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Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Polyandrie bei den Kelten 5
2. Polyandrie bei den Spartanern 6
3. Polygynie in Mesopotamien 8
4. Polygynie bei den Makedoniern 11
5. Polygynie bei den Persern 13
6. Geschwisterehe in Ägypten 14
Zusammenfassung 16
Quellen und Literaturverzeichnis 18
Quellen 18
Literatur 18
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Einleitung
In der Antike gab es nicht nur die von den Römern und Griechen praktizierte Monogamie, sondern daneben auch weitere Eheformen. In einer Reihe von Kulturen existierte Polygamie – eine Form der Ehe, bei der ein Partner ständig mit mehreren Partnern des anderen Geschlechts zusammenlebt. Aufgrund ihrer Kontakte zu anderen Kulturen der antiken Welt, wussten Griechen und Römer sehr wohl, dass neben ihrer monogamen Eheform auch Polygynie – die eheliche Verbindung eines Mannes mit mehreren Frauen – und die seltenere Form der Polyandrie – die eheliche Verbindung einer Frau mit mehreren Männern praktiziert wurden. Auch war in einigen Kulturen die Geschwisterehe üblich.
Polygamie ist nach wie vor ein aktuelles Thema, denn sie wird auch heute noch beispielsweise in Tibet praktiziert. Hier sind sowohl Polygynie als auch in anderen Gegenden Polyandrie verbreitet. Üblich ist, dass bei der Polygynie ein reicher Mann mehrere Schwestern heiraten kann und dass bei der Polyandrie eine Frau mehrere, meistens zwei, Brüder heiratet. Die Eheform der Polyandrie hat ihren Ursprung in der tibetischen Feudalzeit. So konnte ein männliches Familienmitglied zur Sklavenarbeit herangezogen werden, während das Land der Familie weiterhin von dem weiteren männlichen Familienmitglied bestellt werden konnte. 1 Im Folgenden sollen exemplarisch anhand mehrerer Kulturen verschiedene polygamische Eheformen der Antike beleuchtet werden. Zentrale Fragen, die beantwortet werden sollen, sind zum einen, welche Gründe Polygamie hat und zum anderen, unter welchen Bedingungen und Voraussetzungen sie auftritt.
Ziel ist es, zu zeigen, dass Polygamie in der Antike weit verbreitet war. Daher können aufgrund der Fülle der verschiedenen untersuchten Kulturen die jeweiligen politischen, sozialen, rechtlichen und kulturellen Rahmenbedingungen nicht detailliert analysiert werden. 2 Quellen für dieses Thema finden sich bei den griechischen und römischen Schriftstellern, die selbst in den Kontakt mit den Sitten anderer Kulturen gekommen waren, wie Plutarch, Polybios und Caesar. Daneben bietet das Alte Testament Belege für Polygamie im alten 1 Henrik Bork: Drei sind keiner zuviel. Eine alte Tradition und ein ökonomischer Vorteil – warum in den Bergen oberhalb des Jangtse Ehen funktionieren, die sonst überall nur Stress bedeuten. In: Süddeutsche Zeitung 162 (17. Juli 2007).
2 Auf die (Ehe-)Verhältnisse bei den Griechen und Römern soll in dieser Arbeit nicht eingegangen werden. In Griechenland gibt es auch seltene Fälle von Polygamie, beispielsweise hatte Sokrates zwei Frauen und der Tyrann von Syrakus, Dionysius I., heiratete zwei Frauen an demselben Tag. Doch da dies Ausnahmefälle darstellen, soll im Folgenden nur auf Kulturen eingegangen werden, bei denen Polygamie verbreiteter war. Vgl.: Walter Becker: Platons Gesetze und das griechische Familienrecht. Eine rechtsvergleichende Untersuchung. München 1932, S.83-85., zu möglichen polygamen Verhältnissen in Rom vgl.den unergiebigen Aufsatz von Dorit Engster: Römisches Frauenlob und Polyandrie- die Grabinschrift der Allia Potestas. In: Archiv für Kulturgeschichte 85 (2003), S.143-169, hier: 157f.
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Mesopotamien und im alten Israel. Herodot ist mit seinem Bericht über seine Reisen bis nach Ägypten und Skytien eine Quelle für die orientalischen Völker der Antike. Allerdings wird in sämtlichen Quellen die polygamische Eheform im Zuge der Lebensbeschreibungen bekannter Persönlichkeiten meist nur erwähnt und nicht weiter analysiert.
Einschlägige Literatur zu dem Thema Polygamie in der Antike ist kaum vorhanden. Beispielsweise lässt selbst der Neue Pauly einen eigenen Artikel zur Polygamie vermissen. 3 Unter dem Stichwort „Ehe in der Antike“ wurde bisher viel geschrieben, aber in den meisten Werken wird auf einleitende Definitionen verzichtet und sich auf die monogamen Eheformen der Griechen und Römer konzentriert, ohne zu erwähnen, dass daneben andere Formen der Ehe existierten. Ehe in der Antike wird vor allem im Zuge der – anglistischen- Gender- und Frauenforschung behandelt. 4 Unter dem Schlagwort der Polygamie finden sich vor allem Werke über Polygamie im heutigen Afrika und bei den Mormonen. Ein überblicksartiges Werk, das eine Gesamtschau der verschiedenen Eheformen antiker Kulturen bietet, ist m.E. ein Desiderat.
Literatur über Polygamie der Makedonier, wie die Aufsätze von Carney 5 , und der Perser, wie das Werk von Brosius 6 beschreibt vor allem die extrem komplexen dynastischen Strukturen und dynastischen Machtkämpfe der Perser und Makedonier. Ebenso ist dies der Fall bei dem Werk von Odgen 7 Zur Polygamie im alten Mesopotamien liefert Friedl 8 die zentrale Darstellung. Zur Polygamie in Sparta liefert der Aufsatz von Schmitz, der das Thema unter einem stark ethnologisch-anthropologischen Blickwinkel untersucht, Informationen. 9 Für Polygamie bei den Kelten ist beispielsweise das Werk von Moreau 10 hilfreich. Informationen über polygame Eheformen sind in der Literatur zu den Kelten kaum vorhanden, denn überwiegend stehen rein archäologische Themen im Vordergrund.
3 Im Neuen Pauly wird in dem Artikel über Ehe lediglich in zwei Sätzen erwähnt, dass es im Alten Orient Polygamie gab. vgl.: Raymond Westbrook: Ehe. In: Hubert Cancik/ Helmuth Schneider (Hrsg.): Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Bd. 3. Stuttgart 1997/1999, Sp. 893.
4 vgl.: Helga Brandt: Frauen in der keltischen Gesellschaft. Forschungsansatz und Forschungsstand. In: Archäologische Informationen 18 (1995), S.87-90.
5 Elizabeth Carney: Alexander and Persian Women. In: American Journal of Philology 117 (1996), S.563-583. und: Elizabeth Carney: The Politics of Polygamy. Olympias, Alexander and the Murder of Philip. In: Historia: Zeitschrift für Alte Geschichte 41 (1992), S.169-189.
6 Maria Brosius: Women in Ancient Persia 559-33 BC. Oxford 1996.
7 Daniel Odgen: Polygamy, Prostitutes and Death. The Hellenistic Dynasties. London 1999.
8 Corinna Friedl: Polygamie in Mesopotamien und Israel. Sozialgeschichtliche Analyse polygamer Beziehungen anhand rechtlicher Texte aus dem 2. und 1. Jahrtausend v. Chr. Münster 2000.
9 Winfried Schmitz: Die geschorene Braut. Kommunitäre Lebensformen in Sparta. In: Historische Zeitschrift 274 (2002), S.561-602.
10 Jacques Moreau: Die Welt der Kelten. Stuttgart 1958.
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Zunächst werden die Polyandrie bei den Kelten, wofür Caesar als zentrale Quelle dient, und bei den Spartanern, wo Xenophon und Polybios Quellenmaterial liefern, betrachtet. Danach soll die Polygynie im alten Mesopotamien untersucht werden, wofür das Alte Testament als Quelle dient. In diesem Abschnitt wird auch auf das alte Israel und die Sonderform der Leviratsehe eingegangen. In einem nächsten Kapitel wird die Polygynie in Makedonien untersucht, wobei aufgrund des Quellen- und Literaturmaterials nur die Situation im Herrscherhaus betrachtet werden kann. Plutarch ist als Quelle hierfür zu nennen. In einem weiteren Schritt wird aufgrund der Quellenbasis von Strabon und Herodot die Polygynie bei den Persern untersucht. Zuletzt soll noch auf die Geschwisterehe, die vor allem im ägyptischen Herrscherhaus praktiziert wurde, eingegangen werden.
1. Polyandrie bei den Kelten
Einzig Caesar berichtet, dass die Kelten Großbritanniens polygame Ehen führten. Bei den Kelten der Gegend um Kent sind Frauen mit mehreren Männern gleichzeitig verheiratet. „Von allen Einwohnern sind am meisten zivilisiert die Bewohner von Cantium (…) Zehn Männer, in anderen Fällen zwölf, haben gemeinsam Frauen, und zwar meist Brüder mit Brüdern und Väter mit ihren Söhnen. Von ihnen stammende Kinder gelten als deren Kinder, die ein Mädchen zuerst heimführten.“ 11 Polyandrie scheint aber nur in Großbritannien vorgekommen zu sein. Dieser Sonderfall lässt sich mit der starken Stellung der Frau im Inselkeltentum erklären. Hier waren die Kelten wahrscheinlich matriarchalisch organisiert. Auf dem Festland dagegen lebten die Kelten monogam und ihre Gesellschaft war rein vaterrechtlich bestimmt. 12 Dass Polyandrie eine Ausnahme auch im Inselkeltentum darstellte, zeigt die Tatsache, dass das altirische Recht – zumindest für die Oberschicht – Polygynie vorsah, jedoch nicht Polyandrie. 13 Bei den Germanen war immer die Möglichkeit vorhanden, mehrere gesetzlich vollgültige Ehen nebeneinander zu schließen, wovon allerdings nur Reiche Gebrauch machen konnten. 14 In der „Germania“ des Tacitus findet sich ein Hinweis darauf, dass Polygamie bei den Germanen vorkam. „Trotzdem hält man dort die Ehen sehr streng ein, und keinen
11 « uxores habent deni duodenique inter se communes et maxime fratres cum fratribus parentesque cum liberis. sed qui sunt ex iis nati, eorum habentur liberi, quo primum virgo quaeque deducta est.“ (Caesar : Der Gallische Krieg, Buch V 14).
12 Moreau: Kelten, S.59.
13 Birkhan, Helmut: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. Wien 1997, S.1031. und: Wolfgang Lange: Die Germania des Tacitus. Heidelberg 1967, S.283.
14 Lange: Germania, S.283f.
Arbeit zitieren:
M.A. Franziska Hirschmann, 2007, Eheformen in der Antike, München, GRIN Verlag GmbH
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