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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Formen der Literaturkritik in den Printmedien 4
2.1 Einleitung 4
2.2 Formen: Merkmale, Beispiele und Definitionen 5
2.2.1 Rezension 5
2.2.1.1 Anzeige 8
2.2.1.2 Referat 9
2.2.2 Essay 10
2.2.3 Interview 12
2.2.4 Portrait 14
2.3 Zusammenfassung, Fazit 16
3. Wirkung von Literaturkritik 16
3.1 Einleitung, Projektplan 16
3.2 Umfrage unter Buchhändlern 17
3.2.1 Statistik 17
3.2.2 Auswertung 18
3.2.3 Problematik 21
3.2.4 Fazit 22
4. Anhang 23
4.1 Literaturverzeichnis 23
4.2 Bildnachweise (Stand: 27. Februar 2003) 23
4.3 Artikel 24
4.4 E Mail Fragebogen 25
- 3 - 1.Einleitung
Beim neudeutschen Brainstorming-Versuch wird eines klar: Literaturkritik zieht die Begriffe Marcel Reich-Ranicki, Das literarische Quartett und Rezensionswesen nach sich. Rezensionen, das sind Buchbesprechungen, das ist bekannt. Doch welche Formen der Kritik gibt es noch, die man als Laie nicht als solche definiert? Allen voran kennt der geübte ZEIT-Leser den Essay, der STERN lädt Autoren gerne zum Interview und in der BRIGITTE machen Anzeigen in allerkürzester Form auf Neuerscheinungen aufmerksam. Fraglich sind nur die unzähligen Beiträge, die die Presseabteilung des Heyne-Verlages in einer mehr als voluminösen Mappe verschickt, wenn man nach Rezensionen des neuen Buchs von Dieter Bohlen fragt. Die Damen und Herren wollen die Kopien entweder los werden oder freuen sich hysterisch über den Erfolg des Werkes, nicht anders ist zu erklären, dass ich auf meine Anfrage hin einen 200 Seiten umfassenden Hefter erhielt - und das beidseitig bedruckt. 50 der Beiträge waren ernst zu nehmende Rezension, die wiederum das besprochene Buch nicht allzu ernst nahmen. Der Rest der Beiträge bestand aus Artikeln der Frau im Spiegel, BILD, Neue Revue oder gar unzähligen Tageszeitungen (Die Glocke, Neue Westfälische, Emder, Mindener, Lübecker Tageblatt), die zur Untersuchung nicht viel kompetentes Material lieferten und sich von Inhalt und Meinung oft entsprachen. Auch habe ich nach der Lektüre der Beilagen mehr über Dieter Bohlens Exfrauen, Gärtner oder gebrochene Körperteile erfahren als über sein Buch. Diese Erfahrung führe ich gerne als Musterbeispiel an, da nicht nur ich, sondern viele der befragten Buchhändler grübelten: Wo fängt Literaturkritik an und wo hört sie auf? Diese Frage zu klären ist allerdings nicht Aufgabe dieser Hausarbeit, doch sie soll aufzeigen, welche gedruckten Formen der Kritik es neben der Rezension noch gibt.
Die Wirkung von Literaturkritik nachzuweisen anhand von Untersuchungen oder Umfragen ist organisatorisch eigentlich kaum möglich, da belegbar sein müsste, dass der Käufer zuvor als Rezipient das Buch wahr genommen hat und darauhin in den Buchladen gegangen ist, um es zu erwerben. Natürlich sind anhand von plötzlich hoch
1 Vrgl. Reus, 65.
- 4 - schnellendenVerlaufszahlen Prognosen möglich, doch klare und vor allem fehlerfreie Antworten sind kaum zu finden.
Wie erfährt der Leser von potenziellen Bestsellern, wenn sie eben noch nicht auf Platz 1 der Bestsellerlisten liegen? Und wie erfährt man von einem Buch, dass von den Rezensenten nicht beachtet wird? Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten, heute zählt vor allem die Prominenz oder Bekanntheit des Autors. Jüngstes Beispiel ist Dieter Bohlens Autobiographie, die in Zusammenarbeit mit der BILD-Journalistin Katja Kessler entstanden ist.
Zwar haben neben unzähligen Boulevard-Magazinen auch die Feuilletons der angesehenen Zeitungen und Zeitschriften reagiert, doch weitaus nüchterner als der Rest der Medienvertreter. Wenn ein derartiger Rummel um dieses Buch gemacht wurde, warum gab es dann ebenfalls hohe Auflagen von Die Korrekturen des eher ruhigen, gemeint ist unauffälligen, Amerikaners Jonathan Franzen? Wirken hier die Lobpreisungen der Magazine und Zeitungen, die wie der SPIEGEL mehrfach über ein Comeback des Gesellschaftsromans berichteten? Die Wirkung von Literaturkritik ist bisher kaum untersucht worden in Deutschland, dies ist vielleicht ein Anfang.
2. Formen der Literaturkritik in den Printmedien
2.1 Einleitung
Zugunsten der Darstellungsformen in den Printmedien sind Artikel über Feature, Literaturstreit und mündliche Sofortkritik entfallen. Letztere sind sehr spezielle Themenbereiche, das Feature als Sendeformat von Radio und Fernsehen mit aktuellem Bezug passte ebenfalls nicht in mein Konzept, genauso wenig wie die Glosse, die heute in der Regel nicht mehr in der Literaturkritik vorkommt. Die hier aufgeführten Formen der Literaturkritik, nämlich Rezension (mit Anzeige und Referat), Essay, Interview und
2 Ursula Escherig, Empfindsame Indianer, in: Miller, Stolz, 23.
3 ebenda.
- 5 - Portrait, dürften diese zur Genüge repräsentieren. Zugunsten einer
abwechslungsreichen, unterhaltsamen Lesbarkeit und praktischen Verständlichkeit der Merkmale und Definitionen liegt zu jedem Punkt ein Beispiel vor; die in Auszügen abgedruckten Quellen finden sich als Ganzes im Anhang. Die den Artikel vorstehenden Zitate stehen für sich, sie sollen die Aktualität und Authenzität der genannten Sachverhalte oder Problemstellungen verdeutlichen und sollen für sich stehen.
2.2 Formen: Merkmale, Beispiele und Definitionen
2.2.1 Rezension
„Literaturkritiker lesen und deuten. Im einsamen Kampf mit dem Buch vertreten sie ein schweigendes Publikum, in dessen Namen sie über Glück oder Elend der Schriftsteller richten. Das zumindest ist seit zweihundert Jahren ihre immer prekäre Rolle.“ 4 Hans-Joachim Neubauer
Das Substantiv Rezension dient im geläufigen Sprachgebrauch als Oberbegriff und allgemeine Bezeichnung für jegliche Art von Literaturkritik, vor allem in schriftlicher Form in Zeitungen und Zeitschriften. Beschrieben wird es als „kritische Beurteilung dichterischer und wissenschaftlicher Werke sowie künstlerischer Leistungen“ 5 , es ist also kein speziell literarischer oder sogar literaturwissenschaftlicher Begriff. Im Allgemeinen wird die Rezension mit Literaturkritik gleich gesetzt, da es in den Medien das wohl populärste und geläufigste Mittel der Kritik darstellt - zugleich ist die Rezension die historisch ursprünglichste Form. Die im Anschluss genannten Formen der Literaturkritik sind überwiegend Entwicklungen aus der Rezension, also Kürzungen, Abwandlungen oder mediengerechte Aufarbeitungen. Im Kulturjournalismus gleich stark vertreten ist die Nachricht, z.B. in Form von Meldungen - der Rezension verwandte Artikelarten wie Porträt, aber auch Reportagen und Interviews sind weitaus schwacher in den Printmedien frequentiert 6 . Formell zeichnet sich diese Textform aus als „ein Zusammenwirken von informierenden und berichtenden, referierenden und erörternden sowie bewertenden und urteilsbegründungen Passagen in möglichst stringenter, sonst freier Abfolge“ 7 . In der Praxis finden sich klassische Rezensionen vor allem in überregionalen Tages- und Wochenzeitungen, beispielsweise genannt seien Süddeutsche Zeitung (SZ), Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), Die Zeit und die
4 Hans-Joachim Neubauer, Nachschleichende Leser, in: Norbert Miller, Dieter Stolz (Hrsg.), Positionen der Literaturkritik, Köln 2002, 20.
5 Meyers Großes Handlexikon, Leipzig 2001 21 , 731.
6 Gunter Reus, Ressort: Feuilleton - Kulturjournalismus für Massenmedien, Konstanz 1995, 30.
7 Wolfgang Albrecht, Literaturkritik, Stuttgart 2001, 52.
- 6 - FrankfurterRundschau (FR). Diese auflagenstarken Blätter genießen -neben einigen anderen- nach einer Umfrage unter Kritikern einen guten Ruf als potenzielles Medium zur Literaturvermittlung. Aus diesem Grund stützen sich Untersuchungen der Literaturkritik oftmals auf Beiträge dieser Printmedien (vrgl. Getschmann 8 ), da hier, in den großen Verlagen, die namhaften und angesehenen Kritiker schreiben (Beispiele sind Joachim Kaiser bei der SZ und Marcel Reich-Ranicki, der bis 1988 den Literaturteil der FAZ leitete und dort bis heute zuweilen tätig ist).
Als Adressaten der Rezensionen treten die Leser oder Hörer auf, die weniger eine „Tiefenanalyse“ oder „einen weiten Reflexionshorizont“ 9 erwarten, sondern vielmehr eine Entscheidungshilfe beim Buchkauf oder zur Lektüre und inhaltliche Information.
„Vielleicht wäre aber auch die Ansicht zulässig, dass Kritiken zunächst ein Mal um der Literatur willen entstehen und mit dem Blick nicht auf den Autor, sondern auf das Publikum geschrieben werden sollten. Und dass es darauf ankomme, vor allem dem Leser zu helfen[…]“ 10 Marcel Reich-Ranicki
„Die Sprachform der Rezension ist die einer kritischen Nachricht über ein literarisches Werk.“ 11 - im Gegensatz zum Essay. Unerlässlich für die Wirkung einer Rezension sind „Verständlichkeit, Konzentration, fesselnde Entwicklung der Argumente“ 12 - diese sollen für den Moment wirken und vom Leser leicht zu konsumieren sein. Neben diesen Anforderungen muss sich der Rezensent mit dem entstehenden Zeitdruck bis zur Auslieferung des besprochenen Buches an den Buchhandel auseinandersetzen, da eine Rezension in den meisten Fällen am Ausgabe-Tag erscheinen soll. Leicht kann es passieren, dass der Zeitdruck dem Beitrag anzumerken ist, beispielsweise wenn das besprochene Werk nicht allzu aufmerksam vom Rezipienten gelesen wurde und sich im Text Verständnisfehler finden. Der bei Albrecht zitierte Bodo Kirchhoff hat eine „Typologie heutiger Rezensionen“ 13 aufgestellt. Er unterscheidet zwischen folgenden Wertungsarten der Rezensenten:
1. „quasi religiöse Lobpreisung“ eines neu entdeckten Autors, der sich andere Kritiker „gern anschließen“; 2. gewöhnliches Lob;
3. Lob und Tadel vermischt in Kombination mit Selbstdarstellung des Schreibenden, laut Kirchhoff die populärste Type der Rezension;
4. gewöhnlicher Verriss (verlangt nach fundierter Argumentation;
8 Dirk Getschmann, Zwischen Mauerbau und Wiedervereinigung - Tendenzen der deutschsprachigen journalistischen Literaturkritik, Würzburg 1992.
9 Walter Hinck, Kommunikationsweisen gegenwärtiger Literaturkritik, in: Wilfried Barner (Hrsg.), Literaturkritik - Anspruch und Wirklichkeit, Stuttgart 1990, 101.
10 Marcel Reich-Ranicki, Über Literaturkritik, Stuttgart u.a. 2002, 39.
11 Vrgl. Hinck, 101.
12 ebenda.
13 Vrgl. Albrecht, 52.
- 7 - 5.gesellschaftliche Vernichtung des Autors; 6. „Polemik“.
Ein Beispiel: Kristina Maidt-Zinkes Beitrag „Hörst du die unruhige Bratsche?“ über das Buch Kreutzersonate von Margriet de Moor, erschienen am Mittwoch, 19. Februar, im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung, Nr. 41.
derangiert und hilflos über den Schlosskorridor tappen lässt. […]“
In dem blatthoch-gedruckten, einspaltigen Text fällt zunächst auf, dass eine Zusammenfassung der Geschehnisse nicht in einem Absatz dargelegt wird. Die Journalistin fächert die Handlung auf von Text-Anfang bis -Ende, um ihre Wertungen gezielt auf die zuvor berichteten Abläufe zu beziehen und einzufügen. Maidt-Zinke bewertet unter anderem den Erzählton („selbstverständliche Eleganz“), Textkomposition („Raffinement“) und -Stil sowie Erzähltalent (sie verstehe sich besser „auf das Knüpfen feiner Verrätselungsnetze“), Spannungsbogen - oder besser Spannungsgestaltung - („aber der Leser spürt bereits eine gewisse Erschöpfung“) und Ausarbeitung der Charaktere („enttäuscht“). Positiv fällt auf, dass der Buchtitel als Name eines Streichquartetts erklärt wird. Es werden an zwei Stellen Parallelen gezogen zu dem russischen Dichter Lew (Leo) Tolstoi, allerdings nicht in Bezug auf die Textqualität. Der Artikel von Kristina Maidt-Zinke umfasst geschätzte 140 Zeitungszeilen, insgesamt etwa 4200 Zeichen. In Hinsicht auf die Typologie von Kirchhoff liegt hier eine Vermischung von Lob und Tadel vor.
Arbeit zitieren:
Kristine Greßhöner, 2003, Literaturkritik in Deutschland - Darstellungsformen und Wirkung, München, GRIN Verlag GmbH
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