Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung 3
1 Von der Erbfeindschaft zum Motor des vereinten Europas 4
1.1 Erst Bewunderung, dann Hass und schließlich Vers ohnung? 4
1.2 Die Nachkriegszeit - Deutschlandfrage und anhaltendes Misstrauen 5
1.3 Ann aherung unter De Gaulle und Adenauer: Der Elys´ ee-Vertrag 6
2 Erfolge und Probleme des DFJW als Mittler zwischen Deutschland und Frank-
reich 8
2.1 Aufbau und Angebote des Jugendwerks 8
2.2 Das politische Stimmungsbarometer DFJW 9
2.2.1 Die Studentenrevolte 1968 10
2.2.2 Die deutsch-franz osischen Beziehungen seit den Siebziger Jahren 11
2.2.3 Die Wiedervereinigung Deutschlands und die Zeit nach 1990 12
3 Bilanz aus vierzig Jahren Vermittlungst atigkeit des DFJW 14
4 Zusammenfassung und Fazit 15
Literatur 17
0 Einleitung 3
0 Einleitung
In der Mitte unseres Kontinents gedeiht der Keim eines vereinten Europas - die langj¨ ahrige Zusammenarbeit von Frankreich und Deutschland erm¨ oglicht uns heute grenzenfreies Reisen und problemloses Einkaufen in den L¨ andern der Europ¨ aischen Union. Vor einigen Jahrzehnten noch eine unvorstellbare Utopie angesichts der gnadenlosen Kriege zwischen den Nachbarn, die Europa jahrelang ersch¨ utterten und zerr¨ utteten. Und doch begegnen sich heute deutsche und franz¨ osische Jugendliche mit Neugierde und Interesse, statt mit Hass und Abscheu wie noch unsere Großv¨ ater. Dies ist ohne Zweifel auch der Verdienst einer Organisation, die sich den friedlichen Austausch der Jugend zur Aufgabe gemacht hat: Das Deutsch-Franz¨ osische Jugendwerk. In dieser Hausarbeit zum Thema ”Das Deutsch-Franz¨ osische Jugendwerk - Chancen und Grenzen als Vermittler im europ¨ aischen Einigungsprozess” m¨ ochte ich die M¨ oglichkeiten und Herausforderungen behandeln, die sich bei dem Aufeinandertreffen leidgepr¨ ufter und doch vers¨ ohnlicher Nachbarn ergeben. Anfangs steht die Entwicklung Von der Erbfeindschaft zum Motor des vereinten Europas im Mittelpunkt meiner Betrachtung. Darauf aufbauend gehe ich auf die Erfolge und Probleme des DFJW als Mittler zwischen Deutschland und Frankreich ein und ziehe anschließend Bilanz aus vierzig Jahren Vermittlungst¨ atigkeit des DFJW. Zuletzt wird in der Zusammenfassung ein Fazit meiner Ausf¨ uhrungen im Mittelpunkt stehen.
1 Von der Erbfeindschaft zum Motor des vereinten Europas 4
1 Von der Erbfeindschaft zum Motor des vereinten
Europas
1.1 Erst Bewunderung, dann Hass und schließlich Vers¨ ohnung?
Die Vorstellung des idyllischen Deutschlands der Dichter und Denker, des gebildeten Kulturvolks und der Gedankenfreiheit, das Madame de Stael in ihrem Buch De l’Allemagne im Jahre 1813 noch beschrieb, sollte sich nach den Kriegsjahren 1870/71 dramatisch wandeln. Ein anderes Deutschlandbild erwuchs nach dem Schock des Krieges und der Annexion Elsass-Lothringens in den K¨ opfen der alten und jungen Franzosen: der Erbfeind. Die deutsche Liebe zur franz¨ osischen Lebensart schlug in blanken Franzosenhass um, nichts mehr war zu sp¨ uren von der einstigen Frankophilie. Der Kampf um die Vormachtstellung in Europa und der Drang nach Revanche bestimmten auch im ersten Weltkrieg weiterhin das Verh¨ altnis der ehemaligen friedlichen Nachbarn. Junge Deutsche und Franzosen bek¨ ampften sich erbittert auf den Schlachtfeldern, unz¨ ahlige Opfer forderte dieser Krieg auf beiden Seiten der Sch¨ utzengr¨ aben. Symboltr¨ achtig beschmutze und zerst¨ orte man auch im Zweiten Weltkrieg den Nationalstolz des Feindes: in Paris wurde die deutsche Flagge gehisst, uniformierte NS-Soldaten flanierten in den Straßen von Montmartre. Auch wenn die Staatsm¨ anner Aristide Briand 1 und Gustav Stresemann 2 zwischen den Kriegen versuchten, durch das Abkommen von Locarno 3 (1925) und den Eintritt Deutschlands in den V¨ olkerbund 4 (1926) eine Verst¨ andigung zu schaffen, beharrten die politischen Parteien, die Presse und ¨ offentliche Meinung auf der Erbfeindschaft. Nach dem Untergang des Dritten Reichs triumphierte Frankreich an der Seite der Allierten endlich ¨ uber das besiegte Deutschland.
Wer mochte jetzt an Vers¨ ohnung denken, da doch eben erst das gewaltige Verlangen nach Rache befriedigt wurde? Wer konnte sich eine friedliche Zusammenarbeit vorstellen mit denen, die Großeltern, Eltern und Lehrer kurz zuvor noch als ¨ argsten Feind bezeichneten? Konnte man sich verbr¨ udern mit denen, die einst V¨ ater, S¨ ohne und Ehem¨ anner
1 (1862-1932), franz¨ osischer Premierminister u.a. nach dem Ersten Weltkrieg.
2 (1878-1929), deutscher Außenminister in mehreren Regierungen; bereitete den Weg f¨ ur die Aufnahme des Deutschen Reiches in den V¨ olkerbund; erhielt 1926 zusammen mit Briand den Friedensnobelpreis f¨ ur die Locarnovertr¨ age.
3 Ziel des Vertrags war die Errichtung eines Sicherheitssystems in Mitteleuropa, besonders in Hinblick auf die deutsche Westgrenze
4 Internationales Staatenb¨ undnis zur Sicherung des Weltfriedens mit Sitz in Genf bestehend von 1920- 1946.
1 Von der Erbfeindschaft zum Motor des vereinten Europas 5
umbrachten? Unter diesen Voraussetzungen war eine friedliche Jugendbegegnung seinerzeit vorerst unvorstellbar. Doch wie und warum sich Frankreich und Deutschland allm¨ ahlich doch ann¨ aherten und bald eine zarte Freundschaft zwischen ihnen wuchs, erl¨ autere ich im n¨ achsten Abschnitt.
1.2 Die Nachkriegszeit - Deutschlandfrage und anhaltendes
Misstrauen
Deutschland war nach der totalen Niederlage am Boden zerst¨ ort. Die Frage, wie man mit dem Besiegten weiter verf¨ ahrt, besch¨ aftigte nun die Siegerm¨ achte. Auf der Konferenz von Jalta 5 beschlossen die Alliierten schon im Februar 1945 unter anderem die Demilitarisierung, Denazifizierung, Demokratisierung und die Einteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen. Frankreich kontrollierte fortan den S¨ udwesten Deutschlands. Das tief verwurzelte Misstrauen gegen¨ uber dem besiegten Feind blieb jedoch noch bestimmend f¨ ur die weiteren Pl¨ ane: Aus Furcht vor einer Wiedererstarkung Deutschlands bestand die franz¨ osische Besatzungsmacht zun¨ achst darauf, das Ruhrgebiet wie auch das Rhein-land einem dem franz¨ osischen Sicherheitsinteresse entsprechenden Sonderstatus außerhalb Restdeutschlands zu unterstellen. Die USA und die Sowjetunion lehnten eine Abtrennung einzelner Landesteile jedoch ab, denn ohne ein gleichberechtigtes Deutschland im Zentrum Europas schien die Sicherung eines dauerhaften Friedens und m¨ oglicher Zusammenarbeit ausgeschlossen. Frankreich durfte jedoch das Saarland aus der eigenen Besatzungszone herausl¨ osen, um es als quasi autonomes Gebiet wirtschaftlich eng an sich zu binden. Der franz¨ osische Staatspr¨ asident De Gaulle beabsichtigte, Deutschland als untergebenen Staat schwach und handlungsunf¨ ahig zu halten - ja sogar Pl¨ ane kursierten, einen ausschließlich agrarischen deutschen Staat zu bilden. Die USA und die Sowjetunion sprachen sich aber f¨ ur den raschen Neuaufbau Deutschlands aus und so setzte sich auch Frankreich nun f¨ ur die ”Umerziehung” der Deutschen ein.
Am 14. September 1949 fanden schließlich die ersten Bundestagswahlen statt, Konrad Adenauer wurde erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Meinungsumfragen, die seit den f¨ unfziger Jahren durchgef¨ uhrt wurden, ließen auch jetzt noch sehr klar die Fortdauer der alten Feindbilder in der Bev¨ olkerung erkennen.
5 Alliierte Kriegskonferenz (4.-11. Februar 1945) zwischen dem US-Pr¨ asidenten Roosevelt, dem britischen Premierminister Churchill und dem sowjetischen Staatschef Stalin zur Abstimmung des weiteren milit¨ arischen und politischen Vorgehens in der Endphase des 2. Weltkrieges sowie Kl¨ arung von Vorfragen die Gr¨ undung der UNO betreffend.
Arbeit zitieren:
BA Carolin Behrens, 2005, Das deutsch-französische Jugendwerk, München, GRIN Verlag GmbH
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