Inhaltsverzeichnis
I Einleitung 1
II Historische Entwicklung der Bettelorden bis zum Beginn
des 16. Jahrhunderts 2
1. Franziskaner 2
2. Dominikaner 4
III Beziehungen zwischen Dominikanern und Franziskanern in ihren
gemeinsamen Wirkungsfeldern 4
1. Theologische Forschung/ Studium 5
2. Inquisition 6
3. Ausbreitung/ Missionierung 7
4. Armutskonzepte 9
5. Franziskaner, Dominikaner - Zusammenarbeit oder Konkurrenz 10
IV Ergebisse 11
V Anhang 13
1. Quellenverzeichnis 13
2. Literaturverzeichnis 18
I. Einleitung
Dominikaner und Franziskaner waren zwei der wenigen Orden, die ein Leben in
Armut mit einer Nähe zur Römischen Kurie zu verbinden suchten. Beide Bettelorden
bewahrten den Protest gegen den Klerus und Fehlverhalten von Kirche vor dem
totalen Bruch mit der Orthodoxie und entwickelten sich in christlichen Ländern und
Missionsgebieten zu zentralistisch geleiteten, disziplinierten Hilfsorganen des
Papstes. In beiden Orden wurde ein Schwerpunkte auf theologische Ausbildung und
Studium gesetzt. Die Parallelen, die zwischen den beiden Orden bestehen, werfen
2
die Frage auf, wie die Beziehungen zwischen Franziskanern und Dominikanern charakterisiert waren.
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Beziehungen der Orden in ihren gemeinsamen Wirkungsfeldern. Es soll untersucht werden, ob eine praktische Zusammenarbeit im Kampf gegen die Häresie und bei der Missionstätigkeit stattfanden. Auf die Ausbreitungs- und Armutskonzepte der Orden, sowie auf die theologische Forschung soll ebenfalls eingegangen werden. Hieraus ergibt sich die Frage, ob die Relationen der Orden durch weitergehende Zusammenarbeit oder durch Konkurrenzdenken gekennzeichnet waren. Den Schwerpunkt wird auf die Beziehungen zwischen päpstlich interpretiertem Franziskanertum und Dominikanertum gesetzt, da hier weitestgehende Übereinstimmungen in Verfassung und Mentalität vorzufinden waren.
Das Thema wird in dem Sinne behandelt, dass eine zeitliche Eingrenzung vom13. Jahrhundert bis zum Beginn des 16. Jahrhundert erfolgt. Die Ordenszweige der Frauen werden dabei ausgeklammert.
Literatur, die sich auf die oben erwähnte Thematik bezieht, ist kaum vorhanden. Es gibt viele Monographien, die sich mit einem der Bettelorden beschäftigen (zu erwähnen ist hier das Standardwerk „Franziskus von Assisi und seine Bewegung“ von Helmut Feld), doch geht keines näher auf die gegenseitigen Beziehungen ein. Das Thema ist bisher kaum erforscht worden und man kann auf keinen aktuellen Forschungsstand verweisen.
Die Arbeit ist thematisch aufgebaut. Das zweite Kapitel der Arbeit gibt eine Einführung in die Thematik der Dominikaner und Franziskaner. Die historische Entwicklung der beiden Bettelorden bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts wird beschrieben. Im dritten Kapitel werden die Beziehungen in den gemeinsamen Wirkungsfeldern der Orden(Theologische Forschung, Inquisition, Ausbreitung/ Missionierung, Armut) und die Frage nach gegenseitiger Konkurrenz untersucht. Der Schlussteil (4. Kapitel) stellt die Ergebnisse der Untersuchung dar. Nach dem Schlusswort sind Anmerkungen und Literaturverzeichnis vorzufinden.
3
II. Historische Entwicklung der Bettelorden bis zum Beginn des 16.
Der Franziskanerorden (Ordo fratrum minorum) geht auf den 1181 in Assisi geborenen Franziskus 1 zurück. Er wurde 1209 von Papst Innozenz III. mündlich bestätigt. In der Frühzeit des Ordens bestimmten die Ideale der Buße, der Predigt und der Unterordnung unter den Papst die Franziskaner. Die Armut als radikaler Verzicht auf jedes, auch gemeinschaftliche Eigentum war das Hauptziel der vorwiegend von Laien getragenen Bruderschaft. Die unerwartete Ausbreitung des Ordens veranlasste Franziskus 1220 einen Protektor (Kardinal Hugolino von Ostia) von Papst Honorius III. zu erbitten. Auf Forderung der Brüder und der kirchlichen Autorität stimmte Franziskus einer Abfassung der Ordensregel zu („Regula non bullata“ 1221). Sie wurde 1223 durch eine Neufassung ersetzt (Bulle „Solet annuere“ Honorius’ III. vom 29.11.1223). Im Jahre 1225 war der Minoritenorden in fast allen europäischen Ländern verbreitet und übte Missionstätigkeiten in nichtchristlichen Ländern aus. Kurz vor seinem Tod (1226) verpflichtete Franziskus die Brüder in seinem Testament auf die in der Regel bestimmte Form des Ordens. Im Jahre 1230 wurde das Testament des heiliggesprochenen Franziskus durch den zum Papst gewählten Hugolino von Ostia (Gregor IX.) außer Kraft gesetzt und die radikale Armut im Orden beseitigt (Bulle „Quo elongati“ vom 28.9.1230). Mit der zunehmenden Umbildung in einen klerikalisierten Orden, der im universitären Lehrbetrieb eingebunden war, wurden die Konfliktfälle zwischen franziskanischem Ideal und Kirchenrecht häufiger, bis sich der Orden schließlich in das allgemeine kirchliche Rechtssystem eingliederte. Durch weitere päpstliche Regelerklärungen (1245 Bulle „Ordinem vestrum“ Innocenz’ IV.; 1279 Bulle „Exiit qui seminat“ Nikolaus’
1 eigentlich Giovanni Bernardone, *Assisi 1181, ebenda 3.10. 1226; stammte aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie. Nach Krankheit und Bekehrungserlebnissen lebte er seit 1208 als Bettler und Wanderprediger und widmete sich der Pflege der Aussätzigen. 1209 schlossen sich ihm die ersten Gleichgesinnten an. Die schnell wachsende Anhängerschaft verband Franz von Assisi zum »Orden der Minderen Brüder« (Franziskaner). Franz trat 1220 von der Leitung des Ordens zurück (Rückzug auf den Monte Alverno, dort 1224 Stigmatisation). Seine Frömmigkeit ist bestimmt durch Einfühlsamkeit und Gebet, weniger durch theologische Gelehrsamkeit. Bereits 1228 heilig gesprochen.
Vgl. Elm, K. u.a., Art. „Franziskus. 1. F. v. Assisi“, in: LexMA IV, München/ Zürich 1989, Sp. 830- 835.
4
III.) folgte eine Spaltung in päpstlich interpretiertes Franziskanertum (Kommunität) und Franziskanertum gemäß den Regeln des Franziskus (Spiritualen). Die Spiritualen „insistierten (...) erneut auf strengster Armut (...) u. trugen die Forderung über den Orden in die Gesamtkirche“ 2 (Theoretischer Armutsstreit, ob Jesus und die Apostel Eigentum besessen hätten oder nicht). 1317 (Bulle „Quorundam exigit“) und 1322/ 23 (Bullen „Ad conditorem canonum“ und „Cum inter nonnullos“) erklärte Papst Johannes XXII. die Lehre, dass Jesus und die Apostel in völliger Besitzlosigkeit gelebt hätten, als häretisch und entzog die franziskanische Konzeption der Armut seiner Grundlage. Die Spiritualen und andere Anhänger dieses Ideals wurden aus Orden und Kirche ausgeschlossen und als Häretiker („Fraticellen“) verfolgt. „Der franziskanische Armutsstreit wurde auf diese Weise zu einem kirchenpolitischen Problem, das durch die Wahl des Petrus v. Corbara zum Gegenpapst (...) sogar zum [Abendländischen] Schisma führte“. 3
Nach der Eliminierung der Spiritualen dominierte die päpstlich interpretierte vita franciscana, die mit weiteren Konstitutionen (zum Beispiel das Rundschreiben des Generalministers Farinier 1349) zu einem immer weiteren Abrücken von der franziskanischen Urform, Armut und Predigt, führte (Konventualen). Die Observanten traten für eine Befolgung der authentischen Ideale des Franziskus ein (Martin V. (1417- 1431) hatte die im Armutsstreit von Johannes XXII. eingeführten Entscheidungen widerrufen). Mit der Zeit folgte auch hier eine stärkere Hinwendung zu den theologischen Studien. Durch kirchliche und weltliche Obrigkeit unterstützt, setzten sie sich im Orden durch. Leo X. legte 1517 durch die Bulle „Ite et vos“ die endgültige Trennung von Konventualen und Observanten fest. 4
2. Die Dominikaner
Die Dominikaner (Ordo fratrum praedicatorum) wurden 1216 von dem Kleriker Dominikus 5 gestiftet und im gleichen Jahr durch Papst Honorius III. bestätigt (Bulle „Religiosam vitam eligentibus“). Sie entsprangen einer Gemeinschaft, die „sich der
2 Frank, Karl Suso, Art. „Franziskaner“, in: LTHK³ 4, Freiburg u.a. 1995, Sp. 32.
3 Pellegrini, L. u.a., Art. „Franziskaner“, in: LexMA IV, München/ Zürich 1989, Sp. 806.
4 Vgl. ebd. Sp.800- 822.
Vgl. auch Frank, Karl Suso, Art. „Franziskaner“, in: LTHK³ 4, Freiburg u.a. 1995, Sp. 30- 36.
5 *Caleruega (Provinz Burgos) um 1170, Bologna 6. 8. 1221; 1234 kanonisiert. Vgl. Vicaire, M.- H.; Binding, G., Art. „Dominikus“, in: LexMA III, München/ Zürich 1986, Sp. 1221-1223.
5
religiösen Rückgewinnung der Diözese Toulouse und ihrer Umgebung für die Orthodoxie“ 6 widmete. Neben dem Ideal der Armut und der Unterordnung unter die Römische Kirche trat vor allem das Studium hervor. Es sollte die Brüder auf die Predigt- beziehungsweise Missionstätigkeit, welche das eigentliche Ziel des Ordens war, vorbereiten.
Die rasche Ausbreitung veranlasste Dominikus 1216 und 1220- 21 die Verfassung des Klerikerordens, die 1238- 41 überarbeitet wurde, zu entwickeln. Zum Zeitpunkt des Todes von Dominikus (1221) waren die Predigerbrüder in fast allen Ländern Europas vertreten und bereits als Missionare tätig. 1232 wurde dem Bettelorden durch Papst Gregor IX. die Leitung der Inquisition übertragen. Das Abendländische Schisma führte zum Dualismus von zwei Generalmeistern (1380-1418). Reformbewegungen führten im 15. Jahrhundert zur Konkurrenz zwischen Observanten (Ideal von monastischer Disziplin und schulischer Bildung) und Konventualen. Dennoch hat sich der Orden nicht gespalten und blieb als Einheit bestehen. Dieser Zustand wird vor allem der ausgeprägten Verfassung zugeschrieben. 7
III. Beziehungen zwischen Dominikanern und Franziskanern in ihren
1. Theologische Forschung/ Studium
Im Laufe der Zeit kam es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Dominikanern und Franziskanern auf dem Gebiet der Theologie. Die Frage, ob die Armutsauffassung des Franziskus mit dem des Evangeliums übereinstimme oder nicht, war dabei der Hauptstreitpunkt.
In seinem Werk „Summa theologica“ (1267- 73) verneinte der bedeutende Dominikanergelehrte Thomas von Aquin 8 die Schriftgemäßheit des franziskanischen
6 Vgl. Vicaire, M.- H.; Dirks, A.; Huebner, D. v ., Art. „Dominikaner, Dominikanerinnen“, in: LexMA III, München/ Zürich 1986, Sp. 1192.
7 Vgl. ebd. Sp. 1192- 1197.-
Vgl. auch Frank, Isnard Wilhelm, Art. „Dominikanerorden“, in: LTHK³ 3, Freiburg u.a. 1995, Sp. 309-318.
8 italienischer Philosoph, Theologe und Kirchenlehrer, *ÿSchloss Roccasecca (bei Aquino) um 1225, •ÿAbtei Fossanova (Latium) 7.ÿ3. 1274; aus gräflichem Geschlecht, Dominikaner, Schüler von Albertus Magnus in Köln; lehrte in Paris, Orvieto, Viterbo, Rom und Neapel. Thomas von Aquin war
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Armutsideals 9 . Er vertrat zudem die dominikanische Auffassung, dass die „Vollkommenheit des christlichen Lebens nicht wesentlich in der Armut, sondern in der Nachfolge Christi“ 10 besteht. Beeinflusst durch die Werke Thomas von Aquins erklärte schließlich Johannes XXII. im sogenannten Theoretischen Armutsstreit die franziskanische These des besitzlosen Jesu als häretisch (1323) 11 . Andere theologische Streitpunkte waren zum Beispiel die von den Franziskanern verteidigte Unbefleckte Empfängnis Mariens 12 .
Die Lehrstreitigkeiten, in denen Dominikaner meistens gegen franziskanische Ansichten vorgingen (siehe auch Kapitel 3.2 Inquisition), entfernten dabei die beiden Mendikantenorden voneinander.
Andererseits führten Angriffe von außen die Orden zusammen. Die Privilegierung der Bettelorden durch Martin IV. (Bulle „Ad fructus uberes“ vom 13.12.1281) „auch ohne besondere Erlaubnis (der Diözesanbischöfe und Pfarrer) zu predigen und Beichte zu hören“ 13 und die damit verbundene Übernahme pastoraler Aufgaben führte zu weiterer Kritik des Pfarrklerus 14 . Im Pariser Universitätsstreit (seit 1252) warfen die Lehrkörper der Universität den beiden Bettelorden ein nicht evangeliumsgemäßes Lebensideal vor 15 , mit dem Ziel eine Besetzung von theologischen Lehrstühlen durch Mendikanten zu verhindern 16 . Insbesondere die Dominikaner (vor allem Thomas von Aquin) traten hier neben einzelnen Franziskanern als Verteidiger der beiden Mendikantenorden auf 17 . Ein gemeinsames Auftreten gegen Widerstände kann also erwähnt werden.
der bedeutendste Philosoph und Theologe des Mittelalters. Er fasste den überlieferten Augustinismus mit den Lehren des erst zu seiner Zeit dem Abendland insgesamt bekannten Aristoteles in einer philosophisch- theologischen Synthese zusammen. 1323 kanonisiert. Vgl. Elders, L., Art. „Thomas v. Aquin“, in: LexMA VIII, München 1997, Sp. 706- 711.
9 Vgl. Feld, Helmut, Franziskus von Assisi und seine Bewegung, Darmstadt 1994, S. 467.
10 Ebd. S. 192.
11 Vgl. ebd. S. 499.
12 Vgl. Heimbucher, Dr. Max, Die Orden und Kongregationen der katholischen Kirche, München/ Paderborn/ Wien³ 1965 (Band 1), S. 502.
13 Ebd. S. 696.
14 Vgl. ebd. S. 487.-
Vgl. auch Quellenanhang: Brief Innozenz´IV. an die Erzbischöfe von Köln und Magdeburg (Quelle 1).
15 Vgl. Feld, Helmut, Franziskus von Assisi und seine Bewegung, Darmstadt 1994, S. 465.
16 Vgl. Heimbucher, Dr. Max, Die Orden und Kongregationen der katholischen Kirche, München/ Paderborn/ Wien³ 1965 (Band 1), S. 698.
17 Vgl. ebd. S. 499f., S. 698f.
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Matthias Storm, 2002, Die Beziehungen zwischen Dominikanern und Franziskanern ih ihren gemeinsamen Wirkungsfeldern, München, GRIN Verlag GmbH
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