Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Grundlegende Unterschiede zwischen Nomen und Verben 4
3. Lexikonentwicklung 5
4. Kategorisierung im frühen Spracherwerb 7
5. Erklärungsansätze 8
5.1 Natural Partitions Hypothesis 8
5.2 Sprachlichen Relativität 8
5.3 Ansatz nach Nazzi und Houston 9
5.4 Ansatz nach Pinker 9
5.5 Worthäufigkeit 10
5.6 Wortstellung 10
5.7 Morphologischen Transparenz 11
5.8 Sprachlehr-Methoden 11
5.9 Ergebnis 12
6. Kritik an der Dominanz von Nomen im frühen Spracherwerb 12
7. Schluss 15
8. Quellenverzeichnis 16
2
1. Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit diskutiert Erklärungsansätze zur Dominanz von Nomen im frühen Spracherwerb. Das Thema des Nomenerwerbs ist in der fachspezifischen Diskussion sehr aktuell und noch nicht abgeschlossen.
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Sprache nicht nur ein Kommunikationsmittel und ein Werkzeug der Verständigung, sondern auch ein Schlüssel zur Welt, mit dem der Mensch geistigen Zugang zu allem, was er erfahren und erleben kann, ist 1 . Zum Thema „Dominanz von Nomen im frühen Spracherwerb“ direkt findet man nicht sehr viel Literatur. Allerdings stehen eine handvoll uneinheitliche Befunde, die die Dominanz von Nomen im frühen Spracherwerb entweder beweisen, oder widerlegen wollen, zur Verfügung. Da sich aber das Thema Spracherwerb aus verschiedensten Facetten zusammensetzt, erscheint eine weitergehende Beschäftigung mit dem Thema als lohnenswert. Zunächst werden in dieser Hausarbeit grundlegende Unterschiede zwischen Nomen und Verben im Hinblick auf den Spracherwerb näher beleuchtet. Anschließend rückt der Lexikonerwerb in den Fokus der Betrachtungen. Kategorisierungen im frühen Spracherwerb bilden den nächsten Aspekt, der keine unerhebliche Bedeutung inne hat. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf den verschiedenen Erklärungsansätzen zur Dominanz der Nomen im frühen Spracherwerb.
Punkt 6 befasst sich ausführlich mit der Kritik, die zu den verschiedenen Theorien, die die Nomendominanz belegen, geäußert wurde. Ein kurzes Schlusswort und das Quellenverzeichnis runden die Hausarbeit ab.
1 vgl. Wagner, Klaus/Altmann, Gabriel/Köhler, Reinhard: Zum Gesamtwortschatz der Kinder. In: Wagner, Klaus
(Hrsg.): Wortschatz-Erwerb. Bern, Frankfurt, New York, Paris. 1987. Peter Lang Verlag. S. 13.
3
2. Grundlegende Unterschiede zwischen Nomen und Verben
Das Deutsche wird als typischer Vertreter von Nomen-Verb-Sprachen behandelt. Kauschke erwähnt in ihrem Buch „Erwerb und Verarbeitung von Nomen und Verben“, dass der Strukturunterschied zwischen Nomen und Verben im Deutschen stärker ausgeprägt sei, als in anderen Sprachen, da die Wortarten durch morphologische und syntaktische Kriterien klar voneinander zu unterscheiden seien 2 .
Des Weiteren erkennt man den Unterschied auch an der Groß- und Kleinschreibung. Nomen repräsentieren „Ding-Konzepte“, dies zeigt sich durch die morphologischen Kategorisierungen Numerus (sie sind zählbar) und durch das substantivierte Genus. Deutsche Verben werden hinsichtlich Tempus und Modus kategorisiert. Moduskategorien betreffen die Möglichkeiten der Realisierungen, Tempuskategorisierungen dagegen die zeitliche Situierung 3 .
Das Deutsche verfügt über ein sehr reichhaltiges Flexionssystem. Dies betrifft sowohl Verben, als auch Nomen. Nomen kann man hinsichtlich Numerus und Kasus kategorisieren, Verben hinsichtlich Person, Numerus, Tempus und Modus.
Durch die Prozesse der Derivation und der Konversion können Verben in Nomen und Nomen in Verben umgewandelt werden. Bei der Derivation werden durch Grundmorpheme und Affixe neue Wortformen gebildet. Die Konversion ist ein Wortbildungstyp, bei dem ein Wortstamm oder auch ein flektiertes Wort ohne Veränderung der Form in eine neue Wortart übertragen wird. Ein Beispiel stellt folgendes Wort dar: leben (Verb im Infinitiv) - (das) Leben (Nomen)
Ferner ist festzustellen, dass Nomen im Deutschen von Artikeln begleitet werden. Die Position des Verbs ist im Deutschen in Abhängigkeit von der Satzart geregelt. So steht das finite Verb in Entscheidungsfragen in Spitzenstellung, in Aussagesätzen und
Ergänzungsfragen in Zweitposition, in Nebensätzen und manchen Exklamativsätzen in Finalposition 4 .
2 vgl. Kauschke, Christina: Erwerb und Verarbeitung von Nomen und Verben. Tübingen. 2007. Max Niemeyer
Verlag. S. 35.
3 vgl.ebd..
4 vgl. ebd., S. 37.
4
3. Lexikonentwicklung
Die ersten Wörter produzieren Kinder mit einem durchschnittlichen Alter von ca. 13 Monaten. Der erste Geburtstag markiert für die meisten Kinder mit ungestörter Sprachentwicklung den Beginn der produktiven Wortverwendung 5 . Zuvor artikulieren Kinder so genannte Protowörter, deren Verwendung in spezifische Handlungs- und Situationskontexte eingebettet ist 6 .
Doch wann kann man von einem „richtigen Wort“ sprechen? Von einem referentiellen Wort kann man dann sprechen, wenn das Kind eine konventionell festgelegte lexikalische Form als unabhängiges und flexibles Zeichen in unterschiedlichen Kontexten und mit einem festen inhaltlichen Bezug verwendet 7 .
Untersuchungen zum Spracherwerb an englischsprachigen Kindern ergaben, dass Nomen im Alter von 11 bis 13 Monaten zuerst erlernt werden (Daddy, duck). Wörter wie „happy“, „up“ und „down“ tauchen erstmals im Alter von 18 bis 19 Monaten auf. Dabei kann die Produktion von Wörtern ab einem bestimmten Alter nicht mehr mit dem Verständnis mithalten. Kinder verstehen viel mehr Wörter, als sie selbst produzieren können. In diesem Zusammenhang scheint es interessant zu wissen, dass Erwachsene mit ein bis dreijährigen Kindern anders sprechen, als mit älteren Sprechern der Sprache. Die Inputsprache der Erwachsenen weist im Gegensatz zur alltäglichen Sprache Vereinfachungen und systematische Veränderungen auf 8 .
Befunde aus indogermanischen Sprachen zeigen überdies, dass Nomen zwar zeitlich oft vor den ersten Verben auftauchen; aber Nomen sind nicht die erste Wortart, die die Kinder sprechen. Im Besonderen sind personal-soziale und relationale Wörter (Mama, Papa) stark vertretene Wörter des kindlichen Lexikons 9 .
Einwortäußerungen bestehen allerdings nicht nur aus Nomen und Verben. Auch Adverbien, Adjektive wie zum Beispiel „heiß“ oder Demonstrativa wie „dieses“ können vorkommen 10 . Crosslinguistische Untersuchungen ergaben, dass nominale Wörter einen Anteil von 50 bis 85 Prozent der ersten Wörter ausmachen (im Deutschen machen die Nomen einen Anteil von 60
5 vgl. Kauschke, Christina: Der Erwerb des frühkindlichen Lexikons. Eine empirische Studie zur Entwicklung
des Wortschatzes im Deutschen. Tübingen. 2000. Gunter Narr Verlag. S. 11.
6 vgl. http://www.christina-kauschke.de/__site/pdf/Kauschke_Stan_2004.pdf (S.194) 26.02.2008
7 vgl. Kauschke, Christina: Der Erwerb des frühkindlichen Lexikons. Eine empirische Studie zur Entwicklung
des Wortschatzes im Deutschen. Tübingen. 2000. Gunter Narr Verlag. S. 11.
8 vgl. Szagun, Gisela: Sprachentwicklung beim Kind. Weinheim. 6. vollst. überarbeitete Auflage. 1996.
Psychologie Verlags Union. S. 206.
9 vgl. Kauschke, Christina: Erwerb und Verarbeitung von Nomen und Verben. Tübingen. 2007. Max Niemeyer
Verlag. S. 60.
10 vgl. Szagun, Gisela: Sprachentwicklung beim Kind. Weinheim. 6. vollst. überarbeitete Auflage. 1996.
Psychologie Verlags Union. S. 31.
5
Arbeit zitieren:
Katharina Keil, 2008, Die Zusammensetzung des kindlichen Wortschatzes: Erklärungsansätze zur Dominanz von Nomen im frühen Spracherwerb , München, GRIN Verlag GmbH
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