Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Theoretische Argumente für Zentralbankunabhängigkeit
2.1 Zeitinkosistenzproblem und institutionelle Lösungen 4
2.2 Unabhängigkeit 5
3. Empirische Studien zur Zentralbankunabhängigkeit
3.1 Methoden zur Messung der Zentralbankunabhängigkeit 7
3.2 Ergebnisse empirischer Studien 8
4. Schlussfolgerungen 11
5. Literaturverzeichnis 12
1. Einleitung
Seit den letzten zwei Jahrzehnten steigt überall auf der Welt, sowohl in Industrieländern als auch in Entwicklungsländern, der Grad der Zentralbankunabhängigkeit. Waren sie früher noch eine Abteilung des Finanzministeriums (Cukierman, 2006), so bilden die Zentralbanken heute vielfach eine Institution, welche die monetären, politischen Entscheidungen eigenständig und unabhängig trifft. Mit dieser Autonomie einher geht eine zumeist stabilere Inflationsrate und somit ein stabiles Preisniveau (im Folgenden wird der in empirischen Arbeiten gebräuchlichere Ausdruck einer „niedrigen Inflationsrate“ als Synonym für die Preisniveaustabilität genutzt).
Häufig wird beispielsweise die Unabhängigkeit der deutschen Bundesbank und gleichzeitig eine der niedrigsten Inflationsraten nach Ende des zweiten Weltkriegs als Indiz dafür gesehen, dass eine autonome Zentralbank ein effektives Mittel ist, um die Preisniveaustabilität zu sichern (Eijffinger und de Haan, 1996).
In dieser Arbeit soll untersucht werden, ob zwischen diesen beiden Faktoren ein Kausalzusammenhang besteht und ob Zentralbankunabhängigkeit (ZBU) das notwendige und hinreichende Kriterium ist um Preisniveaustabilität zu erreichen.
In Kapitel 2 werden grundlegende theoretische Modelle vorgestellt mit deren Hilfe der Zusammenhang zwischen den beiden Variablen beschrieben werden kann, um dann im Folgenden die verschiedenen Bestandteile der ZBU zu definieren, auf mögliche Probleme hinzuweisen und konkrete institutionelle Ausgestaltungen vorzustellen.
Kapitel 3 befasst sich dann mit den Möglichkeiten die Zentralbankunabhängigkeit zu operationalisieren, um damit empirische Studien durchführen zu können. Dies soll an Hand zweier, exemplarisch ausgewählter, Indikatoren verdeutlicht werden. Des Weiteren wird auf die Ergebnisse aktueller empirischer Studien über den Zusammenhang zwischen ZBU und Preisniveaustabilität eingegangen, um dann in Kapitel 4 die Ergebnisse zusammenzufassen.
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2.1 Zeitinkonsistenzproblem und institutionelle Lösungen
Das wohl am häufigsten angeführte und prominenteste Argument für die Zentralbankunabhängigkeit basiert auf dem Zeitinkonsistenzproblem, welches Kydland und Prescott (1977) entdeckten.
In ihrem Modell stellen die Wissenschaftler die Nachteile diskretionärer Politik gegenüber einer regelgebundenen Politik dar. Bei ersterer Variante entscheiden die verantwortlichen Politiker so, dass zu jedem Zeitpunkt die beste Entscheidung unter Berücksichtigung der derzeitigen Situation gefällt wird. Mit diesen Entscheidungen wird versucht eine fixe soziale Zielfunktion zu maximieren. Allerdings beeinflussen bereits diskretionäre Ankündigungen „die Erwartungen und damit auch das Handeln der privaten Wirtschaftssubjekte“ (Belke, Setzer, 2004, S.2) in dynamischen Systemen. Bei dynamischen, ökonomischen Systemen ist es also so, dass rationale Wirtschaftssubjekte ihr Handeln von den Erwartungen über das Verhalten der politischen Entscheidungsträger abhängig machen. Somit verändern sich die Rahmenbedingungen für die Politiker und der Anreiz sich an die Ankündigungen zu halten besteht nicht mehr. Ex post ist die zuvor angekündigte Strategie also suboptimal. Bei sich ändernden ökonomischen Rahmenbedingungen durchschauen die Wirtschaftssubjekte in etwa wie sich Politiker in der entsprechenden Situation verhalten, nämlich zeitlich inkonsistent. Deshalb entsprechen die Erwartungen der Privaten nicht den Ankündigungen der Politiker. Letztendlich erkennen Politiker nicht, dass ihr Verhalten einen Effekt auf die optimalen Entscheidungen der Wirtschaftssubjekte hat.
Barro und Gordon (1983b) griffen das Beispiel Inflation und Beschäftigung aus Kydland und Prescotts Aufsatz auf und erweiterten es um eine spieltheoretische Analyse bei der sich Regierung und Private in einer Art Gefangenendilemma befinden.
Es wird davon ausgegangen, dass diskretionäre Regime Überraschungsinflation, also Inflation, die über den Inflationserwartungen der Privaten liegt, erzeugen können. Der Vorteil liegt für die Regierung darin, dass aufgrund dieser Maßnahme kurzfristig die Arbeitslosigkeit verringert werden kann. 1 Wenn die privaten Wirtschaftssubjekte allerdings die Anreize der Politiker verstehen, können diese Überraschungen nicht eintreten („Glaubwürdigkeitsproblem“) und die Privaten werden ihre Inflationserwartungen anpassen.
Beim nächsten Zusammentreffen sehen sich die Politiker wiederum den gegebenen Inflationserwartungen der Privaten gegenüber und müssen die angestrebte Inflationrate abermals nach oben verändern um einen Effekt auf dem Arbeitsmarkt zu erzielen. Langfristig führt dies dazu, dass Geldmengenwachstum und Inflation exzessiv werden und kein Effekt bei der Beschäftigung
1Aufgrund der Tatsache, dass Politiker allein an ihrer Wiederwahl interessiert sind können sie durch vorübergehende Stimulation realer ökonomischer Faktoren wie der Beschäftigung ihre Chancen bei der nächsten Wahl erhöhen (Nordhaus, 1975). Weitere Studien (Cukierman, 1992; Schaling, 1995) unterscheiden sich hierbei lediglich in den Annahmen über die Anreize der Politiker.
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Arbeit zitieren:
Diplom-Volkswirt Benedikt Hüppe, 2007, Garantiert Zentralbankunabhängigkeit Preisniveaustabilität?, München, GRIN Verlag GmbH
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