Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
0 Einleitung 5
1 Taekwondo - Eine olympische Sportart der Neuzeit oder eine uralte Kampfkunst? 8
2 Theoretischer Teil. 10
2.1 Leistungsbestimmende Faktoren des Taekwondo 10
2.1.1 Einfluss von Kondition 11
2.1.1.1 Kraft 11
2.1.1.2 Schnelligkeit. 14
2.1.1.3 Ausdauer 15
2.1.1.4 Flexibilität 20
2.1.2 Einfluss von anthropometrischen Merkmalen 20
2.1.3 Einfluss von psychischen Fähigkeiten 20
2.1.3.1 Angst 21
2.1.3.2 Übertraining 21
2.1.4 Einfluss von Technik. 23
2.1.5 Einfluss von taktisch-kognitiven Fähigkeiten 23
2.2 Biomechanische Messverfahren. 24
2.2.1 Kinemetrie. 24
2.2.1.1 Zeitmessung 25
2.2.1.2 Winkelmessung 26
2.2.1.3 Geschwindigkeitsmessung 27
2.2.1.4 Beschleunigungsmessung 27
2.2.2 Dynamometrie. 28
2.2.2.1 Dehnungsmessstreifen. 28
2.2.2.2 Piezoelektrische Geber. 29
2.2.3 Biomechanische Anthropometrie. 29
2.2.3.1 Experimentelle Methode 29
2.2.3.2 Analytische Methode 30
2.2.4 Elektromyographie. 31
2.3 Videometrisches Verfahren als Grundlage der Arbeit 31
2
3 Empirischer Teil 35
3.1 Hypothesen. 35
3.2 Untersuchungsplanung 37
3.2.1 Zielvariablen (abhängige Variablen) 37
3.2.2 Treatments (unabhängige Variablen) 38
3.2.3 Auswahl der Versuchspersonen 38
3.3. Eignungstests, Voruntersuchungen und Analyse der ersten Fehlerquellen 38
3.4 Hauptuntersuchung 41
3.4.1 Untersuchungsdesign: Versuchsaufbau messmethodische Vorraussetzungen 42
3.4.2 Durchführung: Zeitpunkt, Ort Störfaktoren 46
3.5 Datenaufbereitung 47
3.5.1 Setzen von Triggern in die Rohdaten. 47
3.5.2 Export der Daten und ihre Aufbereitung für ein VBA-Programm. 50
3.5.3 Umgang mit fehlenden Daten: Interpolationsverfahren. 51
3.5.3.1 Interpolation der Daten mit kubischen Splines 52
3.5.3.2 VBA Programm zur Automatisierung der Interpolation fehlender Daten 52
3.5.4 Verfahren zur Minimierung des Rauschens 53
3.6 Datenanalyse 54
3.6.1 Testgütekriterien 54
3.6.2 Fehlerquellen. 56
3.6.2.1 Zyklische nichtsimultane Erfassung 56
3.6.2.2 Auflösung des Infrarotkamerasystems 57
3.6.2.3 Lokalisierung der Gelenke zur Bestimmung des Kniewinkels 57
3.6.2.4 Verrutschen der Haut 57
3.6.3 Deskriptive Statistik 58
3.6.3.1 Versuchspersonendarstellung. 58
3.6.3.2 Gruppendarstellung 58
3.6.4 Inferenzstatistik 64
3.6.4.1 Korrelationen und Voraussetzungen 64
3.6.4.1.1 Korrelation von maximaler Geschwindigkeit und Körpergröße. 65
3.6.4.1.2 Korrelation von maximaler Winkelgeschwindigkeit und Körpergröße. 65
3.6.4.2 Gruppenunterschiede. 66
3.6.4.2.1 Kovarianzanalyse als geeignetes Mittel zur Bestimmung der Gruppenunterschiede
66
3
3.6.4.2.2 Voraussetzungen für eine Kovarianzanalyse 67
3.6.4.2.3 Unterschiede der Maximalgeschwindigkeiten 69
3.6.4.2.4 Unterschiede bei der Nutzung des Dehnungs-Verkürzungszyklus 71
3.6.4.2.5 Unterschiede zwischen den Kniegelenkswinkeln 71
3.6.5 Interpretation der Ergebnisse 72
4 Diskussion. 73
5 Ausblick und Fazit. 76
Literatur 78
Abbildungsverzeichnis 80
Tabellenverzeichnis 80
Anhang. 81
4
0 Einleitung
Im Jahr 1995 wurde das erste wissenschaftliche Buch über systematisches Taekwondotraining in westlicher Sprache verfasst (vgl. Pieter & Heijmans, 1995). Dieses Buch stellt ausführlich das Oregon Taekwondo Research Project (im Folgenden immer mit OTRP abgekürzt) dar.
„Aufgrund der mageren wissenschaftlichen Forschung im Taekwondo erkannte man die
Notwendigkeit eines breit angelegten Forschungsprojektes, um die sportlichen Profile von
Taekwondo-Athleten der Spitzenklasse zu bestimmen“ (Pieter & Heijmans, 1995, S. 12).
Es liegen unter anderem folgende biomechanische Untersuchungen über Kampfsportarten vor:
N Eine biomechanische Analyse von einem einbeinigen und beidbeinigen Überkopftritt (vgl. Way, 2005)
N Eine biomechanische Analyse des Push-Tritts (vgl. Kim, 1993) N Die Geschwindigkeit und Kraft des Push-Tritts (vgl. Leibowitz, 1994) N Eine Analyse von Sprungtritten (vgl. Lima, 1995) N Eine biomechanische Analyse von Vorwärtstritten (vgl. Park, 1990) N Geschwindigkeit und Kraft auserwählter Taekwondotechniken (Pieter & Pieter, 1995)
N Spitzendrehmomente und Kraftverhältnisse von Spitzenathleten des Taekwondo (Pieter & Taaffe, 1990)
N Kinematik und Kinetik des Drehtritts (vgl. Pearson, 1997) N Eine kinematische und kinetische Analyse von Taekwondotritten (vgl. Ahn, 1985)
N Isokinetische Drehmomente, Trittgeschwindigkeiten und Kräfte im Taekwondo (vgl. Conkel et al., 1988) N Eine Analyse des Trittbeins im Taekwondo (vgl. Hwang, 1987) N Die Invarianz der Tritte von Elitesportlern (vgl. Phillips, 1985) N Kinetische Trittparameter (vgl. Roberts, Zernicke, Youm & Huang, 1974)
5
N Potenzielle Brustverletzungsgefahr bei Taekwondotritten (vgl. Serina & Lieu, 1992)
N Ein kinematischer Vergleich von einem Taekwondotritt und einem Tanztritt (Bell, Jugo & Radcliffe, 1997)
Bisher allerdings, wurden noch nie die maximalen Trittgeschwindigkeiten und andere kinematischen Merkmale zwischen Bundeskader-, Landeskader- und Nachwuchsathleten miteinander verglichen. Mit dieser Arbeit soll ein erster Versuch unternommen werden, diese Unterschiede näher zu erforschen. Da es an einem Vergleich von kinematischen Parametern zwischen unterschiedlichen Leistungsklassen mangelt, geht der Verfasser folgenden Fragestellungen nach:
1. Unterscheiden sich Nachwuchskämpfer, Landeskader- und Bundeskaderathleten bezüglich der Trittgeschwindigkeiten voneinander?
2. Existieren Unterschiede hinsichtlich der Kniegelenkswinkel zwischen den drei Gruppen?
3. Können Kaderathleten und Nicht-Kaderathleten gleichermaßen den zusätzlichen Impuls des Dehnungs-Verkürzungszyklus für eine Erhöhung der Geschwindigkeit nutzen?
4. Können Aussagen über Zusammenhänge von anthropometrischen Merkmalen und kinematischen Merkmalen getroffen werden?
Der Aufbau der Arbeit ist folgendermaßen:
Im ersten Teil des theoretischen Abschnitts erfolgt eine Darstellung des vielseitigen Anforderungsprofils in der olympischen Wettkampfdisziplin Taekwondo. Die gegenwärtigen Strömungsrichtungen und heutigen Erkenntnisse der wissenschaftlichen Taekwondoforschung werden näher beleuchtet und disku-
6
tiert. In einem zweiten Teil stellt der Verfasser verschiedene biomechanische Messverfahren einander gegenüber. Am Ende des theoretischen Teils entscheidet sich der Verfasser für ein biomechanisches Verfahren und beschreibt die technische Funktionsweise zweier potentieller Systeme für die Untersuchung.
Im empirischen Teil testet der Autor die beiden Systeme und entscheidet sich für das geeignetere. In einer Voruntersuchung werden die technischen Konfigurationen ermittelt und es kommt zu einer ersten Fehlerermittlung. Dann wird die Hauptuntersuchung mit Bundeskader-, Landeskader- und Nachwuchsathleten durchgeführt.
Es erfolgt eine Diskussion der Ergebnisse. Die Arbeit schließt mit einem Ausblick auf zukünftige Untersuchungen.
7
1 Taekwondo - Eine olympische Sportart der Neuzeit oder eine uralte Kampfkunst?
Taekwondo ist eine koreanische Kampfsportart. „Frei übersetzt bedeutet Taekwondo Kunst des Fuß und Handkampfes“ (Lee, 2000, S. 8). Die Ursprünge des Taekwondo sind nicht eindeutig bestimmbar. Lee (2000) behauptet, dass sie bis in die Koguryo-Dynastie (1. Jahrhundert v. Chr. bis 668 n. Chr.) zurückreichen. Von Deckengemälden mit Kämpferfiguren, die in Königsgräbern zwischen 3-427 n. Chr. entstanden sind, schließt er, dass Taekwondo zwischen 1600 und 2000 Jahren alt ist. Choi (1994) behauptet, dass die Anfänge ungefähr 1300 Jahre zurückliegen, als Silla, das kleinste Königreich der Halbinsel Korea, ständig von den beiden anderen Königreichen Koguryo und Baek Je bedroht wurde. „In Silla bildeten die jungen Adligen und Angehörigen der Kriegerklasse eine Elitegruppe für Offiziere, die sie Hwa Rang-Do nannten“ (Choi, 1994, S. 17). Diese beherrschten nicht nur die Kunst mit den üblichen Waffengruppen Messer, Schwert und Haken umzugehen, sondern entwickelten auch und geistige Formen und Disziplinen des Hand- und Fußkampfes. 1 Unter dem Namen Taek Kyon wurde diese alte Kunst für die militärische Ausbildung verbreitet. Erst im Jahre 1955 wurde der Name Taekwondo gewählt (vgl. Choi, 1994).
Im Jahr 1973 wurde die World-Taekwondo-Federation in Seoul, Südkorea, gegründet. Noch im selben Jahr kam es zu der ersten Weltmeisterschaft (vgl. Lee, 2000). Bereits nach 15 Jahren, im Jahr 1988, durfte Taekwondo in Seoul bei den Olympischen Spielen Vorführdisziplin sein. Vier Jahre später erhielt die Sportart in Barcelona erneut das Recht als Vorführdisziplin zu fungieren, bevor sie dann seit 2000 in Sydney als offizielle Disziplin zugelassen wurde. In den letzten 15 Jahren kam es daher zu bedeutsamen Anpassungen im Regelwerk. Dadurch wird die Sportart attraktiver und transparenter für die Zu-
1In einer wissenschaftlichen Studie wird erwähnt (vgl. Pieter & Heijmans, 1995), dass die Verbindung von Hwa-Rang und Taekwondo nicht ganz unproblematisch ist. Bei den Hwa-Rangs mag es sich nur
um eine Gruppe von Jungen gehandelt haben, die am Hof des Königs mit Gesang, Tanz und Gedich-
ten unterhielten.
8
schauer gestaltet (vgl. Lehmann, 2000). Seit 1993 gibt es ein elektronisches Punktesystem, welches dem Kämpfer und den Zuschauern fortwährend den aktuellen Punktestand anzeigt. In vielerlei Hinsicht kämpfen deshalb die Athleten anders als früher: Kämpfe sind dadurch in den letzten zwanzig Sekunden bei gleichem Punktestand um ein vielfaches spannender. Die Technikvielfalt reduzierte sich jedoch zunächst, da sich nicht alle Techniken als gleich effektiv für den Punkteerwerb erwiesen. Infolgedessen wurden die Regeln so modifiziert, dass derzeit Kopftreffer oder starke Wirkungstreffer doppelt gewertet werden.
9
2 Theoretischer Teil
2.1 Leistungsbestimmende Faktoren des Taekwondo
Es gibt viele Faktoren, die die sportliche Leistung beeinflussen. Es kommt jedoch auf die Sportart an, ob ein Faktor leistungshemmend oder leistungsfördernd wirkt. Beispielsweise brauchen Fußballer eine wesentlich weniger bewegliche Oberschenkelrückseite als rhythmischer Sportgymnastinnen um Leistungen zu erbringen.
Auf dieser Grundlage werden bei dieser Arbeit viele allgemein leistungsbestimmende Faktoren für die Sportart Taekwondo auf ihre Bedeutsamkeit hin untersucht.
21)
10
Grundlage der Betrachtung leistungsbestimmender Faktoren in dem Wett-kampfsport Taekwondo sind für diese Arbeit die von Weineck (2003) benannten Komponenten (siehe Abbildung 1). Im Folgenden werden jeweils unter den zu betrachtenden Faktoren die Ergebnisse des OTRP miteinbezogen.
2.1.1 Einfluss von Kondition
Weineck (2003) führt die Fähigkeiten Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Flexibilität unter dem Sammelbegriff der Kondition auf. Dabei erwähnt er, dass konditionelle Fähigkeiten die energetischen Prozesse und koordinative Fähigkeiten eher die zentral-nervösen Regelungsprozesse betonen.
2.1.1.1 Kraft
Der Einfluss des Krafttrainings in dem Wettkampfsport Taekwondo nimmt von Jahr zu Jahr einen größeren Stellenwert ein (Pieter & Heijmans, 1995). Viele Trainer waren früher der Meinung, dass ein Krafttraining die Schnelligkeit und Beweglichkeit behindern würde.
Ein Muskel kann passiv gedehnt werden, indem das eigene Körpergewicht oder ein Trainingspartner unterstützend Kraft ausübt. Eine Dehnung kann auch aktiv durch Kontraktion des Antagonisten erreicht werden. Daraus wird ersichtlich, dass die oben erwähnte Aussage von Trainern nicht ganz schlüssig ist, denn eine gewisse Kraftaufwendung kann die Beweglichkeit unterstützen. Die zu dehnende Muskulatur kann jedoch bei übermäßigem Muskelaufbau stark in ihrer Bewegungsamplitude eingeschränkt werden. Dass das Krafttraining einen negativen Einfluss auf die Schnelligkeit hat, muss ebenfallsnegiert werden: Conkel, Braucht, Wilson, Pieter, Taaffe, Fleck & Kearney in Pieter & Heijman (1995) stellen einen signifikanten positiven Zusammenhang zwischen der mittels isokinetischer Apparatur gemessenen Kraft und Trittschnelligkeit fest. Außerdem können sie einen Bezug zwischen allgemeiner Kraft und Trittkraft feststellen. Problematisch kann sich ein Krafttraining bei einer Person auswirken, die bereits für die Wettkämpfe ein bis zwei Kilogramm
11
abnehmen muss, um in der entsprechenden Gewichtsklasse starten zu können.
Pieter & Heijmans (1995) sind der Meinung, dass der Einfluss von Kraft und Ausdauer ungefähr gleichwertig für die Wettkampfleistung im Taekwondo sind. (vgl. Abschnitt 2.1.1.3).
Untersuchungen belegen, dass die Hamstrings 2 von Taekwondosportlern sehr verletzungsanfällig sind (Zandbergen in Pieter & Heijmans, 1995). Da bei einigen Sportlern ein großes Ungleichgewicht zwischen Hamstrings und Quadrizeps besteht, werden im OTRP an mehreren Sportlern Krafttests durchgeführt, die das Verhältnis von Quadrizeps und Hamstrings untersuchen.
„Zu diesem Zweck wurde eine sogenannte Cybex-Maschine benutzt, die an einen Com-puter gekoppelt war. Die Sportler wurden bei vier verschiedenen Geschwindigkeiten ge-
testet: 120°, 180°, 240° und 300°/sec während Beinstreckung und -beugung“ (Pieter &
Heijman, 1995, S. 108).
Mit steigenden Geschwindigkeiten gleicht sich das Verhältnis zwischen Hamstrings und Quadrizeps zunehmend aus. Bei der Geschwindigkeit von 300°/sec ist das Verhältnis von Hamstrings zu Quadrizeps bei Frauen und Männern annähernd 75 Prozent. Es wird vermutet, dass bei maximaler Geschwindigkeit die Relation auf 80 bis 90 Prozent steigt (Pieter & Heijmans, 1995).
„Forschungsergebnisse […] deuten […] darauf hin, dass die Hamstrings bei Taekwondo-Tritten sehr verletzungsanfällig sind, was starke Hamstrings nur noch wichtiger macht“ (Zandbergen in Pieter & Heijmans, 1995, S. 110). So ist ein Krafttraining der Hamstrings für eine Verletzungsprophylaxe von großem Vorteil und sollte daher Teil des Trainings sein. Betrachtet man die drei Haupterscheinungsformen der Kraft, nämlich Kraftausdauer, Maximalkraft und Schnellkraft (vgl. Weineck, 2003), so ist eine differenzierte Beurteilung dieser Erscheinungsformen für das Taekwondo unabdingbar.
2 Der Verfasser verwendet hier, wie in der deutschen Übersetzung des Buches von Pieter und Heijmans (1995) das englische Wort Hamstrings für die ischiokurale Muskulatur.
12
„Die Maximalkraft stellt die höchstmögliche Kraft dar, die das Nerv-Muskel-System bei
maximaler willkürlicher Kontraktion auszuüben vermag. […] Die Schnellkraft beinhaltet
die Fähigkeit des Nerv-Muskelsystems, den Körper, Teile des Körpers (z.B. Arme, Beine)
oder Gegenstände (z.B. Bälle, Kugeln, Speere, Disken etc.) mit maximaler Geschwindig-
keit zu bewegen. […] Die Kraftausdauer ist die Ermüdungswiderstandsfähigkeit des Or-
ganismus bei lang andauernden Kraftleistungen“ (Weineck, 2003, S. 237-242). Die Kraftausdauer der Beinmuskulatur stellt sicherlich einen erheblichen Anteil der sportlichen Leistungsfähigkeit dar. Ein Wettkampf dauert drei Runden à zwei (beziehungsweise drei) Minuten. Auf einem gut besuchten Turnier muss ein Wettkämpfer bis zum Sieg mit bis zu sechs Kämpfen rechnen. Das entspricht einer reinen Kampfzeit von bis zu 54 Minuten. Wenn noch das Aufwärmen hinzugerechnet wird, ist sofort ersichtlich, dass eine gründliche Ausbildung der Kraftausdauer unentbehrlich für die Wettkämpfe ist. Wird jedoch zu viel Wert auf die Kraftausdauer gelegt, so kommt es zu einer Umbildung von schnellen zu langsamen Muskelfasern (vgl. Weineck, 2003). Für die Schnellkraft sind jedoch auch die schnellen Muskelfasern von großer Bedeutung (vgl. Weineck, 2003). Somit steht der Sportler vor einem Dilemma, denn er benötigt eine gewisse Kraftausdauer, um durchzuhalten, aber auch eine gewisse Grundschnellkraft, um schnelle Tritte ausführen zu können. Es sollten daher beide Komponenten trainiert werden.
Die Maximalkraft ist nach Weineck (2003) von folgenden Komponenten abhängig:
1. Physiologischer Querschnitt
2. Intermuskuläre Koordination 3. Intramuskuläre Koordination
Dass der physiologische Querschnitt nicht in großem Maß verändert werden sollte, lässt sich bereits aus der Gewichtsklassenproblematik schließen, denn mit einem größeren Muskelquerschnitt kommt es zu einem Zuwachs von Körpermasse. Der Sportler müsste die Gewichtsklasse ändern und würde sich folglich am unteren Rand der Gewichtsklasse aufhalten. Die Ausbildung der intermuskulären und intramuskulären Koordination werden vom Verfasser als
13
bedeutende Faktoren für die Verbesserung der sportlichen Leistungsfähigkeit des TaekwondoIn 3 gesehen, da sie sowohl die Maximalkraft, die Schnellkraft als auch die Kraftausdauer positiv beeinflussen, ohne dabei einen großen Zuwachs an Gewicht und Reduktion von schnellen Muskelfasern zu bewirken.
2.1.1.2 Schnelligkeit
Die Schnelligkeit eines TaekwondoIn ist ausschlaggebend dafür, ob das Ziel getroffen oder verfehlt wird. Der Sportler sollte sich überleben, wie viel Zeit für eine Verbesserung der Schnelligkeit lohnenswert ist. Gleichzeitig hängt es aber auch von dem Trainingsverlust ab, welcher dadurch zwangsweise in anderen Trainingsbereichen entsteht. Pieter & Heijmans (1995) stellen fest, dass kein Unterschied in der Schnelligkeit zwischen rechten und linken Extremitäten besteht. Sie folgern daraus, dass ein Training zur Verbesserung der Schnelligkeit wesentlich weniger bewirkt als die Ausbildung von Kraft oder Ausdauer. Auf dieser Grundlage stellt sich die Frage, in wie weit es sinnvoll ist, die Schnelligkeit zu trainieren, wenn sie doch nur kaum verbessert werden kann. Zahllose Trainingseinheiten zielen darauf ab, die Geschwindigkeit zu erhöhen, doch auf Wettkämpfen gewinnen nicht immer die Schnelleren. Wenn nicht immer die Schnelleren gewinnen, könnte es sein, dass die Bundeskaderathleten nicht schneller treten als die Landeskaderathleten. Um diesen Unterschied zu untersuchen, erfolgt in dem empirischen Teil eine eigene Studie, die die Bedeutsamkeit von Schnelligkeit zwischen Nachwuchs-, Bundes- und Landeskaderathleten vergleicht.
Die Geschwindigkeitsmessung des OTRP stellt sich jedoch als problematisch heraus. In einer Untersuchung sollen Elitesportler Tritte so ausführen, dass sie den Treffer zwischen einer Doppellichtschranke vollziehen. Die Bewegung bereitet selbst diesen fortgeschrittenen Sportlern Probleme (vgl. Pieter & Heijmans, 1995). In einer anderen Studie werden von Koreanern Messwerte mittels Hochgeschwindigkeitskameras für die Geschwindigkeitsbestimmung er- 3Bezeichnung eines männlichen oder weiblichen Taekwondosportlers
14
hoben. Die mittleren maximalen Geschwindigkeiten der männlichen Koreaner liegen mit 19,2 m/s wesentlich höher als die des OTRP mit 15,89 m/s. Diese Differenz hängt möglicherweise mit den unterschiedlichen Messmethoden zusammen (vgl. Pieter & Heijmans, 1995).
Tab. 1 Mittlere maximale Geschwindigkeit eines Paltung-Chagis gemessen am Fuß (nach Pearson,
1997, S.46)
Pearson (1997) stellt in seiner Arbeit noch einmal systematisch die Geschwindigkeitsmaxima dar, die in vergangenen Studien erhoben wurden. Diese können Tabelle 1 entnommen werden. Einen Unterschied zwischen Elite und Experte erklärt Pearson (1997) jedoch nicht.
2.1.1.3 Ausdauer
Der Bereich Ausdauer im Taekwondo wird in mehreren Studien diskutiert. Das OTRP unterteilt die Ausdauerfähigkeit in aerobe, anaerobe und taekwondospezifische Ausdauer (vgl. Pieter & Heijmans, 1995). Lehmann (2000) hat speziell für Kampfsportarten ein Ausdauerprofil erstellt und grenzt verschiedene Erscheinungsformen der Ausdauer voneinander ab:
1. Ausdauernde Schnelligkeit/ausdauernde Schnellkraft
2. Schnellkraftausdauer/Schnelligkeitsausdauer 3. Maximalkraftausdauer 4. Kraftausdauer 5. Grundlagenausdauer 6. Wettkampfausdauer 7. Turnierausdauer
15
Ad 1) Im Wettkampf werden immer wieder schnelle Aktionen und Aktikonsfolgen benötigt, die durch eine kurze Dauer gekennzeichnet sind. Diese Aktionen beanspruchen immer zuerst die energiereichen Phosphate. Die Fähigkeit, solche kurzen und wiederholten Abfolgen eher durch die anaerob-alaktazide anstatt durch die anaerob-laktazide Energieversorgung realisieren zu können, bezeichnet Lehmann (2000) mit Ausdauernde Schnelligkeit. Über eine Belastung von vier bis zehn Sekunden und einer Erholung von einer Minute bewirkt ein Training unter maximaler Geschwindigkeit eine Zunahme von energiereichen Verbindungen und einer schnellen Restitution energiereicher Phosphaten. Dieses Training sollte immer gleichzeitig in Verbindung von technisch-koordinativen oder technisch-taktischen Übungen ausgeführt werden. Zur Leistungsdiagnostik der ausdauernden Schnelligkeit empfiehlt Lehmann (2000) folgenden Test: Der TaekwondoIn tritt jeweils vier Serien à sechs Se-kunden mit maximaler Geschwindigkeit und Wiederholungszahl auf ein Schlagpolster. Zwischen den Serien erhält er eine Minute Erholung. Als Diagnostik werden die Laktatkonzentration und durchschnittliche Anzahl von Wiederholungen im gesamten Test benutzt. Tabelle 2 zeigt eine Beurteilung, deren Grundlage jedoch leider nicht näher erwähnt wird.
Tab. 2. Richtwerte zur Beurteilung des Niveaus der ausdauernden Schnelligkeit/Schnellkraft (nach
Lehmann, 2000, S. 42)
Ad 2) Da die Kämpfe auch Phasen mit längeren Abfolgen von Techniken beinhalten, werden auch zunehmend anaerob-laktazide Energiegewinnungswege benötigt. Die Fähigkeit für längere Abschnitte im Kampf bei schnellkräftigen Muskelkontraktionen einer Ermüdung zu widerstehen, wird mit Schnellkraftausdauer benannt. Die Energiegewinnung erfolgt hauptsächlich aus dem
16
Kohlenhydratspeicher über die anaerobe Glykolyse. Des Weiteren unterscheidet Lehmann noch drei Komponenten der Schnellkraftausdauer. Diese sind die Initialzündung, das Stehvermögen und die Steigerungsfähigkeit. Bei der Initialzündung geht es um die schnelle Aktivierung des glykolytischen Stoffwechsels. Das Stehvermögen ist durch eine Laktatakkumulation, Laktatazidose und Laktatabbau charakterisiert. Bei der Steigerungsfähigkeit geht es schließlich um die weitere Mobilisation und um eine zusätzliche Akkumulation von Laktat.
Die Verbesserung der Initialzündung kann mit einem Training bei einer Laktatkonzentration von sechs bis acht Millimol Laktat pro Liter Körperblut und einer Belastungszeit von 20 bis 25 Sekunden erreicht werden. Das Training des Stehvermögens erfolgt über ein Training bei einer Laktatkonzentration von acht bis zwölf Millimol Laktat pro Liter Körperblut und einer Belastungszeit von 45 bis 90 Sekunden. Die Steigerungsfähigkeit kann nur bei einer Laktatkonzentration von über 12 Millimol Laktat pro Liter Körperblut erreicht werden, bei der die Belastungszeit zwischen 90 und 180 Sekunden liegt (vgl. Lehmann, 2000).
Ad 3) Die Maximalkraftausdauer beschreibt Lehmann (2000) mit der Ermüdungsresistenz gegenüber langen maximalen Muskelkontraktionen. Ringen benötigt, da es oft durch sehr lange, maximale Kontraktionen charakterisiert ist, wesentlich mehr Maximalkraftausdauer als Taekwondo (vgl. Lehmann, 2000).
Ad 4) Unter Kraftausdauer versteht Lehmann (2000) die Widerstandsfähigkeit gegenüber Ermüdung bei Wettkampfanforderungen mit Intensitäten von 40 bis 60 Prozent. Außerdem hat sie die Funktion der Verkopplung aerober und anaerober Leistungsgrundlagen.
Ad 5) Die grundlegende und vorbereitende Funktion für einen Wettkampf bezeichnet Lehmann (2000) mit Grundlagenausdauer.
17
„Trotz gesicherter Erkenntnisse über die grundlegende Wirkung des aeroben Trainings ist
in der Trainingspraxis, ausgehend von der Bedeutung der anaeroben Energiebereitstel-lungsmechanismen für die Wettkampfleistung in den Kampfsportarten, noch zu häufig die
Auffassung anzutreffen, dass ein Training nur dann wirksam ist, wenn es in hoher Intensi-tät durchgeführt wird“ (Lehmann, 2000, S. 51). Lehmann (2000) beschreibt folgende Vorteile der Grundlagenausdauer: N Bei einem gut entwickelten aeroben Stoffwechsel setzt die anaeroblaktazide Energiegewinnung später ein. Es kommt somit verspätet zur Laktatbildung und der Sportler ermüdet später. N Die aerobe Kapazität hat eine vorbereitende Wirkung für Schnellkraft-und Schnellkraftausdauerbelastungen.
N Die aerobe Kapazität hat eine regenerative Bedeutung, was besonders für die Pausen zwischen den Wettkämpfen oder innerhalb eines Wettkampfes von Bedeutung ist.
N Bei zu häufigen sehr lang anhaltenden Belastungen kommt es aufgrund der schädigenden Wirkungen des Laktats zur Herabsetzung der Funktionsfähigkeit der Mitochondrien. Daher ist auch während der Wettkampfperiode stets auf ein ergänzendes Grundlagenausdauertraining zu achten.
Ad 6) Die Widerstandsfähigkeit gegen Ermüdung über den ganzen Wettkampf hinweg wird mit Wettkampfausdauer bezeichnet. Dieser Fähigkeit kommen hauptsächlich der laktazide und alaktazide Stoffwechsel zugute, während der aerobe Stoffwechsel eine leistungsunterstützende Wirkung hat. Es ist also ein Zusammenwirken aller Einzelkomponenten für die Wettkampfausdauer entscheidend.
Als praktische Anweisung gibt Lehmann (2000) folgende Aufgabenstellungen und Anweisungen für das Trainieren der Wettkampfausdauer:
N Üben unter großem Zeitdruck
N Erfüllen konkreter Anweisungen in einer Wettkampfsimulation N Taktische Veränderungen mit Änderungen eines hypothetischen Wer-tungsstandes
18
N Veränderung von äußeren Bedingungen
Die Trainingsintensität wird immer sehr hoch bis maximal gewählt. Das Training sollte nach der Wiederholungsmethode erfolgen und die Dauer entspricht einer zwischen drei- und fünffachen Wettkampfdauer mit jeweils fünfminütiger Pause (vgl. Lehmann, 2000).
Ad 7) Unter der Turnierausdauer versteht man die Widerstandsfähigkeit der verschiedenen ermüdenden Einflüsse im Verlaufe eines Turniers. Um die Turnierausdauer bestmöglich zu unterstützen, merkt Lehmann (2000) folgendes an:
N Die Ausbildung einer optimalen Grundlagenausdauer unterstützt die schnelle Regeneration zwischen den einzelnen Wettkämpfen. N Der Ausgleich von Mineral- und Flüssigkeitsverlust sollte schnellstmöglich angestrebt werden.
N Lockerungs- und Dehnübungen sowie Massage helfen beim Abtransport von Stoffwechselendprodukten.
N Der Aufbau des Kohlenhydratspeichers durch gezielte Ernährung unterstützt die Wiederherstellung.
N Eine Detonisierung durch Musik- oder Entspannungsübungen beschleunigt die Erholung.
N Durch Modellierung von Wettkampfturnieren im Heimverein können Turnierbedingungen geübt werden.
Aus den dargestellten Unterschieden zwischen den für die Kampfsportarten verschiedenen Ausdauerfähigkeiten ist ersichtlich, wie schwer es ist, eine optimale Ausdauerzusammensetzung zu erreichen. Dem Trainer wird an dieser Stelle empfohlen, mehrere unterschiedliche Ausdauerprogramme mit in den Trainingsplan zu nehmen, da die Ausdauerfähigkeiten eine sehr vielschichtige Erscheinung ist.
19
2.1.1.4 Flexibilität
Obwohl Weineck (2003) in seinem Modell der Komponenten der sportlichen Leistungsfähigkeit den Begriff Flexibilität gebraucht, erwähnt er später nur noch den Begriff Beweglichkeit. Die Bedeutung der Beweglichkeit im Taekwondo ist sofort aus der Tatsache ersichtlich, dass viele Sportler schon mit erheblichen Schwierigkeiten bei der Ausführung eines Tritts in Kopfhöhe konfrontiert werden. Die gesamte Beinmuskulatur muss in vielerlei Hinsicht beweglich gemacht werden. Es geht jedoch um eine optimale und nicht maximale Beweglichkeit.
2.1.2 Einfluss von anthropometrischen Merkmalen
Die Reichweite eines Tritts vergrößert sich mit zunehmender Körpergröße. Dies ist möglicherweise einer der Gründe, warum die Kämpfer in einer möglichst niedrigen Gewichtsklasse kämpfen möchten. Somit können sie gegen einen kleineren Gegner kämpfen.
Übermäßiges Fett wirkt sich doppelt schlecht für den Kämpfer aus. Zum einen muss er in der nächsthöheren Gewichtsklasse kämpfen und zum anderen muss er mehr Masse ohne zusätzliche Muskeln beschleunigen. Das OTRP beschreibt eine Möglichkeit der Überprüfung von übermäßigem Fett über die Messung von sechs Hautfalten und gibt einen Bereich an, in welchem sich die optimale Summe der Hautfaltendicke bewegen sollte. Die Summe der Hautfalten wird über die Rückseite des Arms, Rückseite der Schulter, Hüfte, Bauch, vorderer Oberschenkel und mittlere Wade berechnet. Für weibliche Taekwon-dosportlerinnen sollte sich die Summe der sechs Hautfalten zwischen 33 und 48 Millimetern bewegen (Carter & Yuhasz in Pieter & Heijmans, 1995).
2.1.3 Einfluss von psychischen Fähigkeiten
Es wird oft gesagt, dass Wettkampfausgänge zu 90% mental bestimmt werden (vgl. Grosser, Starischka & Zimmermann in Pieter & Heijmans, 1995). In dieser Arbeit werden zwei psychologische Variablen dargestellt, die von Wissen-
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Arbeit zitieren:
Christian Henzler, 2006, Eine biomechanische Analyse von Taekwondobewegungen, München, GRIN Verlag GmbH
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