Über die Anfänge des deutschen Nationalbewusstseins - Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung 3
2. Hauptteil 4
2.1 Grundsätzliches 4
2.2 Karl der Große und der Vertrag von Verdun 843. 6
2.3 Die Königserhebung Arnulfs von Kärnten im Jahr 887 7
2.4 Die Königserhebung Heinrichs 919 und das Zeitalter der Ottonen. 10
2.5 Das 11. Jahrhundert - Beginn einer neuen Ära? 14
2.6 Stellungnahme 14
3. Schluss 16
4. Bibliographie 17
2
1.Einleitung
Ludwig „der Deutsche“ wurde bis ins 20.Jahrhundert hinein für Nationalpädagogische Zwecke 1 missbraucht. Vor allem im 19. Jahrhundert, zur Zeit eines maßlos gesteigerten Nationalismus wurde er als „Gründer“ Deutschlands glorifiziert und seine „deutschen Tugenden“ trotz äußerst spärlicher Quellenlage für ideologische Zwecke zurechtgeschnitten, verzerrt oder sogar frei erfunden. Dieter Geuenich schreibt, es sei gerade angesichts der Lobeshymnen deutsch-nationaler Autoren auf Ludwig den „Deutschen“ höchste Zeit für eine Auseinandersetzung mit diesem Herrscher. 2 In der Tat geht auch heute noch ein gewisser Teil der Historiker von einem Ursprung der Deutschen nach dem Vertrag von Verdun 843 aus und nimmt den Beinamen Ludwigs des „Deutschen“ , der zwischen 843 und 876 über das ostfränkische Reich herrschte, kritiklos hin. Auch wenn die Fragestellung nach dem Beinamen Ludwigs des „Deutschen“ sicher an anderer Stelle erörtert werden muss, hat sie eine gewisse Relevanz für das Thema dieser Arbeit. Kann man tatsächlich von einem Ursprung der Deutschen im neunten Jahrhundert sprechen, oder ist diese Auffassung ein Relikt der deutsch-nationalen Geschichtsschreibung, das sich nach wie vor in den Köpfen vieler Menschen erhalten hat? Haben die ostfränkischen Stämme am Ende des Frühmittelalters ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt, das weit über ein Stammesbewusstsein hinausging, oder betrachteten sich Allemannen, Baiern, Sachsen und Franken als eigenständige Völker in einem lockeren Bund? Laut Peter Moraw kann man ein deutsches Nationalbewusstsein erst am Ende des Mittelalters als einigermaßen konsolidiert ansehen 3 , wobei die Problematik selbst für das Spätmittelalter recht schwierig zu erörtern ist. Wesentlich mehr Probleme haben die Experten seit jeher bei der Beurteilung eines deutschen Volksbewusstseins zwischen dem neunten und elften Jahrhundert. Mit Sicherheit kann also nicht der Anspruch erhoben werden, im Rahmen einer Proseminar-Arbeit Lösungen für die vorangegangenen Fragestellungen zu finden.
1 Geuenich, Dieter: Ludwig „der Deutsche“ und die Entstehung des ostfränkischen Reiches,
In: Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band 22, Berlin 2000.
Seite 313-329. Seite 314
2 Ebd.: Seite 314
3 Moraw, Peter: Bestehende, fehlende und heranwachsende Voraussetzungen des deutschen
Nationalbewusstseins im späten Mittelalter, In: Ansätze und Diskontinuität deutscher Nationenbildung im
Mittelalter, Sigmaringen 1989. Seite 100.
3
Vielmehr soll der aktuelle Stand der Forschungskontroverse über ein deutsches Nationalbewusstsein an der Schwelle zum Hochmittelalter erörtert und die Problematik, welche dieses Thema so umstritten macht, ausführlich dargelegt werden. Carlrichard Brühl veröffentlichte 1990 erstmals seinen Buch-Ziegel „Die Geburt zweier Völker -Deutsche und Franzosen im 9. - 11. Jahrhundert“ 4 . Brühl gilt als einer der besten Kenner auf diesem Gebiet und stellte die herkömmliche Lehre über ein deutsches Nationalgefühl in diesem Zeitraum komplett auf den Kopf. Es erscheint deshalb sinnvoll, Brühls Ansichten an dieser Stelle schlüssig darzulegen und ihm gegebenenfalls andere Meinungen aus der Fachwelt gegenüberzustellen.
2. Hauptteil
2.1 Grundsätzliches
Brühl bemerkt in seinem monumentalen Werk „Deutschland - Frankreich - die Geburt zweier Völker“, wie gefährlich die unreflektierte Anwendung moderner politischer Begriffe auf weit zurück liegende Ereignisse sein kann. 5 Vor diesem Hintergrund stellt sich natürlich auch für uns die Frage, was Nationalbewusstsein überhaupt ist, beziehungsweise ob dieser Begriff im Kontext dieser Arbeit bedenkenlos verwendet werden darf. Wenn man beispielsweise im Brockhaus nachschlägt, wird Nationalbewusstsein folgendermaßen definiert: „Liebe zur Heimat, Hochschätzung der eigenen/gemeinsamen Kultur und der politischen Einrichtungen des eigenen Landes, Überlieferung von Sitten und Institutionen, Pflege des Geistlichen“. Die staatliche und politische Festigung geschehe, Laut Brockhaus, durch Philosophie, Sprachwissenschaft, Literatur und Geschichtswissenschaft. 6 Soweit ließe sich also der Titel durchaus problemlos mit der Thematik in Verbindung bringen. Allerdings definiert der Brockhaus auch: „ Nationalbewusstsein, das mit starkem Selbstbewusstsein verbundene Zusammengehörigkeitsempfinden der Angehörigen einer Nation (!)“ 7 Eine Nation nach unserem Verständnis existierte am Ende des Frühmittelalters aber nicht. Obwohl der Titel dieser Arbeit wohl jedermann einleuchtend erscheint, macht es folglich wenig
4 Brühl, Carlrichard: Die Geburt zweier Völker; Deutsche und Franzosen im 9. - 11. Jahrhundert.
Köln 2001
5 Brühl, Carlrichard: Die Geburt zweier Völker; Deutsche und Franzosen im 9. - 11. Jahrhundert, Seite 2.
6 Der Brockhaus in drei Bänden, 3. Auflage. Leipzig 2004.
7 Der Brockhaus in drei Bänden, 3. Auflage. Leipzig 2004.
4
Sinn, den modernen Begriff von Nationalbewusstsein mit dieser Arbeit in Verbindung zu bringen; vielmehr soll Aufschluss darüber gegeben werden, inwieweit sich im Ostfrankenreich vom 9.-11- Jahrhundert ein Volksbewusstsein etablierte, das über ein Stammesinteresse oder die Machtansprüche einzelner Herzogtümer hinausging und welche Eckdaten möglicherweise wegweisend für eine werdende politische und geistige Einheit des deutschen Reiches waren.
Beim Versuch, dieses äußerst komplexe und komplizierte Thema zu bearbeiten, tun sich selbst für renommierte Historiker schier unlösbare Probleme auf, da sämtliche Ergebnisse aus relativ wenigen, aus den entlegensten Winkeln zusammengetragenen Quellen gewonnen werden müssen. An der Objektivität dieser Quellen muss zumeist gezweifelt werden, da Gelehrte oder Kleriker seltenst daran interessiert waren, ihrer Nachwelt ein unverzerrtes Geschichtsbild zu vermitteln. So vermischten sich Meinungen, persönliche Wertschätzungen, eigene Anliegen und Legendenbildung in schriftlicher Form mit der historischen Wirklichkeit. Das grundlegende Problem der mittelalterlichen Geschichtsforschung besteht nun in der Tatsache, dass die Historiker auf diesem unsicheren Fundament ein realistisches Geschichtsbild rekonstruieren müssen. Zu weiten Teilen war dies auch möglich, so darf heute ein großer Teil des Wissens über das Früh- und Hochmittelalter als gesicherte historische Wahrheit gelten. Andere Sachverhalte hingegen lösen heftige Forschungskontroversen zwischen den Experten aus, wie die zahlreichen Meinungen zum Thema Nationalbewusstsein in dieser Zeit aufzeigen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Wissenschaft sich auf Indizien berufen muss, welche beinahe unendlich viel Interpretationsspielraum zulassen. So geschieht es, nach meiner Meinung, immer wieder, dass die Wissenschaftler ihre Mutmaßungen auf ein leidiges Konstrukt aus Haarspaltereien aufbauen und die Fachwelt mit nicht enden wollenden Abhandlungen theoretischer Natur, zumeist im Hinblick auf die Entwicklung von Bezeichnungen für das Volk und den König, beglücken. Regnum teutonicorum hin oder her - ob die große Masse solcher Beiträge sonderlich konstruktiv ist bleibt zu bezweifeln, weil man dadurch, sei die Analyse noch so genau, wohl kaum repräsentative Schlüsse über ein Zugehörigkeitsgefühl innerhalb des einfachen Volkes mit dem ostfränkischen Reich ziehen kann, welches die einzelnen Stämme, seinen es Baiern, Schwaben, Ostfranken, Thüringer oder Sachsen, in einem übergeordneten Gebilde vereinte. Die verschiedenen Meinungen reichen von einem
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Arbeit zitieren:
Florian Schomanek, 2004, Über die Anfänge des deutschen Nationalbewusstseins im 9. - 11. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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