehmen konnte.
Zeitgenössische Quellen berichten über diese Vorfälle nichts, was daran lag, dass es zu Lebzeiten des Peisistratos 2 noch keine Geschichtsschreibung gab. Nur in mündlicher Tradition wurden die Geschehnisse über ungefähr drei Generationen weitergetragen. 3 Herodot aus Halikarnassos, der erste Geschichtsschreiber überhaupt, daher auch von Cicero als pater historiae bezeichnet 4 , lebte von ca. 490-425 v.Chr. , also ein Jahrhundert nach Peisistratos. Als erster Geschichtsschreiber beschäftigte er sich ausführlich mit den Usurpationen des Peisistratos in den Exkursen I 59-64 und V 55-94. Die Erzählung ist in Herodots Werk ein Exkurs im Rahmen der Kroisosgeschichte (Hdt. I 26-94). König Kroisos hält nach einem mächtigen Bundesgenossen für seinen geplanten Feldzug gegen Kyros Ausschau und will sich zwischen den beiden mächtigsten Bundesgenossen Sparta und Athen entscheiden. Seine Wahl fällt schließlich auf Sparta und in den folgenden Exkursen gibt er die Begründung für Sparta ( Hdt. I 65-68) und gegen Athen ( I 59-64) .
Des weiteren hat sich auch Aristoteles ( ca. 384 - 322 v. Chr.) in seinem Werk „Der Staat der Athener“ (Athenaion politeia) in den Exkursen 13.4. -17.2. mit Peisistratos befaßt. Jedoch ist diese Quelle mit etwas mehr Abstand zu sehen, da diese nicht mehr wie bei Herodot auf mündlicher Überlieferung basiert, sondern bereits auf sekundärer Literatur, worauf aber im Verlauf der Ausführungen noch näher eingegangen werden
1 Schachermeyr,F., Peisistratos von Athen, in: Kinzl, K.H.(Hrsg.), Die ältere Tyrannis bis zu den
Perserkriegen, Beiträge zur griechischen Tyrannis, Darmstadt 1979, S.97f.
2 Die genauen Lebensdaten des Tyrannen Peisistratos können nicht zweifelsfrei benannt werden. Sicher
hingegen ist, dass die erste Machtergreifung im Jahre 561/560 oder 560/559 stattgefunden hat und er im
Jahre 528/527 gestorben ist. Vgl. ebenda, Seite 102.
3 In der Forschung wird von drei Generationen ausgegangen, da angenommen wird, dass die Großeltern
die Ereignisse noch den Enkelkindern erzählen, diese aber, da sie es selbst nicht erlebt haben, es nicht
weitertragen und so viele Geschehnisse in Vergessenheit geraten oder eine legendenhafte Form annimmt,
die vieles idealisiert oder stilisiert
4 Schadewaldt, W., Die Anfänge der Geschichtsschreibung bei den Griechen: Herodot, Thukydides³,
Frankfurt/Main 1990.
4
soll. Aufgabe dieser Hausarbeit soll es sein, im ersten Teil die Chronologie der Usurpationen aufzuzeigen. Inwiefern unterschieden sich die drei Usurpationen und mit welchen Mitteln gelang es Peisistratos schließlich doch, die Macht in Athen an sich zu reißen und Tyrann zu werden? Der zweite Hauptteil der Arbeit hat die Überschrift „ Die Mechanik des Stasisgeschehens“. Hier soll näher auf die Zusammensetzung und das Zusammenspiel der verschiedenen Gruppen und auf Fragen eingegangen werden, die die Ziele der Führer betreffen oder auch auf welchen Ebenen die Auseinandersetzungen stattfanden. Welche Rolle spielten Aspekte wie Verbannung, Verbannte oder auswärtige Hilfe für die Erlangung der Tyrannis für Peisistratos? Im Mittelpunkt dieser Klärungen stehen die Quellen von Herodot (I 59-64) und Aristoteles ( Ath.pol. 13,4 - 17,2). 1. Die chronologische Darstellung der Usurpationen des Peisistratos
Herodot berichtet am Beginn seines Exkurses von den beängstigenden Vorzeichen vor der Geburt des Peisistratos ( vgl. Hdt. I 59), die seinem Vater Hippokrates widerfahren waren. Von Chilon aus Lakedaimon bekommt er nach einem Orakel den Rat, keine Kinder zu zeugen und wenn er bereits welche hätte, solle er sich von ihnen lossagen. Den Spruch ignoriert Hippokrates und ihm wird sein Sohn Peisistratos geboren. Diese Kurzgeschichte ist von Herodot auf Peisistratos zugeschnitten, wie der ganze Exkurs und dient eigentlich nur der Steigerung innerhalb dieser Erzählung. Auch ist es bei den griechischen Geschichtsschreibern ein probates Mittel, am Anfang der Erzählung mit unheilvollen Zeichen zu beginnen, was beim Leser eine gewisse Erwartungshaltung erzeugen soll.
Zu der Kindheit und Jugend des späteren Tyrannen äußert sich Herodot gar nicht, sondern er geht gleich zu der Stasissituation in Athen um 561/560 über. Er berichtet, dass die Bürger der Ebene mit ihrem Anführer Lykurgos und die Bewohner der Küste unter Megakles miteinander im Streit lagen (vgl. Hdt. I 59,7). Peisistratos seinerseits gründete eine dritte Partei und wurde Führer der Bewohner jenseits der Berge. Aristoteles ( vgl. Ath.pol. 13,4) stellt diese Situation allerdings anders dar. Er geht bereits von drei bestehenden Stasisgruppierungen aus, sieht diese
5
aber als Vertreter der verschiedenen Verfassungsordnungen: Megakles vertritt die gemäßigte Verfassung, Lykurgos die Oligarchie und Peisistratos als Vertreter der Demokratie. Zusätzlich erwähnt er aber auch die räumliche Zuordnung wie Herodot. In der Forschung 5 besteht die einhellige Meinung, dass es sich bei der Verfassungsstruktur um eine spätere Konstruktion handelt und die Theorie aus der politischen Diskussion des vierten Jahrhunderts und der Theorien des Aristoteles entstammen.
Herodot betont seinerseits die Eigeninitiative von Peisistratos und macht deutlich, dass diese dritte Partei nur entsteht, weil Peisistratos bereits in Gedanken die Einzelherrschaft als Ziel verfolgte.(vgl. Hdt. I 59,7)
Aristoteles und Herodot sind sich in ihren Überlieferungen aber einig, dass es um 561/560 drei um die Vorherrschaft ringende Gruppierungen gab, wobei man davon ausgehen kann, dass es wohl noch mehr rivalisierende Führer gab, die in dieser primär geschilderten Situation nicht entscheidend involviert waren oder aufgrund der Kürze der Darstellung nicht erwähnt werden.
1.1.2. Der Weg zur ersten Machtübernahme
Nachdem Peisistratos Anhänger um sich scharen konnte, setzte er folgende Inszenierung in Gang (vgl. Hdt. I 59,7 und Ath. Pol 14,1): er verletzte sich selbst und seine Tiere und fuhr mit dem Wagen auf den Marktplatz, um dort den zusammenströmenden Massen in einer jammervollen Szene vorzugaukeln, dass er von seinen Feinden angegriffen worden sei, die ihm nach dem Leben trachteten. Sinn dieser Aktion war es einerseits, bei den Leuten, die nicht zu seinen Anhängern gehörten, Mitleid zu erregen. Zu Gute mag ihm dabei auch gekommen sein, dass er sich bereits im Krieg gegen die Megarer einen Namen als Feldherr gemacht hatte, was ihn glaubwürdiger erschienen ließ.
Ein Anhänger von Peisistratos mit Namen Aristion stelle vor der Volksversammlung den Antrag, seinem Führer eine Leibwache zu seinem persönlichen Schutz zu stellen. Diese Information findet sich jedoch nur bei Aristoteles Ath.pol. 14,1, nicht bei Herodot. Es besteht die Möglichkeit, dass Herodot dieses Detail nicht erwähnt hat, weil
5 Vergleich dazu:Stahl, M., Aristokraten und Tyrannen im archaischen Athen. Untersuchungen zur
Überlieferung, zur Sozialstruktur und zur Entstehung des Staates, Stuttgart 1987, S.66. oder
Welwei,K.W., Athen. Vom neolithischen Siedlungsplatz zur archaischen Großpolis, Darmstadt1992,
S.222.
Arbeit zitieren:
Steffi Reitz, 2001, Staseis in Athen im Zusammenhang mit den Usurpationen des Peisistratos, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Architektur etruskischer Grabmäler
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Facharbeit (Schule), 27 Seiten
Günter Grass: "Mein Jahrhundert"
Geschichtstheorien, Historiker...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Masterarbeit, 134 Seiten
Herrscherkult des Augustus - Sein Bauprogramm
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Günter Grass und seine Reisen nach Indien am Beispiel von 'Zunge z...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 21 Seiten
Die Entwicklung der Polis Athen in politischer, gesellschaftlicher, no...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Oskar Schlemmer & die Bauhausbühne - Das Triadische Ballett
Seminararbeit, 25 Seiten
Anwendung und Nutzen statistischer Verfahren in der Fertigung
Seminararbeit, 18 Seiten
Der Triumphbogen des Septimius Severus und die historischen Reliefs de...
Ein Triumphalmonument am Begin...
Wissenschaftliche Studie, 91 Seiten
Das Tyranniskapitel in der Politik des Aristoteles
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 18 Seiten
Der Tod und das Mädchen - Analyse ausgewählter Aspekte des Phänomens T...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Studienarbeit, 32 Seiten
Vincent van Gogh, Das gelbe Haus - Praktisch-Methodische Prüfung in Ac...
Unterrichtsentwurf, 24 Seiten
Steffi Reitz's Text Staseis in Athen im Zusammenhang mit den Usurpationen des Peisistratos ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Steffi Reitz hat den Text Staseis in Athen im Zusammenhang mit den Usurpationen des Peisistratos veröffentlicht
Steffi Reitz hat einen neuen Text hochgeladen
Athens: Its Rise and Fall: With Views of the Literature, Philosophy, a...
Oswyn Murray, Edward Bulwer Lytton Lytton
Athen & Festland. Antike Stätt...
Marc Dubin, Mike Gerrard, Andy Harris, Tanya Tsikas
Griechenland: Peloponnes, Athen, Delphi - Ein geographischer Exkursion...
Burkard Richter, Markus Fiedler
0 Kommentare