2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die politische und gesellschaftliche Statuierung der ándres diadechómenoi tàs
hegemon ías und die Neuordnung von Babylon 10
2.1 Etymologie der Diadochen und die militär-politischen Positionen der
Kommandeure als Bestimmungsfaktoren 10
2.2 Die Verteilung der Satrapien. 13
3. Das dynamische Gleichgewichtssystem der Diadochen -
Von dem Lamischen Krieg bis zur Regelung von Triparadeisos 320 v. Chr. 16
4. Die Unterwanderung der dynastischen Legitimität 20
4.1 Der Zweite Diadochenkrieg. 20
4.2 Die Fehde in der makedonischen Königsfamilie 22
5. Der Dritte Diadochenkrieg - Gegenseitige Anerkennung der Herrscher und
Beginn der Freiheitspropaganda 24
6. Die Diadochen als basileús - Charisma und Sieghaftigkeit als herrschaftliche
Legitimit ätsgrundlage 28
6.1 Der Götterkult des athenischen Volkes. 28
6.2 Die Annahme der Königstitel der Diadochen seit 306 v.Chr.
als Ausdruck militärischer Errungenschaften, der kultischen Verehrung
und Kompensation von Sieglosigkeit 30
7. Von der Erneuerung des Korinthischen Bundes bis zur Schlacht bei Ipsos
301 v.Chr. 34
8. Schlussteil - Ergebnisse der Betrachtungen und Ausblicke auf die künftige
Forschungsarbeit 38
9. Abbildungen 44
10. Quellen- und Literaturverzeichnis. 49
10.1 Quellenverzeichnis 49
10.2 Literaturverzeichnis 49
3
1. Einleitung
Als Alexander der Große 323 v. Chr. in Babylon 1 starb, hinterließ der Sohn Philipps II. ein ausgedehntes, im kulturellen Sinne pluralistisches, nahezu aufgeblähtes Reich unter makedonischer Hegemonie, das aufgrund der Vakanz in der legitimierten Nachfolge nach dem Gesetz der Natur der Makedonenkönige, d.h. nach dem dynastischen Prinzip, rasch in Unruhe geriet. 2 Aber gleichwohl hatte der Großkönig die Gestalt seiner Zeit verändert; ihm gelang die normative Verknüpfung von Politik, Kultur, Wissenschaft und Technik, dem Kriegswesen wie auch eine Symbiose von der Organisation des makedonischen Heeres mit seinen territorialen Zielen. Alexander der Große hatte auf diese Weise mehr als ein unitaristisches Reich geschaffen; er hatte die Geschichte der antiken Welt maßgeblich geprägt. 3 Seit Droysen wird eben jener Einfluss Alexanders auf seine Nachwelt als Hellenismus bezeichnet. 4 Das Wirken des makedonischen Großkönigs zum einen als auch die gesamtgesellschaftliche und -politische Metamorphose während und nach der Regentschaft Alexanders des Großen andererseits war nun nicht mehr mit den bestimmenden Charakteristika der so genannten klassischen Zeit vergleichbar. 5 Territoriale Großreiche, Bundesorganisationen und multilaterale Bündnissysteme, die unmittelbare Orientierung an der Notwendigkeit der Kriegführung und sozialstrukturelle Veränderungen bildeten die neuen Ideale herrschaftlicher Ansprüche ab. 6 Gerade diese Aspekte waren erste Bestimmungsfaktoren in der Implementierung und dauerhaften Manifestierung der frühhellenistischen, monarchisch geprägten Staaten, die kaum 20 Jahre nach Alexanders Tod infolge der Annahme der Königstitel durch die ándres diadechómenoi tàs hegemonías entstanden waren. Was aber begünstigte den raschen Aufstieg der ehemaligen philoi und somatophylax Alexanders? 7 Wie war es ihnen gelungen, die königlichherrschaftliche Graduierung des makedonischen Königshauses zu falsifizieren? 8 Worin bestand die Legitimitätsgrundlage der frühhellenistischen Königtümer und wie
1 Zur geographischen Lage Babylons s. Abb. 1: „Historische Karte der hellenistischen Welt“.
2 S. Engels, J.: Philipp II. und Alexander der Große. Darmstadt 2006, S. 68. Vgl. auch Wiemer, H.-U.: Alexander der Große. München 2005.
3 S. Gehrke, H.-J.: Geschichte des Hellenismus. München 2003, S. 29f.
4 Vgl. Droysen, J. G.: Geschichte des Hellenismus. Bd. 2-Geschichte der Diadochen. Hrsg. von E. Bayer. Eingeleitet von H.-J. Gehrke. Darmstadt 1998.
5 S. Meißner, B.: Hellenismus. Darmstadt 2007, S. 1.
6 S. Errington, R. M.: A history of the Hellenistic world. 323-30 B.C. Malden u.a. 2008, S. 76. Zur Veranschaulichung der geographischen Metamorphose s. auch Abb. 4: „Die Diadochenreiche 303 v. Chr.“.
7 Vgl. Herm, G.: Die Diadochen. Alexanders Erben kämpfen um die Weltherrschaft. München 1978.
4
kam es, dass das unitaristische Alexanderreich alsbald nach dem Tode des Großkönigs in separatistisch-pluralistische Einzelbereiche mit autonomen, völkerrechtlichen Charakteristika zerfiel? 9
Wenn Diodor in seiner Library of History von den Diadochen als basileús berichtet 10 , die ihre Territorien als Preis des Krieges 11 beherrschten, als seien die Ländereien „(…) mit dem Speer erworben (…)“ 12 , so deutet dies in signifikanter Weise auf die enge Verknüpfung der oben genannten Punkte mit der zentralen Thematik der vorliegenden Ausarbeitung: die Entwicklung der unitaristischen oder pluralistischseparatistischen Bestrebungen der Diadochen nach dem Tode Alexanders des Großen bis zur Schlacht bei Ipsos 13 unter besonderer Berücksichtigung der Versuche der Legitimierung der Macht.
Aufgrund der vergleichsweise günstigen Quellenlage 14 , die zumeist von umfassenden Abhandlungen ergänzt 15 und in der Darstellung wichtiger Einzelprobleme in komplexer Dimension aufgearbeitet wurden 16 , erweist sich die Erarbeitung des Schwerpunktes als unproblematisch. Dabei wird die Recherche vor allem dadurch begünstigt, dass in der Library of History, in diesem Zusammenhang sind im Speziellen die Bücher 18, 19 und 20 des Diodor für die Annäherung an die frühe Entwicklung der Diadochenreiche von Relevanz 17 , nach dem Anspruch des Historiographen gute Einsichten in die politischen, herrschaftlichen und militärischen
8 S. Seibert, J.: Das Zeitalter der Diadochen. Darmstadt 1983, S. 172-174.
9 S. Meißner, S. 13.
10 S. Diodorus of Sicilus. The Library of History - Books XVIII-XX. With an English Translation by R. M. Geer. Cambridge, Massachusetts, London 1996-1998 (first published 1947-1954), hier XX 53, 2-4.
11 S. Diod. XX 76, 7. Hier heißt es: „He [Ptolemaios] also wrote to Seleucus, Lysimachus, and Cassander about his successes (…); and he himself, having finished the second struggle for Egypt and convinced that the country was his as a prize of war, returned to Alexandria.”
12 Zit. nach Gehrke: Hellenismus, S. 47.
13 Zur Lage der Stadt Ipsos s. Abb. 3: „Historische Karte Kleinasiens und Syriens“.
14 Vgl. Diod. XVIII-XX. Vgl. Appian von Alexandria. Römische Geschichte I - Die römische Reichsbildung. Übersetzt von O. Veh. Durchgesehen, eingeleitet und erläutert von K. Brodersen. Stuttgart 1987. Vgl. Plutarch. Grosse Griechen und Römer. Bd. V. Eingeleitet und übersetzt von K. Ziegler. München, Zürich 1980.
15 Vgl. Schubert, R.: Die Quellen zur Geschichte der Diadochenzeit. Leipzig 1914.
16 Vgl. Seibert. Vgl. auch Heckel, W.: The Marshalls of Alexander's Empire. London/New York 1992.
17 Die Library of History des Diodor stellt eine Historiographie mit universalem Anspruch nach der antiken Definition der Geschichtsschreibung dar. Diodor versuchte, die zu seiner Lebzeit bekannte Welt von den mystischen Ursprüngen bis etwa 60 n. Chr. allumfassend zu beschreiben. Das universale Ideal erreichte der Geschichtsschreiber mit Hilfe der Stützung auf jene historiographische Vorgänger, die je nach behandelter Phase der Historie nach seiner Auffassung am glaubwürdigsten erschienen. Somit strebte Diodor keine eigenen Forschungen bzw. Forschungserkenntnisse an, vielmehr übernahm er tradierte Ergebnisse - in Bezug auf die frühe Entwicklung und Manifestierung der Diadochenreiche von Hieronymos von Kardia, Ptolemaios I. und in Ansätzen auch von Duris von Samos. Dass Diodor die Befunde früherer Historiographen faktisch kopierte, wurde in der Forschung des 19. Jahrhunderts als Vereinfachung der Aufarbeitung der Geschichtsschreibung kritisiert, aber gleichwohl gelingen infolge eben jener Arbeitsstrukturen bei Diodor Kenntnisse zu Quellen, die der modernen Geschichtswissenschaft im Original oder auch nur fragmentartig nicht mehr zugänglich sind. Daher muss die Library of History im Speziellen bezüglich der Implementierung der frühhellenistischen Monarchien bis 301 v. Chr. als wichtigste Historiographie bewertet werden.
5
Charakteristika im Frühhellenismus möglich sind. Dies begründet sich in der Anlehnung an resp. die Stützung Diodors auf die Geschichtsschreibung des Hieronymos von Kardia 18 , der als Zeitzeuge die Aktivitäten des Antigonos Monophthalmos 19 und dessen Sohnes Demetrios Poliorketes tiefgründige Einblicke in das Streben der späteren basileús nachzuweisen hatte und somit in der Quellenforschung hoch einzuschätzen ist. Daneben gilt jedoch die Übername von
Passagen aus Fragmenten des Duris von Samos 20 bei Diodor als nicht gesichert; gleiches kann auch für Appian angenommen werden, während in der kritischen Betrachtung der Leistungen des Demetrios Poliorketes bei Plutarch große Teile der Historiographie des Duris nachweisbar sind. 21 Mit seiner Gegenüberstellung biographischer Abhandlungen zu griechischen und römischen Persönlichkeiten nimmt Plutarch dahingehend eine Sonderrolle in der Quellenforschung ein, da erim intentionalen Gegensatz zur quasi-objektiven Historiographie in der Library of History - persönlichkeitsspezifische Charakteristika neben der Befähigung zur Heerführung beschreibt 22 und auf diese Weise ebenso soziologisch-anthropologische Definitionsansätze wie auch individuelle Bestimmungsfaktoren der betrachteten Protagonisten beschreibt. 23 Vor diesem Hintergrund kann die Geschichtsschreibung des Plutarch als signifikante, da vordergründig auf soziologische und sozialisatorische Faktoren abhebende Ergänzung zu den Historiographen Diodor und Appian von Alexandria bewertet werden. Der Grieche selbst definierte seine Schrift in dieser Dimension:
„Denn ich schreibe nicht Geschichte, sondern zeichne Lebensbilder, und hervorragende Tüchtigkeit oder Verworfenheit offenbaren sich nicht durchaus in den aufsehenerregendsten Taten, sondern oft wirft eine unbedeutende Geste oder ein gelegentlicher Ausspruch ein bezeichnenderes Licht auf einen Charakter als Schlachten mit Tausenden von Toten und die größten Heeresaufgebote und 24
Belagerungen von Städten.“
18 S. Hornblower, J.: Hieronymus of Cardia. Oxford 1981, S. 39f.
19 Zur Dynastie der Antigoniden s. Abb. 6: „Die Stammtafel der Antigoniden“.
20 S. Kebric, R. B.: In the Shadow of Macedon. Duris of Samos. Wiesbaden 1977, S. 67.
21 S. ebd.
22 S. Wiemer, S. 22.
23 Der um 100 n. Chr. in Mittelgriechenland aktive Plutarch strebte im intentionalen Gegensatz zur Library of History des Diodor divergente Ziele an. Plutarch versuchte, über die Gegenüberstellung von biographischen Einzelaspekten einflussreicher Römer und Griechen die besonderen Charakteristika der betrachteten Persönlichkeiten zu konkretisieren und anhand militärischer, politischer oder gesellschaftlicher Bestrebungen deren Sonderstellung bildhaft zu beweisen. Dabei fließen bei Plutarch durchaus subjektiv geprägte Wertungen ein, um Verdienste wie auch charakterliche Schwächen aufzeigen zu können. Im Schwerpunkt behandelt der griechische Historiograph folglich weniger historische Ereignisse, sondern zieht - nach knapper Veranschaulichung der geschichtlichen Umrisse der behandelten Zeit - unmittelbar Schlüsse auf die Persönlichkeit der Handelnden. Daher wiegt bei Plutarch die Chronologie nicht besonders schwer. Im Bezug auf die Diadochenzeit beschreibt der Grieche Eumenes von Kardia mit Sertorius und Demetrios Poliorketes mit Antonius. 24 Zit. nach Wiemer, S. 22.
6
Neben den antiken Geschichtsschreibern konkretisieren auch archäologische 25 und gesellschaftlich-prosopographische 26 Publikationen, die sehr detailliert und umfassend die Einzelaspekte der Diadochenzeit als unabdingbare Voraussetzungen der Manifestierung des Hellenismus darlegen, die Arbeit zu den ándres diadechómenoi tàs hegemonías. Mit der weiteren Verwendung früherer Publikationen 27 im engen Verbund mit den Forschungsergebnissen aus Veröffentlichungen des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts 28 verschmelzen die spezifischen Merkmale des Frühhellenismus zu einem komplexen Gefüge der Historie. Weiterhin beeinflussen auch Erkenntnisse in wissenschaftlichen Abhandlungen, die weitläufige, territoriale und herrschaftliche Bereiche der Antike des 4. und 3. Jahrhunderts v. Chr. thematisieren 29 , die Ergebnisse der vorliegenden Ausarbeitung dahingehend, dass sie unweigerlich die Ausprägungen wie auch die weitreichenden Folgen der Ereignisse in den ehemals unitaristisch regierten makedonischen Gebieten darlegen und in diesem Rahmen die Komplexität der Diadochenzeit erst endgültig offenbart werden kann. Dass die Forschung zum Thema der Nachfolger Alexanders in den Kommandoposten 30 und deren Manifestierung als basileús 31 vor allem seit der Mitte des 20. Jahrhunderts bis in die moderne Geschichtswissenschaft von teils heftigen Kontroversen bestimmt wurde bzw. wird, muss als Resultat eben jener komplexen Präsenz betrachtet werden. Während die zeitliche Einhegung des Hellenismus per se mit dem Tode Alexanders 323 v. Chr., durch dessen Regentschaft im Allgemeinen und dem Alexanderzug nach Osten im Speziellen eingeleitet, seit Droysen faktisch verifiziert wurde 32 , galt die rein etymologische Eingrenzung bei demselben - die hellenistische Epoche als Verschmelzung griechischer und nicht-griechischer
25 Vgl. Brodersen, K.; Günther, W.; Schmitt, H. H.: Historische Griechische Inschriften in Übersetzung. Bd. II. Darmstadt 1996.
26 Vgl. Berve, H.: Das Alexanderreich auf prosopographischer Grundlage. Zweiter Band-Prosopographie. Hildesheim u.a. 1999.
27 Vgl. Schubert. Vgl. bezüglich der Praxis und Organisation der Kriegführung auch Droysen, H.: Heerwesen und Kriegführung der Griechen. Freiburg/Breisgau 1889.
28 Müller, S.: Maßnahmen der Herrschaftssicherung gegenüber der makedonischen Opposition bei Alexander dem Großen. Europäische Hochschulschriften III, 974. Frankfurt am Main 2003. Vgl. Meißner. Vgl. Errington.
29 Vgl. Berve, H.: Die Herrschaft des Agathokles. In: Akademie der Wissenschaft. Sitzungsberichte, Heft 5 (1952), S. 47-78. Vgl. Laetsch, F.: Insularität und Gesellschaft in der Antike. Stuttgart 2005.
30 S. dazu insb. Kap. 2.1: „Etymologie der Diadochen und die militär-politischen Positionen der Kommandeure als Bestimmungsfaktoren“.
31 S. dazu Kap. 6.2: „Die Annahme der Königstitel der Diadochen seit 306 v. Chr. als Ausdruck militärischer Errungenschaften, der kultischen Verehrung und Kompensation von Sieglosigkeit“.
32 Vgl. Müller. Vgl. Rostovtzeff, M.: Gesellschafts- und Wirtschaftsgeschichte der hellenistischen Welt. 3 Bde. Darmstadt 1955/56.
7
Kulturen zu konkretisieren - als umstritten. 33 Aufgrund der stetigen Spezialisierung der Forschung 34 wird der Hellenismus seit dem Ende des 20. Jahrhunderts zwar durchaus als Partizipation von Nicht-Griechen an griechischen Charakteristika beschrieben 35 , aber gleichwohl die auch im 4. Jahrhundert v. Chr. weiterhin bestehende kulturelle Heterogenität besonders betont. 36 In ähnlicher Weise stellen sich die wissenschaftlichen Diskussionen um die monarchische Einordnung der Diadochen dar, worin im Besonderen die engen Relationen der Einzelwissenschaften - hier der Rechts-, Geschichts- und Sozialwissenschaften - signifikant sind. Während „[das] zentrale Thema der Epoche (…) durch die Frage nach den Motiven und Aspirationen der wichtigsten Diadochen bestimmt [wird] (…)“ 37 , also eben jener Grundlage, die gleichsam der zentralen Motivation der vorliegenden Ausarbeitung folgt, bleibt die Frage nach der Graduierung der basileús im Rahmen der Herrschaftstypisierung umstritten. Neben der Definition von monarchischen Herrschaftskonstrukten bei Aristoteles 38 bildeten in der Mitte des 20. Jahrhunderts vor allem die Hypothesen Max Webers von den Idealtypen der Herrschaft 39 den Ursprung jener Kontroversen. Die Anhänger der Einordnung der frühhellenistischen Monarchen als charismatische Herrscher 40 sahen ihre Thesen in Anlehnung an die Webersche Idealisierung der legitimen Herrschaft, in der derselbe Machthaber mit Merkmalen wie „(…) Heldentum, Macht des Geistes und der Rede (…)“ 41 charakterisiert und mittels „(…) Erfolge[n], Wohlergehen der Gefolgschaft oder der Untertanen (…)“ 42 verifiziert werden, bestätigt. Deren Realisation in den Diadochenreichen ist durchaus erkennbar, wie die Polyperchon 43 griechenfreundliche Freiheitspropaganda seit oder die
Subventionierung des Wiederaufbaus von Athen durch Antigonos Monophthalmos und Demetrios Poliorketes anno 306 v. Chr. 44 belegten. Dieses Faktum bestreiten die
33 S. Meißner, S. 2. S. Gehrke: Hellenismus, S. 133f.
34 Vgl. etwa Schachermeyr, F.: Alexander in Babylon und die Reichsordnung nach seinem Tode. Wien 1970. S. Anm. 25f.
35 Vgl. Bosworth, A. B.: The legacy of Alexander. Politics, warfare, and propaganda under the successors. Oxford u.a. 2002.
36 S. Meißner, S. 3. Vgl. Auch Schuller, W.: Griechische Geschichte. München 2002.
37 Zit. Gehrke: Hellenismus, S. 160.
38 Aristoteles. Politik. Buch III - Über die Verfassung. Übersetzt und erläutert von E. Schütrumpf. Darmstadt 1991.
39 Weber, M.: Die drei reinen Typen der legitimen Herrschaft. In: Ders.: Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre. Tübingen 1988, S. 475-488.
40 Vgl. Gehrke, H.-J.: Der siegreiche König. In: Archiv für Kulturgeschichte LXIV (1982), S. 247-277. Vgl. Berve: Agathokles. Vgl. in Ansätzen auch Rostovtzeff.
41 Zit. Weber, S. 481.
42 Zit. Weber, S. 483.
43 S. dazu insb. Kap. 4.1: „Der Zweite Diadochenkrieg“.
44 S. dazu Kap. 6.1: „Der Götterkult des athenischen Volkes“ sowie Kap. 6.2: „Die Annahme der Königstitel der
8
Kritiker an der Auffassung Gehrkes 45 keineswegs, aber gleichwohl negieren diese die wissenschaftliche - und damit objektive - Anwendung der Weberschen Idealtypen auf die frühhellenistische Historie. Müssten nicht zahlreiche antike, mittelalterliche wie auch frühneuzeitliche und moderne Machthaber im Sinne von Sieghaftigkeit, Redegewandtheit mit propagandistischer Intention und unter Berücksichtigung des Gemeinwohles Charismatiker sein? An eben jener Frage scheitert nach Meinung der Kritiker Gehrkes die These der rein charismatischen Herrschaft, da mit der Vielzahl der auf diese Weise definierten Herrscher die Einzigartigkeit der monarchischen Bestrebungen der basileús erschüttert, ja sogar zerstört sei. 46 Daneben gilt es zu beachten, dass Weber selbst einzig Idealtypen der Herrschaft, also de facto schwer zu institutionalisierende Konstrukte der Macht, beschrieben hatte. 47 Aufgrund dieses Hiatus betrachtet die antike Forschung des frühen 21. Jahrhunderts die Diadochenreiche als Merkmalsträger der Sieghaftigkeit und Kompensation der Sieglosigkeit 48 und vor allem als Symbol der Kriegführung zur Stabilisierung der eigenen Machtansprüche. 49
In Anlehnung an die chronologische Darstellung der frühen Phase der Entfaltung separatistisch-pluralistischer Königtümer nach Alexanders des Großen Tod anno 323 v. Chr. bis zur Schlacht bei Ipsos im Jahre 301 v. Chr. bei Diodor 50 wird im Folgenden jener Zeitraum die Grenze der vorliegenden Ausarbeitung sein. Um dabei die Entwicklung unitaristischer und mehrschichtiger, auf Autonomie beruhender Bestrebungen konsequent analysieren zu können, wird auf die Veranschaulichung der endgültigen Festigung der Diadochenreiche nach dem Tode des Antigonos Monophthalmos 301 v. Chr. bis zum Ende des Bundesgenossenkrieges in
Diadochen seit 306 v. Chr. als Ausdruck militärischer Errungenschaften, der kultischen Verehrung und Kompensation von Sieglosigkeit“.
45 Vgl. Meißner. Vgl. auch Errington.
46 S. dazu auch Kap. 8.: „Schlussteil - Ergebnisse der Betrachtungen und Ausblicke auf die künftige Forschungsarbeit“.
47 S. Weber, S. 475.
48 S. Meißner, S. 12. S. dazu insb. Kap. 6.2: „Die Annahme der Königstitel der Diadochen seit 306 v. Chr. als Ausdruck militärischer Errungenschaften, der kultischen Verehrung und Kompensation von Sieglosigkeit“.
49 S. Errington, S. 75f.
50 Der chronologische Bericht der Library of History ist in seiner Kontinuität nach 301 v. Chr. nicht mehr erhalten, sodass sich die historische Aufarbeitung der endgültigen Manifestierung der Diadochenreiche als schwierig erweist. Jener Hiatus wird aufgrund archäologischer Funde, deren Frequenz seit der Mitte des 20. Jahrhunderts stetig zunahm, in der Forschung des 21. Jahrhunderts überwunden. In Bezug auf die Chronologie gelten die Datierungen bei Diodor, der sich dabei vordergründig auf Hieronymos von Kardia bezog, als kompliziert. Infolge der Eingliederung der Ereignisse nach attischen Amtsjahren in der Library of History kam es zu historischen Friktionen in der konkreten Datierung der Diadochenkriege wie auch der Annahme der Königstitel der vormaligen Satrapen, die jedoch im Zuge der Spezifizierung der wissenschaftlichen Forschungsarbeiten an der Thematik der vorliegenden Ausarbeitung negiert resp. korrigiert werden konnten. S. dazu Gehrke: Hellenismus, S. 159. Vgl. auch Schubert. Vgl. in Ansätzen Bosworth.
9
Griechenland anno 217 v. Chr. verzichtet. 51 Zunächst soll die gesellschaftliche und militärische Herkunft der ándres diadechómenoi tàs hegemonías, die Etymologie und Entstehung des Diadochenbegriffes per se und die Einflussmöglichkeiten der Satrapen, philoi und somatophylax unmittelbar nach Alexanders Tod 323 v. Chr. bis zur Reichsordnung von Babylon deutlich gemacht werden. Anschließend gilt esneben der chronologischen Aufarbeitung des Lamischen Krieges und den Diadochenkriegen bis einschließlich 301 v. Chr. im Rahmen der Methodologie - auf die Situation in der makedonischen Königsfamilie und vor allem auf die Metamorphose der Legitimierungsversuche zur Begründung der Machtansprüche der Diadochen abzuheben. Dabei sollen die Dimensionierung der funktionalistischen Heiratspolitik einerseits und die Programmatik der griechenfreundlichen Propaganda sowie das Ideal des demokrator andererseits die Schwerpunkte zur Klärung der Frage sein, ob resp. welcher der frühhellenistischen Machthaber unitaristische oder separatistisch-pluralistische Ziele verfolgte. Im engen Verbund mit der zentralen Thematik der vorliegenden Ausarbeitung wird abschließend ein Ausblick auf weitere Forschungsaspekte geliefert, deren Erkenntnisse bis dato ungenügend oder zumindest kaum ausreichend sind. 52
Wie also kam es bis 301 v. Chr. dazu, dass sich das vormals unitaristisch beherrschte Makedonenreich zu pluralistischen Territorialreichen mit autonomen, völkerrechtlichen Charakteristika gewandelt hatte? Obgleich die letzten, bei Diodor zu lesenden Worte Alexanders des Großen wohl erfunden wurden, so waren sie dennoch prägend für die Entwicklung der frühhellenistischen Monarchien: „When he [Alexander der Große] was quitting life in Babylon and at his last breath was asked by his friends to whom he was leaving the kingdom, he said, ,To the best man; for I foresee that a great combat of my friends will be my funeral games.’ And this actually happened; for after the death of Alexander the foremost of his friends quarrelled about the primacy and joined in many great combats.” 53
51 Bezüglich der Datierung der endgültigen Manifestierung der frühhellenistischen Königtümer und deren politische, militärische und gesellschaftsspezifische Entfaltung vgl. Meißner, S. 19ff als Überblickswerk. Für weitere Studien erweist sich vor allem Errington als detailreich und umfassend analytisch - auch oder gerade wegen der Aktualität der Publikation. Vgl. daneben auch Hammond, N. G.; Walbank, F. W.: A History of Macedonia. 336-167 B. C. (Volume III). Oxford 1988.
52 S. dazu Kap. 8: „Schlussteil - Ergebnisse der Betrachtungen und Ausblicke auf die künftige Forschungsarbeit“.
10
2. Die politische und gesellschaftliche Statuierung der ándres diadechómenoi tàs hegemonías und die Neuordnung von Babylon
2.1 Etymologie der Diadochen und die militär-politischen
Positionen der Kommandeure als Bestimmungsfaktoren
Die Bezeichnung der Nachfolger Alexanders des Großen in den Kommandoposten des Heeres - den Diadochen - entstammt dem Griechischen diadéchomai, d.h. jemanden nachfolgen sowie diádochos, d.h. die Nachfolger. In der Betrachtung des Ausgleiches bzw. der Überwindung fehlender Herrschaftslegitimation wurde der Begriff der Diadochen wahrscheinlich von Hieronymos von Kardia geprägt, um den einflussreichen Interessenvertretern der konfligierenden Lager der makedonischen Fußtruppen und der Hetairenreiterei nach Alexanders Tode 323 v. Chr. eine Legitimitätsgrundlage zuweisen zu können. 54 Tatsächlich bedarf es dazu einer gesellschaftlichen und vor allem einer politischen Statuierung der ándres diadechómenoi tàs hegemonías sowie einer Analyse deren Positionierung im Machtkonstrukt des makedonischen Heeres. 55
Aufgrund des dynastischen Hiatus der makedonischen Königsfamilie - Alexander der Große hinterließ keinen legitimen Nachfolger - konnten die Kommandeure der Truppen infolge ihrer hohen Stellung in dem diffizilen Machtgefüge nach Alexanders Tod sowohl Entscheidungsgewalt für sich beanspruchen als auch territoriale Forderungen stellen. 56 Ihnen gemeinsam war dabei die fehlende Anerkennung der herrschaftlichen Ansprüche der makedonischen Königsfamilie; vielmehr handelten die Diadochen bereits unmittelbar nach dem Tode Alexanders nach ihren individuellen Interessenlagen. Die tatsächlichen Befugnisse der Nachfolger Alexanders in den Kommandoposten des Heeres wurden freilich aufgrund der Implementierung eines Reichsverwesers beschnitten. 57 Aber gleichwohl wurden erste militär-strategische und vor allem unmittelbar die Politik des makedonischen Reiches betreffende Ziele artikuliert. So waren die fundamentalen Bestrebungen des Eumenes von Kardia und des Antigonos Monophthalmos die uneingeschränkte Entfaltung eigener Machtansprüche, um die direkten Gegenspieler zurückzudrängen 53 Zit. Diod. XVIII 1, 4.
54 S. Meißner, S. 4.
55 Vgl. Berve: Das Alexanderreich auf prosopographischer Grundlage.
56 S. Schachermeyr, S. 137f.
Arbeit zitieren:
Holger Skorupa, 2008, ándres diadechómenoi tàs hegemonías, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Holger Skorupa's Text ándres diadechómenoi tàs hegemonías ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Holger Skorupa hat den Text ándres diadechómenoi tàs hegemonías veröffentlicht
Holger Skorupa hat einen neuen Text hochgeladen
Geschichte Alexanders des Großen. 2 Bände
Quintus Curtius Rufus, Kai Brodersen, Johann Siebelis
Die griechisch-römische Antike, Die griechische Polis, Alexander der G...
Fachbereich: Alte Geschichte
Hartwin Brandt, Ralf Behrwald, Martin Zimmermann
Geschichte des Alten Orients bis zur Zeit Alexanders des Großen
Klaas R. Veenhof, Helga Weippert
Geschichte Alexanders Des Grossen (Dodo Press)
Johann Gustav Droysen, Sven Hedin, Arthur Rosenberg
Justin: Epitome of the Philippic History of Pompeius Trogus: Volume I:...
Waldemar Heckel, Justin, Marcus Junianus Justinus
0 Kommentare