Matthias Völcker
,Die Blase ist geplatzt` Ein (etwas anderer)
Erklärungsversuch der Finanzmarktkrise
Abstract
Die Finanzmarktkrise hat die Finanz- und Realwirtschaft mit enormer Intensität erreicht. Mit Hilfe dieses Beitrages wird der Versuch unternommen die Finanzmarktkrise, die das Resultat des Zusammenbruchs des Subprime Immobilienmarktes in den Vereinigten Staaten darstellt und die über künstliche Re-Finanzinstrumente einen Weg in die globale (Finanz-)Welt fand, darzustellen. Mit Hilfe des Boom/Bust-Modells werden generelle Handlungsweisen einzelner Akteure nachgezeichnet und vor einem theoretischen Hintergrund beleuchtet. Die Weltwirtschaft ist dabei einer Steuerungsprogrammatik verfallen, in der die freie Akkumulation primär über deregulierte Märkte erfolgt. Die Folgen dieser Deregulierung sind heute spürbar und entfalten mit außerordentlicher Stärke ihre Wirkung.
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Alle Macht den (Finanz-) Märkten?
"Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige
Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen
werden." (John Maynard Keynes)
Die Krise auf den internationalen Finanz- und Kapitalmärkten die im amerikanischen Suprime Markt einem Bereich der dadurch gekennzeichnet ist, dass Darlehen an Kreditnehmer mit nicht ausreichender Bonität verliehen wurden ihren Ausgangspunkt fand, hat erstaunliche Auswirkungen entfalten können. Diese Krise steht zugleich als Symbol für eine verfehlte Politik des ,billigen Geldes` und ist unter anderem als Folge einer mehrjährigen Niedrigzinspolitik der Federal Reserve (FED) anzusehen. Mit dem Platzen der New-Economy-Blase senkte die amerikanische Zentralbank kontinuierlich den Leitzins auf 3,5 Prozentpunkte um mit diesen Schritten einen die Konjunktur anregenden Impuls zu geben. Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 wurde diese Politik kontinuierlich, durch historische Leitzinssenkungen auf bis zu 1,0 Prozentpunkten, fortgesetzt. Diese Politik des ,billigen Geldes` wurde nach dem Ausbruch und der Ausweitung der Finanzmarktkrise auf die Realwirtschaft und nachdem eine tiefgreifende Rezession nicht mehr abzuwenden war, beständig, mittels Zinssenkungsschritten auf 0,00-0,25 Prozentpunkten forciert. Die jahrelange Politik des ,billigen Geldes` hat jedoch entscheidend zur Ausbreitung und Entstehung der Krise beigetragen. Die zu einem niedrigen Zinssatz zur Verfügung stehenden liquiden Mittel führten zu wahren Exzessen auf den Kapitalmärkten, dem Anwachsen einer Immobilienblase gigantischen Ausmaßes und einer explosiven Ausbreitung fremdfinanzierter
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Übernahmen (vgl. Soros 2008: 12). Durch eine Reihe besonders von Seiten der Investmentbanken entwickelter und betriebener Finanzinnovationen mit teilweise nicht mehr überschaubaren Risiken entwickelte sich eine Eigendynamik in der die Gier nach schnellen und hohen Profiten zum Leitmotiv avancierten. Die Entwicklungen, die sich hier abzeichneten müssen jedoch, wie Stephan Schulmeister konstatiert, als ,,Auslöser" (Schulmeister 2008) und nicht als eigentliche Ursache der Finanzmarktkrise gesehen werden. Vielmehr zeigt sich, dass die Wirtschaftspolitik der letzten drei Jahrzehnte durch eine ,Strategie` geprägt war, in der jedweder staatliche Eingriff zunehmend reduziert und dem Markt als primäres Koordinierungsinstrument eine ,Kompetenz` zur Wahrung von Eigeninteressen und zur Selbstheilung zugeschrieben wurde. Seit den 1970er Jahren tritt das Finanzkapital verstärkt in den Vordergrund und hat eine Deregulierungs- und Privatisierungswelle (Huffschmid 2004) in Gang gesetzt. Der Markt avancierte zum primären Koordinationsprinzip. Der Glaube, die Märkte würden auf ein Gleichgewicht zusteuern indem man jedermann gestatte unbeirrt Eigeninteressen zu verfolgen, erweist sich jedoch heute als Irrtum (vgl. Soros 2000, 2008; Wegehenkel 1981: 18).
Die Zinspolitik der amerikanischen Notenbank steht dem in nichts nach und baut darauf durch die Ankurbelung des Konsums, in Folge niedriger Zinsen, die entscheidenden Anreize liefern zu können. Dabei wurde jedoch nicht in Erwägung gezogen, dass durch diese Schritte neue Krisenherde hervorgerufen werden könnten.
Der folgende Beitrag versucht der Frage nachzugehen, welche Mechanismen immanent in die Finanzmärkte integriert sind und wesentlich zur Ausbreitung und Beschleunigung beigetragen haben. Der erste Abschnitt thematisiert den Ausbruch der Krise und präsentiert die wesentlichen Verlaufsdaten und Ereignisse. Im zweiten Abschnitt erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit den aktuellen Gegebenheiten auf den Finanzmärkten, deren Folgewirkung sich bereits in der produzierenden Realwirtschaft offenbaren. Dabei werden mit Hilfe des von George Soros entwickelten Boom/Bust-Modells Rückschlüsse und Erklärungsansätze für die aktuellen Ereignisse vorgestellt. Der Beitrag schließt mit einigen Schlussfolgerungen, die aus der Krise gezogen werden können (müssen). Deren Intention liegt darin zukünftig solche Exzesse zu vermeiden, die Finanzmärkte einer stärkeren Kontrolle zu unterstellen und sie so ihrer ursprünglichen Funktion wieder anzunähern.
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2 Der ,Finanzmarktcrash` Chronik einer Krise
Die Krise nahm ihren Ausgangspunkt im Finanzsektor und entwickelte zunehmend eine Eigendynamik, deren Auswirkungen bis tief in die Realökonomie zu beobachten sind. Der Verlauf der Krise ist durch zwei Phasen gekennzeichnet. In der ersten Phase erschütterten Zahlungsausfälle besonders im Suprime-Kreditsegment eine Vielzahl von Hypotheken- und anderen Finanzinstitutionen. Die Krise breitete sich mit zunehmenden Zahlungsausfällen ,Schockwelle um Schockwelle` aus. Eine globale Dimension nahm die Krise aufgrund der engen Verknüpfungen zwischen den Finanzinstitutionen an. Diese waren durch neue Finanzprodukte und Innovationen und ebenso durch die Gründung von Zweckgesellschaften global eng miteinander ,vernetzt`. Um eine Refinanzierung der Kredite zu ermöglichen, wurden etwa Suprime-Kredite gebündelt und an Investoren weltweit verkauft. Jedoch veränderte sich die Situation in den Vereinigten Staaten als es für mehr und mehr Kreditnehmer nicht länger möglich war, die ausstehenden Darlehen zurückzuzahlen. Die internationalen Verknüpfungen und Verpflichtungen waren so dicht mit einander verwoben, dass die Krise rapide globale Züge annahm und sich immer weiter ausbreitete. Die Risiken für die Banken waren nicht länger überschaubar, was letztendlich auch große Investmentbanken zunehmend ins ,straucheln` brachte. Die zweite Phase der Finanzmarktkrise wurde durch den Zusammenbruch von Lehmann Brothers eingeleitet. Das Ende dieser Investmentbank löste eine Beschleunigung aus und führte zu zunehmenden Misstrauen zwischen den beteiligten Akteuren, deren Auswirkungen bis tief in die Realwirtschaft hineinreichten. Diese Entwicklungen sind Folgen einer rigideren Kreditvergabepolitik der Banken bei gleichzeitig drastisch rückläufiger Auftragslage besonders bei exportorientierten Unternehmen. Im Folgenden erfolgt eine kurze Darstellung des Krisenverlaufs in Gestalt von wesentlichen Ereignissen:
1. Phase der Krise
18. Juli 2007:
Zwei Hedgefonds der New Yorker Investmentbank Bear Stearns werden aufgelöst, da die in diesen Fonds enthaltenen Vermögenswerte weitgehend wertlos oder in großen Teilen an Wert verloren haben. Beide Fonds verlieren allein im US-Immobilienmarkt rund 1,48 Mrd. Dollar.
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Juli und August 2007:
In kurzer zeitlicher Abfolge geraten einige deutsche Landesbanken (u.a. Sachsen LB, WestLB und die Mittelstandsbank IKB) aufgrund von Fehlspekulationen in erhebliche Zahlungsschwierigkeiten.
September 2007:
Nach Bekanntwerden von allgemeinen Zahlungsschwierigkeiten ziehen Kunden der britischen Bank Northern Rock über eine Milliarde Euro von ihren Sparkonten ab. Teilweise bildeten sich riesige Schlangen besorgter Kunden vor den Geldinstituten. Um die Pleite der Bank abzuwenden, greift die britische Bank of England mit einem Notkredit ein. [...]
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Arbeit zitieren:
Matthias Völcker, 2009, Die Blase ist geplatzt, München, GRIN Verlag GmbH
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