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Inhalt
I. Einleitung 4
II. Die letzten Tage des Kaisers 4
1) Augusti Mißtrauen 4
2) Letzte Verfügungen 4
3) Das Ende naht 7
4) Auf dem Sterbebett 8
5) Augusti Tod 9
III. Die Bestattung des Kaisers 10
1) Der Leichnam wird nach Rom überführt 10
2) Vorbereitungen für die Bestattungszeremonie 11
3) Allgemeine Volkstrauer 11
4) Republikanische Bestattungsriten 12
Exkurs : Griechisch-römische Bestattungsbräuche 13
α) Jedermanns Pflicht zur Bestattung 13
β) Heimkehr der Seelen 14
γ) Solons Mäßigungsgebot bei Trauerfeiern 15
δ) Erste Handlungen nach dem Tod 16
i) Schließen von Mund und Augen 16
ii) Reinigung und Konservierung 17
iii) Das letzte Hemd 18
iv) Blumen und Kränze 18
v) Schmucklose Trauer 19
ε) Trauer und Totenklage 19
ζ) Besondere Ehrbezeugungen 21
η) Die Prothesis 22
θ) Das Leichenbegängnis 22
ι) Auf dem Marktplatz 27
i) Die Rostra 27
ii) Die Leichenrede 27
iii) Die räumliche Trennung von Lebenden und Toten 28
κ) Am Rogus 28
i) Grabbeigaben 28
ii) Zur rechten Zeit der Verbrennung 29
iii) Römer in Flammen 30
λ) Verbrennen oder Begraben 32
i) Alter Wein auf neue Scheite 32
ii) Auf heiße Glut folgt Grabeskühle 33
iii) Homerische Feuerteufel 33
iv) Verbrennung und Brandopfer 34
µ) Ça ça, geschmauset 35
ν) Trauer und Beileid 36
ξ) Zusammengefaßt 36
ο) Ahnenkult 38
i) Skulpturen und Bilder 38
ii) L´art pour l´art und Familiengeschichte 38
iii) Literarische Selbstzeugnisse S 39
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5) Die Feierlichkeiten für Augustus S. 40
b) Die Testamentsverlesung
c) Die Grabreden S. 40
d) Die Bestattung S. 41
IV. Die Apotheose des Kaisers S. 43
V. Kommentar S. 45 1) Augustus als Pater Patriae S. 45
2) Heldenschau im Buch VI der Aeneis S. 46
3) Vergils gelungene Inszenierung des Princeps auf der Bühne des Welttheaters S. 48
VII. Quellen- und Literaturverzeichnis S. 50
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I. Einleitung
Die vorliegende Arbeit befaßt sich mit dem Begräbnis des römischen Kaisers Augustus. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht das Begräbniszeremoniell, welches mit früheren Bestattungen adeliger Römer verglichen wird.
Eine ausführliche vergleichende Darstellung wird Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den letzten Tagen der Verstorbenen, der Beisetzung selbst und der Apotheose verblichener Herrschergestalten aufzeigen. Der Befund über den Monarchen Augustus stützt sich in der Hauptsache auf die Berichte von Sueton, 1 Cassius Dio 2 und Tacitus, 3 die in ihrem Urteil über den ersten gefestigten Kaiser jeweils der Zeit gemäß variieren. Näher betrachtet wird das Zeremoniell seiner Beisetzung unter Berücksichtigung des Übergangs von der Republik zum Prinzipat, 4 der Rolle des Kaisers als pater patriae und seinem daraus abgeleiteten Traditionsverständnis und der konstruierten Ahnenreihe bis hin zu Romulus bei Vergils Heldenschau im Buch VI der Aeneis.
II. Die letzten Tage des Augustus
1) Augusti Mißtrauen
Am Ende seines Lebens konnte der Kaiser Augustus auf eine bewegte und erfolgreiche Vergangenheit zurückblicken. Seine res gestae, die der Nachwelt mit dem Monumentum Ancyranum überliefert sind, sprechen eine deutliche Sprache. Der Herrscher bemüht sich um ein mildes, bescheidenes und gerechtes, aber entschlossenes und unübertroffenes Bild seiner selbst im Urteil der Geschichte. 5 Sein letzter Wille bestimmt die Augustusrezeption späterer Generationen bis heute.
Cassius Dio berichtet von einer zunehmenden Altersunsicherheit des einst so stolzen und starken Herrschers. So soll er in den letzten Jahren seines Lebens vielfach von Stimmungen, aber auch von Einflüsterungen abhängig gewesen sein. Von Furcht und Aberglauben
1 Sueton: Kaiserbiographien, übers. u. hrsg. v. Otto Wittstock (Schriften und Quellen der alten Welt, Bd. 39), Berlin 1993.
2 Cassius Dio: Römische Geschichte, Bd. IV, Bücher 51-60, übers. u. hrsg. v. Otto Veh, (Bibliothek der alten Welt. Griechische Reihe), Zürich/München 1986.
3 Tacitus: Annalen. Lateinisch und deutsch, übers. u. hrsg. v. Erich Heller, 2. durchgs. u. erw. Aufl. (Sammlung Tusculum), Zürich/München 1992.
4 Vgl.: Sion-Jenkis, Karin: Von der Republik zum Prinzipat. Ursachen für den Verfassungswechsel in Rom im historischen Denken der Antike (Palingenesia, Bd. 69), Stuttgart 2000.
5 Vgl.: Augustus: Res gestae. Tatenbericht (Monumentum Ancyranum). Lateinisch, Griechisch und Deutsch, übers. u. hrsg. v. Marion Giebel, bibliogr. rev. Aufl. Stuttgart 2004.
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getrieben entwickelte Augustus Züge von Unsicherheit und Eitelkeit. 6 Als in Rom zahlreiche Schmähschriften in Umlauf waren, 7 befahl er, diese einzuziehen und auf Scheiterhaufen zu verbrennen. Die Verfasser ließ er ermitteln und teilweise bestrafen. 8 Er versah jedoch die Staatsgeschäfte darum nicht müßiger. So erlaubte er den Rittern, sich um das Volkstribunat zu bewerben. Da er erfuhr, daß auf einzelne Personen Schmähschriften geschrieben werden, so ließ er Untersuchungen anstellen, die in der Stadt vorgefundenen von den Aedilen, 9 außerhalb der Stadt aber von den jeweiligen Ortsobrigkeiten verbrennen, und einige der Verfasser sogar zur Strafe ziehen. 10 (Cass. Dio LVI 27, 1.)
Unter seiner Herrschaft soll es „Hunderte, ja sogar Tausende von Verbannten gegeben haben, die man aus Rom und aus Italien ausgewiesen hatte.“ 11 So hielt er sich seine Widersacher vom Leibe, traf jedoch in fortgeschrittenem Alter Verfügungen, daß die Verbannten, welche offenbar einen bequemen Lebenswandel pflegten und die ihnen auferlegte Residenzpflicht nicht allzu genau nahmen, in ihrer Bewegungsfreiheit und persönlichen Habe strengen Beschränkungen zu unterliegen haben. Bengtson wähnt, diese Anordnungen seien aus Angst vor Anschlägen ergangen. 12
2) Letzte Verfügungen
Altersmüde erbat sich der greise Kaiser im Jahre 13 n. Chr. einen Beraterstab von zwanzig Personen, die ihm zu Hause zur Seite standen, um nicht jedesmal den beschwerlichen Weg zum Senatsgebäude auf sich nehmen zu müssen. Die Beschlüsse dieser „Senatskommission“, welcher neben Tiberius und den amtierenden und designierten Konsuln auch die Enkel des Kaisers, nämlich Germanicus und möglicherweise auch Drusus angehörten, sollten die Wirkung von Senatsbeschlüssen haben. 13 Somit konnte gewährleistet werden, daß auch auf die letzten Tage des Herrschers keine Alleingänge seitens des Senates zu erwarten waren. Noch im selben Jahr ließ er sich auf weitere zehn Jahre zum fünften Mal das proconsulare Imperium übertragen - widerwillig und wohlwissend, daß diese Amtszeit nicht von langer
6 Vgl. Bengtson, Hermann: Kaiser Augustus. Sein Leben und seine Zeit, München 1981, S. 256.; Im allgemeinen liefert die Augustusbiographie Bengtsons nur schwache und mehr mutmaßende als belegte Befunde über die einzelnen Stationen im Leben des Kaisers.
7 Bengtson behauptet a.a.O., daß über Augustus selbst solche Pamphlete kursierten und stützt sich dabei auf Cass. Dio LVI 27, 1. Die Quelle spricht jedoch nur von einzelnen Bürgern/Personen.
8 Vgl.: Cass. Dio LVI 27, 1.
9 Def.: „Magistrat Romain, qui avoit inspection sur les édifices publics, sur les jeux, etc.“, in: Dictionnaire de L'Académie française, 5. Aufl., Paris 1798, S. 465.
10 Cassius Dio: Römische Geschichte, Bd. 6, Bücher 44-61, übers. u. hrsg. v. Leonhard Tafel, Stuttgart 1834.
11 Bengtson: Augustus, a. a. O.
12 Ders.: Augustus, S. 257.
13 Ebd.
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Dauer sein werde. Daher machte er am 3. April des Jahres 13 n. Chr. sein definitives 14 Testament. 15
Dieses lag in zweifacher Ausfertigung vor, sodaß ein Exemplar den Vestalinnen zur sicheren Verwahrung übergeben und die Kopie C. Sallustius Crispus, einem engen Vertrauten des Kaisers und Freund des Tiberius, ausgehändigt wurde. 16 Zusätzlich existierten noch drei weitere Schriftstücke, die gemeinsam mit dem Testament verwahrt wurden. Sein Testament hatte er unter den Konsuln Lucius Plancus und Gaius Silius am 3. April, ein Jahr und vier Monate vor seinem Tode, abgefaßt und in zwei Bänden teils eigenhändig geschrieben, teils von seinen Freigelassenen Polybios und Hilario schreiben lassen. Die Vestalinnen, bei denen es verwahrt worden war, legten es jetzt zusammen mit drei ebenfalls versiegelten Schriftrollen vor. Alle diese Schriftstücke wurden im Senat eröffnet und verlesen. (Suet. Aug. 101,1.)
Neben seinem letzten Willen enthielten die Schriftrollen zum einen eine Anordnung über sein Begräbnis (mandata de funere), dann seinen Tatenbericht (res gestae), der an seinem Mausoleum angebracht war, und schließlich eine Auflistung über die Hilfsquellen des Reiches in Form eines Handbuches (breviarium totius imperii). 17 Nun wurden aber noch vier Bücher hereingebracht, und Drusus verlas sie. Im ersten standen nähere Anweisungen für sein Leichenbegräbnis; im zweiten waren sämtliche Taten, die er vollbracht, aufgezeichnet, sie sollten nach seinem Befehl auch auf ehernen Säulen eingegraben und diese rings um sein Heroenheiligtum aufgestellt werden; (2) das dritte Buch enthielt eine Rechenschaft über militärische Gegenstände, die öffentlichen Einkünfte und Ausgaben, die in den Schatzkammern ruhenden Geldbeträge und alles, was sonst dergleichen sich auf die
14 Schon für das Jahr 23 v. Chr. sind Testamentsschriften des Augustus bekannt. (Cass. Dio 53,30,1f.) Der Herrscher hatte vorgesorgt, als er schwer erkrankte und sich vor dem Hintergrund politischer Unwägbarkeiten lieber im Schutze einer Nachlaßregelung bewegte, die von Zeit zu Zeit den Umständen angepaßt wurde. So werden vor allem für das Jahr 2/1 v. Chr. weitere Testamente vermutet. (Bengtson, 251) Dies zeigt einen weitsichtigen Monarchen, der die Stabilität des Reiches auch bei seinem plötzlichen Tod gewährleisten wollte. Dennoch war es für einen Römer keine Ausnahme, sondern eher eine Selbstverständlichkeit, für den Fall der Fälle mit einem Testament seine Verbindlichkeiten zu regeln. „Als echter Römer hat Augustus sein Leben lang unter dem Schutz eines Testamentes gestanden.“ s. Bengtson, S. 263.
15 Zum Teil soll Augustus das Testament eigenhändig verfaßt haben. An anderen Stellen haben ihm seine Freigelassenen, Polybios und Hilarion, assistiert. (Bengtson) Anderer Ansicht ist E. Hohl, der von den zwei Ausfertigungen jeweils eine dem Kaiser und den beiden Freigelassenen als eigenständige Arbeit zuweist. vgl. Hohl, Ernst: Augustus, in: Klio 30 (1937), S. 340.
16 Vgl. Hohl, a. a. O.
17 Über römsiche Testamentspraktiken siehe sehr amüsant Lucian Nigr. 30, in: Lucian: Werke, Bd. I, übers. v. Th. Fischer, Stuttgart 1866.: Die Pferderaserei ist in Wahrheit groß und hat bereits viele ergriffen, die sonst für wacker gelten. Hierauf berührte er (sc. Nigrinus, ein von den Stoikern aus Gründen der Askese und Läuterung verprügelter und daher entflohener Eleve) ein anderes Schauspiel (in Rom), die Schar derer, die sich um Leichenbegräbnisse und Testamente abmühn, wobei er hinzufügte, daß die Römer in ihrem ganzen Leben ein wahres Wort aussprechen, nämlich in ihren Testamenten (Anm. d. Übers.: Es war Sitte bei den Römern (sagt Sueton Octav. 56) in den Testamenten Scheltworte und Schmähungen zu äußern und über jeden beliebigen seine Meinung frei zu sagen.), damit ihnen ihre Wahrheit nicht schaden bringe. Bei diesen seinen Worten brachte es mich auch zum Lachen, daß sie ihre Einfältigkeiten sogar mit sich ins Grab nehmen wollen und ihren Stumpfsinn schriftlich eingestehen, indem die einen ihre Kleider mit sich verbrennen lassen, andere einen anderen Gegenstand, den sie im Leben wert hielten, noch andere verordnen, daß Sklaven bei ihren Gräbern verweilen sollen, wieder andere, daß ihre Grabsteine mit Blumen bekränzt würden, denn sie bleiben auch noch in ihrem Tode töricht.
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Reichsverwaltung bezog. (3) Das vierte Buch endlich befaßte sich mit Aufträgen und Anweisungen für Tiberius und für den Staat. 18 (Cass. Dio LVI 33,1-3.)
3) Das Ende naht
Glaubt man den Quellen, so war es für eine solche Nachlaßregelung des Kaisers höchste Zeit, da diesem die Vorsehung sein nahendes Ende in Form unheilverheißender Zeichen ankündigte. Schon am 23. September 13. n. Chr., also am letzten Geburtstag des Augustus, trug sich Merkwürdiges zu. So soll sich nach dem Bericht des Cassius Dio ein Geisteskranker auf einen für Iulius Caesar bestimmten Sessel niedergelassen und sich dessen Krone aufs Haupt gesetzt haben. 19
Der Vorgang erfüllte alle mit Schrecken; schien er doch eine gewisse Bedeutung für Augustus zu haben, was sich dann auch in der Tat als richtig herausstellte. (2) Denn im Jahre darauf … begab sich der Kaiser nach Kampanien, richtete die Spiele in Neapel aus und starb dann zu Nola. Vorzeichen aber, die ihm das Schicksal ankündigten, waren in nicht geringer Zahl eingetreten und unschwer zu deuten. (Cass. Dio LVI 29,1-2.)
Im Todesjahr des Princeps häuften sich angeblich die Ereignisse. Cassius Dio berichtet von einer totalen Sonnenfinsternis am 18. April 14 n. Chr., sodaß der Himmel von Feuer gerötet gewesen sei, glühende Funken herabfielen und blutrote Kometen ihre bedrohlichen Bahnen am Firmament zogen. Der Senat, der angesichts der Erkrankung des Kaisers zusammentreten wollte, fand das Senatsgebäude verschlossen, auf dem Dach eine Eule, die klagend ihren Ruf ertönen ließ. 20 Am merkwürdigsten mußte dem damaligen Betrachter folgendes von mehreren Seiten verbürgte Ereignis erscheinen:
Auch schlug ein Blitz in sein Standbild auf dem Capitol und tilgte den ersten Buchstaben seines Namens Caesar. Infolgedessen erklärten die Wahrsager, er werde am hundertsten Tage danach eines irgendwie göttlichen Zustandes teilhaftig. Diese Prophezeiung wollten sie daraus ableiten, daß der Buchstabe „C“ bei den Lateinern soviel wie „einhundert“ bedeutet und der gesamte Namensrest 21 bei den Etruskern „Gott“ heißt. (Cass. Dio LVI 29,4.)
Zu diesem wunderlichen Geschehen, auf welches bezüglich der Apotheose noch einmal gesondert eingegangen wird, bemerkt Bengtson augenzwinkernd: „Der moderne Historiker tut
18 Cassius Dio und Sueton stimmen in ihren Angaben über die Zahl der Schriftstücke nicht überein. Cass. Dio behauptet vier, Sueton drei.
Von den drei anderen Schriftrollen enthielt die eine seine Wünsche hinsichtlich der Bestattung, die zweite eine Darstellung seiner Tätigkeit, die er in Bronzetafeln eingraviert und vor dem Mausoleum aufgestellt wissen wollte, die dritte schließlich einen Überblick über das ganze Reich... (Suet. Aug. 101,4.) Bringmann/Wiegandt bezweifeln, ob es ein viertes Schriftstück mit Ratschlägen über die künftige Regierung überhaupt gegeben habe. vgl. Bringmann, Klaus/Wiegandt, Dirk (Hrsg.): Augustus. Schriften, Reden und Aussprüche (Texte zur Forschung, Bd. 91), Darmstadt 2008, S. 223, insb. S 226 (Kommentar zu 228 F).
19 Cass. Dio LVI 29,1.
20 Cass. Dio LVI 29,3.
21 Vgl. Suet. Aug. 97,2.: …AESAR, (was) im Etruskischen „Gott“ bedeute.
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gut, sich hier des Urteils zu enthalten, denn all diese Vorzeichen sind natürlich erst bekannt geworden, als der Kaiser nicht mehr unter den Lebenden weilte.“ 22 Auf seine letzten Tage begab sich Augustus gemeinsam mit Tiberius, der eine Reise nach Illyrien unternehmen wollte, nach Benevent. Obwohl er unterwegs erkrankte, zeigte sich der Kaiser von seiner heitersten Seite und war stets zu scherzen aufgelegt. Als er nun im Begriff war, Tiberius nach Illyrien zu entlassen und ihn bis Beneventum zu geleiten, hielten ihn Antragsteller mit immer neuen Fällen beim Rechtsprechen fest, so daß er schließlich ausrief - was später auch bald zu den Vorzeichen gerechnet wurde -, auch wenn ihn alles aufhalten wolle, werde er dennoch fortan nicht in Rom bleiben. 23 So begann er seine Reise und gelangte bis Astura. Von dort schiffte er sich wegen eines günstigen Windes entgegen seiner Gewohnheit des Nachts ein und zog sich einen Durchfall zu, die erste Ursache seiner Erkrankung. Dann besuchte er die Küste von Kampanien und die nahegelegenen Inseln, verbrachte auch vier Tage in der Abgeschiedenheit von Capri, völlig der Muße und dem Frohsinn hingegeben. (Suet. Aug. 97,3.)
4) Auf dem Sterbebett
Als sich seine Krankheit verschlimmerte, schleppte sich der Kaiser noch bis nach Nola, wo er in seinem Vaterhaus Aufnahme fand und sich alsbald zum Sterben bereiten sollte. Sueton behauptet, er habe sich lange mit Tiberius unter vier Augen unterhalten, 24 jedoch mag es sein, „daß hier die Hofversion der Ereignisse unmittelbar vor dem Tod des Kaisers vorliegt.“ 25 Doch auch als von Krankheit geschwächter Greis behielt der Monarch Haltung und Würde. An seinem letzten Tag ließ er sein Äußeres ordentlich herrichten und befahl seine Freunde zu sich.
An seinem letzten Lebenstage fragte er zu wiederholten Malen, ob seinetwegen draußen bereits Unruhe herrsche. Auch verlangte er einen Spiegel, ließ sich das Haar kämmen und die herabgesunkenen Kinnladen zurechtrücken. Danach rief er seine Freunde und fragte sie, ob er denn wohl die Komödie seines Lebens anständig gespielt habe, und endete mit der Schlußformel:
Darauf schickte er alle hinaus.
(Suet. Aug. 99,1.)
Der Vergleich mit dem Mimus, dem Nachspiel auf dem Theater, zeigt, daß Augustus sein Leben nicht als Tragödie verstanden wissen wollte, sondern fröhlich und zufrieden aus der
22 Bengtson: Augustus, S. 258.
23 Vgl. Bengtson, S. 260; „Augustus soll sogar gesagt haben: Wenn alles auf diese Weise in die Länge gezogen wird, so habe ich keine Lust mehr, mich danach in Rom wieder sehen zu lassen.“
24 Vgl. Suet. Aug. 98,5: Bei der Rückkehr aber verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. In Nola endlich konnte er nicht mehr weiter, ließ Tiberius von seiner Reise zurückrufen und behielt ihn zu einem langen Gespräch unter vier Augen bei sich. Danach befaßte er sich nicht mehr mit irgendwelchen wichtigeren Dingen.
25 Bengtson: Augustus, S. 261.
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Welt schied. Anders hingegen wertet Cassius Dio diesen letzten Aufzug des Kaisers. Er berichtet:
Gleich den Possenreißern am Ende eines Komödienspiels verlangte er aber auch von seinen Freunden einen gewissen Beifall und verspottete höchst nachdrücklich das ganze Menschenleben. (Cass. Dio LVI 4.)
Dieses Urteil fällt sicherlich zu negativ aus. „In heiterer Stimmung hatte er seine letzte Reise von Rom nach Benevent angetreten, und es wäre ganz verfehlt, anzunehmen, Augustus habe die Reise als einen Übergang in die jenseitige Welt aufgefaßt. Ungebrochenen Geistes und mit hoher Befriedigung blickte er auf das von ihm Geleistete zurück.“ schlußfolgert dagegen Bengtson. 26 Für historisch hält Bengtson ebenfalls die letzten Worte des Kaisers, die er liebevoll an seine Ehefrau Livia richtet. Der Chronist berichtet: Und während er sich bei den eben aus Rom Angekommenen nach der kranken Tochter des Drusus erkundigte, starb er plötzlich unter den Küssen der Livia mit den Worten: „Livia, gedenke unserer Ehe und lebe wohl.“ So wurde ihm der leichte Tod zuteil, den er sich immer gewünscht hatte. (Suet. Aug. 99,1.)
5) Augusti Tod
So also starb Augustus im Alter von fast 76 Jahren. Bengtson schreibt in dessen Biorgaphie: „Der Kaiser konnte in dem Bewußtsein sterben, seine Pflicht gegenüber dem Staat voll erfüllt zu haben. Er hatte der Welt Frieden gegeben, dessen sie am meisten bedurfte.“ 27 Auf Drängen seiner Frau Livia sicherte er deren Sohn Tiberius die Nachfolge und übergab das Reich in geordneten Verhältnissen seinen Erben. Cassius Dio konnte sich jedoch nicht zurückhalten, mit dem Tode des Monarchen ein langlebiges Gerücht in die Welt zu setzen, welches des Kaisers Gattin in ein sehr schlechtes Licht rückte.
Augustus erkrankte nun und starb. Im Zusammenhang mit seinem Ableben geriet Livia in einigen Verdacht; er war nämlich heimlich zu Agrippa auf die Insel hinübergefahren und schien sich mit ihm auch ganz und gar ausgesöhnt zu haben. (2) Livia aber war, wie man sagt, in Furcht, Augustus möchte ihn zurückholen und zum Herrscher machen, und so bestrich sie einige Feigen mit Gift, die noch an den Bäumen hingen, von wo Augustus gewöhnlich eigenhändig die Früchte brach; dann verzehrte sie selber jene, die nicht bestrichen waren, und bot gleichzeitig die vergifteten ihrem Gatten. (Cass. Dio LVI 30,1-2.)
Diese Version, die von Tacitus gestützt und von Aurelius Victor im 4. Jahrhundert n. Chr. aufgegriffen wird, ist bezüglich des Wahrheitsgehaltes über einen gewaltsamen Tod des Herrschers wohl eher nicht haltbar. Tacitus erzählt:
26 Ders.: S. 262.
27 Ebd.
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Während man dies und ähnliches so dahinredete, verschlimmerte sich die Krankheit des Augustus, und manche argwöhnten eine Vergiftung durch seine Gattin. Denn das Gerücht hatte sich verbreitet, wenige Monate zuvor sei Augustus mit Wissen Auserwählter allein in Begleitung des Fabius Maximus nach Planasia gefahren, um Agrippa zu besuchen: viele Tränen dort auf beiden Seiten und Liebesbeteuerungen hätten die Hoffnung genährt, der junge Mann werde dem Haus des Großvaters wiedergegeben werden. (…) Die erste Untat der neuen Regierung war des Postumus Agrippa Ermordung. (Tac. ann. I 5,1/6,1.)
Verständlich sind zwar die Bedenken der Livia, daß eine Aussöhnung zwischen Augustus und dem in die Verbannung geschickten Feldherrn und Kaiserenkel Agrippa die Nachfolge ihres Sohnes Tiberius, der nicht der gemeinsamen Ehe entsprang, gefährden würde, jedoch ist eine solche Bluttat nicht weiter belegt. Dennoch könnte es sich hier um eine Analogie zum Ableben des Vorgängers des Augustus, Iulius Caesar, handeln, da auch an anderen Stellen in den Kaiserbiographien ähnliche Erzählmuster und Handlungsabläufe zu verzeichnen sind. Seit der biographischen Geschichtsschreibung Suetons waren solche Dubletten üblich. Vielmehr starb der Kaiser in hohem Alter, weil „seine Lebenskräfte aufgezehrt waren“ 28 zu einer Zeit, da er die Verhältnisse in seinem Reich geordnet und Vorsorge für die Rezeption seiner Taten nach dem Tode getroffen hatte.
Jedenfalls rief er seine Gefährten zusammen, teilte ihnen all seine Wünsche mit und erklärte zum Schluß: „Ich übernahm Rom als eine Ziegelstadt und überlasse sie euch als eine Marmorstadt.“ Damit wies er nicht genau auf das Aussehen der städtischen Bauwerke, vielmehr auf die Stärke des Reiches. (Cass. Dio LVI 30,3-4.)
Mit seinen Res gestae hat er der Nachwelt ein Selbstzeugnis über seine Tüchtigkeit als Staatsmann und Feldherr hinterlassen, die keinen Zweifel an seiner Größe gestatten. Würdevoll konnte der Monarch im höchsten Greisenalter 29 die Bühne des großen Welttheaters verlassen und sich des langanhaltenden Applauses der römischen Öffentlichkeit gewiß sein. Auf dem Zenit seiner Macht gesellte sich Augustus an die Seite seiner Ahnen, um nun ebenfalls Teil einer kultischen Verehrung zu werden.
III. Die Bestattung des Kaisers
1) Der Leichnam wird nach Rom überführt
Nachdem das Auge des Augustus brach, setzte sich sein Leichenzug von Nola nach Bovillae in Bewegung. Dabei wurden die sterblichen Überreste des Kaisers wegen der Sommerhitze
28 Ebd.
29 Cass. Dio LVI 30,5: So verschied er am 19. August, an dem Tage, da er einst zum ersten Male Konsul geworden war. Gelebt hatte er 75 Jahre, 10 Monate und 26 Tage - sein Geburtstag war der 23. September - und seit seinem Sieg bei Actium die Alleinherrschaft 44 Jahre weniger 13 Tage geführt.
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aus Furcht vor Verwesungserscheinungen immer nur nachts transportiert. Angeblich soll Livia seinen Tod vorerst noch geheimgehalten haben, weil sie befürchtete, es könnte in Rom zu Umsturzversuchen kommen, solange ihr Sohn sich nicht im Zentrum der Macht befinde, um diese für sich zu beanspruchen. 30
Zunächst geleiteten den Sarg die Dekurionen, also die Stadträte der Munizipien und Kolonien, bis Bovillae, einem kleinen Ort in der Nähe Roms. Hier decken sich die Berichte von Sueton und Cassius Dio über den Heimgang des Kaisers.
Augustus´ Leiche trugen von Nola aus nacheinander die ersten Bürger jeder Stadt, und als sie in die Nähe Roms gelangte, übernahmen sie die Ritter und brachten sie zur nächtlichen Stunde in die Stadt hinein. (Cass. Dio LVI 31,2.)
Analog dazu schreibt Sueton etwas ausführlicher:
Seinen Leichnam trugen die Decurionen der Kleinstädte und Kolonien von Nola bis nach Bovillae, wegen der Jahreszeit des Nachts, während er am Tage in der Basilika oder im größten Tempel der jeweiligen Stadt aufgebahrt wurde. Von Bovillae an übernahm den Leichnam der Ritterstand, trug ihn nach Rom hinein und bahrte ihn im Vorhof seines Hauses auf. (Suet. Aug. 100,2.)
2) Vorbereitungen für die Bestattungszeremonie
Jetzt, wo der Monarch verschieden war, galt es, seiner ehrend zu gedenken und den Nachlaß zu verteilen. Dabei soll sich nach Sueton und Cassius Dio der Senat zunächst etwas übereifrig gebärdet haben, weil sich scheinbar niemand nachsagen lassen wollte, er hätte dem Verstorbenen nicht die ihm gebührende Ehrerbietung erwiesen.
Der Senat ging bei der Ausgestaltung der Trauerfeierlichkeiten und bei der Ehrung seines Andenkens in seinem Eifer so weit, daß einige unter anderem meinten, der Trauerzug müsse durch das Triumphtor geführt werden, wobei die in der Kurie aufgestellte Siegesgöttin voranziehen und Kinder beiderlei Geschlechts aus den vornehmsten Familien einen Trauergesang singen sollten, andere hingegen, am Tage der Bestattung solle man die goldenen Ringe abnehmen und dafür eiserne anlegen, wiederum einige andere, seine Gebeine sollten von Priestern der höchsten Kollegien eingesammelt werden. Es gab sogar jemanden, der dazu rief, den Namen des Monats August auf den September zu übertragen, weil Augustus im letzteren geboren, im ersteren aber gestorben sei. Ein anderer empfahl, die gesamte Zeit vom Tage seiner Geburt bis hin zu seinem Tode das Jahrhundert des Augustus zu nennen und als solches in den Kalender einzutragen. (Suet. Aug. 100,2-3.)
3) Allgemeine Volkstrauer
Offensichtlich mußte der Monarch in hohem Ansehen gestanden haben und von Volk und Senat nicht nur geachtet, sondern auch aufrichtig geliebt worden sein; zumindest dann, wenn
30 Vgl. Cass. Dio LVI 31,1.
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Sven Lachhein, 2008, Römischer Bestattungsbrauch am Beispiel des göttlichen Kaisers Augustus, München, GRIN Verlag GmbH
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