II
INHALTSVERZEICHNIS
Seite :
I. Einleitung 1
II. Begriffsklärung: Was bedeutet Androgynie? 2
III. Psychologische Androgynität nach Jacques Lacan 3
1) Die imaginäre Phase. 3
2) Die Phase der symbolischen Ordnung. 3
IV. Das Motiv der Androgynie am Beispiel von Mariane 4
1) Marianes Offizierskleidung. 4
2) Mariane das androgyne Wesen? 6
3) Mariane als Repräsentantin der imaginären Phase? 8
V. Das Motiv der Androgynie am Beispiel von Mignon 8
1) „Sie heißen mich Mignon“(98) 8
2) Mignons Knabenhafte Uniform. 9
3) Mignon das androgynes Wesen? 11
4) Mignon als Repräsentantin der imaginären Phase? 12
VI. Abschließende Betrachtung. 14
LITERATURVERZEICHNIS III
PRIMÄRLITERATUR
GOETHE, JOHANN WOLFGANG: WILHELM MEISTERS LEHRJAHRE. STUTTGART, 2007.
SEKUNDÄRLITERATUR
BARTEL, HEIKE: M ARIANES UNIFORM UND PHILINES PANTÖFFELCHEN:
BIERHOFF-ALFERMANN, DOROTHEE: ANDROGYNIE. MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DER GESCHLECHTERROLLEN. OPLADEN, 1989.
DICK, ANNELIESE. W EIBLICHKEIT ALS NATÜRLICHE DIENSTBARKEIT. EINE
ØHRGAARD, PER: ANMERKUNGEN ZUM REDEN UND SCHWEIGEN IN
SCHRÖTER, KATRIN: MIGNON: „SO LASST MICH SCHEINEN, BIS ICH WERDE“.
SCHWANKE, MARTINA: NAME NAMENSGEBUNG GOETHE. UND BEI
I. Einleitung
Johann Wolfgang Goethe ist zweifelsohne einer der bekanntesten Schriftsteller der Weimarer Klassik. Sein Bildungsroman Wilhelm Meisters Lehrjahre zählt zu seinen berühmtesten Werken. Der Roman thematisiert aber nicht nur Wilhelms Werdegang. Eine viel diskutierte Thematik ist die Androgynität der Figuren.
Die vorliegende Arbeit knüpft an diesen Punkt an und versucht Merkmale der Androgynität an den Figuren Mariane und Mignon herauszufinden. Den Schwerpunkt dieser Analyse habe ich auf die männliche Kleidung der Frauenfiguren gelegt. Im 18. Jahrhundert waren besonders Uniformen nur den Männern vorbehalten. Anhand dieser Tatsache zeigt sich deutlich, dass die beiden Figuren sich selbst, aus unterschiedlichen Intentionen in eine männliche Rolle drängen. Ziel dieser Arbeit ist Antworten auf Ursache, Erscheinungsform und Bedeutung der androgynen Rolle zu finden. Zudem soll dargestellt werden, in wie weit die Androgynie ein wesentliches Charaktermerkmal der Figuren ist. Der Grund, warum ich mich für diese Figuren entschieden habe liegt darin, dass sich viele Parallelen zwischen Mariane und Mignon aufzeigen. Dem Leser sticht bereits beim ersten Rezipieren die Verkleidungsmanie der beiden Figuren ins Auge. Hinzu kommt, dass beide zu der Randgruppe der wandernden Theaterspielerinnen gehören. Wichtig ist es auch, dass Mignon Wilhelm unablässig an Mariane erinnert. Schließlich verweist Martina Schwanke darauf, dass es einen Zusammenhang zwischen den Namen Mignon und Mariane gibt. Als Engel verkleidet und aufgrund ihrer italienischen Herkunft, weist Mignon Ähnlichkeit mit Marienfiguren auf. Mignon als kleine Maria deute direkt auf den Namen Maria-ne hin, so Schwanke. 1
Die Gliederung dieser Arbeit richtet sich nach dem chronologischen Auftreten der beiden Figuren in dem Werk. Demnach beginne ich mit der Analyse der androgynen Merkmale am Beispiel von Mariane. Abschließend untersuche ich Mignons androgyne Züge. Bei Mignon soll nicht nur ihre knabenhafte Uniform, sondern auch der Name untersucht werden. In V.1) soll herausgefunden werden, was der Name über die Figur und deren Androgynität verrät. Da der Taufname im Roman nicht erwähnt wird, muss ich mich bei der Ausarbeitung auf Mignon beschränken. Dieser Name wurde der Figur von der Seiltänzergruppe gegeben.
Anzumerken ist noch, dass die Figur Mignon aus stilistischen Gründen mit dem femininen grammatischen Geschlecht belegt ist. Im Vorfeld, bevor die Figuren auf ihre Androgynität
1 Vgl. Schwanke, Martina: Name und Namensgebung bei Goethe. Computergestützte Studien zu epischen Werken. Heidelberg, 1992. S. 354.
2
untersucht werden, wird der Begriff Androgynie genau definiert. Dadurch sollen Kriterien und Vergleichsmöglichkeiten für die Analyse der Androgynität der Figuren aufgestellt werden.
II. Begriffsklärung: Was bedeutet Androgynie?
Beruhend auf Platons Androgynen-Mythos 2 , dass das menschliche Subjekt auf ein ursprüngliches Ganzes zurückführt, beschreibt der Begriff Androgynie die Vereinigung männlicher (griech. „Aner“ = Mann) und weiblicher (griech. „gyne“ = Frau) Merkmale. Diese ursprünglich physische Mannweiblichkeit kann aber auch als psychologische Doppelgeschlechtlichkeit angesehen werden. In diesem Fall werden männliche und weibliche Charakteristika in einer Person kombiniert. Androgyne Frauen zeichnen sich zum Beispiel durch „weibliche Geschlechtsorgane, männliche[n] Körperbau und psychisch männliches Empfinden“ 3 aus. Es kann aber auch durch das Tragen männlicher Kleidung oder einer männlichen Frisur gekennzeichnet sein. Entscheidend ist aber die Wahrnehmung der eigenen Persönlichkeit. 4 Dorothee Bierhoff-Alfermann nennt diese Wahrnehmung „Geschlechterrollenselbstbild“ 5 . Wichtig bei dieser Selbstwahrnehmung ist, ob sich die befragte Person als maskulin oder als feminin einschätzt. 6
Psychologische Androgynität kann ganz unterschiedlich ausgeprägt sein. Ein Beispiel der moderneren psychologischen Androgynität soll nun vorgestellt werden.
2 Vgl. Platon: Symposion (189c - 193). Griech.-Dtsch. Hrsg. von Thomas Paulsen und Rudolf Rehn. Stuttgart, 2006.: Platon geht indes von einem ursprünglich dritten Geschlecht des Menschen aus. Der Urmensch sei dem Mythos zufolge eine Doppeleinheit und setze sich aus männlichen und weiblichen Merkmalen zusammen. Dieser doppelgeschlechtliche Urmensch war stark und klug und wollte die Götter angreifen. Platon zufolge entzweite Zeus die Urmenschen, um sie zu schwächen. Aber diese entzweiten Gestalten suchten nach der Wiedervereinigung um ihre ursprüngliche Gestalt wiederherzustellen. Da ihnen dies jedoch verwert blieb starben sie. Der barmherzige Zeus verlegte daraufhin die Schamteile dieser Wesen um eine geschlechtliche Verschmelzung zu ermöglichen und um den Menschen zu Nachkommenschaft und Glück zu verhelfen. Platon geht anhand dieser Analogie der Frage nach dem Ursprung und der Ursache menschlicher Beziehungen und versucht Aufschluss über das Verlangen nach einer Symbiose mit dem anderen Menschen zu bekommen.
3 Brockhaus Enzyklopädie in zwanzig Bänden. Bd.1 A - ATE. 17. völlig neubearbeitete Aufl. Wiesbaden, 1966.
4 Vgl. Bierhoff-Alfermann, Dorothee: Androgynie. Möglichkeiten und Grenzen der Geschlechterrollen. Opladen, 1989. S. 15.
5 Ebd. S. 20.
6 Vgl. Ebd. S. 14ff.
Arbeit zitieren:
Florina Jurca, 2008, „Ich bin ein Knabe: ich will kein Mädchen sein!“ , München, GRIN Verlag GmbH
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