Inhaltsverzeichnis:
I. Einleitung
II. Die ungarische Minderheit in der Slowakei
1.1. Die historischen Hintergründe der ungarischen Minderheit
1.2. Die ungarische Minderheit in der Slowakei
III. Die ungarische Literatur außerhalb Ungarns
IV. Die ungarische Literatur in der Slowakei
1. Die Geschichte der ungarischen Literatur in der Slowakei
2. Die Erforschung der ungarischen Literatur in der Slowakei
3. Organisationen, Verlage, Redaktionen und Publikationen
V. Die Autoren und deren Werke
1.1. Prosa
1.2. Lyrik
VI. Zusammenfassung
VII. Anhang
VIII. Literaturverzeichnis
Die ungarische Gegenwartsliteratur in der Slowakei 1
I. Einleitung
Diese Arbeit hat die Darstellung der heutigen ungarischen Literatur außerhalb der ungarischen Landesgrenzen als Ziel. Es ist bekannt, daß man nicht nur in seinem Heimatland seine eigene Muttersprache als Literatursprache benutzen kann. Man sollte hier nicht nur an die in der Emigration Lebenden denken, sondern - was im Falle der ungarischen Nation und damit auf die Sprache zutrifft - an die Menschen, die dank der Politik aus ihrem „Mutterland“ 1 Ungarn verdrängt worden sind. Als Forschungsgegenstand dieses Aufsatzes wurde die ungarische Minderheits 2 - bzw. Gegenwartsliteratur in der (Tschecho)Slowakei 3 gewählt.
Als erstes werden die historischen Hintergründe der ungarischen Minderheit und die Veränderung der Bevölkerungszahl dargestellt. Unerläßlich ist die Betrachtung der kulturellen Organisationen im Bezug zu der ungarischen Minderheit in der Slowakei.
Weitere Kapitel beschäftigen sich schon mit der Literatur. Als Grundüberlegung bei der Beschreibung der Literatur außerhalb Ungarns und damit in der Slowakei wurde die geschichtliche Entwicklung der Schriftlichkeit und Literatur untersucht. Wie schon vorher erwähnt wurde, ist bei der Erforschung der ungarischen Gegenwartsliteratur in der Slowakei die Bedeutung der Organisationen sowie der Verlage und Redaktionen und ebenso die Forschung unerlässlich.
In den letzten Kapiteln der Arbeit werden die berühmtesten Autoren der letzten Generation (ab 1970), mit Beispielen aus deren Werken aufgelistet.
1 aus dem Ungarischen: anyaország
2 aus dem Ungarischen: kisebbségi irodalom
3 Die Tschechoslowakei wurde am 1.1.1993 in zwei Staaten - die Tschechische und die Slowakische
Republik - getrennt. Aus diesem ist deutlich, daß in diesem Aufsatz der Terminus „Die ungarische
Literatur in der Tschechoslowakei bzw. Slowakei“ kontextabhängig benutzt wird.
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Die ungarische Gegenwartsliteratur in der Slowakei 2
II. Die ungarische Minderheit in der Slowakei
1.1. Die historischen Hintergründe der ungarischen Minderheit
Die Österreich-Ungarische Monarchie war ein multinationaler Staat. 1918 zerfiel diese Monarchie. Die Fläche von Ungarn betrug vor dem ersten Weltkrieg 325 000 km². Nach dem Trianoner Abkommen blieben 93 000 km² für Ungarn. Die restliche Fläche des Staates wurde benachbarten Staaten angeschlossen: 103 000 km² an Rumänien, 62 000 km² an die Tschechoslowakei, 63 km² an Jugoslawien, 4000 km² an Österreich. Die Gesamtbevölkerung Ungarns vor dem Trianoner Abkommen war 21 Millionen, nach der neuen Grenzziehung blieben rund 3,5 Millionen Ungarn in benachbarten Ländern. Heutzutage leben in Rumänien ca. 2 Millionen, in der Slowakei 560 000, im Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens ca. 400 000 und in der Ukraine fast 200 000 Ungarn. Außerdem leben insgesamt 1,2 - 1,5 Millionen Ungarn in Westeuropäischen Ländern sowie in Übersee (vgl. Görömbei, 199, 105).
1.2. Die ungarische Minderheit in der Slowakei
Die Ungarn in der Slowakei sind die zweitgrößte ungarische Minderheit - nach der in Siebenbürgen im Karpaten-Becken. Über die Zahl der Ungarn in der Slowakei nach dem zweiten Weltkrieg sind keine genaue Daten vorhanden. Die späteren Angaben sind auch nicht maßgebend, da die politische Lage die Minderheiten beeinflußt hat (z.B.: Reslovakisation in den 40er Jahren). Heute stellt die ungarische Minderheit 10% der Bevölkerung dar. Bei der Volkszählung im Jahr 1991 haben sich viele Menschen mit ungarischer Muttersprache zur slowakischen Nationalität bekannt. Es handelt sich um über 11% der Gesamtbevölkerung (vgl. Lanstyák, 2000, 44).
Die Internetseite wikipedia beschreibt diese Minderheit folgendermaßen: „Die Gruppe der rund halben Million Ungarn in der Slowakei lebt im Süden des Landes, die meisten auf der Großen Schüttinsel, im nördlich davon gelegenen Gebiet zwischen der Kleinen Donau und der Waag (teilweise von den Ungarn Mátyusföld genannt), in
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Die ungarische Gegenwartsliteratur in der Slowakei 3
der Gegend zwischen den Flüssen Waag und Eipel und am Eipel-Nordufer. Außerdem bewohnen sie das Gemer-Gebiet und ein Gebiet ganz im Südosten der Slowakei um Kráľovský Chlmec (50.000 Ungarn), d. h. im und um das Medzibodrožie (ung. Bodrogköz). Außerdem gibt es eine ungarische Sprachinsel im Osten von Nitra, die den ethnographischen Namen Zobor trägt. Neben den oben genannten Ungarn geben in der Slowakei weitere 53.000 Personen Ungarisch als ihre Muttersprache an.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Magyaren, 2008)
Die Veränderung der Zahl der Ungarn in der Slowakei zwischen 1910 und 1991 zeigt die folgende Tabelle von Gyurgyík (1994, 84) (vgl. Liszka, 2002, 110), ergänzt durch die Angaben von wikipedia für das Jahr 2001:
Die Schwankung der Zahl zwischen 1910 und 1991 ist deutlich auch an folgenden Landkarten der Slowakei zu erkennen, im Vergleich zu 2001:
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Die ungarische Gegenwartsliteratur in der Slowakei 4
III. Die ungarische Literatur außerhalb Ungarns
Ein ungarisch schreibender Schriftsteller muss nicht unbedingt in Ungarn leben und schreiben. Das kann er auch in der Slowakei, in Siebenbürgen oder in der Vojvodina tun. Die Autoren, die außerhalb der ungarischen Landesgrenzen schreiben, werden auch innerhalb der Grenzen noch nicht sehr lange wirklich mitgezählt (vgl. Gahse, 1999, 1). Seit über achtzig Jahren wird in der Slowakei, in Rumänien, in der Vojvodina und in der Karpato-Ukraine ungarische Literatur geschrieben, „die sich jeweils sowohl aus den literarischen Traditionen Ungarns und ihren Bindungen zum Mutterland als auch aus dem gesellschaftlichen und kulturellen Umfeld des jeweiligen Nachbarlandes speist“. Die ungarische Literatur der Nachbarländer „stellt nicht mehr nur eine regionale Spielart der gesamten ungarischen Literatur dar“ (Rübberdt, Schlosser, 1999, 7). Von den vielen ungarischen Autoren, die außerhalb der ungarischen Grenzen leben bzw. lebten, gibt es einige, die eine besondere Aufmerksamkeit verdient haben. Der Siebenbürger Sándor Márai (1900-1989) wurde durch seine bedeutsamsten Werke - mit autobiographischen Grundlagen Egy polgár vallomásai (1934) (Bekenntnisse eines Bürgers) und Féltékenyek (1937)
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Die ungarische Gegenwartsliteratur in der Slowakei 5
(Eifersüchtige), Sirály (1943) (Möwe), San Gennaro vére (1963) (Das Blut von San Gennaro), Harminc ezüstpénz (1983) (Dreißig Silbermünzen) bekannt. Seine Wirkung auf die ungarische Literatur des 20.Jhs ist groß, trotzdem er in Emigration lebte. Sein Schriftstellerleben fing mit Gedichten an, später schrieb er Romane (vgl. Tankó, 1992, 152). In der Auflistung der berühmtesten ungarischen Literaten außerhalb Ungarns darf auch der ebenso aus Siebenbürgen stammende Sándor Kányádi (1929) nicht vergessen werden. Er ist Dichter und Übersetzer aus dem Rumänischen und Deutschen. Seit 1950 erschienen seine Gedichte. Die wichtigsten Sammlungen davon sind: Virágok a cseresznyefán (1955) (Kirschbaumblüten), Három bárány (1965) (Drei Schafe, Gedichte für Kinder), Fától-fáig (1955-1970) (Von Baum zu Baum), Madármarasztaló (1986) (Vogelzurückhaltender) und viele andere (vgl. Tankó, 1992, 163). Der aus der Vojvodina stammender Otto Tolnai (1940), ein sehr vielseitiger Autor, war zwischen 1969-1974 Redakteur der Zeitschrift Új Symposium (Neues Symposium). Er schrieb Gedichte und ebenso Essays sowie Romane und Dramen. Seine wichtigsten Gedichtsammlungen sind Homorú versek (1963) (Hohle Gedichte), Vidéki Orfeusz (1983) (Ländlicher Orfeus), Gyökérrágó (1986) (Wurzelkauender) und der Roman Virág utca 3 (1983) (Blumenstrasse 3) sowie sein Drama Végeladás (Endverkauf) sind zu erwähnen (vgl. Tankó, 1992, 168). Es gibt keinen Zweifel, daß der bekannteste und am meisten anerkannte ungarischer Autor der Gegenwart der im Jahr 2002 auch mit dem Nobel-Preis ausgezeichnete Imre Kertész ist. Während er außerhalb der Landesgrenzen hoch anerkannt wird, war er in Ungarn vorher kaum bekannt. Er wurde in Budapest 1929 in einer jüdischen Familie geboren und 1944 nach Auschwitz deportiert. Diese Tatsache ist in seinen Werken zu erkennen. Seine Werke sind vor allem autobiographisch, im Mittelpunkt mit den „Auschwitz-Erlebnissen“: Sorstalaság (1975) (Mensch ohne Schicksal, übersetzt von J. Buschmann, Berlin, 1990; Roman eines Schicksallosen, übersetzt von Ch. Virágh , Berlin, 1996), A kudarc (1988) (Fiasko, deutsche Übersetzung von Gy. Buda, Á. Relle, Frankfurt am Main, 2000), Kaddis a meg nem született gyermekért (1990) (Kaddisch für ein nicht geborenes Kind, übersetzt von Gy. Buda, K. Schwamm, Berlin, 1992) (vgl. Gömöri, 2002, 11).
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Die ungarische Gegenwartsliteratur in der Slowakei 6
Arbeit zitieren:
M.A. Andrea Adam, 2003, Die ungarische Gegenwartsliteratur in der Slowakei, München, GRIN Verlag GmbH
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