DAS BARBERINI-DIPTYCHON
Referat im Rahmen des kunstgeschichtlichen Proseminars
" Frühchristliche und mittelalterliche Elfenbeinkunst (5.-12. Jahrhundert)"
Referentin: Christa Harlander
November 2002
Das Barberini-Diptychon (Abb. siehe Titelblatt) entstand in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts 1) in Konstantinopel. Es ist aus Elfenbein gefertigt und hat das Format 34,2 x 26,6 cm. Das Diptychon ist fünfteilig, wobei nur einer der beiden Flügel erhalten ist und von diesem das originale rechte Seitentäfelchen fehlt. Nach Richard Delbrueck 2) handelt es sich bei der erhaltenen Tafel um die hintere des Diptychons. Das Relief war vermutlich bemalt und mit Edelsteinen, die jedoch größtenteils ausgefallen sind, besetzt.
Der Name des Diptychons bezieht sich auf die Sammlung Barberini in Rom, in der es sich bis zum Ende des 19. Jh. befand. Kardinal Barberini erhielt das Diptychon im Jahr 1625 von einem Gelehrten namens Nicolas-Claude Fabri de Peiresc aus Aix-en-Provence als Geschenk. Man nimmt an, dass sich das Diptychon schon im 7. Jahrhundert in der Provence befunden hat, da sich auf seiner Innenseite eine Liste mit Namen von Bischöfen des 4.-7. Jahrhunderts und Königen aus der Zeit von 612-675 aus dieser Region befindet 3). 1899 wurde das Diptychon bei der Versteigerung der Sammlung Barberini in Paris für den Louvre erworben, wo es sich auch heute noch befindet (Inv.-Nr. OA. 9063).
Typus und Verwendungszweck
Das Wort Diptychon kommt aus dem Griechischen und bedeutet "doppelt gefaltet". Seit der Antike bezeichnete man damit zweiflügelige, zusammenklappbare Schreibtafeln aus Holz, Metall oder Elfenbein. Die beiden Flügel solcher Diptychen wurden mit Schnüren, Riemen oder (in späterer Zeit) mit Scharnieren verbunden. Geschrieben wurde mit Griffeln auf einer Wachsschicht, mit der die Innenseiten der Diptychen überzogen waren. Diptychen aus Elfenbein wurden wegen ihres Materials auch „libri elephantini“ (= Elfenbeinbücher) genannt.
Seit Ende des 4. Jahrhunderts wurden elfenbeinerne Prunkdiptychen 4) mit Schnitzereien an den Außenseiten unter anderem zu Geschenkzwecken hergestellt. Hohe kaiserliche Beamte und Konsuln verteilten solche Elfenbeintafeln nach ihrer Ernennung an Freunde und hochrangige Persönlichkeiten. Ein kaiserliches Edikt von 384 gestattete schließlich nur mehr Konsuln Elfenbeindiptychen zu verschenken.5) (Ab diesem Zeitpunkt mussten sonstige Beamte, die Prunkdiptychen verschenken wollten, diese entweder aus anderen Materialien herstellen lassen oder um einen Dispens vom Gesetz ansuchen.)
Diese sogenannten Konsulardiptychen sind für die Wissenschaft sehr interessant, da sie sich aufgrund ihrer Inschriften (für gewöhnlich die Namen und Titeln der Konsuln, manchmal aber nur Monogramme) - im Gegensatz zu anderen Elfenbeinarbeiten jener Zeit - meist genau datieren lassen. Diese Inschriften sind auch für weitere Zuordnungen von Bedeutung, da sie bei westlichen Diptychen auf der hinteren Tafel beginnen, bei den östlichen dagegen auf der vorderen 6).
Während die aus dem 5. Jh. erhaltenen Konsulardiptychen auf römische Konsuln zurückgeführt werden, nimmt man bei den meisten Exemplaren des 6. Jh. Konstantinopel als Herstellungsort an. Das früheste bekannte Konsulardiptychon ist das Probus-Diptychon von 406 n. Chr. (Abb. 1), das späteste stammt vom Konsul Justinus aus dem Jahr 540 n. Chr. (Abb. 2). 7)
[...]
1) Über die genaue Datierung gibt es leicht differierende Meinungen: Zum Beispiel nennt P. Metz das Datum 527 n. Chr., während W. Telesko 540 n. Chr. angibt: Peter Metz, Elfenbein der Spätantike, München, 1962, S. 32; Werner Telesko, Studien zu den Bildquellen des sogenannten Barberini-Diptychons in Römische Historische Mitteilungen, 41. Band, Wien 1999, S. 371.
2) Richard Delbrueck, Die Consulardiptychen und verwandte Denkmäler, 1929, S 20; S 193; S 188, N48: "Der Deckel war der hintere eines Diptychons, da auf der linken Seite unter der Mitte sein Rahmen leicht eingezogen und an der oberen Kante abgerundet ist; das Scharnier saß also an dem verlorenen rechten Teilstück.“
3) Wolfgang Fritz Volbach, Elfenbeinarbeiten der Spätantike und des frühen MA, 1976, S. 47; Peter W.Hartmann, Elfenbeinkunst, Wien, 1998, S. 41
4) zu den verschiedenen Arten und Typen von Prunkdiptychen siehe Delbrueck (wie in Anm.2), S. 3-16.
5) Delbrueck (wie in Anm. 2) S. 6.
6) wie oben, S. 16.
7) Hartmann (wie in Anm. 3) S. 39-41.
Arbeit zitieren:
Christa Harlander, 2002, Das Barberini-Diptychon, München, GRIN Verlag GmbH
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