Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 2
II. Begriffe und Definitionen 3
1. Terrorismus 3
a. Ethnisch-separatistischer Terrorismus 4
b. Sozialrevolutionärer Terrorismus 5
c. Religiöser Terrorismus 6
2. Islamischer Fundamentalismus 7
III. Die Hamas - Islamische Widerstandsbewegung 8
1. Ursprünge und Entstehung der Organisation 8
a. Die Muslimbruderschaft 9
b. Die erste Intifada und die Folgen 10
2. Die Ideologie und Politik von Hamas 12
a. Der bewaffnete Kampf gegen Israel 12
b. Politisches Engagement 14
c. Soziales Engagement 16
d. Die Hamas und der Friedensprozess 17
e. Aufbau und Finanzierung 19
3. Eine Einordnung der Hamas 20
IV. Fazit 21
V. Quellen- und Literaturverzeichnis 22
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I. Einleitung
Über kaum ein Phänomen wird heute in Medien, Öffentlichkeit und Wissenschaft gleichermaßen soviel diskutiert wie über das des Terrorismus. Wurde in früheren Zeiten der Terrorismus oft nur als eine Begleiterscheinung eines lokalen Konfliktes wahrgenommen, wurde er im 21. Jahrhundert zur globalen Herausforderung. Dabei wird immer wieder deutlich, wie schwer es ist, alle Erscheinungsformen von Terrorismus zu erfassen und zu erklären. Die Frage, wie sich Terrorismus einheitlich beschreiben lassen könnte, wurde bis heute nicht geklärt. Aber anhand eines konkreten Beispiels lässt sich durchaus erklären, was Motive und Ziele von Terroristen sein können, welche Ideologien Menschen zum Töten Unschuldiger verleiten und was die Wurzeln solcher Ideologien sein können.
In der folgenden Arbeit soll dieses am Beispiel der palästinensischen Widerstandsbewegung „Hamas“ skizziert werden. Sobald in den Medien über den Nahost-Konflikt berichtet wird, fällt unweigerlich auch irgendwann der Name dieser terroristischen Organisation. Doch was ist die Hamas eigentlich? Wie ist diese Organisation entstanden, was sind ihre Wurzeln und welche Ideologie steckt hinter dieser Bewegung?
Um diese Fragen zu beantworten ist es zunächst nötig, die verschiedenen Erscheinungsformen von Terrorismus näher zu erläutern. Deshalb soll zu Beginn dieser Arbeit kurz auf die drei Idealtypen des Terrorismus, wie sie heute unterschieden werden, eingegangen werden. Im Hinblick auf die Hamas soll dabei auch besonders die Rolle, die Religion beim Auftreten von Terrorismus spielt, ins Auge gefasst werden. Im zweiten Teil der Arbeit werden Geschichte, Ideologie und Politik der Hamas beschrieben. Zum Abschluss soll versucht werden, die Hamas in die beschriebenen Terrorismustypen einzuordnen. Handelt es sich bei der Hamas ausschließlich um einer religiöse Bewegung, oder muss man bei der Betrachtung ihres bisherigen Lebenslaufs auch andere Dinge mit einbeziehen?
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II. Begriffe und Definitionen
1. Terrorismus
Bis heute gibt es keine Definition des Begriffs Terrorismus, die alle Arten dieses Phänomens beschreiben könnte und allgemeine Gültigkeit besitzt. 1 Dieses mag zum einen daran liegen, dass sich die Bedeutung und der Gebrauch des Begriffs in der Vergangenheit oft gewandelt haben. So wurden Terroristen zu früheren Zeiten auch als „Freiheitskämpfer“ oder „Stadtguerilla“ bezeichnet, beides Begriffe, die heute weitaus positiver bewertet werden als der des Terroristen. 2 Außerdem ist bei dem Versuch einer Definition zu beachten, dass ein Terrorist sich selbst nie als einen solchen bezeichnen würde. So sehen sich gerade auch die Aktivisten der palästinensischen Hamas selbst als „Freiheitskämpfer“ für das palästinensische Volk, während in ihren Augen die Vertreter der israelischen Staatsmacht die wahren Terroristen sind. Deshalb ist die Definition von Terrorismus auch immer davon abhängig, auf welcher Seite man steht.
Laut Titel 22 des United States Code ist Terrorismus „politisch motivierte vorsätzliche Gewalt, die von subnationalen Gruppen oder Geheimagenten gegen Nichtkämpfer ausgeübt wird und in der Regel eine Zielgruppe beeinflussen soll.“ 3 Eine andere Definition des Terrorismusbegriffs gibt der ehemalige israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Für ihn ist Terrorismus ein vorsätzlicher Angriff auf Unschuldige außerhalb eines legitimierten Feldes der Konfliktaustragung. 4 Bei dieser Definition muss die Gewalt also nicht zwangsläufig politisch motiviert sein. In den achtziger Jahren hat ein Autor über hundert verschiedene Definitionen von Terrorismus zusammengestellt, ein Beweis dafür, wie facettenreich dieses Phänomen sein kann. 5
Heute hat sich in der Wissenschaft eine Dreiteilung des Terrorismusbegriffs durchgesetzt. Es wird unterschieden zwischen ethnisch-separatistischem, sozialrevolutionärem und religiösem Terrorismus. Diese drei Typen stellen jedoch Idealtypen dar, der Übergang
1 Vgl. Laqueur 2004, S. 346.
2 Vgl. Hoffman 2001, S. 34f.
3 Laqueur 2004, S. 347.
4 Vgl. Witte 2003, S. 196.
5 Vgl. Laqueur 2004, S. 346.
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zwischen ihnen ist fließend, was auch bei der nachfolgenden Betrachtung der Hamas deutlich werden wird.
a. Ethnisch-separatistischer Terrorismus
Die Form des ethnisch-separatistischen Terrorismus ist eine Form der politischen Gewalt, mit welcher vor allem ethnische oder auch religiöse Minderheiten versuchen, ihre Ziele zu erreichen. Diese Ziele sind meist weitreichende Autonomierechte für die jeweilige Volksgruppe, bessere Repräsentation oder Gleichstellung einer Minderheit bis hin zu vollständiger staatlicher Unabhängigkeit. Eine derartige Form des Terrorismus ist besonders in Europa und in Nordamerika anzutreffen. 6
Nationalistisch-separatistische Terroristengruppen zeichnen sich oft durch eine relativ lange Lebensdauer aus. Sie können oft auf eine breite Basis einer nationalen und religiösen Bevölkerungsschicht zurückgreifen. Dieses verleiht den Organisationen Sicherheit bei der Rekrutierung neuer Mitglieder, bei der Beschaffung von Finanzmitteln und bei sonstigen Maßnahmen zur Unterstützung. 7 Besonders bei dieser Form des Terrorismus greifen die Organisationen oft auf das Prinzip der Arbeitsteilung zurück. Sie bestehen meist aus einem radikalen, militärischen Zweig der für die Planung und Durchführung terroristischer Anschläge zuständig ist, sowie aus einem politischen Zweig, der die Interessen der Organisation und der zu vertretenden Bevölkerungsschicht innerhalb des politischen Systems vertritt. 8
Die radikalen Programme und Parolen solcher Organisationen tragen mitunter marxistisch-leninistische Züge, die in diesen Fällen jedoch in erster Linie als ein Synonym für Antiamerikanismus interpretiert werden können. 9 Die entscheidenden Faktoren für die Integration innerhalb von nationalistisch-separatistischen Gruppierungen sind jedoch Faktoren wie Hautfarbe, nationale Identität oder auch Religion, wobei letztere im Gegensatz zum religiösen Terrorismus nur eine sekundäre Rolle spielt (siehe auch Punkt II, 1c). Die Mitglieder terroristischer Organisationen dieses Typs sehen sich selbst
6 Vgl. Laqueur 1987, S. 261.
7 Vgl. ebd.
8 Als Beispiele hierfür können etwa die baskische ETA mit ihrem politischen Flügel „Herri Batasuna“ sowie die irische IRA mit der ihr nahe stehenden Partei „Sinn Fein“ angeführt werden.
9 Vgl. Laqueur 1987, S. 261f.
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als Kämpfer für die Interessen einer unterdrückten ethnischen Minderheit. Ihr Kampf dient in ihren Augen einer notwendigen „Volksbefreiung“. 10
b. Sozialrevolutionärer Terrorismus
Der sozialrevolutionäre Terrorismus ist eine im linksextremistischen Milieu verbreitete Form des Terrorismus. Organisationen, die dieser Terrorismusart zugerechnet werden können entstanden beispielsweise in den sechziger und siebziger Jahren vor allem in den westlichen Industriegesellschaften. Der sozialrevolutionäre Terrorismus hängt eng mit dem Aufstieg der Neuen Linken zusammen, welche in vielen Fällen durch extremistisches Handeln ihre Abscheu über die Ungerechtigkeiten der modernen Industriegesellschaften zum Ausdruck brachte. 11
Die Vertreter dieses Terrorismus entstammen sehr oft elitären Kreisen und Intellektuellen, die sich als Stellvertreter von sozial schwachen Schichten und ausgebeuteten Arbeitern deklarieren und sich für deren Interessen einsetzen. Ihre Ideologie basiert auf dem orthodoxen Sozialismus, dem Kommunismus und dem Anarchismus. 12 Viele Mitglieder dieser linksextremistischen Strömungen wandten sich nach dem Zerfall der Neuen Linken dem Terrorismus zu. Als Beispiele können die deutsche „Rote Armee Fraktion“ (RAF), die „Roten Brigaden“ in Italien sowie die „Angry Brigade“ in Großbritannien erwähnt werden. Bevorzugte Ziele ihres terroristischen Handelns sind Politiker, Juristen, Industrielle und Bankiers. 13 Auf diese Weise soll auf die Ungerechtigkeiten innerhalb der modernen, kapitalistischen westlichen Gesellschaften aufmerksam gemacht werden. Stattdessen kämpfen die Terroristen für einen Staat sozialistischer Prägung und für eine gleichgeschaltete und ihrem Sinne nach gerechte Gesellschaft.
10 Vgl. Laqueur 1987, S. 262.
11 Vgl. ebd., S. 298.
12 Vgl. ebd., S. 299.
13 Vgl. ebd., S. 299f.
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Arbeit zitieren:
Michael Bartmann, 2006, Zwischen Freiheitskampf und religiösem Fanatismus - Terrorismus am Beispiel der palästinensischen Widerstandbewegung Hamas, München, GRIN Verlag GmbH
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