Inhaltsverzeichnis
1. Die Situation der Frau im Mittelalter und ihre Darstellung in der höfischen
Literatur 3
2. Die Bedeutung der Frau für den höfischen Ritter im Wigalois’ 5
2.1 Frauen in abhängiger Relation zu Männern 5
2.1.1 Die Frau, ein freudebringendes Wesen für den Ritter 6
2.1.2 Die aufrichtige Liebe und die Einheit im Ehestand 8
2.2 Frauen in Konkurrenz zu Männern 11
2.2.1 Amazonen im Wigalois’ am Beispiel der Marine 11
2.2.2 Die Jungfräulichkeit der Amazone und ihr besiegeltes
Schicksal 13
3. Gegenüberstellung der beiden Frauentypen und Zusammenfassung. 15
4. Literaturverzeichnis. 17
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1. Die Situation der Frau im Mittelalter und ihre Darstellung in der höfischen Dichtung
Die Rolle der Frau im Mittelalter wird in der Forschungsliteratur als nicht eindeutig definierbar eingeordnet, da sich das Frauenbild der höfischen Dichtung grundsätzlich von der christlichen Tradition unterscheidet. Die literarischen Darstellungen geben meist nur Wunschbilder wieder, während die heiligen Schriften der Bibel auf eine frauenverachtende Grundeinstellung hinweisen. „Die Frauen sollen ihren Männern untergeordnet sein wie Gott dem Herrn; denn der Mann ist das Haupt der Frau.“ 1 Das betonte schon der Apostel Paulus in seinen Briefen. Zudem unterstreicht die scholastische Theologie des 13. Jahrhunderts die Minderwertigkeit der Frau, indem sie nach Thomas von Aquin nicht nur geringere Körperkraft habe, sondern auch geistig und moralisch dem Mann unterlegen sei: „Die Frau ist von Natur aus geringer an Tugend und Würde als der Mann.“ 2 Ganz im Gegensatz zu diesem Bild der Frau im Mittelalter wird ihre Rolle in der Gesellschaft der höfischen Literatur beschrieben. Am Ende des 12. Jahrhunderts trat die geistliche Dichtung zunehmend in den Hintergrund. Durch den Aufstieg des Rittertums, das zum Träger der neuen höfischen Gesellschaftsform wurde, entstand ein Kulturwandel mit neuen ethischen und sozialen Normen. Eine zentrale Stellung innerhalb der höfischen Kultur nahmen der Minnekult und der Frauendienst ein. Die Frau erfuhr eine erhebliche Aufwertung. Sie war dem Mann nicht mehr untergeordnet, sondern nahm die Position einer ‚Erzieherin’ ein. Ihretwegen konnte der Mann im höfischen Roman aventiuren bestehen und sich somit zu einem vollkommenen und vorbildlichen Ritter entwickeln. Im Grunde entwirft die höfische Epik ein Frauenbild „jenseits konventioneller Typisierungen und traditioneller Konzeptionen“ 3 . In Wirnts von Grafenberg ‚Wigalois’ nehmen die Frauen entgegen der historischen Tradition einen zentralen Platz ein. Aufgrund dessen soll in den folgenden Abhandlungen nun detailliert auf die Rolle der Frau im Leben des Ritters in diesem Werk eingegangen werden. Dabei wird unterschieden zwischen abhängigen und unabhängigen Frauen von
1 Joachim Bumke: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. München 2005 11 . S. 455. Bumke zitiert den Apostel Paulus hier aus der altlateinischen Bibel: Ad Ephesios 5, 22-23
2 Ebd. S. 456.
3 Petra Giloy-Hirtz: Frauen unter sich. Weibliche Beziehungsmuster im höfischen Roman. In: Helmut Brall, Barbara Haupt/ Urban Küsters (Hrsg.): Personenbeziehungen der mittelalterlichen Literatur. Düsseldorf 1994. S.65.
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Männern, wobei die abhängige Frau dem höfischen Ideal entspricht. Die Tatsache, dass jedoch im Gegensatz zur höfischen Dame noch ein Gegenpol existiert, die Amazone, welcher Wirnt zwar nicht ganz so viel Aufmerksamkeit schenkt wie der Frau, die sich komplett in die höfische Gesellschaft eingliedert, macht eine Gegenüberstellung der beiden Frauentypen besonders interessant. Die Frage, wie Wirnt von Grafenberg diese beiden Frauendarstellungen im ‚Wigalois’ verwendet und welche Bedeutung sie schließlich für den höfischen Ritter einnehmen, soll im Verlauf dieser Arbeit so weit als möglich geklärt werden. Für die Charakterisierung der höfischen Dame lassen sich im ‚Wigalois’ mehrere Beispiele finden, für die Amazone gibt es im Werk genau eines, nämlich Marine, wobei Wirnt im Zuge ihres Auftretens noch kurz auf ihre jungfräulich-ritterliche Gefolgschaft eingeht.
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2. Die Bedeutung der Frau für den höfischen Ritter im Wigalois
Beim Blick auf das Äußere der Frau in Wirnts von Grafenberg ‚Wigalois’ fällt auf, dass ihre Schönheit vor allem auf ein festes Ideal ausgerichtet und nicht durch individuelle Züge gekennzeichnet ist. Dieses Schönheitsideal wurde durch bestimmte Merkmale festgelegt. 4 Die Frau zeichnet sich aus durch ihre Kleidung, ihren Schmuck und vor allem ihren Körper: ir hâr daz was kleine, goltvar unde reit; ir scheitel wîz und niht ze breit. diu stirne was ir sinwel. eben und lûter was ir vel, von rôsen varwe wîze getempert mit vlîze. ir brâ brûn, sleht unde smal. dâ bî hiengen ir zetal reide löcke goltvar.
ir ougen lûter unde klâr. (Wirnt von Grafenberg: Wigalois. V. 868 ff.) Zudem ist Schönheit in Verbindung mit moralischer Reinheit und innerer Tugendhaftigkeit ein wesentlicher Aspekt der Darstellung der Frau. Sie verkörpert die Tugenden, die der Mann als Ritter erst noch im Kampf erwerben muss. Jedoch ist „des wunsches âmîe“ (V. 10629) eine Erfindung der Dichter. Die Vorstellung, dass die Männer ehrenvoll zu ihren Frauen aufblickten weil sie ihnen ihre ritterliche Kraft zu verdanken hatten, kehrte das reale gesellschaftliche Verhältnis der Geschlechter um. Auf dieses dichterische Konstrukt macht Wirnt von Grafenberg im Wigalois sogar direkt aufmerksam. Nachdem die prachtvolle Kleidung der Frau Larie detailliert beschrieben wurde fügt er hinzu: alsus hât gemeistert dar nâch dem wunsche ditze werc mit worten Wirnt von Grâfenberc. (V. 10574 ff.)
2.1 Frauen in abhängiger Relation zu Männern
Grundsätzlich sollte eine Frau im Mittelalter, wie schon einleitend erwähnt, ihrem Mann dienen. Sie war ihm stets nachgeordnet. Anders wird das Verhältnis zwischen Männern und Frauen von Wirnt dargestellt, da sich der Ritter seiner Frau oftmals unterwirft und ihren Wünschen unterliegt. Wigalois leistet Nereja zum Beispiel auf seiner Reise nicht nur Gesellschaft, sondern begleitet sie als höflicher und ihre Wünsche erfragender Ritter. Er bittet sie sogar um Erlaubnis, eine
4 Bumke: S. 452.
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Arbeit zitieren:
Stefanie Schauer, 2009, Die Bedeutung der Frau für den höfischen Ritter im "Wigalois", München, GRIN Verlag GmbH
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Wirnt von Grafenberg, Sabine Seelbach, Ulrich Seelbach
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