Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Die Entwicklung des Vorbildcharakters der USA 4
2.1 Erstes Auftreten nach dem 2. Weltkrieg
4
2.2 Die Wachstumsphase deutscher Universitäten
4
2.3 Erneute Diskussion in der 1980er Jahren
5
3 Wettbewerb zwischen den Universitäten 6
3.1 Wettbewerb zur Leistungssteigerung
6
3.2 Stand in Deutschland vor der Exzellenzinitiative
6
3.3 Wettbewerb in den USA
7
3.4 Die Auswirkungen der Exzellenzinitiative
8
4 Autonomie der Hochschulen 9
4.1 Verwaltungsstrukturen
9
4.1.1 Selbstständigkeit der Universitäten in den USA
9
4.1.2 Reformen in Deutschland 10
4.2 Auswahl der Studenten und Hochschulzugangsberechtigung
11
5 Fazit 13
Literaturverzeichnis 15
2
1 Einleitung
Am 23. Juni 2005 brachte die Rot-Grüne Bundesregierung nach langen Beratungen die Exzellenzinitiative auf den Weg. Hierbei geht es um eine Förderung der Forschung an deutschen Universitäten mit einer Summe von 1,9 Milliarden Euro, die zu 75% vom Bund und zu 25% von den Ländern der geförderten Universitäten getragen werden. Das Ziel ist es wieder zur internationalen Spitzenforschung aufzuschließen. 1
Das Programm stützt sich dabei auf drei Säulen. Die erste Säule soll 40 Graduiertenschulen schaffen, die der Ausbildung von wissenschaftlichem Nachwuchs dienen. Die zweite Säule soll 30 so genannte Exzellenz-Cluster oder auch Spitzen-Forschungszentren schaffen. In der dritten Säule läuft dann der Wettbewerb unter den Universitäten. Hochschulen die in den beiden ersten Säule besonders gut abgeschnitten haben, können hier als Krönung weitere Fördergelder zur Schärfung des eigenen Profils erhalten. 2
Bei allen Debatten um das Hochschulsystem in Deutschland ist schon lange die Vorbildrolle USA zu beobachten. Viele Universitäten in den USA richteten sich ursprünglich nach deutschen Universitäten aus, da diese zu Beginn des letzten Jahrhunderts führend in der Welt wahren und der Humboldtsche Gedanke von Einheit der Lehre und Forschung erfolgversprechend war. 3
Dieses Bild hat sich allerdings zwischenzeitlich gewandelt, man schaut in Deutschland über den großen Teich, denn im internationalen Vergleich beherbergen die USA 54 der besten 100 Universitäten der Welt, darunter die drei besten. Deutschland kann in dieser Aufstellung mit gerade einmal mit sechs Universitäten aufwarten, den besten Platz belegt hier die LMU München auf dem 55. Platz. 4
Dass sich damit die USA in eine Vorbildrolle schieben ist nicht verwunderlich. Jedoch bestehen viele großen Unterschiede zwischen den USA und Deutschland, die eine einfache Übernahme der Ideen unmöglich machen. So wurde in den USA nie eine gezielte Förderung von Eliten betrieben, diese bildeten sich mehr oder weniger von selbst heraus. Die folgende Arbeit beschäftigt sich daher überwiegend mit zwei Bereichen, in denen die Exzellenzinitiative versucht, Vorteile des US-Amerikanischen Systems nach Deutschland zu transferieren. Zum einen soll durch die Initiative ein Wettbewerb zwischen den Universitäten geschaffen werden. Ein weiterer Fokus liegt bei der Schaffung einer größeren Selbstständigkeit der Universitäten.
1 Vgl. Focus Online: Exzellenzinitiative. Bahn frei für Spitzen-Unis. URL: http://www.focus.de/wissen/ campus/exzellenzinitiative/eliteunis/exzellenzinitiative_aid_14968.html (14.12.2008), S. 1.
2 Vgl. Focus Online (2008), S. 2.
3 Vgl. Hinderer, Walter: Die deutsche Exellenzinitiative und die amerikanische Eliteuniversität. Berlin, 2007, S. 99ff.
4 Vgl. Center for World-Class Universities, Shanghai Jiao Tong University: Top 500 World Universities (1-100). URL: http://www.arwu.org/rank2008/ARWU2008_A(EN).htm (17.01.2009).
3
2 Die Entwicklung des Vorbildcharakters der USA
2.1 Erstes Auftreten nach dem 2. Weltkrieg
Nachdem die deutschen Universitäten noch im 19. Jahrhundert als Vorbild für die US-Amerikanischen Hochschulen herangezogen wurde und vor allem amerikanische Graduateprogramme auf dem Humboldtschen Idealen von Einheit der Lehre und Forschung basieren 5 änderte sich diese Lage ab 20. Jahrhundert allmählich. 6
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein föderales Bildungssystem aufgebaut, ganz gezielt wollte man hier ein zentral organisiertes System vermeiden, da man damit während der Zeit des Nationalsozialismus negative Erfahrungen gesammelt hatte. Spätestens mit der Gründung des Atomministeriums 7 im Jahre 1955 stellte der Bund jedoch in immer größer werdendem Umfang finanzielle Ressourcen zur Forschung bereit, die bis 1969 weiter gesteigert wurden. So wurden, soweit verfassungsrechtlich möglich, Universitäten und vor allem außeruniversitäre Forschungseinrichtungen gefördert. Hierbei öffnete man sich erstmals stark dem US-Amerikanischen Vorbild. 8
Darüber hinaus war das amerikanische System in der Bevölkerung schon zu Mitte der 1950er Jahre, vor allem durch die Besatzer, bekannt und forderte von den Universitäten in Deutschland einige neue Denk- und Handelsmuster. So sollte beispielsweise die Forschung praxisorientierter sein, es wurde nach der Anwendbarkeit der Forschungsergebnisse gefragt. Für einige Professoren in Deutschland wirkte gerade dieser Gedanke jedoch eher abschreckend. 9
Beeinflusst wurde das Grundkonzept der deutschen Universitäten dadurch jedoch kaum, anstelle wurde verschiedene außeruniversitätere Forschungseinrichtungen gegründet. Durch die föderalen Strukturen war das universitäre System von raschen Reformen durch die Politik weitestgehend geschützt. 10
2.2 Die Wachstumsphase deutscher Universitäten
Steigende Studentenzahlen in den Jahren 1960 bis 1975 erforderten Reformen im deutschen Hochschulsystem. Bedingt wurde dies unter anderem durch die Erfahrung, dass
5 Vgl. Hinderer (2007), S. 103.
6 Vgl. Kühler, Larissa: Die Orientierung der Reformen im deutschen Hochschulsystem - seit 1998 - am Vorbild des amerikanischen Hochschulwesens. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität, München, 2005, S. 122ff.
7 Das Atomministerium ist der Vorläufer des heutigen Bundesministeriums für Bildung und Forschung, wie es seit 1998 heißt.
8 Vgl. Stucke, Andreas: Mythos USA. Die Bedeutung des Argumentes „Amerika“ im hochschulpolitischen Diskurs der Bundesregierung. In: Stölting, Erhard und Albrecht, Clemens (Hrsg.): Die Krise der Universitäten. Wiesbaden, 2001, S. 121.
9 Vgl. Stucke (2001), S. 121.
10 Vgl. Stucke (2001), S. 121 und Hornbostel, Stefan: Exzellenz und Differenzierung. In: Kehm, Barbara M. (Hrsg.): Hochschule im Wandel. Frankfurt a. M., 2008, S. 255
4
Deutschland weniger Studienanfänger als vergleichbare Länder wie die USA, England und Frankreich hatte, gleichzeitig fiel in einer Studie der OECD eine Technologielücke in Deutschland negativ auf. 11 Zusammen mit dem Wechsel zur sozialliberalen Koalition unter Willy Brandt und der Forderung „Bildung ist Bürgerrecht“ führte das zu stark steigenden Studentenzahlen. 12 Auch die Organisationsform der deutschen Universitäten stand zur Debatte, das US-Vorbild wurde in vielen Diskussionen jedoch entschieden abgelehnt, oft mit dem Verweis auf die alten Traditionen der deutschen Universitäten und der fehlenden Übertragbarkeit auf Deutschland. 13
Eine der wichtigsten Entwicklungen, die aus den damaligen Diskussionen hervorging, war die Schaffung einer Gesamthochschule, vor allem die amerikanischen „Multiversities“ spielten hier eine nicht unerhebliche Rolle. So wurde die Möglichkeit eines Kurz- und eines Langzeitstudiums mit sechs respektive acht Semestern geschaffen. Da jedoch in der Wirtschaft Absolventen des Kurzstudiums wenig Akzeptanz fanden galt das Modell des Kurzstudiums nach US-Vorbild bereits Mitte der 1970er Jahre als gescheitert. 14
2.3 Erneute Diskussion in der 1980er Jahren
Mitte der 1980er Jahre gelangten die Universitäten erneut in das Interesse von Politik und Wirtschaft. Auslöser war unter anderem das Aufkommen des Begriffes der Globalisierung und der Anrechnung von Wissen zu den Ressourcen eines Landes. Zu diesem Zeitpunkt gelangt vor allem das US-Amerikanische Bildungssystem immer stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Es wurde nicht strukturiert vorgegangen, und meist wurden einzelne Teilbereiche des amerikanischen Hochschulsystems mit dem deutschen verglichen. Die zur Diskussion stehenden Punkte unterscheiden sich dabei im wesentlichen nicht von denen, die auch heute noch zur Debatte stehen, und die in den Kontroversen um die Exzellenzinitiative diskutiert wurden. Andere, wie etwa Detlef Müller-Böling 15 , sehen es gar als eine Reformbewegung, die ihren Ursprung Mitte der 1980er Jahre hat. 16 Nach Andreas Stucke 17 sind dies vor allem folgende Punkte: „Stärkung der Hochschulautonomie, Auswahl der Studenten durch die Hochschule, Studiengebühren, Leistungsorientierte Mittelvergabe, Organisatorische Differenzierung von Forschung / Lehre und Ausbildung, Stärkung der Entscheidungsbefugniss von Dekanen und Hochschulleitung, Etablierung von ‚Centers of Excellence‘, Einführung eines Boards als Steuerungsgremium, Leistungsorientierte Bezahlung der Hochschullehrer und stärkere Binnendifferenzierung des Studiums (Bachelor / Master).“ 18
11
Vgl. Stucke (2001), S.
121.
12 Vgl. Kühler (2005), S. 129.
13 Vgl. Stucke (2001), S. 124.
14 Vgl. Stucke (2001), S. 124.
15 Detlef Müller-Böling, geboren am 17. Juli 1948 in Berlin, ist ein deutscher Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler und war von 1994 bis 2008 Leiter des Centrums für Hochschulentwicklung.
16 Vgl. Müller-Böling, Detlef: Die Reformuni. In: Die Zeit. Hamburg, Nr. 9, 20. Februar 2003.
17 Andreas Stucke ist Mitarbeiter im Wissenschaftsrat.
18 Aus Stucke (2001), S. 125.
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Arbeit zitieren:
Tilman Klaeger, 2009, Das Vorbild USA in den Debatten um die Exzellenzinitiative, München, GRIN Verlag GmbH
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