Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung. 3
II. Ein historischer Überblick. 4
III. Herder über Shakespeare. 6
1. Wann und warum wurde der Shakespeare - Aufsatz geschrieben? Was hat Herder
dabei empfunden? 6
2. Das Bild des Dichters 7
3. Shakespeares Einfluß auf das deutsche Drama. 12
IV. Zusammenfassung. 14
V. Literatur. 17
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I. Einleitung
Ich habe dieses Thema gewählt genommen, weil ich es nicht nur für interessant halte, sondern weil ich mich persönlich schon seit langer Zeit für das Theater und für die Dramentheorie interessiere. Besonders interessant finde ich die Geschichte des Theaters, vor allem die des deutschen Theaters. Das war der Grund, warum ich auch einen kurzen historischen Überblick angefertigt habe. Ich bin der Meinung, daß man jedes Thema geschichtlich und zeitlich einordnen soll. So wird man ein klares Bild über den Gegenstand des Themas bekommen. Es wird auch eine Vorstellung von den Zeitumständen geschaffen, in denen sich alles abspielt. Leider ist mein Interessenkreis viel breiter, als man in einer kurzen Hausarbeit darstellen kann. Mein Thema behandelt das Bild des Dichters Shakespeare. Ich will zeigen, was typisch für Shakespeare ist, und möchte den Einfluß Shakespeares auf das deutsche Theater näher erläutern. Ich habe versucht, die Erscheinungen in Deutschland zu Herders Zeit widerzuspiegeln. Dabei habe ich die Shakespeare-Rezeption von damals im Auge behalten. Das war auch ein Ziel von mir. Ich habe mich bemüht, wenn schon nicht über alle Debatten um Shakespeare, zumindest den Unterschied zwischen dem aufklärerischen Theater, den aufklärerischen Theatertheorien und dem Theater in der Zeit des Sturms und Drang aufzuzeigen. Ich habe meine Aufmerksamkeit vor allem auf das "Sturm und Drang" - Theater gerichtet, weil, wie allgemein bekannt ist, der frühe Sturm und Drang Shakespeare als Vorbild genommen hat. Für mich persönlich war das Durchbrechen der Aristotelischen Tradition durch Shakespeares Dramatik besonders wichtig.
Mein Thema heißt: "Herder über Shakespeare". Das bedeutet, daß die Persönlichkeit Herders ebenso wichtig wie die Shakespeares ist. Herder ist der Mann, der zu Shakespeares Rezeption sehr viel beigetragen hat. Er bildete eine theoretische Grundlage und Voraussetzung für die Entwicklung des deutschen nationalen Theaters. Mit seinem Shakespeare-Aufsatz hat Herder in einer für Sturm und Drang typischen subjektiven und individuellen Form das Shakespeare-Bild der deutschen Klassik und Romantik für Jahrzehnte bestimmt. Mit Herders Namen verbindet sich die Erinnerung an das Erwachsen der deutschen Nation im 18. Jahrhunderts, dessen Träger die bürgerliche Jugend des Sturmes und Dranges war.
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II. Ein historischer Überblick
Mein Thema handelt über Herder und über Shakespeare, und ich möchte einen Rückblick auf die Zeit machen, in der sie gelebt und gearbeitet haben. Das bedeutet, einen kurzen Rückblick in das 17. und in das 18. Jahrhundert zu machen. Ich will zeigen, daß es auf das deutsche Drama verschiedene Einflüsse gab. Der Weg zu einem deutschen Theater war langwierig und schwer. Der Blüte des europäischen Theaters -Lope de Vega, Monteverdi, Corneille, Racine, Molière, Calderón - hatte Deutschland wenig entgegenzusetzen. Theater im Deutschland des 17. Jahrhunderts bedeutete vielerlei: Laienspiel, professionelles Wandertheater, protestantisches Schultheater, katholisches Ordendrama, Hoftheater, Oper. Von größerer Bedeutung für die deutsche Entwicklung waren die sogenannten englischen Komödianten. Diese englischen Berufsschauspieler brachten einen neuen Schauspielstil nach Deutschland, der sich durch seine Anschaulichkeit und seinen Naturalismus grundsätzlich vom deklamatorischen Stil des humanistischen Schultheaters unterschied. Die englischen Schauspieler kamen zum ersten Mal im Jahre 1586 nach Deutschland. Sie gastierten in Dresden. Durch die englischen Komödianten war schon im Laufe des 17. Jahrhunderts Shakespeare zum stofflichen Besitz von weiten Kreisen des deutschen Volkes geworden. Sie vermittelten einen ersten Eindruck von der zeitgenössischen, elisabethanischen Dramatik. Allerdings waren diese in Bearbeitungen, die die Originale auf eine Reihe möglichst effektvoller Szenen reduzierten. Neben den Haupt- und Staatsaktionen gehörten aber auch biblische Stücke und Werke deutscher Autoren zum Repertoire der Truppen. Es erweiterte sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts um italienische, spanische und französische Stücke. Das französische Theater bekam später eine starke Stellung, und im Jahre 1695 war es schon beliebt und galt als eine Art Muster für das deutsche Theater.
Es ist bekannt, daß Shakespeare viel von den Haupt- und Staatsaktionen als Beispiel genommen hat. Deshalb möchte ich hier eine ganz kurze Erklärung geben, was man darunter versteht. Die Haupt- und Staatsaktionen existierten schon vor Shakespeare. Sie stellten große Personen aus der Geschichte mit ihren privatpolitischen Problemen in grellen Farben dar. Es wurde das Sensationelle gesucht. Das waren prominente Skandalgeschichten, die sehr vom Volk geliebt wurden. Hier ist die Mischung von verschiedenen Ständen typisch, die normalerweise nicht von den Dramenregeln her damals erlaubt waren. Neben den Figuren aus dem Adel konnte man z. B. die niedere Gestalt von Hanswurst antreffen, der ungebildet und schlau ist, aber immer und unter allen Umständen zu seinem eigenen Nutzen agiert. Hieraus ergibt sich der Grund, warum die Haupt- und Staatsaktionen so sehr vom Volk geliebt wurden. Für
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die Haupt- und Staatsaktionen sind die Szenenkonflikte, die Verbindung von Tragik und Komik, vom höheren und von den niederen Ständen charakteristisch. Diese Art von Theater war eine panoramartige Abbildung der Welt, der Gesellschaft im 17. Jahrhundert. Shakespeare ging vom englischen Volkstheater und von den Haupt- und Staatsaktionen aus. Er hat aus diesen Vorgaben eine neue Entwicklungsstufe in der Geschichte des Theaters geschaffen. Sein Drama war eine Mischung der Stilebenen und kommt aus einer volkstümlichen Tradition.
In der Zeit des Sturms und Drang kam es zu einer neuen Konzeption dessen, was vorher existierte. Es wurde Protest gegen alle Normierungen und Konventionen erhoben. Man wollte und konnte sich nicht Normen und neuen Konventionen unterwerfen. Es gab keine Regel mehr. Die schöpferische Kraft des Genies stand im Mittelpunkt der neuen ästhetischen Auffassungen, und die Aufmerksamkeit richtete sich auf das Individuum. "Der Geniekult der Stürmer und Dränger hob den Dichter über das gewöhnliche Menschenmaß hinaus. Kunst war nicht länger erlernbar, der Künstler schöpft aus dem ihm eigenen Genie." (Meid,V. 1989:131) Durch die Shakespeare-Rezeption erhielt die Genieauffassung wesentliche Anregungen. Die Entdeckung Shakespeares ab den 50er Jahren des 18. Jahrhunderts eröffnete eine neue Welt. Die Ablösung von der französischen, klassizistischen Dichtung war schon möglich geworden. "Vorbereitet waren die Abwertung des französischen klassizistischen Dramas und der 'reinen' Gattungen, die Schätzung Shakespeares, die Ablösung der Regeldogmatik durch eine innere Gesetzlichkeit und Einheit der Formen; ebenso die Veränderungen in der Wahl der Stoffe und der Sprache und in der Bestimmung der Leidenschaften." (Martini 1971:124) Dazu haben Wielands Übersetzungen von 22 Dramen Shakespeares, die zwischen 1762 und 1766 erschienen sind, und die darauf folgenden von J. J. Eschenburgs (1775 - 82) sehr viel beigetragen. Shakespeare wird zum Sinnbild des genialen Dichters und zum Vorbild der eigenen dichterischen Praxis.
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Arbeit zitieren:
Dr. Mariana Parvanova, 1995, Herder über Shakespeare - Das Bild des Dichters, München, GRIN Verlag GmbH
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