Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung
- 3 -
2. Hauptteil
- 3 -
2.1 Die grundlegende Zerfallenheit des erkennenden
- 3 -
Bewu ßtseins
2.2 Der Satz vom Grunde
- 4 -
Das menschliche Erkenntnisvermögen
2.3 - 5 -
2.4 Die vier Klassen von Vorstellungen
- 6 -
2.4.1 Die anschaulichen, vollständigen, empirischen
- 6 -
Vorstellungen
2.4.2 Die abstrakten Vorstellungen
- 9 -
2.4.3 Die reinen Vorstellungen
- 11 -
2.4.4 Das Subjekt des Wollens
- 12 -
3. Schluß
- 14 -
4. Literaturverzeichnis
- 15 -
2
1. Einleitung
„ >>Die Welt ist meine Vorstellung<< - ist ... ein Satz, den jeder als wahr erkennen muß, sobald er ihn versteht; wenn gleich nicht ein solcher, den jeder versteht, sobald er ihn hört.“ 1
In der Hoffnung diesen Satz nicht nur vernommen, sondern auch verstanden zu haben, möchte ich in vorliegender Hausarbeit versuchen, den Begriff der Vorstellung bei Arthur Schopenhauer näher darzulegen, wobei ich mich hauptsächlich auf Schopenhauers, erstmals im Jahre 1813 erschienene Dissertationsschrift „Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde“ (in den Fußnoten von mir mit „Satz vom Grund“ abgekürzt) stützen werde, welche in Schopenhauers eigenen Worten „...nachmals der Unterbau (seines) ganzen Systems geworden (ist) “ 2 , und ohne dessen Bekanntschaft, so Schopenhauer in seinem Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“, das eigentliche Verständnis seiner Philosophie ganz und gar nicht möglich sei.
Ausgehend von einigen grundlegenden Erläuterungen zur Philosophie Schopenhauers, speziell das menschliche Erkenntnisvermögen betreffend, werden im Anschluß daran die vier von Schopenhauer unterschiedenen Klassen von Vorstellungen näher ausgeführt, um schließlich im Schlußteil nochmals einen zusammenfassenden Überblick über Schopenhauers „Welt der Vorstellungen“ zu geben.
2. Hauptteil
2.1 Die grundlegende Zerfallenheit des erkennenden Bewußtseins
Jede Erkenntnis, so Schopenhauer, setzt unumgänglich Subjekt und Objekt voraus. Es gibt kein erkanntes Objekt ohne entsprechendes Subjekt, wie auch umgekehrt kein erkennendes Subjekt ohne entsprechend erkanntes Objekt. Jede von beiden Hälften hat nur durch und für die andere Bedeutung, ist mit ihr da, und verschwindet auch sofort mit ihr. Es darf zwischen ihnen kein Ursache-Wirkungszusammenhang angenommen werden, das Objekt ist also weder Folge des Subjekts, noch umgekehrt das Subjekt Folge des Objekts, beide bedingen und setzen sich vielmehr gegenseitig. Diese Zerfallenheit aller Erkenntnis in erkennendes Subjekt und erkanntes Objekt ist die grundlegendste, a priorische, d.h. vor aller Erfahrung gültige Wahrheit, die Form, der alles Erkennen unterliegt, und durch welche jegliche Art von Vorstellung überhaupt erst möglich und denkbar ist.
1 Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung II, S. 11.
2 Schopenhauer, Satz vom Grund, S. 151.
3
„Dasjenige, was Alles erkennt, und von Keinem erkannt wird, ist das Subjekt.“ 3 Dieses ist für Schopenhauer somit der „...Träger der Welt...“ 4 , die „...stets vorausgesetzte Bedingung alles Erscheinenden, alles Objekts...“ 5 . Letzteres ist also nur in der Weise gegeben, wie es durch das Subjekt bedingt ist, ist erkanntes Objekt nur in Beziehung auf das erkennende Subjekt, und „...unausweichbar mit diesem Bedingtsein durch das Subjekt behaftet...“ 6 . Alles Erscheinende, alles, was nur immer da ist, ist also nur für das Subjekt da, ist, in Schopenhauers Worten, Vorstellung eines erkennenden Subjekts. Objekt sein und Vorstellung sein sind für Schopenhauer also ein und dasselbe: „Alle unsere Vorstellungen sind Objekte des Subjekts, und alle Objekte des Subjekts sind unsere Vorstellungen.“ 7
2.2 Der Satz vom Grunde
Alle diese Vorstellungen sind nun nach Schopenhauer a priori, vor aller Erfahrung, untereinander in einer gesetzmäßigen Form miteinander verbunden, so daß nichts für sich bestehendes, von anderem unabhängiges für den Menschen Objekt werden kann.
Diese Form aller Objekte, das heißt die allgemeine Erscheinungsweise aller Objekte, durch welche all diese in einer notwendigen Beziehung zueinander stehen, so „...daß das ganze Dasein aller Objekte, sofern sie Objekte, Vorstellungen und nichts anderes sind, ganz und gar zurückläuft auf jene ihre notwendige Beziehung zueinander, nur in solcher besteht, also gänzlich relativ ist...“ 8 , bildet für Schopenhauer der Satz vom zureichenden Grunde, einer der vier Hauptgrundsätze der klassischen formalen Logik, welchen er in der Formel des Philosophen Christian Wolff zitiert: „Nichts ist ohne Grund warum es sei.“ 9
Der Satz vom Grunde ist für Schopenhauer der „...Ur-Grundsatz aller Erkenntnis...“ 10 . Er ist Ausdruck der im Innersten unseres Erkenntnisvermögens liegenden Grundform, durch welche alles, was irgend für den Menschen Objekt werden kann, alle seine Vorstellungen, a priori, vor aller Erfahrung un-tereinander verknüpft sind, wenn er sich dabei auch in jeweils anderem Ge-wand zeigt, und der als Bedingung und Form alles Denkens und Erkennens
3 Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung I, S. 31.
4 Ebd.
5 Ebd.
6 Schopenhauer, a.a.O., S. 29.
7 Schopenhauer, Satz vom Grund, S. 179.
8 Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung I, S. 32.
9 Schopenhauer, Satz vom Grund, S. 162.
10 Schopenhauer, a.a.O., S. 163.
4
nicht selbst wiederum beweisbar, also nicht selbst wiederum auf einen Grund zurückgeführt werden kann.
In diesen einen Satz fließen für Schopenhauer die von Kant aufgestellten, im Bewußtsein liegenden a priorischen Formen der Objekte, Raum und Zeit, und dessen Lehre von der transzendentalen Logik, welche Schopenhauer auf die eine, a priorische Verstandesform der Kausalität zurückführt, zusammen: er entspringt nach Schopenhauer aus der Wurzel des Seinsgrundes, welcher auf die Anschauungsformen von Raum und Zeit zurückgeht, aus dem Realgrund oder dem Gesetz der Kausalität, welches sich auf Veränderungen „realer“ Objekte, aus dem Erkenntnisgrund, welcher sich auf Urteile bezieht, und schließlich aus dem Gesetz der Motivation. Näheres hierzu wird in den Punkten 2.4.1 bis 2.4.4 dieser Arbeit auszuführen sein. Zunächst sei festgehalten, daß je nach Art der Objekte dieser Hauptgrundsatz des Erkenntnisvermögens also unterschiedliche Gestalten, Erscheinungsformen annimmt, welche zuletzt jedoch alle durch die abstrakte Formel „Nichts ist ohne Grund warum es sei“ ausgedrückt werden können.
2.3 Das menschliche Erkenntnisvermögen
Da, wie in 2.1 dargelegt, mit einem auf irgendeine Weise bestimmten Objekt auch sofort das Subjekt als auf eben solche Weise erkennend gesetzt ist, entspricht jede besondere Art von Vorstellungen auch einem besonderen Erkenntnisvermögen des Subjekts.
Das heißt, es bedeutet für Schopenhauer letztlich ein und dasselbe zu sagen, die Vorstellungen sind in diese und jene Klassen zu unterteilen, oder dem Subjekt sind diese und jene Erkenntniskräfte zu eigen. Erkenntnisvermögen und erkanntes Objekt, Vorstellung, bedingen und setzen sich gegenseitig. Schopenhauer nun unterteilt das menschliche Erkenntnisvermögen in Sinnlichkeit, Verstand und Vernunft. Diesen „subjektiven Korrelata“ 11 entsprechen die „objektiven“ Formen der Zeit, als Form des inneren Sinnes, des Raumes, als Form des äußeren Sinnes und der Kausalität, welche die alleinige Funktion des Verstandes darstellt. All jene Formen lassen sich, wie oben angeführt, wiederum auf die entsprechende Gestalt des Satzes vom Grunde zurückführen, welcher somit die, im wahrsten Sinne des Wortes, grundlegende Form aller Erkenntnis darstellt.
Einzige Funktion der Vernunft ist nach Schopenhauer schließlich die „...Bildung des Begriffs...“ 12 .
11 Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung I, S. 36.
12 Schopenhauer, a.a.O., S. 63.
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Arbeit zitieren:
Dirk Fross, 2001, Der Begriff der Vorstellung in Arthur Schopenhauers Werk Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde, München, GRIN Verlag GmbH
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