Dass Arbeit in unserem Leben eine - wenn nicht sogar DIE - zentrale Rolle einnimmt, ist für die meisten von uns selbstverständlich. Allerdings sind die Bedingungen und Bedeutung von Arbeit in einem drastischen Wandel begriffen. So markiert beispielweise die in Deutschland erstmals 1911 im Rahmen der Reichsversicherungsordnung eingeführte Erwerbslosenfürsorge einen gravierenden Wendepunkt, indem Arbeit damit nicht mehr die Grundvoraussetzung für das nackte Überleben war. Des Weiteren hat in den vergangenen Jahren die Tendenz zugenommen, nicht mehr einen einzigen Beruf über das ganze Leben hinweg auszuüben. Nicht nur Arbeitsplatzwechsel, Fortbildungen oder der Schritt in die Selbstständigkeit werden immer alltäglicher, sondern auch Umschulungen, der Wechsel des ganzen Berufs oder zentraler Tätigkeiten im Laufe des Arbeitslebens sind keine Seltenheit mehr. Dadurch ergeben sich neue Anforderungen an kognitive Prozesse wie die Konstruktion des Selbstbildes und die Schaffung eines persönlichen Identifikationsrahmens in der Gesellschaft. Wenn sich ein Mensch nicht mehr für sein komplettes Dasein als Maurer, Anwalt, Lehrer oder sonstiges definieren kann, bleibt eine Lücke, die durch etwas anderes gefüllt werden muss. In dieser Lücke findet man zum Beispiel den Begriff Selbstverwirklichung, ob sie nun in der Familie, beim Sport oder in der Kunst gefunden wird.
Diese Entwicklungen weisen eher auf eine schwindende Bedeutung von Arbeit hin. Auf der anderen Seite sind jedoch Tendenzen auszumachen, die eher das Gegenteil nahelegen. So wird zum Beispiel die Trennung von Arbeits- und Lebenssphäre, die sich im Zuge der Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert vollzogen hat, teilweise wieder aufgehoben und die Arbeit in die Privatsphäre, in das „home office“ - was prinzipiell ein Oxymoron darstellt - verlagert. Zugleich befinden wir uns in einem Transformationsprozess zur „knowledge society“ oder Wissensgesellschaft. Dies erfordert unter anderem die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen - nicht mehr nur in den klassischerweise wissensintensiven Berufen. Zur normalen Arbeitsbelastung kommen damit neue Aspekte hinzu, wie eben Fortbildungen - z. B. mit Bezug auf die als immer wichtiger erachteten „soft skills“ oder Schlüsselkompetenzen - oder das für beruflichen Erfolg zunehmend als Voraussetzung gesehene Networking.
Das diesem Bericht zugrunde liegende Interview soll Einblicke darin geben, wie sich eine individuelle Person in unserer von Arbeit geprägten - wenn nicht gar definierten - Gesellschaft angesichts des
Wandels der Bedingungen und Anforderungen zurechtfindet. Dazu habe ich den nachfolgenden Frageleitfaden erstellt. Es handelt sich dabei um ein offenes, halb-standardisiertes Interview für eine qualitative Einzelfall-Erhebung.
I. K W., K 44 K Jahre, K wohnhaft K in K H., K studiert K „Management K natürlicher K Ressourcen“ K an K der xxxxxxx Universität. K Sie K lebt K in K einer K Lebenspartnerschaft K mit K einem K gutverdienenden Mediziner, mit dem sie einen Sohn im Grundschulalter hat. Aus geschiedener Ehe hat sie eine erwachsene Tochter. Ihre Lebensumstände sind eher bürgerlich-gehoben. Sie selbst bezieht außer Kindergeld keine staatlichen oder privaten Einkünfte.
Ihre Mutter hat nach dem 8.-Klasse-Schulabschluss eine Ausbildung zur Kindergärtnerin gemacht und in diesem Beruf bis 1986 gearbeitet. Danach war sie noch einige Jahre als Museumspädagogin tätig. Ihr Vater begann nach der 8. Klasse eine Ausbildung zum Stellmacher. Später absolvierte er Qualifizierungen zum Kfz-Ingenieur, Diplom-Kybernetiker und Keramikingenieur. Er war bis zur Wende als Kundendienst- und ökonomischer Leiter in verschiedenen Betrieben tätig, danach bis zur Rente als Selbstständiger bei IRIS Fliesen und Türenfein Färber.
Arbeit zitieren:
Lisa Wegener, 2008, Die Arbeitsgesellschaft im Wandel , München, GRIN Verlag GmbH
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