Die Vorgänge an den Aktienmärkten, vorab an den Wachstumssegmenten der Neuen Ökonomie, wurden und werden von einem immer größer werdenden Teil der Bevölkerung verfolgt. Anfänglich mit Erstaunen und darauf mit Bestürzung, haben viele den Kursverlauf dieser Indizes in den vergangenen Jahren verfolgt. Und etlichen Investoren wurde auf bittere Art und Weise klar, dass die Bäume wohl doch nicht in den Himmel wachsen....
Rückblickend scheint für viele die Antwort auf die Frage, wieso es zu solch exzessiven Kursbewegungen kommen konnte, zu sein, dass es sich nicht mehr um ein rationales Verhalten der im Markt involvierten Parteien handelte. Der Markt war ihrer Meinung nach nicht mehr effizient und die Marktteilnehmer verhielten sich nicht mehr rational. Deshalb werde ich in einem ersten Teil zuerst erläutern, was überhaupt unter der Theorie effizienter Märkte verstanden werden muss, d. h. von welchen Annahmen sie ausgeht und welche Verhaltensmuster und Kursbewegungen der Theorie nach demzufolge effizient und rational sind.
In einem weiteren Schritt werde ich auflisten, welche Voraussetzungen struktureller, politischer, volkswirtschaftlicher und individueller Art nötige waren, um ein derart ausgeartetes Börsenfieber zu entfachen.
Vorwegnehmend sollte ich darauf hinweisen, dass die Faktoren, welche zum „Boom“ und „Bust“ in der Neuen Ökonomie führten, nicht nur auf die New Economy und somit deren Aktien beschränkt sind. Viele der erwähnten Parameter führten auch bei den Hauptsegmenten der diversen Börsen zu einem markanten Kursanstieg (Dow Jones, DAX, etc.). Eine Grenze zwischen den Variablen, welche nur die „Old“ oder „New“ Economy beeinflussten, ist schwammig und schwierig zu ziehen. Überschneidungen und Parallelen sind demzufolge nicht vermeidbar, noch können sie getrennt voneinander betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 DIE THEORIE EFFIZIENTER MÄRKTE
1.1. DEFINITION
1.2. SCHWACHE EFFIZIENZ
1.3. MITTELSTRENGE EFFIZIENZ
1.4. STRENGE EFFIZIENZ
2 NEUE ÖKONOMIE – WAS IST DAS?
3 WO SIND DIE GRÜNDE FÜR DEN „BOOM“ UND „BUST“ ZU SUCHEN?
3.1. FUNDAMENTALE VORAUSSETZUNGEN – POLITISCH, INSTITUTIONELL UND DOKTRINÄR
3.2. WELCHE PARAMETER BLÄHTEN DIE BLASE AUF?
3.2.1. Zunahme des Handelsvolumens an den Börsen
3.2.2. Gründung neuer Börsenplätze
3.2.3. Diskussion um die Altersvorsorge
3.2.4. Wachstum der Investmentfonds
3.2.5. Ausweitung der Wirtschaftsberichte in den Medien
3.2.6. Kleinanleger kommen vermehrt an die Börse
3.2.7. Krise in den Emerging Markets
3.2.8. Die Kurse steigen, weil sie steigen
3.3. SUMMARY
4. WO FINDEN WIR DIE GRÜNDE FÜR DEN „BUST“ ?
4.1. WACHSTUMSPOTENTIAL DER NEW ECONOMY-FIRMEN
4.2. WAR DAS VERHALTEN RATIONAL?
4.3. DIE KURSE FALLEN, WEIL SIE FALLEN
5. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen für den „Boom“ und „Bust“ in den Wachstumssegmenten der Neuen Ökonomie und analysiert, inwieweit das Verhalten der Marktteilnehmer und die Kursbewegungen mit der Theorie effizienter Märkte vereinbar sind.
- Theoretische Grundlagen der Markteffizienz und Random-Walk-Hypothese
- Definition und wirtschaftlicher Kontext der „New Economy“
- Strukturelle und individuelle Einflussfaktoren der Börsenhausse
- Analyse der spekulativen Prozesse und der Rolle der Medien
- Untersuchung des Verhaltens von Investoren und Marktteilnehmern
Auszug aus dem Buch
4.1. Wachstumspotential der New Economy-Firmen
Intuitiv würde man diese Aussage wohl bejahen. Die Industrie an sich weist sehr wohl zukunftsweisende Potentiale auf und wird auch noch weiter expandieren. Doch durch die Deregulierung und Privatisierungen vieler ehemaliger (Staats)monopole spielt sich ein äusserst starker Konkurrenzkampf auf diesen Märkten ab. Wettbewerb im Telephon-, Internetprovider- und vielen anderen Bereichen bekommen wir Endkonsumenten als Preissenkungen und Qualitätsverbesserungen mit. Aber macht es Sinn, alle Unternehmen in diesem hoch kompetitiven Markt, auf welchem zusätzlich kaum oder keine Eintrittsbarrieren existieren, so hoch zu bewerten, wenn aufgrund eines massiven Verdrängungswettbewerbs nur einige wenige davon überleben werden? Dass alle Unternehmen ein so kometenhaftes Wachstum an den Tag legen werden, wie prophezeit wurde, wird wohl eher nicht zutreffen.
Betrachten wir dazu 420 Internetfirmen, welche zwischen dem Beginn des Jahres 1996 und dem 31. März des Jahres 2001 mit einem Going Public auf den Kapitalmarkt gelangten. Das durchschnittliche Underpricing bei Internetnet-IPO’s betrug in diesem Betrachtungszeitraum 80,7 Prozent, bei anderen Erstemissionen während der gleichen Zeit betrug das durchschnittliche Underpricing lediglich 21,6 Prozent. Augenscheinlich ist gemäss der zugrundegelegten Studie, dass die Firmen der New Economy zu einem früheren Zeitpunkt des Lebenszyklus an die Börsen gingen. So waren nur gerade 10 Prozent im Quartal vor dem IPO profitabel und erwirtschafteten Erträge (nicht Gewinne), die grösser waren als 900'000 $.
Zusammenfassung der Kapitel
1 DIE THEORIE EFFIZIENTER MÄRKTE: Erläutert die Grundlagen der Markteffizienzhypothese und unterscheidet zwischen schwacher, mittelstrenger und strenger Effizienz.
2 NEUE ÖKONOMIE – WAS IST DAS?: Definiert den Begriff der New Economy im Kontext des technologischen und ökonomischen Wandels seit Mitte der 90er Jahre.
3 WO SIND DIE GRÜNDE FÜR DEN „BOOM“ UND „BUST“ ZU SUCHEN?: Analysiert die politischen und institutionellen Rahmenbedingungen sowie die diversen Parameter, die zu einem massiven Kapitalzufluss an die Börsen führten.
4. WO FINDEN WIR DIE GRÜNDE FÜR DEN „BUST“ ?: Untersucht das Platzen der Spekulationsblase, die Rolle des Wachstumsversprechens und die Rationalität des Investorenverhaltens.
5. FAZIT: Fasst die Erkenntnisse zusammen und resümiert, dass die öffentliche Stimmung und irrationale Erwartungen maßgeblich für den Boom verantwortlich waren.
Schlüsselwörter
New Economy, Markteffizienz, Spekulationsblase, Börsencrash, Random-Walk-Hypothese, Kapitalmarkt, Privatisierung, Investmentfonds, Internet, Aktienmärkte, Rationalität, Volatilität, Herdentrieb, IPO, Shareholder-Value
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Ursachen und Hintergründe des massiven Anstiegs sowie des darauffolgenden Absturzes von Aktienkursen in den Segmenten der sogenannten „New Economy“.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Theorie effizienter Märkte, die Rahmenbedingungen der New Economy, die Einflussfaktoren für den Börsenboom und die Frage nach der Rationalität der Marktteilnehmer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, warum es zu exzessiven Kursbewegungen kam und ob das Verhalten der Anleger unter Berücksichtigung der Markteffizienzhypothese als rational oder irrational zu bewerten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und zieht Erkenntnisse aus empirischen Studien sowie Wirtschaftsberichten heran, um die Entwicklungen an den Kapitalmärkten zu interpretieren.
Was steht im Hauptteil im Mittelpunkt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den strukturellen Voraussetzungen, dem Wachstum der Internetbranche, der Rolle von Medien und Investmentfonds sowie den Mechanismen, die den Boom und den Bust vorangetrieben haben.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Markteffizienz, Spekulationsblase, New Economy, Herdentrieb und das Kurs-Gewinn-Verhältnis.
Was war die Rolle der Medien bei der Entstehung des Booms?
Die Arbeit betont, dass eine immer breitere und oft unkritische Berichterstattung in Medien sowie die Verfügbarkeit von Finanzportalen zur Hysterie beitrugen und Anleger zu unrealistischen Gewinnerwartungen verleiteten.
Welche Bedeutung kommt der Shareholder-Value-Doktrin zu?
Die Shareholder-Value-Lehre und der damit verbundene Leistungsdruck auf Manager begünstigten kurzfristiges Denken und riskantes Handeln, was die Entwicklung der New Economy massiv vorantrieb.
- Quote paper
- Karl Flubacher (Author), 2002, Boom und Bust der New Economy, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12408