Im vierten Kapitel ihres Aufsatzes „Die verbalen Kasus des Deutschen: Untersuchungen zur Syntax, Semantik und Perspektive“ stellt Christa Dürscheid ganz ausführlich den Einfluss der Verbsemantik auf die Semantik der Kasus in einem deutschen Satz dar. Sie zeigt auch, dass man die Rollensemantik der Kasus-NPs über ihre Kombinatorik teilweise vorhersagen kann (1999: 210-222). Nun lässt sich auch Folgendes vermuten: Nicht nur die Rollensemantik der Kasus kann durch die Semantik des Verbs bestimmt werden, sondern sind auch umgekehrt die Rückschlüsse aufgrund der Kasuskonstruktionen auf die Semantik des Verbs erlaubt. Besonders deutlich kann man es bei den Verben sehen, die zwei verschiedenen semantischen Klassen zugeordnet werden können, und zwar nur aufgrund ihrer syntaktischen Umgebung (Dürscheid 1999: 223). Vgl.: [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erläuterung der Begriffe
2.1 Syntaktische Funktionen
2.2 Semantische Rollen
3. Kasusrahmen und Verbbedeutung
3.1 Prädikative Bedeutung
3.2 Perspektivenwechsel
3.2.1 Sprecher-Hörer-Interesse
3.2.2 Handlungs-Perspektive und Vorgangs-/Zustands-Perspektive
3.3 Synonyme und homonyme Verben
3.3.1 Synonyme Verbpaare
3.3.2 Homonyme Verbpaare
4. Semantische Rollen
4.1 Dynamik und Kausalität
4.2 Unterscheidung der Perspektiven
4.3 Perspektivische semantische Rollen
5. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Kasuskonstruktionen auf die Semantik des regierenden Verbs im Deutschen. Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie syntaktische Rahmen die Bedeutung eines Verbs prägen, eigenständige Bedeutungsanteile übermitteln und zur Differenzierung von Perspektiven beitragen.
- Wechselwirkung zwischen Verbsemantik und Kasusrahmen
- Konzept des Perspektivenwechsels in der Syntax
- Unterscheidung zwischen inhärenter und prädikativer Bedeutung
- Klassifizierung perspektivischer semantischer Rollen
- Analysen zu synonymen und homonymen Verbpaaren
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Im vierten Kapitel ihres Aufsatzes „Die verbalen Kasus des Deutschen: Untersuchungen zur Syntax, Semantik und Perspektive“ stellt Christa Dürscheid ganz ausführlich den Einfluss der Verbsemantik auf die Semantik der Kasus in einem deutschen Satz dar. Sie zeigt auch, dass man die Rollensemantik der Kasus-NPs über ihre Kombinatorik teilweise vorhersagen kann (1999: 210-222). Nun lässt sich auch Folgendes vermuten: Nicht nur die Rollensemantik der Kasus kann durch die Semantik des Verbs bestimmt werden, sondern sind auch umgekehrt die Rückschlüsse aufgrund der Kasuskonstruktionen auf die Semantik des Verbs erlaubt. Besonders deutlich kann man es bei den Verben sehen, die zwei verschiedenen semantischen Klassen zugeordnet werden können, und zwar nur aufgrund ihrer syntaktischen Umgebung (Dürscheid 1999: 223). Vgl.:
1. a) Peter bricht sein Bein.
b) Der Ast bricht in zwei Teile.
und
a) Ich hänge meine Wäsche auf.
b) Die Wäsche hängt an der Leine.
Bei solchen Verben wie brechen und hängen kann man allein über die Konstruktion erschließen, dass es in a)-Beispielen um einen Vorgang und in b)-Beispielen um eine Handlung geht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob Kasuskonstruktionen die Semantik des Verbs beeinflussen können, und illustriert dies anhand von Beispielen wie „brechen“ und „hängen“.
2. Erläuterung der Begriffe: In diesem Kapitel werden grundlegende linguistische Konzepte wie syntaktische Funktionen und semantische Rollen definiert, um die Basis für die weitere Analyse zu schaffen.
3. Kasusrahmen und Verbbedeutung: Dieser Teil beleuchtet den Einfluss des Kasusrahmens auf die Verbbedeutung durch die Einführung von prädikativer Bedeutung und Perspektivenwechsel.
4. Semantische Rollen: Das Kapitel widmet sich der detaillierten Beschreibung perspektivischer semantischer Rollen und deren Zuordnung zu syntaktischen Funktionen im Satz.
5. Schlussfolgerung: Die Schlussfolgerung fasst zusammen, dass Kasusrahmen und Verbsemantik in einer gegenseitigen Abhängigkeitsbeziehung stehen und die Bedeutung eines Verbs maßgeblich mitbestimmen.
Schlüsselwörter
Kasuskonstruktion, Verbsemantik, Kasusrahmen, Perspektivenwechsel, semantische Rollen, prädikative Bedeutung, syntaktische Funktionen, Agens, Patiens, Handlungsperspektive, Existenz-Perspektive, Charakterisierungs-Perspektive, Verbbedeutung, Intentionalität, Satzsemantik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung, wie die syntaktische Umgebung eines Verbs, der sogenannte Kasusrahmen, dessen semantische Bedeutung beeinflussen oder verändern kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Wechselwirkungen zwischen Kasus und Verb, der Perspektivenwechsel im deutschen Satz sowie die Klassifizierung semantischer Rollen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Kasuskonstruktionen eigenständige Bedeutungsanteile zum Satz beisteuern und die Interpretation des regierenden Verbs maßgeblich beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine linguistische Analyse von Beispielsätzen, basierend auf theoretischen Ansätzen der Verbsemantik und Rollentheorien, insbesondere unter Bezugnahme auf Ickler (1990) und Dürscheid (1999).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Grundlagen, die Untersuchung des Kasusrahmens als Ganzes (einschließlich prädikativer Bedeutung) und die detaillierte Klassifikation von semantischen Rollen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Kasusrahmen, Verbsemantik, Perspektivenwechsel, semantische Rollen und prädikative Bedeutung charakterisiert.
Was ist unter einer „prädikativen Bedeutung“ zu verstehen?
Prädikative Bedeutung ist eine Bedeutungseinheit, die sich aus der Wechselbeziehung zwischen der inhärenten Bedeutung des Verbs und seiner spezifischen syntaktischen Umgebung ergibt.
Was unterscheidet die „Existenz-Perspektive“ von der „Handlungsperspektive“?
In der Existenz-Perspektive steht die bloße Anwesenheit oder Lage einer Entität im Fokus, während die Handlungsperspektive die Auswirkungen einer agierenden Entität auf eine andere Entität in den Mittelpunkt stellt.
Wie beeinflusst der Kasus die Intentionalität des Agens?
Die Analyse von synonymen Verbpaaren zeigt, dass eine Konstruktion mit Akkusativobjekt tendenziell eine stärkere Intention des Agens ausdrückt als eine Konstruktion mit Dativobjekt.
- Arbeit zitieren
- Kateryna Buzun (Autor:in), 2008, Kasuskonstruktion und Verbsemantik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124496