Danksagung
Mein besonderer Dank gilt Buchberger Hermine, Irndorfer Anna, Hackl Joachim und Gstöttner Klaus für ihre Unterstützung bei der Erstellung dieser Diplomarbeit.
Geschlechtergerechte Sprache
Die Diplomarbeit wurde unter Berücksichtigung des „Leitfadens zu einer geschlechtergerechten Sprache“, herausgegeben von der Stabsabteilung für Frauenförderung der Johannes Kepler Universität Linz, verfasst. Da im Übergangsbereich vom Nachwuchs-/ Amateurfußball zum Profibereich ausschließlich Männer sportlich aktiv sind, wurde immer dann, wenn es sich um Fußballer handelt auf eine geschlechtergerechte Formulierung verzichtet. Insbesondere gilt dies für die Kapitel: 5. Anreizsysteme im Profifußball 9. Hypothesen
Ist im Allgemeinen von SportlerInnen die Rede, oder beziehen sich die Aussagen auf FunktionärInnen oder ehrenamtliche MitarbeiterInnen wurde selbstverständlich auf eine neutrale oder geschlechtergerechte Sprache geachtet.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung und Problemstellung 8
Zielsetzung der Diplomarbeit 10
Gliederung 11
I. Theoretischer Teil 12
Einleitung 13
1. Motivation 13
1.1. Definitionen. 13
1.2. Arten der Motivation 14
1.3. Motivationstheorien. 15
1.3.1. Inhaltstheorien 15
1.3.1.1. Bedürfnispyramide von Maslow 15
1.3.1.2. Zwei-Faktorentheorie von Herzberg 16
1.3.2. Prozesstheorien. 18
1.3.3. Aktuelle Ansätze und Theorien der Motivationsforschung. 18
Beispiel : The High Performance Cycle 19
2. Leistungsmotivation. 20
2.1. Definition. 20
2.2. Inhalt. 21
2.3. Leistungsmotivation und Sport. 23
2.4. Leistungsmotivation und Gesellschaft. 24
2.5. Leistungsmotivation und Führung. 25
3. Macht. 26
3.1. Ausdrucksmittel der Macht 26
3.1.1. Aggression. 26
3.1.2. Einflussreiche Berufe 27
3.1.3. Anstreben von Anerkennung in Kleingruppen. 27
3.1.4. Streben nach sozialem Status und Prestige. 28
3.2. Macht als Motiv. 29
3.3. Macht und Gesellschaft 29
3.4. Machtmissbrauch. 31
4
4. Anreizsysteme 32
4.1. Anforderungen an Anreizsysteme 33
4.2. Anreizsystem-Modelle 33
4.2.1. Mechanistische Anreizsysteme. 33
4.2.2. Ökonomische Anreizsysteme 34
4.2.3. Verhaltenswissenschaftliche Anreizsysteme. 34
4.3. Anreizsysteme und Menschenbilder. 35
4.4. Anreizsysteme und Motivation. 36
5. Anreizsysteme im Profifußball 37
5.1. Besonderheiten der Berufsgruppe Profifußballer 37
5.1.1. Arbeitsinhalt 37
5.1.2. Medien. 38
5.1.3. Entlohnung 39
5.1.4. Spielertypen. 39
5.1.4.1. Führungsspieler 39
5.1.4.2. Nachwuchsspieler. 40
5.1.4.3. Arbeiter. 40
5.1.4.4. Söldner. 41
5.1.4.5. Ausländische Spieler 41
5.1.4.6. Existenzgründer 42
5.2. Anreize im Profifußball und gehobenen Amateurfußball 42
5.2.1. Materielle Anreize 42
5.2.1.1. Handgeld. 43
5.2.1.2. Grundlohn. 43
5.2.1.3. Prämien. 44
5.2.1.4. Sachleistungen 45
5.2.1.5. Exkurs: Rechtliche Rahmenbedingungen Sozialversicherung und
die Praxis 45
5.2.2. Immaterielle Anreize 46
5.2.2.1. Status 46
5.2.2.2. Erfolg 48
5.2.2.3. Verein 49
5.2.2.4. Mannschaft 50
5.3. Zusammenhang zwischen intrinsischer Motivation und Leistung 52
5
6. Zusammenfassung. 54
II. Deskriptiver Teil. 56
7. Fußball in Österreich. 57
7.1. Struktur des Österreichischen Fußballs 57
7.1.1. Der Österreichische Fußballbund (ÖFB) 57
7.1.2. Die Fußball Bundesliga 58
7.1.3. „Österreich am Ball“ 60
7.2. Organisation des Spielbetriebs 61
7.3. Die Bedeutung des Ehrenamtes im Österreichischen Fußball. 62
7.4. Mäzenatentum 63
7.5. Das Bosman Urteil und die Konsequenzen für den Fußball 64
III. Empirischer Teil 67
8. Qualitative Forschung 68
8.1. Interviews und Auswertung. 68
8.2. Interviewleitfaden. 70
8.3. Selbstreflexion 72
9. Hypothesen. 73
9.1. Hypothese 1 73
9.1.1. Belege im Transkript 73
9.1.2. Theorievergleich. 74
9.1.3. Persönliche Meinung/ Diskussion 76
9.2. Hypothese 2 78
9.2.1. Belege im Transkript 78
9.2.2. Theorievergleich. 79
9.2.3. Persönliche Meinung/ Diskussion 80
9.3. Hypothese 3 81
9.3.1. Belege im Transkript 81
9.3.2. Theorievergleich. 83
9.3.3. Persönliche Meinung/ Diskussion 85
6
9.4. Hypothese 4 86
9.4.1. Belege im Transkript 86
9.4.2. Theorievergleich. 88
9.4.3. Persönliche Meinung/ Diskussion 90
9.5. Hypothese 5 92
9.5.1. Belege im Transkript 92
9.5.2. Theorievergleich. 96
9.5.3. Persönliche Meinung/ Diskussion 96
9.6. Hypothese 6 98
9.6.1. Belege im Transkript 98
9.6.2. Theorievergleich. 101
9.6.3. Persönliche Meinung/ Diskussion 101
10. Fazit 103
Literaturverzeichnis 105
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Ländervergleich der Nationalmannschaften, FIFA Ranking 8
Abbildung 2: Vergleich U21-Nationalteam mit dem A-Nationalteam 9
Abbildung 3: Maslowsche Bedürfnispyramide. 16
Abbildung 4: Motivatoren und Hygienefaktoren. 17
Abbildung 5: Klassische und neuere Prozesstheorien der Motivation. 18
Abbildung 6: The High Performance Cycle 20
Abbildung 7: Leistungsmotiviertes Verhalten als Funktion aus Personen
und Situationsvariablen 22
Abbildung 8: Anreizsystem Modelle 35
Abbildung 9: Prämienarten 44
Abbildung 10: Determinanten der individuellen Leistungserbringung 53
Abbildung 11: Organisation des Spielbetriebs in Österreich. 61
7
Einleitung und Problemstellung
Einen Monat vor der Fußball Europameisterschaft, die 2008 gemeinsam von der Schweiz und Österreich ausgetragen wird, befindet sich der österreichische Fußball in der Krise.
Ein Vergleich der Nationalmannschaften demographisch und wirtschaftlich mit Österreich vergleichbarer Länder zeigt, dass Österreich weit abgeschlagen hinter diesen Nationen platziert ist.
Aufgrund der Tatsache, dass sowohl Österreich als auch die Schweiz als Veranstalter automatisch qualifiziert sind, wurden nur Freundschaftsspiele, jedoch keine Qualifikationsspiele absolviert. Da Freundschaftsspiele weniger stark als Qualifikationsspiele gewichtet werden, kann der Abfall der beiden Nationen innerhalb der letzen zwei Jahre gegenüber anderen Nationen teilweise erklärt werden. 1 Nichts desto trotz rangiert Österreich mittlerweile nicht mehr unter den Top 100 Mannschaften, während die Schweiz immerhin noch zu den besten 50 Mannschaften der Welt zählt.
Abbildung 1: Ländervergleich der Nationalmannschaften, FIFA Ranking 2
1 Felder et al. (2005), S110
2 http://de.fifa.com/worldfootball/ranking/compare/compareteams.htm (18/04/2008)
Darüber hinaus ist aufgrund der Niederlagenserie in den Testspielen der letzen zwei Jahre trotz des freundschaftlichen Charakters solcher Wettkämpfe zu bezweifeln, dass bei regulären Qualifikationsspielen entsprechende Erfolge, die zur Besserstellung in der Fifa Weltrangliste führen würden, erzielt worden wären.
Ein ähnlich düsteres Bild zeichnet sich bei der Rangliste des europäischen Klubfußballs wieder: So liegen in diesem, auf Ergebnissen im Europapokalspielen seit 1995 basierenden Ranking mit Austria Magna Wien auf Platz 68, Red Bull Salzburg Rang 112 und Rapid Wien Rang 142 weit hinter Teams aus vergleichbaren Nationen. 3 Betrachtet man allerdings die Ergebnisse der Nachwuchsnationalmannschaften zeigt sich ein ganz anderes Bild. So ist seit 1996 eine deutliche Aufwärtsentwicklung der U21 Mannschaft zu beobachten, die ihren vorläufigen Höhepunkt mit einem 4. Platz bei der 2007 stattgefundenen U21 Weltmeisterschaft erreichte.
Ein Vergleich der Erfolge der Nationalmannschaft mit der U21 Nationalmannschaft auf Basis logarithmischer Funktionen zeigt einen Aufwärtstrend des U21 Teams bei einem ungebrochenen Abwärtstrend der Nationalmannschaft.
Abbildung 2: Vergleich U21-Nationalteam mit dem A-Nationalteam 4
3 http://www.eurotopfoot.com/clubde2.php3 (18/04/2008)
4 Felder et al. (2005), S78
Obwohl der Nachwuchs offensichtlich eine gute Qualität aufweist, können ähnliche Leistungen in den Profifußball scheinbar nicht übertragen werden, was den Schluss zulässt, dass ein massives Problem des Österreichischen Fußballs im Übergangsbereich vom Nachwuchs- Amateurfußball zum Profifußball vorliegt. 5
Hand in Hand mit dem sportlichen Abstieg ging der wirtschaftliche Ruin etlicher Profi -und Amateurmannschaften in den letzten zehn Jahren. Konkursanträge, Ausgleichsverfahren und finanziell bedingte Fusionen oder Lizenzverkäufe sind an der Tagesordnung 6 . Daten über Amateurvereine sind kaum vorhanden, doch lässt an den Umständen der Pleite des ASK Salzburg erahnen, dass es sich hierbei nur um die Spitze eines Eisbergs handelt. 7
Unzählige organisationale und wirtschaftliche Reformen wie die Umstrukturierung der Ligen inklusive Auf- und Abstiegsmodalitäten, die Einführung von Quotenregelungen zur Förderung von einheimischen Talenten oder die Verschärfung von Lizenzierungsbestimmungen, von der man sich mehr Transparenz bezüglich der Wirtschaftsdaten erhoffte, brachten bis jetzt nicht den erhofften Erfolg. Was also sind die Ursachen für die Krise des österreichischen Fußballs?
Zielsetzung der Diplomarbeit
Auf Basis der im theoretischen Teil behandelten Motivations- und Anreizsysteme im Allgemeinen und der Frage nach Motiven und Anreizsystemen im gehobenen Amateurfußball und im Profifußball im Speziellen sollen anhand qualitativer Interviews Hypothesen bezüglich folgender grundlegender Forschungsfrage gebildet und diskutiert werden:
Welche Faktoren haben einen negativen Einfluss auf die Motivation der Spieler im Übergangsbereich vom Nachwuchs- Amateurfußball zum Profifußball und damit auf ihr Leistungsniveau?
5 Felder et al. (2005), S79
6 NÖ Nachrichten: Fenz, Bernhard “Zeitaufschub nutzen”, Printausgabe (02/11/2007)
7 http://oesterreich.orf.at/salzburg/stories/99374/ (04/04/2008)
Gliederung
Die Diplomarbeit gliedert sich in folgende drei Teile:
• Theoretischer Teil
In diesem Part sollen die theoretischen Grundlagen sowohl der traditionellen Motivations- und Anreiztheorien überblicksmäßig dargestellt werden. Darüber hinaus wird auf die Besonderheiten motivationaler Einflüsse und Anreizsystemen im Fußball, speziell des bezahlten Fußballs, eingegangen. Gemeinsam mit dem deskriptiven Teil soll der theoretische Teil eine Ausgangsbasis für den empirischen Teil bilden.
• Deskriptiver Teil
Dieser relativ kurz gehaltene Abschnitt dient einerseits zur Darstellung des organisationalen Aufbaus und der Struktur des österreichischen Fußballs und soll andererseits zum Verständnis für die Bedeutung des Ehrenamtes und des Mäzenatentums beitragen.
Darüber hinaus wird der Fokus auf das sogenannte Bosman-Urteil und auf die Konsequenzen für den bezahlten Fußball in der Europäischen Union gerichtet.
• Empirischer Teil
Der empirische Teil besteht aus sechs qualitativen Interviews, die nach der Methode nach Mayring ausgewertet wurden und auf deren Basis sechs Hypothesen gebildet wurden. Diese Hypothesen wurden in weiterer Folge mit den Ergebnissen des theoretischen und des deskriptiven Teils verglichen und einer kritischen Betrachtung unterzogen.
Weiters beinhaltet dieser Abschnitt eine Selbstreflexion und eine Begründung, warum die Wahl des Konzepts auf die qualitative und nicht auf die quantitative Forschungsmethode fiel.
Einleitung
Der moderne Fußball weist einige bemerkenswerte Besonderheiten auf, wie z.B. der Stellenwert in der Gesellschaft, die mediale Aufbereitung, die vergleichsweise kurze Berufsphase der Akteure, die Transferregelungen, die Diskrepanz zwischen Einzel/Team- und Vereinsinteressen usw. auf die teils nur am Rand eingegangen werden kann oder gänzlich darauf verzichtet werden muss, da eine ausführliche Betrachtung den Rahmen der Arbeit sprengen würde.
Um eine optimale theoretische Grundlage für die Diskussion der Hypothesen im empirischen Teil der Diplomarbeit gewährleisten zu können, wird der Fokus des theoretischen wissenschaftlichen Teils auf die Bereiche Motivation und Anreizsysteme gelegt.
1. Motivation
1.1. Definitionen
Die Definitionen von Motivation sind ebenso mannigfaltig wie die Zugänge der Forschung zu diesem Thema. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, sich dem Begriff an sich zuzuwenden. Das Wort Motivation kommt aus dem Lateinischen. „In movitum ire“ bedeutet „in das einsteigen, was (den Menschen) bewegt“. 8 Obwohl also grundsätzlich die Ursache des menschlichen Handels im Vordergrund steht („Was bewegt“?), lässt sich diese Definition auf zwei Arten interpretieren: Einerseits ist es die Frage nach dem „Warum“ Menschen handeln, oder auch die Frage nach dem „Wie“ lassen sich Menschen zu Handlungen bewegen. Es wird klar, dass hier bereits eine Trennung in Eigensteuerung (Motivation) und Fremdsteuerung (Motivierung) erfolgt. Motivation verhält sich zur Motivierung wie das Warum zum Wie. 9
8 Sprenger/Plassman (2005), S21ff
9 Ebenda: S21ff
Eine weitere Definition ergibt sich aus der Betrachtung der Motive: Motive sind isolierte Verhaltensbereitschaften einer Person und erklären Richtung, Intensität und Form menschlicher Verhaltensweisen. 10
Von Motivation kann dann gesprochen werden, wenn mehrere Motive eines Individuums gleichzeitig aktiviert werden. Da meistens Motive nicht einzeln aktiviert werden, ist es die Motivation, mit deren Hilfe das Verhalten eines Individuums erklärt wird. 11
1.2. Arten der Motivation
Eine geläufige Unterscheidung der Motive ist diejenige in primäre und sekundäre Motive oder in intrinsische und extrinsische Motive.
Primäre Motive sind physiologische Motive von denen sich die gelernten, sekundären Motive ableiten. Veranschaulicht wird dieser Zusammenhang durch den „pawlowschen Hund“, einem Experiment bei dem sich das primäre Motiv durch den Speichelfluss des Hundes beim Anblick des Futters zeigt. Wird nun das Futter über einen längeren Zeitraum zeitgleich mit einem akustischen Signal verabreicht, lernt der Hund den Zusammenhang zwischen akustischem Signal und Futter. In Folge genügt das Ertönen des akustischen Signals ohne Futterabgabe um den Speichelfluss des Hundes auszulösen. 12
Der „Ort des Entstehens“ des Motivs ist das entscheidende Kriterium bei der Unterscheidung in intrinsische (von Innen) und extrinsische (von Außen) Motive. Intrinsische Motivation bedeutet, dass Individuen eine Aktivität um ihrer selbst Willen unternehmen, aus Gründen, welche im Inneren des Individuums liegen und Freude bereiten. 13
10 Lomberg (2007), S18
11 Raab/Unger (2005), S201ff
12 Bateson in Ricken (2006), S100
13 DeCharms in Ursin (2006), S142; Deci (1970), 105ff
Extrinsische Motive können nur durch die Folgen einer Betätigung befriedigt werden. Als extrinsische Motive können daher Geld, Sicherheit oder Prestige angesehen werden. 14
1.3. Motivationstheorien
Grundsätzlich gibt es in der Fachliteratur kein einheitliches Schema zur Gliederung oder Klassifikation der Motivationstheorien. Dennoch können die Theorien grundsätzlich in Prozess- und Inhaltstheorien unterteilt werden.
1.3.1. Inhaltstheorien
Inhaltstheorien gehen der Frage der Entwicklung der Motive und deren Inhalten nach. 15 Da allerdings Situationsreize nicht berücksichtigt werden und nur die Motive der Individuen betrachtet werden, können sie Entstehung von Motivation nicht erklären. 16
1.3.1.1. Bedürfnispyramide von Maslow
Der amerikanische Psychologe Abraham Maslow versuchte in den 40er Jahren ein Modell zu entwickeln, das den Bedürfniswandel erklärt. In seiner Bedürfnispyramide sind die grundlegenden Bedürfnisse (physiologische Bedürfnisse,
Sicherheitsbedürfnisse, soziale Bedürfnisse, Wertschätzungs- oder Ich Bedürfnisse, Selbstverwirklichungsbedürfnisse) hierarchisch angeordnet. Erst wenn ein Bedürfnis befriedigt ist, strebt das Individuum der Befriedigung des nächst höheren Bedürfnisses zu. 17
Entscheidend bei dieser Theorie ist, dass für das Individuum die Befriedigung der ersten Stufe von größter Bedeutung ist. Tritt die Sättigung einer Stufe ein, verlangt die nächste Stufe nach Befriedigung. Dieser Prozess setzt sich solange fort, bis man bei der höchsten Stufe angelangt ist. 18
14 Withauer (1989), S43
15 Staehle (1999), S221
16 Rosenstiel (2002), S48f
17 Hungenberg/Wulf (2005), S279
18 Staehle (1999), S222
Aufgrund der hierarchisch angeordneten Bedürfnisse, ist es laut dieser Theorie beispielsweise unwahrscheinlich, dass eine Person nach Selbstverwirklichung strebt, wenn er zur gleichen Zeit mit der Kündigung durch seinen Arbeitgeber rechnen muss. Vorrangiges Ziel wäre in diesem Fall die Absicherungen des Arbeitsplatzes.
Alderfer modifizierte die Maslowsche Bedürfnispyramide in seiner ERG Theorie (Existence, Relatedness, Growth) und reagiert auf die Kritik an diesem Modell, wonach Bedürfnisse nicht immer vorrangig befriedigt werden müssen, 20 indem er Relationen zwischen Bedürfnissen erstellte.
1.3.1.2. Zwei-Faktorentheorie von Herzberg 21
Herzbergs Theorie basiert auf einer Studie, in dessen Verlauf ArbeiterInnen Situationen angeben mussten, in denen sie ihre Arbeit als gut oder schlecht zu beurteilen hatten. Aus diesen Ergebnissen schloss er, dass es zwei Arten von Faktoren gibt, die, die Motivation beeinflussen und unterschiedlich auf die Arbeitszufriedenheit wirken.
19 http://www.business-wissen.de/organisation/organisationsentwicklung (25/02/2008)
20 Spelsiek (2005), S60
21 Herzberg (1971), S71ff
Hygienefaktoren: Diese können zwar im besten Fall Nicht-Unzufriedenheit herbeiführen, aber nie zur Zufriedenheit führen. Hygienefaktoren sind meist die Rahmenbedingungen wie z.B. Entlohnung.
Motivatoren: Motivatoren können Zufriedenheit herbeiführen. Das Gegenteil der Motivatoren ist laut Herzberg aber nicht Unzufriedenheit, sondern Nicht-Zufriedenheit. Beispiele für Motivatoren sind Leistung, Anerkennung oder Verantwortung. Darüber hinaus zeigte sich auch, dass die einzelnen Faktoren einen unterschiedlichen Einfluss auf die Dauer der Verhaltensänderung der ArbeiterInnen haben. Während Hygienefaktoren lediglich kurzfristig auf die Arbeitseinstellung wirken, beeinflussen Motivatoren, speziell Erfolgserlebnisse und Anerkennung eine langfristige Änderung der Arbeitseinstellung.
22 http://www.economics.phil.uni-erlangen.de/bwl/lehrbuch/hst_kap4/motfuehr/Image391.jpg, (25/01/2008)
1.3.2. Prozesstheorien
Prozesstheorien beschäftigen sich weniger mit den Inhalten, als vielmehr mit den Entstehungsprozessen von Motiven. Diese Prozesse stehen zwischen dem Motiv und dem Handeln und beschreiben den Entscheidungsprozess. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich ein Individuum für ein bestimmtes Handeln entscheidet. 23 Unterteilt werden die Prozesstheorien in die klassischen und die neuere Prozesstheorien. Klassische Prozesstheorien versuchen die Richtung, Dauer und Intensität eines Verhaltens durch Motivationsprozesse zu erklären. Die neueren Prozesstheorien bauen auf die Klassischen auf und erweitern diese um weitere Problemfelder. 24
Abbildung 5: Klassische und neuere Prozesstheorien der Motivation 25
1.3.3. Aktuelle Ansätze und Theorien der Motivationsforschung
Die große Zahl an bereits existierenden Motivationstheorien veranlasste Latham/ Locke 26 sich weniger der Bildung einer neuen Theorie zu widmen, als sich vielmehr näher mit den Prozessen und Methoden der Motivationsforschung auseinander zu setzen.
Durch die Richtung der Aufmerksamkeit auf die Metatheorie sollte die Grundlage für neue, zuverlässigere und vor allem anwendbare Motivationstheorien gelegt werden. Ergebnis der Forschung waren sechs Anhaltspunkte, unter deren Blickwinkel ihrer Meinung nach zukünftige Motivationsforschung betrieben werden soll:
23 Franken (2004), S100
24 Spelsiek (2005), S66
25 Ebenda: S66
26 Latham/Locke (2004), S388ff
1) Verwendung von Ergebnissen vorhandener Meta-Analysen, um gültige Aspekte von vorhandenen Theorien zu integrieren. 2) Schaffung einer unbegrenzten Wissenschaft der Arbeitsmotivation 3) Untersuchung der Wechselbeziehungen zwischen allgemeinen und speziellen Variablen.
4) Erforschung der unbewussten und bewussten Motivation. 5) Ausführliche Verwendung der Selbstbeobachtung als eine Methode zur Erforschung und zum Verstehen von Motivation.
6) Fokussierung auf die Rolle des Willens oder des Entschlusses, der einer menschlichen Handlung vorausgeht.
Ausgehend von diesen sechs Vorschlägen schlagen sie auch neue Forschungsfelder vor, die bisher nur am Rande oder gar nicht Teil der Wissenschaft waren: Zeithorizont: Frage, wie Menschen kurzfristige und langfristige Handlungen und Entscheidungen und die daraus resultierenden Ergebnisse gegeneinander abwägen. Prioritätensetzung: Warum genießen manche Entscheidungen eine höhere Priorität als andere.
Präzisierung von Definitionen: Neudefinierung und Präzisierung von Termen, die in der Forschung verwendet werden. Angeregt wird die Erstellung eines „Standardwerks“ das eine gemeinsame Grundlage für zukünftige Forschungen bietet. Beispiel: The High Performance Cycle 27
Latham/Locke gelang es mit ihrem integrativem Modell, dem „High Performance Cycle“, aufbauend auf der Zielsetzungstheorie (goal-setting-theorie) verschiedene Motivationstheorien miteinander zu einem komplexeren und allumfassenderen Modell zu verbinden.
Die entscheidende Frage im High Performance Cycle ist, welche Konsequenzen es hat, wenn Mitarbeiter zufrieden oder unzufrieden sind. Entgegen früheren Annahmen gibt es
27 Locke/Latham (1990), S3ff
im High Performance Cycle allerdings keine direkte Verbindung zwischen Zufriedenheit und Leistung. Dem Modell zufolge ist Zufriedenheit das Ergebnis von Leistung und nicht umgekehrt.
Eine hohe Zufriedenheit beeinflusst nur indirekt die Leistung und zwar über eine höhere Bindung des Mitarbeiters an die Organisation, mit der eine höhere Akzeptanz der vorgegebenen Ziele verbunden ist. Das Resultat des Zusammenspiels von Zielvorgabe und den Moderatoren und Mediatoren ist schlussendlich die Leistungsabgabe. Ist dieses Ziel allerdings zu niedrig gesetzt, wird selbst bei hoher Zufriedenheit die Leistung ebenfalls eher niedrig sein.
Abbildung 6: The High Performance Cycle 28
2. Leistungsmotivation
2.1. Definition
Bohnen definiert Leistungsmotivation als das „in unterschiedlichem Maße ausgeprägte Bedürfnis eines Menschen, etwas zu vollbringen, was nach anerkannten Bewertungsmaßstäben eine besondere Leistung darstellt, z.B. ein glänzendes Examen
28 Locke/Latham (1990), S4
zu machen, als Sportler ein überdurchschnittliches Ergebnis zu erzielen, ein großer Erfinder zu werden usw.“ 29
Nach Heckhausen ist die Leistungsmotivation „das Bestreben, die eigene Tüchtigkeit in all jenen Tätigkeiten zu steigern oder hoch zu halten, in denen man einen Gütemaßstab für verbindlich hält und deren Ausführung deshalb gelingen oder misslingen kann“ 30
2.2. Inhalt
Die Theorien der Leistungsmotivation gehen im Wesentlichen folgenden zwei Fragen nach:
• Wie generell (d.h. situationsübergreifend) ist das Leistungsmotiv?
• Die Frage nach der Stabilität oder relativen Stabilität dieser Disposition Da beide Fragen noch nicht ausreichend beantwortet wurden, nimmt man an, dass Individuen unterschiedliche Leistungsbedürfnisse haben oder dass diese Bedürfnisse sich in unterschiedlichen Situationen äußern. 31
Die wahrscheinlich prominenteste Theorie der Leistungsmotivation ist das Risiko-Wahl-Modell von Atkinson. Für ihn bedeutet leistungsorientiertes Handeln der Vergleich mit einem Gütemaßstab, an dem der Erfolg oder Misserfolg gemessen werden kann. Hinzu kommt, dass mit dem eintretenden Erfolg oder Misserfolg ein Gefühl verbunden wird, das Stolz oder ein Schamgefühl sein kann. 32 Der Gütemaßstab kann einerseits eine Anforderung von Außen (z.B. Test) oder andererseits von Innen sein. Handelt es sich um eine innere Anforderung spricht Atkinson vom Anspruchsniveau, das die gewählte Aufgabenschwierigkeit bestimmt, welche das Individuum wählt. 33
29 Bohnen (1975), S139
30 Heckhausen (1965), S604
31 Weiner (1988), S150f
32 Schlag (1995), S76
33 Atkinson (1966), S262ff
Leistungsorientiertes Handeln ist die Funktion aus zwei Personenvariablen (Erfolgsmotiv, Misserfolgsmotiv) und zwei Situationsvariablen (Erwartung und Anreize von Erfolg/ Misserfolg). 34 Somit ist es entweder die Furcht vor Misserfolg oder die Erwartung des Erfolgs, die ein Individuum zum Handeln bewegt.
Abbildung 7: Leistungsmotiviertes Verhalten als Funktion aus Personen und Situationsvariablen 35
In einer Formel 36 ausgedrückt stellt sich das Modell folgendermaßen dar: Leistungsmotivation = Motiv x Anreiz x Erfolgswahrscheinlichkeit Wobei:
Motiv = Hoffnung auf Erfolg - Furcht vor Misserfolg
Die Theorie sagt voraus, dass Erfolgssucher Aufgaben mittleren Schwierigkeitsgrades bevorzugen, diese auch trotz eventueller Rückschläge weiterverfolgen und bei Bewältigung der Aufgabe bessere Leistungen erbringen als Misserfolgsvermeider. Diese wählen sehr leichte oder sehr schwierige Aufgaben, die sie ganz sicher oder unmöglich erreichen können. 37
34 Kühn et al. (2006), S158
35 Ebenda: S159
36 Atkinson (1966), S261ff
37 Ebenda: S261ff
Arbeit zitieren:
Magister Karl Irndorfer, 2008, Motivation und Anreizsysteme - Probleme des Österreichischen Fußballs im Übergangsbereich vom Nachwuchs- und Amateurfußball zum Profibereich, München, GRIN Verlag GmbH
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