Danksagung
Ich möchte mich bei meiner Mitbetreuerin, Frau Univ.-Ass. in Dr. in Mag. a Petra Haider sehr herzlich bedanken für Ihre hervorragende Unterstützung während der Verfassung dieser Diplomarbeit. Ihre Anregungen und insbesondere die äußerst rasche, unkomplizierte Behandlung meiner Anliegen waren für mich eine große Motivation.
Seite I
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
2 Überblick über den Wintertourismus im österreichischen Alpenraum 3
2.1 Der Begriff des Tourismus. 4
2.2 Das Phänomen des Massentourismus. 5
2.3 Historische Entwicklung des Wintertourismus in Österreich. 7
2.4 Statistische Daten 8
2.4.1 Bevölkerung 8
2.4.2 Nächtigungen 9
2.4.3 Infrastruktur 11
2.4.4 Wertschöpfung 13
2.5 Aktuelle Trends im Tourismus. 15
2.5.1 Tages- und Kurzreisen. 16
2.5.2 Last-Minute-Buchungen 17
2.5.3 Hoher Qualitätsanspruch 19
2.5.4 Demografischer Wandel der TouristInnen. 21
2.6 Beitrag des Wintertourismus zum Klimawandel 23
2.6.1 Beschneiungsanlagen. 24
2.6.2 Reiseverkehr 24
2.6.3 Schipisten. 26
2.6.4 Unterkunft und Verpflegung 27
3 Klimaänderungen im europäischen Alpenraum und deren Konsequenzen für
den Wintertourismus. 29
3.1 Grundlagen 29
3.2 Bisherige Entwicklung der klimatischen Verhältnisse. 30
3.2.1 Temperatur. 31
3.2.2 Niederschläge 32
3.2.3 Schnee. 32
3.3 Szenarien für die Zukunft 33
3.3.1 Temperatur. 34
3.3.2 Niederschläge 35
3.3.3 Schnee. 35
3.3.4 Gletscherschwund 36
Seite II
3.4 Konsequenzen des Klimawandels für den Wintertourismus. 36
3.4.1 Verlust eines wichtigen Wirtschaftsfaktors 37
3.4.2 Künstliche Beschneiung, Indoor-Schihallen 39
3.4.3 Erhöhte Gefahr von Naturkatastrophen 41
3.4.4 Neues Image für österreichischen Wintertourismus. 46
3.4.5 Konzentration auf höher gelegene Schigebiete 48
3.4.6 Wechsel der UrlauberInnen in schneesichere Gebiete im Ausland. 50
4 Anpassungsstrategien für den alpinen Wintertourismus im Sinne einer
nachhaltigen Entwicklung 52
4.1 Der Begriff der Nachhaltigkeit 52
4.2 Nachhaltigkeit im Tourismus 52
4.2.1 Strategien. 54
4.2.2 Bewertung von Nachhaltigkeit im Tourismus 55
4.3 Sanfter Tourismus als Umsetzungsstrategie der Nachhaltigkeit 58
4.3.1 Der Begriff des „Sanften Tourismus“ 58
4.3.2 Der Begriff des „Ökotourismus“ 59
4.4 Exkurs: Alpenkonvention. 59
4.5 Handlungsfelder für Politik und NGOs. 61
4.5.1 Raumentwicklung. 62
4.5.2 Verkehrspolitik. 65
4.5.3 Regionale Netzwerke 69
4.5.4 Reglementierungen für Beschneiungsanlagen. 71
4.5.5 Umweltverträglichkeitsprüfung für Schigebiete 72
4.5.6 Umweltmanagementsysteme 73
4.5.7 Umweltzeichen und -preise 75
4.6 Handlungsfelder im alpinen Wintertourismus 77
4.6.1 Sanfte Sportarten 79
4.6.2 Wellness 81
4.6.3 Event- / Kultur- / Städtetourismus 84
4.6.4 Kompensation durch Sommertourismus 89
4.6.5 Sanfte Mobilität 92
4.7 Fallbeispiel für sanften Wintertourismus im österreichischen Alpenraum. 95
5 Zusammenfassung. 102
6 Kritischer Diskurs 103
Seite III
7 Fazit. 105
8 Literaturverzeichnis 109
Seite IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Ostalpen
Abbildung 2: Bevölkerungsverteilung nach Höhe des Hauptwohnortes
Abbildung 3: Nächtigungen 1978/79 bis 2004/05
Abbildung 4: Nationenmix Nächtigungen Winter 2005/06
Abbildung 5: Bettenauslastung 1997/98 und 2004/05
Abbildung 6: Durchschnittliche Aufenthaltsdauer
Abbildung 7: Themenkomplex Ausflugstourismus
Abbildung 8: Touristische Dienstleistungskette
Abbildung 9: Altersentwicklung in Österreich.
Abbildung 10: Modal-Split des An- und Abreiseverkehrs in der E.U
Abbildung 11: Verkehrsverhalten der SchweizerInnen
Abbildung 12: Globaler Kohlenstoff-Kreislauf
Abbildung 13: Der natürliche Treibhauseffekt.
Abbildung 14: Temperaturverlauf im Alpenraum
Abbildung 15: IPCC-Szenarien.
Abbildung 16: Regionale Beurteilung der Klimasensibilität.
Abbildung 17: Permafrost-Temperaturen am Murtèl/Corvatsch.
Abbildung 18: Wintersaisonlänge der Seilbahnbezirke Österreichs
Abbildung 19: Elemente des nachhaltigen Tourismus.
Abbildung 20: Beispiel einer Bewertung des Bereichs Ökologie
Abbildung 21: SIA-Diagramm eines Reiseveranstalters
Abbildung 22: CO 2 - Vermeidungspotenziale bei Verlagerung von PKW zu
Bahn /ÖPNV.
Abbildung 23: CO 2 - Vermeidungspotenziale bei Verlagerung von PKW zu
Bus /ÖPNV.
Abbildung 24: Destinationskarte Österreich.
Abbildung 25: TUI Umwelt Netzwerk (TUN )
Abbildung 26: Gästetypologie der Winterurlauber
Abbildung 27: Dimensionen eines erweiterten Kulturbegriffs
Abbildung 28: Art von Sommerurlaub.
Abbildung 29: Attraktivität sanft-mobiler Angebote am Urlaubsort bei deutschen
Urlaubern
Seite V
Abbildung 30: Mitgliedsgemeinden von „Alpine Pearls“ 98
Abbildung 31: Fahrgastzahlen Werfenweng-Shuttle 1999 - 2003. 99
Abbildung 32: Nächtigungen Bundesland Salzburg Werfenweng 1999 - 2003. 100
Abbildung 33: Nächtigungen Werfenweng 1998 - 2003. 100
Abbildung 34: Zukünftige Strategien für Werfenweng 101
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Top-10-Gründe für Winterurlaub in Österreich. 46
Tabelle 2: Instrumente und Maßnahmen einer umweltverantwortlichen Verkehrs-
politik 65
Tabelle 3: Art von Winterurlaub 79
Tabelle 4: Aktivitäten während des Winterurlaubs. 79
Tabelle 5: Nachfragefelder im Gesundheitstourismus 82
Abkürzungsverzeichnis
BAFU Bundesamt für Umwelt BeNeLux Belgien, Niederlande und Luxemburg BfN Bundesamt für Naturschutz BIP Bruttoinlandsprodukt BMLFUW Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt- und Wasserwirtschaft BMVIT Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie BOKU Universität für Bodenkultur CDA Compagnie des Alpes CH Schweiz CH 4 Methan CIPRA Commission Internationale pour la Protection des Alpes CO 2 Kohlenstoffdioxid D Deutschland EMAS Eco-Management and Audit Scheme EU Europäische Union FCKW Fluorchlorkohlenwasserstoffe GPI Genuine Progress Indicator IPCC Intergovernmental Panel on Climate Change ISO International Organisation for Standardization KMU Kleine und mittlere Unternehmen LA 21 Lokale Agenda 21 MIV Motorisierter Individualverkehr MöSt Mineralölsteuer OECD Organisation for Economic Co-operation and Development OGM Österreichische Gesellschaft für Marketing ON Österreichisches Normungsinstitut OÖN Oberösterreichische Nachrichten ÖHV Österreichische Hoteliervereinigung ÖPNV Öffentlicher Personen-Nahverkehr ÖWAV Österreichischer Wasser- und Abfallwirtschaftsverband PKW Personenkraftwagen
TMC Tourismus Management Club TQM Total Quality Management UVP Umweltverträglichkeitsprüfung VCÖ Verkehrsclub Österreich WWF World Wildlife Fund WSL Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft
Einleitung 1
In der vorliegenden Diplomarbeit zum Thema „Wintertourismus im österreichischen Alpenraum - Entwicklungen, Trends und Zukunftsperspektiven unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit“ werden die Klimaveränderungen sowie die daraus resultierenden zukünftigen Herausforderungen für die Tourismuswirtschaft in Österreich behandelt.
Gerade angesichts der Klimakapriolen in der abgelaufenen Wintersaison 2006/07 stellt sich die Frage, wie weit wir in die Natur eingreifen können oder besser gesagt dürfen. Prognosen prophezeien bereits in naher Zukunft in vielen Teilen Österreichs ein Ende des bisher praktizierten Wintertourismus aufgrund der globalen Erwärmung. Die fast ausschließlich künstliche Beschneiung von Schipisten - schmale Bänder inmitten von grünen Hängen - zur Aufrechterhaltung des Schibetriebs erscheint grotesk. Daher stellt sich die Frage, ob der Zweck alle Mittel heiligt oder ob auch der Tourismus in nächster Zeit zu einem Umdenken gezwungen sein wird.
Der Umweltaspekt im Wintertourismus betrifft vor allem die Beschneiungsanlagen sowie die Anreise zum Urlaubsort. Aber er umfasst auch die Schädigung der Vegetation und Tierwelt durch den Bau und die Instandhaltung von Skipisten. Daher wird untersucht, in welchem Ausmaß der Schitourismus in Österreich zum Klimawandel beiträgt. Das Bewusstsein für aktives Handeln zum Klimaschutz setzt sich in der Öffentlichkeit immer mehr durch. Auch ethische Grundprinzipien spielen dabei eine Rolle. Durch geeignete Maßnahmen soll es gelingen, umweltbewusstes Verhalten sowohl von Tourismusverantwortlichen als auch der TouristInnen selbst zu fördern.
Mithilfe dieser Arbeit sollen anhand der Berechnungen von KlimaforscherInnen die Veränderungen für den österreichischen Alpenraum und in der Folge die vorwiegend wirtschaftlichen Folgen für den Wintertourismus aufgezeigt werden. Das Ergebnis sollen Handlungsempfehlungen für einen nachhaltigen Tourismus in der Wintersaison im österreichischen Alpenraum sein. Die automatische Verbindung von Winter- tourismus mit Schnee und Schifahren soll dabei zum Teil aufgelöst werden.
Das Finden von Synergien für die grundsätzlich sehr unterschiedlichen Zielsetzungen von Umweltschutz und Tourismus bedeutet sicherlich die größte Herausforderung für die EntscheidungsträgerInnen. Anhand eines Vorzeigeprojekts aus dem Bundesland Salzburg soll aufgezeigt werden, dass eine umweltgerechte Vermarktung der Schigebiete möglich und darüber hinaus auch noch wirtschaftlich rentabel ist.
Überblick über den Wintertourismus im österreichi- 2 schen Alpenraum
Die österreichischen Gebirgszüge sind Teil der Ostalpen, deren Gebiet in einer Vereinbarung der Alpenvereine aus dem Jahr 1984 festgelegt wurde. Sie durchziehen ganz Österreich von Westen nach Osten (siehe Abbildung 1). Der Wintertourismus hat seinen Schwerpunkt in den westlichen Bundesländern (Vorarlberg, Tirol, Salzburg) sowie in Teilen Kärntens und der Steiermark. Daneben verfügen auch Ober-und Niederösterreich über Wintersportgebiete.
(http://www.bergalbum.de/uebersichtskarte_ostalpen.htm, Zugriff am 25.04.2007)
Österreich ist mit einem Marktanteil von 70 % Europas führendes Wintersportland. Im Winter ist Schifahren nach wie vor Lieblingssport der ÖsterreicherInnen. 1
1 Vgl. http://www.bmwa.gv.at/BMWA/Presse/Archiv2001/5E99D075D98A0BA841256B170049FE75. htm, Zugriff am 14.05.2007.
2,5 Mio. EinwohnerInnen, das sind 30 % der Bevölkerung, betreiben in unserem Land aktiv Schisport. 2
2.1 Der Begriff des Tourismus
In Österreich wird neben dem international gebräuchlichen Begriff Tourismus auch der Ausdruck Fremdenverkehr noch öfters verwendet. In der Literatur existieren unzählige Erklärungen für Tourismus. Claude Kasper definiert ihn als „Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Reise und dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächlicher und dauernder Wohn- noch Arbeitsort ist“. Die World Tourism Organisation wiederum versteht darunter "Aktivitäten von Personen, die an Orte außerhalb ihrer gewohnten Umgebung reisen und sich dort zu Freizeit-, Geschäfts- oder bestimmten anderen Zwecken nicht länger als ein Jahr ohne Unterbrechung aufhalten. Außerdem muss gewährleistet sein, dass deren hauptsächlicher Reisezweck ein anderer ist, als die Ausübung einer Tätigkeit, die von dem besuchten Ort aus entgolten wird“. 3
Grundsätzlich wird der Tourismus nach der zugrunde liegenden Motivation (Erholungs-, Kultur-, Geschäfts- oder Sporttourismus) als auch nach externen Merkmalen (Auslands-, Städte-, Senioren-, Massentourismus) segmentiert. 4 Inhaltlich kann der Tourismus als eine Kette von Dienstleistungen mit den 3 Hauptschwerpunkten Transport, Unterkunft und sonstige Dienstleistungen (z.B. Verpflegung) charakterisiert werden. Die Bedeutung des Tourismus als Wirtschaftsfaktor ist beachtlich - zwischen 4 und 11 % des Bruttoinlandsproduktes der EU werden in diesem Sektor erwirtschaftet. Ein ebenso hoher Prozentsatz der EinwohnerInnen ist im Tourismus tätig. 5
2 Vgl. http://www.extradienst.at/jaos/page/main_archiv_content.tmpl?ausgabe_id=76&article _id=14154, Zugriff am 14.05.2007.
3 Vgl. http://www.eucc-d.de/plugins/ikzmdviewer/inhalt.php?page=49,1494, Zugriff am 07.05.2007.
4 Vgl. Iwersen-Sioltsidis/Iwersen 1997, S. 12.
5 Vgl. Uherek 2006, Accent Magazin Nr. 9 Juli 2006, o.S.
2.2 Das Phänomen des Massentourismus
Der Massentourismus in den österreichischen Alpen begann erst relativ spät, dafür entwickelte er sich dann in einer ungeahnten Geschwindigkeit. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs gewannen die Alpen als Naherholungsgebiet für die europäischen Städte an Bedeutung. Der Aufschwung des Wintertourismus führte zu einem Struk-turwandel in den Gebirgsregionen und wurde zu einem der wichtigsten Wirtschaftsträger. Am Beispiel vom Wintersportort Saalbach im Salzburger Pinzgau lässt sich dies anschaulich belegen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es noch ein abgeschiedenes Dorf jenseits aller Verkehrsanbindungen. 1981 überstiegen die Nächtigungszahlen bereits jene des gesamten Bundeslandes Salzburg aus dem Jahr 1929/30, dem ertragreichsten der gesamten Zwischenkriegszeit. 1995 kamen auf die 3.000 BewohnerInnen des Ortes 2 Mio. Übernachtungen. Damit nahm Saalbach den 2. Platz hinter Wien in der österreichischen Tourismusstatistik ein. 6
Die Darstellung des Massentourismus als eigene Industrie ist nicht abwegig. Das normierte Anbieten von Ferien als Serienprodukt ist ein Phänomen dieser Industrialisierung, aber auch ein Ergebnis der gesellschaftlichen Entwicklung. Bezüglich der Umweltauswirkungen kann im Gegenzug behauptet werden, dass eine große Ferienanlage pro Kopf weniger Abfälle und Emissionen produziert als alleinreisende IndividualtouristInnen. Außerdem verursacht der Drang dieser Alternativreisenden zur Entdeckung von unberührten Gebieten bei weitem mehr Eingriffe in die Natur. In der Folge lösen diese meist, wenn auch ungewollt, den Massentourismus erst aus. 7
Eine aktuelle Studie am Beispiel Mallorca zeigt, dass dort seit der Abkehr vom Massen- hin zum Qualitätstourismus die Umwelt wesentlich stärker geschädigt wurde. Für die Untersuchung wurden die beiden Indikatoren Landschafts- und Wasserverbrauch herangezogen. Hauptverantwortlich für diese negative Entwicklung sind die Förderung von Zweitwohnsitzen, der Bau von Golfplätzen und Yachthäfen. Dadurch wurden naturbelassene Ökosysteme verbaut und versiegelt. Weiters benötigt ein durchschnittlicher Golfplatz täglich die gleiche Wassermenge wie ein Ort mit
6 Vgl. Hoffmann 2002, S. 79 f.
7 Vgl. Müller 2003, S. 83 f.
ca. 8.000 EinwohnerInnen. 8 Dies ist ein Beispiel dafür, wie trotz guter Absichten seitens der Verantwortlichen das Gegenteil bewirkt wurde.
Der Alpenraum wird voraussichtlich auch in Zukunft für Massenprodukte bzw. Leistungen genutzt werden. Durch die Zusammenschlüsse von Schigebieten bilden sich immer größere Tourismusregionen heraus. Vor allem amerikanische Seilbahnunternehmen werden versuchen, alpine Schigebiete aufzukaufen. Mithilfe neuer Trans-port-, Informations- und Kommunikationsmittel bietet sich eine große Bandbreite an Möglichkeiten zur Diversifizierung an. Für eine größtmögliche Ausschöpfung der Kapazitäten wird auch der Stellenwert des Sommertourismus immer wichtiger. 9
In diesem Zusammenhang stechen insbesondere die Aktivitäten des französischen Konzerns CDA ins Auge. Dieser erreichte durch den Aufkauf von Bergbahnen und der anschließenden Zusammenlegung von Schigebieten mittlerweile einen Marktanteil von über 50 % in Frankreich. CDA investiert prinzipiell nur in rentable, d.h. hochgelegene Schiregionen mit garantierter Schneesicherheit. 10 Die Gesellschaft drängt überdies verstärkt ins benachbarte Ausland. Mittlerweile verfügt sie über Beteiligungen an Seilbahnunternehmen in Italien und der Schweiz. Auch in Deutschland und Österreich wurde bereits an einigen Schigebieten Interesse signalisiert. 11
Im Jahr 2002 gab es Gerüchte um einen Einstieg bei den Gletscherbahnen Kaprun, wo 40 % der Anteile zum Verkauf standen. Dieses Vorhaben wurde durch die Ver-handlungen nach dem Unglücksfall am Kitzsteinhorn vorläufig vertagt, könnte aber jetzt neu aufgerollt werden. Der amerikanische Marktführer Intrawest hält einen Anteil von 20 % an CDA, um sich durch dessen Expansionen ein eigenes Standbein am europäischen Markt zu verschaffen. 12
8 Vgl. Ritzinger, OÖN, 13.10.2007, Reiselust S. 3.
9 Vgl. Wöhler 2002, S. 276 f.
10 Vgl. http://db.swr.de/upload/manuskriptdienst/wissen/wi20051108_3402.rtf, Zugriff am 21.08.2007.
11 Vgl. http://www.seilbahn.net/index.htm?aktuell/skiverbuende.htm, Zugriff am 21.08.2007.
12 Vgl. Bayer, Salzburger Nachrichten, 03.10.2005, o.S.
2.3 Historische Entwicklung des Wintertourismus in Österreich
Zu Beginn der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts galt das Schifahren noch als eine Sportart, welche nur der ausgewählten Oberschicht vorbehalten war. Durch die Abhaltung von Weltcuprennen in Kitzbühel und St. Anton/Arlberg sowie der Weltmeisterschaft 1933 in Innsbruck gewann der Schilauf an Popularität. Der Monumentalfilm „Der weiße Rausch“ aus dem Jahr 1932 löste in der Folge endgültig einen Boom der Alpen aus. Mit dem Bau von 12 Gondelbahnen zwischen 1926 und 1937, unter anderem auf die Schmittenhöhe in Zell am See sowie auf den Hahnenkamm in Kitzbühel, begann der Aufstieg des Wintersports in Österreich. 13
Nach dem 2. Weltkrieg legte die Ausländer-Hotelaktion im Winter 1947/48 den Grundstein für den internationalen Fremdenverkehr in Österreich. Diese Aktion bedeutete den Wiederbeginn des Tourismus und überstieg bereits 1950 die Zahlen der Zwischenkriegszeit. Die Aufnahme der Tourismuswirtschaft in den Marshallplan im Jahr 1949 spielte in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle. Mit dessen Unterstützung wurde im Speziellen der Wintertourismus mittels Ausbau von Straßen und die Abhaltung von Schirennen gefördert. Die Erschließung von Schigebieten wurde durch den Bau von Seilbahnanlagen vorangetrieben. 14
Während der 60er und 70er Jahre profitierte insbesondere der Wintertourismus von der fortschreitenden Motorisierung der UrlauberInnen. 1960 kamen bereits 84 % aller TouristInnen mit dem eigenen Fahrzeug nach Österreich. 15 Das Schifahren hatte sich vom elitären Vergnügen zum Breitensport der Massen entwickelt. Schischulen, Schulschikurse, Sportgroßveranstaltungen und Schistars trugen ihren Teil dazu bei. Der Wintertourismus erlebte einen enormen Aufschwung. Selbst der Ölpreisschock Anfang der 70er Jahre hatte keine negativen Auswirkungen, dessen ungeachtet stiegen die Nächtigungszahlen in der Wintersaison bis 1982 kontinuierlich. 16
Die unerwartete Trendumkehr ab dem Jahr 1983 dauerte bis Mitte der 90er Jahre. Das zunehmende Umweltbewusstsein der Öffentlichkeit und die gestiegenen Quali-
13 Vgl.Luger/Rest 2002, S. 13.
14 Vgl. Bachleitner 2000, S. 18 ff.
15 Vgl. Luger/Rest 2002, S. 19.
16 Vgl. Bachleitner 2000, S. 21.
tätsansprüche der UrlauberInnen waren Hauptgründe für diese Abwärtsentwicklung. Die daraufhin durchgeführten Investitionen in den Umweltschutz und in die Qualität der Infrastruktur begannen schließlich Ende der 90er Jahre zu greifen. Erstmals wurden wieder steigende Umsätze verzeichnet. 17 Zwischen 1995 und 2005 stieg die Zahl der Nächtigungen in der Wintersaison um 31 %. Die höchsten Zuwächse konnten die traditionellen Hochburgen für den Wintersport, die Bundesländer Tirol und Salzburg, verbuchen. 18 Diese Entwicklung ist auch in der österreichischen Nächtigungsstatistik (siehe Abbildung 3) deutlich abzulesen.
2.4 Statistische Daten
2.4.1 Bevölkerung
Die nachstehende Abbildung 2 zeigt die Verteilung der Gesamtbevölkerung Österreichs bezogen auf die Höhe des Hauptwohnortes. Die Anzahl der EinwohnerInnen pro Bezirk wird durch die Größe der Kreise repräsentiert. Der Wintertourismus findet naturgemäß in höheren Lagen (grüne und blaue Farbe) statt. Ausgehend von dieser Darstellung kann festgestellt werden, dass die wichtigsten Wintersportregionen in Bezirken mit geringer Bevölkerungsdichte und hohem Flächenanteil liegen. 19 Basierend auf den Daten der Statistik Austria lebten im Jahr 2005 von insgesamt 8,2 Mio. EinwohnerInnen rund 40 % in den Alpenregionen (Tirol, Vorarlberg, Salzburg, Steiermark, Kärnten).
17 Vgl. Bachleitner 2000, S. 22 ff.
18 Vgl. http://www.austriatourism.com/scms/media.php/8998/Entwicklungen%20im%20 Wintertourismus%201995-2005.pdf, Zugriff am 21.08.2007.
19 Vgl. Breiling 1997, S. 54.
Im Vergleich dazu leben 58 % der gesamteuropäischen Alpenbevölkerung auf 22 % der Alpenfläche. Der Großteil hat seinen/ihren Wohnsitz in den größeren Städten, welche am Alpenrand liegen. In diesen Städten konzentrieren sich 66 % der gesamten Arbeitsplätze im europäischen Alpenraum. 20
2.4.2 Nächtigungen
Die Nächtigungszahlen sind einer der wichtigsten Indikatoren um die Entwicklung des Tourismus abzubilden. Im Kalenderjahr 2005 waren laut Statistik Austria insgesamt 119 Mio. Übernachtungen gemeldet worden. In diesem Jahr kam es erstmals zu einem Gleichstand der Nächtigungszahlen in beiden Saisonen. In der folgenden Abbildung 3 ist die Entwicklung der Nächtigungen zwischen 1978/79 und 2004/05 dargestellt. Dabei zeigt sich, dass seither die Übernachtungen in der Sommersaison kontinuierlich zurückgehen, währenddessen jene der Wintersaison im gleichen Ausmaß ansteigen. 21 Dieser Trend setzte sich auch im Kalenderjahr 2006 fort. 22
20 Vgl. Luger/Rest 2002, S. 31.
21 Vgl. Statistik Austria 2007, S. 407.
22 Vgl. http://www.statistik.at/fachbereich_tourismus/txt.shtml, Zugriff am 19.04.2007.
Abbildung 3: Nächtigungen 1978/79 bis 2004/05 (Statistik Austria 2007, S. 407)
Die Aufstellung mit den nächtigungsstärksten Gemeinden in der Wintersaison 2005/06 enthält an 1. Stelle Wien, auf den Plätzen 2 und 3 folgen bereits die bekannten Wintersportorte Sölden und Saalbach-Hinterglemm. Unter den Plätzen 1 - 10 finden sich nicht weniger als 9 Wintersportorte (u.a. Ischgl, St. Anton/Arlberg, Obertauern). 23 In der Aufstellung für das gesamte Kalenderjahr 2005 befinden sich ebenfalls 9 Wintersportorte unter den ersten 10 Orten. 24 Ein klares Indiz für das wirtschaftlich hohe Potential des Wintertourismus in Österreich.
Bei einer Aufteilung der Nächtigungszahlen nach der jeweiligen Nationalität zeigt sich, dass nach wie vor die Mehrheit der WinterurlauberInnen in Österreich aus Deutschland kommt (42,9 %). Aber auch die Einheimischen stellen eine wichtige Zielgruppe (22,8 %) dar, gefolgt von den NiederländerInnen (9,0 %). Weitere Nationen sind in der nachstehenden Abbildung 4 angeführt 25 :
23 Vgl. http://www.austriatourism.com/scms/media.php/8998/Ortereihung%20Winter%202005-06.pdf, Zugriff am 30.04.2007.
24 Vgl. Statistik Austria 2007, S. 411.
25 Vgl. http://www.austriatourism.com/scms/media.php/8998/Nationenmix%20Winter%202005 _2006.pdf, S. 1, Zugriff am 30.04.2007
(www.austriatourism.com/scms/media.php/8998/Nationenmix%20Winter%202005_2006.pdf, S. 1, Zugriff am 30.04.2007)
Die Marktentwicklung des Wintertourismus in Österreich verlief in den letzten 10 Jahren sehr unterschiedlich. Alle Bundesländer konnten jedoch ihre Übernachtungszahlen steigern, vor allem Wien und Burgenland. 26 Außergewöhnlich sind die Marktanteile von Tirol (ca. 43 %) und Salzburg (ca. 23 %). Diese beiden Bundesländer teilen sich somit zwei Drittel des Gesamtmarktes an in- und ausländischen Nächtigungen. An nächster Stelle liegen Vorarlberg und Steiermark mit jeweils ca. 8 %. Die restlichen 20 % verteilen sich relativ gleichmäßig auf die übrigen Bundesländer. Eindeutiges Schlusslicht ist das Burgenland mit einem Marktanteil von lediglich 1 %. 27
2.4.3 Infrastruktur
2.4.3.1 Beherbergungsbetriebe
In der Wintersaison 2005/06 standen insgesamt ca. 971.000 Betten in den Beherbergungsbetrieben zur Verfügung. Die Bettenauslastung ergab in dieser Saison durchschnittlich 33,7 %, jene in der Sommersaison 2006 hingegen nur 28,9 %. 28 Seit 1999 übersteigt die Bettenauslastung in der Wintersaison jene der Sommersaison. 29 Dies geht konform mit der zuvor genannten Entwicklung der Nächtigungszahlen. Bei Betrachtung der Bettenauslastung nach den einzelnen Kategorien zeichnet sich der
26 Vgl. Laimer/Weiß 2006, S. 10.
27 Vgl. http://www.bmwa.gv.at/NR/rdonlyres/789AB842-0E39-409F-91B6-53771422837C/24632 /TourismusanalyseTabellen.pdf, Zugriff am 27.02.2007.
28 Vgl. http://www.statistik.at/fachbereich_tourismus/txt.shtml, Zugriff am 19.04.2007.
29 Vgl. Laimer/Weiß 2006, S. 3.
Trend zu höherer Qualität deutlich ab (siehe Abbildung 5). Die Auslastung der 5-/4-Sterne-Hotels betrug in der Wintersaison 2004/05 ca. 50 %, jene der 3-Sterne-Hotels ca. 35 %. 30
Auch in der Wintersaison 2005/06 setzte sich diese Tendenz fort. Die gehobenen Hotels konnten weitere Zuwächse verzeichnen, währenddessen insbesondere die Privatquartiere sowie die privaten Ferienwohnungen und -häuser in der Folge weiter rückläufige Übernachtungszahlen verschmerzen mussten. 31
2.4.3.2 Seilbahnanlagen
Im Jahr 2006 waren insgesamt 3.011 Seilbahnanlagen im Betrieb. Diese Zahl umfasst sämtliche Schlepplifte, Sessel- und Gondelanlagen. Mit diesen Anlagen wurden 630 Mio. Personen befördert, davon 602 Mio. Personen in der Wintersaison. 32 Das Hauptgewicht der Einnahmen liegt demnach in den Wintermonaten. Daher stehen die Seilbahnunternehmen enorm unter Druck, in dieser relativ kurzen Zeit alle Kosten
30 Vgl. Statistik Austria 2007, S. 408.
31 Vgl. http://www.statistik.at/fachbereich_tourismus/txt.shtml, Zugriff am 19.04.2007.
32 Vgl. http://www.seilbahnen.at/presse/basisinformationen/files/0705-factsheet.pdf, Zugriff am 24.04.2007.
abzudecken und Gewinne zu erwirtschaften. 33 Die Anzahl der Beförderungen nimmt seit Jahren stetig zu, die Anzahl der Anlagen ist dagegen rückläufig - 1992 waren noch 3.415 Aufstiegshilfen in Betrieb. 34 Dies ist auf die Einstellung von Schleppliften zugunsten des zunehmenden Einsatzes von Sessel- und Gondelanlagen mit einer weitaus höheren Beförderungskapazität zurückzuführen.
271 Seilbahnunternehmen wurden im Jahr 2004/05 registriert, der größte Anteil befindet sich naturgemäß in Tirol (35 %) gefolgt von Salzburg (21 %). Dahinter rangieren Vorarlberg (14 %), Steiermark (12 %) und Kärnten (9 %). In Ober- und Niederösterreich sind aufgrund des geringen Alpenanteils nur jeweils 5 % der Unternehmen ansässig. 35 Weiters wurden 50 Mio. Skierdays im Jahr 2006 verzeichnet. 36 Dieser international gebräuchliche Ausdruck bezeichnet die Anzahl der gesamten Tageseintritte aller Schigebiete einer Region. 37 Auch in diesem Zusammenhang ist Tirol Spitzenreiter mit 46 % aller Skierdays, Salzburg hat einen Anteil von 26 %. Folglich erhalten beide Bundesländer gemeinsam knapp 3/4 aller Schipass-Einnahmen. 38
2.4.4 Wertschöpfung
Der gesamte Beitrag des Tourismus zum BIP lässt sich nicht genau feststellen. Einerseits werden in den Statistiken vorwiegend die Daten der Ankünfte und Nächtigungen sowie die Anzahl der Betten ausgewiesen. Daraus kann nur sehr schwer die wirtschaftliche Bedeutung abgelesen werden. Andererseits profitieren nicht nur Beherbergungsbetriebe und Seilbahnen, sondern auch zahlreiche andere Branchen vom Fremdenverkehr. Es lässt sich aber nicht feststellen, wie viele Einkäufe in einem Supermarkt eines Urlaubsorts tatsächlich von den TouristInnen getätigt werden. 39 Durch die Schaffung eines eigenen Satellitenkontos für den Tourismus im Jahr 2001 wurde ein Weg gefunden, diese Fakten ansatzweise abzubilden. Dabei wird zusätzlich zur direkten (z.B. Übernachtung) auch noch eine indirekte Wertschöpfung er- 33 Vgl.http://www.seilbahnen.at/presse/wirtschaftsdaten/files/2004_05-bericht-seilbahnen.pdf, S. 23, Zugriff am 02.07.2007.
34 Vgl. Breiling 1997, S. 80.
35 Vgl. http://www.seilbahnen.at/presse/wirtschaftsdaten/files/2004_05-bericht-seilbahnen.pdf, S. 6, Zugriff am 02.07.2007.
36 Vgl. http://www.seilbahnen.at/presse/basisinformationen/files/0705-factsheet.pdf, Zugriff am 24.04.2007.
37 Vgl. http://bergbahnen.zermatt.ch/download/pdf/g-bericht-3.pdf, S. 6, Zugriff am 02.07.2007.
38 Vgl. http://www.seilbahnen.at/presse/wirtschaftsdaten/files/2004_05-bericht-seilbahnen.pdf, S. 23, Zugriff am 02.07.2007.
39 Vgl. Tschurtschenthaler 2000, S. 61.
rechnet, die alle Ausgaben der TouristInnen während ihres Aufenthalts berücksichtigt (z.B. Restaurantbesuche, Lebensmitteleinkäufe, etc.). 40
Die direkte Wertschöpfung des Tourismus betrug im Jahr 2005 15,87 Mrd. €, dies entspricht einem Anteil von 6,5 % am BIP. Unter Einbeziehung der indirekten Wertschöpfungseffekte ergibt sich eine Summe von 21,56 Mrd. €, d.h. der gesamte Beitrag zum BIP beträgt 8,8 %. Zur Abbildung der gesamten volkswirtschaftlichen Bedeutung von Österreichs Tourismus- und Freizeitwirtschaft sollte darüber hinaus der nicht-touristische Freizeitkonsum der ÖsterreicherInnen am Wohnort, d.h. die zuvor bereits angesprochenen Einkäufe, berücksichtigt werden. Für diese Ausgaben müssen zusätzlich 18,96 Mrd. € verbucht werden (7,7 % des BIP). Somit entfallen auf die österreichische Tourismus- und Freizeitwirtschaft 40,53 Mrd. € (16,5 % des BIP) - ein bedeutender Beitrag zur Gesamtwirtschaft. 41
Die Tourismusregionen in den österreichischen Alpen erwirtschaften ca. 3/4 der gesamten Umsätze des Tourismus in Österreich. Obgleich nahezu jedes Bundesland zumindest einen kleinen Anteil an den Alpen besitzt, gehören die Bundesländer Tirol, Vorarlberg und Salzburg zu den wichtigsten Destinationen. Allein auf diese 3 Länder entfallen ca. 2/3 der Umsätze. 42 Die Tagesausgaben der UrlauberInnen betrugen beispielsweise in der Wintersaison 2004/05 128 € pro Tag (inklusive Anreise), in der Sommersaison 2006 lediglich 97 €. 43 Daher ist in diesen Bundesländern der Stellenwert des Tourismus, insbesondere des Wintertourismus, ungemein höher als in den anderen. Der Wertschöpfungsanteil des Tourismus beträgt etwa in Tirol nahezu 1/4 des gesamten Landesregionalproduktes. 44
40 Vgl. http://www.statistik.at/fachbereich_tourismus/tab2.shtml, Zugriff am 19.04.2007.
41 Vgl. http://www.statistik.at/fachbereich_tourismus/tsa.shtml, Zugriff am 19.04.2007.
42 Vgl. Smeral 2000, S. 50 f.
43 Vgl. http://www.austriatourism.com/scms/media.php/8998/Fact%20Sheet%202006.pdf, Zugriff am 02.07.2007.
44 Vgl. Smeral 2000, S. 50 f.
2.5 Aktuelle Trends im Tourismus
Die geänderten Werte und Rahmenbedingungen der heutigen Gesellschaft haben auch Auswirkungen auf das Urlaubs- und Mobilitätsverhalten. Die wesentlichen Trends, welche dieses Verhalten beeinflussen, sind: Individualisierung, hoher Anspruch, mehr Erholung, häufigere und kürzere sowie spontane Reisen. 45 Die demografische Entwicklung bewirkt zwar eine immer älter werdende Gesellschaft, gleichzeitig werden die Älteren jedoch in ihrer Empfindung und ihrem Verhalten immer jünger. Auch das ganzheitliche Gesundheitsdenken, welches nicht nur körperliches sondern auch seelisches Wohlbefinden durch Ruhe, Einkehr und Besinnung umfasst, wird Einfluss auf die zukünftige Nachfrage am Tourismussektor haben. 46
Zukunftsforscher sprechen von einer großen Bandbreite an neuen Trends, einerseits die so genannte „Glokalisierung“, d.h. Globalisierung bei gleichzeitiger Lokalisierung und andererseits die Globalisierung. Diese beiden gegensätzlichen Strömungen können sich durchaus ergänzen. Theoretisch können wir unseren Urlaub auf der ganzen Welt verbringen, doch wir tendieren immer häufiger zu nahe gelegenen Destinationen mit hohem Wohlfühlwert. 47 Nach dem Motto „Je einfacher das Wegfahren, desto spannender wird die eigene Heimat“ rücken in der glokalisierten Welt die Nahziele wieder in den Vordergrund. Das größte Bedürfnis der UrlauberInnen wird sein, im Urlaub bei sich selbst anzukommen und nicht im Hotel. Das bedeutet, nicht so sehr die örtliche Umgebung, sondern die Sehnsüchte zählen. 48
Nachfolgend werden die bestimmenden Trends für die zukünftige Entwicklung des Tourismus im österreichischen Alpenraum erörtert.
45 Vgl. BMLFUW 2006a, S. 53.
46 Vgl. Popp, CIPRA INFO 83/2007, S. 10.
47 Vgl. ebenda.
48 Vgl. http://portal.wko.at/wk/format_detail.wk?AngID=1&StID=316590&DstID=252, Zugriff am 23.04.2007.
2.5.1 Tages- und Kurzreisen
Eine stetig zunehmende Anzahl an UrlauberInnen neigt zu häufigeren und dafür kürzeren Reisen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer ist in Österreich zwischen 1996 und 2006 von durchschnittlich 4,92 auf 4,28 Tage zurückgegangen (siehe Abbildung 6). Dennoch bleibt der Gast in der Wintersaison deutlich länger als jener im Sommer (2006: 3,7 Tage). 49 Grundsätzlich versteht man unter Kurzreisen alle Reisen von Privatpersonen mit einer Dauer von 2 - 4 Tagen. Vorwiegend werden diese über verlängerte Wochenenden und zusätzlich zu einer längeren Urlaubsreise durchgeführt. Die immer flexibleren Arbeitszeitregelungen (Gleitzeit, Fenstertage) und die steigende Mobilität der UrlauberInnen verstärken die Vorliebe für Kurzreisen. 50
Interessanterweise steht der Anspruch der TouristInnen auf hohe Qualität und ein gutes Preis- Leistungsverhältnis im Widerspruch zur Aufenthaltsdauer - je kürzer, desto anspruchsvoller. Obwohl die Menschen immer weniger Zeit und auch Geld zur Verfügung haben, fahren sie öfter auf Urlaub. Meist sind diese Reisen dann eben Tages- und Kurztrips anstelle von längeren Urlaubsreisen. 51 Heutzutage besitzen Kurzreisen vermehrt Erlebnischarakter, der Erholungsfaktor steht oft im Hintergrund.
49 Vgl. OGM 2005, S. 28.
50 Vgl. Kirstges 1995, S. 36 ff.
51 Vgl. OGM 2005, S. 28 f.
Abgesehen von Städtereisen wird auch der Besuch von Veranstaltungen (kulturell oder sportlich) vermehrt dazu genutzt, den Aufenthalt auf mehrere Tage auszudehnen. Die zunehmenden Risiken von Fernreisen (Terror, Gesundheitsgefährdung) sind ein weiterer Grund für die Beliebtheit von Kurzreisen. 52
Ferner ist auch eine Zunahme der Kürzest-Reisen, d.h. Tagesreisen und Ausflüge festzustellen. Unter Ausflugsreisen werden zumindest halbtägige Reisen zu Freizeitzwecken außerhalb des eigenen Wohnortes verstanden. Die Beweggründe für diese Ausflüge können sehr unterschiedlich sein: Verwandtenbesuche, Besichtigung von Sehenswürdigkeiten oder Museen mit abschließendem Gastronomiebesuch. Neue Impulse erhalten die Kürzest-Reisen auch durch Sportaktivitäten (z.B. Radfahren, Wandern, Wintersport) sowie durch Thermenbesuche oder Events. 53 Der umfangreiche Bereich des Tages- und Ausflugstourismus ist in Abbildung 7 ersichtlich.
2.5.2 Last-Minute-Buchungen
Bereits seit einigen Jahren registrieren die Reisebüros deutliche Veränderungen beim Buchungsverhalten ihrer KundInnen. Die moderne „Lust und Spaß-Gesellschaft“ will ihren spontan aufgekommenen Wunsch zu verreisen möglichst so-fort befriedigt haben. In Deutschland verdoppelte sich die Anzahl der spät entschlossenen BucherInnen innerhalb der letzten 10 Jahre auf 11 Mio. pro Jahr. 54 In der Online-Umfrage eines Reisemagazins bezeichneten sich 20 % als echte Last-Minute-
52 Vgl.Gruber 2002, S. 448.
53 Vgl. OGM 2005, S. 269.
54 Vgl. Ranetzky, Faktum 12/2006, o.S.
Bucher; 17 % gaben in einer anderen Umfrage an, frühestens 2 Wochen vor Reiseantritt zu buchen. Weiters sind die so genannten „Category Hopper“ im Kommen, welche spontan nach einer Pauschalreise noch einen Städtetrip zum Ausklang buchen. 55
Der Versuch der Reiseveranstalter, dieser Entwicklung mit Frühbucher-Rabatten entgegenzusteuern, ist nur von mäßigem Erfolg gekrönt. Da auch UrlauberInnen, welche im Prinzip frühzeitig buchen wollten, dann doch lieber auf Schnäppchen warten. 56 Die weit verbreitete Annahme, Last-Minute sei gleichzusetzen mit günstig, ist nur bedingt richtig. Oft kostet die kurzfristige Buchung am Ende mehr als die frühzeitige. Ein wichtiger Beweggrund für Last-Minute sind die geänderten Lebensumstände. Unser Lebensumfeld wird immer weniger stabil. 57
Berichterstattungen über aktuelle wirtschaftliche Ereignisse wie Steuererhöhungen oder die Streichung von hunderten Arbeitsplätzen lassen auch die eigene Zukunft ungewiss erscheinen. Der generelle Trend, sich in allen Lebensbereichen später zu entscheiden, hat demzufolge auch Auswirkungen auf das Buchungsverhalten. Zur Unsicherheit über die persönliche Situation zum Zeitpunkt des Urlaubsantritts kommt auch noch die Angst, wie es zu jener Zeit am Urlaubsort aussieht (politische Unruhen, Terror). 58
Das Last-Minute-Geschäft profitiert überdies vom rasanten Wachstum des Internet. Die Zahl der NutzerInnen steigt ständig an, 2005 verfügten in Österreich bereits 43 % der Bevölkerung über einen Internetzugang. Das elektronische Medium wird hauptsächlich zur Informationssuche aber auch vermehrt für Direktbuchungen verwendet. 17 % der deutschen InternetnutzerInnen haben bereits eine Reise online gebucht. Die wesentlichen Anforderungen für derartige Buchungen sind Sicherheit, günstige Preise und die Bekanntheit des Anbieters. Das Fehlen passender Angebote, mangelnde Beratung und das Risiko der Datenübermittlung bei Bezahlung per Kreditkarte sind wiederum Faktoren, welche Personen von einer Internetbuchung abhalten können. 59
55 Vgl. Ranetzky, Faktum 12/2005, o.S.
56 Vgl. Ranetzky, Faktum 12/2006, o.S.
57 Vgl. Ranetzky, Faktum 12/2005, o.S.
58 Vgl. Ranetzky, Faktum 12/2006, o.S.
59 Vgl. OGM 2005, S. 33 f.
Österreichs Reiseveranstalter haben das wachsende Bedürfnis der InternetnutzerInnen, ihre Reisen unabhängig von Zeit und Ort selbstständig zu organisieren, offenbar noch nicht erkannt. Lediglich 11 % der Gesamtumsätze von 900 Mio. € pro Jahr sind Onlinebuchungen, in Großbritannien beträgt dieser Anteil bereits 40 %. Die Buchungen der ÖsterreicherInnen werden zu 90 % über deutsche Reiseportale im Internet getätigt (ausgenommen Direktbuchungen von Hotel und Flügen), während die heimischen Anbieter nur einen Anteil von 10 % daran besitzen. 60
Am häufigsten werden die Onlinebuchungen im Inland über das Reisebüro „Restplatzbörse“ abgewickelt. Die restlichen Aufträge entfallen auf die Urlaubsbörse, gefolgt von der Verkehrsbüro-Gruppe und STA Travel. Im Durchschnitt beträgt der Wert einer Internetbuchung 1.350 €. 61 Hier besteht dringender Aufholbedarf, um das kräftig wachsende Potential des Reisemarktes im Internet nicht kampflos den ausländischen Anbietern zu überlassen.
2.5.3 Hoher Qualitätsanspruch
Seit Mitte der 80er Jahre wandelte sich der Tourismus von einer Massenabfertigung hin zu einem individuellen, qualitätsbewussten Tourismus. Die Akzeptanz von mangelhaftem Angebot und Service durch die gut informierten Gäste nahm beständig ab. 62 Eine nahezu vollständige Information ermöglicht die Vergleichbarkeit von Angeboten; Reiseerfahrung und höhere Sensibilität für das Preis-Leistungs-Verhältnis schlagen sich in einem zunehmenden Qualitätsanspruch nieder. Die UrlauberInnen erwarten eine reibungslos funktionierende Dienstleistungskette von der Buchung über den Aufenthalt bis zur Abreise (siehe Abbildung 8). 63
(http://www.sab.ch/fileadmin/user_upload/MONTAGNA/SAB_Verlag/Tourismusgesetz.pdf, S. 41,
60 Vgl. Schuhmann, OÖN, 28.07.2007, S. 13.
61 Vgl. ebenda.
62 Vgl. OGM 2005, S. 28.
63 Vgl. Haimayer 2003, S. 4.
Arbeit zitieren:
Mag. Gudrun Starlinger, 2008, Wintertourismus im österreichischen Alpenraum - Entwicklungen, Trends und Zukunftsperspektiven unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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