Inhalt
1. Einleitung 3
2. Die Bedeutung der Augen für die Charakterdarstellung 5
2.1 Clara 5
2.2 Olimpia 7
2.3 Coppelius/Coppola 8
2.4 Spalanzani 10
2.5 Nathanael 10
3. Die Augen im Zusammenhang mit Nathanaels Wahnsinn 11
3.1 Das Märchen vom Sandmann 11
3.2 Die Rolle der Augen im Sandmann-Märchen 11
3.3 Die alchimistische Laborszene 13
3.4 Nathanaels Dichtung 14
3.5 Das Perspektiv und die Zerstörung Olimpias 15
3.6 Die Rolle der Augen in der Schlussszene 17
4. Kastrationsangst nach Sigmund Freud 19
5. Schlusswort 20
6. Literaturverzeichnis 21
6.1 Primärliteratur 21
6.2 Sekundärliteratur 21
6.2 21
1. Einleitung
Die Erzählung „Der Sandmann“ ist der kulturgeschichtlichen Epoche Romantik des 18./19. Jahrhunderts zugeordnet. Beim erstmaligen Hören verbindet man mit dem Begriff Romantik die aktuelle Bedeutung im Zusammenhang mit Liebe, Sehnsucht und Nostalgie. In literarischer Hinsicht bezeichnet er einen Zeitabschnitt, der sich von der vernunftorientierten Aufklärung abwendet. Die Romantiker interessieren sich für unausgeleuchtete Themen des Lebens, wie zum Beispiel das Unheimliche, das Mystische und die Leidenschaft, fernab jeder Vernunft. E.T.A. Hoffmann, einer der Hauptvertreter dieser Epoche, nimmt diese Leitgedanken in seinen Werken auf.
„Der Sandmann“ erscheint 1816 in der zweibändigen Sammlung der Nachtstücke. Der Begriff Nachtstück bezeichnet einen „nächtlichen Naturausschnitt bzw. seine künstlerische Darstellung mit besonderer Herausarbeitung seiner Stimmung“ 1 . Beurteilt man nur den Titel, so assoziiert man das gütige Sandmännchen aus den Kindheitserinnerungen. Hoffmann dagegen verkehrt „den Sandmann zur Schreckgestalt, die zur allegorischen Figur kindlicher Ängste verdichtet wird“ 2 . Er bedient sich in der Erzählung unterschiedlicher Motive, die ausreichend erforscht wurden. Laut Wolfgang Kayser ist, das Augenmotiv, neben dem Puppenmotiv, ein „Leitmotiv der Erzählung“ 3 . „Fast alle Forschungsbeiträge […] beschäftigen sich mit […] optischen Phänomenen des Textes“ 4 .
In dieser Ausarbeitung habe ich mich für das Motiv der Augen entschieden, da es einen vielfältigen Interpretationsraum zulässt. Augen können einerseits Gegenstände wahrnehmen, aber strahlen andererseits auch die Gemütsverfassung, die Seele eines Menschen aus.
1 Hohoff, Ulrich: E.T.A. Hoffmann. Der Sandmann. Textkritik, Edition, Kommentar. Berlin/New York: de Gruyter 1988 (=Quellen und Forschungen zur Sprach- und Kulturgeschichte der germanischen Völker ; 211 = N.F.,87). S. 233.
2 Kremer, Detlef: E.T.A. Hoffmann. Erzählungen und Romane. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1999.S 66.
3 Kayser, Wolfgang: Das Groteske. Oldenburg: Gerhard Stalling Verlag 1957. S. 77.
4 Hohoff, Ulrich: E.T.A. Hoffmann. Der Sandmann. Textkritik, Edition, Kommentar. S. 278.
Hierzu untersuche ich im Folgenden die Bedeutung der Augen in Bezug auf die Charakterdarstellung, Nathanaels Wahnsinn und Freuds Interpretation zu Nathanaels Augenangst. Dabei habe ich selbständig gearbeitet und die vorhandene Sekundärliteratur lediglich als Unterstützung genutzt. Die Quellenlage der Sekundärliteratur war schwierig, da ein großer Teil der Literatur bereits verliehen war und mir dadurch der Zugang dazu verwehrt wurde. Schlussendlich stellt sich für mich die Frage, inwieweit Nathanaels Kindheitserlebnisse in Verbindung mit der Augenangst für seinen Wahnsinn tatsächlich verantwortlich sind?
2. Die Bedeutung der Augen für die Charakterdarstellung
Die Augen spielen in vielerlei Hinsicht eine wichtige Rolle. Sie stellen nicht nur ein empfindliches Sinnesorgan zur Bildwahrnehmung und Orientierung der Außenwelt dar, sondern sind auch der „Spiegel der Seele“ 5 .
Die Augen fungieren als Instrument zur Verknüpfung des Innersten eines Menschen mit der Außenwelt. E.T.A. Hoffmann bedient sich des Motivs zur expliziten Darstellung der wichtigsten Charaktere in „Der Sandmann“. Bemerkenswert dabei ist, dass der Leser allein durch die Beschreibung der Augen entweder Sympathie oder Antipathie für die Figur entwickelt. So zum Beispiel bei folgenden Charakteren.
2.1. Clara
Claras Augen werden in der Novelle genau beschrieben. In den Briefen an Lothar schreibt Nathanael:
In der Tat, man sollte gar nicht glauben, dass der Geist, der aus solch hellen hold lächelnden Kindesaugen, oft wie ein lieblicher süßer Traum, hervorleuchtet, so gar verständig, so magistermäßig distinguieren könne. 6
Die von mir kursiv hervorgehobenen Adjektive haben rein positive Eigenschaften, so dass Clara zu den Protagonisten gehört, die man meiner Meinung nach auf Anhieb nett und intelligent findet. Ein weiterer Grund für die zusagende Empfindung des Lesers für Clara ist die Erzählfigur, die in der Novelle des Öfteren in abgesetzten Passagen als Ich-Erzähler vorkommt. Er stellt Claras Augen folgendermaßen dar:
[…] verglich Claras Augen mit einem See von Ruisdael, in dem sich des wolkenlosen Himmels reines Azur […] buntes, heitres Leben spiegelt. […] aus ihrem Blick wunderbare himmlische Gesänge und Klänge entgegenstrahlen, die in unser Innerstes dringen, dass das alles wach und rege wird? 7
5 Hohoff, Ulrich: E.T.A. Hoffmann. Der Sandmann. Textkritik, Edition, Kommentar. S. 283.
6 Hoffmann, E.T.A: Der Sandmann. Stuttgart: Reclams Universal-Bibliothek 1991, 2003. S. 16.
7 Hoffmann, E.T.A: Der Sandmann. S. 20.
Des Weiteren erhält man den Eindruck, dass Hoffmann die Namen seiner Figuren überlegt gewählt hat. Der Name Clara bedeutet der Etymologie nach „ hell, klar und leuchtend“ 8 und so wird auch ihr Blick beschrieben, der auf ihre Persönlichkeit schließen lässt. Denn sie ist es gewesen, die von Beginn an Nathanaels Zustand klar erkannt hat und ihm die Augen öffnen wollte.
Gerade heraus will ich es dir nur gestehen, dass, wie ich meine, alles Entsetzliche und Schreckliche, wovon du sprichst, nur in deinem Innern vorging, die wahre wirkliche Außenwelt aber daran wohl wenig teilhatte. 9 Clara repräsentiert durch ihre „kalte, gefühllose“ 10 Art in „der Sandmann“ den Absolutismus und nicht die Romantik. Das zeigt sich dadurch, dass sie rational und mit dem Glauben an die Vernunft mit Nathanaels vermeintlichen Erfahrungen und Fantasien umgeht. Jedoch schafft sie es nicht Nathanael von seinem Hang zum Mystischen zu trennen „und so entfernten beide im Innern sich immer mehr voneinander, ohne es selbst zu bemerken“. 11 Dies führt schließlich auch dazu, dass sich Nathanael Olimpia zuwendet, die für ihn eine „herrliche Zuhörerin“ 12 für seine zahlreichen Gedichte und Visionen ist.
Alleine an der Darstellung Claras sieht man, dass die Augen neben dem Automatenmotiv ein Leitmotiv sind und wie ein roter Faden die gesamte Novelle hindurch begleiten.
8 http://www.baby-zeit.de/service/vornamen/c/clara.php. 12.03.2009.
9 Hoffmann, E.T.A: Der Sandmann. S. 13.
10 Ebd. S. 21.
11 Ebd. S. 23.
12 Ebd. S. 35.
Arbeit zitieren:
Amalia Mai, 2009, Die Bedeutung der Augen in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann", München, GRIN Verlag GmbH
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