1. Einleitung
„li -llahi ubbunā wada“ lautet der erste Satz in Ibn ibbāns »al-Musnad a- aī c ala-t-taqāsīmwa-l-anwā c «. (Fleischhammer, 1959: V) und Khoury verweist mit seinem Koranzitat „Sprich: Wenn ihr Gott liebt, dann folgt mir, so wird Gott euch lieben und euch eure Sünden vergeben“ darauf das sich die Gottesliebe für einen gläubigen Muslim in der treuen Gefolgschaft zeigt die er Gottes Gesandtem erweist. (Khoury, 2001: 34)
Mehr noch war es einem Gläubigen verboten in Angelegenheiten die Gott oder sein Gesandter entschieden hatten frei zu wählen. (Khoury u.a. 1991: 325 f.)
Ein striktes Befolgen der, durch den Propheten Muammad geoffenbarten Regeln Gottes ist jedoch nur möglich wenn möglichst viele Einzelheiten von der Sunna des Propheten bekannt sind.
Die adīe bilden, direkt nach dem Koran, die zweite Wurzel des fiqh, der islamischen Rechtswissenschaft. Was der Prophet „getan, befohlen oder nur stillschweigend gebilligt hatte das galt nach muslimischer Auffassung, bedingungslos als Richtschnur für Leben und Glauben“ (Juynboll Th.W., 1910:13)
Guillaume (1924: 11) zieht Parallelen zwischen der Situation der Muslime nach dem Tod Muammads und der Juden nach dem Tod Moses
„The Jews found the Mosaic law with its wealth of detail insufficient by itself without
the assistance of case law and tradition, and the Talmud arose to supply this need.
Similarly, the Muhammadan community found itself at the death of Muhammad with a
holy book and the living memory of a prophet; from those two sources the ecclesiastical
and temporal polity of the Islamic world was for all time build.”
Die Sammlung und Niederschrift der adīe war zugleich wissenschaftliche und religiöse Betätigung. Durch die Sammlung wurden die Berichte vom Leben des Propheten den Gläubigen und vor allem den Gelehrten zugängig und brachten den Kompilatoren hohes Ansehen und den Respekt ihrer Mitmenschen ein. Beestone u.a.(1983: 271) verweisen zudem darauf, dass die Abwesenheit einer offiziellen, staatlich kontrolierten adīsammlung die Eigeninitiative der frühen
Kompilatoren förderte.
Sowohl Ibn ibbān als auch Ad-Dārīmī verbrachten einen Großteil ihres Lebens auf Reisen, um bei verschiedenen Lehrern adīe zu sammeln.
Zuerst soll ein kurzer Abriss über die Geschichte der adīsammlung im 1./7. und 2./8. Jahrhundert angeführt werden der im folgenden als Referenzrahmen für die Klassifizierung der Werke von Ibn ibbān und Ad-Dārīmī dienen soll. Im Folgenden werden dann die Autoren jeweils mit ihrer Biographie und ihrem Werk vorgestellt.
2. Referenzrahmen: Die adīsammlungen im 1./2. Jahrhundert
nach der iğra
Während des ersten Jahrhundert nach der iğra war die Sammlung der adīe durch ein ambivalentes Vorgehen geprägt. Sowohl Aāb als auch Tābi c ūn sahen die Notwendigkeit, die Berichte von den Taten des Propheten für die Nachwelt zu erhalten, wogen diese jedoch gegen die Gefahr, das schriftlich fixierte adīsammlungen eine Konkurenz zum Qurān darstellen könnten, ab.
Dennoch verzeichneten viele der Aāb und Tābi c ūn ihre adīe in uuf (Manuskripten). Auch wenn der Vortrag vor ihren Schülern meist frei erfolgte, dienten die uuf als Erinnerungsstütze und Rückversicherung. 1 In diesem Kontext kann Röhrich, zitiert von Schoeler (1996: 4) zugestimmt werden wenn er schreibt:
„ […]auch Augen und Ohrenzeugenberichte weisen die Tendenz auf, bestimmte
traditionelle Motive und Erwartungsmomente dem Erlebten überzustülpen, d.h. reale
Vorgänge im Sinne oraler Tradition zu überformen und damit auch zu verfälschen […]
Unser Gedächnis enthält mehr, als wir jemals erinnern können, aber es seligiert und
verändert die Erinnerungsinhalte. […] Unabsichtlich, unbemerkt werden die
Geschichten im Einklang mit den Interessen, Kenntnissen, Vorlieben, Abneigungen und
Gemütsverfassungen der Nacherzähler umfrisiert. So werden die Geschichten den
Erzählern immer ähnlicher.
1 Zur Diskussion um den Zeitpunkt der ersten schriftlichen Fixierung der adīe vgl. (Sezgin, 1967)
Gegen Ende des ersten Jahrhundert n. H. begann ein verbreitete schriftliche Fixierung und damit einhergehend nahm auch die Zahl der Fälschung. Mit der Ermordung des dritten Kalifen Uman ibn Affan 656 n.Chr. und den folgenden Bürgerkriegen bekamen Sammlung und Auswahl der adīe zudem eine politische Dimension.
Um den Weg einer Überlieferung, und damit auch ihren Wahrheitsgehalt einschätzen zu können wurde dem matn, dem eigentlichen Bericht, nun der isnād, die Überliefererkette, hinzugefügt.
Ende des 1./7. und im frühen 2./8. Jahrhundert begannen die Kompilatoren die adīe in ihren Werken thematisch zu sortieren. Dieses System wurde muannaf genannt und zu seinen beteutendsten Werken gehören das »muannaf abdir- rassāq ibn hammām« unddas »muannaf abū bakr ibn abū šiba«. adīsammlungen, in welchen adīe sich direkt auf den Propheten bezogen und die nach den Namen der Aāb sortiert waren, wurden musnad genannt. Wichtige Werke sind hier das musnad »al-imām amad ibn anbal« sowie das »musnad abū alī yalā al-mūsalī«.
Da die Musnadwerke allerdings nicht zwischen starken und schwachen adīen unterschieden, begann fast gleichzeitig die aī - Bewegung die in ihren Werken adīe mit einem bestimmten Qualitätsmerkmal zusammenfasste.
Da seit dem Ende des 1./7. Jahrhunderts immer mehr unqualifizierte Personen begonnen hatten adīwerke zu verfassen versuchten die Autoren des 3./9. Jahrhunderts in zunehmendem Maße ein System der kritischen adīstudien zu entwickeln, dass mit den Prophetengefährten begann. Die Aāb selbst waren allerdings über jeden Zweifel erhaben und wurden nicht in die kritische Bewertung mit einbezogen.
Das so entwickelte System der Analyse deckte sowohl Datum und Ort der Geburt eines Überlieferers als auch familiäre Beziehungen, Ausbildung, Lehrer,
Arbeit zitieren:
M.A. Michael Rohschürmann, 2008, Einführung in die Hadithwissenschaft - li-llahi hubunna wahdah, München, GRIN Verlag GmbH
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